Bauden M - Q

  • (Verfasser: Hella Tegeler)

Die "Mädelstegbaude"  (773 m)

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Die Mädelstegbaude lag, idyllisch im Wald eingeschlossen, am Fuß der Mädellehne, ca. 150 Meter entfernt, wo das Weißwasser in die Elbe fließt. Sie befand sich auf der böhmischen Seite des Riesengebirges.

Um 1860 diente die Baude als Unterkunftshütte für Arbeiter. Der erste Bewohner war ein gewisser Kraus, gebürtig aus Krausebauden, später Forstadjunkt Sedlacek. Diese kleine Baude war zuerst als Blockhaus errichtet worden. Als in späteren Jahren der Touristenverkehr stetig zunahm, wurde aus der ehemaligen Schutzhütte ein Forsthaus. Besitzer des Grund und Bodens war Graf Harrach. Das Gebäude wurde umgebaut und vergrößert zum Gasthaus mit 7 Fremdenzimmern. Von 1895 bis 1925 bewirtschaftete die Familie Erlebach als Pächter das Gasthaus.

Nach Ende des 1. Weltkrieges wurde das Haus verstaatlicht. Den Pächtern wurde gekündigt und ein tschechischer Pächter übernahm die Baude. In den folgenden Jahren wurde sie etwas vergrößert und erhielt elektrisches Licht. Bis 1938 führten drei tschechische Pächter die Baude, danach wurde sie von Frau Erlebach wieder übernommen. Am 25. Januar 1942 wurde sie durch einen Brand zerstört.

Die Mädelstegbaude wurde in früheren Jahren auch "Maute" - Baude genannt, denn ihr jeweiliger Pächter hatte die Verpflichtung, von den Benutzern des Weges vom und zum Elbgrund den Wegezoll, "Maute" genannt, einzuziehen.

Quellen:

  • Der "Wanderer im Riesengebirge", Heft Nr. 5/1940
  • Wikipedia

Die Mädelstegbaude

Die Mädelstegbaude

Die Mädelstegbaude

Die "Martinsbaude"  (1.300 m)

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Die Martinsbaude ist eine der ältesten und bekanntesten Bauden. Sie liegt unterhalb der Großen Sturmhaube und wurde von Martin Erlebach noch während des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1642 errichtet. Er bot damals vielen Kriegsflüchtlingen Unterkunft und Asyl.

Nachdem die Baude im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde, erfolgte 1899 der Abriss und sie wurde neu und schöner aufgebaut. Für Wanderer und Wintersportbegeisterte bot das Haus 50 Zimmer.

Von 1906 bis 1914 trug die Baude den Namen "Graf Harrach`sche Martinsbaude", Pächter war Vincenc Hollmann. Graf Harrach ließ damals auch den berühmten Botanischen Garten etwas unterhalb der Baude anlegen.

Erst nach dem Münchner Abkommen 1938 ging die Baude wieder in deutschen Besitz über. Die letzten Eigentümer vor 1945 waren die Brüder Hollmann.

Die erfolgreiche tschechische Tennis-Spielerin Martina Navratilova wurde ganz in der Nähe geboren und verbrachte in der Baude ihre Kindheit. Ihr Vater war viele Jahre Wirt der Baude.

Quellen:

  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung (2013)
  • Wikipedia

Die Martinsbaude (Aufnahme: vor dem Krieg)

Die Martinsbaude (Aufnahme: vor dem Krieg)

Die "Maxhütte"  (1.001 m)

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Die Maxhütte liegt im malerischen Rehorngebirge und wurde im Jahre 1892 errichtet. Besitzer des Grundstückes war der Österreichische Riesengebirgsverein. Mit einem Erlass der k. k. Bezirkshaupt-mannschaft Trautenau vom 11. Januar 1893 wurde dem Österreichischen Riesengebirgsverein die Konzession zum Gast- und Schankgewerbe für die Monate Mai bis Oktober erteilt. Pächter der Maxhütte war Joh. Tippelt.
In späteren Jahren erfolgte ein Umbau, so dass die Max-Hütte auch vergrößert wurde.

