Oppau (Opawa)
(Verfasser: Hella Tegeler)
Oppau liegt im östlichen Riesengebirge am Silberbach. Dieser entspringt oberhalb des Dorfes auf den sogenannten Silberwiesen und mündet unterhalb des Dorfes in den Bober. Es wird über eine Stichstraße von Michelsdorf aus erreicht, die in Kunzendorf endet.
Erstmalig urkundlich erwähnt wird Oppau im Jahre 1374 unter dem Namen "Oppow". Das Gebiet um Oppau gehörte zunächst zu Böhmen und gelangte im 13. Jahrhundert an Herzog Bolko I. Zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz gelangte es 1368 an die Krone Böhmen und gehörte mit Buchwald, Tschöpsdorf und Kunzendorf lehensweise als Witwengut der Marita von Seidlitz, einer Hofmeisterin der Herzogin Agnes. 1378 verkauften Maritas Söhne Hans Schonevogel und Kuncze Hudner Oppau und die anderen genannten Ortschaften mit allen Besitztümern und Rechten dem Zisterzienserkloster Grüssau. Zur Bestreitung der Türkensteuer mussten 1558 Oppau mit Kunzendorf, Tschöpsdorf und Buchwald verpfändet werden. Während der Verpfändungsperiode entwickelte sich in den Dörfern das Luthertum. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Oppau 1742 zusammen mit Schlesien an Preußen. 1810 wurde das Klostergut säkularisert. Nach der Neugliederung Preußens 1815 gehörte Oppau zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Es bildete eine eigene Landgemeinde und war seit 1874 Sitz des Amtsbezirkes Oppau, zu dem auch die Landgemeinden Kunzendorf und Tschöpsdorf gehörten. 1925 lebten 601 Einwohner in Oppau, davon gehörten nur 18 dem evangelischen Glauben an.
Im Ort befindet sich eine katholische Kirche, die zwischen 1687 - 1692 errichtet wurde. Für die evangelischen Einwohner war die zuständige Kirche in Michelsdorf. Heute gehört Oppau zur Landgemeinde Lubawka (Liebau).
Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Lutsch, Hans: Die Kunstdenkmäler des Reg. Bez. Liegntz, Breslau, 1891
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Dr. Reuschel, Andreas: Grüße, von fern und doch ganz nah........., hrg. im Auftrag des Arbeitskreises
Landeshut, April 2013, Roco-Druck GmbH, Wolfenbüttel
- Dr. Reuschel, Andreas: Wie es doaheeme woar............., hrg. im Auftrag des Arbeitskreises
Landeshut, Februar 2016, Roco-Druck GmbH, Wolfenbüttel
- Schlesischer Gebirgsbote
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785
Oppau ca. 1939
(Aus dem Privatbesitz von Herrn Josef Körner, übermittelt von Frau Roswitha Rueschkamp)
Sommerfrische Oppau
(Karte von Frau Roswitha Rueschkamp)
Sommerfrische Oppau
(Karte von Frau Roswitha Rueschkamp)
Blick auf Oppau in Richtung Osten mit dem Ziegenrücken bei Liebau
Oppau mit Blick auf die katholische Kirche
Oppau mit Blick auf die katholische Kirche
Oppau mit Blick auf die katholische Kirche
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)
Blick auf das Oberdorf
(Bild von Herrn Johannes Fichtner)
Winterimpressionen im Dezember 2022
(Bild von Herrn Andreas Kleinwechter)
Winterimpressionen im Dezember 2022
(Bild von Herrn Andreas Kleinwechter)
Oppau mit Blick auf die Kirche
Die katholische Kirchengemeinde:
Die katholische Kirche wurde 1687 - 1692 an der Stelle eines Vorgängerbaus zunächst als Kapelle errichtet und später zur Kirche umgebaut. Am 7. Juni 1905 schlug der Blitz in die Kirche ein und sie brannte bis auf die massiven Mauern nieder. Mit dem Wiederaufbau wurde erst um 1908 begonnen. Für die geschmolzenen Glocken hatte eine Familie aus Kunzendorf eine neue Glocke gespendet. Weihnachten 1910 war die Kirche soweit fertiggestellt, dass sie von Pfarrer Gröbner eingeweiht werden konnte. Die eigentliche Weihe vollzog Kardinal Bertram aus Breslau erst im Mai 1918.
