Die Peterbaude lag auf der böhmischen Seite des Riesengebirges. Sie befand sich fünf Kilometer nördlich von Spindlermühle in der Mitte des Riesengebirgshauptkammes am Südosthang der Mädelsteine. Wer als Wanderer die Peterbaude erreicht hatte, wurde mit einem wunderbaren und weit reichenden Ausblick belohnt: im Norden über das Hirschberger Tal hinweg bis zum Zobten bei Breslau und im Süden über die von Ziegenrücken und Goldhöhe flankierten Sieben Gründe, dann die Elbe entlang bis in die böhmische Tiefebene.
Ursprünglich stand an dieser Stelle seit 1790 eine Sennerhütte, die der Familie Pittermann gehörte. Nach diesen "Pieterleuten" wurde sie "Pieterbaud" genannt. Im Jahre 1811 ließ Johann Pittermann diese alte Hütte abreißen und an ihrer Stelle eine ganzjährig bewohnbare Bergbaude errichten. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens war die Peterbaude allerdings bei den Gästen nicht sehr beliebt. In seinem "Wegweiser durch das Sudetengebirge" vom Jahre 1828 schreibt Johann Christian Gottlieb Berndt von der Peterbaude: "Eine enge Nebenkammer dient zum Gastzimmer, in ihr wird auch das Heulager gemacht. Kaffee und was die Kuh gibt, ist zu haben, man eilt aber gern aus dieser Wildnis zur gastlichen Wiesenbaude, die man in zwei Stunden erreichen kann." Auch Karl von Holtei kehrte auf seiner Riesengebirgsreise am 25. August 1818 in der Peterbaude ein und bemerkt über diesen Besuch: "Ich hungere noch, wenn ich an das Mittagessen daselbst gedenke."
Nach Johann Pittermanns Tod bewirtschaftete dessen Sohn Ignaz die Baude. Dieser verkaufte sie am 30. Oktober 1844 für 400 Gulden an seinen Neffen Johann Zinecker. Gleichzeitig erhielt er ein lebenslängliches und unentgeltliches Wohnrecht. Von Agnetendorf heimkehrend, wurde Ignaz Pittermann im Jahre 1849 von einem Schneesturm überrascht und am nächsten Morgen erfroren aufgefunden.
Mit Johann Zinecker begann für die Peterbaude eine neue Zeit. Unter seiner geschickten Wirtschaftsführung wurde sie zu einer der beliebtesten Einkehrhäuser im Riesengebirge. Um den ständigen Klagen über die dürftige Schlafgelegenheit abzuhelfen, wurden 1866 die ersten Fremdenzimmer gebaut. Gleichzeitig wurde in diesem Jahr eine Telegraphenagentur auf der Baude eingerichtet. Jahr um Jahr gab es Verbesserungen. Immer zahlreicher kamen die Gäste aus nah und fern, um einen gemütlichen Baudenabend oben am Kamm zu verleben. Bald reichten weder Gaststube noch Fremdenzimmer aus. Sohn Vinzenz Zinecker, der die Peterbaude 1884 erbte, ließ daher zwischen 1886 bis 1888 unterhalb der alten Baude ein neues Haus errichten, das einen großen Gastraum sowie dreißig Fremdenzimmer und Wirtschaftsräume enthielt.
In den 1890er Jahren begann auch der Winterverkehr. Rodel- und vor allem Hörnerschlittenpartien zählten bald zu den beliebten Wintervergnügen. Oft kamen ganze Schlittenkolonnen, von Pferden gezogen, von der schlesischen Seite aus herauf. Die Fahrt zur Peterbaude und zurück kostete 7,50 Mk. Dieser Preis schloss allerdings eine Übernachtung mit ein. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass eine Übernachtung nur ca. 1,5 Mk. kostete, war dieses Wintervergnügen ziemlich teuer.
Bald wurde auch die neue Baude zu klein. Vinzenz Zinecker ließ daher 1901 das ältere Haus abtragen und dafür einen Neubau errichten, in dem im ersten und zweiten Stock Fremdenzimmer mit Ofenheizung untergebracht waren. Beide Häuser wurden durch eine Halle verbunden. In den nächsten Jahren wurde eine eigene Hochquellwasserleitung gelegt, eine Lichtanlage für Gasbeleuchtung eingeführt und in beide Häuser Zentralheizung eingebaut. Als Vinzenz Zinecker 1913 starb, hatte er aus einer kleinen Baude einen großen, bekannten und beliebten Berggasthof gemacht.
