Hartauforst (Borówno)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Hartauforst gehört heute zur Landgemeinde Czarny Bór (Schwarzwaldau). Diesen Namen führte der Ort erst seit 1939. Am 1. April 1939 erfolgte der Zusammenschluss der Landgemeinden Forst und Hartau grüss. zur neuen Landgemeinde Hartauforst.

Gegründet wurden beide Orte ca. 1593. Forst führte damals den Namen "Habichtgrund". Bis 1810 (Säkularisation) waren sie beide im Besitz des Klosters Grüssau.

Die zuständige katholische Kirche befand sich bis zum Herbst 1938 in Wittgendorf. Der Wittgendorfer Pfarrer Alfons Kotzur hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt unermüdlich für den Bau einer Kirche in Hartauforst eingesetzt. Gegen alle Widerstände setzte er dieses Bauvorhaben durch, so dass die Christ-Königs-Kirche im Herbst 1938 feierlich eingeweiht werden konnte. Am 23.11.2008 wurde an der Rückseite der Kirche in Hartauforst eine Gedenktafel enthüllt, die an Pfarrer Alfons Kotzur, den Erbauer dieser Kirche vor 70 Jahren erinnern soll. Die Initiative zu dieser Ehrung ging von Pfarrer Wladyslaw Stepnial aus. Ihm unterstehen heute die Kirchengemeinden Schwarzwaldau (Charny Bór), Mittelkonradswaldau (Grzedy) und Hartauforst. Die Gedenktafel zeigt ein Portrait von Pfarrer Kotzur und einen Text in polnischer Sprache mit folgendem Wortlaut: "Im 70. Jahr der Erbauung der Christ-Königskirche in Hartauforst widmen wir dem Erbauer dieser Kirche Pfarrer Alfons Kotzur, Pfarrer der Pfarrei Wittgendorf in den Jahren 1915 bis 1945 diese Tafel (Borówno, 23.11.2008).

Die evangelischen Bewohner gehörten zur Gnadenkirchengemeinde in Landeshut.

Von 1787 bis 1863 hatten Forst und Hartau grüss. eine gemeinsame Schule. Es handelte sich hierbei um einen einfachen Holzbau. Erst im Jahre 1863 bekamen beide Gemeinden ein Schulhaus in massiver Bauweise. Die Inschrift über dem Hartauer Schulgebäude lautete: "Katholische Schule, erbaut 1863".

Einwohnerzahl 1925: Forst = 271 (davon 30 evangelisch), Hartau grüss. = 362 (davon 50 evangelisch). In der neuen Landgemeinde Hartauforst lebten 1939 = 579 Einwohner. Im Jahr 1945 wurde Hartauforst durch die polnischen Behörden zunächst in Zalesin, dann in Zagórzyn umbenannt. Erst 1950 erhielt der Ort den heutigen Namen Borówno.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Schlesischer Gebirgsbote
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Die katholische Christ-König-Kirche in Hartauforst 

(Erbauer Pfarrer Alfons Kotzur)

Die an der Rückseite der Kirche angebrachte Gedenktafel für Pfarrer Alfons Kotzur

 (Enthüllung am 23.11.2008)

Die feierliche Grundsteinlegung der Kirche am 7. September 1937

Das Richtfest im Winter 1937(38

Vor der katholischen Christ-König-Kirche

Innenraum der Kirche: Blick zum Hochaltar

Innenraum der Kirche: Blick zum Hochaltar

Die Orgel
Es handelte sich um eine pneumatische Orgel mit 24 Registern.

Das folgende Bild zeigt die katholische Christ-König-Kirche heute.

Hartauforst

Hartauforst

Bis zur Fertigstellung der Christ-König-Kirche diente die Forstkapelle im Niederdorf als Stätte für Gottesdienste. Sie war von dem Bauern Peter Jäger, Forst Nr. 11, im Jahre 1867 erbaut worden, nachdem sein einziger Sohn Heinrich 1866 gesund aus dem Krieg heimgekehrt war. Sie war mit einem einfachen neugotischen Altar ausgestattet, bestückt mit zwei Holzfiguren, den Hl. Petrus und den Hl Heinrich darstellend. Dieser Altar wird heute im Saal des Pfarrhauses in Schwarzwaldau (Charny Bór) aufbewahrt.
Das folgende Bild zeigt die Forstkapelle im Jahre 1920.

