Vereine und Innungen

(Verfasser: Hella Tegeler)


Quelle:
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Schlesischer Gebirgsbote

A)   Vereine:


In der 2.000-Einwohnerstadt Schömberg blühte früher ein reges Gesellschafts- und Kulturleben. Viele Vereine hatten sich im Laufe der Jahrzehnte etabliert.

Die Schützengilde Schömberg

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Die Schützengilde Schömberg wurde im Jahr 1616 gegründet. In diesem Jahr erteilte der Abt Calvaei die Bestätigung für die Gründung der Gilde. 1620 schenkte er für den Schützenkönig ein künst-lerisch wertvolles Abzeichen in Form eines großen ovalen Medaillons, das in Silber gearbeitet und vergoldet war mit eingravierter Widmung des Abtes. 

Das jährliche Schützenfest fand stets Pfingsten statt. Die festliche Veranstaltung mit anschließender Königsproklamation wurde im Schützenhaus durchgeführt. Das am Stadtrand gelegene Haus im Fachwerkstil war um 1650 errichtet worden und stand unter Denkmalschutz. Heute ist dieses Gebäude nicht mehr vorhanden.

Bis zur Vertreibung war die Schützengilde Schömberg aus dem Leben der Kleinstadt nicht wegzudenken und ein wichtiger Faktor im Gesellschaftsleben der Stadt.

Die Gaststätte "Schützenhaus"
(Inhaber: Gustav Niewerth und Ehefrau Bertha, geb. Geisler)

Der Eingang zur Gaststätte
(Bild von Herrn Hubert Jahn aus Datteln)

Schützenkönig 1923 wurde Fabrikbesitzer Alois Pfeiffer, rechts und links: Johannes Schremmer und Gastwirt Wilhelm Kleinert. Die Königspagen waren: Gerhard Jenke, Anni Niepel und Hans Wieland.

Pfingstschießen 1934: Max Schulz, Max Stierand, Josef Niepel, Romuald Tichatzki, Klärchen Schulz und Josef Niepel jun.

Pfingstschießen 1935: Dr. Schneider (Bürgermeister in Schömberg), Max Schulz, Carl Hielscher, Romuald Tichatzki, Renate Dörffel 
und Arno Hielscher

Schömberger Schützen vor dem Gasthaus "Zum Stern" in der Landeshuter Straße Nr. 20
(Bild von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim)

Schützenhauptmann Gustav Fräßdorf mit seinem Vorstand

Ausflug zur Anna-Kapelle: Abschluss eines Pfingstschießens im Zweiten Weltkrieg. Neben der Schützenhauswirtin Bertha Niewerth haben auch Bürgermeister Karl Rudolph und
 Amtsgerichtsrat Karl Gecks teilgenommen.

Die Freiwillige Feuerwehr:

Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr. Er nahm alljährlich an den Festumzügen der Schützengilde teil.

Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr
Dirigenten des Musikzuges waren u. a. Lehrer Rudolph (ein Sohn aus dem Kaufhaus Rudolph in Grüssau) und der Weberei-Mechaniker Bruno Kleinwächter aus Schömberg.

Orchesterverein und Bühnenverein:

Der Dirigent des Orchestervereins war viele Jahre lang der Lehrer Rudolph aus Grüssau, der gleichzeitig auch den Männergesangverein und den Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr leitete.

Orchesterverein Schömberg im Jahre 1932 - Von links nach rechts:

Obere Reihe: Max Spiske, Kluge jun.

Zweite Reihe: Bernhard Jenke, Franz Tichatzki, Paul Schöbel, 
Kluge sen., Konstantin Taube, Bäcker Wohlfahrt, Bruno Kleinwächter.

Dritte Reihe: Josef Schwander, Alfons Schmidt, Franz Wohlfahrt,
Adolf Kluge, Herbert Blaschek, Gerhard Gewosch, Hilde Tichatzki, 
Hans Kostial.

Vierte Reihe: Alois Menzel, Hedwig Paatsch, Lehrer Weist, 
Lotti Geldner, Elsa Paatsch, Christel Kylich, Josef Purmann.

