Rudelstadt (Ciechanowice)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Rudelstadt liegt 12 km nördlich von Landeshut im Bobertal, eingebettet zwischen den Bleibergen nördlich und dem Ochsenkopf und Scharlach südlich.

Am 09.09.1203 schenkte Herzog Heinrich I. dem Kloster Leubus 500 Hufen Land im Waldgebirge mit dem damaligen Namen Cholme, worauf Mönche mehrere Dörfer, darunter Rudelsdorf errichteten. Der Ort gliederte sich in Jägendorf und Rudelsdorf. Im Jahr 1451 verkauften Opitz von Czirn und Hain von Czirn, Ritter auf Bolkenhain, die Dörfer Streckenbach und Jägendorf an Hans von Seitendorf. Das Czirnsche Geschlecht wurde Ende des 15. Jahrhunderts durch das Reichenbachsche Geschlecht abgelöst. Im Jahr 1637 gingen Rudelsdorf und Jägendorf an Hanns Christoph von Schweinitz über. Einer dieses Geschlechts erbaute 1732 das Schloss.

Die Zeit der schlesischen Kriege war für Rudelsdorf und Umgebung sehr belastend. Die Bevölkerung verarmte mehr und mehr. Aus diesem Grund fasste der Gutsherr 1746 den Entschluss, den Bergbau wieder aufzunehmen. Am 29.03.1747 erhielt er die Erlaubnis zur Errichtung eines Bergamtes und zur Errichtung von Poch- und Schmelzhütten. Die erste Kupferausbeute am 22.12.1747 betrug 47 Pfund. Freiherr von Schweinitz kaufte das wüst liegende Rungesche Gut und errichtete hier im Mai 1748 vier Häuser. Sie waren der Anfang des Ortes Adlersruh. Das Kupferbergwerk gewann immer mehr an Ausdehnung. Es zogen Handwerker zu, so dass sich Rudelsdorf zu einer aufblühenden Gemeinde entwickelte. Durch königliche Konzession vom 31.01.1754 wurde der Ort freie Bergstadt. Es war dies die erste Stadterhebung unter Friedrich dem Großen. Rudelsdorf und Jägendorf hießen nun Rudelstadt. Die Stadtrechte hat Rudelstadt aber nie ausgeübt, sondern ist immer Landgemeinde geblieben. Im Jahre 1763 ging das Gut Rudelstadt in den Besitz des Freiherrn von Seherr-Thoss über. Nach dessen Tod übernahm den Besitz seine Schwester, die Gemahlin des Generals von Prittwitz. 1781/82 legte sie die Kolonie Prittwitzdorf an. Im späten 19. Jahrhundert ging Gut Rudelstadt an den sächsischen Kammerherrn von Beust über. Dieser verkaufte es Anfang 1900 an Freiherrn Senfft von Pilsach, und dieser wiederum an den Bankier Eduard von Eichborn.

Im Jahre 1924 wurde Adlersruh nach Rudelstadt eingemeindet und 1928 folgten Prittwitzdorf und der Gutsbezirk. Die Gemeinde Rudelstadt hat viele Wandlungen durchgemacht. Nach der Kreisreform vom 01.10.1932 wurde der Kreis Bolkenhain aufgelöst und dem Kreis Landeshut zugeschlagen. Da sich diese Neugestaltung jedoch als unzweckmäßig erwies, wurde der gesamte Kreis Bolkenhain am 01.10.1933 aus dem Kreis Landeshut in den Kreis Jauer eingegliedert. Am 01.04.1936 wurde Rudelstadt gemeinsam mit den Orten Merzdorf (Riesengebirge) und Ruhbank wieder in den Kreis Landeshut integriert, dem sie bis 1945 angehörten. 1939 lebten 1.512 Einwohner in Rudelstadt. Heute gehört Rudelstadt zur Landgemeinde Marciszów (Merzdorf).

