Die Innungen:

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:
Chronik der Stadt Landeshut, Druck und Verlag: Armin Werners Buchdruckerei Landeshut
-  Schlesischer Gebirgsbote

Im Jahre 1521 bildete sich in Landeshut die erste Innung, die der Tuchmacher. 1525 soll die Schuhmacherzunft gegründet worden sein. 1537 wurden die Fleischhauer- und auch die Bäcker-innung  gegründet. Die der Schmiede erfolgte am Michaelistage 1546, die der Tischler im Jahre 1555, der Kürschner am 10. Juni 1577. Die Schlosser und Büchsenmacher trennten sich von den Schmieden und errichteten ihre eigene Innung am 12. Juli 1590. Die Bürgerzunft entstand am 
18. Juni 1595. Die Töpfer trennten sich von den Tischlern am 7. August 1673. Die Großbinder errichteten ihre eigene Innung 1675, die Kaufleute am 20. Januar 1677. Nach Berichten der Hahyn`schen Chronik trennten sich die Sattler, welche bisher zur Schweidnitzer Innung gehörten, von dieser am 11. Juli 1689.

Folgende Innungen gab es Mitte 1920 in Landeshut:

  1. Bäckerinnung
  2. Fleischerinnung
  3. Friseurinnung
  4. Glaserinnung
  5. Maurer-, Zimmerer- und Steinmetzinnung
  6. Sattler- und Tapeziererinnung
  7. Schneiderinnung
  8. Schuhmacherinnung
  9. Tischlerinnung
  10. Vereinigte Feuerarbeiterinnung
  11. Wagner- und Karosseriebauerinnung


Das folgende Bild zeigt Landeshuter Handwerker auf Ausflugsfahrt nach Bolkenhain im Jahre 1920.
Abgebildet sind: Bäckermeister Gerber, Tuffek, Ullrich, Frau Meuer, Frau Ullrich, Frau Tschentscher, Herr Tschentscher, Herr Meuer, Lenchen Ullrich, Herr und Frau Jungfer, Frau Tuffek, Herr und Frau Quester mit ihrem Sohn, Friseurmeister Jäkel, Tischlermeister Schöbel und Frau, Glasermeister Blasius und Frau, Schlossermeister Kirsten und Frau, Schmiedemeister Winkler und Frau.

Die Bäckerinnung:

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Die Bäckerinnung feierte am 19. September 1937 das 400-jährige Jubiläum ihrer Gründung mit einem großen Fest in Landeshut. Es war ein Sonntag, und man traf sich am Vormittag im Kaiserhof-Garten zu einem Frühschoppen-Konzert, wobei auch die ersten auswärtigen Gäste eintrafen: Kollegen aus den Hirschberger, Liegnitzer, Waldenburger und Breslauer Bäckerinnungen überbrachten ihre Glückwünsche. Der Festabend begann gegen 18 Uhr im Kaisersaal, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Obermeister Alfred Gerber begrüßte die Gäste, Vertreter der Behörden, den Kreishandwerksmeister Kühn, sowie alle Kollegen mit ihren Angehörigen. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Tanzspiel "Vier Jahrhunderte Landeshuter Bäckerzunft", bei dem jeweils vier Paare die Tracht eines Jahrhunderts trugen (s. Foto unten). Dieses Spiel hatte Max Fink einstudiert.

Die Festschrift zu dieser 400-Jahr-Feier wurde von dem Landeshuter Steuerberater Otto Vöcks nach alten Urkunden und Protokollen zusammengestellt. Nachfolgend einige Auszüge:
Den Sonntag nach Jacobi Anno 1537 wurde die Handwerksordnung verfasst. Die Bäckerzunft verfügte 1537 über zwanzig erbliche Brotbänke und es wurden nur diejenigen privilegiert, welche diese Brotbänke besaßen. Bereits damals schon durfte das Backwerk nicht nur in der Stadt, sondern auch außerhalb der Stadt verkauft werden.

