Frantz, Martin

Baumeister
*       03.1679 in Reval
+ 06.11.1742 in Liegnitz
Wirkungsstätte: Landeshut

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Martin Frantz ging als der große Baumeister der Gnadenkirchen in Hirschberg und Landeshut in die Geschichte ein. Das Licht der Welt erblickte er im März 1679 in Reval, das damals noch zu Schweden gehörte, als Sohn des Stadtbaumeisters Martin Frantz und dessen Ehefrau Elsgen, geb. Seger. Sein Vater war um 1670 berufsbedingt von Dresden nach Reval gezogen. Um in der Stadt eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, musste er durch eine nachgewiesene Heirat sesshaft werden, so dass er am 04.12.1671 mit Elsgen Seger getraut wurde. Aus dieser Ehe ist neben dem Sohn Martin noch die Tochter Anna Elisabeth hervorgegangen. Ihm war es nicht vergönnt, seine Kinder heranwachsen zu sehen. Im August 1684 verstarb er und wurde am 29.09.1684 auf dem Friedhof von St. Olai in Reval beigesetzt. Seine Witwe heiratete zwei Jahre später seinen Nachfolger im Amt des Revaler Stadtbaumeisters, Georg Winkler.

Georg Winkler bemühte sich sehr um die Erziehung seiner Stiefkinder. Aus einem Protokoll vom 27.01.1691 geht hervor, dass er sich bemühte, seinen Stiefsohn Martin im Zeichnen und all den Fertigkeiten zu unterrichten, die er als Architekt brauche, um später auf eigenen Füßen zu stehen. Am 21.11.1691 wurde Martin Frantz in das Jungenbuch des Maurermittels zu Reval eingetragen und sein Stiefvater übernahm für ihn die Bürgschaft. Am 18.02.1697 erfolgte die Eintragung in die Revaler Gesellenliste. Nun begann für ihn die Zeit der üblichen Wanderschaft. Stationen seiner Gesellenwanderschaft sind nicht bekannt. In seinem Buch über die Baumeisterfamilie Frantz nimmt Dr. Günther Grundmann an, dass der Baumeister von Reval über Stockholm und Pommern nach Schlesien gekommen ist. Laut Grundmann soll Frantz in Breslau Verbindung zu dem damals sehr bekannten Baumeister Johann Georg Knoll aufgenommen haben, der Gesellen für seine auswärtigen Arbeiten suchte. U. a. hatte Knoll den Auftrag zum Bau des Jesuiten-Kollegs in Liegnitz erhalten und mit den Arbeiten 1698 begonnen. Als neuer Geselle wurde nun Martin Frantz nach Liegnitz entsandt und trat mit großem Engagement an seine neue Aufgabe heran.

In Liegnitz fühlte sich Martin Frantz sehr wohl. Nicht nur die Arbeit bereitete ihm große Freude, auch privat fand er sehr schnell Freunde, die ihm das Einleben erleichterten. Neben bekannten Liegnitzer Familien gehörte u. a. auch die Familie des Hirschberger Stadtmaurermeisters Caspar Jentsch zu seinem Freundeskreis. In Liegnitz lernte er die Tochter des Tischlers Christian Schönwälder kennen, Barbara Elisabeth Schönwälder. Die jungen Leute verliebten sich und wurden im Januar 1705 in der Peter-Paul-Kirche in Liegnitz getraut. Acht Tage vor der Trauung hatte Martin Frantz das Liegnitzer Bürgerrecht erworben und mit dem Tag der Trauung erhielt er das Meisterrecht in Liegnitz. Die Ehe blieb viele Jahre kinderlos. Erst am 31.12.1709 wurde Tochter Johanna Wilhelmina geboren, die aber bereits am 21.06.1711 verstarb. Am 1. Oktober 1712 erblickte der Sohn Carl Martin das Licht der Welt und ein Jahr später noch eine Tochter. Ebenso wie Vater und Großvater wurde auch Carl Martin Frantz Baumeister.

Nach dem plötzlichen Tod seines Arbeitgebers Knoll im Jahre 1704 führte Martin Frantz die Arbeiten am Jesuiten-Kolleg in Liegnitz weiter und beendete das Werk 1707. Maßgeblich beteiligt war er am ersten Bauabschnitt der bekannten Liegnitzer Ritterakademie. Es handelte sich hierbei um eine Schule für Angehörige des schlesischen Adels, die später auch dem Bürgertum offen stand. An diesem Institut war von 1788 bis 1789 der preußische Minister und große Schulreformer Karl Abraham von Zedlitz als Direktor tätig.

Viele bekannte Bauwerke in Schlesien wurden von Martin Frantz nachweisbar entworfen und ausgeführt, andere Bauten werden ihm aus stilistischen Gründen zugeschrieben. Neben den Gnadenkirchen in Hirschberg und Landeshut baute er u. a. laut Grundmann die Probsteikirche in Warmbrunn, die Pfarrhäuser in Hirschberg und Landeshut, die Corpus-Christi-Kirche in Sprottau, das Schloss in Schönwaldau, die katholische Kirche in Rengersdorf, die Barockisierung der katholischen Pfarrkirche in Sagan. Stilistisch zugeschrieben werden ihm u. a. die Schlösser in Brauchitschdorf, Gröditzberg und Lomnitz sowie der Rathausturm in Sprottau, die Türme der katholischen Kirchen in Schmellwitz und Harpersdorf sowie die Türme der evangelischen Kirchen in Harpersdorf und Pilgramsdorf. Ebenfalls zuzuschreiben ist ihm laut Grundmann das Landeshuter Bürgerhaus am Markt Nr. 29 (später Kaufhaus Schlums).

Der große Baumeister Martin Frantz starb am 6. November 1742 in Liegnitz. Nur fünf Monate später, am 4. April 1743, verstarb auch seine Ehefrau.

