Haselbach  (Leszczyniec) - Ortsgeschichte

(Verfasser: Hella Tegeler)

Haselbach liegt 12 km südwestlich von Landeshut an der früheren Eisenbahnstrecke Landeshut - Schmiedeberg. Der ca. 500 Einwohner zählende Ort gehört heute zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut). Das Dorf zieht sich zwischen bewaldeten Berghängen hin, in der Nähe befindet sich der Vogelberg und der Wolfsberg.

Erstmalig urkundlich erwähnt wird Haselbach im Jahr 1349. Damals führt der Ort den Namen "Hazilbach". In diesem Jahr erwarb das Kloster Grüssau unter Abt Nikolaus II. die "villam Hazilbach" für 34 Mark Prager Groschen von Apetzko von Wederau. Später wechselte der Ort mehrfach den Besitzer. Im 15. Jahrhundert war Haselbach im Besitz einer Familie, deren Name in den Urkunden in den verschiedensten Schreibweisen auftaucht: Molberg, Mühlbergh o. a. 1547 war Haselbach bereits ein Teil des Berggutes Schmiedeberg und im Besitz der Grafen von Schaffgotsch. Lange Zeit war der Ort in zwei gesonderte Verwaltungseinheiten geteilt, in Nieder - Haselbach und Ober - Haselbach. Einwohnerzahl: 1925 = 735 (davon 659 evangelisch), 1939 = 812.

Quellen:

  • Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
  • Jubelbuch der ev. Kirchgemeinde Ober-Haselbach - April 1842
  • Jubelbuch der ev. Kirchgemeinde Ober-Haselbach - April 1892
  •  Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
  • Moritz, Hella (heute Tegeler, Hella): Orts- und Familienchronik über Alt-Weißbach, Haselbach, Pfaffendorf und Reußendorf, Drensteinfurt 2006, 1. Auflage
  • Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung, Breslau 1938
  • Schmidt, Friedrich Ernst Reinhold: Kurze Geschichte der Kirche und Schulen der ev. Kirchgemeinde zu Ober-Haselbach, Druck Graß, Barth u. Comp., Breslau, im April 1842
  • Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Blick auf Haselbach

Blick auf Haselbach

Die Kirchengemeinden in Haselbach:

Haselbach war ein Kirchdorf mit Kirchen beider Konfessionen. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Bewohner war evangelisch. Nach der Haselbacher Chronik wurde erstmalig im Jahr 1374 eine katholische Kirche erwähnt. Es handelte sich hierbei um eine kleine Holzkirche, die nach der Besiedlung errichtet worden ist. Im Jahr 1593 wurde eine neue Kirche gebaut, die nach der Reformation den evangelischen Gläubigen zugesprochen wurde. Beide Konfessionen hielten zunächst ihre Gottesdienst darin ab.

Nach Abschluss des Westfälischen Friedens im Jahre 1648, als die sich bis dahin streitenden Mächte geeinigt hatten, dass der Landesherr die Religion und den Glauben seiner Landeskinder bestimmen dürfe, wurde die evangelische Kirche am 6. Februar 1654 den Protestanten weggenommen und den katholischen Bewohnern des Dorfes übereignet. Der evangelische Prediger wurde vertrieben. In den kommenden 88 Jahren mussten die evangelischen Bewohner Haselbachs auf den Gottesdienstbesuch verzichten, da die nächsten evangelischen Kirchen in Jauer und Schweidnitz waren. Für die damaligen Verhältnisse waren dies unüberwindbare Entfernungen. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Gnadenkirchen in Landeshut und Hirschberg errichtet, die für die Dorfbewohner wieder einen Gottesdienstbesuch ermöglichten.

Erst nachdem Friedrich der Große im ersten schlesischen Krieg das schlesische Land erobert hatte, bekamen auch die Haselbacher wieder ein eigenes evangelisches Kirchspiel mit einer neuen evangelischen Kirche.

