Die Koppenhäuser

(Verfasser: Hella Tegeler)

Die Schneekoppe, auch Riesenkoppe genannt, ist mit 1.605 m die höchste Erhebung des Riesengebirges. Sie ist der höchste Berg der Sudeten. Über ihrem Gipfel verläuft die Staatsgrenze von Tschechien und Polen.
Im Laufe der Jahrhunderte entstanden auf dem Koppenkegel mehrere Bauten, über deren Geschichte nachfolgend berichtet wird.

(Diese Karte stellte Frau Roswitha Rueschkamp zur Verfügung)

Die Laurentiuskapelle

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Sie ist das erste und somit auch das älteste Gebäude auf dem Koppenkegel. Auf Anregung des Klosters Grüssau fasste Graf Christoph Leopold von Schaffgotsch im Jahre 1653 den Plan, auf dem Gipfel der Schneekoppe eine Kapelle zu errichten. Der Bau wurde aber auf Grund eines Grenzstreits durch die Beamten des Grafen Czernin verhindert. Sie behaupteten, die Schneekoppe gehöre zu Schmiedeberg. Es kam zu einem 10-jährigen Prozess, in dem Graf Schaffgotsch siegte.

Der erste Spatenstich erfolgte 1665. Die Bauausführung wurde dem Maurer Bartholomäus Nantwigen aus Greiffenberg übertragen. Mit einem Entgelt von 180 Talern wurde er dafür entlohnt. Der Kapellenbau entwickelte sich zu einer sehr mühseligen Arbeit, denn jeder Balken und sämtliches Zubehör bis zum Wasser musste hochgeschleppt werden, so dass sich die Fertigstellung des Baues bis zum 1681 hinauszögerte.

Am 10. August 1681, dem Gedenktag des Heiligen Laurentius, wurde die Kapelle durch den Grüssauer Abt Bernhard Rosa in Anwesenheit von 10 Geistlichen und mehr als hundert Andächtigen feierlich eingeweiht. Alle für den Gottesdienst wichtigen Gegenstände waren vorhanden und blieben auch vor Ort, so z. B. Altartücher, ein silberner Reliquienkasten, Leuchter, zinnerne Schalen, Meßkännchen, Sprengkessel, Gefäße für Öl und Salz, Bänke, Beichtstuhl usw. Leichtere Sachen nahm der Kirchvater der Koppenkapelle zu sicherem Gewahrsam in die Hampelbaude und brachte sie zu jedem Gottesdienst hinauf. Dieses Amt versah zuerst der Wärter des kleinen Teichs, der in der Hampelbaude wohnte und unter dem Namen des Koppenbauden-mannes bekannt war, später der Besitzer der Hampelbaude selbst.

Fünfmal im Jahr fanden in der kleinen Kapelle Gottesdienste statt, am Trinitatis-Sonntag, am Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli), zu Mariä Himmelfahrt (15. August), zu Mariä Geburt (8. September) und auch am Laurentius-Tag, dem 10. August. Diese Gottesdienste auf der Schneekoppe arteten bald zu regelrechten kleinen Volksfesten aus. Vor der Kapelle fand sogar ein kleiner Jahrmarkt statt, und diese "Koppenfeste" lockten viele Bergsteiger und wohl auch Neugierige herbei. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Gottesdienste und damit auch die Koppenfeste auf drei im Jahr beschränkt.

Im Jahre 1810 hörten mit der Säkularisation der Klöster die Gottesdienste und damit auch die Koppenfeste auf, die von Mönchen der Probstei Warmbrunn gehalten wurden. Sie reisten auf dem sogenannten "Geistlichen Wege" auf die Koppe, über Giersdorf, Seidorf, den "Gutten Brunn", Brückenberg, die Schlingelbaude bis zu einem Haus, das 1738 eigens für ihre Unterkunft unterhalb des bisherigen Nachtquartiers, der Hampelbaude, errichtet worden war.