Quelle:

  • Zeitschrift "Riesengebirge in Wort und Bild", Heft Nr. 1/1893

Die Max-Hütte im Jahr 1899

(Karte von Frau Roswitha Rueschkamp)

Die Max-Hütte im Jahr 1907

(Bild von Frau Roswitha Rueschkamp)

Die "Max-Heinzelstein-Baude  (720 m)

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Diese Baude liegt am Wald unterhalb der Brodtbaude. Sie gehörte August Erben aus Hohenelbe, der während des 2. Weltkrieges gefallen ist. Benannt war sie nach dem schlesischen Dialektdichter und Schriftsteller Max Heinzel (28.10.1833 - 01.11.1898).

Zwischen 1920 und 1930 erfolgten Umbauten, u. a. wurde eine Holzveranda angebaut. Der obere Teil des Gebäudes mit der Holzveranda wurde 1956 durch ein Feuer zerstört.

Mitte 1960 erfolgte der Neuaufbau des Gebäudes in der heutigen Form. Es wird seit Ende 1990 privat geführt.

Quelle:

  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
  • Wikipedia

Die Max-Heinzelstein-Baude ca. 1920

Max Heinzel (28.10.1833 - 01.11.1898)

Die Max-Heinzelstein-Baude ca. 1930

Die "Melzergrundbaude"  (1.002 m)

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Der kürzeste Aufstieg zum Gipfel der Schneekoppe führt aus Krummhübel durch das Tal der Kleinen Lomnitz hinauf. Die Schaffgotsche Forstverwaltung ließ diesen Wanderweg im Jahre 1884 erbauen. Der deutsche Riesengebirgsverband wiederum errichtete am Wegesrand zahlreiche Ruhebänke, um den Besuchern den Aufstieg bequemer zu gestalten.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts soll im Melzergrund eine Jagdhütte gestanden haben, die Rast und einen kleinen Imbiss ermöglichte. Im Jahre 1890 baute Michael Melz aus Zillerthal-Erdmannsdorf diese Hütte in eine Herberge um. Gleichzeitig richtete er einen Pfad zum Pass unterhalb der Schneekoppe ein. 1905 wurde die alte Hütte durch das jetzige Gebäude ersetzt.

Nach dem Krieg wurde die Baude vom polnischen Verband der Touristik und Landeskunde übernommen.  Übernachtungen sind heute nicht mehr möglich, ein Imbiss wird aber angeboten.

Quelle:

  • Wikipedia

Melzergrundbaude im Jahre 1905 (Besitzer: August Vogt)

Melzergrundbaude

Melzergrundbaude
(Karte von Frau Roswitha Rueschkamp)

Die Melzergrundbaude im Winter

Vor der Melzergrundbaude

(Aufnahme: 1929)

Die "Mohornmühle"  (760 m)

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Die Mohornmühle lag in Nieder-Kleinaupa, und zwar im tschechischen Teil des Riesengebirges.
Das Quellwasser der Kleinen Aupa, welches vom Schmiedeberger Kamm und vom Kolbenkamm herabkommt, sind der Löwenbach (Löwengrundwasser), der Schwarze Bach, auch Fichtigwasser genannt, und das Pladerwasser. Mitten im Dorf Nieder-Kleinaupa an der Brücke, nordwestlich der Mohornmühle, vereinigen sich diese drei Quellbäche zur Kleinen Aupa und bilden das gleichnamige Gebirgstal.

Im Jahre 1771 erscheint ein Augustin Kneifel als erster Eigentümer der Mohornmühle in den Kirchenbüchern. Um 1800 wird dort Hieronymus Kneifel aufgeführt und im Jahre 1848 Augustin Mohorn. Ursprünglich war die Mohornmühe eine Sägemühle, später auch eine Holzschleiferei. In dieser Holzschleiferei wurden Dachschindeln für ganz Kleinaupa hergestellt.

So günstig und schön die Lage der Mohornmühle auch sein mochte, so groß war auch die Gefahr durch Überschwemmungen. Die Schäden des Hochwasser von 1858 ruinierten den damaligen Besitzer Johann Mohorn und zwangen ihn zur Aufgabe. Im Jahre 1879 erfolgte die Zwangs-versteigerung. Erstanden wurde sie von dem Spindlerbaudenwirt Johann Hollmann, der sie durch seinen Bruder bewirtschaften ließ. Nach Hollmanns Tod ging im Jahre 1894 die Mohornmühle durch Erbschaft an dessen Sohn Hermann über. Nachdem der Wert der reichen Erbschaft durch die erneuten Hochwasserfluten von 1897 schwer beeinträchtigt worden war, verkaufte Hermann Hollmann seinen Besitz an Wenzel Adolf.

