Bauden A - L

(Verfasser: Hella Tegeler)

Die "Brotbaude" (Brodtbaude)  (820 m)

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Zu den ältesten Bauden im Riesengebirge gehört die Brotbaude. Sie hieß ursprünglich "Krebsbaude" und entstand 1668. Später erhielt sie den Namen des damaligen neuen Besitzers Brodt, daraus entstand schließlich die bekannte Bezeichnung "Brotbaude". Die nur 15 Minuten von der berühmten Kirche Wang entfernt liegende Baude gehörte vor 1945 als Ortsteil Brückenberg zur ehemaligen Gemeinde Gebirgsbauden und die wiederum zum Amtsbezirk Seidorf. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erfreute sich die Brotbaude als Gasthof mit einem großen Saal für 150 Personen und Logierhaus mit einigen Dachbodenzimmern großer Beliebtheit. 1895 wurde der Saal abgerissen und an dieser Stelle ein größeres Objekt gleichen Namens errichtet. Das alte Gasthaus blieb aber erhalten. Im neuen Haus standen den Gästen 18 Zimmer mit insgesamt 40 Betten zur Verfügung. Der letzte deutsche Besitzer der Brotbaude war Julius Schmidt.

In den Jahren zwischen 1872 und 1892 besuchte der Dichter Theodor Fontane sieben Mal die Gegend um Krummhübel. Er war nicht nur der "Wanderer durch die Mark Brandenburg", als den ihn alle kennen. Weniger bekannt ist, dass seine Familie enge Beziehungen zu Schlesien hatte. Schon ein Pierre Fontane, Urgroßvater des Dichters, lebte zeitweise in Schlesien, und zwar in Liegnitz und Schmiedeberg. Fontanes Schwiegermutter Therese, geb. Rouanet, hatte den Oberförster Triepcke geheiratet, der im Kreis Liegnitz tätig war. Im Jahr 1849 besuchte Fontane dort seine damalige Braut Emilie. Eine besonders enge Verbindung bestand für Fontane zu Schmiedeberg. Dort lebte und wirkte Dr. Georg Friedlaender, sein Freund und Briefpartner. Am 15. Juli 1888 kündigte Fontane in einem Brief an Friedlaender seine Ankunft für den nächsten Tag an. Er hoffte auf ein Treffen am Bahnhof und meinte, eigentlich müsste er ja bei Friedlaenders vorfahren, aber er möchte nicht zu spät "an der Welt Ende" ankommen. Gemeint war damit die Brotbaude, in der Tochter Martha zwei Dachstuben gemietet hatte. Über seinen Aufenthalt schreibt Fontane: "Ich habe hier arbeiten wollen, bin aber über ein bisschen Korrekturlesen noch nicht recht hinausgekommen. Zum Teil ist das Wetter schuld, zum Teil die Tageseinteilung. Wenn man bis 10 1/2 Kaffee trinkt und nach einem Schinkenfrühstück um 12 sich um 1 zu Tisch setzt, so hat man nicht viel Arbeitszeit."

Dennoch wurde Fontane inspiriert. Es entstanden der Roman "Quitt" und die in Krummhübel spielende Erzählung "Der letzte Laborant" über Ernst August Zölfel, dem letzten der Krummhübler Laborantenzunft. Krummhübel war der Hauptort der sogenannten Laboranten. Es waren Laienapotheker, die den dortigen Reichtum an Kräutern zur Herstellung von Arzneien nutzten und diese bis nach Polen und Rußland vertrieben. Die Laboranten schlossen sich zu einer Zunft zusammen, die dem Kreisarzt von Hirschberg untergeordnet war. Im Jahr 1796 wurden 27 Meisterlaboranten registriert, davon lebten 18 in Krummhübel. Sie stellten aus den Kräutern etwa 200 Medikamente gegen verschiedene Beschwerden her. Unter preußischer Herrschaft wurde die Tätigkeit der Laboranten insoweit eingeschränkt, als sie nur noch 46 verschiedene Medikamente erzeugen durften. Um 1810 wurde eine weitere Einschränkung eingeführt, nach der die Kräutermittel nicht mehr auf den Messen und Märkten verkauft werden durften. 1843 wurde die Kräuterheilkunde im Riesengebirge per Gesetz abgeschafft. Die Laboranten starben damit aus. Ernst August Zölfel, der letzte Laborant, starb im Jahre 1884. Ihm war Fontanes Erzählung gewidmet. Ein Thema, das ihn als ehemaligen Apotheker und Sohn eines Apothekers mit Sicherheit sehr interessiert hat. Seinen letzten Sommer im Riesengebirge und in der Brotbaude verlebte Fontane im Jahre 1892. Er starb am 20. September 1898 in Berlin.

