Merzdorf (Riesengebirge) (Marciszów)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Merzdorf wurde vermutlich um 1300 gegründet und lateinisch als "Villa Martini" bezeichnet. 1335 wurde erstmals die St.-Katharina-Kirche erwähnt. Es gehörte zum Herzogtum Schweidnitz und gelangte mit diesem zusammen nach dem Tod des Herzogs Bolko II. als ein Erblehen an die Krone Böhmen. Vermutlich nach den Hussitenkriegen besaßen es die Herren von Zedlitz. Zu weiteren Besitzerwechsel kam es nach dem 30jährigen Krieg. 1706 erwarb Merzdorf der Reichsgraf Hans Heinrich III. von Hochberg auf Fürstenstein; später wurde es von der Hochbergschen Seitenlinie auf Rohnstock verwaltet. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Merzdorf zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.

1785 bestand es aus einem Gutshof, zwei Vorwerken sowie 12 Gärtner- und sechs Häuslerstellen. Um diese Zeit erlangte die Hausweberei an Bedeutung. Nach der Neugliederung Preußens gelangte Merzdorf 1815 an die Provinz Schlesien und gehörte ab 1816 zum Landkreis Bolkenhayn (später umbenannt in Bolkenhain). 1874 bildete Merzdorf u. a. mit Ruhbank den Amtsbezirk Wernersdorf Nr. 3. Am 24.11.1931 erfolgte die Umbenennung des Amtsbezirkes Wernersdorf in Amtsbezirk Merzdorf. Nach der Kreisreform vom 01.10.1932 wurde der Amtsbezirk Merzdorf im Kreis Bolkenhain in den Kreis Landeshut eingegliedert. Da sich diese Neugestaltung jedoch als unzweckmäßig erwies, wurde der Amtsbezirk am 01.10.1933 aus dem Kreis Landeshut in den Kreis Jauer eingegliedert. Die Umbenennung des Ortes Merzdorf in Merzdorf (Riesengebirge) wurde am 21.10.1933 vorgenommen. Am 01.04.1936 wurde Merzdorf (Riesengebirge) gemeinsam mit den Orten Rudelstadt und Ruhbank wieder in den Kreis Landeshut integriert, dem sie bis 1945 angehörten.

Für das Jahr 1840 sind 66 Häuser, je ein evangelisches und ein katholisches Gotteshaus, eine evangelische Schule, eine Mühle, ein Sägewerk, vier Kretschmer sowie 57 Webstühle nachgewiesen. 1867 erhielt Merzdorf Anschluss an die Bahnstrecke Görlitz-Waldenburg und 1915 an die Bahnstrecke Ruhbank-Liebau. 1939 wurden 1480 Einwohner gezählt. Über die Bahnhöfe Merzdorf und Ruhbank fahren heute Fernzüge der PKP nach Schreiberhau, Hirschberg, Stettin und Warschau sowie Regionalzüge nach Breslau und Gnesen.

Heute ist Merzdorf (Marciszów) eine Landgemeinde, zu der neun Ortsteile gehören, darunter sind neben Merzdorf die früher zum Kreis Landeshut gehörenden Orte Rudelstadt, Ruhbank und Rohnau. In der Gemeinde leben heute ca. 4.600 Einwohner.

Mit Wirkung vom 1. April 1927 wurde die Landgemeinde Wernersdorf  nach Merzdorf eingemeindet. Der Ort breitet sich von Süden nach Norden zu beiden Seiten des Bobers aus. Er ist umrahmt auf der östlichen Seite von den Ausläufern des Waldenburger Gebirges (Kegler, Hofe- und Rabenberg) und auf der westlichen Seite von den Bergen des Landeshuter Kammes (Beutenberg, Scharlach und Ochsenkopf). Gegründet wurde Wernersdorf ca. 1305 als "Villa Wernheri". Der erste Grundherr war wahrscheinlich die Familie Zedlitz. In den Jahren 1566 und 1603 fanden zwischen den Brüdern von Zedlitz Käufe und Erbteilungen statt. 1638 erwirbt Ursula von Warnsdorf Ober Wernersdorf und 1675 wird es von Christoph Heinrich von Warnsdorf an Ernst von Berg wieder verkauft. Zwölf Jahre später übernahm es die verwitwete Gräfin Maria Juliane von Hochberg auf Fürstenstein. Seit 1706 war dann die Gräflich Rohnstocksche Familie Grundherr von Wernersdorf.

