Reichhennersdorf (Przedwojów)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Reichhennersdorf liegt 5 km südlich von Landeshut am Westfuße des langen Berges. Es ist ein lang gestrecktes Reihendorf, das vom Dorfbach durchflossen wird. Ein Gang zum Oberdorf ermöglicht einen herrlichen Fernblick.

Erstmalig urkundlich erwähnt wird Reichhennersdorf im Jahr 1350. Abt Nikolaus II. erwarb es an Epiphanie des Jahres 1350 zum Kaufpreis von 70 Mark von Henschlin, dem Erbadvokaten in Landeshut. Damals führte der Ort den Namen "Heynrichsdorf" und gehörte nunmehr zum Grüssauer Klosterbesitz. 1385 erfolgte die Umbenennung in "Grossen Heinrichsdorff". Viele Damastweber hatten sich hier angesiedelt und sorgten für einen gewissen Wohlstand. Bis zum Jahr 1687 lebten sowohl Protestanten als auch Katholiken friedlich zusammen. Als jedoch Abt Bernhard Rosa den evangelischen Pächtern des Klosterlandes die Erbpacht kündigte, verließen viele evangelische Bewohner vor allem aus Reichhennersdorf und Ober Zieder Haus und Hof und wanderten nach Sachsen aus, wo sie Glaubensfreiheit erhielten und dort das Dorf Neugersdorf bei Meffersdorf gründeten.

Während des Zweiten schlesischen Krieges wurde auch in der Umgebung von Reichhennersdorf hart gekämpft. General von Winterfeld siegte hier nach sieben Stunden vor der Entscheidungsschlacht bei Hohenfriedeberg. Die früher auf dem Langen Berg gelegene König Friedrich-Baude erinnerte an den Aufenthalt Friedrichs des Großen.

Im Jahre 1925 hatte Reichhennersdorf 761 Einwohner, davon waren 472 katholisch. Die zuständigen Kirchengemeinden beider Konfessionen befanden sich in der nahen Kreisstadt Landeshut, die katholische St. Peter und Paul Kirche und die evangelische Gnadenkirche. In der Ortsmitte gab es aber eine kleine Kapelle, die im Auftrag des Abtes Bernhard Rosa Ende des 17. Jahrhunderts gebaut worden war. Bis zum Jahr 1930 fand alle 4 Wochen und am Kirmissonntag ein katholischer Gottesdienst statt. Erst danach wurde von der zuständigen Stadtpfarrei ein Kaplan abgestellt. Im Ort gab es sowohl eine katholische als auch eine evangelische Schule. Heute gehört Reichhennersdorf zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Schlesischer Gebirgsbote
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Ortsschild

Reichhennersdorf mit Blick zum Langen Berg

Reichhennersdorf mit Blick zum Langen Berg
(Bild von Frau Weihrauch, Bad Gandersheim - Aufnahme: 2011)

In der Mitte des Bildes die Kapelle, im Hintergrund die Familienhäuser

Blick auf die früheren Familienhäuser
(Bild von Frau Weihrauch, Bad Gandersheim - Aufnahme: 2013)

Blick auf einen Teil des Unterdorfes
(Bild von Frau Weihrauch, Bad Gandersheim - Aufnahme: 2011)

Blick zur Dorfmitte mit Kapelle
(Bild von Frau Weihrauch, Bad Gandersheim - Aufnahme: 2013)

Blick vom Reichhennersdorfer Angenelliberg zur Schneekoppe

(Bild von Frau Weihrauch, Bad Gandersheim - Aufnahme: 2013)

Die Kapelle:

Abt Bernhard Rosa ließ Ende des 17. Jahrhunderts in der Ortsmitte eine Kapelle errichten. Es handelt sich um einen Kuppelbau von ungefähr 20 m Länge und 12 m Breite, in massiver Bauweise ausgeführt, mit Schindeldach und kleinem Glockenturm versehen. Bis ca. 1930 fand alle 4 Wochen und am Kirmissontag ein katholischer Gottesdienst statt. Erst danach wurde von der zuständigen Stadtpfarrei ein Kaplan abgestellt. An diesen Gottesdiensten nahmen auch die Gläubigen der Orte Johnsdorf und Nieder-Blasdorf teil. Nach ein paar Jahren wurde der Kaplan abgelöst und Pater Rabanus Muth vom Kloster Grüssau übernahm die Betreuung. Er blieb bis zur Vertreibung. Mitte 1930 erfolgte eine Renovierung der Kapelle. Der beabsichtigte Anbau einer Sakristei fiel dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges zum Opfer. Die Kapelle ist zwar nicht groß, aber ca. 150 - 170 Gläubige fanden Platz.

Die von Abt Bernhard Rosa im Jahre 1693 erbaute Kapelle 

in der Ortsmitte

Innenraum der Kapelle

Blick auf die Kapelle in der Dorfmitte 


(Bild von Frau Weihrauch, Bad Gandersheim - Aufnahme: 2013)

Auf dem folgenden Foto ist das Kriegerdenkmal abgebildet. Es stammt aus der Werkstatt von Gotthard Beier, Landeshut.
(Foto von Frau Margrit Weihrauch aus Bad Gandersheim).