Konzertabend des Orchestervereins im Saal 
des Gasthofes "Zum Schwarzen Roß" am Markt.

Mitwirkende der Schömberger Volksbühne -

 Von links nach rechts, von oben:

Erste Reihe: Jahn, Josef Rudolf.

Zweite Reihe: nicht erkennbar, Gregor Pollock, Gregor Weist, 
Lotte Geldner, Edith Kleinwächter, Christel Kylich, Rudolf Mohaupt, Trude Flegel, nicht erkennbar, Joser Schöbel, Mariechen Spiske, 
nicht erkennbar.

Dritte Reihe: Fichtner, Reinhold Schäl, Adolf Ullrich, Therese Gläser, Haberland, Lehrer Weist, Franz Rudolf, Lilli Tichatzki, Hans Rösner, Mariechen Fischner, nicht erkennbar.

Vierte Reihe: Bernhard Jenke, Liesel Geldner, Franz Wohlfahrt, Otte, Alois Menzel, Joserf Purmann, Paul Schöbel.

"Der Raub der Sabinerinnen", gespielt von der 
Volksbühne Schömberg unter der Leitung von Franz Rudolf.

Der Männergesangverein:

Dirigent des Männergesangvereins war viele Jahre der Lehrer Rudolph aus Grüssau. Die Mitglieder trafen sich einmal wöchentlich. Der Übungsraum befand sich in der Gaststätte "Zur Stadtbrauerei", Liebauer Straße 1. Bei allen Festen der Stadt traten sie auf.
Das folgende Bild zeigt die Mitglieder des Männergesangvereins um 1925:
Von links:, obere Reihe: Gregor Weiß, Paul Fichtner, August Fröbrich, Hermann Grieger, Ernst Gabriel, Hans Schremmer, Karl Herda, Georg Kaschner, ....Röricht.
Mittlere Reihe: Paul Rösner, Bernhard Jenke, die weiteren Personen sind unbekannt,
Alois Pfeiffer (r.).
Untere Reihe: Frau Tichatzki ?,  ?,  Rektor Paul Reimann, Gastwirt Tichatzki.

(Bild von Frau Sigrid Bollmann, geb. Fröbrich).

Der Riesengebirgsverein (RGV) - Ortsgruppe Schömberg:

Zur Erinnerung an den Gründer des Riesengebirgsvereins, Theodor Donat, wurde im Jahr 1937 in Schömberg (Ortsteil Voigtsdorf) zwischen der Försterbaude und dem Buttermilchsteig ein Platz nach ihm benannt: der "Donat-Platz". Zur Einweihung dieses Platzes reisten Vertreter mehrerer Ortsgruppen an.

Einweihung des Donat-Platzes durch den Vorsitzenden der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, Prof. Dr. Werner.

Am Donat-Platz in Schömberg, Prof. Dr. Werner, Oberstudienrat 
Dr. Lampp (Hirschberg), mit den Vorsitzenden der RGV-Ortsgruppen.

Folgendes Bild zeigt den Vorstand des Riesengebirgsvereins an den Weberhäusern in Schömberg.

Die Trachtengruppe des RGV Schömberg vor den 12 Apostel-Häusern
(Aufnahme: 1936)
(Bild von Herrn Hubert Jahn aus Datteln)

Die Trachtengruppe des RGV Schömberg vor den 12 Apostel-Häusern
(Aufnahme: 1936)
Von links: Frau Kirsch, Luzie Schmidt, Nanni Jenke, Mariechen Renner, Fritz Kirsch, Dita Jenke, Grete Gläser, Frau Rock, Mia Walter, Drogist......., Hedda Walter, Magda Jenke, Dorle Pfeiffer, Alois Pfeiffer, Frau Niewerth.

