Frantz, Martin

Baumeister
*       03.1679 in Reval
+ 06.11.1742 in Liegnitz
Wirkungsstätte: Landeshut

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Martin Frantz ging als der große Baumeister der Gnadenkirchen in Hirschberg und Landeshut in die Geschichte ein. Das Licht der Welt erblickte er im März 1679 in Reval, das damals noch zu Schweden gehörte, als Sohn des Stadtbaumeisters Martin Frantz und dessen Ehefrau Elsgen, geb. Seger. Sein Vater war um 1670 berufsbedingt von Dresden nach Reval gezogen. Um in der Stadt eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, musste er durch eine nachgewiesene Heirat sesshaft werden, so dass er am 04.12.1671 mit Elsgen Seger getraut wurde. Aus dieser Ehe ist neben dem Sohn Martin noch die Tochter Anna Elisabeth hervorgegangen. Ihm war es nicht vergönnt, seine Kinder heranwachsen zu sehen. Im August 1684 verstarb er und wurde am 29.09.1684 auf dem Friedhof von St. Olai in Reval beigesetzt. Seine Witwe heiratete zwei Jahre später seinen Nachfolger im Amt des Revaler Stadtbaumeisters, Georg Winkler.

Georg Winkler bemühte sich sehr um die Erziehung seiner Stiefkinder. Aus einem Protokoll vom 27.01.1691 geht hervor, dass er sich bemühte, seinen Stiefsohn Martin im Zeichnen und all den Fertigkeiten zu unterrichten, die er als Architekt brauche, um später auf eigenen Füßen zu stehen. Am 21.11.1691 wurde Martin Frantz in das Jungenbuch des Maurermittels zu Reval eingetragen und sein Stiefvater übernahm für ihn die Bürgschaft. Am 18.02.1697 erfolgte die Eintragung in die Revaler Gesellenliste. Nun begann für ihn die Zeit der üblichen Wanderschaft. Stationen seiner Gesellenwanderschaft sind nicht bekannt. In seinem Buch über die Baumeisterfamilie Frantz nimmt Dr. Günther Grundmann an, dass der Baumeister von Reval über Stockholm und Pommern nach Schlesien gekommen ist. Laut Grundmann soll Frantz in Breslau Verbindung zu dem damals sehr bekannten Baumeister Johann Georg Knoll aufgenommen haben, der Gesellen für seine auswärtigen Arbeiten suchte. U. a. hatte Knoll den Auftrag zum Bau des Jesuiten-Kollegs in Liegnitz erhalten und mit den Arbeiten 1698 begonnen. Als neuer Geselle wurde nun Martin Frantz nach Liegnitz entsandt und trat mit großem Engagement an seine neue Aufgabe heran.

In Liegnitz fühlte sich Martin Frantz sehr wohl. Nicht nur die Arbeit bereitete ihm große Freude, auch privat fand er sehr schnell Freunde, die ihm das Einleben erleichterten. Neben bekannten Liegnitzer Familien gehörte u. a. auch die Familie des Hirschberger Stadtmaurermeisters Caspar Jentsch zu seinem Freundeskreis. In Liegnitz lernte er die Tochter des Tischlers Christian Schönwälder kennen, Barbara Elisabeth Schönwälder. Die jungen Leute verliebten sich und wurden im Januar 1705 in der Peter-Paul-Kirche in Liegnitz getraut. Acht Tage vor der Trauung hatte Martin Frantz das Liegnitzer Bürgerrecht erworben und mit dem Tag der Trauung erhielt er das Meisterrecht in Liegnitz. Die Ehe blieb viele Jahre kinderlos. Erst am 31.12.1709 wurde Tochter Johanna Wilhelmina geboren, die aber bereits am 21.06.1711 verstarb. Am 1. Oktober 1712 erblickte der Sohn Carl Martin das Licht der Welt und ein Jahr später noch eine Tochter. Ebenso wie Vater und Großvater wurde auch Carl Martin Frantz Baumeister.

Nach dem plötzlichen Tod seines Arbeitgebers Knoll im Jahre 1704 führte Martin Frantz die Arbeiten am Jesuiten-Kolleg in Liegnitz weiter und beendete das Werk 1707. Maßgeblich beteiligt war er am ersten Bauabschnitt der bekannten Liegnitzer Ritterakademie. Es handelte sich hierbei um eine Schule für Angehörige des schlesischen Adels, die später auch dem Bürgertum offen stand. An diesem Institut war von 1788 bis 1789 der preußische Minister und große Schulreformer Karl Abraham von Zedlitz als Direktor tätig.

Viele bekannte Bauwerke in Schlesien wurden von Martin Frantz nachweisbar entworfen und ausgeführt, andere Bauten werden ihm aus stilistischen Gründen zugeschrieben. Neben den Gnadenkirchen in Hirschberg und Landeshut baute er u. a. laut Grundmann die Probsteikirche in Warmbrunn, die Pfarrhäuser in Hirschberg und Landeshut, die Corpus-Christi-Kirche in Sprottau, das Schloss in Schönwaldau, die katholische Kirche in Rengersdorf, die Barockisierung der katholischen Pfarrkirche in Sagan. Stilistisch zugeschrieben werden ihm u. a. die Schlösser in Brauchitschdorf, Gröditzberg und Lomnitz sowie der Rathausturm in Sprottau, die Türme der katholischen Kirchen in Schmellwitz und Harpersdorf sowie die Türme der evangelischen Kirchen in Harpersdorf und Pilgramsdorf. Ebenfalls zuzuschreiben ist ihm laut Grundmann das Landeshuter Bürgerhaus am Markt Nr. 29 (später Kaufhaus Schlums).

Der große Baumeister Martin Frantz starb am 6. November 1742 in Liegnitz. Nur fünf Monate später, am 4. April 1743, verstarb auch seine Ehefrau.

Quellen:

  • Dames, Theo: Zur Baugeschichte der Liegnitzer Ritterakademie
  • Grundmann Dr., Günther: Die Baumeisterfamilie Frantz
  • Langer, Andrea: Die Gnadenkirche "Zum Kreuz Christi" in Hirschberg
  • Stein, Erwin: Monographien deutscher Landschaften, Bd. III - Die Riesengebirgskreise

Die Gnadenkirche in Hirschberg

Die Gnadenkirche in Landeshut

Fritsch, Innozenz

Abt des Klosters Grüssau
* 06.03.1665 in Ottmachau
+ 29.09.1737 in Grüssau
Wirkungsstätte: Grüssau

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