Der Liebauer Markt

(Verfasser. Hella Tegeler)

Quelle:
-
Schlesischer Gebirgsbote
- Wikipedia

Wie in vielen anderen schlesischen Städten steht auch in Liebau das Rathaus auf dem Ring, dem Marktplatz. Es wurde an der Stelle eines Vorgängerbaus in den Jahren 1723 - 1726 nach den Plänen des Architekten Felix Anton Hammerschmidt im Barockstil errichtet. Bei dem schrecklichen Stadtbrand von 1734 brannte das Rathaus zum Teil ab und wurde im Jahre 1781 wieder aufgebaut. Nachdem 1848 der neugotische Turm gebrannt hatte, wurde auch dieser wieder 1862 aufgebaut. Die Figur des heiligen Johann von Nepomuk an der südwestlichen Gebäudeecke stammt aus dem Jahre 1727.

Den schönsten Schmuck des Marktes bildeten die Lauben an der Westseite, die jedoch heute nur noch zum Teil erhalten geblieben sind. 

Das folgende Bild zeigt den Liebauer Markt mit dem Rathaus als Mittelpunkt. Im Hintergrund ragt der Heilige Berg empor.
(Das Bild von Herrn Dr. Andreas Reuschel zur Verfügung gestellt).

Das Rathaus

Die Liebauer Bürgermeister:

Created with Sketch.
  •                       Herr Hoffmann  (verst. 12/1814)
  •      02.1815     Kämmerer Martini für 6 Jahre
  • 24.06.1818     Bürgermeister Martini auf Lebenszeit
  •           1838     Herr Hielscher für 6 Jahre
  •      09.1843     Bürgermeister Hielscher für weitere 6 Jahre
  •      05.1848     Kaufmann Keßler für 6 Jahre
  •      03.1855     Bürgermeister Keßler für weitere 6 Jahre  (verst. 1864)
  •           1864     Bürgermeister Kreuz  (verst. 1876)                  
  •           1876      Bürgermeister Strecke  (verst. 21.10.1885)                   ?
  •   12.12.1885     Bürgermeister Leopold Springer aus Raudten

                               Ihm zu Ehren erhielt ein Weg auf dem Hl. Berg den Namen "Leopoldsweg". 

  •     08.1909      Bürgermeister Springer für weitere 12 Jahre
  • 01.04.1921       Bürgermeister Josef Schmitz aus Wittichenau für 12 Jahre
  • 01.04.1933      Bürgermeister Josef Schmitz für weitere 12 Jahre
  •           1935      Bürgermeister Otto Sendler

                               
Bürgermeister Josef Schmitz wurde im Jahre 1886 in Aachen geboren und kam am 1. April 1921 aus Wittichenau (Kreis Hoyerswerda) als Bürgermeister nach Liebau. Die ersten Jahre seiner Amtszeit waren geprägt durch die immer rascher fortschreitende Geldentwertung und die hohe Arbeitslosigkeit. Mit viel Umsicht und Tatkraft sorgte er aber auch in schwierigen Zeiten für die Weiterentwicklung der Stadt. So entstanden z. B. der Sportplatz, die Skisprungschanze, die städtische Mittelschule und die Elektrifizierung des gesamten Stadtgebietes. Am 1. April 1933 wurde der beliebte Bürgermeister erneut zum Stadtoberhaupt gewählt. Die neue, zum Stadion führende Straße wurde nach ihm benannt: "Bürgermeister-Schmitz-Straße". Nur zwei Jahre später nahm seine Amtszeit aufgrund politischer Gegebenheiten ein jähes Ende. Bürgermeister Schmitz wurde vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Er verließ mit seiner Familie Liebau und verzog nach Breslau. Im Januar 1945 kehrte er wegen der Kriegshandlungen in Breslau nach Liebau zurück. Im Jahr 1946 musste die Familie dann Liebau für immer verlassen und zog nach Alsdorf. Dort wurde er noch einmal zum Bürgermeister gewählt. Josef Schmitz verstarb am 26. Juni 1947.

Quellen:

  • Schlesischer Gebirgsbote, Hefte Nrn. 20/1956, 6/1974 und 7/1974
  • Wikipedia

Beamte und Angestellte der Stadtverwaltung Liebau mit ihrem Bürgermeister Josef Schmitz (Bildmitte) während eines Ausfluges zu den Grenzbauden am 10.09.1932.

Ein Gang durch das Rathaus:

Created with Sketch.