Die Trachtengruppe des RGV Schömberg auf dem Marktplatz vor dem Nepomukbrunnen, links Fabrikbesitzer Alois Pfeiffer.
(Bild von Herrn Hubert Jahn aus Datteln)

Die Trachtengruppe des RGV Schömberg
(Bild von Herrn Hubert Jahn aus Datteln)

Die Trachtengruppe des RGV Schömberg nahm auch an den Historischen Tagen in Schömberg teil.

Der Festwagen des RGV Schömberg - Vorstand Kantor Griesche, Fabrikbesitzer Pfeiffer und Walter.

RGV-Mitglieder im Garten der Gaststätte "Wanderers Rast" in Voigtsdorf mit dem Vorsitzenden Fabrikbesitzer Pfeiffer und dem Wege- und Wanderwart Fritz Kirsch.

RGV-Pfingstausflug zur Anna-Kapelle

Karneval beim Riesengebirgsverein im Jahre 1930.

Im Jahre 1935 fand in Schömberg eine Festveranstaltung der Künstler des Riesengebirges statt, an der alle namhaften Kunstschaffenden mit der Trachtengruppe des RGV Schömberg teilnahmen.

Katholische Vereine:

Dass das Vereinsleben auf katholischer Seite besonders stark war, lag in der Zusammensetzung der Bevölkerung begründet. In fast allen Vereinen wirkte der Buchhändler Josef Fiebig mit. Folgende Vereine gab es:

  • Katholischer Jugendverein
  • Katholischer Jungfrauenverein "St. Marienverein"
  • Katholischer Volksverein
  • Katholischer kaufmännischer Verein
  • Caritasverband
  • Deutsche Jugendkraft

Eine Theateraufführung des Katholischen Gesellenvereins

Sportfest der Deutschen Jugendkraft Schömberg. Hinter der Fahnenabordnung der Stadtverordnetenvorsteher Josef Niepel.

Die Kolpingfamilie in Schömberg verabschiedete am 19.05.1936 ihren damaligen Präses Kaplan Bartsch.

St. Marienverein (Marianische Kongregation)

Auf dem folgenden Foto sind Mitglieder des St. Marienvereins abgebildet. Es handelt sich um Jubilarinnen, die 25 Jahre Mitglieder des St. Marienvereins (Marianische Kongregation) waren. Der Verein zählte durchschnittlich 80 Mitglieder. Die zum 25-jährigen Jubiläum Ausgezeichneten waren durchweg Gründungsmitglieder. Schwester Vita im Vordergrund trägt schon die 1925 eingeführte Schwesterntracht der Elisabethinerinnen. Folgende Personen sind abgebildet:
Obere Reihe: von links nach rechts: Agnes Weist aus Schömberg, die zweite Dame ist unbekannt, Berta Niepel aus Voigtsdorf, Hedwig Heinrich aus Schömberg, Anna Winkler aus Tannengrund (damals noch Blasdorf), Franzel Förster aus Schömberg.
Zweite Reihe: Martha Ulrich aus Schömberg (links außen), zweite Frau im weißen Kleid unbekannt, Frl. Hoffmann, Berta Hirt, Frl. Aust, alle aus Schömberg.
Untere Reihe: Gertrud Schmidt mit zwei ihrer Schwestern, Schwester Vita, die langjährige Kindergartenbetreuerin, Anna Wittwer aus Voigtsdorf und Maria Mai, über dem Kopf von Schwester Vita Frl. Schmidt, Haushälterin bei Frl. Bischof.

Sportvereine:

Der Männerturnverein (Aufnahme: um 1930)
Der Vorsitzende war der Uhrmachermeister Karl Thyrolf
Obere Reihe: von links: Hans Rösner, Liesel Krüger (Tochter von Lehrer Krüger), Edita Kleinwächter (kleiner Kaiser), Luzie Schmidt (Landeshuter Str.), Rudi Wiltschek, Anni Niepel (Schwarzes Roß), Lotte Frähsdorff ?, Heinz Charwat, Gerhard Gwocz.
Mittlere Reihe: Bernhard Jenke, Gregor Weiß, Paul Rösner,
Oskar Herda, Karl Tyrolf, Willi Kleinert, Karl Herda, Max Schulz.
Untere Reihe: ...Krüger (Sohn von Lehrer Krüger), Paul Schmidt (Bruder von Luzie), Rudi Rösner, Erwin Klose ?, ....Gonschorek, Albrecht Lerch.