Bericht des Provinzial-Konservators der Kunstdenkmäler der Provinz Schlesien von 1907 - 1908.
Die katholische Pfarrkirche (Aufnahme: vor dem Krieg)
Karte von Frau Roswitha Rueschkamp
Bild von Frau Roswitha Rueschkamp
Die ausgebrannte Pfarrkirche im Jahre 1905.
(Dieses Bild stellte Herr Andrzej Rogas zur Verfügung)
Die katholische Pfarrkirche
Pfarrkirche und Pfarrhaus
(Foto von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Die katholische Pfarrkirche heute
Die katholische Pfarrkirche - Blick zum Altar
Der Hauptaltar
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)
Der Seitenaltar
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)
Die Kanzel
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)
Blick in das Kirchenschiff vom Chor aus.
(Bild von Frau Lienert, übermittelt
von Herrn Johannes Fichtner)
Die Orgel
(Bild von Frau Lienert, übermittelt
von Herrn Johannes Fichtner)
Der Taufstein
(Bild von Frau Lienert, übermittelt
von Herrn Johannes Fichtner)
Der Beichtstuhl
Am 5. Januar 1942 erfolgte durch den damaligen Bürgermeister August Hoffmann die Glockenabnahme. Sie wurden alsdann zur Einschmelzung abtransportiert.
(Bild von Herrn Johannes Fichtner)
Besucher der Oppauer Kirche
(Bild von Frau Heidrun Beuke, übermittelt von Frau Roswitha Rueschkamp)
Die Mariensäule vor der Oppauer Kirche
Seiteneingang der Kirche.
Es handelt sich hier um eine besonders schöne Tür. Das Blatt solcher Türen war zweischichtig. Die tragende Unterlage bestand aus einer senkrechten Brettlage, welche meist durch zwei Gratleisten gefestigt war. Darauf waren profilierte Bretter mit handgeschmiedeten Nägeln aufgebracht, die hier zum Teil bogenförmig angeordnet sind.
(Quelle: Loewe, Ludwig: Schlesische Holzbauten, Werner-Verlag Düsseldorf - 1969)
An der Außenwand der Kirche befinden sich Epitaphien mit Figuren der Verstorbenen. Es handelt sich um: ein Söhnlein Kaspar Hans Rinkers (+ 1584), eine Frau (+ 1603) und ein Mägdlein (+ 1604)
Epitaph an der Außenwand der Kirche
(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)
Epitaph an der Außenwand der Kirche
(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)
Epitaph an der Außenwand der Kirche
(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)
Der Friedhof:
Die Kirche ist von einer Ringmauer aus Bruchsteinen umgeben. Innerhalb dieses Areals liegt auch der Friedhof. An der Mauer befinden sich noch alte Grabsteine aus deutscher Zeit.
Die folgenden neun Bilder stellte Frau Roswitha Rueschkamp zur Verfügung.
Aufgang zum Friedhof.
Blick auf die Ringmauer.
Grabstein der Anna Bauer (13.12.1881 - 24.11.1903) aus Kunzendorf
(s. dort Haus Nr. 4). Ihre Schwester Maria wurde Ordensschwester.