Quellen:

  • Dames, Theo: Zur Baugeschichte der Liegnitzer Ritterakademie
  • Grundmann Dr., Günther: Die Baumeisterfamilie Frantz
  • Langer, Andrea: Die Gnadenkirche "Zum Kreuz Christi" in Hirschberg
  • Stein, Erwin: Monographien deutscher Landschaften, Bd. III - Die Riesengebirgskreise

Die Gnadenkirche in Hirschberg

Die Gnadenkirche in Landeshut

Fritsch, Innozenz

Abt des Klosters Grüssau
* 06.03.1665 in Ottmachau
+ 29.09.1737 in Grüssau
Wirkungsstätte: Grüssau

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Obwohl nicht im Kreis Landeshut geboren, ist Abt Innozenz Fritsch in die Geschichte von Grüssau als der Erbauer der neuen Abteikirche eingegangen, des monumentalen Marienmünsters. In der zum Breslauer Bistum gehörenden Stadt Ottmachau erblickte er als Gottfried Fritsch am 06.03.1665 das Licht der Welt, Sohn der Eheleute Johann Fritsch und Barbara, geb. Nöters. Der junge Gottfried wuchs mit zwei Schwestern auf, Regina Katharina und Anna Magdalena. Regina Katharina heiratete den Liebauer Bürger Kühn, deren Sohn später als Pater Andreas Zisterzienser-mönch in Grüssau wurde. Anna Magdalena ehelichte den Stiftsforstmeister Blaschke. Beide Schwestern wurden nach ihrem Tod (1735 bzw. 1734) in der Gruft der St.-Josephs-Kirche in Grüssau beigesetzt. Vater Johann Fritsch verdiente den Lebensunterhalt für seine Familie als Bierbrauer, verstarb aber bereits in sehr jungen Jahren.

Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Neisse und dem erfolgreichen Abschluss wurde Gottfried Fritsch am 15.11.1682 als Frater Innocentius in das Grüssauer Noviziat aufgenommen. Die Profess erfolgte am 21.11.1683. Das philosophisch-theologische Studium absolvierte er im Kloster Grüssau. Die Weihen zum Subdiakon und Diakon empfing er 1687 und 1688 in der Jakobuskirche in Neisse, wo er auch am 24.09.1689 zum Priester geweiht wurde. Danach übernahm der neue Priester Aufgaben verschiedenster Art. Im Herbst 1690 ernannte ihn Abt Bernhard zum zweiten Bibliothekar des Klosters. Ende 1694 wurde er "P. Kuchelmeister" und übte die Oberaufsicht über die Doppel-küche der Prälatur (mit häufigen Gästen) und des Konvents aus. Im Frühjahr 1697 wurde P. Innozenz auf Bitten einiger Offiziere des Regiments Sapieha vom neuen Abt Dominicus Geyer als Feldkaplan für den Türkenkrieg unter Prinz Eugen freigestellt.

Nach seiner Rückkehr in das heimatliche Kloster, im Jahre 1700, begann seine seelsorgerische Laufbahn in Schlesien. Stationen seines Wirkens waren Wittgendorf, Altreichenau und Warmbrunn. Im Alter von 62 Jahren (1727) wurde er Abt und übernahm die Leitung des Stiftes Grüssau und des ausgedehnten Stiftslandes. Mit seinem Namen untrennbar ver-bunden, ist der Bau der Abteikirche. Als Bauherr besaß er bereits Erfahrung. Als Pfarrer von Wittgendorf ließ er die dortige Pfarrkirche errichten und als Prior von Warmbrunn war er für den Bau der stattlichen Probsteikirche verantwortlich. Für den Bau des monumentalen Marienmünsters wurden viele Handwerker, Bildhauer und Künstler benötigt. Neben schlesischen Kräften kamen auch Personen aus Böhmen, Mähren, Österreich, Bayern und sogar aus Italien.

Am 21.11.1733 war es Abt Innozenz Fritsch vergönnt, die goldene Ordensprofess feierlich zu begehen. Zu diesem Anlass gab der Konvent dem Breslauer Goldschmied Benjamin Hentschel den Auftrag, den "Emanuelkelch" herzustellen, der ganz aus Dukatengold bestand. Nach diesen Feierlichkeiten begann der Abt zu kränkeln und hatte bereits Todesahnungen. Die große 50 Zentner schwere Emanuel-Glocke konnte er noch am 30.05.1734 weihen. Sein größter Wunsch jedoch, die feierliche Einweihung des Grüssauer Münsters zu erleben, ging nicht in Erfüllung. Er starb am 29.09.1734 und wurde in der Gruft der neuen Stiftskirche beigesetzt.

Quellen:

  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Kloster Grüssau in den Zeitaltern des Barock, Rokoko und Klassizismus
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Die drei großen Äbte und die große Zeit des Klosters (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Rose Dr., Ambrosius OSB: Kloster Grüssau

Fuchs, Erich

Kunstmaler, Radierer
* 14.02.1890 in Magdeburg
+ 03.07.1983 in Marburg
Wirkungsstätten: Albendorf, Dittersbach städt.

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Erich Fuchs, der große Riesengebirgsmaler und Radierer, wurde am 14.02.1890 in Magdeburg als siebtes von neun Kindern des Tischler-meisters Carl Fuchs und dessen Ehefrau Auguste, geb. Melchert, geboren. Nach Erich Fuchs eigenen Worten "in Magdeburg zur Welt gekommen, aber geboren in Schlesien". Aus diesen Worten spricht bereits seine große Bewunderung und Liebe für seine spätere Heimat, mit der er sich bis an sein Lebensende verbunden fühlte.