Die Bevölkerung war überwiegend evangelisch. 1911 hatte Wernersdorf 997 Einwohner, davon waren 902 evangelisch. Im Ort gab es sowohl eine evangelische als auch eine katholische Kirche. Darüber hinaus konnte der Ort 4 Schulen vorweisen. Die katholische Schule wurde bereits 1719 errichtet. Es gab eine evangelische Schule in Ober Wernersdorf (die sog. Kantor-Schule), eine evangelische Schule in Nieder Wernersdorf (die sog. Bober-Schule) und die Bahnhofschule in der damaligen Bahnhofstraße.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. Provinz Schlesien, 1845
- Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg, Metten 2003, 2. Aufl.
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Blick auf Merzdorf

Blick auf Merzdorf

Der Bahnhof:

Im Jahre 1867 erhielt Merzdorf Anschluss an die Bahnstrecke Görlitz - Waldenburg und 1915 an die Bahnstrecke Ruhbank - Liebau. Er gehörte zu einem der größten Bahnhöfe des Kreises Landeshut. Über den Bahnhof Merzdorf fahren heute Fernzüge der PKP nach Schreiberhau, Hirschberg, Stettin und Warschau sowie Regionalzüge nach Breslau und Gnesen.

Der Bahnhof

Der Bahnhof

Der Bahnhof

Der Bahnhof

Der Bahnhof heute
(Bild von Herrn Günther Teichmann)

Der Bahnhof heute

Die Kirchen:

In Merzdorf gab es zwei Kirchen, eine katholische und eine evangelische Kirche. Sie befanden sich beide im Ortsteil Wernersdorf und standen auf der Anhöhe nicht weit voneinander entfernt.

Das folgende Bild zeigt links die evangelische und rechts die katholische Kirche.

Die katholische Kirche:

Die katholische Kirche "Der Heiligen Maria" wurde erstmalig im Jahre 1335 erwähnt. Sie wurde im 16. Jahrhundert und im Jahre 1856 umgebaut. An der Außenmauer befinden sich auch heute noch Epitaphien der Familienmitglieder von Zedlitz aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die alten und wertvollen Glocken im Glockenstuhl stammten aus den Jahren 1512 und 1594. Die ältere der beiden Glocken trug die lateinische Inschrift: "O REX GLORIE VENI CVM PACE", übersetzt: "O König der Ehren komme mit Frieden".
Nach der Reformation ging diese alte Kirche in den Besitz der Protestanten über, wurde aber nach Abschluss des Westfälischen Friedens wieder ein katholisches Gotteshaus und blieb es bis zur Vertreibung. Sie war eine Filialkirche der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Landeshut.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kirche geschlossen und diente kurzzeitig  noch als Friedhofs-kapelle. Statt ihrer wurde die ehemalige evangelische, direkt benachbarte Kirche, zum Zentrum der Gemeinde. Im Laufe der Jahrzehnte verfiel die kleine Kirche immer mehr und wurde zu einem Schandfleck für das Dorf. Als Inneneinrichtung blieben nur die Barockkanzel und der Steinaltar aus dem 14. Jahrhundert erhalten.

Es ist sehr erfreulich, dass diese Kirche von den heutigen Bewohnern wieder restauriert wurde. Im Frühjahr 2007 hatten sie sich zusammengeschlossen und die Gruppe "Gestern, Heute, Morgen" gegründet. Mit Hilfe einer polnisch-amerikanischen Stiftung sowie Spenden von Privatpersonen und weiteren Akteuren konnte das Vorhaben in der Zeit von April bis Oktober 2007 realisiert werden. Zum Abschluss des Projektes wurden auch mehrsprachige Informationstafeln aufgestellt.
Das unverschlossene Friedhofsgelände, auf dem Polen und Deutsche begraben sind, wird seitdem von einem Gärtner gepflegt.