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Schlesischer Gebirgsbote
- Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg, Metten 2003, 2. Aufl.
- Wikipedia
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Das evangelische Bethaus rechts im Bild

Das Postamt rechts im Bild

Rudelstadt - Adlersruh

Rudelstadt - Prittwitzdorf

Siedlung in Adlersruh
(Bild von Herrn Peter Fütterer - Aufnahme: 2004)

Blick auf Prittwitzdorf
(Bild von Herrn Peter Fütterer - Aufnahme: 2004)

Der Bahnhof:

Rudelstadt liegt an der Bahnstrecke Wroclaw (Breslau) - Zgorzelec (Görlitz). Sie ist eine Hauptbahn in Polen, die 1866 von der Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahngesellschaft und den Preußischen Staatsbahnen erbaut wurde. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Strecke elektrifiziert. Den Güterbahnhof erhielt Rudelstadt ungefähr 1911/12. Sie verläuft in Niederschlesien von Wroclaw (Breslau) über Walbrzych (Waldenburg) und Jelenia Góra (Hirschberg) nach Zgorzelec (Görlitz). Der Abschnitt Walbrzych (Waldenburg) - Zgorzelec (Görlitz) ist Teil der Schlesischen Gebirgsbahn.

Der Bahnhof

Der Bahnhof heute

Die katholische Pfarrkirche:

Die katholische Pfarrkirche St. Augustin wurde erstmalig im Jahre 1335 erwähnt, 1577 grundlegend umgebaut und 1601 um eine Gruftkapelle erweitert. Sie war ursprünglich eine evangelische Kirche, die den katholischen Bewohnern am 4. Februar 1654 übereignet wurde. Sie blieb bis heute in katholischem Besitz.

Östlich des Chores befindet sich eine Grabkapelle mit Kreuzgratgewölbe, in der Mitglieder des Adelsgeschlechtes von Reichenbach bestattet wurden. Weitere Epitaphien befinden sich in der Krypta. U. a. befinden sich Grabsteine mit den Figuren folgender Verstorbener in Lebensgröße: 

  1.  ein Ritter, verstorben 1553, der unter der Kanzel liegt,
  2.  Christoph von Hubergk von Fürstenstein, verstorben 1553, umrahmt von kräftigem Frührenaissance-Aufbau,
  3. ein Ritter Reichenbach in einem etwas prächtigeren Rahmen mit dreiteiligem Gebälk und Giebeldreieck, auf dessen Kanten Delphine lagern. Im Dreieck ist der Heiland am Kreuze dargestellt, zu welchem der Verstorbene betet. An den Pilastern hängen Wappen.

Die katholische Pfarrkirche
(Bild von Herrn jürgen Schwanitz - Aufnahme: 2003)

Die katholische Pfarrkirche
(Bild von Herrn Jürgen Schwanitz - Aufnahme: 2014)

Blick auf den Altar der katholischen Pfarrkirche
(Aufnahme: vor dem Krieg)

Blick auf den Altar der katholischen Pfarrkirche
(Bild von Herrn Jürgen Schwanitz - Aufnahme: 2003)

Das Taufbecken

Die Kanzel mit dem unter ihr liegenden Epitaph

Epitaph mit Figur eines Ritters

Epitaph mit Figur eines Ritters
(Bild von Herrn Jürgen Schwanitz - Aufnahme: 2003)

Epitaph mit Figur eines Ritters
(Bild von Herrn Jürgen Schwanitz - Aufnahme: 2003)

Epitaphien
(Bild von Herrn Jürgen Schwanitz - Aufnahme: 2014)

Epitaph
(Bild von Herrn Jürgen Schwanitz - Aufnahme: 2014)

Epitaph
(Bild von Herrn Jürgen Schwanitz - Aufnahme: 2014)

Die evangelische Kirche:

Im Jahre 1742 erhielt die evangelische Bevölkerung die Genehmigung zur Errichtung eines Bethauses. Bis zu diesem Zeitpunkt versammelten sich die evangelischen Gläubigen jeden Sonnabend um 14.00 Uhr, um nach Jauer zum sonntäglichen Kirchgang zu gehen. An diese Zeit des Kirchganges nach Jauer erinnerte bis zum ersten Weltkrieg das 2-Uhr-Läuten jeden Sonnabennachmittag. 
In den 1950er Jahren wurde das Bethaus abgerissen.

