Alt Weißbach (Stara Bialka)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Alt Weißbach liegt 11 km südwestlich von Landeshut im lieblichen Tal der Weißbach und des Schweinlich. Der Ort befindet sich in einer sehr hügeligen Landschaft und gehört heute zur Landgemeinde Lubawka (Liebau).

Erstmalig erwähnt wird Alt Weißbach ca. 1305. Damals führte der Ort den Namen "Wysbach" und war vermutlich Grüssauer Klosterbesitz. Der erste urkundliche Nachweis datiert aus dem Jahre 1547. Zu diesem Zeitpunkt war der Ort bereits ein Teil des Berggutes Schmiedeberg und im Besitz der Grafen von Schaffgotsch. Später wechselte der Ort mehrfach wie folgt den Besitzer:

-  1606                     Samuel von Horn
-  1700                     Melchior Ducius von Wallenberg
-  05.06.1727           Christoph von Seidlitz
-        -                      Herr von Craus auf Schreibendorf
-        -                      Herren von Leckow
1830                      Julius Cäsar Alberti
-  1847                      Kammerherr Berchthold Graf von Mülinen

1606 ließ der damalige Besitzer von Horn für die evangelische Bevölkerung die Kirche St. Matthaei errichten, die am 05.02.1654 den katholischen Bewohnern übereignet wurde. Die für die evangelische Bevölkerung zuständige Pfarrkirche war ab 1709 die Gnadenkirche in Landeshut. In Alt Weißbach gab es 1 evangelische Schule und eine Postagentur. Das zuständige Standesamt befand sich in Nieder Blasdorf. Einwohnerzahl: 1925 = 419 (davon 365 evangelisch), 1939 = 370. Die Bewohner des Ortes waren überwiegend in der Landwirtschaft tätig, ca. 56 %. Nur 20 % betrieben einen Handel oder ein Gewerbe.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785


Unten links: die Postagentur, rechts: die Schule

Kirche in Alt-Weißbach vom Beerberg aus gesehen.

Alt-Weißbach (Oberdorf) mit Beerberg.

Kirche mit Schule, Füchshübel, Friedenshöhe.

Das folgende Bild zeigt die Häuser von Alt Weißbach, im Hintergrund die Felder des Bauern Hermann Engler.

Die Kirchengemeinden in Alt-Weißbach:

Die weitaus überwiegende Mehrheit der Bewohner von Alt-Weißbach war evangelisch. 1925 hatte der Ort 419 Einwohner, davon waren nur 54 katholisch. Die evangelischen Einwohner gehörten zum Kirchspiel Landeshut, die Katholiken zum Kirchspiel Haselbach.

Im Jahr 1606 erbauten die damaligen Besitzer des Erb- und Lehngutes Pfaffendorf, die Brüder von Horn, in Alt-Weißbach für die evangelische Gemeinde eine Kirche. Das Gotteshaus wies im Chor ein Tonnengewölbe auf, das durch aufgeputzte Rippen als Netzgewölbe charakterisiert war. Der Barockaltar war mit Stuckeinlagen verziert. In der Kirche gab es ein paar bemerkenswerte alte Grabsteine. Sie galten einem Ritter, der im Jahre 1606 das Zeitliche gesegnet hatte und zwei adligen Damen, von denen eine Anno 1607 verstorben war. Außerdem war ein Ölporträt vorhanden, das auf Kupferblech gemalt war und die im Jahre 1708 verstorbene Frau Elisabeth Dorothea von Wallenberg darstellte.

Im Jahr 1654 kam die Reduktionskommision nach Weißbach, um die evangelische Kirche zu schließen und sie den Katholiken zu übereignen. Bei der Wegnahme der Kirche "betrieben die Weiber ein Geschrei und Geheul im Dorfe!". Die Kirche St. Matthaei war nunmehr für die evangelischen Einwohner des Dorfes verschlossen und sie mussten auf den Gottesdienstbesuch verzichten, da die nächsten evangelischen Kirchen in Jauer und Schweidnitz waren. Für die damaligen Verhältnisse waren dies unüberwindbare Entfernungen. Erst ab 1709 durften in Landeshut wieder evangelische Gottesdienste gehalten werden. Im Jahre 1848 erteilte der Fürstbischof von Breslau den evangelischen Einwohnern von Alt-Weißbach die Erlaubnis, in der katholischen Kirche achtmal im Jahr Gottesdienst zu feiern und ab 1861 zwölfmal. Später hielten beide Konfessionen ihre Gottesdienst darin ab.

