Giesmannsdorf (Gostków)
(Verfasser: Hella Tegeler)
Gegründet wurde der Ort ca. 1305 als "Villa Goszwini", später Goswynsdorff. Im Jahr 1495 erfolgte die Umbennung in Gosmandorff, daraus wurde dann Giesmannsdorf.
Benannt wurde der Ort nach Goswin, der im Auftrage Bolkos I. Thüringer in der Talsenke am Giesbach ansiedelte. Das Dorf ist typisch für diese Kolonistensiedlungen als Straßendorf angelegt. Gießmannsdorf liegt in einer 2 km breiten und 5 km langen Talsenke von Nordwesten nach Südwesten. Beiderseits erheben sich stattliche Berge: nach Süden der massige Heidelberg und Kregler, nach Norden der Huhn-, Holz- oder Kohlberg genannt, die Friedfertigen, die Schickenbuche, der Spitzberg und das Wäldchen mit der Lagerwiese. Dort sollen Preußen vor der Hohenfriedeberger Schlacht gelagert haben. Nach Osten steigen der Windmühlen- und der Weinberg empor. Da die Höhenlage im Niederdorf 480 und im Oberdorf 570 m betrug und die kalten Winde vom Osten wie auch von der Koppe her ungehindert in das Tal streichen konnten, herrschte im Sommer eine gemäßigtere, im Winter dagegen eine kältere Temperatur als in den Nachbarorten. Daher nannte man den Ort im Volksmund auch "Klein-Sibirien".
Bis zum Jahr 1810 gehörte Giesmannsdorf zum Stift Grüssau.
Seit 1874 gehörte Gießmannsdorf neben der Gemeinde Neu Reichenau zum Kreis Bolkenhain. Später erfolgte die Umbenennung der Landgemeinde Gießmannsdorf in Giesmannsdorf. Am 1. Oktober 1932 wurde der Amtsbezirk Giesmannsdorf in den Kreis Landeshut eingegliedert. Bereits ein Jahr später , am 1. Oktober 1933, erfolgte die Eingliederung des Amtsbezirkes Giesmannsdorf in den Kreis Jauer.
Im Jahr 1911 hatte Giesmannsdorf 688 Bewohner, davon waren 524 evangelisch.
Quellen:
- Adressbuch des Kreises Bolkenhain von 1911
- Heimatbuch der schlesischen Kreise Jauer und Bolkenhain - 1982
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Wikipedia
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band 1785
Blick auf die Kirchen, links die evangelische Kirche und rechts die katholische Kirche.
Die Kirchengemeinden in Giesmannsdorf:
Giesmannsdorf war ein Kirchdorf mit Kirchen beider Konfessionen. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Bewohner war evangelisch. Im Schrifttum wird erstmalig im Jahr 1335 eine katholische Kirche erwähnt. Nach der Reformation wurde sie den evangelischen Gläubigen zugesprochen. Beide Konfessionen hielten zunächst ihre Gottesdienste darin ab. In der Zeit von 1615 - 1654 waren folgende 3 evangelische Pastoren hier tätig: Melchior Goleth, Elias Fiedler und Nikolaus Friebe.
Nach Abschluss des Westfälischen Friedens im Jahre 1648, als die sich bis dahin streitenden Mächte geeinigt hatten, dass der Landesherr die Religion und den Glauben seiner Landeskinder bestimmen dürfe, wurde die evangelische Kirche am 24. Januar 1654 den Protestanten weggenommen und den katholischen Bewohnern des Dorfes übereignet. In den kommenden 88 Jahren mussten die evangelischen Bewohner Giesmannsdorfs auf den Gottesdienstbesuch verzichten, da die nächsten evangelischen Kirchen in Jauer und Schweidnitz waren. Für die damaligen Verhältnisse waren dies unüberwindbare Entfernungen. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Gnadenkirchen in Landeshut und Hirschberg errichtet, die für die Dorfbewohner wieder einen Gottesdienstbesuch ermöglichten.
Erst nachdem Friedrich der Große im ersten schlesischen Krieg das schlesische Land erobert hatte, bekamen auch die Giesmannsdorfer wieder ein eigenes evangelisches Kirchspiel.
Die evangelische Kirchengemeinde:
Blick auf das Bethaus (2. Haus von links) und rechts die katholische Kirche
(Quelle: Jürgen Schwanitz)
Die evangelische Kirche
(Kartenausschnitt zur Verfügung gestellt von Herrn Andrzej Rogas)
Der Innenraum der evangelischen Kirche
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Im Jahre 1840 wurde die evangelische Kirche mit
3 neuen Glocken ausgestattet.
