Albendorf (Okrzeszyn)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Albendorf liegt im Süden des Kreises Landeshut im Tal des Glaserwassers. Der Ort ist von waldbedeckten Höhen umgeben und befindet sich unmittelbar an der tschechischen Grenze. Heute gehört Albendorf zur Landgemeinde Lubawka (Liebau) und hat 278 Einwohner.

Erstmalig erwähnt wird der Ort 1260 unter dem Namen "Alberonis villa". Im Jahre 1352 lautete die Ortsbezeichnung "Albirdorf" oder auch "Albertsdorf". Von 1378 - 1810 (Säkularisation) war Albendorf im Besitz des Kloster Grüssau. Die katholische Pfarrkirche wurde zwischen 1720 und 1722 gebaut. Zusätzlich gab es eine katholische Begräbniskapelle. Im Ort befand sich auch eine kleine evangelische Kirche. Die evangelischen Bewohner gehörten zum Kirchspiel Schömberg. Im Ort befand sich eine katholische Schule. Das zuständige Standesamt war ebenfalls im Ort. Einwohnerzahl: 1925 = 606 (davon 99 evangelisch), 1939 = 550. Nach der dörflichen Berufsstatisktik des Jahres 1933 waren ca. 33 % der Bewohner in der Landwirtschaft tätig, 24 % betrieben einen Handel oder Gewerbe und 14 % waren Weber. Früher war Albendorf Endstation der bekannten Ziedertalbahn. Ein Fußweg führt zu den nahen Adersbacher Felsen.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band 1785

Im Bild rechts unten: Haus Nr. 88 - Warenhandlung des Ottokar Letzel

Das Niederdorf mit Begräbniskirche, Friedhof und Zollamt

Albendorf im Sommer

Albendorf im Winter

Die katholische Pfarrkirche:

Sie wurde zwischen den Jahren 1720 und 1722 errichtet. Im Jahre 1856 wurde der Turm angebaut.

Die katholische Pfarrkirche

Die katholische Pfarrkiche 

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim - Aufnahme: 2016)

Innenansicht der katholischen Pfarrkirche vor dem Krieg

Innenansicht der katholischen Pfarrkirche heute

Blick zur Orgel

Die Kanzel

Die katholische Begräbniskapelle:

Sie wurde erstmals 1352 erwähnt und 1580 erweitert. Im Jahre 1736 erfolgte der Umbau.
Auf dem alten Friedhof befinden sich noch einzelne alte deutsche Grabsteine.

Die katholische Begräbniskapelle

Grabstein des Gutsbesitzers Johann Weyrich (27.12.1847 - 10.10.1915)

(Albendorf Haus Nr. 9)

Das folgende Bild zeigt den letzten katholischen Pfarrer von Albendorf und Berthelsdorf, Prälat Joachim Wolff. Geboren wurde er in Oppeln und im Jahre 1933 zum Priester geweiht.

Die evangelische Kirche

Das Kriegerdenkmal

Vermutlich handelt es sich hier um Konfirmanden um 1900 - 1910.

Der Bahnhof:

Der Bahnhof - Endstation der Ziedertalbahn

Die 4 folgenden Bilder zeigen Ausschnitte der Bauskizzen des Bahnhofsgebäudes und des Lokschuppens. Sie stammen aus dem Geheimen Staatsarchiv-Preußischer Kulturbesitz in
Berlin Dahlem.
Quelle: GStA PK XVII HA Schlesien Rep 230 Nr. 249/46 Bahnhof Albendorf.

Zur Verfügung gestellt wurden sie von Herrn Dr. Joachim Braun.

Skizze des Empfangsgebäudes

Erdgeschoss des Empfangsgebäudes

Obergeschoss des Empfangsgebäudes

Skizze des Lokschuppens

Die Schule:

Zimmermann erwähnt in seinem 5. Band der Beyträge zur Beschreibung von Schlesien im Jahr 1785 bereits ein Schulhaus.