Grabstein des Mühlenbesitzers Carl Raschke (Haus Nr. 15)
Grabstein der Pauline Körner aus Kunzendorf
(07.10.1867 - 28.07.1941)
Grabstein der Frau Bertha Flegel, geb. Winkler
Familiengrabstein des Fabrikanten Franz Rose
aus Kunzendorf
(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)
Winterimpressionen (Dezember 2022)
(Bild von Herrn Andreas Kleinwechter)
Winterimpressionen (Dezember 2022)
(Bild von Herrn Andreas Kleinwechter)
Winterimpressionen (Dezember 2022)
(Bild von Herrn Andreas Kleinwechter)
Gedenktafel für den verstorbenen Herrn
Josef Kleinwechter aus dem Haus Nr. 43.
Er wurde am 6. März 1929 in Oppau geboren und verstarb am 16. Januar 2022 in Niedersachsen.
(Bild von Herrn Andreas Kleinwechter)
Folgende Pfarrer waren für das katholische Kirchspiel Oppau zuständig:
- Pfarrer Alexander Wippler 16.02.1805 - 13.10.1814
- Pfarrer Julian Hainsch ab 1815
- Pfarrer Joseph Schenk bis 28.10.1865
- Pfarrer Gaffron bis 1897
- Pfarrer Arndt 08.04.1897 - 1903
- Administrator Sabisch 25.10.1903 - 22.11.1903
- Pfarrer Gröbner 05.12.1903 - 28.08.1911
- Administrator Feige bis 18.10.1911
- Pfarrer Haase 22.10.1911 - 21.05.1945
- Pfarrer Stief 16.09.1945 - 15.04.1946
Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",
Heft Nr. 90/1865.
Taufbescheinigung vom 24. Oktober 1923, ausgestellt
von Pfarrer Alfons Haase.
Dieses Dokument stellte Frau Roswitha Rueschkamp zur Verfügung.
Zur Erinnerung an Pfarrer Alfons Haase wurde am 28. Juni 1997 eine Gedenktafel an der Kirchenmauer angebracht. Die feierliche Einweihung fand nach dem Gottesdienst statt. Pfarrer Haase verstarb am 1. September 1945 im Gefängnis der polnischen Miliz in Landeshut an den Folgen körperlicher Misshandlungen.
Pfarrer Alfons Haase (06.06.1878 - 01.09.1945)
(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)
Die Gedenktafel
Nach Pfarrer Haases Tod kam Pfarrer Joseph Stief nach Oppau, um die Gemeinde zu betreuen. Zuvor war er als Pfarrer in Grüssau tätig gewesen. Er übernahm die Beisetzung des verstorbenen und sehr beliebten Pfarrers Haase am 6. September 1945 auf dem Oppauer Friedhof. Gemeinsam mit seiner Gemeinde wurde er am 17.05.1946 aus Oppau vertrieben und kam nach Syke in Niedersachsen. Später ging er nach Bassum und gründete hier die katholische St. Ansgar-Gemeinde. Er verstarb im Jahr 1957.
Das Bild stellte Frau Erika Mitschke aus Münster zur Verfügung.
Die Gefallenen des 1. Weltkrieges:
Das Kriegerdenkmal
Das St. Hedwigsstift:
Das St. Hedwigsstift war eine Niederlassung der Grauen Schwestern.
Diese Ordensgemeinschaft wurde 1842 in Neisse (Schlesien) von vier Frauen gegründet. Aufgabe der Gemeinschaft war die ambulante Krankenpflege, später kamen auch die stationäre Pflege in Krankenhäusern und andere sozial-karitative Dienste hinzu. Das Mutterhaus befand sich zunächst in Neisse, wurde aber 1890 nach Breslau verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es durch die Vertreibung der deutschen Schwestern nach Reinbek bei Hamburg. 1974 nahm die Generalleitung ihren Sitz in Rom. Die anfangs volkstümliche Bezeichnung "Graue Schwestern", die auf die Farbe der von den ersten Schwestern getragenen Kleidung zurückgeht, war bis 1968 der offizielle Name der Gemeinschaft. Danach wurde der Name geändert in Kongregation der Schwestern von der heiligen Elisabeth.