Wenzel Adolf kam auf den Gedanken, aus der Mühle ein Hotel zu machen. Er ließ einen Teil der Mühle abreißen, nur der älteste Teil blieb bestehen, an dem er ein neues Gebäude anbauen ließ. In diesem alten Teil des Gebäudes soll im Jahre 1779 der spätere Kaiser Joseph II. mit seinem Gefolge und in Begleitung des Generals Laudon übernachtet haben. Diese Tatsache (belegt mit Stiefel-knecht und dem Essbesteck des Kaisers) und auch der historisch wertvolle Kachelofen in der Stube, lockte dann viele Gäste aus dem ganzen Riesengebirge in Adolfs Hotel.

Das Ende der Mohornmühle kam im Jahr 1940. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 1940 geriet das Nachbarhaus in Brand und die Flammen griffen auf die Morhornmühle über. Das Feuer legte den gesamten Komplex in Schutt und Asche.

Quellen:

  • Köstler, Bärbel: Kleinaupa - Das höchstgelegene Dorf Böhmens unter der Schneekoppe, Verlag Frankenschwelle KG, Hildburghausen 2001
  • Lessenthin, Berthold: Das Riesengebirge im Winter, Schottländer 1901, Breslau
  • Wikipedia

Die Mohornmühle

Die Mohornmühle

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Die "Neue Schlesische Baude"  (1.195 m)

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Diese Baude, auch Kranichbaude genannt, befindet sich am Westhang des Reifträgers auf einer weiten Wiese unweit der Pferdekopfsteine im Quellgebiete des Zackens.

Erstmalig erwähnt wurde die Baude im Jahr 1786. Damals handelte es sich um eine Schutzhütte für Hirten. Schon bald wurde dort eine Schank- und Vesperstube eingerichtet. Wie bei anderen Bauden auch, wurde die große Stube mit typischem Kachelofen schon bald zur Gaststube und der Heuboden zur Herberge. Als erster Pächter wird im Kirchenbuch der Gemeinde Wenzel Krause aus den Krausebauden genannt. Im Jahr 1790 wurde sie von Johann Paul Adolph übernommen, dessen Nachkommen die Neue Schlesische Baude bis zu ihrer Vertreibung 1945 bewirtschafteten.

Im Jahr 1820 bestand das Anwesen aus einem größeren und einem kleineren Gebäude. 1846 entstand ein weiterer Bau, der ausschließlich als Herberge für Wanderer diente, die Sommerbaude. Die gesamte Anlage trug damals noch den Namen Kranichbaude, wurde später in "Neue Schlesische Baude" umbenannt, um den Unterschied zur "Alten Schlesischen Baude" darzustellen.

Im Jahr 1895 errichtete Gustav Adolph ein neues Gebäude nach dem Vorbild der Peterbaude. Es war ein großes Gebäude in Holzbauweise mit einem Satteldach und verfügte über 22 Zimmer. 1909 wurde ein zweistöckiger Backsteinbau mit Veranda hinzugefügt, der von dem Architektenbüro Albert aus Hirschberg entworfen worden war.

Nach dem Hotelprospekt erfolgte in den Jahren 1920 bis 1923 ein kompletter Um- und Ausbau des Hauses. Der Küchen- und Hausbetrieb wurde mit allen neuzeitlichen Einrichtungen ausgestattet (elektrisches Licht, WC, Bad, fließendes kaltes und warmes Wasser, geräuschlose Klingelanlage etc.).

Im Jahre 1939 wurden die bestehenden Gebäude mit einer Galerie untereinander verbunden. Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß das Hotel den Standard eines Luxus-Berghotels und verfügte über mehr als 130 Betten.

Im August des Jahre 1975 brach im Mitteltrakt des Hauses ein Feuer aus und zerstörte die obere Etage und den Dachstuhl. 1976 wurde das Gebäude neu errichtet, allerdings mit Änderungen. Seitdem besitzt die Baude ein Stockwerk weniger. In dieser Form besteht sie auch heute noch.