Die Bethauskirche (Aufnahme: 1937)

Von links nach rechts: die Bethauskirche, die katholische Schule, 

die katholische Pfarrkirche.

Das Kriegerdenkmal:

Auf dem folgenden Foto ist das Kriegerdenkmal abgebildet.

Die Schulen:

In Rudelstadt gab es früher 4 Schulen:
1. Die katholische Schule im Hauptort
2. Die evangelische Schule
3. Die sog. Gutsche-Schule in Adlersruh
4. Die Schule in Schönbach

Die katholische Volksschule im Hauptort (Aufnahme: 1992)

Schülerinnen und Schüler vor der katholischen Volksschule 

im Jahre 1924

Die sog. Gutsche-Schule in Adlersruh im Jahre 1987

Schlesischer Heimatabend der Schönbacher Schule.
 Leiter des Abends: Lehrer Schulze und Frau (Aufnahme: 1921)

Das Schloss:

Das Schloss - Zeitgenössische Darstellung

Das Schloss - heute

Die Grabplatte für Friedrich Graf von Moltke

Created with Sketch.

Eine harte Drangsalperiode brachte der Krieg von 1806. Diesmal waren es die napoleonischen Heere, welche die Bewohner knechteten. Erst die Befreiungskriege 1813/15 brachten wieder geregelte und erträgliche politische Verhältnisse im Bobertal. Eine ganz besondere Erinnerung an die hochrühmlichen Erfolge des preußischen Heeres ist in Rudelstadt verewigt:

Sie betrifft Friedrich Franz Wilhelm Bernhard Graf von Moltke (* 28.01.1789 in Wolde, + 27.08.1813 in Arnau), einen Sohn von Friedrich Detlev Graf von Moltke. 1806 war dieser Cornet im Regiment Gensdarmes in Berlin, stieg dann auf zum Rittmeister der Leibgarde zu Pferde und Adjutant des kommandierenden Gebhard Leberecht Fürst Blücher. Unmittelbar nach der siegreichen Schlacht an der Katzbach am 26.08.1813 erhielt dieser Offizier den ehrenvollen Auftrag, die Siegesbotschaft ins Hauptquartier zu Seiner Majestät, König Friedrich Wilhelm III., nach Teplitz in Böhmen zu überbringen. Sogleich brach er auf und traf noch in der Nacht vom 27. auf den 28.08. vor Arnau mit seiner Kutsche ein. Im ungestümen Vorwärtsdrang wollte er mit seinem Gefährt auf der dortigen Brücke die Elbe überqueren; jedoch scheuten die Pferde, als der Wagen etwa die Mitte des Flusses erreicht hatte, weil dieser durch die mehrtägigen heftigen Regenfälle stark angeschwollen war. Darauf geriet die Kutsche ins Schlingern und kippte von der Brücke. Zwar konnten sich der Kutscher und die Pferde mit viel Mühe aus den reißenden Fluten retten, doch Graf von Moltke war im Inneren der Kutsche eingeschlossen und ertrank. Erst am Morgen konnte man den Ertrunkenen bergen. Zwar erreichten anschließend die Depeschen den Ort der Bestimmung, die Leiche des adeligen Boten blieb jedoch zunächst in Arnau, wo sie wenig später von Graf Deym ehrenvoll bestattet wurde. Doch die Angehörigen des Toten waren nicht nur über den plötzlichen Tod des Grafen betrübt, sondern auch darüber, dass dieser zukünftig in fremden Land ruhen sollte. Daher ließ der damalige Besitzer von Rudelstadt, Oberst von Prittwitz, ein Oheim des Verstorbenen, ein halbes Jahr später die Leiche seines Neffen in Arnau exhumieren und in die herrschaftliche Gruft unter der katholischen Kirche überführen, wo er beinahe 100 Jahre lang seine vorläufig letzte Ruhe fand.

