Die Koppenträger

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:

  • Wikipedia
  • Zeitschrift: Vesely Vylet - Nrn.: 14/1999, 36/2011 und 40/2013


Obwohl im Riesengebirge schon seit Jahrhunderten Lasten auf sog. "Hucken" getragen wurden, sollte das Lastenträgergewerbe vor allem mit dem Geschlecht der Hofers aus Groß- und Klein-Aupa verbunden bleiben.

Studien ergaben, dass die Familie Hofer Ende des 16. Jahrhunderts aus Südtirol nach Klein-Aupa kam, höchstwahrscheinlich aus dem Antholzertal, nördlich von Bruneck. Im ältesten Einwohner-verzeichnis von Groß- und Klein-Aupa vom 6. August 1644 werden namentlich drei Hofer erwähnt: Christoph, Georg und Zacharias. 

Einwohnerverzeichnis vom 6. August 1644
(Quelle: Zeitschrift Vesely Vylet Nr. 14/1999)

Aus dem ersten Häuserverzeichnis geht hervor, dass die Familie vor allem auf den Hoferbauden wohnte, einem Ortsteil der Gemeinde Groß-Aupa. Dieser Ortsteil besteht lediglich aus 3 Bauden. An ihren Häusern führte der meistbenutzte Weg aus Groß-Aupa zur Schneekoppe vorüber. Es ist daher nicht verwunderlich, dass gerade aus dieser Familie die bekannten Koppenträger hervorgingen.

Blick auf Groß-Aupa

Der erste bekannte Koppenträger war Ignaz Hofer, der bereits im Jahr 1868 für den Bau der Böhmischen Baude benötigtes Baumaterial zur Schneekoppe getragen hatte. Sein Sohn Johann trug fünfzig Jahre lang Lasten auf den höchsten Gipfel des Riesengebirges, von 1883 bis 1933. Dessen Sohn Emil wiederum war Vorarbeiter einer ganzen Truppe von Koppenträgern aus Groß-Aupa. Emils Bruder Robert trug als letzter Hofer Lasten zur Schneekoppe hinauf, und dessen Sohn Helmut beteiligte sich schon als Schuljunge daran. Er hängte aber dieses schwere Gewerbe ein paar Jahre nach Betriebsbeginn der Seilbahn an den Nagel.

Die Böhmische und die Preußische Baude auf der Schneekoppe waren gut florierende Hotels mit großen Gasträumen und einem vierzigköpfigen Personal. Mindestens 10 Koppenträger waren für die regelmäßige Versorgung der Koppenhäuser zuständig. Einige schleppten hauptsächlich Brennholz nach oben, andere trugen Waren, die mit Fuhrwerken zur Riesenbaude gebracht worden waren zur Schneekoppe, aber die größte Gruppe trug Lebensmittel und andere Vorräte hinauf.

Nach den Erzählungen Helmut Hofers passten die Koppenträger ihre Dienstleistungen den Betriebsbedingungen der Gipfelbauden und die Aufstiegsgeschwindigkeit den Wegebedingungen an. In den Jahren 1875 bis 1945 diente den Besitzern der Böhmischen und Preußischen Baude das Souterrain des Spritzenhauses in Groß-Aupa als Vorbereitungslager für die Frachten. Hier teilte Vormann Johann Hofer, nach ihm Sohn Emil und später dessen Bruder Robert die Lasten unter den einzelnen Koppenträgern auf. Anfänger trugen 40 bis 50 kg. Bevor sie ein 100-Liter-Bierfass tragen konnten, mussten sie erst die Technik des Kraxe-Tragens mit hoch über den Kopf verschobenem Schwerpunkt erlernen und natürlich auch den Körper stählen. Den vierstündigen Aufstieg mit einem Doppelzentner auf den Schultern und den zweistündigen Abstieg mit einem leeren 50 kg schweren Eichenfass mussten sie außer sonntags Tag für Tag bewältigen. Entlohnt wurden die Koppenträger je nach Gewicht der hinaufbeförderten Waren. Johann Hofer hielt das ganze 50 Jahre durch. Tagtäglich stieg er 14 Kilometer bergauf, bergab und überwand dabei nahezu einen Kilometer Höhenunterschied.

Neben dem alltäglichen Bedarf wurden im Laufe der Jahre auch einige spektakuläre Sachen auf die Schneekoppe befördert. Nicht ganz alltäglich war z. B. das Hinauftragen eines Ferkels, das dann direkt auf dem Gipfel aus Küchenresten hochgepäppelt wurde. Im Jahr 1929 trugen mehrere Träger ein Klavier zur Böhmischen Baude. Berühmt wurden auch die Alleinaufstiege Robert Hofers, der einmal eine Kasse mit dem beachtlichen Gewicht von 140 kg von Groß-Aupa hinauftrug. Die wohl schwerste Last war das zweieinhalb Meter lange Stahlrohr für die meteorologische Station. Das 160 kg wiegende Rohr trug Robert Hofer im März 1944 auf dem verschneiten Zick-Zack-Weg von der Riesenbaude zum Gipfel hinauf.

Die Familie Hofer blieb auch nach 1945 in der Heimat. Robert Hofer starb 1964 in Groß-Aupa und wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt. Auf seinem Grabstein ist die Schneekoppe abgebildet, sowie ein schlanker Koppenträger mit einem Hundert-Kilo-Fass huckepack.

Johann Hofer auf der Schneekoppe mit der Wetterwarte im Hintergrund.

Die Koppenträger

(Bild von Herrn Dr. Horst Reul)

Transport eines Klaviers zur Böhmischen Baude

 im Jahre 1929.

(Quelle: Zeitschrift Vesely Vylet)

Robert Hofer mit dem 160 kg schweren Stahlrohr im März 1944.

(Quelle: Zeitschrift Vesely Vylet)