Die evangelische Kirchengemeinde:

Am 30. Mai 1742 bekam die Ober-Haselbacher Kirchengemeinde die Erlaubnis zum Bau einer Kirche und am 28. Oktober 1742 wurde das Bethaus eingeweiht. Zunächst war es ein sehr schlichter Holzbau, bei dem sich sehr bald viele Mängel einstellten. Am 10. Mai 1751 wurde der Grundstein zur jetzigen Kirche gelegt und das hölzerne Gebäude ummauert und mit einem richtigen Kirchendach versehen. In den Jahren 1753/54 erfolgte der Bau des Kirchturmes. Auch die Inneneinrichtung der Kirche wurde vollständig verändert. Das Kirchspiel umfasste folgende 9 Ortschaften: Antheil-Schreibendorf, Dittersbach städt., Eventhal-Moritzfelde, Hohenwaldau, Neu-Weißbach, Nieder-Haselbach, Ober-Haselbach, Pfaffendorf und Rothenzechau nebst Kolonien.
Zur Erinnerung an den Tag, an dem sie die Erlaubnis zum Bau eines eigenen Gotteshauses erhielt, den 30. Mai 1742, feierte die evangelische Kirchengemeinde das Kirchweihfest jährlich am 1. Sonntag nach Pfingsten.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",
Heft Nr. 48/1833.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 48/1842

Von links nach rechts: kath. Kirche, ev. Bethaus, ev. Pfarrhaus

Die evangelische Kirche (Aufnahme: vor dem Krieg)

Blick zum Altar (Aufnahme: vor dem Krieg)

Das Altarbild von 1742

Innenraum der früheren evangelischen Kirche mit Blick zum Altar

(Bild von Herrn Daniel Pohl)

Das ev. Pfarrhaus mit der ev. Kirche (Aufnahme: 2015)

Das folgende Bild zeigt Konfirmanden vor dem Jugendheim in Haselbach im Jahre 1912.

Lothar Schmidt war vom 1. Juni 1928 bis zur Vertreibung Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Haselbach.

Pfarrer Lothar Schmidt mit seiner Ehefrau

Nach dem Krieg war Pfarrer Lothar Schmidt bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand als Pfarrer in Metelen, Kreis Steinfurt tätig. Hier war er maßgeblich daran beteiligt, dass für die kleine evangelische Minderheit in Metelen eine Kirche gebaut wurde, die am 12.07.1953 festlich eingeweiht wurde. Der Glockenturm der Kirche erhielt eine Glocke seiner ehemaligen Gemeinde in Haselbach. Diese im Jahr 1941 für Kriegszwecke beschlagnahmte Bronzeglocke war zum großen Glück nicht eingeschmolzen worden und wurde in einem Hamburger Glockenlager entdeckt. Die Glocke stammt aus dem Jahr 1842 und ihre Inschrift lautet: "Lobe den Herrn am Morgen, Mittag und Abend und solange du lebst seinen heiligen Namen".

Einweihung der evangelischen Kirche in Metelen am 12.07.1953

Die evangelische Kirche in Metelen

Die katholische Kirchengemeinde:

Die katholische Kirche St. Bartholomaei mit ihrer aus Feldsteinen erbauten Wehrmauer wurde im Jahr 1593 errichtet. Es handelt sich um eine mittelalterliche Kirche, die von einem Friedhof umgeben ist. Das Eingangstor stammt aus dem Jahr 1687. Im Chor befindet sich ein schönes Kreuzgewölbe, an den Türen alte Beschläge aus Schmiedeeisen und sie besaß eine wunderbare Silbermannorgel. Die Glocke stammte aus dem Jahr 1589.

Nach der Reformation wurde die Kirche den evangelischen Gläubigen zugesprochen. Wie bereits berichtet, hielten zunächst beide Konfessionen ihre Gottesdienste darin ab. Als die Kirche am 6. Februar 1654 den Protestanten weggenommen wurde, war St. Bartholomaei seit diesem Zeitpunkt wieder ein reines katholisches Gotteshaus und blieb es bis zur Vertreibung. Heute wird sie als Beerdigungskapelle genutzt, da die polnische Bevölkerung die größere evangelische Kirche als Gotteshaus bevorzugt hat.