Die katholische Gemeinde war keine eigene Pfarrei, sondern eine Filiale - eine Tochterkirche - von Haselbach. Der dortige Pfarrer war gleichzeitig auch für die Gemeinde Alt-Weißbach tätig. Als letzter katholischer Seelsorger vor der Vertreibung hat Herr Pfarrer Martin Schramm zum Wohle der Gemeinde gewirkt. Er wurde am 16.09.1890 geboren und am 10.06.1917 zum Priester geweiht. Nach der Vertreibung wurde er Pfarrer in Küntrop (Märkischer Kreis) und verstarb dort am 27.12.1956.

Wie seinem evangelischen Amtskollegen, Herrn Pfarrer Lothar Schmidt aus Haselbach, war es auch ihm gelungen, 2 Bronze-Glocken seiner früheren Filialkirche in Alt-Weißbach für seine jetzige Gemeindekirche in Küntrop zu erhalten. Diese beiden Glocken, in Schlesien 1661 und 1663 gegossen, waren 1942 für Kriegszwecke beschlagnahmt worden. Auf der Glocken-Sammelstelle in Hamburg waren sie wegen ihres Altertums- und Kunstwertes vor der Einschmelzung bewahrt worden und kehrten somit in der 3. Adventswoche des Jahres 1951 wieder zu ihrem Heimatpfarrer zurück.

Die Kirche St. Matthaei 

Blick auf den Altar

Abtransport der Glocken im Winter 1942 zur Einschmelzung

Totenzettel Martin Schramm

Die Kirche St. Matthaei - heute

Epitaph eines edlen Ritter an der Außenwand der Kirche

Konfirmanden des Jahrganges 1936 in Alt-Weißbach.

Die Schule:

Nach Zimmermanns 5. Band der Beyträge zur Beschreibung von Schlesien verfügte der Ort 1785 über 2 Schulhäuser. Knie führt in seiner Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preußischen Provinz Schlesien 1845 1 evangelisches Schulhaus und 1 katholische Schule auf, die jedoch zu diesem Zeitpunkt nur noch als Glöcknerwohnhaus diente.

Nach den Adressbüchern der Jahre 1911, 1925 und 1938 waren in Alt - Weißbach in diesen Zeiträumen folgende Lehrer tätig:

  • 1911                 =         Gustav Titze
  • 1925               =         Paul Wittwer
  • 1938               =         Kurt Hartert

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 44/1871.

Das Schulgebäude

Die frühere Schule heute

Lehrer Kurt Hartert mit Ehefrau (Aufnahme: nach 1938)
(Bild von Frau Christa Negro, geb. Kleinwechter)

Schüler mit ihrem Lehrer Kurt Hartert (Aufnahme: nach 1938)
(Bild von Frau Christa Negro, geb. Kleinwechter)

Richard Bürgel - Haus Nr. 29 - als Schüler

Die Scholtisei:

Quelle:

  • Taube, Tilmann: Die bäuerliche Führungsschicht im Grüssauer Klosterland von ca. 1550 bis 1750, Selbstverlag 2003


In Alt-Weißbach wird laut Landeshuter Kirchenbuch im Jahr 1634 Hans Ilner als Scholze genannt.

Die Gastronomie:

In Alt Weißbach gab es früher 3 Gasthöfe:
1. Haus Nr. 1                                              Der "Gerichtskretscham"
2. Haus Nr. 2                                             Die "Niederschänke"  (Besitzer: Wilhelm Scholz)
3. Haus Nr. 65                                           Die "Mittelschänke"

Haus Nr. 1 - Der "Gerichtskretscham" (Besitzer: Hermann Scharf)

Vor dem Gerichtskretscham

Das folgende Bild zeigt die "Mittelschänke" (Haus Nr. 65) 
Besitzer: August Moser, später Franz Köhler).

Haus Nr. 29 - Stell- und Wagnermeister Karl Bürgel 

mit Ehefrau Bertha und Sohn Richard.

Lehrbrief des Sohnes Richard Bürgel vom 3. April 1934.

Bilder aus dem Alltagsleben:

Schülerinnen der Landeshuter Mittelschule helfen während des Krieges dem Bauern Kuhn bei der Kartoffelernte.

Bei der Kartoffelernte

Bei der Kartoffelernte