Oppau (Opawa)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Oppau liegt im östlichen Riesengebirge am Silberbach. Dieser entspringt oberhalb des Dorfes auf den sogenannten Silberwiesen und mündet unterhalb des Dorfes in den Bober. Es wird über eine Stichstraße von Michelsdorf aus erreicht, die in Kunzendorf endet.

Erstmalig urkundlich erwähnt wird Oppau im Jahre 1374 unter dem Namen "Oppow". Das Gebiet um Oppau gehörte zunächst zu Böhmen und gelangte im 13. Jahrhundert an Herzog Bolko I. Zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz gelangte es 1368 an die Krone Böhmen und gehörte mit Buchwald, Tschöpsdorf und Kunzendorf lehensweise als Witwengut der Marita von Seidlitz, einer Hofmeisterin der Herzogin Agnes. 1378 verkauften Maritas Söhne Hans Schonevogel und Kuncze Hudner Oppau und die anderen genannten Ortschaften mit allen Besitztümern und Rechten dem Zisterzienserkloster Grüssau. Zur Bestreitung der Türkensteuer mussten 1558 Oppau mit Kunzendorf, Tschöpsdorf und Buchwald verpfändet werden. Während der Verpfändungsperiode entwickelte sich in den Dörfern das Luthertum. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Oppau 1742 zusammen mit Schlesien an Preußen. 1810 wurde das Klostergut säkularisert. Nach der Neugliederung Preußens 1815 gehörte Oppau zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Es bildete eine eigene Landgemeinde und war seit 1874 Sitz des Amtsbezirkes Oppau, zu dem auch die Landgemeinden Kunzendorf und Tschöpsdorf gehörten. 1925 lebten 601 Einwohner in Oppau, davon gehörten nur 18 dem evangelischen Glauben an.

Im Ort befindet sich eine katholische Kirche, die zwischen 1687 - 1692 errichtet wurde. Für die evangelischen Einwohner war die zuständige Kirche in Michelsdorf. Heute gehört Oppau zur Landgemeinde Lubawka (Liebau).

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Lutsch, Hans: Die Kunstdenkmäler des Reg. Bez. Liegntz, Breslau,  1891
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Dr. Reuschel, Andreas: Grüße, von fern und doch ganz nah........., hrg. im Auftrag des Arbeitskreises
   Landeshut, April 2013, Roco-Druck GmbH, Wolfenbüttel
- Dr. Reuschel, Andreas: Wie es doaheeme woar............., hrg. im Auftrag des Arbeitskreises
   Landeshut, Februar 2016, Roco-Druck GmbH, Wolfenbüttel
- Schlesischer Gebirgsbote
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785              

Oppau ca. 1939
(Aus dem Privatbesitz von Herrn Josef Körner, übermittelt von Frau Roswitha Rueschkamp)

Sommerfrische Oppau
(Karte von Frau Roswitha Rueschkamp)

Sommerfrische Oppau
(Karte von Frau Roswitha Rueschkamp)

Blick auf Oppau in Richtung Osten mit dem Ziegenrücken bei Liebau

Oppau mit Blick auf die katholische Kirche

Oppau mit Blick auf die katholische Kirche

Oppau mit Blick auf die katholische Kirche
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)

Die katholische Kirchengemeinde:

Die katholische Kirche wurde 1687 - 1692 an der Stelle eines Vorgängerbaus zunächst als Kapelle errichtet und später zur Kirche umgebaut. Am 7. Juni 1905 schlug der Blitz in die Kirche ein und sie brannte bis auf die massiven Mauern nieder. Mit dem Wiederaufbau wurde erst um 1908 begonnen. Für die geschmolzenen Glocken hatte eine Familie aus Kunzendorf eine neue Glocke gespendet. Weihnachten 1910 war die Kirche soweit fertiggestellt, dass sie von Pfarrer Gröbner eingeweiht werden konnte. Die eigentliche Weihe vollzog Kardinal Bertram aus Breslau erst im Mai 1918. 

Karte von Frau Roswitha Rueschkamp

Bild von Frau Roswitha Rueschkamp

Die ausgebrannte Pfarrkirche im Jahre 1905.