Anlässliche der 100jährigen Wiederkehr des Jahrestages und zur Erinnerung an die Befreiungskriege wurde im Jahr 1913 beschlossen, dem opfermutigen Helden ein würdiges Denkmal zu setzen. Am 24.10.1913 wurde die Leiche aus der katholischen Kirche nach einer Ehrengrabstätte am Fuß der Alexanderhöhe bei Rudelstadt gebracht. Die Feier gestaltete sich zu einer großen patriotischen Kundgebung. Hier das Original des Berichts im "Wanderer aus dem Riesengebirge" Nr. 375 vom 01.01.1914 (Seite 10):

"Es nahmen an ihr teil Geheimrat Freiherr von Zedlitz und Neukirch, der Vorsitzende der Provinzial-Synode, der Landrat des Kreises Bolkenhain, zwei Offiziere des 5. Jägerbataillons in Hirschberg, acht Oberjäger und die Bataillonskapelle, der Vorsitzende des Bolkenhainer Kreiskriegerverbandes, acht Kriegervereine, der Knappschaftsverein, die Ortsvereine, die banachbarten Pastoren aus Kunzendorf und Ketschdorf. Mit besonderer Freude wurde es begrüßt, dass zu der Feier der Dechant Seidel und der Stadtrat Schenk aus Arnau in Böhmen, wo einst der Verewigte seinen Tod gefunden hatte, erschienen waren. Gegen 2 Uhr wurde der Sarg aus dem Grabgewölbe abgeholt und im feierlichen Zuge in die Ehrengruft übergeführt. Nach einleitendem Gesange des Orts-vereins hielt der Ortspastor Henke eine an Psalm 143,5 sich anlehnende Ansprache. Er verwies auf die große Zeit vor 100 Jahren, auf ihre Frömmigkeit, auf ihre Treue und ihr Pflichtbewußtsein bis in den Tod. Diesen Tugenden gelte es auch in unserer Zeit nachzuleben, zu ihnen die Jugend zu erziehen. Ein Volk ohne Religion, ohne sittlichen Halt gebe sich selbst auf. Treue zum Altar aber schließe Treue zum Thron ein. Die Arbeit, die Fürsorge des Staates und der Kirche werden dann erst ihren hohen Zweck erreichen, wenn jeder treu mitarbeite an sich und den anderen. Ein Denkmal stehe nun mitten im schönen Berglande und mache der Gemeinde die Heimat noch lieber. Unter dem hierauf vom Gesangverein vorgetragenen "Vater, ich rufe dich" wurde während des letzten Verses der Sarg versenkt. Gebet und Segen und das von der Kapelle gespielte "Ich bete an die Macht der Liebe" beschlossen die kirchliche Feier. Im Paradeschritt - trotz manchen gebeugten Rückens, ja selbst trotz Stelzfußes - marschierten die Vereine bei dem Denkmal und den Ehrengästen vorbei. Der kirchlichen Feier folgte eine kurze Nachfeier in einem Gasthaussaale, wobei Hauptmann Freiherr von Zedlitz aus Hirschberg in markigen Worten das Kaiserhoch ausbrachte, der Ortspastor den Erschienenen seinen Dank abstattete und ganz besonders den beiden patriotischen Freunden aus Böhmen für ihre den Toten wie sie ehrende Anwesenheit herzlich dankte. Das Ehrengrabmal befindet sich am Fuße des Boberkatzbachgebirges in einem schönen Buchenhain. Auf der gemauerten Gruft liegt eine - noch heute existierende - Platte aus Striegauer Granit. Diese Grabplatte trägt in Goldschrift das Distichon:

                                                           Tapferer Verkuender des Siegs.

