Lindenau (Lipienica)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Lindenau liegt 9 km südlich von Landeshut. Erstmalig erwähnt wird der Ort im Jahre 1292 unter dem Namen "Lindinowe". Bis 1810 (Säkularisation) war Lindenau im Besitz des Klosters Grüssau.

1874 - 1945 gehörte die Landgemeinde Lindenau zum Amtsbezirk Hermsdorf grüssauisch, der 1925 in Amtsbezirk Grüssau umbenannt wurde. 1925 bestand Lindenau aus 349 Einwohnern (davon 318 katholisch) und 1939 waren es 266. Nach der dörflichen Berufsstatistik waren mehr als die Hälfte der Bewohner in der Landwirtschaft tätig. Heute gehört Lindenau zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Die Scholtisei  -  Namentliche Aufstellung der Scholzen:

Quellen:

  • Kulke, Heinz: Schlesischer Gebirgsbote Heft Nr. 17/1969
  • Taube, Tilmann: Die bäuerliche Führungsschicht im Grüssauer Klosterland, ca. 1500 - 1750, Selbstverlag 2003


Soweit bisher erforscht, stellt sich die Besitzerfolge wie folgt dar:
I.      Generation:   Caspar Bürgel          1595 Erb- und Gerichtsscholze (EuGS) 
                                                                (Größe der Scholtisei = 1 1/2 Hufe)
II.     Generation:    Georg Müller           ca. 1620 EuGS
III.    Generation:    Barthel Maiwald     ca. 1660 EuGS
IV.    Generation:    Georg Maiwald       ca. 1673 EuGS
V.     Generation:    Georg Breiter                1676 EuGS,   verst. 1697
                                Seine Witwe Anna Rosina heiratete Georg Maiwald, der ab ca. 1698 EuGS war. 
                                Er verstarb ca. 1706.
                                Witwe Anna Rosina heiratete in 3. Ehe Friedrich Leopold Springer, der nunmehr
                                durch Einheirat EuGS in Lindenau wurde. Er verstarb ca. 1735.
VI.    Generation:    Johann Joseph Maiwald   1735 - 1761 EuGS
VII.   Generation:    Johann Joseph Maiwald (* ca. 1725)  1761 - 1781 EuGS
VIII.  Generation:    Johann Joseph Maiwald (* ca. 1750)  ab 1781 EuGS. Er verkauft die Scholtisei
                                 bereits 1796.

1859  =  Nach dem Zeitungsartikel vom 3. Mai 1859 (s. unten) gehörte die Scholtisei zu diesem
              Zeitpunkt Emanuel Rein.
1861   =  Eigentümer der Scholtisei Friedrich Lehmann (s. Zeitungsartikel)

Laut Bericht von Heinz Kulke stellte sich die Besitzerfolge ab 1867 wie folgt dar:
Februar 1867 - April 1876                    Gutsbesitzer Max Barisch, der die Scholtisei am 09.02.1867 zu
                                                               einem Preis von 14.000 Talern und 4.200 Taler für den Beilaß 
                                                               erworben hatte.
April 1876 - September 1880              Seilermeister Julius Lorenz. Er hatte die Scholtisei ersteigert.
September 1880 - Sept. 1900            Karl Wiesner verkaufte die Scholtisei an seinen Sohn Georg.
Oktober 1900 - April 1904                  Georg Wiesner
ab 3. Mai 1904                                       Franz Taube erwarb die Scholtisei am 3. Mai 1904 für 27.000
                                                                Mark von seinem Schwager Georg Wiesner.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 23/1859.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 35/1861.

Der Gerichtskretscham

Gerichtskretscham, Bauer Taube, Anna Günther, Pächterin des Gerichtskretschams bis 1934, und Olga Fröbrich (von links)

Der frühere Gerichtskretscham

(Bild von Herrn Arnold Wittwer - Aufnahme: 2014)

Die Eingangstür des Gerichtskretschams

(Bild von Herrn Jürgen Paul -

 Aufnahme: September 2019)


Der frühere Gerichtskretscham

(Bild von Herrn Arnold Wittwer - Aufnahme: 2014)

Die Schule:

Bis zum Bau des neuen Schulhauses - ca. 1907 - war die katholische Schule in dem Gebäude Nr. 41 untergebracht, in dem sich danach die Warenhandlung Alois Franke mit Postagentur befand.

Folgende Lehrer waren an der katholischen Schule tätig:

  • bis Ostern 1904    =     Herr Kleinert
  • Ostern 1904          =      Herr Taube  
  • Ostern 1907          =      Carl Czieslik
  • 1925                        =      Heinrich Hönig
  • 1938                        =      Heinrich Hönig

Haus Nr. 36 - Die katholische Schule 

Haus Nr. 41 - Warenhandlung Alois Franke

In diesem Haus befand sich auch die Postagentur.

