Ullersdorf (Ulanowice)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quelle:

  • Heimatbuch des Kreises Landeshut in Schlesien, hrg. von E. Kunick, Landeshut 1929
  • Patschovsky, Wilhelm in: Schlesischer Gebirgsbote Nr. 10 - 12/2003 und 1 - 3/2004
  • Von Lutterotti, Nikolaus: Die Scholtiseien der Grüssauer Stiftsdörfer im Kreise Landeshut um 1400 in: Heimatkalender des Kreises Landeshut/Schl. 1927, herausgegeben von Kreisausschuß-Sektretär Hornig Landeshut 1. Jahrgang - Druck: Schlesierverlag L. Heege, Schweidnitz


Im Rahmen einer Verwaltungsreform wurde am 1. Januar 1936 Ullersdorf in die Stadt Liebau eingemeindet.

Der Ort liegt 2 km von Liebau entfernt an der Liebau-Schömberger Chaussee. Ullersdorf hat sein Entstehen, wie viele andere Orte im Kreise Landeshut, dem Kloster Grüssau zu verdanken. Da der Ort bereits im Zinsregister des Klosters Grüssau aus dem Jahre 1400 namentlich aufgeführt wird, dürfte er bereits vor 1400 gegründet worden sein. Die damalige Ortsbezeichnung lautete "Ulrichsdorff". Ullersdorf war eine überaus beliebte Sommerfrische. Bereits den Äbten des Grüssauer Klosters diente der Ort als Sommerresidenz. 
Ullersdorf hatte 1925 = 92 Einwohner, davon waren 39 evangelisch.

Auszug aus dem Zinsregister des Jahres 1400 mit der ältesten urkundlichen Erwähnung von Ullersdorf (Ulrichsdorff)

Nach dem Zinsregister wird noch keine Scholtisei erwähnt. Die Abgaben der Bauern lassen den Schluss zu, es handle sich um eine verhältnismäßig junge Siedlung. Die Leistungen bestehen noch nicht in Geldzinsen, sondern in Hühnern, Mohnsamen, Käse, Eiern und Pflugdiensten auf dem Dominial.

Sommerfrische Ullersdorf - Der Blick geht über Liebau und dann Buchwald hinaus in das Goldbachtal. Weit im Hintergrund in der Mitte ragt die Schneekoppe empor. 
(Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel)

Ullersdorf - Die obere Dorfpartie

Blick auf Ullersdorf

Blick auf Ullersdorf

Ullersdorf mit Blick auf die 14 Nothelferkirche

Blick auf Ullersdorf

Blick auf Ullersdorf
(Karte von Herrn Roman Grochalski,
 Jelcz-Laskowice / Jeltsch-Laskowitz)

Ullersdorf um 1910
(Karte von Herrn Roman Grochalski,
Jelcz-Laskowice / Jeltsch-Laskowitz)

Blick auf Ullersdorf - Am Lindenweg
(Bild von Herrn Roman Grochalski, Jelcz-Laskowice (Jeltsch-Laskowitz)

Blick auf Ullersdorf - Am Lindenweg - heute
(Bild von Herrn Roman Grochalski, Jelcz-Laskowice (Jeltsch-Laskowitz)

Die katholische Wallfahrtskirche "14-Nothelfer"

Die erste Kapelle soll in Ullersdorf bereits im 15. Jahrhundert errichtet worden sein. Über die Entstehung dieser Kapelle gibt es unterschiedliche Versionen, die jedoch nicht durch Unterlagen belegt sind.

1. Version:
Das Ullersdorfer Tal, etwas abseits von der Heerstraße gelegen, war gut geeignet, einigen Offizieren, die im Hussitenkrieg (1426) von den sie verfolgenden Feinden arg bedrängt wurden, einen Zufluchtsort zu bieten, so dass sie dem sicheren Tode glücklich entrannen. Zum Dank für die Rettung aus solcher Not soll nach einer alten Sage im Auftrage der Geretteten von den Zisterziensermönchen des Klosters Grüssau in dem bezeichneten Tal eine kleine Kapelle zu Ehren der heiligen 14 Nothelfer an der Stelle erbaut worden sein, an der jetzt die Nothelferkirche steht.

2. Version:
Im 15. Jahrhundert wütete die Pest u. a. auch im Schlesierland. Bei Krankheiten, sowohl der Menschen als auch der Tiere, werden die 14 Nothelfer um ihre Fürbitte angerufen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass es die Pest war, die Veranlassung gab, zu Ehren der 14 Nothelfer eine kleine Kapelle zu errichten.

