Ullersdorf (Ulanowice)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quelle:
Heimatbuch des Kreises Landeshut in Schlesien, hrg. von E. Kunick, Landeshut 1929
Patschovsky, Wilhelm in: Schlesischer Gebirgsbote Nr. 10 - 12/2003 und 1 - 3/2004

Im Rahmen einer Verwaltungsreform wurde am 1. Januar 1936 Ullersdorf in die Stadt Liebau eingemeindet.

Der Ort liegt 2 km von Liebau entfernt an der Liebau-Schömberger Chaussee. Ullersdorf hat sein Entstehen, wie viele andere Orte im Kreise Landeshut, dem Kloster Grüssau zu verdanken und dürfte ca. 1643 gegründet worden sein. Die damalige Ortsbezeichnung lautete "Ulrichsdorf". Ullersdorf war eine überaus beliebte Sommerfrische. Bereits den Äbten des Grüssauer Klosters diente der Ort als Sommerresidenz. 
Ullersdorf hatte 1925 = 92 Einwohner, davon waren 39 evangelisch.

Sommerfrische Ullersdorf - Der Blick geht über Liebau und dann Buchwald hinaus in das Goldbachtal. Weit im Hintergrund in der Mitte ragt die Schneekoppe empor. 
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Ullersdorf - Die obere Dorfpartie

Ullersdorf mit Blick auf die 14 Nothelferkirche

Blick auf Ullersdorf

Die katholische Wallfahrtskirche "14-Nothelfer"

Die erste Kapelle soll in Ullersdorf bereits im 15. Jahrhundert errichtet worden sein. Über die Entstehung dieser Kapelle gibt es unterschiedliche Versionen, die jedoch nicht durch Unterlagen belegt sind.

1. Version:
Das Ullersdorfer Tal, etwas abseits von der Heerstraße gelegen, war gut geeignet, einigen Offizieren, die im Hussitenkrieg (1426) von den sie verfolgenden Feinden arg bedrängt wurden, einen Zufluchtsort zu bieten, so dass sie dem sicheren Tode glücklich entrannen. Zum Dank für die Rettung aus solcher Not soll nach einer alten Sage im Auftrage der Geretteten von den Zisterziensermönchen des Klosters Grüssau in dem bezeichneten Tal eine kleine Kapelle zu Ehren der heiligen 14 Nothelfer an der Stelle erbaut worden sein, an der jetzt die Nothelferkirche steht.

2. Version:
Im 15. Jahrhundert wütete die Pest u. a. auch im Schlesierland. Bei Krankheiten, sowohl der Menschen als auch der Tiere, werden die 14 Nothelfer um ihre Fürbitte angerufen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass es die Pest war, die Veranlassung gab, zu Ehren der 14 Nothelfer eine kleine Kapelle zu errichten.

Urkundlich nachweisbar ist aber, wann die jetzige Nothelferkirche errichtet worden ist. Abt Bernhard Rosa ließ im Jahre 1686 an Stelle der kleinen Kapelle eine neue Kirche erbauen, welche am 22. Januar 1687 feierlich eingeweiht worden ist. Unter Abt Dominikus Geyer wurde sie 1723 von Kaspar Jentsch durch einen Neubau ersetzt, da sie dem Zustrom der Pilger nicht mehr genügte. Der Hauptaltar mit der Darstellung der 14 Nothelfer ist ein Werk des Bildhauers Georg Schrötter. Abt Petrus Keylich ließ 1791 neben der Wallfahrskirche ein kleines Sommerschloss für die Grüssauer Äbte erbauen. Nach der Säkularisation übernahm die Königliche Oberförsterei das Anwesen.

Ullersdorf - Wallfahrtskirche "14-Nothelfer"

Ullersdorf - Die Königliche Oberförsterei

Die Wallfahrtskirche "14-Nothelfer" heute

Der Hauptaltar mit der Darstellung der 14 Nothelfer

Gastronomie:

In Ullersdorf gab es früher 4 Gast- und Logierhäuser:
1.  Haus Nr. 1                                 Logierhaus "Waldfrieden"
2.  Haus Nr. 4                               Gasthaus "Zur Schweizerei"
3.  Haus Nr. 23                             Gerichtskretscham "Zum Grünen Wald"
4.                                                   Gast- und Logierhaus "Hubertus"

Haus Nr. 1 (1925) - Logierhaus "Waldfrieden" (Besitzerin: Bertha Gebel)

Haus Nr. 1 (1925) - Logierhaus "Waldfrieden" (Besitzerin; Bertha Gebel)

Haus Nr. 4 (1925) - Gasthof "Zur Schweizerei" 

(Besitzer: Aldolf Wennrich, später Alwine Wennrich)

Links: Gasthof "Zur Schweizerei", 

rechts: Gast- und Logierhaus "Hubertus"

Haus Nr. 23 (1925) - Gast- und Logierhaus "Zum Grünen Wald"

1911 war Richard Reuner Besitzer des Gerichtskretschams "Zum Grünen Wald". Später erwarb Kaspar Nowara, der Schwiegervater von Edelhard Rock, das Gasthaus.

Haus Nr. 23 (1925) - Gast- und Logierhaus "Zum Grünen Wald"

Von links: Logierhaus "Waldfrieden", in der Mitte "Gast- und Logierhaus "Zum Grünen Wald", links "Gast- und Logierhaus "Hubertus"

Erntedankfest in Ullersdorf:

Der Nachtwächter in seinem Schafspelz und mit Spieß und Laterne führte die Musikkapelle des Erntedankzuges in Ullersdorf an.

Der Erntekönigin im Festzug des Ullersdorfer Erntedankfestes.

Bäuerinnengruppe mit Backzeug und Milcheimern im Festzug des Ullersdorfer Erntedankfestes.

Die Dorfjugend trug den Erntekranz durch die festlich geschmückten Dorfstraßen von Ullersdorf.

Die Giller - Skisprungschanze:

Sie wurde in den Jahren 1924 - 1925 als Doppelschanze errichtet und im Januar 1926 unter Beteiligung vieler in- und ausländischer Skisportler feierlich eingeweiht. Erbauer war der damalige Oberpostmeister Giller. Die große Schanze ermöglichte Sprünge bis zu 65 m, die angebaute kleine Jugendschanze solche bis zu 35 m. Sie galt damals als die wohl größte Sprungschanze im Riesengebirge.

Die Giller-Skisprungschanze

Wintervergnügen an der Skisprungschanze