Berthelsdorf (Uniemysl)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Berthelsdorf liegt im Süden des Landkreises Landeshut zwischen Schömberg und Albendorf, von Bergen einschlossen. Der Ort befindet sich unmittelbar an der tschechischen Grenze. Heute gehört Berthelsdorf mit seinen 120 Einwohnern zur Landgemeinde Lubawka (Liebau).

Gegründet wurde Berthesldorf 1352 unter dem Namen "Bertolsdorf". 1363 lautete der Ortsname "Pertolticz". Am 14.02.1367 schenkte Bolko II. den Ort, der nunmehr den Namen "Bertholdisdorf" trägt dem Kloster Grüssau. Die katholische Kirche St. Michaelis wurde in den Jahren 1748/1749 errichtet. Für die evangelischen Bewohner war das Kirchspiel Schömberg zuständig. Im Ort gab es 1 katholische Schule. Das zuständige Standesamt war in Albendorf. Einwohnerzahl: 1925 = 447 (davon 79 evangelisch), 1939 = 350. Auch die Berthelsdorfer Bewohner waren überwiegend in der Landwirtschaft tätig, ca. 58 %. Hier lag der Anteil der Handel- oder Gewerbetreibenden lediglich bei 9 %. Früher war Berthelsdorf Haltestation der Ziedertalbahn.

Sage über die Entstehung der Orte Berthelsdorf und Albendorf (Sagensammlung von Patschovky)

Im 11. Jahrhundert kamen aus Böhmen 2 Brüder, Berthold und Albert Brückner, ins Raben- und Überschargebirge, um dort eine neue Heimat zu gründen. Diese beiden Brüder verstanden die Kunst der Glasbereitung und beabsichtigten, in dem Gebirge eine Glashütte zu errichten. Für ihr Unternehmen schien ihnen eine im südöstlichen Teile des Rabengebirges gelegene Schlucht besonders geeignet, weil durch sie ein wasserreicher Bach floss. Diese Schlucht, in der die Ansiedler die Glashütte errichteten, hieß von nun an der Glasergrund, und den Bach nannte man das Glaserwasser. Als die Talsohle abgeholzt war, war diese Schlucht großen Überschwemmungen ausgesetzt, so dass die Glashütte und die Wohnungen der Leute durch sie zerstört wurden. Durch den vielen Schutt, den die Wassermassen immer wieder mit sich führten, wurden die Trümmer der Glashütte und der kleinen Ortschaft samt dem kleinen Kirchlein nach und nach immer mehr verschüttet, bis zuletzt von der Niederlassung nichts mehr zu sehen war. Als die Glashütte und die Häuser zerstört waren, zogen die beiden Brüder Brückner und die übrigen Bewohner des Glasergrundes am Wasser abwärts, um sich an einem andern nahegelegenen Orte anzusiedeln. Berthold, der ältere von den beiden Brüdern, baute sich mit einigen Leuten da an, wo das Glaserwasser eine große Biegung macht und nannte diesen Ort Bertholdisdorf (Berthelsdorf). Albert legte etwas südlich am Glaserwasser eine neue Siedlung an, welche den Namen Albertsdorf (Albendorf) erhielt.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Ueberschär -Patschovsky - Nagel: Die Sagen des Kreises Landeshut, hrg. E. Rock, Wolfenbüttel 
   1950
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Blick auf Berthelsdorf

Blick auf Berthelsdorf

Blick auf Berthelsdorf

Die katholische Kirche mit der Schule

Das folgende Bild zeigt den Lehrer Paul Wittwer mit seinen ABC-Schützen im Jahre 1920.
Später wurde er Hauptlehrer in Albendorf.

Katholische Kirche - Blick zum Altar

Die frühere katholische Kirche - heute

Das Kriegerdenkmal

Das Kriegerdenkmal - heute

Auf dem folgenden Foto ist der heutige Zustand des Bahnhofsgebäudes der früheren Ziedertalbahn abgebildet.

Das folgende Bild zeigt das Haus Nr. 96 - Warenhandlung Edward Maiwald.

Die Westfälische Weberei H. M. Stahel in Berthelsdorf:

Diese Weberei wurde im Jahre 1890 in Bielefeld gegründet, zwecks Herstellung von Leinen ver-schiedener Art. Bereits 1896 hatte der Umsatz der Firma einen solchen Umfang erreicht, dass er von der Bielefelder Weberei nicht mehr allein bewältigt werden konnte. Es erfolgte daher im Herbst 1896 der Ankauf der Weidingerschen Weberei in Berthelsdorf, welche schon seit einiger Zeit für die Bielefelder Weberei gearbeitet hatte. Außerdem waren für den Ankauf die billigeren Lohn- und Lebensbedingungen Schlesiens gegenüber solchen Westfalens und Bielefelds ausschlaggebend, denn schon damals fing die Eisenindustrie dort an, eine gefährliche Gegnerin der Leinenindustrie in Bezug auf Löhne zu werden.

Die ganz veraltete Weidingersche Weberei wurde im Laufe von 25 Jahren vollständig erneuert und mit hellen Räumen, neuem Maschinenpark, elektrischem Licht und Heizung, neuen Kesseln und Dampfmaschine versehen, sowie anderen notwendigen Einrichtungen. Die Weberei beschäftigte fast alle Weber und Weberinnen Berthelsdorfs und größtenteils auch Albendorfs. Der Versand erfolgte an den Hauptbetrieb nach Bielefeld zur weiteren Ausrüstung der Gewebe und zum Verbleib derselben. 

1920 wurde von dem Gründer Heinrich Maximilian Stahel eine Kommanditgesellschaft begründet, in welche zunächst sein zweiter Sohn Friedrich Karl Stahel als Gesellschafter eintrat, 1926 folgte der jüngste Sohn Hellmuth. Oberstleutnant Rainer Stahel, Henriette Stahel sowie Caroline Sommer, geb. Stahel, wurden Kommanditisten.

Leinenweberei Stahel

Die frühere Leinenweberei Stahel - heute

Die Gastronomie:

In Berthelsdorf gab es früher zwei Gaststätten:
1. Haus Nr. 1                                                      Der Gerichtskretscham
2. Haus Nr. 87                                                   Gasthof von Julius Paul

Haus Nr. 1 - Der Gerichtsktretscham (Besitzer: Bertold Grallert)

Der frühere Gerichtskretscham (Aufnahme: 2015)

Das folgende Bild zeigt den Omnibus der Ziedertal-Eisenbahn vor dem Gasthaus Paul.