Die Brotbaude wurde nach dem 2. Weltkrieg von der polnischen Gewerkschaft bewirtschaftet. Heute trägt die stark modernisierte Baude den Namen Stokrotka (Gänseblümchen) und dient wieder als Gaststätte und Pension.

Quellen:

  • Krause, Erhard: Das Riesengebirge - Helmut Preußler Verlag, Nürnberg 2006
  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude - Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
  • Müller, Edwin: Das Riesengebirge - Verlag von Barthof, Berlin 1888
  • Wörffel, Udo: Theodor Fontane im Riesengebirge - Verlag der Nation 2000
  • www.stokrotka.wkarpaczu.pl

Die Brotbaude - früher

Die Brotbaude - heute

Die "Hampelbaude" (1.258 m)

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Die zweitälteste Winterbaude befindet sich auf der schlesischen Seite des Riesengebirgskammes. Mit Winterbauden bezeichnete man diejenigen Wohnstätten des Riesengebirges, die von einer Familie das ganze Jahr über bewohnt wurden. Von Krummhübel aus erreicht der Wanderer die Hampelbaude in ca. zwei Stunden. Der Aufstieg lohnt sich, da das Panorama hier oben überwältigend ist, unten erstreckt sich das Hirschberger Tal und oben erhebt sich die Schneekoppe. Nur zehn Minuten entfernt liegt der herrliche Bergsee Kleiner Teich, dessen zerklüftete Granitwände den alpinen Charakter des Riesengebirges offenbaren.

Im Jahre 1654 errichtete der Gebirgler Breiter eine ganz einfache hölzerne Hütte als Wohnstätte. Wo diese erste Baude stand, ließ sich nicht mehr feststellen. Die Historiker glauben aber, dass diese in unmittelbarer Nähe der jetzigen Hampelbaude gestanden hat. Der Name der Baude wechselte sehr häufig. Zunächst erhielt sie den Namen des Erbauers Breiter, später wurde sie nach dessen Söhnen genannt: Tanla- (Kosename von Christian), Daniel- und Samuel-Baude. Sie war auch unter den Namen "Letzte Baude" und Koppenbaude" bekannt, da sie die letzte Einkehrstätte und Herberge auf der schlesischen Seite des Gebirges vor der Koppe war. Ihren jetzigen Namen erhielt sie nach den Gebrüdern Hempel (mundartlich Hampel), die sie 1750 von den Nachkommen Breiters erwarben.

Der jeweilige Baudenwirt war zugleich der Kirchvater der Koppenkapelle, da der Schlüssel zu dieser in der Baude verwahrt wurde. In der Hampelbaude befanden sich auch die Koppenbücher, in denen sich die Besucher eintragen konnten. Noch heute existieren Gästebücher aus den Jahren 1696 bis 1824. Johann Wolfgang von Goethe ist darin im September 1790 als Gast der Hampelbaude verzeichnet und als Bewunderer der Sonnenaufgänge beschrieben. Auch ein Eintrag des Malers Caspar David Friedrich vom 12. Juli 1810 findet sich im Koppenbuch. Die berühmtesten Gäste waren aber wohl das preußische Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise. Großen Komfort konnten die damaligen Gäste allerdings nicht erwarten. Die Baude bestand aus einem Flur, einer großen Stube, einer Kammer, einer Küche, einem Kuhstall und einem Heuboden. Als Schlafgelegenheit diente ein Lager auf Heu. Von dem gastronomischen Angebot zeugt eine gereimte Speisekarte, die in einem Koppenbuch enthalten ist:
                                        "Die kalte Küche wird ein jeder mittebringen,
                                        weil ich den Garkoch nicht kann auf die Baude zwingen,
                                        doch wart ich Jedem auf vor Geld bei solcher Noth
                                        mit Butter, Käse, Milch und Branntwein, Bie
r und Brot".