Der Sportverein

Turnerinnen auf dem Schömberger Marktplatz
(Bild von Herrn Hubert Jahn aus Datteln)

Die Turner nehmen an einem Festumzug teil.

Am Jahn-Denkmal des Männertrunvereins im Schießhauspark.

Der Ski-Klub

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Der Ski-Klub hatte in dem früheren Schömberger Bürgermeister Dr. Schramm einen großen Gönner und Förderer. Er selbst war ein begeisterter Natur und Sportfreund. Dem Riesen-gebirgsverein und dem Ski-Klub fühlte er sich verbunden. Der immer wieder vorgetragene Wunsch nach einer Sprungschanze, auf der auch größere Wettkämpfe ausgetragen werden können, wurde von ihm aufgegriffen. Er sicherte den Klubmitgliedern seine volle Unterstützung zu und setzte sich im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung für die Bewilligung der erforderlichen Mittel ein. Wegen der angespannten Finanzlage wurde die Vorlage aber zunächst nicht genehmigt. Bürgermeister Dr. Schramm blieb jedoch hartnäckig. Es galt der Jugend zu helfen und den Wintersport zu fördern. Die Durchführung von größeren wintersportlichen Veranstaltungen gehörte auch in die Konzeption der Förderung des Fremdenverkehrs. Er beantragte, für den Bau der geplanten Sprungschanze das erforderliche Holz kostenlos aus dem Stadtforst zur Verfügung zu stellen. Die Baukosten selbst in Höhe von etwa 800 Mark würden von ihm persönlich getragen. Diesen Antrag vermochten die Stadtvertreter nun nicht mehr abzulehnen. Er wurde somit genehmigt.

Die Schanze wurde gebaut und dem Ski-Klub zur Entfaltung der sportbegeisterten Jugend und zur Durchführung von Wettkämpfen, auch auf höherer Ebene, feierlich übergeben. In dieser Feierstunde wurden die besonderen Verdienste des Bürgermeisters um die Errichtung der Sprungschanze gewürdigt und auf Beschluss des Ski-Klubs wurde die Schanze auf den Namen:
                                                           "Bürgermeister-Dr.-Schramm-Schanze"
getauft.

Auf dieser Schanze wurden viele Veranstaltungen durchgeführt, bei denen damalige namhafte Skispringer auch aus der benachbarten Tschechoslowakei teilnahmen.

Mitglieder des Ski-Clubs

Mitglieder des Ski-Clubs beim Faschingsfest

Mitglieder des Ski-Clubs während eines Ausfluges zur Quitenmühle.

B)   Innungen:

Quelle:
-
Schlesischer Gebirgsbote Nr. 11/1955

Wann in Schömberg die ersten Innungen entstanden sind, lässt sich nicht genau feststellen. Bekannt ist lediglich, dass 1550 bereits die Innungen der Fleischer, Bäcker und Schuhmacher bestanden, zu denen die Vereinigung der kleineren Handwerke in der "Großen Zunft" kam.

Folgende Innungen gab es Mitte 1920 in Schömberg:

  1. Bäckerinnung
  2. Feuerhandwerkerinnung für Schmiede, Schlosser, Klempner und Gelbgießer
  3. Fleischerinnung
  4. Schneiderinnung
  5. Schuhmacherinnung
  6. Tischlerinnung

Die Fleischerinnung:

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Bekannt ist lediglich, dass bereits im Jahre 1550 die Fleischerinnung bestanden hat. Mehr ist aus dieser Zeit nicht zu erfahren, da das gesamte Material, welches in der wertvollen Zunftlade bewahrt wurde, anlässlich des großen Stadtbrandes im Jahre 1848 vernichtet worden ist.