An der Außenwand der Kirche befinden sich einige Grabsteine:

  • 1 Grabstein, der an den früheren evangelischen Pastor Johann Adam Valentin Weigel erinnert, der von 1778 bis zu seinem Tode am 24.06.1806 in Haselbach tätig war. Der Grabstein trägt folgende Inschrift: "Hier ruht ein Pilger der Erde. Johann Adam Valentin Weigel geb.: den 29 ten Septbr. 1740 zu Sommerhausen in Franken. Durch mancherlei Schicksale kam er 1768 nach Schlesien wo er bey hiesiger evangelisch lutherischen Kirche die Religion Jesu gelehrt hat von 1778 bis 1806. Er legte seinen Pilgerstab nieder im 66 ten Jahre seiner Wallfahrt." 


  • 1 Grabstein zur Erinnerung an die verstorbene Ehefrau des Pastors Johann Gottlieb Ehrenfried Grüttner, der von Dezember 1806 bis zu seinem Tode am 08.10.1838 in Haselbach tätig war. Der Grabstein trägt folgende Inschrift: "Zu früh für die Wünsche ihres sie redlich liebenden Gatten, ihrer Aeltern und Geschwister erreichte das Ziel ihres Erden-Seins in dem Blühten-Alter von 23 Jahren Frau Johanne Charlotte Grüttner geb. Hoppe, geb. den 13. Sept. 1788 zu Grödlitzberg, verehelicht den 5. Oktober 1810 mit dem Pastor J. G. E. Grüttner zu Haselbach, gestorben den 8. Sept. 1811. Ruhe sanft aufs Vollendete! Nach schmerzlicher Trennung verein Gott fröhlich uns wieder."


  • 1 Grabstein für den Gutsbesitzer Johann Gottfried Wache. Er trägt folgende Inschrift: "Stille Schlummerstätte eines guten Erdenpilgers, eines treuen Gatten und Vaters, Johann Gottfried Wache, gew. Kaufmann und Fabrikant, Gutsbesitzer in Dittersbach, geb. den 6. October 1765, gest. den 2. Juni 1828, alt 62 Jahre, 7 Mon. 27 Tage. Friede sei mit seiner Asche."


  • 1 Grabstein für die Gutsbesitzerin Beate Wache. Er trägt folgende Inschrift: "Stille Schlummerstätte einer guten Erdenpilgerin, einer treuen Gattin und Mutter, Beate Wache, eh. Kaufmann und Fabrikant und Gutsbesitzerin in Dittersbach, geb. den 23. September 1765, gest. den 24. October 1835, alt 72 Jahre, 1 Monat."


  • 1 Grabstein für den Kaufmann Ernst Gottlob Wache. Er trägt folgende Inschrift: "Stille Schlummerstätte eines guten Vaters Ernst Gottlob Wache, gewesener Kaufmann und Fabrikant in Dittersbach, geb. am 3. November 1790, gest. am 18. October 1853. Friede sei mit seiner Asche."

Die katholische Kirche, rechts im Bild das Eingangstor.

(Aufnahme: 2005)

Der Grabstein für Pastor Johann Adam Valentin Weigel.

(Aufnahme: 2005)

Der Grabstein für die Ehefrau des Pastors

 Johann Gottlieb Ehrenfried Grüttner.

Der Grabstein für den Gutsbesitzer Johann Gottfried Wache.

Der Grabstein für Beate Wache.

Der Grabstein für den Kaufmann Ernst Gottlob Wache.

Das Eingangstor (Aufnahme: 2005)

Die Jahreszahl 1687 im oberen Bereich des Eingangstores.

Der Innenraum der kleinen katholischen Kirche mit
 Blick zum Altar.

Das katholische Pfarrhaus vor dem Krieg

Das katholische Pfarrhaus heute

Von links nach rechts: die katholische Kirche, die evangelische Kirche und das evangelische Pfarrhaus.

Blick auf die evangelische Kirche und rechts die katholische Kirche.