Nach den Adressbüchern der Jahre 1911, 1925 und 1938 waren in diesen Zeiträumen in Albendorf folgende Lehrer tätig:

  • 1911              =           Kantor Max Kleinert

                                         Atalis Manczynski

  • 1925             =           Kantor Max Kleinert

                                         Oswald Pohl

  • 1938             =           Kantor Paul Wittwer

                                         Georg Förster

Das Schulgebäude

Schülerinnen und Schüler der Volksschule Albendorf mit Kantor Kleinert
 und Lehrer Roschinsky (Aufnahme: 1931)

Haus Nr. 3 - Bauerngut der Familie Gläser (Aufnahme: 1892)
Dieses Haus wurde im Jahre 1892 von Josef Gläser errichtet.
(Bild von Herrn Gerhard Gläser)

Haus Nr. 38 - Familie Tschöke (Aufnahme: 1992)

Haus Nr. 56 - Vor dem Haus der Familie Flegel

Haus Nr. 56 - Waschtag bei der Familie Flegel

Haus Nr. 58 - Kolonialwarengeschäft Hedwig Kopetsch
Dieses Haus wurde im Jahre 1994 abgerissen.

Haus Nr. 88 - Warenhandlung Ottokar Letzel

Die Siedlung

Die Gastronomie:

In Albendorf gab es früher 5 Gasthäuser:
1. Gasthaus                             "Zur Scholtisei"
2. Gasthaus                            "Zum preußischen Adler"
3. Gasthaus                            "Zum Kronprinz"
4. Gasthaus                           " Zur Landesgrenze"
5. Die Buchenbergbaude (außerhalb des Ortes)

Die Scholtisei:

Vorbemerkung:
Quelle:

  • Von Lutterotti, Nikolaus: Die Scholtiseien der Grüssauer Stiftsdörfer im Kreise Landeshut um 1400 in: Heimatkalender des Kreises Landeshut/Schl. 1927, herausgegeben von Kreisausschuß-Sekretär Hornig Landeshut 1. Jahrgang - Druck: Schlesierverlag L. Heege, Schweidnitz


Zu den kostbarsten Stücken des Grüssauer Klosterarchivs gehört ein auf Pergament geschriebenes Zinsregister des Klosters, das um das Jahr 1400 entstanden ist. Dieses Zinsregister enthält u. a. auch wertvolle Angaben über die Geschichte der Scholtiseien des Kreises Landeshut. In der Kolonisationszeit warben Unternehmer, auch Lokatoren genannt, im Auftrag des Grundherren Kolonisten aus dem deutschen Westen an und siedelten dieselben in bereits bestehenden slawischen Dörfern oder auf Neurodungen an. Als Entgelt für ihre Bemühungen erhielten diese Lokatoren in der neuen Siedlung ein Stück Land, das frei war von jeder Abgabe an den Grundherren. Nur im Kriegsfalle waren manche von ihnen zur Heeresfolge mit einem Roß verpflichtet. Dieser herzogliche Roßdienst wurde später vom Landesfürsten öfters dem Kloster geschenkt, so dass er in Kriegszeiten dem Abt geleistet wurde. Das Ansehen, dass der Lokator durch seine Steuerfreiheit und seinen größeren Besitz besaß, sicherte ihm und seinen Nachkommen eine hervorgehobene Rolle im Dorfe zu. Als "Scholze" wurde er das Dorfoberhaupt und die berufene Mittlerperson im Verkehr mit dem Grundherren. Oft erweiterte er seinen Grundbesitz durch Erbschaft und Käufe. Für diesen Zuwachs musste er aber Zins und Dienste leisten wie die anderen Dorfbewohner. Nur das Stammgut blieb steuerfrei. Es wurde als eine Art Lehen angesehen. Ohne Genehmigung des Abtes konnte es nicht veräußert werden. Bei Besitzwechsel zog der Abt für die Weitergewährung der Privilegien eine Abgabe von 10 Proz., das "Laudemium", ein. Um die Oberhoheit des Abtes anzuerkennen, mussten die Scholzen auch von ihrem steuerfreien Stammgut einen kleinen, sinnbildlichen Anerkennungszins entrichten. Meist waren sie verpflichtet, sich zweimal im Jahr dem Abt mit einem kleinen Geschenk vorzustellen, das bald näher bestimmt, bald ihrem Belieben überlassen war. Man nannte das "den Herrn Abt ehren = honorare Dominum Abbatem".