Urkundlich nachweisbar ist aber, wann die jetzige Nothelferkirche errichtet worden ist. Abt Bernhard Rosa ließ im Jahre 1686 an Stelle der kleinen Kapelle eine neue Kirche erbauen, welche am 22. Januar 1687 feierlich eingeweiht worden ist. Unter Abt Dominikus Geyer wurde sie 1723 von Kaspar Jentsch durch einen Neubau ersetzt, da sie dem Zustrom der Pilger nicht mehr genügte. Der Hauptaltar mit der Darstellung der 14 Nothelfer ist ein Werk des Bildhauers Georg Schrötter. Abt Petrus Keylich ließ 1791 neben der Wallfahrskirche ein kleines Sommerschloss für die Grüssauer Äbte erbauen. Nach der Säkularisation übernahm die Königliche Oberförsterei das Anwesen.

Forstamt und Wallfahrtskirche "14 Nothelfer"
(Aufnahme: vor dem Krieg)

(Bild von Herrn Roman Grochalski aus
 Jelcz-Laskowice / Jeltsch-Laskowitz.

Ullersdorf - Wallfahrtskirche "14-Nothelfer"

Ullersdorf - Die Königliche Oberförsterei

Die Wallfahrtskirche "14-Nothelfer" heute

Der Hauptaltar mit der Darstellung der 14 Nothelfer

Das Jakobifest in Ullersdorf
Am 25. Juli, dem Fest des heiligen Jakobus des Älteren, oder auch am Sonntag darauf, pilgerten die Liebauer früher nach Ullersdorf zur Vierzehn-Nothelfer-Kirche hinaus, um dem Schutzpatron der Pilgersleute ihre Reverenz zu erweisen. Das war jedesmal ein herrliches Bild. Die schöne Barockkirche konnte die zahlreichen Beter gar nicht alle aufnehmen. So saßen draußen auf der Wiese davor noch viele Gläubige und hörten, wie ihr Vorbeter die Bitten der Liebauer und der Ullersdorfer für sie zum Himmel hinaufschickte.

Die Krenke-Kapelle:

Am Fuße des Rabengebirges, an der Landstraße zwischen Liebau und Schömberg, steht am Ortsrand von Ullersdorf die Krenke-Kapelle. In unmittelbarer Nähe dieser Kapelle befindet sich auch die Giller-Skisprungschanze.

Die Krenke-Kapelle (Aufnahme: vor dem Krieg)

Die Krenke-Kapelle (der Anbau erfolgte erst nach 1946)

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim - Aufnahme: 2016)

Das Forstamt Ullersdorf (Königliche Oberförsterei):

Nach der Säkularisation übernahm die königliche Oberförsterei das frühere Sommerschloss der Grüssauer Äbte. Später wurde daraus das staatliche Forstamt Ullersdorf. In dieser Ausbildungs-stätte wurden viele Forstreferendare und Forstassessoren ausgebildet. 
Das Waidwerk zog viele Freund in seinen Bann und der Hegering Ullersdorf wurde Mittelpunkt besonderer Freundschaftspflege. Auf dem Jagdschießstand in der Nähe der Skisprungschanze traf man sich zum sportlichen Jagdschießen und unvergessliche Stunden der Gemeinsamkeit verlebten die Männer der Jagd auf ihrem Schießstand, bei den Jagden und bei den oft anschließenden frohen Stunden im Gerichtskretscham "Zum Grünen Wald". Dieser war auch Schauplatz vieler froher Holzhackerfeste. Forstmeister Keil und seine Beamten waren in solchen Stunden immer Kameraden unter Kameraden.

Staatliches Forstamt Ullersdorf (Königliche Oberförsterei)

Staatliches Forstamt Ullersdorf (ehemaliges Sommerschloss der Äbte)

Die Mitglieder des Hegerings Ullersdorf

Von links nach rechts: Alfred Wiener, Franz Schubert, Werner Gahmann, Forstmeister Keil, Hans Prieur, Revierförster Knöpfler, Krügler, Oberförster Leuschner, Erich Eichner, Franz Knappe, Alfred Gründler und Büchsenmachermeister Adolf Biemelt.