                                                           Dich ereilte der Tod in den Fluten.

                                                           Botschaft und Heldengeist,

                                                           leben in Ewigkeit fort.

Ein wuchtiges schmiedeeisernes Gitter umgibt die Gruft. In seiner Stirnseite ist eine kunstvoll gearbeitete Kupferplatte eingelassen, die im Eichenkranz die Zahl 1813 trägt. Gitter und Platte, geliefert von der Kunstschlosserei Jäkel in Hirschberg sind eine schöne Probe deutschen Kunstfleißes."

Die oben genannte Grabstelle ist nach Ende des zweiten Weltkrieges durch Russen oder Polen geschändet und der Sarg mit den Gebeinen an eine unbekannte Stelle entfernt und dabei der Leichnam verscharrt worden. Die Grabplatte und eine Gedenkstätte wurden in den 1990er-Jahren wieder hergerichtet; im Frühjahr 2010 ist nunmehr nach Einebnung der Grabstelle auch die Grabplatte entfernt und in die Nähe von Schloss Rudelstadt - wieder unmittelbar an der Straße gelegen - verbracht worden, wo sie nach erfolgter Wiederherstellung des Gutskomplexes würdig zur dauerhaften Erinnerung wiederhergestellt werden soll. Das Kenotaph soll so auch in Zukunft an ein fatales Schicksal eines glücklosen schlesischen Adeligen erinnern, als es um die glorreiche Befreiung Schlesiens von Fremdherrschaft ging.

(Verfasser: Jürgen Schwanitz)

Grabplatte für Friedrich Graf von Moltke
(Bild von Herrn Jürgen Schwanitz)

Grabplatte für Friedrich Graf von Moltke
(Bild von Herrn Jürgen Schwanitz)

Die Gastronomie:

In Rudelstadt gab es früher 7 Gaststätten:

Im Hauptort Rudelstadt:
1. Haus Nr. 23                                       Gasthof "Zur Brauerei"
2. Haus Nr. 33                                      Fleischer und Gasthausbesitzer Hermann Simon
3. Haus Nr. 151                                     Wild`s Gasthof
4. Haus Nr. 157                                    Gastwirt und Viehhändler Bernhard Kammer

Im Ortsteil Adlersruh:
5. Haus Nr. 50                                     Gasthaus des Wilhelm Brunzel
zusätzlich gab es in Adlersruh auch eine Likörfabrik - Haus Nr. 1: Rudolf Balzer

Im Ortsteil Prittwitzdorf:
6. Haus Nr. 1                                         Gerichtskretscham

Im Ortsteil Schönbach:
7. Haus Nr. 4                                        Land- und Gastwirt Eduard Burghardt

1. Im Hauptort Rudelstadt:

Haus Nr. 23 - Gasthaus "Zur Brauerei"

(Besitzer: Eduard Scharf)

Haus Nr. 33 - Gasthaus und Fleischerei des Hermann Simon

(Aufnahme: 1978)

Rudelstadt - Haus Nr. 151 

(Gasthof des Heinrich Wild, später Besitzer Ernst Reichstein)

