Johnsdorf (Janiszów)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Johnsdorf liegt zwischen Landeshut und Nieder Blasdorf und gehört heute zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

Erstmalig erwähnt wird Johnsdorf im Jahre 1292. Damals führte der Ort den Namen "Janisbach". Der zuständige Grundherr war das Kloster Grüssau. Später wechselte der Ort mehrfach die Besitzer:

-  vor 1740                              Philipp Anton Baron von Hayn
-         1740                              Baron von Zedlitz
-  danach                                Freiherr von Langenthal

Johnsdorf bildete eine eigene Landgemeinde und gehörte seit 1874 zum Amtsbezirk Nieder Blasdorf, der am 31.05.1929 in Blasdorf bei Liebau umbenannt wurde. Zuständiges Kirchspiel sowohl für die katholischen als auch für die evangelischen Bewohner war Landeshut.

Einwohnerzahl 1925 = 395 (davon 366 evangelisch), 1939 = 405. Die Bewohner des Ortes waren überwiegend in der Landwirtschaft tätig, ca. 55 %. Nur 15 % betrieben einen Handel oder ein Gewerbe.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Schlesischer Gebirgsbote
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Blick auf Johnsdorf

Blick auf Johnsdorf

Haus Nr. 1 - Gast- und Logierhaus "Gerichtskretscham" 
(später Weidenkretscham)

(Besitzer: Paul Oberländer, später Johann Jakob)

Gast- und Logierhaus "Zum Weidenkretscham"

 (Besitzer: Paul Oberländer, später Johann Jakob)

Haus Nr. 80 - Mühlen- und Sägewerk Karl Haase & Sohn

Nach dem Adressbuch des Jahres 1911 stand an dieser Stelle bereits eine Mühle, deren Besitzer Karl Haase war. Als diese in den 1930er Jahren abbrannte wurde hier ein neuer Gebäudekomplex errichtet. Dieser bestand aus einem Bürogebäude mit Wohnung des "Platzmeisters" Sappok, einem Mühlengebäude (mit Wohnung für Karl und Marie Haase), einem Säge- und Hobelwerk, einem Elektrizitätswerk, das aus dem Mühlgraben des Bobers gespeist wurde, und einer Kunsteisfabrik. Das Elektrizitätswerk versorgte die Gemeinden Johnsdorf und Reichhennersdorf 25 Jahre lang mit Licht und Kraftstrom. Nach dem Tod von Karl Haase im Jahre 1938 wurde die Firma von seinem Sohn Alfred weiter geführt. Neben der verantwortungsvollen Tätigkeit in seinem Betrieb war dieser darüber hinaus Obermeister der Müllerinnung und Kreisbrandmeister.

Die folgenden Bilder wurden von Hartmut Peter Skoda aus Mainz zur Verfügung gestellt, einem Enkel von Alfred Haase.

Haus Nr. 80 - Villa Haase

Das Anwesen war das erste in Johnsdorf von Landeshut aus, gleich hinter Oberleppersdorf und der Bahnunterführung. Die "Haase-Villa" gehörte Alfred Haase und seiner 2. Frau Enni, geb. Grosse, aus Sachsen. Das Haus wurde um 1926 erbaut.

Haus Nr. 80 - Villa Haase

Blick von der Haase-Villa zur Haase-Mühle (Weihnachten 1939)

Firma Karl Haase & Sohn (Profi-Aufnahme vor 1939)
Von links: Bürogebäude mit Wohnung des "Platzmeisters" Sappok, das Mühlengebäude (Wohnung von Karl und Marie Haase), das Sägewerk mit mehreren Gattern und Stromerzeugung aus dem Mühlgraben des Bobers und Kunsteisfabrik, davor Holzlagerplatz.

Firma Karl Haase & Sohn, Innenhof: Anlieferung von Langholz, Mehlverladung über die Rutsche.

Holzlagerplatz der Firma Karl Haase & Sohn. 
Enni und Marie Haase, unbekannt (von links).

Das folgende Bild zeigt das frühere Mühlen- und Sägewerk Karl Haase & Sohn im Jahre 2015.

Im Haus Nr. 29 lebten die Großeltern väterlicherseits von Peter Skoda, der Eisenbahner Robert Skoda mit seiner Ehefrau Auguste, geb. Görnt, und seinen 5 Kindern. Dieser erblickte in Reußendorf das Licht der Welt.
Das Haus lag neben dem Friedhof oberhalb des Bober und unterhalb der "Neuen Straße". Wenn man von der Hauptstraße in Höhe des "Mühl-Rüffer" abbog, den Bober und die am Bobergraben gelegene Hausmann-Mühle (Boberwalzenmühle) passierte, erreichte man das von Robert Skoda im Jahre 1938 anstelle eines früheren Hauses gebaute Wohnhaus mit der Hausnummer 29. Dieser hatte es in mühseliger Handarbeit selbst gebaut, wobei er als Fundament schwere Steinquader von einem Brückenabriß nahe der Haase-Mühle heranschaffte.

Haus Nr. 29 - Robert Skoda
Auf die Rückseite des Fotos schrieb er: "Die Dahlien wuchsen zum Fenster herein, ja es war eine Pracht, die Spaziergänger blieben stehen. Nachbar Rüffer meinte, du hast den schönsten Platz weit und breit. Ja, 1000de Stunden hat es gekostet. Ich durfte es nicht mehr abputzen, der Krieg war im Anzug, aber nach dem Krieg sollte es schöner werden."

Haus Nr. 29 - Robert Skoda, aus Richtung Schule

Das Johnsdorfer Schulgebäude (Haus Nr. 27)

Dieses Haus lag nur wenige Meter von Robert Skodas Haus entfernt. Unterrichtet wurden die Johnsdorfer Kinder von dem Lehrerehepaar Schön. Nach dem Krieg wurde es noch bis ca. 1995 als Schule genutzt.
Auf dem folgenden Foto sind zu erkennen: Lehrer Schön und die Handarbeits- und Turnlehrerin Frau Kühn, spätere Frau Schön. Unter den Schülern befinden sich: Gertrud Haase (Tante von Peter Skoda, hintere Reihe 4. von rechts), Luzie Haase (seine Mutter, hintere Reihe 5. von rechts), Werner Skoda (sein Vater, 1. am Seil links) und Fritz Skoda (sein Onkel, 1. am Seil rechts).

Blick auf die Schule und die Mühle von Ernst Hausmann

 (Aufnahme: 1985)

Von links: Haus Nr. 34 - Wilhelm Rüffer; Bildmitte: Nr. 18 - Paul Baumert; rechts verdeckt: Nr. 35 - Karl Beer

Eisgang im strengen Winter 1939/1940.

Haus Nr. 17 - Gerhard Taube

Eisgang im Winter 1939/1940

Haus Nr. 23 - Oswald Günther

Eisgang im Winter 1939/1940