Im Erdgeschoss des Rathauses befand sich bis mindestens 1925 das Modewaren- und Konfektionsgeschäft Drescher, Inhaberin: Hedwig Grüßner. Später musste dieses Geschäft ausziehen, weil die Räumlichkeiten infolge Raummangels dringend benötigt wurden. Über eine breite Treppe gelangte man in die 1. Etage. Die 1. Tür links führte zur Stadthaupt- und Sparkasse. Daneben war das Einwohnermeldeamt. Sodann kam man zum Stadtverordneten-Sitzungszimmer. Hier wurde von ca. 22 Stadtverordneten über das Wohl und Wehe der Stadt beraten. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich das Zimmer des Bürgermeisters. Hier fanden auch die wöchentlichen Sitzungen des Magistrates statt. Da der Bürgermeister um 1910 auch gleichzeitig Standesbeamter war, wurden dort auch die Eheschließungen vollzogen und die Geburten und Sterbefälle angemeldet. Später wurde ein besonderes Standesamtszimmer eingerichtet. Neben dem Bürgermeisterzimmer befanden sich das Sekretariat und noch eine Schreibstube. Daran schloss sich ein kleiner Raum für 2 Polizeibeamte an (später Büro des Steuersekretärs). Ein weiterer kleiner Raum mit eiserner Tür diente als Archiv.

In der 2. Etage (Vorderseite) befand sich die sog. Fahnenstube. Dort wurden Fahnen aufbewahrt und alte Akten gelagert. Gegenüber befanden sich 2 Wohnungen, die später vom Hausmeister bewohnt wurden.

Als der Fremdenverkehr einsetzte, entstand das Verkehrsamt und zur Zeit der Lebensmittel-bewirtschaftung eine Stelle zur Verteilung der Lebensmittelkarten.

Infolge der Eingemeindung der Orte Dittersbach grüss. und Ullersdorf am 1. Januar 1936 wurden die Arbeitsbereiche größer. Im Erdgeschoss wurde in dem früheren Modewaren- und Konfektions-geschäft eine Polizeiwache eingerichtet. Zuvor waren hier Büroräume des Gaswerkes  untergebracht gewesen. Daneben befand sich das Wohlfahrtsamt. Daran schlossen sich das Polizeisekretariat, das Standesamt und das Einwohnermeldeamt an.

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote, Heft Nr. 7/1957

Blick auf die Lauben an der Westseite des Marktplatzes

Rechts: Die Figur des heiligen Johann von Nepomuk

Blick auf die Lauben an der Westseite des Marktplatzes, rechts im Bild die Rathausecke mit der Nepomukfigur

Blick auf die Lauben an der Westseite des Marktplatzes, links im Bild die Rathausecke

Unter den Lauben mit Blick auf den Gasthof "Zur Forelle"

Unter den Lauben mit Blick auf das Rathaus

Markt Nr. 7 - Die Stadt-Apotheke:

Im Jahre 1780 erhielt diese Apotheke ein Privileg. Ob es sich dabei um die Gründung oder nur um die Bestätigung einer bereits bestehenden Konzession handelt, kann nicht mehr ermittelt werden. 1815 war Besitzer der Apotheke ein Herr Franke. Nachfolger wurde 1824 Friedrich Ludwig Kessler, Apotheker und Kaufmann. Seit 1824 war er Ratmann und von 1849 bis 1864 auch Bürgermeister. Für seine Verdienste um das Gemeinwohl wurde er später mit der Ehrenbürgerschaft ausge-zeichnet. Er starb am 9. Oktober 1868. Bereits vor 1850 hatte er die Apotheke an Richard Kursawa abgegeben, von dem sie im Jahre 1877 Dr. Otto Pfeiffer erwarb. Dieser verkaufte die Apotheke 1889 an Eduard Kluge. Sein Nachfolger wurde ab 1. Januar 1916 Dr. Ing. Emil Lux. Dieser verpachtete das Geschäft 1934 an Hermann Genius, und auf diesen folgte als Pächter im Jahre 1939 der Apotheker Dipl. Ing. Kurt Thomas. Als er 1941 die Konzession für die Katharinen - Apotheke in Lamsdorf erhielt, übernahm die Apothekerin Eva Lux, Tochter des Dr. Lux, die Pacht. 
Auch heute befindet sich wieder eine Apotheke in dem Haus Nr. 7.

Das folgende Bild zeigt die Stadt-Apotheke (1. Haus von links).

Schmidt`s Hotel

Markt Nr. 14

Gasthof "Zur Forelle"

Markt Nr. 15

Hotel "Kyffhäuser"

Markt Nr. 19

Der Markt mit dem Blick auf Schmidt`s Hotel

Markt Nr. 20 - Das sog. "Damenhaus" der Familie Wihard

Haus Nr. 20 - Salon im Wihard-Haus

Der Liebauer Markt im Jahre 2016:

Die folgenden 5 Bilder wurden von Frau Dr. Susanne Krusche aus Hannover zur Verfügung gestellt.

Im Hintergrund "Schmidt`s Hotel" und Gasthof "Zur Forelle"

Das Rathaus

Das 1. Haus links: die frühere Stadt-Apotheke.
Auch heute befindet sich in diesem Haus wieder eine Apotheke

Rechts im Bild: "Schmidt`s Hotel"