Im Alter von zwei Jahren erkrankte Erich Fuchs an spinaler Kinder-lähmung. Als Folge dieser schweren Erkrankung behielt er eine Gehbehinderung zurück, die er aber mit bewundernswerter Energie meisterte. nach dem Besuch der Bürgerschule in Magdeburg absolvierte er von 1904 - 1908 eine Lithographenlehre und war gleichzeitig Abend- und Sonntagsschüler der Magdeburger Kunstschule. Da sich zu diesem Zeitpunkt bereits sein großes Talent abzeichnete, wurde ihm die Möglichkeit geboten, als Freischüler zwei Semester diese Kunstschule nun voll zu besuchen. Zur weiteren Ausbildung begab er sich 1909 für fünf Jahre an die Kunst-Akademie Leipzig und wurde in die Meisterklasse bei Professor Alois Kolb aufgenommen. Dieser aus Wien stammende Professor galt damals als ein Meister der Radierkunst und unter seiner Leitung wurde die Leipziger Radierklasse zu einer "Meisterschule" dieser Art.

Im Januar 1912 traf Erich Fuchs ein sehr schwerer Schicksalsschlag. Innerhalb von 14 Tagen starben beide Eltern. Nun war er ganz allein auf sich gestellt und noch ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Aber der junge Mann hatte große Gönner. Zur Fortsetzung seines Studiums erhielt er ein Stipendium von 3.000 Mark von einem Mäzen, der nicht genannt sein wollte. Es war sein Professor Kolb, der von seinem Schüler so begeistert war, dass er diesem die weitere Ausbildung ermöglichte. Aber erst nach Kolbs Tod hat Fuchs erfahren, wem er die Fortsetzung des Studiums zu verdanken hatte. Ein weiterer Gönner war der Groß-industrielle Richard Toepfer, Mitinhaber der englischen Firma John Fowler. Dieser ermöglichte ihm längere Studienaufenthalte auf seinen Gütern Westerhorn und Lopau in der Lüneburger Heide.

Bereits während seiner Leipziger Studienjahre besuchte er mehrmals das Riesengebirge in Schlesien. Sein erster Besuch fand 1909 statt. Hier weilte er bei seinem Bruder Walter, der in Liebau eine Möbelfabrik leitete. Die reizvolle Landschaft des Riesengebirges hatte es ihm angetan. Er war so begeistert, dass er ausgedehnte Reisen unternahm, um Volk und Landschaft kennenzulernen und eingehend zu studieren. Während dieser Zeit reifte in ihm der Entschluss, sich nach Beendigung seiner Ausbildung im Riesengebirge niederzulassen. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, setzte er diesen Entschluss in die Tat um und zog kurz entschlossen nach Bärndorf im Kreis Hirschberg.

1916 begab sich Erich Fuchs für einige Zeit in die sächsische Metropole Dresden, um hier das Studium der Tieranatomie zu betreiben. Darüber hinaus sollte sich sein Privatleben in der Stadt an der Elbe ganz entscheidend verändern. Am 14.10.1916 schloss er mit seiner Braut Klara Rautenstrauch den Bund fürs Leben. Sie stammte aus Schurgast, Kreis Falkenberg OS. Dort erblickte sie am 25.02.1889 das Licht der Welt. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie aber in Gottesberg. Bereits ein Jahr später zog Fuchs mit seiner jungen Frau wieder nach Schlesien. Das Ehepaar wählte als Wohnsitz den kleinen Ort Albendorf, Endstation der Ziedertalbahn und unmittelbar an der böhmischen Grenze und unweit von der Weberstadt Schömberg. In diesem stillen, abgeschiedenen Ort begann er mit seiner Radierfolge "Schlesisches Bergvolk". Zur großen Freude der jungen Eheleute wurde am 17.02.1918 Tochter Eva geboren. Da Erich Fuchs nun eine Familie ernähren musste und der Lebensunterhalt allein durch seine künstlerische Tätigkeit nicht gesichert war, verdiente er durch Reklamearbeiten hinzu.

im Laufe des Jahres 1918 zog die Familie Fuchs nach Dittersbach städt. um, ein kleines Riesengebirgsdorf unterhalb des Schmiedeberger Passes. Fünf Jahre lebten sie hier glücklich und zufrieden. Ebenso wie in Albendorf und Schömberg war er auch hier ständig auf der Suche nach Motiven für seine große Radierfolge "Schlesisches Bergvolk". Etliche Werke entstanden während dieser Zeit, u. a. "Beim Garnandrehen" (hier wird eine Webstube in Hohenwaldau dargestellt) oder auch "Die Spitzennäherinnen" (hier zeigt Fuchs eine Stube in den Hartehäusern im Dittersbacher Nachbarort Haselbach). Zwischenzeitlich war auch der Name des Künstlers Erich Fuchs bekannt geworden. Er wurde an der Schaffung des "Eisernen Buches" für die Gefallenen des Kreises Hirschberg beteiligt. Diese glückliche Zeit fand aber ein jähes Ende, als am 1. März 1923 das Haus der Familie durch Brandstiftung so stark beschädigt wurde, dass es unbewohnbar war. Infolge der mit dieser Katastrophe verbundenen Aufregung erkrankte Frau Fuchs an einem schweren Herzleiden, das sie fast zwei Jahre lang an das Bett fesselte.