Bis zum Jahre 1836 befand sich die Hampelbaude im Besitz der direkten Nachkommen ihres Namensgebers. Die drei letzten Nachkommen aus dieser Familie - drei Schwestern Hempel - verkauften die Baude nach dem Tode des Vaters zum Zwecke der Erbteilung an Johann Adolph, dessen Familie sie bis 1866 bewirtschaftete. Dann übernahm sie als neuer Käufer Franz Krauß, der sie 1883 seinem gleichnamigen Sohn überließ. Der letzte deutsche Besitzer vor der Vertreibung war Otto Krauß.

Im Jahre 1896 wurde anstelle der bisherigen Holzhütte ein neues, großes Gebäude errichtet, welches aber bereits am 1. April 1906 durch einen Brand vernichtet wurde. Bei der großen Entfernung zum Tal kam die Hilfe der herbeieilenden Feuerwehren zu spät. Bereits am 8. September des gleichen Jahres begann der Wiederaufbau und 1912 konnte die Einweihung des für die damalige zeit äußerst modernen Hauses gefeiert werden. Die Baude verfügte über 50 Fremdenzimmer mit 90 Betten, Restaurant und Café. Elektrische Beleuchtung, beheizbare Zimmer mit fließendem Wasser und Bad verwöhnten die Gäste im Sommer und Winter.

Durch die Gründung der Hampelbauden-Skizunft spielte die Baude auch im Winter sportlich und gesellschaftlich eine bedeutende Rolle. Sowohl die bekannten Schriftsteller Paul Keller und Wilhelm bölsche als auch der Kronprinzensohn Prinz Hubertus gehörten dieser Zunft an. Durch eine Skipiste war die Baude direkt mit Krummhübel verbunden. Die 6 1/2 km lange doppelgleisige rodelbahn nach Krummhübel wurde im Jahre 1925 vollständig umgebaut, so dass sie eine der interessantesten Bahnen des Riesengebirges war.

Otto Krauß, seine Ehefrau Gretel und der Sohn Heinz konnten nach 1945 noch einige Zeit in ihrer wunderschönen Baude verbringen. Der in Polen sehr bekannte Skiläufer Masuracz übernahm die Bewirtschaftung der Hampelbaude und wollte von dem Ehepaar Krauß die Führung eines so großen Baudenhotels erlernen. Er war früher oft Gast der Eheleute gewesen. Aber auch dem Ehepaar Krauß blieb die Vertreibung nicht erspart. Ihren Lebensabend verbrachten sie in Bischofswiesen bei Berchtesgaden.

Die Hampelbaude wurde weiter als Hotel genutzt, u. a. von Studenten des Krakauer akademischen Sportverbandes. Aus dieser Zeit stammt auch der heutige Name Strzecha Akademicka.

Quellen:

  • Krause, Erhard: Die Hampelbaude und ihre Geschichte
  • Lessenthin, Berthold: Das Riesengebirge im Winter, Schottländer 1901, Breslau
  • Morgen/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e.V. (2013)
  • Nentwig, Prof. Dr.: Zur Namensgebung der Hampelbaude und der Schlingelbaude in: Der Wanderer im Riesengebirge Nr. 10/1911
  • Richter Gustav: 300 Jahre Hampelbaude in Schlesische Bergwacht 7/1954
  • Staffa, Marek: Das Riesengebirge, Wydawnictwo Dolnoslaskie, Wroclaw 1997
  • Werbeprospekt Hampelbaude
  • www.strzecha-akademicka.com

Die Hampelbaude um 1800

Die Hampelbaude vor dem Brand

Hampelbaude - Neubau

Hampelbaude - Innenansicht

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Die Hampelbaude - heute

Die "Kleine Teichbaude"  (1.195 m)