(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Band. 112, 11. Stück,
Nov. 1840, S. 477)
Die Ruine der früheren evangelischen Kirche
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Die Ruine der früheren evangelischen Kirche
(Bild zur Verfügung gestellt von Herrn Peter Fütterer)
Folgende Pastoren waren in der neuen evangelischen Kirche ab 1742 tätig:
Quellen:
- Grünewald: Aus der Predigergeschichte des Kirchenkreises Landeshut - Giesmannsdorf in: Schlesischer Gebirgsbote, Heft Nr. 12/1981
- Neß, Dietmar: Schlesisches Pfarrerbuch, 7. Band, Regierungsbezirk Liegnitz, Teil II - Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 2016
1742 - 1755 Gottfried Hilger
1755 - 1792 Emanuel Benjamin Hilger
1793 - 1817 Carl Heinrich Leupold
1817 - 1853 Christian David Spohrmann
Grabstein des Pastors Christian David Spohrmann
(Quelle: Bieniasiewicz)
1854 - 1857 Friedrich August Fuchs
1858 - 1872 Christian Siegismund Ernst
1873 - 1886 Hermann Gottlob Breitschwerdt
1886 - 1887 Vakanz
1887 - 1930 Paul Scholz
1931 - 1933 Georg Remann
1934 - 1941 Max Wilhelm Rose
1942 - 1945 Tassilo Fehse
Der frühere evangelische Friedhof:
Der ehemalige evangelische Friedhof vor der Instandsetzung.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Der ehemalige Friedhof vor der Instandsetzung
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Der Grabstein der Namensgeberin der Stiftung.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Das frühere Mausoleum der Familie Raupach, welches heute als Ausstellungshalle dient.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
In der Ausstellungshalle
In der Ausstellungshalle
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
In der Ausstellungshalle
Die Nordseite des Friedhofes mit Blick auf die große Grabstätte
der Familie Ullrich im Hintergrund. Im Vordergrund links die Reste der alten Umfriedungsmauer aus roten Klinkersteinen.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Die Grabstätte der Familie Ullrich
Grabstätte Heinrich Keil aus Neu-Reichenau
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Ruhestätte Keil aus Neu-Reichenau
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Rest eines Grabsteines Keil
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Gruft der Familie Jeremias Keil aus Neu-Reichenau
(Bild von Frau Pollack, zur Verfügung gestellt von Herrn Peter Fütterer)
An dieser Stelle befand sich früher die Gruft der Familie Keil.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Das Geheimnis eines durch Zufall entdeckten Grabes auf dem früheren evangelischen Friedhof:
Die Grabstätte des Pfarrers Fuchs.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Spezialisten aus Breslau bei der Untersuchung
der Gruft
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Eine Mitarbeiterin des Untersuchungsteams
bei der Arbeit.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Ehering mit den Initialen G.G (Gustav Gleesner)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Ehering mit den Initialen M.K. (Martha Knospe)
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Familie Gleesner
von rechts nach links: Gustav Gleesner, Martha Gleesner, geb. Knospe,
Tochter Helga und vorn Tochter Regina.
(Bild von Frau Pollack, zur Verfügung gestellt von Herrn Peter Fütterer)
Das Ehepaar Gleesner
(Bild von Frau Pollack, zur Verfügung gestellt von Herrn Peter Fütterer)
Gedenktafel für die Familie Gleesner
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Pfarrer Thomas Stawiak während des Gottesdienstes,
im Hintergrund die Gedenktafel.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Die katholische Kirchengemeinde:
Die katholische Kirche zur heiligen Barbara und Katharina liegt südlich vom Dorf auf einer kleinen Höhe nebst einem Kirchhof, der auch von den evangelischen Bewohnern des Ortes benutzt wurde. Diese Kirche wurde von Herzog Bolko I. von Schweidnitz im Jahre 1335 errichtet.
Ebenso wie die evangelische Gemeinde verfügte auch die katholische Gemeinde über ein eigenes Pfarrhaus.
Letzter deutscher katholischer Pfarrer war von 1927 - 1946 Alfons Raschke, geb. am 14.02.1888 in Breslau. Sein Vorgänger war Augustinus Feige (verst. am 14.06.1927).