(Aufnahme: 2016)

Die freie Gemeinde in Ober-Haselbach:

Haselbach war der einzige Ort im gesamten Landkreis, der für einen kurzen Zeitraum über drei Kirchen verschiedener Glaubensrichtungen verfügte.
Die freie Gemeinde entstand am 29. Oktober 1849. Der damalige evangelische Pfarrer Friedrich Ernst Reinhold Schmidt wurde aus politischen Gründen am 17. Juni 1849 seines Pfarramtes enthoben. Er hatte dem Landtag als Mitglied der äußersten Linken angehört, in der Umgebung seines Amtssitzes eine rege politische Redetätigkeit entwickelt und war mehrere Jahre Leiter des demokratischen Vereins in Schmiedeberg. Unter militärischem Schutz verkündete am 3. Sonntag nach Trinitatis der Superintendent Bellmann die Suspendierung in der trotz schriftlicher Einladung aller evangelischen Bewohner fast leeren Kirche zu Haselbach. Obwohl sich Pfarrer Schmidt gegen diese Maßnahme heftig wehrte, wurde die Suspendierung nicht aufgehoben. Am 20. Oktober 1849 erließ er einen Brief an seine Gemeinde mit der Folge, dass diese ihm am 29. Oktober 1849 mitteilte, dass sie gemeinsam mit ihm aus der Landeskirche austreten wolle. Die Chronik besagt, dass nur 12 Familien des Ortes bei der Landeskirche blieben. Am 31. Oktober 1851 wurde eine eigene Kirche eingeweiht und Pfarrer Schmidt erhielt auch ein eigenes Pfarrhaus. Aber im Laufe der Jahre fanden immer mehr Gemeindemitglieder ihren Weg zur Landeskirche zurück. Bereits ab 1892 wurde die Kirche nicht mehr benutzt. Die endgültige Auflösung der freien Gemeinde erfolgte 1910. Im Jahre 1892 wurde in der ehemaligen Kirche der freien Gemeinde eine Zweigstelle der Porzellanfabrik der Gebr. Pohl in Ober-Schmiedeberg gegründet.

Auf dem folgenden Bild sind das Gotteshaus und die Predigerwohnung der freien Gemeinde abgebildet.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 54/1849 vom 07.07.1849.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 7/1850


Einladung zur Grundsteinlegung der neuen Kirche

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 86/1850


Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 87/1851.


Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 58/1861.

Der Prediger Friedrich Schmidt war auch als Versicherungsagent tätig.
(Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 11/1863)

Die Schulgeschichte:

Laut Chronik wurde im Jahr 1593 gleichzeitig mit dem Bau der Kirche auch ein Schulhaus errichtet. Da die Kirche aber am 6. Februar 1654 den evangelischen Bewohnern weggenommen und den katholischen Gläubigen übereignet wurde, war auch die evangelische Schule den Bewohnern nicht mehr zugänglich. Mit der Gründung der evangelischen Gemeinde im Jahr 1742 sollte nun auch der regelmäßige Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Ab 1742 wurde der Unterricht in einem gemieteten Haus abgehalten. 1746 bemühte sich die Gemeinde um Rückgabe des früher evangelischen, nun aber katholischen Schulhauses, da der katholische Lehrer verstorben und kein katholisches Schulkind vorhanden war. Im Jahr 1749 erwarb die Gemeinde das dem damaligen Erb- und Gerichts-Schulzen Christian Pohl gehörende Haus und gestaltete es zum Schulgebäude um. Das Schulhaus diente gleichzeitig auch als Lehrerwohnung. Im Laufe der Jahre wurde dieses Gebäude jedoch zu klein, so dass 1792 gegenüber dem alten Gebäude der Grundstein für eine neue Schule gelegt wurde. 1794 fand die feierliche Einweihung statt. Aber auch dieses Gebäude wurde im Laufe der Jahrzehnte den Anforderungen nicht mehr gerecht, und so wurde 1913 erneut ein neues Schulhaus errichtet, das sich auch heute noch in der Nähe der Kirche und direkt gegenüber dem früheren Gerichtskretscham befindet.

Die alte katholische Schule stand an derselben Stelle wie das neue Schulgebäude, das 1902 eingeweiht wurde. Die Auflösung der katholischen Schule erfolgte im Jahr 1934, so dass die Kinder beider Konfessionen danach in der evangelischen Schule unterrichtet wurden.

Grüner Kreis = evangelische Schule, blauer Kreis = katholische Schule.

Die evangelische Schule (Vorderseite)

Die evangelische Schule - Rückseite (Aufnahme: 1999)

Schülerinnen und Schüler der ev. Schule im Jahr 1919, in der Mitte: Handarbeitslehrerin Frau Krebs, links Lehrer und Kantor Worbs, 
rechts Lehrer Ohlenschläger.