Die katholische Kirche (Aufnahme: vor dem Krieg)

Blick auf den Marienaltar mit dem davor stehenden Taufbecken

Die katholische Kirche (Aufnahme: 2019)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Die katholische Kirche mit den Epitaphien (Aufnahme: 2019)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Die Epitaphien (Aufnahme: 2019)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Die Epitaphien (Aufnahme: 2019)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Ein Epitaph (Aufnahme: 2019)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Die Hinweistafel (Aufnahme: 2019)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Die evangelische Kirche:

Im Jahre 1742 bekamen auch die evangelischen Bewohner wieder ein eigenes Gotteshaus. Das Bethaus wurde am 16. September 1742 feierlich eingeweiht. Bereits nach 30 Jahren musste jedoch eine Giebelwand erneuert werden. Wegen des anhaltend schlechten Zustandes der Kirche wurde aber um 1800 ein Neubau dringend erforderlich. Aber man hatte den richtigen Zeitpunkt verpasst. Im Jahr 1804 setzte die Teuerung ein, es kamen die opferreichen Befreiungskriege, dann der Niedergang von Handspinnerei und Handweberei. So wurde der Neubau immer wieder vertagt. Schließlich musste am 10. September 1839 das alte Bethaus wegen Baufälligkeit geschlossen werden. In den nächsten 5 Jahren konnten die evangelischen Bewohner nun auch das katholische Gotteshaus benutzen.

Im Sommer 1842 wurde das alte Bethaus abgebrochen und der Grundstein zu einer neuen Kirche gelegt. Am 15.10.1844 wurde sie durch den Generalsuperintendenten D. Hahn und in Gegenwart des Patrons, des Reichsgrafen Hans Heinrich X. von Fürstenstein, feierlich eingeweiht.

Für die Gefallenen des 1. Weltkrieges wurde im Innenraum eine Gedenktafel aufgehängt.

Die evangelische Kirche

Gedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges

Die Orgel in der evangelischen Kirche

Die evangelische Kirche (Aufnahme: 2019)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Das "Tischlergassla"

Jeder Merzdorfer kannte das "Tischlergassla". Die altbekannte Kurzverbindung von der Hauptstraße zu dem Kirchplan und zur Schule. Ob die Bewohner vom Kirchplan ihre Einkäufe erledigten, in der großen Mühle oder beim Machner-Bäcker, oder die Bewohner des südlichen Boberufers zur Kirche gingen, oder die Kinder zur Schule, oder wenn jemand einen Spaziergang unternahm zum Friedhof, "olle ginga se im Tischlergaßla nuff", obwohl die kleine Gasse oft schwierig zu begehen war, wenn sie im Sommer durch starke Regenfälle ausgespült, oder im Winter verschneit oder vereist war.

Die Schulgeschichte:

Quellen:

  • Chronik Wernersdorf von Herrn Paul Rüffer (Berlin) 1935
  • Angaben und Bilder von Herrn Peter Fütterer


Durch die Eingemeindung von Wernersdorf im Jahre 1927 verfügte Merzdorf über 4 Schulen:

  1. Die Bahnhofschule in der damaligen Bahnhofstraße
  2. Die Boberschule in Nieder-Wernersdorf
  3. Die Schubertschule (oder auch Kantor-Schule) in Ober-Wernersdorf
  4. Die katholische Schule 


Die Bahnhofschule:

Sie befand sich in der damaligen Bahnhofstraße. Zuständiger Lehrer war Herr Kunick. Das Haus wird zur Zeit renoviert.