Es wurde bestimmt, dass nur derjenige Meister werden kann, welcher sein Handwerk genügend gelernt und sich während der Jahre ehrlich bewiesen hat. Die Wanderjahre betrugen für den Sohn eines Meisters ein Jahr, für einen fremden Gesellen zwei Jahre.  Wenn er das Bürgerrecht erworben und mindestens drei Jahre eine eigene oder gemietete Brotbank besessen und ordentlich gewirtschaftet hatte, wurde er noch nicht als Meister anerkannt. Er musste erst vor den Herren Handwerksmeistern und Ältesten sein Können unter Beweis stellen und folgende Bedingungen erfüllen:

  1. binnen vier Wochen den Meisterschuss zu backen,
  2. selbst würken und unter Aufsicht schieben,
  3. wenn er mindestens drei Zeideln allein gewürkt und geschoben hatte, musste er in der Feinbäckerei sein Können beweisen und unter Aufsicht einen Butterkuchen, einen Striezel und noch eine Spezialität backen.


Wenn ein Meister oder eine Meisterin starb, so mussten die jüngeren Meister den Verstorbenen selbst zu Grabe tragen, weil sie dies dem alten Brauch schuldig waren. Hatte sich einer dieser Pflicht entzogen, so wurde er mit einem Viertel Bier bestraft. Desgleichen wurde unehrbares Betragen gegenüber den Kollegen, wie Preistreiberei usw., mit Ausschluss aus der Zunft bestraft. Die Brotbank wurde dann verkauft und etwaige Schulden, welche auf der Brotbank ruhten, sowie restliche Handwerksgelder abgedeckt.

Am 20. Mai 1721 kauften die evangelischen Bäcker von der evangelischen Dreifaltigkeitskirche zum Preise von 280 Reichstalern folgende Stände: Platz auf dem unteren Chore, an der Kanzel, auf dem übereck stehenden großen Pfeiler und dessen Morgenseite, worüber ein Contrakt geschlossen wurde.

Am 3. Februar 1890 wurden als neue Meister Bäckermeister Gerber, Güttler und Springer aufgenommen. Am 15. Januar 1919 erfolgte eine Neuwahl des Vorstandes: neuer Obermeister wurde Heinrich Bradler, sein Stellvertreter Dittmann. Der bisherige Obermeister Kriegel wurde zum Ehrenobermeister ernannt, der dann bereits am 18. Februar 1919 verstarb. 

Heinrich Bradler verstarb am 4. Oktober 1928, sein Nachfolger wurde Max Wolf. Dieser verstarb im Jahre 1932. Am 18. März 1933 wurde während einer Versammlung ein neuer Vorstand gewählt, der sich wie folgt zusammensetzte: 

  • Alfred Gerber, Obermeister
  • Alfred Lonzer, stellv. Obermeister
  • Paul Wieland, Kassierer
  • Johann Rada, Schriftführer
  • Joseph Maiwald und Willi Wolf, Beisitzer


Im Jahre 1933 wurden die noch bestehenden Bäckerinnungen in Liebau und Schömberg der Bäckerinnung Landeshut angegliedert und die Innung erhielt die Bezeichnung "Bäcker-Innung für den Kreis Landeshut".

Ende 1936 zählte die Kreis-Bäcker-Innung des Kreises Landeshut 87 ordentliche Mitglieder und 2 im Ruhestand lebende Ehrenmitglieder. Davon waren 54 in Landeshut, 13 in Schömberg und 20 in Liebau ansässig.

Im Jahre 1936 setzte sich der Vorstand wie folgt zusammen:

  • Alfred Gerber, Obermeister
  • Alfred Wippler, Liebau, stellv. Obermeister
  • Johann Rada, Schriftführer
  • Paul Wieland, Kassierer
  • Georg Graf, Lehrlingswart.