Die katholische Schule (Aufnahme: April 1993)

Schülerinnen und Schüler der kath. Schüler im Jahr 1917.

Obere Reihe, von links nach rechts: unbekannt, Günter Misterek, 
Georg Hilpert, Oscar Rüttimann, Kurt Stephan.

Mittlere Reihe: Klara Stephan, Frieda Stephan, Johanna Misterek,
Martel Misterek, Liesel Rüttimann, Hilde Wohlfahrt, Frieda Lösche, 
Liesel Hilpert, Else Heptner, Hedwig Lösche.

Untere Reihe: Walter Gottstein, Heptner, Heinz Gottstein, Hans Burkert, Adolf Stephan, Alfred Rüttimann, Heptner, Josef Hilpert, 
Frieda Stephan, Heptner.

(Bild von Frau Margit Kneifel, geb. Gläser, Cloppenburg)

Schülerinnen und Schüler der katholischen Schule in Haselbach mit dem Lehrer und Kantor Franz Hilpert und
 Pfarrer Baumgarten.

Der Bahnhof:

Lange mussten die Haselbacher warten, dann wurde auch ihr Ort im Juni 1905 an die Bahnstrecke Landeshut - Schmiedeberg - Hirschberg angeschlossen.

Der Bahnhof

Der Zug passiert die Ortsmitte und wird in wenigen Minuten den Haselbacher Bahnhof erreichen.

Die Porzellanfabrik:

Im Jahr 1892 wurde in der ehemaligen Kirche der freien Gemeinde Ober-Haselbach eine Zweigstelle der Porzellanfabrik der Gebr. Pohl in Ober-Schmiedeberg gegründet. Das alte Kirchengebäude stand seit der Auflösung der Gemeinde leer und war noch sehr gut erhalten. Für den Ort Haselbach sowie auch für die Nachbardörfer war die neue Fabrik ein großer Gewinn, weil damit Arbeitsplätze geschaffen wurden. Später wurde daneben ein Neubau errichtet.

Die aus Deutsch-Böhmen stammenden Gebr. Pohl hatten im September 1871 in einem kleinen alten Häuschen in Ober-Schmiedeberg mit der Herstellung von Puppenköpfen und Porzellanpfeifen für Tabakraucher begonnen. Man arbeitete zunächst mit einem Brennofen und mit einfachen Handpressen. In den folgenden Jahren kam die Produktion von Porzellannägeln hinzu, die zur Befestigung von Bezügen auf Sofas und Polsterstühlen dienten.

Nach dem Anschluss von Schmiedeberg an das Eisenbahnnetz nahm die Fabrik einen sehr raschen Aufschwung. Neue Produkte wurden in die Fertigung aufgenommen, z. B. Porzellanknöpfe aller Größen, Schraubenknöpfe, Schubladenknöpfe, Flaschenverschlussknöpfe sowie Prozellanringe und -quasten. Aus diesem Grund wurde die Fabrik im Volksmund auch die "Knöppel-Fabrik" genannt.

Die steigende Nachfrage führte zur Gründung der Zweigfabriken Haselbach (1892), Hirschberg (1896) und Erdmannsdorf (1908). Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Fabrik zu einem der bedeutendsten Unternehmen des Hirschberger Tales. Im Jahr 1900 exportierte die Porzellanfabrik ein Drittel der Produktion u. a. in die Schweiz, nach Österreich, Frankreich, Belgien, Holland, England, Dänemark, Schweden, Russland und nach Amerika. In Würdigung seiner Verdienste um die Wirtschaft der Region erhielt Heinrich Pohl die Titel eines Königlichen und eines Geheimen Kommerzienrates.

1932 wurde die Firma von einem Konzern übernommen und mit der Namensänderung erlosch auch der Hinweis auf die ursprüngliche Porzellanfabrik der Gebrüder Pohl. Die Produktion wurde aber bis 1945 und anschließend von den Polen, zum Teil mit der Hilfe deutscher Facharbeiter, fortgeführt.