Die Bahnhofschule

Die ehemalige Bahnhofschule (Aufnahme: Juli 2019)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Einschulung im Jahre 1939

Schulklasse mit dem Lehrer Fritz Kunick im Jahre 1942

Die Boberschule in Nieder-Wernersdorf:

Nach der Neugründung der evangelischen Gemeinde im Jahre 1742 wurde auch in Nieder-Wernersdorf eine Schule errichtet. Der Unterricht wurde in einem Privathaus abgehalten. Der Lehrer war im Hauptberuf ein Handwerker oder ein Weber. In früheren Zeiten wurde diese Niederschule als die "Hirtenschule" bezeichnet, weil im Sommer für die Kuhjungen nur nachmittags Unterricht gegeben wurde. Im Jahr 1865 wurde ein neues Schulgebäude gebaut. Die Niederschule führte seit der Errichtung der Schule am Bahnhof den Namen "Boberschule". Der zuständige Lehrer war Herr Liegau.
Das ehemalige Schulgebäude wurde vollkommen umgestaltet und erinnert heute im Aussehen nicht mehr an die frühere Schule.

Die frühere "Boberschule"
(Bild von Herrn Peter Fütterer - Aufnahme: Juli 2019)

Schülerinnen und Schüler der "Boberschule" mit ihrem Lehrer Liegau
(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Das folgende Bild zeigt Schülerinnen und Schüler der "Boberschule" mit ihrem Lehrer Liegau  im Jahre 1929.

Die "Schubertschule" (oder auch Kantor-Schule) in Ober-Wernersdorf:

Die evangelische Schule in Ober-Wernersdorf, die sog. "Schubertschule" (oder auch Kantor-Schule), wurde ebenfalls nach der Neugründung der evangelischen Gemeinde im Jahre 1742 begründet. Sie war zuerst in einem gemieteten Haus untergebracht. 1749 wurde ein neues Schulhaus errichtet, das seit Anfang der 1880er Jahre in Privatbesitz war. Auf Betreiben des Superintendenten Rohkohl, der auch den neuen Pfarrhausbau durchsetzte, wurde eine neue Schule gebaut, in der seit 1885 auch die Kinder aus Ober-Merzdorf unterrichtet wurden. Diese Schule war zugleich auch eine Oberschule. Der zuständige Hauptlehrer war Kantor Walter Schubert. 
Aus dem ehemaligen Schulgebäude wurde jetzt ein Mehrfamilienhaus.

Die "Schubertschule" (oder auch Kantor-Schule) 

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Kantor Walter Schubert (06.05.1889 - 31.05.1956)

Schülerinnen und Schüler der Schubertschule - Jahrgang 1929 - mit Hauptlehrer Kantor Walter Schubert

(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Schülerinnen und Schüler der Schubertschule (Oberschule) mit den Lehrern Walter Schubert und Elfriede Strauß

(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Auf dem folgenden Foto ist die ehemalige Schubertschule im heutigen Zustand abgebildet.
(Das Foto wurde von Herrn Peter Fütterer zur Verfügung gestellt, Aufnahme: Juli 2019)

Die katholische Schule:

Die ehemalige katholische Schule befindet sich unterhalb der katholischen Kirche. Der zuständige Lehrer war Hugo Wilczkowiak (24.10.1883 - 16.01.1985). Er sorgte nicht nur für die geistige Bildung seiner Schüler. Er unterrichtete sie auch in praktischen Dingen. Im Garten des Schulhauses konnten sie Erfahrungen in der Gartenarbeit sammeln, die ihnen später zugute kommen sollten.
Das Haus ist seit etlichen Jahren unbewohnt.