Ruhepause am Schießstand in Ullersdorf

Gastronomie:

In Ullersdorf gab es früher 4 Gast- und Logierhäuser:
1.  Haus Nr. 1                                 Logierhaus "Waldfrieden"
2.  Haus Nr. 4                               Gasthaus "Zur Schweizerei"
3.  Haus Nr. 23                             Gerichtskretscham "Zum Grünen Wald"
4.                                                   Gast- und Logierhaus "Hubertus"

Haus Nr. 1 (1925) - Logierhaus "Waldfrieden" (Besitzerin: Bertha Gebel)

Haus Nr. 1 (1925) - Logierhaus "Waldfrieden" (Besitzerin: Bertha Gebel)

Haus Nr. 4 (1925) - Gasthof "Zur Schweizerei"

(Besitzer: Albert Wennrich, später Alwine Wennrich)

(Bild von Herrn Roman Grochalski aus
 Jelcz-Laskowice / Jeltsch-Laskowitz.

Haus Nr. 4 (1925) - Gasthof "Zur Schweizerei" 

(Besitzer: Aldolf Wennrich, später Alwine Wennrich)

Links: Gasthof "Zur Schweizerei", 

rechts: Gast- und Logierhaus "Hubertus"

Haus Nr. 23 (1925) - Gast- und Logierhaus "Zum Grünen Wald"

1911 war Richard Reuner Besitzer des Gerichtskretschams "Zum Grünen Wald". Später erwarb Kaspar Nowara, der Schwiegervater von Edelhard Rock, das Gasthaus.

Haus Nr. 23 (1925) - Gast- und Logierhaus "Zum Grünen Wald"

Von links: Logierhaus "Waldfrieden", in der Mitte Gast- und Logierhaus "Zum Grünen Wald", links "Gast- und Logierhaus "Hubertus"

Blick auf das frühere Gast- und Logierhaus "Zum Grünen Wald" im Jahr 1977. Nach erheblichen baulichen Veränderungen dient es jetzt als Erholungsheim.

Erntedankfest in Ullersdorf:

Der Nachtwächter in seinem Schafspelz und mit Spieß und Laterne führte die Musikkapelle des Erntedankzuges in Ullersdorf an.

Der Erntekönigin im Festzug des Ullersdorfer Erntedankfestes.

Bäuerinnengruppe mit Backzeug und Milcheimern im Festzug des Ullersdorfer Erntedankfestes.

Die Dorfjugend trug den Erntekranz durch die festlich geschmückten Dorfstraßen von Ullersdorf.

Ein Korbhändler zieht mit Pferd und Wagen durch das verschneite Ullersdorf. Im Hintergrund das Gast- und Logierhaus "Zum Grünen Wald".

Die Giller - Skisprungschanze:

Sie wurde in den Jahren 1924 - 1925 als Doppelschanze errichtet und im Januar 1926 unter Beteiligung vieler in- und ausländischer Skisportler feierlich eingeweiht. Erbauer war der damalige Oberpostmeister Giller. Die große Schanze ermöglichte Sprünge bis zu 65 m, die angebaute kleine Jugendschanze solche bis zu 35 m. Sie galt damals als die wohl größte Sprungschanze im Riesengebirge.

Die Giller-Skisprungschanze

Wintervergnügen an der Skisprungschanze

Eröffnung der Skisprungschanze, die Skispringer warten auf den Beginn des Wettkampfes. Der Skispringer mit der Startnummer 30 ist 
Alfred Krusche, Liebau, Trautenauer Str. 44.
(Bild von Frau Dr. Susanne Krusche aus Hannover)

Der Wettkampf hat begonnen

An der Skisprungschanze (Aufnahme: Dezember 1927)

Die Sprungschanze im Jahre 2016.

Das Foto wurde von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim zur Verfügung gestellt.

Die 4 km lange und 4 - 5 m breite Rodelbahn

Die über zwei Morgen große Eisbahn bot Gelegenheit zur 
Ausübung des Schlittschuhsports.

Skilaufen mit der ganzen Familie in Ullersdorf und Umgebung.
Die folgenden Bilder wurden von Frau Dr. Susanne Krusche zur Verfügung gestellt.

Die Zollstation:

Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten, als es in Ullersdorf noch eine Zollstation gab.

Bild von Herrn Roman Grochalski aus
Jelcz-Laskowice / Jeltsch-Laskowitz.