Blick auf die Porzellanfabrik

Die Porzellanfabrik

Die Betriebsangehörigen der Porzellanfabrik unternehmen einen Ausflug im Jahr 1938.

Die Leinenweberei Ernst Deuner:

Im Jahre 1850 gründete Ernst Deuner den Betrieb als Handweberunternehmer. Die Anfangsjahre gestalteten sich zunächst sehr schwierig, da die fertige Ware noch mit Schubkarren von Haselbach nach Breslau zum Markt gefahren wurde. Später geschah dies dann mit Pferdefuhrwerken. Bereits 1877 wurde die Firma unter dem Namen Ernst Deuner in das Handelsregister eingetragen. Um die Jahrhundertwende wurde auch die mechanische Produktion aufgenommen. Hierzu mussten in Landeshut Fabrikräume gemietet werden. Das Unternehmen blieb aber ein reiner Familienbetrieb. Gustav Deuner übernahm den väterlichen Betrieb, den er dann später an seinen Sohn Gerhard übergab.

Dieser wurde am 19. September 1881 in Haselbach als einziges Kind der Eheleute Gustav Deuner und dessen Ehefrau Bertha, geb. Klose, geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Haselbach wechselte er Ostern 1891 zum Realgymnasium in Landeshut, das er Ostern 1897 mit der Mittleren Reife verließ. Seine Berufsausbildung als Weber absolvierte er bei der Smyrna-Teppichwarenfabrik Francke & Co. in Gnadenfrei. Nach Beendigung der Lehrzeit war er für kurze Zeit im väterlichen Geschäft tätig, bevor er für anderthalb Jahre nach Sorau an die höhere Webschule der Textilindustrie ging.

Das Unternehmen entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte in zunehmendem Maße. Namhafte Häuser nahmen das von der Firma Deuner in Haselbach und Landeshut gefertigte Schlesische Qualitätsleinen immer gern ab. Gerhard Deuner reiste selbst für das väterliche Unternehmen zu den Kunden in Breslau, Berlin, Posen, Ost- und Westpreußen. Nach seiner Verheiratung 1911, der Ehe entstammen zwei Töchter, wurde der gesamte Betrieb, dessen Alleininhaber Gerhard Deuner 1916 wurde, nach Landeshut verlegt. Im Jahre 1929 erfolgte die Einstellung der Produktion, dafür wurde aber der Großhandelt intensiviert.

Nach 1946 kam die Familie Deuner nach Göttingen, wo sie eine neue Heimat fand.

Leinenfabrikant Gerhard Deuner

Das ehemalige Haus der Fabrikantenfamilie Deuner in Haselbach

(Bild von Herrn Daniel Pohl)

Die Gastronomie:

Wegen seiner vorzüglichen Lage am Landeshuter Kamm und nahe dem Hochgebirge war der Ort eine sehr beliebte Sommerfrische und auch ein von Freunden des Wintersports gern besuchter Aufenthaltsort. Im Jahre 1910 betrug die Zahl der Sommergäste 372 Personen. Bei sehr vielen Berlinern und Breslauern war dieser kleine Riesengebirgsort im Lauf der Jahre zu einem Geheimtipp geworden.
Im Ort gab es zwei Gast- und Logierhäuser:

  1. in Nieder-Haselbach:                            Gasthof "Goldener Frieden"
  2. in Ober-Haselbach:                               Der "Gerichtskretscham"

Gasthof "Goldener Frieden" (Besitzer: Franz Rüttimann,
 später Paul Wohlfahrt und danach Heinrich Schroer)

Die Geschichte des Gerichtskretschams:

Die Haselbacher Scholtisei, später Gerichtskretscham genannt, wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach die Besitzer. Das Vorhandensein eines Scholzen wird erstmals im Jahre 1400 urkundlich erwähnt. Nachweislich war die Scholtisei in Ober-Haselbach fast 2 Jahrhunderte im Besitz der Familie Pohl (Anfang 1600 - 1837). Der nächste bekannte Scholtiseibesitzer war Johann Carl Finger. Dieser veräußerte die Scholtisei am 29.09.1840 zu gleichen Teilen an den Rittergutsbesitzer Mendel Samuel Berliner aus Zülz und Joseph Heptner. Während Mendel Samuel Berliner weiterhin in Zülz lebte, führte Joseph Heptner die Scholtisei. Im Jahre 1843 erwarb Mendel Samuel Berliner für 153.000 Taler das Gut Gröbnig, Kreis Leobschütz. Dieser Umstand führte wahrscheinlich dazu, dass zwischen Juni und August 1843 zunächst große Teile der Scholtisei veräußert wurden und im September 1843 weitere Teile. Nach dem Verkauf bestand nur noch eine Restscholtisei. Dies ergibt sich auch aus den Urkunden, in denen die späteren Besitzer als Restscholtiseibesitzer und später als Gerichtskretschambesitzer genannt werden.

Am 02.09.1843 wurde die Restscholtisei zum Preis von 7.500 Taler an den Kaufmann Heinrich Gustav Hülse aus Schmiedeberg verkauft. Die nächsten Besitzer waren ab 11.02.1845 der Kaufmann Heinrich Christoph Kluge aus Salzbrunn und ab 1846 August Hübner. Von 1860 bis zum Jahre 1873 war der gebürtige Haselbacher Karl Gottlieb Scholz Restscholtiseibesitzer. Auf ihn folgten 1873 Friedrich August Kluge, 1876 Friedrich Burghardt und 1878 Ernst Gottfried Müssiger. Danach erwarb Karl Gottlieb Scholz die Scholtisei zurück und übergab sie im Jahre 1887 an seinen Schwiegersohn Gustav Rummler (meinen Urgroßvater). Gemeinsam mit seiner Ehefrau Pauline, geb. Scholz, betrieb der gebürtige Reußendorfer Gustav Rummler den Haselbacher Gerichtskretscham bis zu seinem allzu frühen Tod im Jahre 1904. Nach dem Tod ihres Ehemannes übernahm Pauline Rummler das Regiment. Um 1910 ließ sie den Kretscham umbauen, modernisieren und einen großen Saal anbauen.

Während der Zeit vom 01.10.1930 - 1936 war der Gerichtskretscham an Pauline Rummlers zweitälteste Tochter Selma, verh. Gottstein, verpachtet. Ab 1935 - 1945 war der Kretscham im Besitz der Eheleute Hermann Oley und Ehefrau Klara.

Heute wurde der frühere Gerichtskretscham umgebaut und es befinden sich mehrere Wohnungen in dem Gebäude.

Im Haus meines Ur-Urgroßvaters Carl Scholz
wird Kirmes gefeiert.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 106/1869.

Der "Gerichtskretscham" um 1900 (vor dem Saalanbau)

Der "Gerichtskretscham" mit Saalanbau
(Die Karte wurde von Herrn Piotr Hejmej, Leszczyniec - Haselbach - zur Verfügung gestellt)

Blick auf den Saalanbau

Der "Gerichtskretscham"

In der Gaststube des "Gerichtskretschams": Pauline Rummler (links) mit ihrer ältesten Tochter Martha Stumpe, geb. Rummler
 (meine Urgroßmutter und meine Großmutter)

Feriengäste vor dem "Gerichtskretscham" (Aufnahme: ca. 1930)

Der Kretscham war bereits an Pauline Rummlers zweitälteste Tochter Selma Gottstein verpachtet.

Der frühere "Gerichtskretscham" heute (Aufnahme: 2016)

Der Kalkofen in Ober-Haselbach:

Die folgenden Aufnahmen zeigen die Überreste des früheren Kalkofens in Ober-Haselbach. Er wurde im Jahre 2005 vollständig restauriert. Im 19. Jahrhundert war dieser Kalkofen noch in Betrieb. Kalk war und ist einer der ältesten und wichtigsten Baustoffe. Man vermischt ihn mit Sand und Wasser zu Mörtel oder verwendet ihn beim Kalkmilchanstrich. In der Landwirtschaft und beim Gartenbau wird Kalk als Dünger eingesetzt. Doch bevor er verwendet werden kann, muss der Kalk gebrannt und gelöscht werden. Jahrhundertelang geschah dies in Meileröfen, so z. B. in Ober-Haselbach.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 23/1864.