Helfer in der Not wurde nun der Hirschberger Landrat Dr. von Bitter. Er sorgte für eine vorübergehende Notunterkunft in Hain im Riesengebirge, bis die Familie ein kleines Häuschen in Ober-Giersdorf beziehen konnte. Hier ergab sich auch die Möglichkeit eines Nebenverdienstes durch Zimmervermietung an Sommergäste. In Ober-Giersdorf erblickte am 04.04.1927 die zweite Tochter Elisabeth das Licht der Welt. Für die Familie Fuchs begann wieder eine schöne Zeit und für den Künstler eine Zeit des Schaffens. Es entstanden Aquarelle schlesischer Bauernstuben und Kirchen, Buchillustrationen zu Paul Kellers "Waldwinter", viele freie Radierungen, Zeichnungen und Aquarelle von volkskundlichen Motiven. Die Radierfolge "Schlesisches Bergvolk" umfasste 1928 bereits 157 Radierungen. Im Jahre 1924 stattete Erich Fuchs dem großen schlesischen Dichter Gerhart Hauptmann einen Besuch auf Wiesenstein in Agnetendorf ab, um ihm die ersten Mappen seines Werkes "Schlesisches Bergvolk" zu zeigen. Dieser war von seinen Werken so begeistert, dass er ihn 20 Jahre später mit überaus großem Lob bedachte. Am 28.04.1946 brachte Hauptmann auf Wiesenstein folgende Worte zu Papier: "Das Werk von Erich Fuchs ist von einmaliger kulturhistorischer Bedeutung. Ich unterschreibe mit gutem Gewissen eins der seltsamsten Denkmäler des Arbeiter- und Bauerntums. Wer Zeit hat und die Zeit sich nimmt und die Pflicht fühlt, kann nicht anders, als seinen erstaunlichen Wert zu erkennen". Erich Fuchs Name wurde bei Kunstexperten immer bekannter. Es folgten Ausstellungen seiner Werke im Museum zu Breslau und auch in Moskau. Das Breslauer Museum der bildenden Künste erwarb 1930 den Aquarell-Zyklus "Bunte schlesische Bauernstuben und Dorfkirchen". Auch die bis dahin erschienenen Teile des Werkes "Schlesisches Bergvolk" waren bereits von diesem Museum erworben worden. Der zuständige Museumsdirektor war damals der aus Liebau stammende Prof. Dr. Erich Wiese. Ebenso erwarben kunst-interessierte Industrielle und andere Sammler Werke von Erich Fuchs.

Die finanzielle Situation der Familie Fuchs verbesserte sich so erfreulich, dass der große Traum eines eigenen Hauses 1938 Wirklichkeit wurde. Im idyllisch gelegenen Hain wurde es im Stil eines Gebirgshauses gebaut und erhielt den malerischen Namen "Fuchswinkel". Nur sieben Jahre waren der Familie Fuchs im eigenen Haus vergönnt. Am 25.10.1945 wurde die Familie aus dem Haus ausgewiesen und fand notdürftige Unterkunft bei einem Nachbarn. Sein gesamtes Lebenswerk musste Erich Fuchs zurücklassen. Durch eine Intervention Gerhart Hauptmanns bei Marschall Schukow genoss er wenigstens Schutz und wurde von den Polen als "Spezialarbeiter" eingestuft. Am 17.10.1948 erfolgte aber der endgültige Abschied von der geliebten Heimat. Die erste Unterkunft im Westen fanden die Eheleute bei der bereits 1946 vertriebenen ältesten Tochter Eva in Lindlar.

Mit unglaublicher Energie begann Erich Fuchs sich nun in Westdeutschland gemeinsam mit seiner Ehefrau ein neues Leben aufzubauen. Ein neues Heim hatten die Eheleute in einer Marburger Künstlersiedlung gefunden. Mit Hilfe eines Stipendiums unternahm er bald schon wieder Studienreisen durch Niedersachsen, Westfalen und das Rheinland, stets auf der Suche nach besonderen Motiven. So entstand ein Zyklus von ca. 50 Aquarellen "Bäuerliches Leben und Handwerk in Westfalen und Niedersachsen". Darüber hinaus bemühte er sich aber intensiv um die Rückgabe seiner in Polen verbliebenen Werke. Im Jahre 1959 hatte er endlich Erfolg. Die polnische Regierung gab ihm fast 3000 Radierungen, Zeichnungen, Aquarelle und Skizzen zurück.

Für seine Verdienste ehrte ihn der Bundespräsident 1962 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Diese Würdigung ihres Ehemannes konnte seine Ehefrau, die ihm in allen schweren Lebenslagen stets treu zur Seite stand und ihm immer eine große Stütze war, noch miterleben. Am 22. Juli 1963 verstarb sie in Marburg. Erich Fuchs überlebte seine Ehefrau um zwanzig Jahre und starb am 3. Juli 1983 ebenfalls in Marburg.

Quellen:

  • Festschrift zum 80. Geburtstag von Erich Fuchs
  • Peuckert, Erich/Fuchs, Erich: Die schlesischen Weber
  • Rauch, Eva: Persönliche Angaben über ihren Vater
  • Richter, Gustav: Berühmte Zeitgenossen aus Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Trierenberg, Heinrich: Erich Fuchs - Leben und Brauchtum im Riesengebirge

Silberhochzeit der Eheleute Carl Fuchs (18.12.1852 - 30.01.1912) und Auguste Fuchs, geb. Melchert (22.09.1853 - 02.01.1912) am 14.07.1902 (Eltern von Erich Fuchs)
Obere Reihe von links: Bruder Artur Fuchs (11.10.1885 - 31.05.1976); Minna Fritze, geb. Melchert (älteste Schwester der Mutter); Cousine Ida Melchert (Tochter des ältesten Bruders der Mutter); Bruder Walter Fuchs (15.05.1878 - 21.12.1969) als Soldat in Minden; Schwester Alma Fuchs (10.11.1882 - 06.07.1923); Bruder Otto Fuchs (30.06.1888 - 23.10.1918); Erich Fuchs (14.02.1890 -03.07.1983);
Vorne links: Schwester Klara Fuchs (02.09.1893 - 01.03.1990); rechts: Mike Geißler (Tochter des Möbeldirektors Geißler. Walter Fuchs war während seiner Zeit in Minden die rechte Hand des Direktors Geißler.
Vorne liegend: der jüngste Bruder Max Fuchs (10.12.1891 - 03.05.1975).
Die Aufnahme entstand im Garten des Hauses in Magdeburg-Gudenburg

Dieses Bild und die Daten stellte Frau Renate Baumgärtner zur Verfügung, Enkeltochter von Erich Fuchs

Einzug in das neue Heim "Fuchswinkel" in Hain im Jahre 1938.