(Dieses Bild stellte Herr Andrzej Rogas zur Verfügung)

Die katholische Pfarrkirche

Pfarrkirche und Pfarrhaus
(Foto von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Die katholische Pfarrkirche heute

Die katholische Pfarrkirche - Blick zum Altar

Der Hauptaltar
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)

Der Seitenaltar
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)

Die Kanzel
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)

Blick in das Kirchenschiff vom Chor aus.

(Bild von Frau Lienert, übermittelt
 von Herrn Johannes Fichtner)

Die Orgel
(Bild von Frau Lienert, übermittelt 
von Herrn Johannes Fichtner)

Der Taufstein
(Bild von Frau Lienert, übermittelt
von Herrn Johannes Fichtner)

Der Beichtstuhl

Am 5. Januar 1942 erfolgte durch den damaligen Bürgermeister August Hoffmann die Glockenabnahme. Sie wurden alsdann zur Einschmelzung abtransportiert.

(Bild von Herrn Johannes Fichtner)

Besucher der Oppauer Kirche

(Bild von Frau Heidrun Beuke, übermittelt 
von Frau Roswitha Rueschkamp)

An der Außenwand der Kirche befinden sich Epitaphien mit Figuren der Verstorbenen. Es handelt sich um: ein Söhnlein Kaspar Hans Rinkers (+ 1584), eine Frau (+ 1603) und ein Mägdlein (+ 1604)

Epitaph an der Außenwand der Kirche

(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)

Epitaph an der Außenwand der Kirche

(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)

Epitaph an der Außenwand der Kirche

(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)

Der Friedhof:

Die Kirche ist von einer Ringmauer aus Bruchsteinen umgeben. Innerhalb dieses Areals liegt auch der Friedhof. An der Mauer befinden sich noch alte Grabsteine aus deutscher Zeit.

Die folgenden Bilder stellte Frau Roswitha Rueschkamp zur Verfügung.


Aufgang zum Friedhof.

Blick auf die Ringmauer.

Grabstein der Anna Bauer (13.12.1881 - 24.11.1903) aus Kunzendorf
 (s. dort Haus Nr. 4). Ihre Schwester Maria wurde Ordensschwester.

Grabstein des Mühlenbesitzers Carl Raschke (Haus Nr. 15)

Folgende Pfarrer waren für das katholische Kirchspiel Oppau zuständig:

  • Pfarrer Alexander Wippler  16.02.1805 - 13.10.1814
  • Pfarrer Julian Hainsch          ab     1815
  • Pfarrer Joseph Schenk                        bis 28.10.1865 
  • Pfarrer Gaffron                                              bis 1897
  • Pfarrer Arndt                       08.04.1897 -            1903
  • Administrator Sabisch         25.10.1903  -  22.11.1903
  • Pfarrer Gröbner                    05.12.1903  -  28.08.1911
  • Administrator Feige                              bis  18.10.1911 
  • Pfarrer Haase                        22.10.1911   -  21.05.1945
  • Pfarrer Stief                           16.09.1945 -  15.04.1946

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 90/1865.

Taufbescheinigung vom 24. Oktober 1923, ausgestellt 
von Pfarrer  Alfons Haase.


Dieses Dokument stellte Frau Roswitha Rueschkamp zur Verfügung.

Zur Erinnerung an Pfarrer Alfons Haase wurde am 28. Juni 1997 eine Gedenktafel an der Kirchenmauer angebracht. Die feierliche Einweihung fand nach dem Gottesdienst statt. Pfarrer Haase verstarb am 1. September 1945 im Gefängnis der polnischen Miliz in Landeshut an den Folgen körperlicher Misshandlungen.

Pfarrer Alfons Haase (06.06.1878 - 01.09.1945)
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)

Die Gedenktafel

Nach Pfarrer Haases Tod kam Pfarrer Joseph Stief nach Oppau, um die Gemeinde zu betreuen. Zuvor war er als Pfarrer in Grüssau tätig gewesen. Er übernahm die Beisetzung des verstorbenen und sehr beliebten Pfarrers Haase am 6. September 1945 auf dem Oppauer Friedhof. Gemeinsam mit seiner Gemeinde wurde er am 17.05.1946 aus Oppau vertrieben und kam nach Syke in Niedersachsen. Später ging er nach Bassum und gründete hier die katholische St. Ansgar-Gemeinde. Er verstarb im Jahr 1957.