Die ersten beiden Elisabethschwestern wurden am 18. Januar 1898 mit einem Gottesdienst in Oppau eingeführt. Sie wohnten zunächst in einer Mietwohnung und bezogen am 20. November 1899 das neu erbaute St.Hedwigstift.
Das St. Hedwigsstift
Das St. Hedwigsstift - heute
Das St. Hedwigsstift im Dezember 2022
(Bild von Herrn Andreas Kleinwechter)
An der Kirche ist eine Gedenktafel angebracht, die an zwei Schwestern erinnern soll, die im St. Hedwigsstift aufopfernd ihren Dienst versahen. Im Hauptbuch der Schwestern von der heiligen Elisabeth (Provinzhaus Berlin) findet sich ein kurzer Lebenslauf:
Sr. M. Hildegundis (Theresia) Puff, geboren am 30.03.1850 in Riemertsheide, Kreis Neisse (Schlesien). Eltern: Josef und Maria waren "Häusler".
Eintritt am 02.01.1871, Einkleidung am 09.03.1872, Erstprofess 14.04.1883, Ewigprofess 30.04.1893
(die langen Zwischenräume haben vermutlich etwas mit dem Kulturkampf zu tun), verstorben am 05.08.1915 in Oppau.
Sr. M. Isidora (Elisabeth) Gerigk, geboren am 07.02.1870 in Benern, Kreis Heilsberg (Ostpreußen).
Eltern: Josef und Magdalena waren "Hausgutbesitzer".
Eintritt am 24.10.1894, Einkleidung am 25.04.1895, Erstprofess 09.08.1897, Ewigprofess 15.08.1906., verstorben am 21.09.1944 in Oppau.
Die Schule:
Das Schulgebäude (Aufnahme: vor dem Krieg)
Das Schulgebäude (Aufnahme: 1988)
Im Hintergrund das Schulgebäude
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Schülerinnen und Schüler mit ihrem Lehrer Otto Ullbricht (ca. 1935)
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Klassenlehrer dieser Schulklasse war Otto Ullbricht.
(Bild von Herrn Andreas Kleinwechter)
Aufnahme der Schülerinnen und Schüler, die zwischen 1905 und 1914 geboren wurden, sowie der Lehrer Kantor Hofbauer und Lehrer Günther.
Obere Reihe: Taube, Hermann, Raschke Joseph, Bienert Hubert, Flegel Wilhelm, Taube Paul, Raschke Gustav, Fichtner Johann, Weiß Joseph, Meiwald ?, Exner Karl, Flegel Albert (Tischler), Exner Reinhold, Fichtner Klemens.
Zweite Reihe: Pusch Paul, Lehrer Günther, Hübner Artur, Lahmer Joseph, Weiß Artur, Pusch Albert, Pusch Robert, Taube Hugo, Scharf Joseph, Langer Alois, Raschke Alois, Emmler Joseph, Emmler August, Emmler Joseph (Schafberg), Flegel Joseph (Sattler), Hofbauer Hans, Flegel Albert (Elektr.).
Dritte Reihe: Hofbauer Hetta, Kleinwechter Frieda, Weiß Martha, Kammel Frieda, Kleinwechter Hedwig, Raschke Annchen, Hartmann Anna, Hübner Hedwig, Langer Marie, Stief Hedwig, Pusch Lene, Fichtner Hedwig, Langer Anna.
Vierte Reihe: Lorenz Hermann, Hübner Hedwig, Emmler Marie, Kleinwechter Marta, Weiß Grete, Kammel Anna, Hübner Martha, Weiß Liese, Lahmer Berta, Lorenz Anna, Raschke Anna, Emmler Martha, Hartmann Frieda, Hofbauer Magda.
