Der Schömberger Galgen

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:

  • Chronik von Schömberg
  • Dr. Wojtucki, Daniel: Dissertation - Der Scharfrichter und seine Arbeit in Schlesien, Oberlausitz und Grafschaft Glatz vom frühen 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts
  • Duma/Dr. Wojtucki: Die Abdeckerei und die Hinrichtungsstätte u. a. in Kamienna Góra (Landeshut)
  • Sehler Michel: Eine alte Chronik berichtet - Schlesischer Gebirgsbote Nr. 9 und 10/1957


In den Jahren ab 2012 forschte Herr Dr. Daniel Wojtucki (Universität Wroclaw - Breslau) mit Archäologen und Historikern von der Gesellschaft für den Schutz und die Erforschung von juristischen Denkmälern (SOIBZP) nach Überresten von Hinrichtungsstätten u. a. auch in Schömberg, und sie wurden fündig. 

Nach der Chronik von Schömberg stand der Galgen in der Nähe des Schießhauses. Er soll wohl um 1593 errichtet worden sein. Beim Bau dieses Galgens orientierte man sich an dem Landeshuter Galgen. Dieser war massiv aus Steinen in runder Form mit einem Durchmesser von 6 m und einem Zugang mit einer massiven Holztür ins Innere gemauert. Er hatte drei aus dem Ring aufstrebende Steinsäulen, die im Dreieck durch Holzbalken miteinander verbunden waren, an denen man auch mehrere Delinquenten gleichzeitig bzw. auch zu unterschiedlichen Zeiten (längerfristig) aufhängen konnte. In Schömberg war er laut Chronik von einer Mauer umgeben.

Nach dem Ergebnis der Grabungen war im Gegensatz zu Landeshut in Schömberg nur noch das Fundament zu erkennen. Mauerreste waren nicht mehr vorhanden. Die Chronik besagt, dass der Galgen im Jahre 1826 entfernt wurde.

                                                                                      Skizze des Galgens

Laut Dr. Wojtucki sind aus Schömberg folgende Scharfrichter namentlich bekannt:

  1. Johann Heinrich Schlott                  (1701,  + 1724)
  2. Johann Joseph Schlutt                     (1765,   + 1774)
  3. Karl Ring                                            (1776, 1788)


Die Scharfrichter waren früher gefürchtet, aber sie wurden auch respektiert. Das jeweilige Stadtgericht war zuständig für die Einstellung, Besoldung oder Entlassung des Scharfrichters. Neben einer kostenlosen Dienstwohnung stand ihm jedes Vierteljahr, Halbjahr oder Jahr ein festgelegtes Honorar zur Verfügung. Der Scharfrichter und seine Familie waren von gewissen bürgerlichen Pflichten befreit, wie z. B. die Zahlung von Zinsen und Steuern. Die Scharfrichter erhielten Brennholz und Heu entweder direkt von der Stadt geliefert oder sie mussten es selbst an bestimmten Orten abholen. Manchmal bekamen sie auch Weizen oder Kleidung oder ein "Trinkgeld" anlässlich von Jahrmärkten oder anderen Festen. Zur Ausstattung des Scharfrichters gehörte auch ein von der Stadt angeschaffter Wagen (Schinderwagen).

Belegt und soweit bisher bekannt gab es in Schömberg folgende Hinrichtungen:

  1. Am 20.07.1628 wurden die Personen gerichtet, die an der Ermordung des Grüssauer Abtes Martinus Clavaei am 29.12.1620 beteiligt waren.
  2. Am 03.04.1716 wurde der Schenk Sigmund Waltzel aus Leutmannsdorf hingerichtet. Er hatte schweren Diebstahl begangen.

Fundament des Galgens (Bild von Herrn Dr. Daniel Wojtucki)

Fundament des Galgens (Bild von Herrn Dr. Daniel Wojtucki)