(Bild von Frau Renate Baumgärtner)

Wohnhaus von Erich Fuchs "Fuchswinkel" in Hain, Kreis Hirschberg

(Bild von Frau Renate Baumgärtner)


Wohnhaus von Erich Fuchs "Fuchswinkel" im Winter
(Bild von Frau Renate Baumgärtner)

Die Eheleute Klara und Erich Fuchs im Wohnzimmer
 ihres Hauses in Hain
(Bild von Frau Renate Baumgärtner)


Das Wohnzimmer im "Fuchswinkel"
(Bild von Frau Renate Baumgärtner)

Das ehemalige Wohnhaus der Familie Fuchs im Oktober 2015.

Fuchs, Walter

Möbelfabrikant, Lektor
* 15.05.1878 in Magdeburg
+ 21.12.1969 in Winsen an der Luhe
Wirkungsstätte: Landeshut

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Mit dem Namen Walter Fuchs ist untrennbar die Erinnerung an den letzten Lektor der Gnadenkirchengemeinde Landeshut in der Zeit von 1948 - 1957 verbunden. Dass er dieses Amt in schwerster Zeit einmal ausüben würde, war ihm jedoch nicht an der Wiege gesungen worden. Am 15. Mai 1878 erblickte er ebenfalls in Magdeburg als der ältere Bruder des großen Kunstmalers und Radierers Erich Fuchs das Licht der Welt. Im Gegensatz zu seinem Bruder Erich trat Walter in die Fußstapfen seines Vaters. Er wird wohl bereits als Kind dem Vater in der Tischlerei über die Schulter geschaut haben. Nach der Schulausbildung absolvierte er eine Tischlerlehre und begann nun mit viel Begeisterung und Elan seine Berufstätigkeit. Als ihm in Liebau die Leitung der Hesseschen Möbelfabrik angeboten wurde, nahm er diese Herausforderung freudig an. Verheiratet war er seit dem 18.09.1906 mit Ehefrau Gertrud, geb. Adler. Diese Ehe blieb kinderlos.

Die Eheleute Fuchs verbrachten viele Jahre in diesem lieblichen schlesischen Grenzstädtchen. Aber Walter Fuchs wollte ebenso wie sein Vater einen Betrieb nicht nur leiten, sondern auch eine eigene Fabrik führen. Diesen Wunsch erfüllte er sich in Landeshut. Hier baute er eine Möbelfabrik auf, deren Erzeugnisse weit über den Bereich des Kreises Landeshut ihren Absatz fanden. Wie so viele Personen aus Kreisen der Wirtschaft war auch Walter Fuchs seit 1929 Mitglied der Freimaurerloge "Zum innigen Verein am Riesengebirge" in Landeshut, die nach der Stiftungsurkunde am 19. April 1820 gegründet worden war.

Obwohl ihm diese arbeitsreichen Jahre und der Aufbau einer selbständigen Existenz viel Kraft gekostet hatten, sollte ihm eine weitere sehr schwere Zeit bevorstehen. Nachdem der größte Teil der deutschen Bevölkerung 1946/47 aus der Stadt und dem Kreis Landeshut in mehreren Transporten die Heimat verlassen musste, und auch die beiden letzten Pastoren Heino Muther und Fritz Bürgel 1946 und 1947 ausgewiesen worden waren, übernahm Walter Fuchs die Versorgung der zurückgebliebenen etwa 150 evangelischen Gemeindeglieder aus Landeshut und den zur Gnadenkirche gehörenden angrenzenden Landgemeinden. Bis zu seiner Ausreise 1957 übte er fast 10 Jahre unter größten Opfern diesen Dienst aus. in einem Bericht schreibt er im August 1962: "Vom Jahre 1948 bis 1957, meiner Vertreibung, stand ich als alleiniger Lektor in Stadt und Kreis Landeshut im Dienst. Mit Genehmi-gung des Konsistoriums in Görlitz habe ich alle kirchlichen Amtshand-lungen wie Gottesdienst, Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdi-gungen, Heiliges Abendmahl und Seelsorge durchführen dürfen. Jeden Werktag stand ich um 4.30 Uhr auf, hatte 2,5 km zur Arbeitsstätte und war durchgehend von 6.00 bis 15.00 Uhr beschäftigt. Sonntags ging ich regelmäßig um 7.45 Uhr von zu Hause weg, denn ich hatte einen Weg von 2 km zur Kirche und wollte doch rechtzeitig den von auswärts Kommenden Einlass gewähren. Der Gottesdienst war von 9.00 bis 10.00 Uhr, von 10.15 Uhr ab Christenlehre für Kinder, die noch keinen Religionsunterricht hatten. Anschließend Kindergottesdienst, von 11.45 bis 13.30 Uhr Konfirmandenunterricht für auswärtige Konfirmanden, die zu anderer Zeit zum Unterricht zu kommen verhindert waren. Die Gottesdienste fanden immer abwechselnd in der Gnadenkirche und im Gemeindesaal statt."

Im Jahre 1957 kam er gemeinsam mit seiner Ehefrau nach Winsen an der Luhe. Für seine besonderen Verdienste um die Betreuung der deutschen Restgemeinde der evangelischen Gnadenkirche in der Zeit von 1948 - 1957 wurde Walter Fuchs mehrfach ausgezeichnet. Der Heimatkreis Landeshut ehrte ihn mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft. Er erhielt das Bundesverdienstkreuz und das Präsidialamt der Evangelischen Landeskirche verlieh ihm die Uhlhorn-Plakette, eine hohe kirchliche Auszeichnung. Am 21. Dezember 1969 starb Walter Fuchs in Winsen an der Luhe. Seine Ehefrau Gertrud Fuchs verstarb am 07. Juni 1975.