Quellen:

  • Hausprospekt "Neue Schlesische Baude"
  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. v. (2013)
  • Wikipedia

Die "Neue Schlesische Baude" (ca. 1900)

Die "Neue Schlesische Baude" (Aufnahme: 1930)

Die "Neue Schlesische Baude"

Wintersportler vor der "Neuen Schlesischen Baude"

Die "Neue Schlesische Baude"

(Bild von Frau Ursula Paul)

Skifahrer vor der "Neuen Schlesische Baude"

Briefkopf

Neue Schlesische Baude - Einbettzimmer

Neue Schlesische Baude - Gaststube

Neue Schlesische Baude - Saal

Brand der Neuen Schlesischen Baude im August 1975.


(Das Bild stellte Frau Ursula Paul aus Puchheim zur Verfügung)

Die "Peterbaude" (1.288 m)

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Die Peterbaude lag auf der böhmischen Seite des Riesengebirges. Sie befand sich fünf Kilometer nördlich von Spindlermühle in der Mitte des Riesengebirgshauptkammes am Südosthang der Mädelsteine. Wer als Wanderer die Peterbaude erreicht hatte, wurde mit einem wunderbaren und weit reichenden Ausblick belohnt: im Norden über das Hirschberger Tal hinweg bis zum Zobten bei Breslau und im Süden über die von Ziegenrücken und Goldhöhe flankierten Sieben Gründe, dann die Elbe entlang bis in die böhmische Tiefebene.

Ursprünglich stand an dieser Stelle seit 1790 eine Sennerhütte, die der Familie Pittermann gehörte. Nach diesen "Pieterleuten" wurde sie "Pieterbaud" genannt. Im Jahre 1811 ließ Johann Pittermann diese alte Hütte abreißen und an ihrer Stelle eine ganzjährig bewohnbare Bergbaude errichten. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens war die Peterbaude allerdings bei den Gästen nicht sehr beliebt. In seinem "Wegweiser durch das Sudetengebirge" vom Jahre 1828 schreibt Johann Christian Gottlieb Berndt von der Peterbaude: "Eine enge Nebenkammer dient zum Gastzimmer, in ihr wird auch das Heulager gemacht. Kaffee und was die Kuh gibt, ist zu haben, man eilt aber gern aus dieser Wildnis zur gastlichen Wiesenbaude, die man in zwei Stunden erreichen kann." Auch Karl von Holtei kehrte auf seiner Riesengebirgsreise am 25. August 1818 in der Peterbaude ein und bemerkt über diesen Besuch: "Ich hungere noch, wenn ich an das Mittagessen daselbst gedenke."

Nach Johann Pittermanns Tod bewirtschaftete dessen Sohn Ignaz die Baude. Dieser verkaufte sie am 30. Oktober 1844 für 400 Gulden an seinen Neffen Johann Zinecker. Gleichzeitig erhielt er ein lebenslängliches und unentgeltliches Wohnrecht. Von Agnetendorf heimkehrend, wurde Ignaz Pittermann im Jahre 1849 von einem Schneesturm überrascht und am nächsten Morgen erfroren aufgefunden.

Mit Johann Zinecker begann für die Peterbaude eine neue Zeit. Unter seiner geschickten Wirtschaftsführung wurde sie zu einer der beliebtesten Einkehrhäuser im Riesengebirge. Um den ständigen Klagen über die dürftige Schlafgelegenheit abzuhelfen, wurden 1866 die ersten Fremdenzimmer gebaut. Gleichzeitig wurde in diesem Jahr eine Telegraphenagentur auf der Baude eingerichtet. Jahr um Jahr gab es Verbesserungen. Immer zahlreicher kamen die Gäste aus nah und fern, um einen gemütlichen Baudenabend oben am Kamm zu verleben. Bald reichten weder Gaststube noch Fremdenzimmer aus. Sohn Vinzenz Zinecker, der die Peterbaude 1884 erbte, ließ daher zwischen 1886 bis 1888 unterhalb der alten Baude ein neues Haus errichten, das einen großen Gastraum sowie dreißig Fremdenzimmer und Wirtschaftsräume enthielt.

In den 1890er Jahren begann auch der Winterverkehr. Rodel- und vor allem Hörnerschlittenpartien zählten bald zu den beliebten Wintervergnügen. Oft kamen ganze Schlittenkolonnen, von Pferden gezogen, von der schlesischen Seite aus herauf. Die Fahrt zur Peterbaude und zurück kostete 7,50 Mk. Dieser Preis schloss allerdings eine Übernachtung mit ein. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass eine Übernachtung nur ca. 1,5 Mk. kostete, war dieses Wintervergnügen ziemlich teuer.