Bis zur Rekatholisierung der Kirche Jahre 1654 waren folgende evangelische Pastoren hier tätig:
Quellen:
- Grünewald: Aus der Predigergeschichte des Kirchenkreises Landeshut - Giesmannsdorf in: Schlesischer Gebirgsbote, Heft Nr. 12/1981
- Neß, Dietmar: Schlesisches Pfarrerbuch, 7. Band, Regierungsbezirk Liegnitz, Teil II, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig - 2016
1573 - 1576 Valentin Paußkopf
- 1590 Jacob Janitius
1615 - 1617 Valentin Alberti der Jüngere
1617 - ? Melchior Colethus
Ca. 1630 - 1641 Vakanz
1641 - 1648 Elias Fiedler
1648 - 1654 Nicolaus Frieben (Frobenius)
1654 - 1742 Vakanz
(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 129, 6. Stück,
Juni 1849, S. 534)
Die katholische Kirche
Das katholische Pfarrhaus
Grabstein des katholischen Pfarrers Augustinus Feige
(Bild von Herrn Tilman Taube - Aufnahme :2005)
Das Kriegerdenkmal:
Das Kriegerdenkmal, im Hintergrund die evangelische Kirche.
(Bild zur Verfügung gestellt von
Herrn Peter Fütterer)
Das Kriegerdenkmal
Das Kriegerdenkmal - heute
(Bild zur Verfügung gestellt von
Herrn Peter Fütterer)
Ehrung am Kriegerdenkmal (Aufnahme: ca. 1935)
(Bild von Frau Elfriede Unger, zur Verfügung gestellt von Herrn Peter Fütterer)
Ehrung am Kriegerdenkmal (Aufnahme: ca. 1935)
(Bild von Frau Elfriede Unger, zur Verfügung gestellt von Herrn Peter Fütterer)
Die Schulen:
Es gab im Ort sowohl eine katholische als auch eine evangelische Schule.
Die evangelische Schule wurde 1742 errichtet.
Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 47, 6. Stück, Juni 1808, S. 568)
Von links nach rechts: ev. Schule, ev. Kirche, ev. Pfarrhaus.
(Dieses Bild stellte Herr Peter Fütterer zur Verfügung)
Schulanfang im Jahre 1936 mit Lehrer Gleesner. Im Hintergrund links das Schulgebäude und rechts die evangelische Kirche.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Lehrer Gleesner mit Schülerinnen und Schülern.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Die evangelischen Lehrer des Kirchspiels Giesmannsdorf um 1900
Von links nach rechts - hintere Reihe: Lehrer Weise - Hohenhelmsdorf, Lehrer Mücke - Neu-Reichenau, Kantor Lange - Giesmannsdorf, Hauptlehrer Mehrlein - Ruhbank.
Vordere Reihe: Lehrer Wittwer - Einsiedel, Pastor Scholz, nebenamtlicher Ortsschulinspektor, Lehrer Beer - Ruhbank.
Die Gastronomie:
Nach dem Adressbuch des Jahres 1911 gab es in Giesmannsdorf 4 Gasthöfe:
- Haus Nr. 1 = Gerichtskretscham Artur Prasse, später Oswald Keil
- Haus Nr. 57 = Brauerei und Brennerei Adolf Hermann
- Haus Nr. 79 = Gasthof Oswald Peuser
- Haus Nr. 95 = Forstkretscham Gustav Thiersch
Haus Nr. 1 - Der Gerichtskretscham
(Besitzer: Artur Prasse, später Oswald Keil)
Haus Nr. 1 - Der Gerichtskretscham -
Besitzer: Artur Prasse, später Oswald Keil
(Karte von Herrn Peter Fütterer)
Die Familie Oswald Keil im Jahre 1912
Von links nach rechts: Oswald Keil, seine 1. Ehefrau, im Kinderwagen Lotte Keil, ganz rechts mit Hut Herbert Keil.
(Bild von Herrn Peter Fütterer)
Haus Nr. 95 - Der Forstkretscham - Besitzer: Gustav Thiersch
(Karte von Herrn Peter Fütterer)
Haus Nr. 48 - Postagentur Heinrich Wolf
Haus Nr. 72 - Warenhandlung u. Drogerie Hermann Krinke
Gewerbetreibende in Giesmannsdorf
Auszug aus dem Amtlichen Adressbuch für Industrie, Handel und Gewerbe des Jahres 1927.
Windmühlen in Giesmannsdorf:
Die Bockwindmühle
Blick auf die Holländermühle
Die Holländermühle - heute
Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",
Heft Nr. 98/1856
Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",
Heft Nr. 88/1859