Nach diesem großen Stadtbrand wurde von dem damaligen Obermeister A. F. Wiener im Jahre 1849 eine neue Innungslade gestiftet. Aus dem darin aufbewahrten Protokollbuch ergeben sich folgende Eintragungen:
"Werthe Nachkommen des hiesigen Fleischermittel! Wenn Ihnen dieses Meisterbuch zu Händen kommt, erinnert euch an unser Unglück welches hiesigen Ort und das Fleischermittel betraf. Den zweiten Weihnachtsfeiertag als den 26. Dezember 1848 Abend um einviertel auf 8 Uhr entstand zwischen dem Fleischer Eltesten Kristian Peiser und dem Tischler Preisner Hausnummer 60 und 61 im hinthern Theile des Gebäudes Feuer wodurch die Besitzer Nummer 55 bis 68, ein Raub der Flammen wurden und Nummer 69 abgedeckt werden mußte. Da dies Feuer auf dem Boden des Fleischer Peiser Nummer 60 wo unser Mittelsgerätschaften aufbewahrt waren, so war bei dem besten Willen unser nicht möglich unser Gegenstände zu retten und es verbrannten uns wie folgend zwei große und ein kleines Leichentuch. Acht Stück gut versilberte Schilder. Ein Krudewiks zum Aufstellen auf Leichen. Zwei Stück zinnerne Leuchter, acht Stück neue Wachskerzen. Acht Stück schon gebrauchte Wachskerzen. Die Zunftlade mit sämtlichen Schriften, sowie alle Priviläia, Handwerksordnung, das Zunftsiegel, das Meisterbuch, ein Christus am Kreuz und drei Reichsthaler, bares Geld, einen großen Kasten zur Aufbewahrung der ETY (etc.)".

In der neuen Innungslade befanden sich außerdem ein Bahrtuch, mehrere Begräbnisleuchter, in Zinn getriebene und versilberte Sargschilder und ein Sargkreuz, sowie die für die Beerdigungen erforderlichen Versenktücher.

Eine sehr bekannte Fleischerfamilie in Schömberg war im 18. und 19. Jahrhundert die Familie Wiener. Bereits Fleischermeister Petrus Wiener besaß um 1820 in Schömberg eine Fleischerei. Die Familientradition führte sein jüngster Sohn Adolf fort. Geboren wurde er am 23. Juli 1828 in Schömberg. Nach Beendigung seiner Schulausbildung begann er am 1. April 1842 im väterlichen Geschäft die Ausbildung und legte am 1. April 1845 die Gesellenprüfung ab. Sein großer Wunsch, in die Fremde gehen zu dürfen, andere Länder, andere Städte zu sehen, blieb ihm leider versagt. Da sein Vater kränklich war, unterstützte er seine Eltern tatkräftig im elterlichen Geschäft. Nach Ablegung der Meisterprüfung übernahm er nach der Zurruhesetzung der Eltern das väterliche Geschäft. Er führte es mit sehr großem Erfolg weiter. Bereits im Jahre 1858 konnte er ein größeres Grundstück erwerben, in welchem sich das Geschäft noch besser entwickeln konnte. Das kleine Geschäft genügte seinem Arbeitseifer aber bald nicht mehr. Eine ziemlich bedeutende Landwirt-schaft bot ihm ebenfalls ein reiches Arbeitsfeld, und daran schloss sich ein umfangreicher Getreide- und Viehhandel an. Viele Ämter wurden ihm im Laufe seines Lebens übertragen, u. a. übte er das Amt des Obermeisters der Fleischerinnung aus. Sein Sohn Aloys machte sich als Gründer und Eigentümer der bekannten mechanischen Weberei Aloys Wiener und Gastwirt des Gasthofes "Zum Stern" einen Namen. (Quelle: Zeitungsausschnitt Adolf Wiener, zur Verfügung gestellt von Herrn Alois Wiener).