Bald wurde auch die neue Baude zu klein. Vinzenz Zinecker ließ daher 1901 das ältere Haus abtragen und dafür einen Neubau errichten, in dem im ersten und zweiten Stock Fremdenzimmer mit Ofenheizung untergebracht waren. Beide Häuser wurden durch eine Halle verbunden. In den nächsten Jahren wurde eine eigene Hochquellwasserleitung gelegt, eine Lichtanlage für Gasbeleuchtung eingeführt und in beide Häuser Zentralheizung eingebaut. Als Vinzenz Zinecker 1913 starb, hatte er aus einer kleinen Baude einen großen, bekannten und beliebten Berggasthof gemacht.

Nach Vinzenz Zineckers Tod lag die Wirtschaftsführung der Baude in den Händen seiner Witwe Anna und ihrer vier Söhne. Diese ließen das Berghotel zwischen 1925 und 1929 um ein drittes Gästehaus erweitern, eine Aussichtsterrasse anlegen und die Gebäude miteinander verbinden. Insgesamt standen jetzt für Gäste 64 Zimmer mit 100 Betten zur Verfügung. Alle in Betracht kommenden technischen Neuerungen wurden eingebaut; es gab eine elektrische Kühlanlage mit Kühlräumen, Kühlschränken und Eismaschine, eine elektrische Großwäscherei mit Bügelmaschine, eine elektrische Geschirrspülmaschine, eine Lautsprecheranlage, um nur das Wichtigste zu nennen. Ein Verkaufsraum für Sportausrüstungen usw. war ebenso vorhanden wie ein Friseursalon. Darüber hinaus besaß die Peterbaude eine eigene Hauskapelle.

Nach dem Krieg wurden tschechische Verwalter eingesetzt und die vier Brüder Zinecker am 19. Juni 1945 nach Deutschland vertrieben. Die verstaatlichte Baude diente ab 1949 als Erholungsheim, und im Jahre 1960 wurde sie in eine Touristenherberge umgewandelt. Die dem fortschreitenden Verfall überlassenen Hauptgebäude wurden 1997 auf Initiative der Nationalparkverwaltung in die Liste nationaler Kulturdenkmale aufgenommen. Der Baudenbetrieb wurde 2007 wegen Auflagen des Bezirkshygieneamtes Trutnow (Trautenau) eingestellt. In den frühen Morgenstunden des 1. August 2011 brannte das ehemalige Berghotel ab, 200 Jahre nach seiner Inbetriebnahme. Als Brandursache wird Brandstiftung vermutet.

Wenn auch diese wunderschöne Baude heute nicht mehr besteht, so ist sie doch untrennbar mit dem Riesengebirgslied "Blaue Berge, grüne Täler" verbunden. Zwei Lehrer haben das Lied im Jahre 1914 geschaffen: Othmar Fiebiger schrieb die Worte und Vinzenz Hampel vertonte das Gedicht. Fiebiger erzählte später gerne, wie er auf einer Kammwanderung in der gemütlichen Peterbaude eingekehrt war, wo die Zither klang und die Gäste manches Lied mitsangen, aber keines vom Riesengebirge dabei war. Er schlich hinaus in die Bergeinsamkeit und schrieb im Anblick der wunderbaren Bergwelt:
                                              Bloe Barche, grüne Täler
                                              mitta drin a Heisla kleen;
                                              herrlich is dos Stückla Erde,
                                              und ich bin ja dort drheem
.

Noch am selben Abend las er seinen Freunden dieses kurze Gedicht in der Baude vor. In seinem Gedächtnis klangen die Zeilen weiter und gingen ihm nicht aus dem Sinn und den wenigen Zeilen fügte er weitere hinzu. Sein Freund Vinzenz Hampel vertonte es später. Ins Hochdeutsche übertragen wurde es zur Hymne der Riesengebirgler.

Quellen:

  • General-Anzeiger f. d. Riesengeb.: Das hundertjährige Bestehen der Peterbaude in: Der Wanderer im Riesengebirge, Heft 3/1911
  • Hampel, Vinzenz: Die Geschichte des Liedes vom Riesengebirge, Hohenelber Heimatbüchlein, jahrg. 1950
  • Lessenthin, Berthold: Das Riesengebirge im Winter, Schottländer 1901, Breslau
  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
  • Spindler, Josef: Die Geschichte der Peterbaude, Heimatblatt für den ehemaligen Kreis Hohenelbe, Jahrg. 1951
  • Staffa, Marek: Das Riesengebirge, Wydawnictwo Dolnoslaskie, Wroclaw 1997

Die Peterbaude um 1811

Die Peterbaude um 1830

Die Peterbaude - vor 1866 und danach.

