Albendorf (Okrzeszyn)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Albendorf liegt im Süden des Kreises Landeshut im Tal des Glaserwassers. Der Ort ist von waldbedeckten Höhen umgeben und befindet sich unmittelbar an der tschechischen Grenze. Heute gehört Albendorf zur Landgemeinde Lubawka (Liebau) und hat 278 Einwohner.

Erstmalig erwähnt wird der Ort 1260 unter dem Namen "Alberonis villa". Im Jahre 1352 lautete die Ortsbezeichnung "Albirdorf" oder auch "Albertsdorf". Von 1378 - 1810 (Säkularisation) war Albendorf im Besitz des Kloster Grüssau. Die katholische Pfarrkirche wurde 1724 gebaut. Zusätzlich gab es eine katholische Begräbniskapelle. Im Ort befand sich auch eine kleine evangelische Kirche. Die evangelischen Bewohner gehörten zum Kirchspiel Schömberg. Im Ort befand sich eine katholische Schule. Das zuständige Standesamt war ebenfalls im Ort. Einwohnerzahl: 1925 = 606 (davon 99 evangelisch), 1939 = 550. Nach der dörflichen Berufsstatisktik des Jahres 1933 waren ca. 33 % der Bewohner in der Landwirtschaft tätig, 24 % betrieben einen Handel oder Gewerbe und 14 % waren Weber. Früher war Albendorf Endstation der bekannten Ziedertalbahn. Ein Fußweg führt zu den nahen Adersbacher Felsen.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band 1785

Im Bild rechts unten: Haus Nr. 88 - Warenhandlung des Ottokar Letzel

Das Niederdorf mit Begräbniskirche, Friedhof und Zollamt

Albendorf im Sommer

Albendorf im Winter

Die evangelische Kirche

Die katholische Pfarrkirche im September 2009
(Bild von Przenek Jermanczek)

Innenansicht der katholischen Pfarrkirche

Das Kriegerdenkmal

Der Bahnhof - Endstation der Ziedertalbahn

Das Schulgebäude

Haus Nr. 3 - Bauerngut der Familie Gläser (Aufnahme: 1892)
Dieses Haus wurde im Jahre 1892 von Josef Gläser errichtet.
(Bild von Herrn Gerhard Gläser)

Haus Nr. 38 - Familie Tschöke (Aufnahme: 1992)

Haus Nr. 56 - Vor dem Haus der Familie Flegel

Haus Nr. 56 - Waschtag bei der Familie Flegel

Haus Nr. 58 - Kolonialwarengeschäft Hedwig Kopetsch
Dieses Haus wurde im Jahre 1994 abgerissen.

Haus Nr. 88 - Warenhandlung Ottokar Letzel

Die Gastronomie:

In Albendorf gab es früher 5 Gasthäuser:
1. Gasthaus                             "Zur Scholtisei"
2. Gasthaus                            "Zum preußischen Adler"
3. Gasthaus                            "Zum Kronprinz"
4. Gasthaus                           " Zur Landesgrenze"
5. Die Buchenbergbaude (außerhalb des Ortes)

Die Scholtisei:

Die Scholtisei in Albendorf war neben denen in Görtelsdorf, Klein-Hennersdorf und Oppau eine der reichsten und prestigeträchtigsten im ganzen Grüssauer Klostergebiet (s. Taube, Tilmann: "Die bäuerliche Führungsschicht im Grüssauer Klosterland, Selbstverlag 2003).
Das Vorhandensein eines Scholzen wird bereits vor 1575 erwähnt. Erb- und Gerichtsscholze war damals Georg Schremmer.

Haus Nr. 1 - Gasthaus "Zur Scholtisei"

 (Besitzer: Berta Fichtner, danach Hermann Fichtner,
 zuletzt Robert Münsterberg)

Gasthaus "Zur Scholtisei"

Das folgende Foto zeigt links das Gasthaus "Zum Preußischen Adler" (Haus Nr. 104) und rechts die Bäckerei des Bäckermeisters Alfred Gläser (Haus Nr. 103) - Aufnahme: 1994.

Haus Nr. 104 - Gasthaus "Zum preußischen Adler"

(Besitzer: Theodor Hilscher, später Florian Beckert)

Haus Nr. 104 - Gasthaus "Zum preußischen Adler"
(Besitzer: Theodor Hilscher, später Florian Beckert)

Haus Nr. 112 - Gasthof zum "Kronprinz"

(Besitzer: Ed. Bock, danach Theresia Bock, später Ernst Walter)

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Die Buchenbergbaude (Besitzer: Robert Teske)
Sie lag außerhalb des Ortes und war ein sehr beliebtes Wanderziel, das in ca. 1 Stunde Fußweg zu erreichen war.

Die Buchenbergbaude (Besitzer: Robert Teske)

Die Grube "Neue Gabe Gottes":

Im Jahre 1792 wurde die Grube "Neue Gabe Gottes" eröffnet. In diesem Stollenbetrieb wurde bis 1809 Kohle abgebaut. Wegen Absatzmangel musste der Betrieb allerdings dann geschlossen werden. 1836 erfolgte ein zweiter Versuch. Im Jahre 1840 förderten 7 Bergleute 4.900 Tonnen zu je 4 Zentner. Doch auch dieser Versuch scheiterte. Im Jahre 1920 setzte eine GmbH die "Neue Gabe Gottes" wieder in Betrieb. Bis zur endgültigen Schließung im Jahre 1925 waren zeitweise 400 Bergleute auf der Grube tätig.

Mechanische Leinenweberei Richard Bönsch:

Ein wichtiger Arbeitgeber in Albendorf war die mechanische Leinenweberei von Richard Bönsch.

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Betriebsausflug der Mitarbeiter der Firma Bönsch im Jahre 1938

Die Landrat-Fiebrantz-Straße

Im Oktober 1932 durchschnitt Landrat Dr. Fiebrantz das Band der von dem Kreisbaumeister Georg Tschoerner gebauten Straße an der Landesgrenze bei Albendorf zur Tschechoslowakei. Mit dieser Landstraße war die Verbindung des Ziedertales zur benachbarten Tschechoslowakei geschaffen worden.

Die Landesgrenze

Das Sühnekreuz in Albendorf:

Sühnekreuze sind Denkmale mittelalterlichen Rechts. Sie geben einen Hinweis auf ein Verbrechen, auf einen Totschlag oder einen Mord. Der überwiegende Teil der Sühnekreuze ist in Kreuzform gestaltet, oftmals ist auch die Mordwaffe in den Stein gehauen. In der mittelalterlichen Zeit, als vielerorts noch das Recht des Stärkeren galt, glaubte man, dass die Seele des Erschlagenen keine Ruhe finden würde, dass sie als Irrlicht oder Gespenst solange herumirren würde, bis eine Bestrafung des Täters erfolgt und bestimmte Auflagen erfüllt seien. Die Partei des Täters wie auch des Opfers einigte sich - oft über dem Grab des Erschlagenen - auf eine weltliche und kirchliche Buße, die auch zur "Entsühnung" des Täters und zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft führen sollten. Die weltliche Buße bestand u. a. aus dem eigenhändigen Schlagen eines "Sühnekreuzes" aus einem schweren Natursteinbrocken. Dass die "Sühnekreuze" nie den Namen des Steinmetzes tragen, ist daher nur verständlich.
Auch in Albendorf steht ein solches Sühnekreuz, wie das folgende Foto zeigt (Aufnahme: 2009)

Bilder aus dem Alltagsleben:

Das folgende Bild zeigt das Turnerfest in Albendorf.