Schulausflug im Jahre 1939 nach Bober
Vor dem Gasthaus Scharm
Von links: Werner Gläser, Alfred Taube, Hermann Winkler, Georg Koch, Alfons Martin, Paul Winkler, Arthur Hübner, Heinz Kammel, Arthur Erbe, Lehrer Ulbrich, Gotthard Taube, Klemens Taube, Johannes Kammel, Gastwirt Scharm, Herbert Kleinwechter, Günter Weiß, Hannelore Rose, Ursula Flegel, Hauswirtin von Lehrer Ulbrich, Gisela Ulbrich, Gerhard Kammel, Martha Kleinwechter, Margaretha Patzak, Hedwig Kleinwechter, Maria Taube, Horst Ulbrich, Hildegard Fichtner, Josef Kleinwechter, Alfred Pfeil, Margot Brückner, Anna Kleinwechter, Heinrich Seak, Ursula Hoffmann, Elisabeth Flegel, Klemens Hübner, Arthur Weiß, Elisabeth Hoffmann, Adelheid Gläser, Anna Ullrich, Elisabeth Bienert, Edeltraud Emmler, Anneliese Reich, Hedwig Raschke, Edeltraut Taube, Johanna Kleinwechter, Anna Fichtner, Helene Fichtner, Rosemarie Weiß, Theresia Raschke, Johanna Flegel, Helene Aust.
Schulausflug im Jahre 1939 nach Schatzlar
Die Gastronomie:
In Oppau gab es früher 2 Gasthöfe:
1. Haus Nr. 110 Gerichtskretscham (dieses Haus wurde im Jahre 1558 errichtet)
2. Haus Nr. 124 Gasthaus von Emil Weiß
Von rechts: Gerichtskretscham und Warenhaus Taube
(Karte von Frau Roswitha Rueschkamp)
Bildmitte: Haus Nr. 110 - der Gerichtskretscham
(Besitzer: Alfred Fichtner, später Alfred Kleinwechter)
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Haus Nr. 124 - Gasthof von Emil Weiß
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Die Geschichte des Gerichtskretschams:
Der Gerichtskretscham wurde im Jahre 1558 von Ignaz Rabe erbaut. Dieses bewies ein Wappen über dem Eingang des Gebäudes. Der Kretscham war Mittelpunkt des Dominial-Vorwerkes des Klosters Grüssau. Mehrere Häuser gehörten zu diesem Vorwerk: 1 Schmiede, Fleischerei, Bäckerei, Malzdörre, Schnapsbrennerei, eine Mangel und eine Öhlmühle. Im Jahre 1810, der Säkularisation, wurden die Ländereien verkauft. Die Gebäude mit den restlichen Feldern wurden 1815 meistbietend versteigert. Klemens Eimann aus Buchwald erwarb den Kretscham. Nachfolger wurde im Jahre 1820 der Oppauer Florian Müller. Dieser veräußerte ihn 1836 an Franz Flegel. 1856 heiratete der aus Reichhennersdorf stammende Franz Fichtner in den Kretscham ein. Aus dieser Ehe gingen 5 Söhne hervor, von denen der eine das Brauhandwerk erlernte (Friedrich Fichtner). 1880 wurde an den Kretscham eine Brauerei angebaut. Fichtner stellte ein erstklassiges Bier her, besonders das Bockbier war weit über die Grenzen Oppaus hinaus bekannt. Aus Krankheitsgründen wurde der Brauereibetrieb jedoch 1910 eingestellt und die Brauereieinrichtung nach seinem Tod im Jahre 1914 verkauft.
1939 erwarb ein Schwiegersohn der Frau Fichtner, der ehemaliger Oppauer Bürgermeister August Hoffmann, die Brauereigebäude für die Gemeinde und ließ diese als Kindergarten ausbauen.
Steinmetzzeichen
(Quelle: Zeitschrift für Geschichte und Alterthum Schlesiens,
Fünfter Band, Erstes Heft, 1863)
Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 13/1837
Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 73/1857
Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 23/1858
Wappen mit der Jahreszahl über dem Eingang
(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)
Über der inneren Tür steht neben dem Steinmetzzeichen
MDLVIII (1558)
(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme: 2005)
Der frühere Gerichtskretscham (Aufnahme: 2006)
Ruine des früheren Gerichtskretschams.