Die Peterbaude 1935

Blick auf die Peterbaude

Peterbaude - Innenansicht

Peterbaude - Innenansicht

Peterbaude - Innenansicht

Die "Prinz-Heinrich-Baude (1.420 m)

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Die Prinz-Heinrich-Baude lag 180 m oberhalb des Großen Teiches, zwei Stunden Fußweg von Krummhübel entfernt. Von der Aussichtsterrasse bot sich dem Besucher ein weiter Blick in das Tal. Der Große Teich ist 553 m lang und 63 - 180 m breit. Die größte Tiefe beträgt 23 m. Der dunkle Wasserspiegel und hohe vom Ufer auftürmende Felswände sind charakteristische Eigenschaften des Großen Teiches.

Inmitten dieser einzigartigen Landschaft ließ Gustav Elsner 1888 die Prinz-Heinrich-Baude nach den Plänen des Baumeisters Hermann Kahl aus Arnsdorf errichten. Im Jahre 1887 hatte Gustav Elsner ursprünglich geplant, ein Gasthaus am Mittagstein zu bauen. Eine frohe Dinnerstunde ausnützend, hatte er in diesem Jahr vom Grafen Schaffgotsch als Grundherrn die Erlaubnis zum Bau erhalten. Als die Ortsgruppe Breslau des Riesengebirgsvereins von diesen Plänen erfuhr, einigte man sich auf die Errichtung eines größeren Objektes. Zur Finanzierung wurde ein "Verein zur Errichtung eines Gasthauses am Mittagstein" gegründet und Anteilscheine zu fünf Mark herausgegeben, von denen später alljährlich nach der Saison eine bestimmte Summe als Rückzahlung zur Verlosung kam. Aus Anlass der Verlosung fand in Breslau stets eine fröhliche Versammlung des Baudenvereins statt. Auf Anraten des Försters Tietze wurde der Bau jedoch nicht am Mittagstein errichtet, sondern über dem Rand des Großen Teiches, einmal wegen der besseren Fernsicht und weil man dort Sand und Steine zum Bau vorfand.

Am 14. Mai 1888, dem Hochzeitstag von Gustav Elsner und seiner Ehefrau Rosalie, geb. Mönnich, wurde mit dem Bau begonnen. Zehn Tage später war der Hochzeitstag des Prinzen Heinrich von Preußen (jüngerer Bruder des späteren Kaisers Wilhelm II.) mit der Prinzessin Irene von Hessen, die ihre Flitterwochen im Erdmannsdorfer Schloss verbrachten. Auf dem Rückweg von einer Koppenwanderung kam das Paar an der Baustelle vorbei und begegnete dort dem Ehepaar Elsner. Dieses Zusammentreffen führte zur späteren Namensgebung der Baude.

Am 8. September 1888 wurde Richtfest gefeiert. Aus diesem Anlass schuf der aus Lüben bei Liegnitz stammende Geheimrat Dr. Baer ein mehrere Strophen umfassendes Gedicht. Nachfolgend ein paar Auszüge:
                                                 "Fest gemauert ob dem Teiche
                                                 an der steilen Felsenwand,
                                                 von der Grenze zweier Reiche
                                                 leuchtend weit in`s deutsche Land
                                                 steht das Baudenhaus
                                                 stark im Sturmgebraus;
                                                 mögen alle Wetter toben,
                                                 unerschüttert bleibt es droben.

                                                 Herein, Herein!
                                                 Genossen alle, schließt die Reih`n,
                                                 daß wir die Baude tausend weih`n:
                                                 "Prinz-Heinrich-Baude" sei ihr Name!
                                                 Ein Kaisersohn wars, der ihn gab,
                                                 ein Zoller, der mit seiner Dame
                                                 hier anhielt seinen Wanderstab.
                                                 Sein Liebesglück und diese Mauern
                                                 erstanden just zur selben Zeit, -
                                                 in Segen sollen beide dauern
                                                 bis in die ferne Ewigkeit!"

