Blasdorf bei Liebau in Schlesien (Blazkowa)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Blasdorf bei Liebau gehört heute zur Landgemeinde Lubawka (Liebau). Bis 1928 gliederte sich der Ort in Nieder Blasdorf und Ober Blasdorf.

Nieder Blasdorf am Bober, herrlich gelegen zwischen dem Scholzen- und dem Lerchenberg, war früher Bahnstation der Strecke Landeshut-Liebau. Der Ort wurde 1399 unter dem Namen "Blasiansdorff" gegründet und wechselte im Laufe der Jahre mehrfach den Besitzer:

-  1740                 Baron von Zedlitz
-  um 1783           Baron von Langenthal
-        -                  Kammerherr von Heinen

Zuständiges Kirchspiel sowohl für die katholische als auch für die evangelische Bevölkerung war Liebau. Dagegen verfügte Nieder Blasdorf über ein eigenes Standesamt. Einwohnerzahl: 1910 = 238 (davon 150 evangelisch).

Ober Blasdorf liegt nördlich von Liebau im engen Tal zwischen ziemlich hohen Bergen und wird durch den Bober in fast zwei gleich Teile geteilt. Die Gründung des Ortes geht auf das Jahr 1292 zurück. Damals führte Ober Blasdorf den Namen "Blaseisdorf" und gehörte dem Kloster Grüssau. Zuständiges Kirchspiel für beide Konfessionen war Liebau. Das Standesamt befand sich in Buchwald. Einwohnerzahl: 1910 = 154 (davon 57 evangelisch). Am 30.09.1928 erfolgte der Zusammenschluss der Gemeinde Nieder Blasdorf und des Gutsbezirkes Nieder Blasdorf sowie der Gemeinde Ober Blasdorf zur neuen Landgemeinde Blasdorf bei Liebau in Schlesien. Ca. 37 % der Bewohner war landwirtschaftlich tätig. 15 % betrieben einen Handel oder ein Gewerbe und 20 % waren in der sonstigen Industrie beschäftigt.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatsche Buchhandlung Breslau 1938
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Blick auf Blasdorf mit dem Bahnhof rechts im Bild

Der Bahnhof

Das Kriegerdenkmal:

Die Scholtisei:

Vorbemerkung:
Quelle:

  • Von Lutterotti, Nikolaus: Die Scholtiseien der Grüssauer Stiftsdörfer im Kreise Landeshut um 1400 in: Heimatkalender des Kreises Landeshut/Schl. 1927, herausgegeben von Kreisausschuß-Sekretär Hornig Landeshut 1. Jahrgang - Druck: Schlesierverlag L. Heege, Schweidnitz


Zu den kostbarsten Stücken des Grüssauer Klosterarchivs gehört ein auf Pergament geschriebenes Zinsregister des Klosters, das um das Jahr 1400 entstanden ist. Dieses Zinsregister enthält u. a. auch wertvolle Angaben über die Geschichte der Scholtiseien des Kreises Landeshut. In der Kolonisationszeit warben Unternehmer, auch Lokatoren genannt, im Auftrag des Grundherren Kolonisten aus dem deutschen Westen an und siedelten dieselben in bereits bestehenden slawischen Dörfern oder auf Neurodungen an. Als Entgelt für ihre Bemühungen erhielten diese Lokatoren in der neuen Siedlung ein Stück Land, das frei war von jeder Abgabe an den Grundherren. Nur im Kriegsfalle waren manche von ihnen zur Heeresfolge mit einem Roß verpflichtet. Dieser herzogliche Roßdienst wurde später vom Landesfürsten öfters dem Kloster geschenkt, so dass er in Kriegszeiten dem Abt geleistet wurde. Das Ansehen, dass der Lokator durch seine Steuerfreiheit und seinen größeren Besitz besaß, sicherte ihm und seinen Nachkommen eine hervorgehobene Rolle im Dorfe zu. Als "Scholze" wurde er das Dorfoberhaupt und die berufene Mittlerperson im Verkehr mit dem Grundherren. Oft erweiterte er seinen Grundbesitz durch Erbschaft und Käufe. für diesen Zuwachs musste er aber Zins und Dienste leisten wie die anderen Dorfbewohner. Nur das Stammgut blieb steuerfrei. Es wurde als eine Art Lehen angesehen. Ohne Genehmigung des Abtes konnte es nicht veräußert werden. Bei Besitzwechsel zog der Abt für die Weitergewährung der Privilegien eine Abgabe von 10 Proz., das Laudemium, ein. Um die Oberhoheit des Abtes anzuerkennen, mussten die Scholzen auch von ihrem steuerfreien Stammgut einen kleinen, sinnbildlichen Anerkennungszins entrichten. Meist waren sie verpflichtet, sich zweimal im Jahr dem Abt mit einem kleinen Geschenk vorzustellen, das bald näher bestimmt, bald ihrem Belieben überlassen war. Man nannte das "den Herrn Abt ehren = honorare Dominum Abbatem".