Bis zum Bau des neuen Schulhauses befand sich in diesem Gebäude die katholische Schule.

Gewerbetreibende in Lindenau

Auszug aus dem Amtlichen Adressbuch für Industrie, Handel und Gewerbe des Jahres 1927.

Haus Nr. 34  (neue Nr. 23):

Nach einer Tafel an der Giebelwand wurde dieses Haus im Jahr 1905 von August Jung gebaut.
Aus den Adressbüchern für den Kreis Landeshut ergeben sich für die Jahre 1911, 1925 und 1938 folgende Eigentümer:
1911    =    Jung, August    -  Restgutsbesitzer
1925   =    Wille, Martha   -  Restgutsbesitzerin
1938   =    Wille, Richard  -  Landwirt

Haus Nr. 34 (neu Nr. 23)
(Bild von Herrn Marian Gabrowski - Aufnahme: 2016)

Haus Nr. 34 (neu Nr. 23)

(Bild von Herrn Marian Gabrowski - Aufnahme: 2005)

Die Inschrift lautet: Erbaut von August Jung 1905

(Bild von Herrn Marian Gabrowski)

(Bild von Herrn Marian Gabrowski)

Gedenktafel an der Giebelwand eines Gebäudes:  Erbaut von Carl Springer im Jahre 1880:

Ziemlich am Ortsende befindet sich zwischen den Häusern Nr. 2 und 3 (neue Hausnummern) ein Gebäude, an dessen Giebelwand eine Gedenktafel angebracht ist. Die Inschrift lautet: Erbaut von Carl Springer im Jahre 1880. Bei diesem Gebäude handelt es sich vermutlich um ein Nebengebäude (Scheune).
Im Adressbuch des Jahres 1911 ist ein Carl Springer nicht aufgeführt. Lediglich im Adressbuch von 1925 ist unter der Nr. 64 der Kleingärtner Gustav Springer verzeichnet.

Wer kann zu diesem Gebäude nähere Angaben machen?

Die folgenden Bilder stellte Herr Marian Gabrowski zur Verfügung.

Standort des Gebäudes (s. Pfeil)

(Quelle: Google Street View)

Standort des Gebäudes (s. Pfeil)

Die Gedenktafel an der Giebelwand des Gebäudes.

Die Inschrift lautet: Erbaut von Carl Springer im Jahre 1880.

Wohnhäuser in Lindenau mit neuen Hausnummern (Aufnahmen: September 2019).
Die folgenden 5 Bilder wurden von Herrn Jürgen Paul aus Puchheim zur Verfügung gestellt.

Wer kann nähere Angaben zu diesen Häusern und deren früheren Bewohnern machen? Über eine Nachricht an meine Adresse per Mail oder Post (s. Impressum) würde ich mich sehr freuen.

Haus Nr. 2

Haus Nr. 3

Haus Nr. 5

Haus Nr. 41

Haus Nr. 61 a

Bildstock:

Die beiden folgenden Bilder wurden von Herrn Jürgen Paul aus Puchheim zur Verfügung gestellt 
(Aufnahmen: September 2019).

Gefallene des 1. Weltkrieges:

Messtischblattkarte von 1937 mit dem Standort des Kriegerdenkmals.
(Bild von Herrn Marian Gabrowski)

Das Kriegerdenkmal

(Quelle: fotopolska)

Das Kriegerdenkmal

(Quelle: fotopolska)

Das Kriegerdenkmal

(Bild von Herrn  Marian Gabrowski)

Alte Flurnamen in Lindenau:

Quelle:

  • Böcks, Fritz: Die Flurnamen im Ziedertal in: Zeitschrift "Der Wanderer im Riesengebirge", Heft Nr. 10/1925


Von Bethlehem aus gelangte man über den "Prälatensteig", "Faule Stangen", "Hirschplan", "Kerker-, Herodes- und Pilatusfelder" nach Lindenau. Hier gab es folgende Flurnamen:

  • den "Schaaffstall", ein Feld, auf welchem früher ein Vorwerk des Klosters Grüssau stand;
  • die "Kirchhofswiese", eine Gedenkstätte an kriegerische Zeiten.
  • die Waldschlucht "Hölle" war mit folgender Begebenheit verknüpft:

       Als der Abt Dominicus Geyer von 1696 bis 1726 im Kloster Grüssau regierte, hatte dieser einen
       Diener mit dem Namen Teufel. Wenn nun Abt Geyer auf dem Weg nach Ullersdorf Lindenau
       durchfuhr, so sagten die Lindenauer Bewohner: "Der Geyer fährt mit dem Teufel in die Hölle".

Über diese Schlucht führte der Weg über den "Großen Hau", das "Hasenbad", die "Kleinen Bissel" und den "Schnepfengrund" nach Klein Hennersdorf.