Die Einweihung der Baude erfolgte am 8. Juni 1889. Prinz Heinrich übersandte ein großes Foto in breitem Goldrahmen mit handschriftlicher Widmung, das an einem bevorzugten Platz im Speisesaal aufgehängt wurde. An der Vorderseite der Baude wurde eine Büste des Prinzen Heinrich aufgestellt. Die Baude verfügte über 30 Zimmer. Im Jahre 1906 wurde bereits eine Zentralheizung eingebaut.

Um eine Zunahme des Winterverkehrs zu ermöglichen, veranlasste Elsner den Bau einer doppelgleisigen Rodelbahn. Dieser sog. "Hoserweg" wurde im Herbst 1903 fertiggestellt und war damit die erste zweigleisige Rodelbahn des Riesengebirges.

Als im Jahre 1919 die 30jährige Erbpacht ablief, bewarb sich Elsner nicht mehr um eine neue Pachtung und übergab den Betrieb an Rudolf Korseck aus Krummhübel, der diesen bis zur Vertreibung führte.

Der Baude war ein trauriges Schicksal beschieden. Im Herbst 1946 brannte sie ab, ein Wiederaufbau erfolgte nicht. Heute sind nur noch die Fundamente erhalten.

Im Jahre 2002 wurde eine Expedition zu wissenschaftlichen Untersuchungen und Spurensuche nach historischen Gegenständen des Kleinen und Großen Teiches von einer tschechischen Tauchschule unternommen. Dabei entdeckte man als interessantesten Fund neben Scherben mit dem Emblem "Prinz-Heinrich-Baude" den Torso einer Bronzebüste in Lebensgröße von der Prinz-Heinrich-Baude. 2004 wurde am einstigen Standort der Baude eine Messingtafel mit Abbild und Text in polnischer Sprache aufgestellt.

Quellen:

  • Dr. Baer: Das Lied von der Baude in: Der Wanderer im Riesengebirge, Heft 10/1888
  • Haase, Gustav: Geschichte der Prinz Heinrich Baude, Heemteglöckla, Jahrg. 1951
  • Meyers Reisebücher: Riesengebirge und Isergebirge, Bibliographisches Institut Leipzig (1930)
  • Morgner/Baumann. Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
  • Patschovsky, Wilhelm: Führer durch das Riesen- u. Isergebirge, Verlag Georg Brieger, Schweidnitz (1908)

    
                                     

Die Prinz-Heinrich-Baude

Die Prinz-Heinrich-Baude

Die Prinz-Heinrich-Baude

Prinz-Heinrich-Baude - Innenansicht

Prinz-Heinrich-Baude - Speisesaal

Prinz-Heinrich-Baude - Saal

Prinz-Heinrich-Baude - Innenansicht

Der Aufstieg zur Baude

Der Eingang

Gemütliches Beisammensein in der Baude

Die "Proxenbaude" (888 m)

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Die Proxenbaude gehörte mit zu den ältesten Bauden des Riesengebirges. Im Jahre 1749 wurde sie in der Baudenkolonie Jakobsthal - bei Schreiberhau - am Schnittpunkt zwischen Riesen- und Isergebirge errichtet. Hier wurde "Auerhahn" ausgeschenkt und an der Decke gab es dazu entsprechende Reime. Übernachtungsgäste waren willkommen.

Quellen:

  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia

Die Proxenbaude - Besitzer: F. Müller

Proxenbaude - Innenansicht

Proxenbaude - Gastzimmer

Proxenbaude - Zweibettzimmer

Die "Quellenbaude"

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An der Straße von Liebau nach Trautenau lag der kleine Grenzort Königshan (521 m). Vorbei an den Zollhäusern auf deutscher bzw. österreichischer und tschechischer Seite erreichte man nach einer 2 km langen Wanderung den Ort, wo eine kleine Gebirgsbaude ein gern aufgesuchtes Wanderziel war. Bis zum Jahre 1919 hieß die Baude "Franz-Josephs-Baude, um später in "Quellenbaude" unbenannt zu werden. Wegen des bequemen Überganges hatte die Straße Königshan - Liebau in allen Kriegen (auch 1866) eine Rolle gespielt.

Die Quellenbaude

Die "Quintenmühle"  (730 m)

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Bei der sog. "Quintenmühle" handelte es sich um ein Berghotel am Brettgrund in der Nähe von Schatzlar. Der Inhaber war um 1935 Rudolf Kummert.

Die Quintenmühle

Die Quintenmühle