(Aufnahme: 2019)
Ruine des früheren Gerichtskretschams.
(Aufnahme: 2019)
Das Vorwerk:
Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 34/1872
Die Geschichte der Raschke-Mühle
Haus Nr. 15 - Die Mühle (Besitzer: Carl Raschke)
Haus Nr. 15 - Die Mühle (Besitzer: Carl Raschke)
Familie Raschke vor der Mühle
Haus Nr. 36 - Familie Wilhelm Raschke
(Aufnahme: 1938)
Wilhelm Raschke war ein Sohn des Mühlenbesitzers Carl Raschke.
Vor dem Haus Nr. 26 im Jahr 1944
(Bild von Herrn Dr. Andreas Dr. Reuschel)
Haus Nr. 29 - Kolonialwarengeschäft und Fremdenpension Paul Tiltsch
Vor dem Haus Nr. 73 - Familie Johann Fichtner
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Von rechts: Haus Nr. 79 - Bäckerei Hermann Taube,
Haus Nr. 110 - Gerichtskretscham
(Besitzer: Alfred Fichtner, später Alfred Kleinwechter)
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Das Haus des Fleischermeisters Alfred Krause.
Frieda Krause im Geschäft ihres Vaters, des Fleischermeisters Alfred Krause.
(Bild von Frau Heidrun Beuke, übermittelt
von Frau Roswitha Rueschkamp)
Handweber in Oppau:
Auch in Oppau gab es früher Handweber. Im Oberdorf befanden sich die Weberhäuser. In der Stube dieser Häuser stand der Webstuhl mit Griffen, Hebeln, Rollen, Tretpedalen und dem Schiffchen. Am Spulrad mussten die Fäden auf Spulen gewickelt werden, damit gewebt werden konnte. Viel Geschick, Aufwand und Mühe waren erforderlich, um die Handweberei zu betreiben. Nach vier Wochen erfolgte die Lieferung. Ein Pferdewagen brachte die fertigen Leinenballen nach Schömberg. Auf dem Rückweg wurde wieder neue Ware mitgebracht.
Die Weberhäuser im Oberdorf
(Bild von Herrn Erich Tiltsch)
Im Weberhaus
(Bild von Herrn Erich Tiltsch)
Oppauer Gewerbetreibende
Auszug aus dem Amtlichen Adressbuch für Industrie, Handel und Gewerbe des Jahres 1927.
Bilder aus dem Alltagsleben:
Das folgende Bild zeigt die Freiwillige Feuerwehr am 7. August 1927. Gegründet wurde sie am
1. August 1886.
Mit dem Ochsengespann auf dem Weg zur Frühjahrsbestellung
im Jahr 1942.
In Oppau im Jahre 1944
In Oppau im Jahre 1944
Oppau, am Vorwerk auf dem Weg nach Tschöpsdorf
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Oppau, unterhalb der Wiegensteine auf dem Weg zur Kapelle
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Oppau, auf dem Festplatz vor dem Kretscham.
Kettenkarussel von Prox aus Buchwald bei Liebau.