Das Bild stellte Frau Erika Mitschke aus Münster zur Verfügung.

Das Kriegerdenkmal:

Das St. Hedwigsstift:

Das St. Hedwigsstift war eine Niederlassung der Grauen Schwestern.
Diese Ordensgemeinschaft wurde 1842 in Neisse (Schlesien) von vier Frauen gegründet. Aufgabe der Gemeinschaft war die ambulante Krankenpflege, später kamen auch die stationäre Pflege in Krankenhäusern und andere sozial-karitative Dienste hinzu. Das Mutterhaus befand sich zunächst in Neisse, wurde aber 1890 nach Breslau verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es durch die Vertreibung der deutschen Schwestern nach Reinbek bei Hamburg. 1974 nahm die Generalleitung ihren Sitz in Rom. Die anfangs volkstümliche Bezeichnung "Graue Schwestern", die auf die Farbe der von den ersten Schwestern getragenen Kleidung zurückgeht, war bis 1968 der offizielle Name der Gemeinschaft. Danach wurde der Name geändert in Kongregation der Schwestern von der heiligen Elisabeth.

Die Schule:

Das Schulgebäude (Aufnahme: vor dem Krieg)

Das Schulgebäude (Aufnahme: 1988)

Im Hintergrund das Schulgebäude
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Schülerinnen und Schüler mit ihrem Lehrer Otto Ullbricht (ca. 1935)

(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Aufnahme der Schülerinnen und Schüler, die zwischen 1905 und 1914 geboren wurden, sowie der Lehrer Kantor Hofbauer und Lehrer Günther.
Obere Reihe: Taube, Hermann, Raschke Joseph, Bienert Hubert, Flegel Wilhelm, Taube Paul, Raschke Gustav, Fichtner Johann, Weiß Joseph, Meiwald ?, Exner Karl, Flegel Albert (Tischler), Exner Reinhold, Fichtner Klemens.
Zweite Reihe: Pusch Paul, Lehrer Günther, Hübner Artur, Lahmer Joseph, Weiß Artur, Pusch Albert, Pusch Robert, Taube Hugo, Scharf Joseph, Langer Alois, Raschke Alois, Emmler Joseph, Emmler August, Emmler Joseph (Schafberg), Flegel Joseph (Sattler), Hofbauer Hans, Flegel Albert (Elektr.).
Dritte Reihe: Hofbauer Hetta, Kleinwächter Frieda, Weiß Martha, Kammel Frieda, Kleinwächter Hedwig, Raschke Annchen, Hartmann Anna, Hübner Hedwig, Langer Marie, Stief Hedwig, Pusch Lene, Fichtner Hedwig, Langer Anna.
Vierte Reihe: Lorenz Hermann, Hübner Hedwig, Emmler Marie, Kleinwächter Marta, Weiß Grete, Kammel Anna, Hübner Martha, Weiß Liese, Lahmer Berta, Lorenz Anna, Raschke Anna, Emmler Martha, Hartmann Frieda, Hofbauer Magda.

Die Gastronomie:

In Oppau gab es früher 2 Gasthöfe:
1.  Haus Nr. 110                                      Gerichtskretscham (dieses Haus wurde im Jahre 1558 errichtet)
2.  Haus Nr. 124                                     Gasthaus von Emil Weiß

Von rechts: Gerichtskretscham und Warenhaus Taube


(Karte von Frau Roswitha Rueschkamp)

Bildmitte: Haus Nr. 110 - der Gerichtskretscham

 (Besitzer: Alfred Fichtner, später Alfred Kleinwechter) 
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Haus Nr. 124 - Gasthof von Emil Weiß
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Die Geschichte des Gerichtskretschams:

Der Gerichtskretscham wurde im Jahre 1558 von Ignaz Rabe erbaut. Dieses bewies ein Wappen über dem Eingang des Gebäudes. Der Kretscham war Mittelpunkt des Dominial-Vorwerkes des Klosters Grüssau. Mehrere Häuser gehörten zu diesem Vorwerk: 1 Schmiede, Fleischerei, Bäckerei, Malzdörre, Schnapsbrennerei, eine Mangel und eine Öhlmühle. Im Jahre 1810, der Säkularisation, wurden die Ländereien verkauft. Die Gebäude mit den restlichen Feldern wurden 1815 meistbietend versteigert. Klemens Eimann aus Buchwald erwarb den Kretscham. Nachfolger wurde im Jahre 1820 der Oppauer Florian Müller. Dieser veräußerte ihn 1836 an Franz Flegel. 1856 heiratete der aus Reichhennersdorf stammende Franz Fichtner in den Kretscham ein. Aus dieser Ehe gingen 5 Söhne hervor, von denen der eine das Brauhandwerk erlernte (Friedrich Fichtner). 1880 wurde an den Kretscham eine Brauerei angebaut. Fichtner stellte ein erstklassiges Bier her, besonders das Bockbier war weit über die Grenzen Oppaus hinaus bekannt. Aus Krankheitsgründen wurde der Brauereibetrieb jedoch 1910 eingestellt und die Brauereieinrichtung nach seinem Tod im Jahre 1914 verkauft.

1939 erwarb ein Schwiegersohn der Frau Fichtner, der ehemaliger Oppauer Bürgermeister August Hoffmann, die Brauereigebäude für die Gemeinde und ließ diese als Kindergarten ausbauen.

Wappen mit der Jahreszahl über dem Eingang 

(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)

Über der inneren Tür steht neben dem Steinmetzzeichen 
MDLVIII (1558)

(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)

Haus Nr. 15 - Die Mühle (Besitzer: Carl Raschke)

Haus Nr. 15 - Die Mühle (Besitzer: Carl Raschke)

Vor dem Haus Nr. 26 im Jahr 1944
(Bild von Herrn Dr.  Andreas Dr. Reuschel)

Haus Nr. 29 - Kolonialwarengeschäft und Fremdenpension Paul Tiltsch

Vor dem Haus Nr. 73 - Familie Johann Fichtner
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Von rechts: Haus Nr. 79 - Bäckerei Hermann Taube,

 Haus Nr. 110 - Gerichtskretscham

 (Besitzer: Alfred Fichtner, später Alfred Kleinwechter)
(Bild von Herrn Dr.  Andreas Reuschel)

Frieda Krause im Geschäft ihres Vaters, des Fleischermeisters

 Alfred Krause.


(Bild von Frau Heidrun Beuke, übermittelt von
 Frau Roswitha Rueschkamp.)

Handweber in Oppau:

Auch in Oppau gab es früher Handweber. Im Oberdorf befanden sich die Weberhäuser. In der Stube dieser Häuser stand der Webstuhl mit Griffen, Hebeln, Rollen, Tretpedalen und dem Schiffchen. Am Spulrad mussten die Fäden auf Spulen gewickelt werden, damit gewebt werden konnte. Viel Geschick, Aufwand und Mühe waren erforderlich, um die Handweberei zu betreiben. Nach vier Wochen erfolgte die Lieferung. Ein Pferdewagen brachte die fertigen Leinenballen nach Schömberg. Auf dem Rückweg wurde wieder neue Ware mitgebracht.


Die Weberhäuser im Oberdorf
(Bild von Herrn Erich Tiltsch)

Im Weberhaus
(Bild von Herrn Erich Tiltsch)

Bilder aus dem Alltagsleben:

Das folgende Bild zeigt die Freiwillige Feuerwehr am 7. August 1927. Gegründet wurde sie am
1. August 1886.

Ochsengespann auf dem Weg zur Frühjahrsbestellung im Jahr 1942.

Oppau, am Vorwerk auf dem Weg nach Tschöpsdorf
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Oppau, unterhalb der Wiegensteine auf dem Weg zur Kapelle
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Oppau, auf dem Festplatz vor dem Kretscham.