Die Forstkapelle - Blick zum Altar (Aufnahme: Mitte 1920)

Die Forstkapelle - Der Altar

Die Halbtagsschulen:

Erst im Jahre 1863 erhielt Hartauforst zwei Halbtagsschulen, eine im Ortsteil Hartau und die andere im Ortsteil Forst. Beide Schulen blieben bis 1939 (bzw. 1945) Halbtagsschulen. In ihnen wurden die Kinder vom 3. bis 8. Jahrgang am Vormittag und die vom 1. und 2. Schuljahr am Nachmittag unterrichtet. Die durchschnittliche Kinderzahl betrug etwa 45, höchstens 53 Kinder.
Der letzte Lehrer der Halbtagsschule Forst vor der Vertreibung war Fritz Türk.
Da die Schule durch Einziehung des Lehrers zum Heeresdienst ab 26.08.1939 bis 16.09.1945 verwaist war, besuchten die Forster Schulkinder in dieser langen Zeit die Schule im Ortsteil Hartau. In der Zeit von 1943 bis 1944 wurde der Forster Klassenraum der Aufenthaltsort des nun geschaffenen Kindergartens von Hartauforst, der von zwei Schwestern betreut wurde.

Das Schulgebäude in Hartau Forst im Winter

Das Schulgebäude in Hartau Forst im Winter

Das Schulgebäude in Hartau grüss.

Das Kreuz vor dem Schulgebäude

Schulanfang 1. und 2. Schuljahr im Jahre 1932 am Schulkreuz

Schüler des 3. - 8. Jahrgangs - Ausflug mit Lehrern und einigen Eltern zu den Adersbacher Felsen im Jahre 1933

Kriegerdenkmal:

In Hartauforst befand sich früher in der Nähe der Schule ein Bildstock, der einst im Besitz der Familie Puschmann war. Dieser wurde später zum Ehrenmal für die während des Krieges Gefallenen der Gemeinde umgebaut.

Die Concordia-Grube:

Der weitaus größte Teil der männlichen Bewohner arbeitete früher in der Concordia-Grube. Im Jahre 1870 wurde der Abbau der Kohlenlager begonnen., zuerst im Stollenbetrieb, dann im Schachtbetrieb. Die Belegschaft umfasste während dieser Zeit ca. 200 Personen. 1890 waren die oberen Flöze erschöpft. Wegen der Gefahr des Wassereinbruchs wurde daher 1891 der Betrieb eingestellt. Die meisten Bergleute wurden von den Gruben im nahen Rothenbach übernommen, die übrigen stellten sich auf Landwirtschaft um.

Haus Nr. 1 in Forst - Forstkretscham - 

(Besitzer: Heinrich Kirchner, danach Alois Scharf, später Paul Schmidt)

Forstkretscham - Innenansicht

Forstkretscham - Saal

Forstkretscham - Gesellschaftsgarten

Haus Nr. 27 - Hartau grüss. - "Gasthof zu den Düppeler Schanzen"

(Besitzer Hermann Rösner)

"Gasthof zu den Düppeler Schanzen" (Saal)

Auf dem folgenden Foto ist Frau Cäcilie Rösner abgebildet, die Wirtin des "Gasthofes zu den Düppeler Schanzen".

Haus Nr. 8 - Bauernhof des Alois Maiwald

Alois Maiwald mit dem Pferdegespann des 
Nachbarn Heinrich Hoffmann

Haus Nr. 43 - Die Försterei
Der zuständige Förster war Fritz Krügler.

Das folgende Bild zeigt das Haus Nr. 46, die Stiebler-Schmiede. (Besitzer: Oswald Stiebler, später Josef Stiebler).

Aus dem Alltagsleben:

Es war ein alter Winterbrauch in vielen Dörfern des Riesengebirges, das "Federnschleißen".
Auch in Hartauforst war es üblich, an langen Winterabenden zum Lichten zu gehen und Federn zu schleißen, von selbst gezüchteten Gänsen für die Aussteuerbetten der Töchter. Dabei herrschte stets Frohsinn und Geselligkeit. Auf dem folgenden Bild sind Frau Agnes Niepel mit ihren Töchtern beim Federnschleißen zu sehen (Haus Nr. 32).