Der Kalkofen (Aufnahme: Mai 2006)

Der Kalkofen (Aufnahme: Mai 2006)

Die Vereine:

Auch in Haselbach hatte sich im Laufe von vielen Jahrzehnten bei der Bevölkerung ein sehr ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Dies führte dazu, dass viele Bewohner Mitglied eines Vereins waren.

1. Die Freiwillige Feuerwehr:

    An erster Stelle stand die Freiwillige Feuerwehr. Fast jeder männliche Bewohner trat der
    Feuerwehr bei, sobald er das entsprechende Alter erreicht hatte. Gegründet wurde sie in
    Haselbach im Jahre 1904. Der Wahlspruch lautete: "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!" Aber
    auch schon vor der Gründung bestand eine eigene Löschhilfe in den Gemeinden. Bei einem
    Brand wurden mit Wasser gefüllte Ledereimer in langen Schlangen von Hand zu Hand bis zum
    Brandherd weitergereicht. Daran beteiligten sich Männer und Frauen jeden Alters. Außerdem
    gab es noch die Feuerhaken, die in jedem Haus waren, um Mauerreste bei einem Brand
    umzustoßen. Erst im Jahr 1902 wurde die erste Handdruckspritze angeschafft, die noch bis 1945
    benutzt wurde. Mit diesem Gerät konnten die Brände nun wesentlich schneller bekämpft
    werden. 1909 wurde das Gerätehaus in Haselbach errichtet, das auch heute noch vorhanden ist.
    Am 4. August 1929 feierte die Freiwillige Feuerwehr Haselbach im Gerichtskretscham ihr 25-
    jähriges Stiftungsfest.

2. Der Männergesangverein "Harmonie":
    Viele männliche Bewohner mit guter Stimme waren Mitglied des am 21. Juni 1874 gegründeten
    Männergesangvereins "Harmonie" Haselbach. Nach 35 Jahren entschlossen sich die 15 Mitglieder
    zum Kauf einer Vereinsfahne, die am 25.07.1909 feierlich eingeweiht wurde. Der für damalige
    Verhältnisse stattliche Kaufpreis betrug 400 Mark. Zu diesem festlichen Anlass wurde auch der
    Männergesangverein Liebau eingeladen. Am 21.06.1924 feierte der Männergesangverein das 50.
    Jubiläum. Die Zahl der Mitglieder hatte sich bereits in dieser Zeit mehr als verdoppelt. Geprobt
    wurde jede Woche in den Räumen des Gerichtskretschams. Der Sängergruß des Vereins lautete:
                                                    "Ein frohes Lied, ein deutscher Sang,
                                                      ihm bleiben treu wir lebenslang.
                                                      In Harmonie und Eintracht
                                                      liegt des Gesanges Macht."

3. Der Fahrradverein:
    Einige junge Männer gründeten in Haselbach einen Fahrradverein. In geselliger Runde
     erkundeten sie mit ihren Fahrrädern die nähere und auch etwas weitere Umgebung ihres
     lieblichen Heimatortes im herrlichen Riesengebirge.

4. Die Theaterspielgruppe:
   
Einige Frauen und Männer hatten eine Theaterspielgruppe gegründet. In regelmäßigen
    Abständen erfreuten sie ihr Publikum mit immer neuen Theaterstücken. Diese 
    Theateraufführungen fanden meistens im Gerichtskretscham statt.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 18/1848.

Freiwillige Feuerwehr Haselbach (Aufnahme: um 1910)

25-jähriges Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr am 04.08.1929)

Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr

Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr

Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Haselbach, das im Jahre 1909 errichtet wurde. Dieses Gebäude ist heute noch erhalten und befindet sich in einem sehr guten Zustand.

Fahnenweihfest des Gesangvereins "Harmonie" am 25.07.1909

(Bild von Frau Margit Kneifel, geb. Gläser)

50-Jahrfeier des Gesangvereins "Harmonie" am 21.06.1924

Der Fahrradverein

Die Theaterspielgruppe

Die Jungbauerschaft im Jahre 1934

(Bild von Frau Rosel Schöneberg aus Altena)

Die Jungschar im Jahre 1935 vor der evangelischen Kirche

(Bild von Frau Rosel Schöneberg aus Altena)