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Oppau, vor der alten Schule Haus Nr. 88 (Aufnahme: um 1941)
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Die Oppauer Jugend auf Skiern
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Josef Kleinwechter aus dem Haus Nr. 43
(Bild von Herrn Andreas Kleinwechter)
Hochzeit in Oppau (Aufnahme: 15.07.1929)
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Hochzeit in Oppau (Aufnahme: 09.07.1938)
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Hochzeit in Oppau, vor der Kirche
(Aufnahme: 18.09.1943)
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)
Besuch des Generalfeldmarschalls Graf Helmuth von Moltke
im September 1875 in Oppau
Quelle:
- Zeitschrift "Der Wanderer im Riesengebirge, Heft Nr. 6/1911
Während seiner Generalstabsreise in der Zeit vom 2. - 5. September 1875 nach Landeshut kam der Generalfeldmarschall Graf Helmuth von Moltke auf der Durchreise auch nach Oppau. Hier ereignete sich folgender heiterer Zwischenfall, an den sich ältere Bewohner immer wieder gerne erinnerten. Graf von Moltke und ein Teil seiner Begleiter war abgesessen und die Herren gingen zu Fuß den Dorfweg entlang. Sie erkundigten sich nach dem Weg zur böhmischen Grenze. Einer der Adjutanten fragte einen Mann, der in Hemdsärmeln vor der Haustür stand. Es war der Bäcker-schuster, welcher so genannt wurde zum Unterschied von dem Schulschuster. Der Bäckerschuster trat bereitwillig heran, indem er sagte: "Iech will mir `ne Jacke oziehn, iech gie mite, iech war`s Ihn zeiga". Unterwegs entwickelte sich zwischen dem Adjutanten und dem Schuster u. a. folgendes Gespräch: Sch. "War iis denn da ale Herr vorne?" "Das ist Excellenz Moltke", erwiderte der Adjutant. Sch. "Noo? wu dos woar is, do ho iech `ne siehr gruße Freede!" Darauf bemühte sich der Schuster an die Seite Seiner Excellenz zu kommen, erfasste seine Hand, sah ihm ins Gesicht und sagte: "Herr Excellenz nam` se miers ock ne übel, de Hand muß iech Ihn gan, asu free iech miech über Sie". Excellenz Moltke amüsierte sich über diese echt schlesische Treuherzigkeit, die ihm von früherem Verkehr mit den Landleuten bekannt war und sagte kurz, aber wohlwollend "Na, na - wer sind Sie denn?" Sch. "Nu iech bien halt der Bäckerschuster!" Excellenz "Also Schuhmacher hier?" Sch. "Joo, aber a gemeener Schuhmacher bin iech nee, wie`s viele hot, iech bin ju au ei der Türkei gewast." Exe. "Wie so denn?" Sch. "Iech ho ju ei Wien gelant, on wor ei a Dreißiger Juhr`n über Belgrad uf Konstantinopel gekumma, iech weeß je Sie sein au durte gewast." Exc. "Ja ich war damals in der Türkei". Sch. "Herr Excellenz ei insem Durfe, wos meine Kunda sein, die sein au goar gescheite Leute. Se kennàs gleba, olle hon se gruße Freede, doß Se gekumma sein, au zwe Offziere sein aus Oppe aus dam Hause durte." Dabei zeigte er auf das Heinzelsche Haus. Exc. "Das ist interessant." Sch. "Nu Herr Excellenz, Se warn se wull kenna, dar eene des woar der versturbene Hauptmann Heinzel, der andre da ies noch Leutnant, da is letzt vo Rendsburg nach Wesel versetzt." Jetzt brach Excellenz das Gespräch ab. Der Schuster begleitete die Offiziere noch bis auf die Höhe an den nach Johannisbad führenden Weg. Bei der Verabschiedung ließ Excellenz dem Schuster einen Taler reichen.
Generalfeldmarschall Graf Helmuth von Moltke
(26.10.1800 - 24.04.1891)
Gedenkstein im Oberdorf:
Dieser Stein wurde im Jahr 1850 errichtet.
Die Bilder stellte Herr Tilman Taube zur Verfügung (Aufnahme: 2005)
Erdbeben vom 31. Januar 1883:
Am 31. Januar 1883 ereignete sich ein Erdbeben, welches Trautenau mit seiner Umgebung und Braunau erschütterte. Insgesamt waren 117 Orte betroffen, davon lagen 81 im böhmischen Teil Schlesiens und 25 im preußischen Teil. Die Erdstöße waren auch in Oppau zu spüren (s. folgender Zeitungsbericht).
Diesen Zeitungsbericht stellte Frau Roswitha Rueschkamp
zur Verfügung.