Die katholische Schule:

Die katholische Schule befand sich bis zum Jahre 1890 an der Straße gegenüber der Kapelle. Diese wurde dann von der Gemeinde an den Onkel von Dominikus Hübner verkauft, der hier nun seine Stellmacherei betrieb, bis er 1921 mit dem Fleischermeister Beier die Gebäude tauschte und Beier nun in der alten Schule eine moderne Schlachterei einrichtete. Die Gemeinde hatte von den Grubenhäusern 2 erworben und richtete nun im Beamtenhaus die katholische Schule und das Gemeindebüro ein. 
Seit 1880 bis zu seiner Pensionierung 1911 leitete Hauptlehrer Julius Priegner die katholische Schule. Sein Nachfolger war Bruno Klose. 

Die katholische Schule

Schülerinnen und Schüler der katholischen Schule

 bei dem täglichen Sport.

Ganz links: die frühere katholische Schule,
in der Bildmitte die frühere Hausnummer 142.


(Bild von Frau Weihrauch, Bad Gandersheim - Aufnahme: 2015)

Die evangelische Schule:

Für die evangelische Gemeinde wurde im Jahr 1901 ein neues Schulgebäude errichtet, direkt gegenüber der katholischen Schule. Der zuständige Lehrer war zu diesem Zeitpunkt Herr Pospisil, der dieses Amt bis Mitte 1920 ausübte. Die nachfolgenden evangelischen Lehrer blieben nur kurze Zeit im Ort. Laut Adressbuch des Jahres 1925 war Wilhelm Exner Lehrer an der Schule und 1938 Friedrich Müller

Die evangelische Schule

Die frühere evangelische Schule im Oktober 2015

(Bild von Frau Margrit Weihrauch aus Bad Gandersheim)

Das folgende Foto zeigt ein Schulbild aus dem Jahre 1934.

Bild unten: die Familienhäuser, rechts: Warenhandlung Gergler

Warenhandlung Richard Gergler

Die Gastronomie:

Nach dem Adressbuch des Jahres 1911 gab es in Reichhennersdorf 4 Gasthöfe:
1. Haus Nr. 101                                                Der "Gerichtskretscham"
2. Haus Nr. 104                                              Gaststätte "Waldschlößchen"
3. Haus Nr. 134                                               Gasthof "Zum Bergfrieden"
4. Haus Nr. 138                                               Gastwirt Alois Hubaleck

In den Adressbüchern der Jahre 1925 und 1938 werden die Häuser Nr. 104 und 138 nicht mehr als Gaststätten geführt.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 33/1864.

Haus Nr. 101 - Gerichtskretscham von Hermann Rösner (um 1911)

Haus Nr. 101 -Gerichtskretscham von Robert Menzel (um 1930)

Haus Nr. 104 - Gaststätte "Waldschlößchen", die im Jahr 1911 von dem Gastwirt Julius Hampus geführt wurde.

Haus Nr. 134 - Gasthof "Zum Bergfrieden" (Besitzer: Carl Pohl)

Haus Nr. 134 - Gasthof "Zum Bergfrieden" (Besitzer Carl Pohl)

Haus Nr. 2 - Familie Heinrich Rasper

Von rechts nach links: Haus Nr. 12 (Hampel), 

Haus Nr. 10 (Elsner), Haus Nr. 9 )August Langer)
(Foto von Frau Weihrauch aus Bad Gandersheim)

Haus Nr. 13 - Familie Josef Kleinwächter
(Foto von Frau Weihrauch aus Bad Gandersheim)

Haus Nr. 26 - Familie Geisler
(Foto von Frau Weihrauch aus Bad Gandersheim)

Im Hintergrund: Haus Nr. 46 - Familie Alfred Puschmann
(Foto von Frau Weihrauch aus Bad Gandersheim)

Haus Nr. 48 - Familie Dominikus Hübner

Haus Nr. 51 - die Berger-Schmiede
(Foto von Frau Weihrauch aus Bad Gandersheim)

Haus Nr. 78 - Familie Willi Geisler
(Foto von Frau Weihrauch aus Bad Gandersheim)

Wegekreuz im Unterdorf
(Bild von Frau Weihrauch, Bad Gandersheim)

Wegekreuz im Unterdorf

(Bild von Frau Weihrauch, Bad Gandersheim - Aufnahme: 2017)

Die König-Friedrich-Baude auf dem langen Berg

Die König-Friedrich-Baude auf den langen Berg

Die König-Friedrich-Baude auf den langen Berg

Die König-Friedrich-Baude auf den langen Berg

Anzeigen aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge"

In der Zeit von 1834 - 1839 wurden in der o. g. Zeitung folgende interessante Artikel veröffentlicht, die Frau Margrit Weihrauch aus Bad Gandersheim zur Verfügung gestellt hat.

Nr. 8/1834

Nr. 47/1835

Nr. 4/1836

Nr. 27/1837

Nr. 34/1837

Nr. 18/1838

Nr. 30/1838

Nr. 2/1839

Nr. 6/1839

Allgäuer Zeitung Nr. 118/1864