Schülerinnen und Schüler der katholischen Schule im Jahre 1929 mit ihrem Lehrer Hugo Wilczkowiak

Schülerinnen und Schüler bei der Gartenarbeit

Die frühere katholische Schule (Aufnahme: Juli 2019)

(Bild von Herrn Peter Fütterer)

Der Hauseingang der früheren katholischen Schule

(Bild von Herrn Peter Fütterer - Aufnahme: Juli 2019)

Das Morgensternwerk:

Im Jahre 1825 wurde in Schönbach eine neue Ansiedlung geschaffen, in welcher Fabrikanlagen für die Verarbeitung von Pyriten, aus denen Schwefel und Eisen gewonnen werden konnten, erbaut wurden; aus ihr ging das sog. Morgensternwerk hervor. 1872 gingen das Morgensternwerk und die Rohnauer Gruben in den Besitz der Silesia (Verein chemischer Fabriken in Saarau) über, die das Werk erheblich vergrößerte. Nach 1924 wurden die Betriebe außerhalb Saaraus in Saarau vereinigt und 1925 der Filialbetrieb in Schönbach stillgelegt.

Das Waldenburger Wasserwerk:

Das Waldenburger Wasserwerk in Merzdorf führte mit seinen Pumpstationen in zwei großen Rohrleitungen der Stadt Waldenburg täglich 15.000 bis 18.000 cbm gutes Wasser zu. Die Belegschaft zählte 22 Personen, die im Schichtdienst das Werk Tag und Nacht bedienten.

Die drei folgenden Fotos wurden von Herrn Günther Teichmann zur Verfügung gestellt.

Die alte Pumpenanlage

Die neue Pumpenanlage

Gastronomie:

In Merzdorf gab es früher 6 Gasthöfe:
1.  Haus Nr. 19                                           Gasthof "Zur Hoffnung"
2.  Haus Nr. 38                                         Gasthaus "Zum Zollkretscham"
3.  Haus Nr. 72                                          Der "Preußische Hof"
4.  Haus Nr. 88                                         Gasthaus "Niederkretscham"
5.  Haus Nr. 120                                       Gasthaus "Zum Freundlichen Hain"
5.  Bahnhof                                              Die Bahnhofsgaststätte

Haus Nr. 19 - Gasthof "Zur Hoffnung"

 (Besitzer: Oswald Helbig, später Alwine Helbig)

Haus Nr. 38 - Gasthaus "Zum Zollkretscham" 

(Besitzer: Fritz Finger, danach Wilhelm Jost, später Reinhold Wolf)

Haus Nr. 72 - Gasthaus "Deutscher Kaiser" (Aufnahme: um 1910)
Dieser Gasthof gehörte bis 1913 Ewald Hilgner und wurde unter dem damaligen Namen "Deutscher Kaiser" geführt. Im Jahre 1913 erwarb Gustav Wagenknecht aus Langenbielau das Gasthaus. Gleichzeitig erfolgte die Umbenennung in "Preußischer Hof".

Haus Nr. 72 - Gasthaus "Preußischer Hof" 

(Besitzer: Gustav und Alfred Wagenknecht)

Haus Nr. 88 - Gasthaus "Niederkretscham" (Besitzer: Paul Püschel)

Haus Nr. 120 - Gasthaus "Zum Freundlichen Hain"

 (Besitzer: Wilhelm Ludewig)

Das folgende Bild zeigt die frühere Fleischerei des Fleischermeisters Alfred Drescher, vorher Mende (Haus Nr. 47) im Jahre 1958. 

Haus Nr. 83 - Schmiedemeister Heinrich Jung

Haus Nr. 87 - Bäckermeister Josef Heinze

Haus Nr. 94 a - Schuhmachermeister Otto Dittmann
 mit Ehefrau und Kindern

Haus Nr. 193 - Familie Robert Hinke

Das Postamt in Merzdorf:

Im Jahre 1893 wurde das Postamt gegenüber dem Merzdorfer Bahnhof auf einem posteigenen Grundstück errichtet. Gleichzeitig wurde auch ein Postfamilienhaus mit 4 Wohnungen an der Straße nach Streckenbach gebaut. Der erste Leiter des Postamtes war bis zum Jahre 1921 der Vorsteher Michael. Zu den damaligen Zustellbezirken gehörten die Orte Rudelstadt mit Adlersruh und Morgensternwerk, Prittwitzdorf, Rohnau und Schönbach, Kreis Landeshut, Einsiedel, Thomasdorf, Hohenhelmsdorf, Kunzendorf mit Großhau und Vogelherd, Kreis Bolkenhain, Ketschdorf mit Rosenbaude, Nimmersath und Streckenbach, sowie Seibendorf, Kreis Schönau. Mitte der 1920-zwanziger Jahre erfolgte eine Änderung der Zustellbezirke. Die Orte Ketschdorf mit Rosenbaude, Nimmersath und Streckenbach sowie Seitendorf wurden abgetrennt und dem Postamt in Schönau zugeteilt. Hohenhelmsdorf wurde dem Postamt Bolkenhain angegliedert, dafür erhielt das Postamt Merzdorf die Postagentur Alt-Röhrsdorf, Kreis Bolkenhain.

Das Jahr 1932 brachte eine erneute Änderung. Das zwischen Ober- und Nieder-Merzdorf gelegene Dorf Wernersdorf wurde mit Merzdorf vereinigt und eingemeindet. Das bisherige Postamt in Ruhbank wurde zu einem Zweigpostamt verkleinert und dem Postamt in Landeshut unterstellt. Der Landzustellbezirk von Ruhbank mit den Orten Krausendorf mit Honigbaude, Hartmannsdorf, Neu-Reichenau und die Postagentur Giessmannsdorf kamen zum Postamt Merzdorf, desgleichen auch die Orte Nimmersath und Streckenbach, die bisher von Ketschdorf aus bestellt wurden und zum Postamt Schönau gehörten. Die Postagentur Alt-Röhrsdorf wurde dem Postamt Bolkenhain zugeteilt. Der Zustellbezirk erhöhte sich somit von 9 auf 16 Zustellbezirke.

Das Merzdorfer Postamt (Aufnahme: 1933)

Das Merzdorfer Postamt

Jagdhaus des Grafen von Hochberg:

Das folgende Foto zeigt das ehemalige Jagdhaus des Grafen von Hochberg, herrlich gelegen am Waldrand. Abgebildet ist das Hauptgebäude mit Freitreppe sowie das Wirtschaftsgebäude. Erbaut wurde es im Jahre 1924. Durch angeblichen Funkenflug brannte dieses Haus am 5. August 1929 vollständig nieder. Das Kellergeschoss, das massiv gebaut war, steht wohl heute noch.

Die Freiwillige Feuerwehr:

Die Freiwillige Feuerwehr Wernersdorf wurde am 15. Juli 1882 gegründet. Bei der Gründungs-versammlung traten der Wehr 60 Männer bei. Die Ausrüstung bestand aus einer Hand-Saug- und Druckspritze, zu der eine Leiter und mehrere lederne Feuerlöscheimer gehörten. Die ersten Übungen fanden auf dem Hof des Dominiums der von Hochbergschen Verwaltung statt, wo auch die Spritze untergebracht war und für die Übungen ein Steigerturm errichtet wurde. 
Die Umbenennung der Feiwilligen Feuerwehr Wernersdorf in Freiwillige Feuerwehr Merzdorf erfolgte im Jahr 1927, als Wernersdorf mit der Gemeinde Merzdorf vereinigt wurde. 1939 wurde statt der Handdruckspritze das langersehnte vollmotorisierte Fahrzeug mit Motorspritze erworben.

Das folgende Foto wurde anlässlich der 50-Jahrfeier des Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1932 aufgenommen. 

In Wernersdorf gab es den Arbeiter-Radfahrverein Solidarität, Ortsgruppe Wernersdorf - Merzdorf - Einsiedel. Die folgende Aufnahme ist im Jahre 1932 entstanden.