Innenansicht des Gasthofes

2. Im Ortsteil Adlersruh:  (Gasthaus des Wilhelm Brunzel)
Die Gaststätte des Bauern Wilhelm Brunzel war die frühere Raststätte für Gespanne, die von Hirschberg in Richtung Landeshut fuhren, oder in die entgegengesetzte Richtung. Das Rasthaus lag auf gleicher Höhe wie die kleinste Stadt Schlesiens, Kupferberg, die nur 2 km entfernt lag und auf dieser Strecke durchfahren werden musste. Dieser Ort lag deshalb so günstig, weil in beiden Richtungen vorher große Steigungen zu überwinden waren. Pferde und Kutscher hatten eine Ruhepause verdient. Von Landeshut kommend begann die Steigung bereits in Oberrudelstadt. Aber zwischen den Dörfern Prittwitzdorf und Adlersruh war der gefürchtete Buchhübel (Buchenhügel) mit einer Steigung teilweise bis zu 8 % zu überwinden. Von Hirschberg kommende Fuhrwerke hatten noch größere Steigungen zu überwinden. Von Jannowitz nach Kupferberg mussten, bevor die Straße für den Autoverkehr gebaut wurde, ca. 800 m bei einer Steigung von 12 bis 15 % überwunden werden. In den Wintermonaten war die Straße zwischen Adlersruh und Kupferberg nicht befahrbar. Der Brotwagen, der von Rudelstadt auch das Gebirgsdorf Waltersdorf am Ochsenkopf mit Backwaren belieferte, musste teilweise mit dem Schlitten querfeldein fahren. Es gab aber auch Winter, in denen mehrere Wochen die Versorgung der Ortschaft Waltersdorf nur mit Handschlitten und auf Skiern getätigt wurde.

Haus Nr. 50 - Gasthaus des Wilhelm Brunzel

Haus Nr. 50 - Gasthaus des Wilhelm Brunzel

Brotwagen der Obermühle Rudelstadt am Adlersberg in Adlersruh

Haus Nr. 1 - Rudolf Balzer, Likörfabrik, Fruchtsaftpresserei, 
Obst- und Beerenweinkellerei

3. Im Ortsteil Prittwitzdorf:

Haus Nr. 1 - Der Gerichtskretscham
(Besitzer: Emil Minkus, danach Wilhelm Alt und später Erich Schüller)

Haus Nr. 1 - Innenansicht

Der frühere Gerichtskretscham (Aufnahme: 2003)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Die deutsche Schrift "Gerichtskretscham" (Aufnahme: 2003)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Die Malzfabrik:

Die Malzfabrik in Rudelstadt war ein Zweigbetrieb der Engelhardt-Brauerei AG in Berlin. Auch im Jahre 1973 war die Malzfabrik noch in Betrieb. Dort wurde Malz hergestellt und an andere Brauereien abgesetzt. Später wurde der Betrieb eingestellt und die Gebäude abgerissen.

Die Malzfabrik (Aufnahme vor dem Krieg)

Die Malzfabrik (Aufnahme: 2006)

Die Merzdorf-Rudelstädter Dampfziegelei:

Im Jahre 1900 wurde die Merzdorf-Rudelstädter Dampfziegelei GmbH gegründet. Es wurden Mauerziegel, Deckenziegel und Drainagerohre hergestellt. Da eine künstliche Trocknung vorhanden war, konnte trotz der hohen Gebirgslage ununterbrochen im Sommer und Winter gearbeitet werden. Mauerziegel wurden in der Umgebung und im Waldenburger Kohlerevier abgesetzt. Deckenziegel verkaufte man bis nach Dresden und Berlin. Sogar für das Posener Schloss wurden Deckenziegel geliefert.

Es war ein Ringofen und ein Zickzackofen vorhanden. Die Verladung erfolgte direkt aus den Öfen mit einer Feldbahn in die Eisenbahnwaggons. Nach dem ersten Weltkrieg ging der Betrieb an die Fuchsgrube in Neu Weißbach und später gemeinsam mit dieser an die Niederschlesische Bergbau AG Waldenburg über. Bis zum Jahre 1905 lag die Leitung in den Händen des Direktors Fritz Berger. Dieser wurde abgelöst durch Direktor Karl Ries, der diese Tätigkeit 40 Jahre ausübte.

Die Merzdorf-Rudelstädter Dampfziegelei

Direktor Karl Ries

Das folgende Bild zeigt Betriebsangehörige der Merzdorf-Rudelstädter Dampfziegelei während eines Betriebsausfluges.