Im Jahre 1934 gehörten 7 Fleischer zur Zunft der Schömberger Würstel-Macher:

  1. Fleischermeister Albert Thamm, geb. am 31.08.1878. Das Fleischerhandwerk erlernte er in den Jahren 1892 - 1895 in Landeshut. Nach Abschluss seiner Ausbildung legte er am 15.04.1895 die Gesellenprüfung ab. Im Jahre 1907 machte er sich im Hause Landeshuter Str. Nr. 10 selbstständig. Die Meisterprüfung legte er am 7. November 1913 ab. Seit 1929 war er Obermeister der Innung Schömberg. Gleichzeitig war er auch Stadtrat und Ratsherr in Schömberg.
  2. Fleischermeister Paul Springer, geb. am 25.01.1894. Das Fleischerhandwerk erlernte er in den Jahren 1908 - 1911 im väterlichen Geschäft. Ostern 1911 wurde er Geselle und machte sich am Markt Nr. 16 im Jahre 1920 selbstständig. Am 3. Februar 1920 legte er die Meisterprüfung ab. Er war Schriftführer und Kassierer der Innung Schömberg.
  3. Fleischermeister Paul Hoffmann, geb. am 01.08.1890. Das Fleischerhandwerk erlernte er in den Jahren 1904 - 1907 in seinem Vaterhaus in Schömberg, Liebauer Straße. Nach Abschluss seiner Ausbildung wurde er April 1907 Geselle und legte am 26. April 1921 die Meisterprüfung ab. Im Jahre 1926 machte er sich im Hause Liebauer Str. Nr. 3 selbstständig. Er war Prüfungsmeister der Innung Schömberg. Nach 1946 wanderte er mit seiner Familie nach Amerika aus.
  4. Fleischermeister Paul Pauer, geb. am 25.01.1894. Das Fleischerhandwerk erlernte er in den Jahren 1908 - 1911 bei dem Fleischermeister Paul Ei in Weigelsdorf, Kreis Reichenbach (Eulengebirge). Ostern 1911 wurde er Geselle und machte sich 1925 am Markt Nr. 9 selbstständig. Im Jahre 1929 legte er die Meisterprüfung ab.
  5. Fleischermeister Reinhold Hoffmann, geb. am 29.09.1888. Das Fleischerhandwerk erlernte er bei dem Fleischermeister Heinrich Springer in Schömberg in den Jahren 1902 - 1905. Im Jahre 1925 machte er sich am Markt Nr. 11 selbstständig und legte am 11.01.1927 die Meisterprüfung ab. Sein Sohn Ernst wurde ebenfalls Fleischermeister und eröffnete nach der Vertreibung in Hannover eine Fleischerei, in der die bekannten "Schömberger Würstel" hergestellt werden.
  6. Fleischer Fritz Knillmann, geb. am 13.06.1900. Das Fleischerhandwerk erlernte er in den Jahren 1914 - 1917 bei dem Fleischermeister Fischer in Fellhammer. Ostern 1917 legte er in Gottesberg die Gesellenprüfung ab und machte sich im Jahre 1929 selbstständig. Sein Geschäft befand sich Liebauer Str. Nr. 7.
  7. Fleischer Bruno Meier, geb. am 06.10.1907. Das Fleischerhandwerk erlernte er in den Jahren 1921 - 1924. Ostern 1924 wurde er Geselle und machte sich am 01.01.1932 selbstständig. Sein Geschäft befand sich Landeshuter Str. Nr. 31 ("7 Brüder").


Der Innung gehörten außerdem 2 Gesellen und 7 Lehrlinge an.

Adolf Wiener, geb. am 23.07.1828 in Schömberg,

Obermeister der Fleischerinnung.

(Bild von Herrn Alois Wiener)

Albert Thamm, geb. am 31.08.1878 in Buchwald, 

Obermeister der Fleischerinnung.

Innungslade der Fleischerinnung

Die Schneiderinnung:

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In den Archiven fehlen jegliche Anhaltspunkte, wann es in Schömberg zur ersten Bildung von Zünften kam. Bekannt ist lediglich, dass um 1550 bereits die Innungen der Bäcker, Fleischer und Schuhmacher bestanden, zu der die Vereinigung der kleineren Handwerke in der "Großen Zunft" kam, der damals auch die Schneider angehörten.