Von 1810 bis 1824 stand die Kapelle unbenutzt und verfiel mehr und mehr. Daher wurde sie vom Grafen Schaffgotsch als Gaststätte und Herberge vermietet und diente als solche bis 1850, bis zur Errichtung der ersten Koppenbaude. Als erster Pächter übernahm im Sommer 1824 der Gastwirt Carl Siebenhaar aus Warmbrunn die in einen Gaststättenbetrieb umgewandelte Koppenkapelle und richtete sie auch für Übernachtungen während des Sommerhalbjahres ein. Nebenbei untersuchte er im Auftrag des Staates auch die Wetterverhältnisse auf der Schneekoppe. Er war also der erste "Wetterwart" auf der Koppe, da das Observatorium erst viele Jahre später entstand.

Der Komfort dieser Herberge war mehr als dürftig. Der kreisrunde Innenraum diente zu ebener Erde gleichzeitig als Gast- und Speisezimmer und als Küche, während der Nacht bei starkem Andrang auch als Lagerstatt. Abgesehen vom Herd, auf dem über offenem Feuer nur Eierspeisen und warme Getränke bereitet wurden, nahmen eine Anzahl einfache Holztische und Schemel den Raum ein, um dessen Wand eine hölzerne Bank stand, die als Lagerstatt zweiten Ranges diente. "Lagerstatt ersten Ranges" war eine in halber Höhe des Kapellenraumes angebrachte gedielte, nach innen mit einem Staketengeländer versehene Galerie, zu der man auf einer steilen Treppe hinaufklettern konnte. Hier wurden abends nur Strohsäcke ohne Bettzeug und wollene Decken als Zudecke hingelegt, mehr als 15 Personen konnten hier nicht Platz finden. Als Waschbecken diente am Morgen ein Fass mit Wasser, das im unteren Raum auf die Bank gesetzt und von allen Gästen gemeinschaftlich benutzt werden musste.

Bis 1840 blieb die Pacht in der Familie Siebenhaar. 1839 war Carl Siebenhaar gestorben, sein Sohn Friedrich zog 1840 nach Warmbrunn, wo er als Steinschneider zu Weltruhm gelangte. König Friedrich Wilhelm IV. ernannte ihn 1857 zum Königl. Hof-Steinschneider. Er verstarb 1896. Nach ihm übernahm der Handschuhmacher Stöckel aus Hirschberg die Wirtschaft, trat sie aber aus Furcht vor der Konkurrenz der Grenzbauden und der 1848 von Mitlehner aus Groß-Aupa errichteten Riesenbaude an Friedrich Sommer ab. Dieser ließ später neben der Kapelle eine "Fliegende Bude" errichten, dort sollten die Schneekoppenbezwinger künftig übernachten. Aber auch das behagte Sommer nicht und so machte er dem Grafen den Vorschlag, die Kapelle wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zurückzugeben.

Nach einer gründlichen Erneuerung konnte der Breslauer Fürstbischof Heinrich Förster am 21. Juni 1854 die feierliche Neueinweihung der wiederhergestellten Kapelle vornehmen. Durch den Pfarrer zu Warmbrunn wurden wieder Gottesdienste in der Schneekoppenkapelle abgehalten, jedoch geschah dies nur noch einmal im Jahr, am Laurentius-Tag.

Quellen:   

  • Der Bote aus dem Riesengebirge: Nr. 51/1854
  • Junker, Ullrich: St. Laurentiuskapelle auf der Schneekoppe
  • Schlesische Bergwacht: Nr. 28/1963
  • Schlesischer Gebirgsbote: Nr. 2/2011



Die Laurentiuskapelle im Jahr 1840

Innenansicht der Kapelle

Bericht aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 32/1848.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 20/1827.

König Friedrich Wilhelm IV. ernannte Friedrich Siebenhaar, Sohn des Carl Siebenhaar, zum Königl. Hof-Steinschneider.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 4/1857.

Blick auf die verschneite Laurentiuskapelle