Die Scholzen hatten auch die Niedergerichtsbarkeit (judicium) und die Niedervogtei (advocatia) in ihrem Dorfe. Zur niederen Gerichtsbarkeit gehörten die Fälle, die heute der Schiedsmann schlichtet. Vor der niederen Vogtei wurden Käufe und Verträge abgeschlossen. Manche Scholzen besaßen das Jagdrecht auf Hasen und Federwild. Sie waren dann zu Wildbrettlieferungen an das Stift verpflichtet.

Nach dem Zinsregister aus dem Jahr 1400 wurden von der Albendorfer Scholtisei folgende Leistungen an den Abt geleistet:
Die Scholtisei hatte noch ihren ursprünglichen Umfang. Wer die niedere Gerichtsbarkeit und Vogtei ausübte, steht nicht fest, jedenfalls nicht der Scholze. Im Kriegsfalle musste dieser dem Herzog mit einem guten, mindestens 3 Mark Silber werten Pferde Heeresfolge leisten. Dieser herzogliche Roßdienst war ans Kloster abgetreten worden und musste in Kriegszeiten dem Abte geleistet werden, vermutlich zum Schutze des Klosters. An Ehrengeschenken gab der Scholze für die Hasen- und Vogeljagd zu Weihnachten einen Hasen und einige Waldhühner, für seinen Scholtiseibesitz zu Ostern zwei Schweineschultern (Speckseiten).

Namentliche Aufstellung der Scholzen:

Quelle:

  • Taube, Tilmann: Die bäuerliche Führungsschicht im Grüssauer Klosterland von ca. 1550 bis 1750, Selbstverlag 2003


Die Scholtisei in Albendorf war neben denen in Görtelsdorf, Klein-Hennersdorf und Oppau eine der reichsten und prestigeträchtigsten im ganzen Grüssauer Klostergebiet. 
Die Besitzerfolge stellt sich ab ca. 1550 wie folgt dar:
I.    Generation:       Georg Schremmer       Erb- und Gerichtsscholze (EuGS) vor 1575
II.   Generation:       Matz Gomprecht          EuGS  ab 1575
III.  Generation:       Georg Gomprecht        EuGS  vor 1595
                                 Hans Grundmann         EuGS  ab ca. 1595, genannt noch 1628
                                                                         Er war mit der Witwe des Georg Gomprecht verheiratet.
                                 Friedrich Grällert           EuGS  1640, 1651   (* err. 1614,  + 1669)
                                                                         Er war mit der Witwe des Hans Grundmann verheiratet.
IV.  Generation:       Christoph Grundmann   EuGS  ab 1651       (* grob 1610,  + 1688)
V.   Generation:       Gottfried Hentschel        EuGS  1683
VI.  Generation:       Hans Christoph Flegel    EuGS
                                  Caspar Becker                 EuGS  genannt 1728 bis ca. 1744
                                                                      Er war mit der Witwe des Hans Chistoph Flegel verheiratet.
VII. Generation:       Johann Joseph Flegel      EuGS  ab ca. 1744

Nach der Verkaufsanzeige in der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge (s. unten) gehörte die Scholtisei im Jahre 1863 einem Reich.
Laut Adressbücher der Jahre 1911, 1925 und 1938 waren die Eigentümer Berta Fichtner, danach Hermann Fichtner und zuletzt Robert Münsterberg.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 52/1863.

Haus Nr. 1 - Gasthaus "Zur Scholtisei"

 (Besitzer: Berta Fichtner, danach Hermann Fichtner,
 zuletzt Robert Münsterberg)

Gasthaus "Zur Scholtisei"

Das folgende Foto zeigt links das Gasthaus "Zum Preußischen Adler" (Haus Nr. 104) und rechts die Bäckerei des Bäckermeisters Alfred Gläser (Haus Nr. 103) - Aufnahme: 1994.