Quellen:

  • Arbeitskreis Landeshut: Geschichte der ev. Gnadenkirche Landeshut/Schlesien
  • Brügmann, Martin: Die Gnadenkirche Landeshut
  • Rauch, Eva: Persönliche Angaben über ihren Onkel
  • Schlesischer Gebirgsbote

Geyer, Dominicus

Abt des Klosters Grüssau
* 01.03.1662 in Neisse    
+ 05.12.1726 in Warmbrunn
Wirkungsstätte: Grüssau                               


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Abt Dominicus Geyer ging als großes Wirtschaftstalent in die Grüssauer Klostergeschichte ein. Als Mathias Xaverius Geyer wurde er am 01.03.1662 in Neisse geboren, Sohn des Schuhmacher-meisters Mathias Geyer (+ 28.03.1691) und dessen Ehefrau Maria (+ 07.12.1692). Mit mehreren Geschwistern wuchs der kleine Mathias Xaverius auf. Alle Kinder wurden streng im christlichen Glauben erzogen. Bruder Heinrich wurde ebenfalls Priester und wirkte 47 Jahre als Pfarrer in Giessmannsdorf, Kreis Bolkenhain (+ 25.07.1742); Schwester Margareta war mit dem Grüssauer Stiftskanzler Hübner verheiratet; Bruder Anton starb bereits im Jahr 1708 in Liebau; ein anderer Bruder, dessen Name unbekannt ist, starb als P. Germanus O.F.M, Guardian in Schweidnitz, am 10.08.1726.

Mathias Xaverius Geyer trat nach dem Studium der Logik in Breslau 1680 in das Kloster Grüssau ein und legte am 30.11.1681 seine Ordensprofess ab. Die Weihen zum Subdiakon und Diakon empfing Pater Dominicus zwischen 1684 und 1686 in der Jakobuskirche seiner Heimatstadt Neisse, wo er auch am 08.06.1686 zum Priester geweiht wurde. Anfangs nahm er sein Ordensleben nach eigenem Bekunden recht leicht, bis ein Vorfall für ihn richtungsweisend wurde. Am 06.01.1683 blieb ein Knochensplitter in seinem Hals stecken. Er gelobte in seiner Todesangst den täglichen Besuch des Sakraments-, Muttergottes- sowie Trinitatisaltars und blieb diesem Gelöbnis aus Dankbarkeit bis zum Tod treu. Sein berühmter Vorgänger, Abt Bernhard Rosa, erkannte bereits sehr früh die besonderen Fähigkeiten des jungen Priesters und beauftragte ihn im Jahr 1689, die jungen Ordenskleriker in das Studium der Theologie einzuführen. 1692 wurde er zum Subprior und Archivar des Stiftes ernannt.

Als Abt Bernhard Rosa am 01.06.1696 starb, wurde der erst 34jährige Pater Dominicus am 22. November 1696 bereits im 1. Wahlgang zum neuen Abt des Klosters Grüssau gewählt. Unmittelbar nach seiner Wahl stiftete er der Abteikirche einen Altar zu Ehren der Geburt Christi. Schon während seiner ersten Regierungsjahre sorgte Abt Geyer durch den Erwerb des Bolkenhainer Burglehens für die Vergrößerung des Stiftslandes. Es bestand aus der bekannten Bolkoburg sowie den Dörfern Einsiedel, Giessmannsdorf, Hohenhelmsdorf, Ruhbank, Klein-Waltersdorf und Wiesau. Insgesamt umfasste das Stiftsland nunmehr 297 qkm.

Da er selbst der Sohn eines Handwerkers war, förderte er in seinem Stiftsland insbesondere das Handwerk und das Gewerbe. Neue Zünfte wurden in den Städten errichtet, die bereits bestehenden erweitert und privilegiert. Während Abt Bernhard Rosa der Begründer der Liebauer Leinenindustrie war, förderte Abt Dominicus Geyer die von Schömberg.

Abt Geyer ließ viele Kirchen errichten, u. a. in Liebau, Wittgendorf, Albendorf und auch die Nothelferkirche in Ullersdorf. Die von seinem Vorgänger in Holz errichteten Kapellen des großen Grüssauer Kreuzweges wurden 1703 in Stein neu erbaut. Von den Profanbauten sind wohl die Apostelhäuser in Schömberg am bekanntesten. Er ließ sie im Jahre 1707 als Weberkolonie anlegen. Aber auch das Liebauer Rathaus und das Schömberger Gerichtshaus konnten nur mit der Unterstützung des Abtes gebaut werden. Der künstlerisch wohl bedeutendste Profanbau, den Abt Geyer errichten ließ, ist wohl ohne Zweifel das palastähnliche Stiftshaus in Schweidnitz. Dieses Haus sollte den Äbten während der Landtagssitzungen als Quartier dienen. 1741 nahm es Friedrich II. dem Kloster ohne jeden Anlass weg und schenkte es seinem Günstling Fouque, dem erbitterten Feind aller Priester und Mönche.

