Kindelsdorf (Dobromysl)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Kindelsdorf liegt 3 km nordöstlich von Schömberg und gehört heute zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

Geschichtlich erwähnt erstmalig 1289 als "wüstes Dorf Kindisdorf". Der damalige Grundherr war Herzog Bolko I. Später ging das Dorf in den Besitz des Ritters Frisco von Tannenberg über, der es 1332 für 14 Markgroschen an den Grüssauer Abt Heinrich verkaufte. Es bestand damals nur aus einem Hof oder einem Vorwerk. Über 200 Jahre später, im Jahre 1545, überließ der Grüssauer Abt Johannes V. dieses Vorwerk dem Glasermeister Friedrich, der auch bald eine Glashütte errichtete. Diese blieb bis 1600 im Besitz der Familie. Nachfolger wurde ein Martin Jakob und danach die Glasmacherfamilie Schürer. Für das Jahr 1616 ist Kaspar II. Schürer "von Waldheimbh" nachgewiesen, der 1622 als "Edler Herr zu Kindelsdorf" bezeichnet wird. Nach dessen Tod verkaufte seine Witwe das wegen des 30jährigen Krieges heruntergekommene Hüttengut 1632 an das Grüssauer Kloster.

Das Dorf besteht aus zwei Teilen, dem eigentlichen Dorf (Nrn. 1 bis 53, 72, 73 und 74) und der "dürren Wiese" (Nrn. 54 - 71). Im Jahre 1712 begann die Bebauung der "obrigkeitlichen Dürren Wiese" und damit die Anlage einer selbstständigen Kolonie. 1712 - 1715 entstanden fünf Stellen, 1726 sechs, 1731 eine und 1733 vier Stellen. Die zunächst als Häuslerkolonie gedachte Weberansiedlung musste sich später auf Landwirtschaft umstellen.

Die Bewohner Kindelsdorfs waren zu 90 % katholisch und gehörten zum Kirchspiel Trautliebersdorf, die evangelischen Bewohner zum Kirchspiel Schömberg. Die im Ort befindliche katholische Volksschule wurde im Jahre 1895 errichtet.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Haus Nr. 11 - Der Gerichtskretscham (Besitzer: Anna Hiltmann,

 später Maria Hiltmann)

Vor dem Gerichtskretscham

Von rechts: Schmiede, Gerichtskretscham und Geschäftshaus

Rechts: Alte Volksschule mit dem Türmchen der Mittagsglocke

Das folgende Bild zeigt das Schulgebäude im Jahre 2008.

Dieses Gebäude befindet sich hinter der Schule (Aufnahme: 2010)
(Bild von Frau Ursula Paul, geb. Krusche aus Puchheim)

Bauernhof in Kindelsdorf (Aufnahme: 2010)

(Bild von Frau Ursula Paul, geb. Krusche aus Puchheim)

Dieses Feldkreuz am Wegesrand von Kindelsdorf nach Trautliebersdorf wurde im Jahre 1863 vom Revierförster Josef Matzker auf dem Grundstück des Bauern Reinhold Dresler in Kindelsdorf
 - Nr. 12 - errichtet.

Aus dem Alltag:

Bei Kirmesfeierlichkeiten mit Tanz im Kretscham und anschließendem Dorfumzug spielte regelmäßig die Springersche Dorfkapelle. Auf dem nachstehendenFoto sind folgende Personen abgebildet, von links nach rechts: Lehrer Otto (Trautliebersdorf), Paul Springer aus Kindelsdorf, zwei Musiker aus Friedland, Eduard Schremmer, Paul Springer jun., Gustav Täuber, Heinrich Förster, Bruno Schremmer, sämtlich aus Kindelsdorf und Richard Zenker aus Görtelsdorf (letztere beiden liegend). Das Bild wurde ca. 1920 aufgenommen.