Im Jahre 1583 wollten die Schneider eine eigene Innung gründen. Sie baten daher um eine Audienz bei dem damaligen Grüssauer Abt  Kaspar II. Ebert, um ihr Anliegen vorzutragen. Dieser war begeistert und genehmigte das Vorhaben. Da die Schneider bisher keine eigenen Handwerksartikel hatten, übernahmen sie mit einigen Änderungen die Satzungen der Landeshuter Schneiderzunft. Diese wurden vom Abt am 11. November 1583 bestätigt und am nächsten Tag der neuen Zunft feierlich ausgehändigt. Der Martinstag 1583 ist also der eigentliche Geburtstag der Schneider-innung.

Die erste Zunftordnung der Schömberger Schneider unterscheidet sich inhaltlich nicht unerheblich von den Satzungen, die sie später von den Äbten Bernhard Rosa und Dominikus Geyer erhielten. Nachfolgend einige Passagen aus dem Inhalt:
Meister werden konnte man nur am Passionssonntag, dem sogenannten "Schwarzen Sonntag". Der Antragsteller hatte sich zunächst beim ältesten Meister mit einem "Taler einzuwerben". Dann musste er der versammelten Zunft Geburtsbrief, Lehrzeugnisse und Bürgerrecht vorweisen. Waren diese Dokumente für richtig befunden, so ging es an das hochnotpeinliche Prüfen des Meister-stückes. Als solches wurde verlangt: "was in der Stadt und bei dem Adel sowohl wie auf dem Lande zur selben Zeit gearbeitet wird". Also verlangte man auch die neueste Herrschaftsmode. Nach der Prüfung des Meisterstückes war die Schärfe der Augen und des Verstandes nicht mehr so dringend nötig. Nun musste der neue Meister noch einen Speziesdukaten und vier Taler in die Kasse legen. War er ein Meistersohn oder heiratete er in eine zünftige Familie ein, so wurde darauf ganz oder teilweise verzichtet. Weiter musste er drei Pfund Wachs stiften. Das Wachs, welches auch bei den Zunftstrafen eine Rolle spielte, war für Kerzen bestimmt, die bei den Toten-gottesdiensten der Zunft, aber auch bei den gemütlichen Gelagen, den "Meisterbieren" brannten, die sich auch damals bis in die Nacht ausdehnten. Schließlich musste sich der neue Meister binnen Monatsfrist eine gute Rüstung mit Ober- und Untergewehr und einen langen Schießrock anschaffen, um im Ernstfall die Stadt verteidigen zu helfen.

Schon damals gab es so etwas wie eine Junggesellensteuer. Die ehrsamen Zunftmeister waren in jenen Zeiten meist reichlich mit Kindern gesegnet. Ein guter Schwiegersohn war hoch erwünscht, ein ehescheuer Junggeselle dagegen mit großem Mißbehagen. Die Verordnung besagte: "So einer Meister wird, und sich in einem Jahre nicht verehelicht, der soll den Meistern ein Achtel Bier geben zur Strafe, und sein Handwerk nicht ausüben dürfen, er habe sich denn davor verehelicht".

Im ersten Jahr durfte kein Meister einen Lehrling aufnehmen. die Aufnahme der Lehrlinge geschah von der Zunft. Ihr ging eine Probezeit voraus, die nicht über 14 Tage dauern durfte, bei zwei Pfund Wachs Strafe. Es diente zur Sicherung gegen die Heranziehung billiger, unkontrollierter Hilfskräfte. Der Lehrling musste seinen Geburtsbrief vorlegen, dann hinterlegte der Lehrmeister einen Taler und zwei Pfund Wachs. War es der eigen Sohn, so brauchte bloß die Hälfte gegeben zu werden. Die Lehrzeit dauerte zwei Jahre, dann wurde der Lehrling von der Zunft freigesprochen. Der Lehrmeister aber musste wieder ein volles Jahr warten, bis er den nächsten Lehrling aufnehmen durfte.