Die Scholzen hatten auch die Niedergerichtsbarkeit (judicium) und die Niedervogtei (advocatis) in ihrem Dorfe. Zur niederen Gerichtsbarkeit gehörten die Fälle, die heute der Schiedsmann schlichtet. Vor der niederen Vogtei wurden Käufe und Verträge abgeschlossen. Manche Scholzen besaßen das Jagdrecht auf Hasen und Federwild. Sie waren dann zu Wildbrettlieferungen an das Stift verpflichtet.

Nach dem Zinsregister aus dem Jahr 1400 wurden von der Ober-Blasdorfer Scholtisei folgende Leistungen an den Abt geleistet:
Der Scholze hatte ein Gut "am Berge" dazu geerbt, für das er zu Michaelis 3 Groschen zinste. Die Niedergerichtsbarkeit und Niedervogtei stand beim Rat und Vogt zu Liebau. Ehrengeschenke wurden keine gefordert.

Namentliche Aufstellung der Scholzen in Ober-Blasdorf:

(Quelle)

  •  Taube, Tilmann: Die bäuerliche Führungsschicht im Grüssauer Klosterland von ca. 1550 bis  

         1750,  Selbstverlag 2003

Die Besitzerfolge stellt sich ab ca. 1550 wie folgt dar:
I.       Generation:      Georg Hoffmann             1595 Erb- und Gerichtsscholze (EuGS)  (1 Hufe Land)
II.      Generation:      Michel Drescher              EuGS  ca. 1620
III.     Generation:      Hans Fichtner                  EuGS 1676
                                   (Bemerkung: laut Urbar von 1676: zu diesem Zeitpunkt besitzt ein Hans Fichter 
                                   noch ein weiteres Gut von 6 Ruthen im Dorf. Es könnte sich um den gleichen
                                   Hans Fichtner handeln. In diesem Falle hätte die bewirtschaftete Fläche 1676 
                                   18 Ruthen betragen.)


Pächter des Gutes waren in der Neuzeit Alexander Kirsch, danach Alfred Hönig und zuletzt Otto Taube.

Namentliche Aufstellung der Scholzen in Nieder-Blasdorf:
Im Kirchenbuch Landeshut werden einige Scholzen von Blasdorf genannt. Da sie nicht in die anderen Orte dieses Namens passen, vermutet Tilmann Taube, dass es sich um Scholzen von Nieder-Blasdorf handelt.
I.        Generation:       Jacob Weihrauch           als Scholze von Blasdorf genannt 1619 - 21
II.       Generation:       Michel Weihrauch         als Scholze von Blasdorf genannt 1625

Das Dominium

Das Dominium heute

Die Gastronomie:

In Blasdorf gab es früher 4 Gasthöfe:

  • Nieder Blasdorf:

       1.  Haus Nr.    5  (alte Nr.: 18)                                    Der "Gerichtskretscham"
       2. Haus  Nr. 43                                                           Gasthof von Heinrich Vogt, später Gustav
                                                                                           Knittel und zuletzt Ernst Frey
       3.  Haus Nr.: 104  (alte Nr.: 2)                                    Gasthof "Zur Brauerei"

  • Ober Blasdorf:

       1.  Haus Nr. 10 a                                                          Gasthof "Zum Landhaus"

Der "Gerichtskretscham"  (Nieder Blasdorf)

(Besitzer: Karl Scholz, danach Emma Scholz, zuletzt Alfred Müller)

Das Gasthaus "Zum Landhaus"  (Ober Blasdorf)

(Besitzer: Karl Rabe, danach August Konrad)

Im Adressbuch von 1938 wird dieser Gasthof nicht mehr aufgeführt.

Gasthof "Zur Brauerei"  (Nieder Blasdorf)
(Besitzer: Fritz Pätzold)

Gasthof "Zur Brauerei"  (Nieder Blasdorf)
(Besitzer: Fritz Pätzold)

Das Kolonialwarengeschäft von Hermann Brückner:

Kolonialwarengeschäft Hermann Brückner
(Bild von Herrn Schleuder)

Frau Brückner mit Mitarbeiterinnen
(Bild von Herrn Schleuder)

Auf dem folgenden Foto ist das Haus Nr. 19 der Familie Lorenz abgebildet.

Die Schule:

Die evangelische Schule im Winter

Schülerinnen und Schüler mit ihrem Lehrer Andreß vor der Schule

Lehrer Oswald Pohl mit Familie

Lehrerwohnung im Schulgebäude - Die Bauernstube

Flur der Lehrerwohnung

Flur der Lehrerwohnung

Hausflur im 1. Stock der Lehrerwohnung

Treppenaufgang zum Bodenraum

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge", Heft Nr. 27/1842.