Der krönende Abschluss seines Lebens sollte der Bau einer neuen Klosterkirche sein. Die Geldmittel waren durch sparsames Wirtschaften in den vergangenen Jahren bereits vorhanden. Eine schwere Erkrankung machte aber alle Pläne zunichte. Während einer Sitzung in Schweidnitz erlitt Abt Geyer am 17.03.1723 einen Schlaganfall. Seine rechte Körperseite blieb gelähmt und auch sprachlich war er seit dieser Zeit behindert. Sein Geist blieb aber weiterhin rege und lebendig. In den Folgejahren trat zwar insofern eine leichte gesundheitliche Besserung ein, als er kürzere Briefe wieder selbst schreiben konnte und auch der Besuch der Kapelle in Reichhennersdorf im Juni 1725 möglich war. Trotzdem blieb er körperlich sehr behindert. Auf dringenden Rat seiner Ärzte reiste Abt Geyer am 23.11.1726 nach Warmbrunn, um dort eine Badekur durchzuführen. In der ersten Morgenstunde des 5. Dezember 1726 verstarb der Abt nach dem Empfang der heiligen Sakramente. Die Beisetzung fand am 10.12.1726 in der alten Stiftskirche in Grüssau statt. In seinem Testament hatte Abt Geyer festgelegt, man solle ihn vor dem Altar des Jesuskindes begraben: "Meine Leiche soll in der Klosterkirche vor dem von mir gestifteten Altar, an dem ich täglich das heilige Messopfer darzubringen pflege, an jener Stelle beigesetzt werden, wo der Priester beim Sündenbekenntnis vor der heiligen Messe steht". Beim Neubau der Kirche wurde der Leichnam des Abtes in die neue Konventsgruft unter dem Hochaltar überführt.

Quellen:

  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Kloster Grüssau in den Zeitaltern des Barock, Rokoko und Klassizismus (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Die drei großen Äbte und die große Zeit des Klosters (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Rose Dr., Ambrosius OSB: Kloster Grüssau

Görlich, Bernhard

Pfarrer, Geistlicher Rat
* 25.05.1909 in Striegau
+ 11.10.1984  in Heilbronn-Biberach
Wirkungsstätte: Landeshut

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Bernhard Görlich wurde am 25. Mai 1909 in Striegau/Schlesien geboren, wuchs aber in Liebenthal auf, wo sein Vater als Schulrat des Kreises Löwenberg tätig war. Nach dem Abitur Ostern 1928 am Gymnasium Fridericianum in Glogau begann er an der Universität Breslau das Studium der Theologie, um Priester zu werden. Im Sommersemester 1929 studierte er in Freiburg/Breisgau und lernte so den deutschen Südwesten schon damals kennen. Mit 55 Diakonen seines Kurses empfing Görlich durch Kardinal Bertram am Sonntag, 29. Januar 1933, die hl. Priesterweihe. Bei seiner Primiz in Liebenthal am 1. Februar hielt
P. Prior Justinus Albrecht von Grüssau die Festpredigt.

Danach kam der Neupriester Görlich in die Pfarrei Landeshut, wo der Geistliche Rat Scholz mit 2 Kaplänen in der großen Diasporagemeinde tätig war. Es ahnte damals niemand, dass der junge Priester schon im Januar 1937 als Pfarrer von Landeshut Nachfolger seines ersten Chefs werden sollte. Hier in Landeshut lernte Bernhard Görlich in den großen Heilstätten auch die Krankenseelsorge näher kennen, die fast 40 Jahre später in Heilbronn seine Hauptseelsorge werden sollte. Von Landeshut führte ihn der Weg oft in die Abtei Grüssau, deren Patres regelmäßig in seiner Pfarrei priesterliche Dienste leisteten.

Der "jüngste Pfarrer Preußens" hat in den harten Jahren des Kirchenkampfes im III. Reich unter erschwerten Bedingungen die Seelsorge ausgeübt. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges kamen neue Nöte und oft schwierige Situationen.

Beim "Pontifikal-Abschied" von Grüssau, wenige Tage vor der Vertreibung, hielt er am 8. Mai 1946 zum 250jährigen Jubiläum der St. Josephskirche beim Pontifikalamt von Weihbischof Joseph Ferche die Festpredigt über das Thema: "Freude war mit Leid vermischt".

Am 20. Mai 1946 schlug auch für ihn die Abschiedsstunde von Landeshut. Nur kurze Zeit war Bernhard Görlich in der Diözese Hildesheim tätig. Ende 1947 konnte er mit Zustimmung seines Kapitelvikars Dr. Ferdinand Piontek in Görlitz, in die Diözese Rottenburg übersiedeln. Er begann als Pfarrkurat in Biberach bei Heilbronn, nur 4 km von Bad Wimpfen entfernt, wo seit August 1947 die Grüssauer Benediktiner sich ein Kloster einrichteten. Bald erhielt er einen größeren Wirkungskreis in der Pfarrei Stockheim mit vielen Diasporaorten. Von dort aus erbaute er eine Kirche in Brackenheim und wurde dort erster Pfarrer der neuen Gemeinde.

Dort in der Christkönigskirche feierte Görlich sein Silbernes Priester-jubiläum. Der Bischof von Rottenburg, Carl Joseph Leiprecht, der sein Wirken sehr schätzte, übertrug ihm die Pfarrei Kornwestheim mit über zehntausend Seelen im Großraum Stuttgart. Nach fünfjähriger Tätigkeit wurde er von den Ärzten bedrängt, in eine kleine Gemeinde zu wechseln. So kam er in die Pfarrei Eybach bei Geislingen/Steige. Hier musste bald die Kirche renoviert und vergrößert werden, was dem bauerfahrenen Pfarrer auch gut gelang.

Anfang 1971 wurde sein langjähriger Wunsch erfüllt, und Pfarrer Görlich konnte in Heilbronn als Krankenhauspfarrer beginnen. Sein Wirken in den verschiedenen Kliniken von Heilbronn wurde von vielen seiner Amtskollegen gewürdigt. Die letzten Lebensjahre verlebte der zum Geistlichen Rat der Erzdiözese Breslau ernannte Pensionär in Biberach. Hier verstarb er am 11. Oktober 1984 und wurde am 15. Oktober 1984 beigesetzt.

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote

Gottstein, Leo, Dr.