 Kettenkarussel von Prox aus Buchwald bei Liebau.
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Oppau, vor der alten Schule Haus Nr. 88 (Aufnahme: um 1941)

(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Die Oppauer Jugend auf Skiern
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Hochzeit in Oppau, vor der Kirche (Aufnahme: 18.09.1943)
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Hochzeit in Oppau (Aufnahme: 15.07.1929)
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Hochzeit in Oppau 
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Besuch des Generalfeldmarschalls Graf Helmuth von Moltke 

im September 1875 in Oppau

Quelle: 

  • Zeitschrift "Der Wanderer im Riesengebirge, Heft Nr. 6/1911


Während seiner Generalstabsreise in der Zeit vom 2. - 5. September 1875 nach Landeshut kam der Generalfeldmarschall Graf Helmuth von Moltke auf der Durchreise auch nach Oppau. Hier ereignete sich folgender heiterer Zwischenfall, an den sich ältere Bewohner immer wieder gerne erinnerten. Graf von Moltke und ein Teil seiner Begleiter war abgesessen und die Herren gingen zu Fuß den Dorfweg entlang. Sie erkundigten sich nach dem Weg zur böhmischen Grenze. Einer der Adjutanten fragte einen Mann, der in Hemdsärmeln vor der Haustür stand. Es war der Bäcker-schuster, welcher so genannt wurde zum Unterschied von dem Schulschuster. Der Bäckerschuster trat bereitwillig heran, indem er sagte: "Iech will mir  `ne Jacke oziehn, iech gie mite, iech war`s Ihn zeiga". Unterwegs entwickelte sich zwischen dem Adjutanten und dem Schuster u. a. folgendes Gespräch: Sch. "War iis denn da ale Herr vorne?" "Das ist Excellenz Moltke", erwiderte der Adjutant. Sch. "Noo? wu dos woar is, do ho iech  `ne siehr gruße Freede!" Darauf bemühte sich der Schuster an die Seite Seiner Excellenz zu kommen, erfasste seine Hand, sah ihm ins Gesicht und sagte: "Herr Excellenz nam` se miers ock ne übel, de Hand muß iech Ihn gan, asu free iech miech über Sie". Excellenz Moltke amüsierte sich über diese echt schlesische Treuherzigkeit, die ihm von früherem Verkehr mit den Landleuten bekannt war und sagte kurz, aber wohlwollend "Na, na - wer sind Sie denn?" Sch. "Nu iech bien halt der Bäckerschuster!" Excellenz "Also Schuhmacher hier?" Sch. "Joo, aber a gemeener Schuhmacher bin iech nee, wie`s viele hot, iech bin ju au ei der Türkei gewast." Exe. "Wie so denn?" Sch. "Iech ho ju ei Wien gelant, on wor ei a Dreißiger Juhr`n über Belgrad uf Konstantinopel gekumma, iech weeß je Sie sein au durte gewast." Exc. "Ja ich war damals in der Türkei". Sch. "Herr Excellenz ei insem Durfe, wos meine Kunda sein, die sein au goar gescheite Leute. Se kennàs gleba, olle hon se gruße Freede, doß Se gekumma sein, au zwe Offziere sein aus Oppe aus dam Hause durte." Dabei zeigte er auf das Heinzelsche Haus. Exc. "Das ist interessant." Sch. "Nu Herr Excellenz, Se warn se wull kenna, dar eene des woar der versturbene Hauptmann Heinzel, der andre da ies noch Leutnant, da is letzt vo Rendsburg nach Wesel versetzt." Jetzt brach Excellenz das Gespräch ab. Der Schuster begleitete die Offiziere noch bis auf die Höhe an den nach Johannisbad führenden Weg. Bei der Verabschiedung ließ Excellenz dem Schuster einen Taler reichen.

Generalfeldmarschall Graf Helmuth von Moltke

(26.10.1800 - 24.04.1891)

Erdbeben vom 31. Januar 1883:

Am 31. Januar 1883 ereignete sich ein Erdbeben, welches Trautenau mit seiner Umgebung und Braunau erschütterte. Insgesamt waren 117 Orte betroffen, davon lagen 81 im böhmischen Teil Schlesiens und 25 im preußischen Teil. Die Erdstöße waren auch in Oppau zu spüren (s. folgender Zeitungsbericht).

Diesen Zeitungsbericht stellte Frau Roswitha Rueschkamp

 zur Verfügung.