Haus Nr. 104 - Gasthaus "Zum preußischen Adler"

(Besitzer: Theodor Hilscher, später Florian Beckert)

Haus Nr. 104 - Gasthaus "Zum preußischen Adler"
(Besitzer: Theodor Hilscher, später Florian Beckert)

Haus Nr. 112 - Gasthof zum "Kronprinz"

(Besitzer: Ed. Bock, danach Theresia Bock, später Ernst Walter)

Werbung

Haus Nr. 126 - Gasthaus "Zur Landesgrenze"


Robert Schmidt war Gastwirt und zugleich Gemeindevorsteher.

Die Buchenbergbaude (Besitzer: Robert Teske)

Sie lag außerhalb des Ortes und war ein sehr beliebtes Wanderziel, das in ca. 1 Stunde Fußweg zu erreichen war.

Die Buchenbergbaude (Besitzer: Robert Teske)

Die Grube "Neue Gabe Gottes":

Im Jahre 1792 wurde die Grube "Neue Gabe Gottes" eröffnet. In diesem Stollenbetrieb wurde bis 1809 Kohle abgebaut. Wegen Absatzmangel musste der Betrieb allerdings dann geschlossen werden. 1836 erfolgte ein zweiter Versuch. Im Jahre 1840 förderten 7 Bergleute 4.900 Tonnen zu je 4 Zentner. Doch auch dieser Versuch scheiterte. Im Jahre 1920 setzte eine GmbH die "Neue Gabe Gottes" wieder in Betrieb. Bis zur endgültigen Schließung im Jahre 1925 waren zeitweise 400 Bergleute auf der Grube tätig.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 1/1841.

Mechanische Leinenweberei Richard Bönsch:

Ein wichtiger Arbeitgeber in Albendorf war die mechanische Leinenweberei von Richard Bönsch.

Werbung

Betriebsausflug der Mitarbeiter der Firma Bönsch im Jahre 1938

Die Landrat-Fiebrantz-Straße

Im Oktober 1932 durchschnitt Landrat Dr. Fiebrantz das Band der von dem Kreisbaumeister Georg Tschoerner gebauten Straße an der Landesgrenze bei Albendorf zur Tschechoslowakei. Mit dieser Landstraße war die Verbindung des Ziedertales zur benachbarten Tschechoslowakei geschaffen worden.

Die Landesgrenze

Das Sühnekreuz in Albendorf:

Sühnekreuze sind Denkmale mittelalterlichen Rechts. Sie geben einen Hinweis auf ein Verbrechen, auf einen Totschlag oder einen Mord. Der überwiegende Teil der Sühnekreuze ist in Kreuzform gestaltet, oftmals ist auch die Mordwaffe in den Stein gehauen. In der mittelalterlichen Zeit, als vielerorts noch das Recht des Stärkeren galt, glaubte man, dass die Seele des Erschlagenen keine Ruhe finden würde, dass sie als Irrlicht oder Gespenst solange herumirren würde, bis eine Bestrafung des Täters erfolgt und bestimmte Auflagen erfüllt seien. Die Partei des Täters wie auch des Opfers einigte sich - oft über dem Grab des Erschlagenen - auf eine weltliche und kirchliche Buße, die auch zur "Entsühnung" des Täters und zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft führen sollten. Die weltliche Buße bestand u. a. aus dem eigenhändigen Schlagen eines "Sühnekreuzes" aus einem schweren Natursteinbrocken. Dass die "Sühnekreuze" nie den Namen des Steinmetzes tragen, ist daher nur verständlich.
Auch in Albendorf steht ein solches Sühnekreuz, wie das folgende Foto zeigt (Aufnahme: 2009)

Bilder aus dem Alltagsleben:

Das folgende Bild zeigt das Turnerfest in Albendorf.

Erntezeit in Albendorf

Erntezeit in Albendorf

Hochzeit im Haus Nr. 83 - Jutta Pasler
(Bild von Herrn Hubert Jahn)

Diesen Kartenausschnitt stellte Herr Hubert Jahn zur Verfügung.
Hier sind noch die alten Ortsnamen aufgeführt. Am 28.11.1929 erfolgte der Zusammenschluss der Orte Kratzbach und Leuthmannsdorf zur Gemeinde Erlendorf.
Die Umbenennung des Ortes Blasdorf bei Schömberg in Tannengrund wurde am 15.06.1936 vollzogen.