Nach Vinzenz Zineckers Tod lag die Wirtschaftsführung der Baude in den Händen seiner Witwe Anna und ihrer vier Söhne. Diese ließen das Berghotel zwischen 1925 und 1929 um ein drittes Gästehaus erweitern, eine Aussichtsterrasse anlegen und die Gebäude miteinander verbinden. Insgesamt standen jetzt für Gäste 64 Zimmer mit 100 Betten zur Verfügung. Alle in Betracht kommenden technischen Neuerungen wurden eingebaut; es gab eine elektrische Kühlanlage mit Kühlräumen, Kühlschränken und Eismaschine, eine elektrische Großwäscherei mit Bügelmaschine, eine elektrische Geschirrspülmaschine, eine Lautsprecheranlage, um nur das Wichtigste zu nennen. Ein Verkaufsraum für Sportausrüstungen usw. war ebenso vorhanden wie ein Friseursalon. Darüber hinaus besaß die Peterbaude eine eigene Hauskapelle.
Nach dem Krieg wurden tschechische Verwalter eingesetzt und die vier Brüder Zinecker am 19. Juni 1945 nach Deutschland vertrieben. Die verstaatlichte Baude diente ab 1949 als Erholungsheim, und im Jahre 1960 wurde sie in eine Touristenherberge umgewandelt. Die dem fortschreitenden Verfall überlassenen Hauptgebäude wurden 1997 auf Initiative der Nationalparkverwaltung in die Liste nationaler Kulturdenkmale aufgenommen. Der Baudenbetrieb wurde 2007 wegen Auflagen des Bezirkshygieneamtes Trutnow (Trautenau) eingestellt. In den frühen Morgenstunden des 1. August 2011 brannte das ehemalige Berghotel ab, 200 Jahre nach seiner Inbetriebnahme. Als Brandursache wird Brandstiftung vermutet.
Wenn auch diese wunderschöne Baude heute nicht mehr besteht, so ist sie doch untrennbar mit dem Riesengebirgslied "Blaue Berge, grüne Täler" verbunden. Zwei Lehrer haben das Lied im Jahre 1914 geschaffen: Othmar Fiebiger schrieb die Worte und Vinzenz Hampel vertonte das Gedicht. Fiebiger erzählte später gerne, wie er auf einer Kammwanderung in der gemütlichen Peterbaude eingekehrt war, wo die Zither klang und die Gäste manches Lied mitsangen, aber keines vom Riesengebirge dabei war. Er schlich hinaus in die Bergeinsamkeit und schrieb im Anblick der wunderbaren Bergwelt:
Bloe Barche, grüne Täler
mitta drin a Heisla kleen;
herrlich is dos Stückla Erde,
und ich bin ja dort drheem.
Noch am selben Abend las er seinen Freunden dieses kurze Gedicht in der Baude vor. In seinem Gedächtnis klangen die Zeilen weiter und gingen ihm nicht aus dem Sinn und den wenigen Zeilen fügte er weitere hinzu. Sein Freund Vinzenz Hampel vertonte es später. Ins Hochdeutsche übertragen wurde es zur Hymne der Riesengebirgler.
Quellen:
- General-Anzeiger f. d. Riesengeb.: Das hundertjährige Bestehen der Peterbaude in: Der Wanderer im Riesengebirge, Heft 3/1911
- Hampel, Vinzenz: Die Geschichte des Liedes vom Riesengebirge, Hohenelber Heimatbüchlein, jahrg. 1950
- Lessenthin, Berthold: Das Riesengebirge im Winter, Schottländer 1901, Breslau
- Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
- Spindler, Josef: Die Geschichte der Peterbaude, Heimatblatt für den ehemaligen Kreis Hohenelbe, Jahrg. 1951
- Staffa, Marek: Das Riesengebirge, Wydawnictwo Dolnoslaskie, Wroclaw 1997