Zu den Zunftversammlungen wurde als Einladung das Zunftzeichen in die Häuser der Meister getragen. Regelmäßige Zusammenkünfte waren in allen Quartalen. Wer der Einladung nicht Folge leistete oder das Zunftzeichen bei sich behielt, ohne es dem nächsten Meister weiterzugeben, wurde mit acht Pfennigen und einem Pfund Wachs bestraft. Bei der Quartalssitzung musste jeder Meister einen Kreuzer in die Lade legen. Es wurden die vorgefallenen Zunftstreitigkeiten besprochen und geahndet. Unlauterer Wettbewerb durch Fortlocken der Gehilfen oder Wegnehmen der Kundschaft wurde mit zwei Pfund Wachs bestraft. Schon damals gab es säumige Kunden. Man versuchte den Meister zu wechseln, um wieder neue Kleider bestellen zu können. Solche Schuldner wurden beim Zunftquartal bekannt gegeben und ein Verbot erlassen, von ihnen Bestellungen anzunehmen, bis sie ihre Schuld bezahlt hätten. Aber auch die Kundschaft konnte beim Zunftquartal klagen. Hatte ein Meister ein Kleid falsch zugeschnitten oder verdorben, so wurde er vom Quartal verurteilt, das verpfuschte Gewandstück nochmals zu liefern. Der Zunft musste er dann überdies noch ein halbes Achtel Bier stiften. So wachte man über den guten Ruf des Handwerkes und seiner Arbeit.

Die Zunftgenossen hielten sich die Treue bis über das Grab hinaus. Starb ein Meister oder ein erwachsenes Mitglied einer Meisterfamilie, so gruben die vier jüngsten Meister das Grab und trugen die Leiche. Bei kleinen Meisterkindern verrichteten die beiden jüngsten Meister diesen Liebesdienst. Sie mussten auch das Anzünden und Auslöschen der Kerzen bei den Zunft-gottesdiensten übernehmen. Wer sich um diesen Dienst drückte, wurde mit einem Pfund Wachs bestraft.

Genau geregelt war auch das gemütliche Beisammensein beim Meisterbier. Die Kosten für das Bier trug teilweise die Zunftkasse, teilweise musste sie aber aus der eigenen Tasche bestritten werden. Wer seinen Kostenanteil länger als vier Wochen schuldete, hatte ihn doppelt zu zahlen. Beim Meisterbier mussten die beiden jüngsten Meister "ohne alle Widerrede" das Bier austragen. Die Zulassung fremder Gäste hing von der Erlaubnis des ältesten Meisters ab. Es war streng verboten, heimlich Bier über die Gasse zu schicken oder mitzunehmen. Wer dabei erwischt wurde, büßte es mit einem Pfund Wachs. Gleichfalls bestraft wurde, wer aus Mutwillen Bier auf den Boden oder über den Tisch schüttete, wer einen Kollegen der Lüge bezichtigte oder wer unehrbare und unzüchtige Worte gebrauchte. Neigte sich das Fass dem Ende zu, wurde die Stimmung oft etwas kritisch. Die Köpfe röteten sich, die Stimmen wurden schärfer und lauter, die Meinungen prallten hart aufeinander. Da musste vorgebeugt werden. Eine nochnotpeinliche Bestimmung suchte das zu verhindern: "Wo einer Hader anhebt beim Meisterbiere, der soll das Fass mit gutem Biere ohne alle Entschuldigung und Widerrede bis an den Rand neu füllen".

Die letzten Bestimmungen regelten das Verhalten beim Meisterrecht, das Zunftgeheimnis und die "Erhaltung guter Sitte, Tugend und Ehrbarkeit".

Anlässlich des 350jährigen Bestehens der Schneiderinnung veranstaltete die Stadt Schömberg vom 5. - 8. August 1933 die ersten "Historischen Tage".

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote Nr. 8/2003