400-Jahrfeier der Gründung der Bäckerinnung am 19.09.1937

Obere Reihe von links nach rechts: Hannchen Schloßke, geb. Rada; 

H. Wieland; Dora Rabe; Max Fink; Kurt Rabe; 
Hildegard und Herbert Wolf.

Zweite Reihe: Alfred Schmidt, Vogelsdorf; Hugo Holzbecher und Frau; Gerhard Guder; Reichel und Frau, Konradswaldau; Gerhard Ulber; Mariechen und Joh. Rada; Herbert Tschierschke;
 Liesbeth und Josef Maiwald; H. Bradler.

Untere Reihe: ein Lehrling; Frau Bleschke; Frau Schmidt; Fräulein Frieda Demuth; Marthel Matissik, geb. Hansch; Frau Tschierschke; 
Frau Bradler; ein Lehrling.

So sieht eine Bäckerhochzeit aus.

Landeshuter und Liebauer Bäckermeister im Jahre 1959 anlässlich des 70. Geburtstages von Obermeister Alfred Gerber:
Von links nach rechts:
Grunert, Wieland jun., Wieland sen., Wippler (Liebau), Alfred Gerber, Finger (Liebau) und Richard Radetzki.

Die Glaserinnung:

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Nach alten Aufzeichnungen, Urkunden und Protokollbüchern hatte die Glaserinnung für die Städte und Kreise Hirschberg, Landeshut und Löwenberg mehr als zweihundert Jahre bestanden. Bei Einführung der Gewerbefreiheit im Jahre 1810 löste sich die Innung auf. Nach dem Ersten Weltkrieg bemühten sich die Glasermeister, die Innung wieder zu gründen. Besondere Mühe um das Zustandekommen der Gründung gaben sich die Glasermeister Emil Haasler aus Hirschberg und Glasermeister Franz Blodau aus Landeshut. Im Januar 1921 wurde die Innung gegründet und als Sitz Hirschberg gewählt.

Im Juni 1925, anlässlich der 400-Jahr-Feier der Schuhmacherinnung Landeshut, wurde das Banner der Glaserinnung geweiht. Die Weihe des Banners nahm der stellvertretende Obermeister Franz Blodau vor. Als Motto hatte er die Worte gewählt: "Verachtet mir die Meister nicht. Als das deutsche Handwerk blühte, blühte auch das deutsche Land!" Beim Festumzug wurde das Banner von der Innung mitgeführt. Dieses Banner war eine Kunstverglasung aus farbigen Gläsern und stellte den Schutzpatron der Glaser, den St. Lukas, dar. Die Umrahmung des Banners bestand aus Holz mit wertvoller Schnitzarbeit. Die Innung hatte nun ein Banner, aber es fehlte eine Fahne. Franz Blodau schenkte der Innung die ersten zehn Taler als Grundstock für die Anschaffung einer Innungsfahne. Anfang 1929 war es gelungen, durch Spenden eine Fahne zu bekommen.

Im Jahre 1932 schenkte Franz Blodau eine Innungslade, die von einem Kunsttischlermeister in Hirschberg erstellt und mit Kunstschlosserarbeiten versehen war. Gleichzeitig übergab er 1934 der Innung zwei Leuchter zur Innungslade. Im Jahre 1936 feierte der Glasermeister Georg Blodau sein 50-jähriges Meisterjubiläum. Aus diesem Anlass schenkte sein Sohn Franz Blodau der Innung ein goldenes Buch, das aus handgeschöpftem Büttenpapier und in Leipzig gebunden worden war. Das Buch hatte der Kunstmaler Studienrat Fred Matzker aus Hirschberg mit wertvollen Emblemen versehen. Das erste Blatt zeigte den Schutzpatron St. Lukas, farbig gezeichnet. Die weiteren Seiten zeigten Handwerkssprüche, ebenfalls von Fred Matzker farbig ausgeführt. Die Sprüche waren von den Ehrenmitgliedern der Innung unterzeichnet.
Alle Gegenstände der Innung sind leider nicht mehr erhalten.