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Inmitten einer einzigartigen Landschaft liegt die Kleine Teichbaude, 90 Minuten Fußweg von Krummhübel entfernt. Der Felsenkessel des Kleinen Teiches ist eine der schönsten Gegenden des Riesengebirges. Über 200 m hohe Granitwände bilden die Seitenränder des Kleinen Teiches. Er ist 241 m lang und 160 m breit. Direkt am Kleinen Teich liegt die Kleine Teichbaude, die wegen ihrer Lage von vielen Besuchern als Perle der schlesischen Bauden bezeichnet wird. Viele Maler haben den Zauber dieser wunderbaren Bergkulisse in ihren Bildern festgehalten, u. a. der bekannte Landeshuter Friedrich Iwan und auch der bedeutende Maler der deutschen Romantik und des Biedermeiers, Ludwig Richter (1803 - 1884), dessen Bild der Kleinen Teichbaude Platz in der Berliner Nationalgalerie gefunden hat.

Die Kleine Teichbaude ist eine der ältesten Bauden des Riesengebirges. Lange stritt man sich über ihre Anfänge. Die Historiker vermuten anhand von alten Gemälden, dass die erste Baude auch nicht an der heutigen Stelle stand, sondern bedeutend höher, nördlicher und weiter entfernt vom Teichrand. Wahrscheinlich entstand sie als Sitz eines Teichwächters der Gräflich Schaffgotschen Güter, vermutlich um 1630. Er sollte wohl den Forellenreichtum des Teiches bewachen und im Winter für Luftlöcher im Eis sorgen. Erstmalig erwähnt wird sie in den Reisebeschreibungen des Christian Gryphius, dessen Koppenbesteigung am 7. September 1670 erfolgte. Er war der älteste Sohn des berühmten schlesischen Dramatikers Andreas Gryphius. Gryphius schildert in seinem Buch die Begegnung mit einem 65jährigen Mann, der in der Baude am Kleinen Teich lebte.

Die ersten Besitzer der Baude stammten wohl aus der Familie Schuder. Dies ergibt sich aus den Kirchenbüchern der katholischen Kirche in Warmbrunn. Dieser Name wird sowohl im Trauregister von 1710 als auch im Sterberegister des Jahres 1712 erwähnt, wie ein Geheimrat Sendel herausfand. Der nächste namentlich bekannte Eigentümer war Karl Häring, der 1827 in Spindelmühl geboren wurde. Dieser ließ die alte Baude im Jahre 1872 abreißen, weil das alte Holz total verfault war. Die neue, also jetzige Baude, wurde etwas weiter südlich und näher am Teich errichtet. Als Karl Häring immer mehr verarmte, veräußerte er die Baude für 4.000 Taler an den Kommerzienrat Heinrich Richter aus Arnsdorf, der sie 1889 umbauen ließ. Aus jener Zeit stammt auch das Symbol der Kleinen Teichbaude, ein Türmchen mit einer in Hirschberg gegossenen Glocke. Nach 1900 pachtete die Baude für mehrere Jahre Joseph Bönsch. Später verkaufte Heinrich Richter sie an den Eigentümer der benachbarten Hampelbaude, Otto Kraus, der das Gebäude weiter modernisierte. Am 1. Mai 1927 wurde die Bewirtschaftung der Baude Paul Haase übertragen. Letzter deutscher Besitzer war Franz Hövel. Heute wird die Kleine Teichbaude von Frau Siemaszko geleitet.

Die Kleine Teichbaude war und ist ein beliebter Anziehungspunkt für Riesengebirgswanderer und wird es auch hoffentlich noch lange bleiben.

Quellen:

  • Dr. Baer: Zur Geschichte der Teichbaude in: Der Wanderer im Riesengebirge, Hefte 9/1918

       und 1/1919

  • Drescher, Karl-Heinz: Bergbauden des Riesen- und Isergebirges
  • Lessenthin, Berthold: Das Riesengebirge im Winter, Schottländer 1901, Breslau
  • http://samotnia.com.pl

Die "Kleine Teichbaude" (Lithographie)

Wegweiser zu den Bauden u. a. zur "Kleinen Teichbaude"

Die "Kleine Teichbaude" im Sommer

Die "Kleine Teichbaude" im Winter

Die "Kleine Teichbaude" - Innenansicht

Die "Kleine Teichbaude" Innenansicht