Papierfabrikant
* 26.05.1850 in Breslau                         
+ 31.01.1922 in Weimar
Wirkungsstätte: Liebau

Graen, Karl Wilhelm

Bildhauer, Maler
* 24.06.1879 in Weißstein
+ 06.01.1943 in Landeshut
Wirkungsstätte: Landeshut

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Geboren wurde Karl Wilhelm Graen am 24.06.1879 in Weißstein, Kreis Waldenburg als Sohn eines Berghauers. Mit seinen fünf Schwestern verlebte er in seiner schönen schlesischen Heimat, dem Waldenburger Bergland, eine wohlbehütete Kindheit und Jugendzeit. Obwohl er ein echter Junge war, bereitete es dem kleinen Karl Wilhelm auch sehr viel Freude, mit seinen Schwestern schöne Handarbeiten zu fertigen. Gemeinsam wurde gestickt, gestrickt und gehäkelt. Diese Kunst sollte ihm im späteren Leben einmal zugute kommen.

Über seine Schul- und Ausbildungszeit sowie seine ersten Berufsjahre ist leider nichts bekannt. Diese Jahre liegen bisher im Dunkeln. Vielleicht sollte er ja auch, wie sein Vater, den Beruf des Bergmannes erlernen. Seine Neigung zur Musik und zur bildenden Kunst war aber bereits in früher Jugend deutlich geworden. So entschloss er sich, den Beruf des Bildhauers und Malers auszuüben. Mit ziemlicher Sicherheit wurde diese Berufswahl im Elternhaus nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen, da es sich doch um eine "ziemlich brotlose Kunst" handelte, wie damals abschätzig behauptet wurde. Aber Karl Wilhelm Graen ließ sich nicht von seinem Entschluss abbringen. Er ging nach Breslau und anschließend nach Berlin, um seinen großen Traum zu erfüllen.

Aber nicht nur beruflich, auch privat fand er in Berlin sein Glück. Am Heiligen Abend des Jahres 1907 trat er mit seiner Frau Paula Ottilie Marie Emma, geb. Weber vor den Traualtar. Sie erblickte am 07.06.1882 in der alten Hansestadt Stralsund das Licht der Welt. Mit der Geburt der Kinder Gerhard (04.10.1908) und Irene Gertrud Erna (22.07.1910) war das Familienglück vollkommen. Die junge Familie lebte in Berlin-Karlshorst. Karl Wilhelm Graen schuf während dieser Zeit Bildhauerarbeiten, u. a. an Hausfassaden und Hauseingängen in der Schlossstraße in Berlin-Steglitz. Darüber hinaus entstanden auch etliche Bilder, Blumen-Motive oder auch Havel-Landschaften in Öl. Am 04.06.1911 schlug das Schicksal jedoch grausam zu. Die geliebte Ehefrau und Mutter starb und Karl Wilhelm Graen war mit seinen zwei kleinen Kindern allein. Zum Glück lebte seine Schwester mit ihrem Ehemann in Berlin-Tempelhof, so dass sie sich um die beiden kleinen Halbwaisen kümmern konnte.

Karl Wilhelm Graen hatte sich 1914 entschlossen, ein Studium an der Königlichen Akademischen Hochschule für die Bildenden Künste in Berlin zu absolvieren. Die Eintragung für das Wintersemester 1914/15 war bereits erfolgt, aber der 1. Weltkrieg machte alle Pläne zunichte. Während seines Einsatzes in den Jahren 1914 - 1918 kam er u. a. in die Türkei, nach Belgien und nach Litauen. Auch aus dieser Zeit stammen etliche Aquarelle, u. a. von der Fleischgasse in Wilna oder von der Kathedrale in Brügge.

Nach vielen Jahren in der Fremde, kehrte Graen 1921 in seine schlesische Heimat zurück. Auch im Privatleben kam das Glück zurück. Am 16.07.1921 heiratete er in 2. Ehe Anna Martha, geb. Liebig. Sie war ebenfalls eine echte Schlesierin. Geboren wurde sie am 28.09.1887 in Hermsdorf unterm Kynast, Kreis Hirschberg. Während die Tochter in der liebevollen Obhut seiner Schwester in Berlin-Tempelhof blieb, zog das Ehepaar Graen mit Sohn Gerhard nach Landeshut. Die erste Wohnung in dieser wunder-schönen Stadt befand sich in der Waldenburger Straße, Nr. 27.

Da der Lebensunterhalt der Familie allein von der Malerei und den Bildhaueraufträgen nicht finanziert werden konnte, war Graen gezwungen, eine weitere Arbeit zu suchen. Er fand sie bei dem Nähmaschinen-Händler Franz Lorenz, Waldenburger Str. Nr. 27. Er war wohl ein Verwandter des Ehepaares Graen, da er im Familienkreis mit Onkel Franz angeredet wurde. Graen wurde Vertreter für Singer-Nähmaschinen. Seine Kunden waren vorwiegend Familien mit Töchtern im heiratsfähigen Alter. jetzt kamen ihm die im Elternhaus gemeinsam mit seinen Schwestern erworbenen Handarbeitskenntnisse zugute.

Nach 1925 erwarb Karl Wilhelm Graen in der Pfuhlstraße, Nr. 20 ein eigenes Haus. Im Erdgeschoss des Hauses befanden sich zwei kleine Läden. Rechts befand sich eine Filiale der Fleischerei Rummler, die später vom Hätzel-Fleischer übernommen wurde. Links war eine Filiale des Kolonialwarenhändlers Krieg von der Ziederstraße untergebracht. Der Garten hinter dem Haus wurde von dem Ehepaar Graen mit viel Liebe zur Natur angelegt. Wunderschöne Sträucher, leuchtende Blumen, ein Steingarten mit Springbrunnen und natürlich die Lieblingsblumen des Hausherrn, die Sonn