Schreibendorf (Pisarzowice)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Schreibendorf liegt 7 km westlich von Landeshut, umgeben von den waldigen Höhen des Lausch- und Wiedemutberges auf der einen Seite, und des Galgen- und Mühlberges auf der anderen Seite. Gen Norden ragen die Kuppen des Scharlachs und des Ochsenkopfes hervor. Durch das ganze Dorf fließt die von den Friesensteinen herabkommende "schnelle Abbe", die Abst. Bis zum Zusammenschluss zur Landgemeinde Schreibendorf am 03.04.1913 bestand der Ort aus den drei Landgemeinden Nieder Schreibendorf, Ober Schreibendorf, Anteil Schreibendorf und dem Gutsbezirk Schreibendorf. Am 30.09.1928 wurde der Gutsbezirk in die Landgemeinde Schreibendorf eingegliedert. Schreibendorf lag an der Bahnstrecke Landeshut-Schmiedeberg und war damit verkehrsmäßig sehr gut zu erreichen.

Gegründet wurde der Ort um 1305 als "Villa Scriptoris". Seinen Namen verdankt Schreibendorf wohl von Valentin, dem Schreiber des Herzogs Boleslaw II. von Liegnitz. Nach der Schreibendorfer Chronik von Gustav Trogisch hatten sowohl Anteil, Nieder als auch Ober Schreibendorf unterschiedliche Grundherren. Nicht immer ließ sich jedoch aus den Urkunden erkennen, um welchen Ortsteil es sich handelt. Nachweisbar gehörte Schreibendorf zumindest seit 1372 einer Familie, deren Name in den Urkunden in den unterschiedlichsten Schreibarten auftaucht: Molberg, Mulberg, Mölberg, Mühlbergk oder auch Mülberg. Im Jahre 1555 erwarb laut Schöppenbuch Valten Mühlberg Ober Schreibendorf, der den Besitz 1573 an seinen Sohn Hans vererbte. Valtens Tochter Helene verkaufte Anteil Schreibendorf 1587 an ihre Schwester Barbara, die diesen Ortsteil im Jahre 1599 wiederum an einen Melchior von Schweinach veräußerte. Da die Grundherren ziemlich oft wechselten, würde es zu weit führen, deren Namen einzeln aufzuführen. Viele Jahrzehnte war Schreibendorf im Besitz der Familie von Zedlitz. Nach der Neugliederung Preußens 1815 gehörte der Ort zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Schreibendorf bildete eine eigene Landgemeinde und war seit 1874 Sitz des gleichnamigen Amtsbezirkes. Im Ort befand sich auch das zuständige Standesamt. 1925 zählte Schreibendorf 943 Einwohner, davon waren 813 evangelisch, 1939 waren es 848.

Die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt stammt aus dem Jahr 1305. Sie wurde in den Jahren 1592 bis 1603 im Stil der Neugotik umgebaut. Nach der Reformation wurde sie den evangelischen Bewohnern zugesprochen. Als die Kirche am 06.02.1654 im Rahmen der Rekatholisierung den Protestanten weggenommen wurde, war sie seit diesem Zeitpunkt wieder ein rein katholisches Gotteshaus. Sie war eine Filialkirche der katholischen Pfarrei Landeshut. Die evangelischen Bewohner gehörten zum Kirchspiel Landeshut.

Heute gehört Schreibendorf zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Trogisch, Gustav - Chronik Schreibendorf
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Blick auf Schreibendorf mit der Kirche

Blick auf Schreibendorf mit der Kirche

Blick auf Schreibendorf (Aufnahme: 2000)
Bild von Herrn Siegfried Schwanitz, zur Verfügung gestellt 
von Frau Irmgard Krebs

Blick auf Schreibendorf (Aufnahme: 2000)

Bild von Herrn Siegfried Schwanitz, zur Verfügung gestellt 
von Frau  Irmgard Krebs.

Die Kirche (Aufnahme: vor dem Krieg)

Die Kirche (Aufnahme: 2015)

An der Kirchenmauer befindet sich ein Epitaph des von Blangkensteinschen Ehepaares, Ritter und Gemahlin in Lebensgröße. Herr von Blangkenstein, verst. am 16. Juni 1613 und Frau von Blangkenstein, geb. von Kottwitz, verst. am 26. Juni 1605.