Bilder aus dem Alltagsleben:

Bei der Feldarbeit - im Hintergrund der Kregler

Bei der Flachsernte

Firma H. A. Berndt, Sägewerk und Holzmehlfabrik

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Aus Wernersdorf, das später nach Merzdorf/Rsgb., eingemeindet wurde, stammt der Sägewerks- und Mühlenbesitzer Heinrich August Berndt. Als Sohn des Müllermeisters Friedrich Wilhelm Berndt wurde er im Jahr 1853 geboren. Sein Vater hatte 1846 die sog. Hofemühle käuflich erworben, die vor dieser Zeit zur Graf von Hochbergschen Domäne in Wernersdorf gehörte. Diese Mühle bildete den Grundstock für das spätere erfolgreiche Unternehmen. Der Familientradition folgend, erlernte auch August Berndt das Müllerhandwerk. Wegen einer schweren Erkrankung seines Vaters wurde er bereits mit 18 Jahren in die Pflicht genommen. Er übernahm die Leitung des väterlichen Betriebes, wurde Müllermeister und später Obermeister der Müller-Innung. Da der Mühlenbetrieb jedoch klein und veraltet war, gab er die Getreidemühle auf und baute das vorhandene Mühlenwerk zu einer Korkmühle um. Einige Jahre später entstand die Holzmehlfabrik.

Ende 1913 vergrößerte Heinrich August Berndt durch den Erwerb der im Oberdorf gelegenen Obermühle den Betrieb. Die Räumlichkeiten wurden zur Herstellung von Holzmehl umgebaut, das vielseitige Verwendung fand. Die Waggonladungen rollten durch ganz Deutschland. Bremen und das Rheinland waren Hauptabsatzgebiete. Manche Schiffsladungen gingen sogar nach Übersee. Die Firma Berndt war damit weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden.

Heinrich August Berndt hatte das Erbe seines verstorbenen Vaters gut verwaltet und es zu einem Musterbetrieb ausgebaut. Aber trotz aller beruflichen Erfolge, stand er nicht nur auf der Sonnen-seite des Lebens. Seine 1. Ehefrau, die ihm 4 Kinder geschenkt hatte, starb 1886. In 2. Ehe war er mit Anna Pauline, geb. Kappler verheiratet.

Seine beiden ältesten Söhne Oskar und Willy gründeten in Landeshut die Gebr. Berndt Maschinenbau- und Reparatur-Anstalt. Sohn Dr. Erich Berndt wurde Tierarzt und praktizierte zunächst in Hirschberg. Auf Wunsch des Vaters kam er aber 1924 in seinen Heimatort zurück und ließ sich als Tierarzt nieder. Der jüngste Sohn Ewald übernahm 1922 den väterlichen Betrieb.
Heinrich August Berndt verstarb am 19.04.1924.

Das folgende Bild zeigt das Sägewerk und die Holzmehlfabrik Berndt.
(Foto von Herrn Günther Teichmann)

Wohnhaus und Sägehalle

Briefkopf der Firma Berndt

Mühlenbesitzer August Berndt

Mühlenbesitzer Ewald Berndt

Bäckerei Hermann Bradler

Merzdorf Nr. 123

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Der Bäckermeister Hermann Bradler wurde am 08. April 1990 in Waldenburg als Sohn des  Bäckermeisters Paul Bradler geboren. Sein Vater eröffnete später in Ruhbank eine Bäckerei. Nach seiner Schulausbildung erlernte Hermann Bradler ebenfalls das Bäckerhandwerk. Verheiratet war er mit der Tochter des Bäckermeisters Josef Heinze aus Merzdorf, dessen Bäckerei er am 
01. Juli 1928 übernahm. Im Laufe der folgenden Jahre entwickelte sich das Geschäft zu einem gut gehenden Betrieb. Die Backwaren fanden nicht nur in Merzdorf Absatz, sondern auch in den Nachbardörfern Rohnau, Rudelstadt, Prittwitzdorf, Krausendorf und Ruhbank.

Nach der Vertreibung fand er mit seiner Familie in Burgdorf, Kreis Wolfenbüttel, eine neue Heimat. Er verstarb am 17. Januar 1956.

Die Bradler-Bäckerei um 1905

Die frühere Bäckerei Bradler im Jahre 1974