Das "Tal der Liebe" und wie es zu seinem Namen kam

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Liebe Leserin, lieber Leser,
kennen Sie das "Tal der Liebe"? Nein? Dann will ich es Ihnen heute vorstellen. Allein die Bezeichnung dieses Tales lässt bereits sehr viel Romantik vermuten, und tatsächlich ist es auch so.

"Das Tal der Liebe" liegt im Liebauer Ortsteil Ullersdorf. Diese schöne Grenzstadt Liebau am Schwarzbach und Bober befindet sich in einer malerischen Umgebung. Wie eine Perle liegt sie eingebettet im Überschar- und Rabengebirge. Von den Höhen und Bergkämmen dieses Gebirges genießt der Wanderer herrliche Rund- und Fernsichten. Er schaut zum Riesengebirge, dem Hochwald und Glatzer Gebirge und blickt ins Liebauer- und Ziedertal. Auf vielen Wanderwegen kann er die Umgebung Liebaus kennen lernen, so auch das "Tal der Liebe".

Ein alter Reiseführer, herausgegeben von der Stadt Liebau, beschreibt den Wanderweg wie folgt: "Bei der Fabrik Drahtbundkistenwerke den Feldweg ins Rabental. Bei der Bank "Zum grünen Tal" rechts den Fußsteig bis auf den aus dem Walde ragenden schroffen Felsen. Herrliches Waldidyll. Gegenüber dem Rabenstein den Weg ins Tal der Liebe. Bequemer Spaziergang, angenehmer Ruheplatz im Walde, Hinweg: 3/4 Stunde".

Wie kam nun dieses Tal zu seinem Namen? Darüber berichtet folgende Sage, sie stammt aus dem Sagenbüchlein des Hauptlehrers Wilhelm Patschovsky aus Dittersbach bei Liebau: Der Sohn eines Liebauer Bürgermeisters liebte die schöne, aber arme Tochter eines braven Handwerksmeisters. Die Eltern der beiden Liebenden wollten dieses Liebesverhältnis durchaus nicht gestatten, und alles Bitten des jungen Paares war vergeblich. Da beschloss der Jüngling, die Felsen des Rabensteins zu ersteigen und sich von da in den jähen Abgrund zu stürzen. Als der Jüngling sein Vorhaben ausführte, flogen alle auf den Ruinen nistenden Raben herbei und trugen den Hinabstürzenden in den gegenüberliegenden Wald. Als der Jüngling erwachte, befand er sich in einer schönen Talschlucht auf einem grünen Moospolster neben einer klaren Quelle, und neben ihm saß seine schöne Braut. Glücklich über ihre Wiedervereinigung gelobten die beiden, sich nicht zu verlassen und sich an diesem heimlichen Platze zu bestimmten Zeiten zu treffen. Nach Jahren gelang es dem ehrwürdigen, auf dem Einsiedelberge wohnenden Eremiten, den Widerstand der Eltern zu brechen und das glückliche Paar für ihr Leben zu vereinen. Den Platz, wo die Liebenden sich trafen, nennt man noch heute "das Liebesplätzchen" und die Quelle daneben den "Liebesbrunn". Der aus der Quelle entstehende Bach heißt die "Liebe", und das Tal, das er durchfließt, ist das "Tal der Liebe".

Heute gehört das "Tal der Liebe", dieser romantische Bachgrund, zum Naturschutzgebiet Kruczy Kamien, das im Jahre 1954 ins Leben gerufen wurde. Es liegt 1,5 km von Liebau entfernt am Hang des 681 m hohen Rabensteins und umfasst eine Fläche von 10,21 ha. Sehenswert sind hier vulkanische Felswände mit Höhen von bis zu 30 Metern, Felsformationen und seltene unter Naturschutz stehende Pflanzenarten.

Quellen:

  • Heimatbuch des Kreises Landeshut (1929)
  • Patschovsky, Wilhelm: Führer durch das Riesen- und Isergebirge
  • Reiseführer: Liebau im Riesengebirge, herausgegeben von der Stadt Liebau vor 1945

Das "Tal der Liebe"

Das "Tal der Liebe"

Diesen Kartenausschnitt stellte Herr Hubert Jahn zur Verfügung.
Hier sind noch die alten Ortsnamen aufgeführt. Am 28.11.1929 erfolgte der Zusammenschluss der Orte Kratzbach und Leuthmannsdorf zur Gemeinde Erlendorf.
Die Umbenennung des Ortes Blasdorf bei Schömberg in Tannengrund wurde am 15.06.1936 vollzogen.