Haus Nr. 11 - Familie Gustav Reichstein

Haus Nr. 20 - Schmiede und Stellmacherei von Gustav und 

Martin Ermlich (Aufnahme: 1990)

Haus Nr. 30 - unterhalb der kath. Kirche - Gemischtwarenhändler Walter Mönch, links daneben das Haus von Oefler und Posthalter Franke (Aufnahme: 1912)

Haus Nr. 35 - Familie Richard Klose (Aufnahme: 1968)

Haus Nr. 37 - Tischlerei Richard Riedel (Aufnahme: 1968)

Haus Nr. 55 - Wilhelm Fulde, Ziegelei- und Sägewerksbesitzer

Haus Nr. 110 - Haus des Friseurs Wilhelm Reger (Aufnahme: 1959)
Dieses Haus wurde im Jahre 1927 am Bahnhof gegenüber
 der Malzfabrik errichtet.

Haus Nr. 136 - Wilhelm Riedel, Mühlenbesitzer

Auf dem folgenden Foto ist der Eichhof abgebildet - Besitzer Scharf

Im Ortsteil Adlersruh betrieb Helmut Bettermann, Haus Nr. 48,  eine Landwirtschaft und zugleich ein Kolonialwarengeschäft. Im Jahre 1943 zog die Familie nach Mittelkonradswaldau und übernahm dort das Kolonialwarengeschäft Reichelt. 

Die "Otto - Mühle"

Rudelstadt, Nr. 136

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Der ehemalige Besitzer der "Niedermühle" war der am 20. April 1853 in Seitendorf a. d. Katzbach als Sohn des Müllermeisters Otto geborene Gustav Otto. Nach Abschluss seiner Schulausbildung erlernte er bei seinem Vater das Müllerhandwerk. Als Müllergeselle ging er anschließend, wie früher üblich, auf Wanderschaft. Sein Weg führte ihn durch Mitteldeutschland bis in das Lahntal.

Im Frühjahr 1878 erwarb er für 23.000 Thaler die "Niedermühle", bestehend aus einem ein-stöckigen Wohnhaus einschließlich darin befindlichem Mühlenteil, Stallungen, landwirtschaftlichen Gebäuden und 40 Morgen Acker und Wiese. Finanziell unterstützt wurde er von seinem Vater und dem künftigen Schwiegervater, dem Müllermeister Kretschmer aus Ober-Kauffung a. d. Katzbach. Die Hochzeit mit Henriette Kretschmer erfolgte im Sommer 1878.

Umfangreiche Um- und Neubauten in den folgenden Jahren machten aus der veralteten Mühle einen modernen Betrieb, der in den 1890er Jahren auch mit einer eigenen elektrischen Lichtanlage ausgestattet wurde. Zu dem Mühlenbetrieb gehörte auch eine eigene Bäckerei, in der monatlich ca. 8.000 Brote und für etwa 2.000 RM Weißwaren gebacken wurden.

Die Ehe der Eheleute Gustav und Henriette Otto war kinderlos. Daher wurde der Neffe Willi Riedel als Nachfolger vorgesehen und erhielt eine entsprechende Ausbildung. Gustav Otto verstarb am 4. Juli 1916, seine Ehefrau am 30. Januar 1925. Die Mühle seines verstorbenen Onkels erwarb Willi Riedel 1919 und führte sie nicht nur im Sinne seines Onkels erfolgreich weiter, sondern vergrößerte sie auch im Laufe der Jahre. Alle Mühen machte der 2. Weltkrieg aber zunichte. Willi Riedel ist im 2. Weltkrieg gefallen, ebenso sein Sohn Helmut. Sein zweiter Sohn gilt als vermisst.

Mühlenbesitzer Gustav Otto (20.04.1853 - 04.07.1916)

Mühlenwagen der "Otto-Mühle"

Belegschaft der "Otto-Mühle"

Mehlsack der "Otto-Mühle"