Bekannte Liebauer Firmen:

(Verfasser. Hella Tegeler)

Quellen:
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Heimatbuch des Kreises Landeshut (1929)
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Schlesischer Gebirgsbote

Fleischerei Aust                       Uferstraße 1

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Der Fleischermeister Andreas Aust und seine Ehefrau Berta gründeten im Jahre 1880 in der Uferstraße 1 ein Fleischerfachgeschäft. Dieses Geschäft entwickelte sich so gut, dass sie in den Jahren 1901 - 1903 einen großen dreistöckigen Neubau errichten konnten.

1918 übernahm Max Aust den Betrieb von seinem Vater, tatkräftig unterstützt von seiner Ehefrau Emma und seinem Bruder Fritz, der Ende des Zweiten Weltkrieges als vermisst gemeldet wurde. Max Aust verstarb jedoch bereits 1928 bei einem Verkehrsunfall. Unter der Leitung seiner Ehefrau florierte das Geschäft aber weiter. Begehrt waren die schmackhafte "Knoblichworscht", die Leber und Blutschlachtwurst "Plimpel" und die Weißwürste zum Weihnachtsfest.

Im Jahre 1940 übernahm Herbert Aust das Geschäft von seiner Mutter und führte dieses gemeinsam mit seiner Ehefrau Margot erfolgreich weiter. Sein jüngerer Bruder Walter hatte ebenfalls das Fleischerhandwerk erlernt.

Bei Kriegsende geriet Herbert Aust in russische Gefangenschaft. Seine Ehefrau kam mit den drei Söhnen nach Niedersachsen, in die Nähe von Sulingen. Unter schwierigsten Verhältnissen begann sie mit dem Verkauf von angelieferten Fleischwaren. Im Jahre 1949 kehrte Herbert Aust aus der Gefangenschaft zu seiner Familie zurück. Sein sehnlichster Wunsch war die Wiedereröffnung einer eigenen Fleischerei. Dieser Wunsch sollte sich auch bald realisieren. Am 23. September 1952 eröffnete er mit seiner Ehefrau und seinem Schwager, Fleischermeister Albert Wittig, in einem für ihre Zwecke umgebauten Haus in Delmenhorst ein Fleischereigeschäft.

Im Jahre 1974 konnte der Betrieb weiter ausgebaut und renoviert werden. Der zweitälteste Sohn Reinhard übernahm später das Geschäft von seinem Vater.

Uferstr. 1 - Fleischerei Aust

Herbert Aust

Celluslosefabrik "Feldmühle"                    siehe: Ortsteil Liebau- Dittersbach

Etrich-Fliegerwerk

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Einige Jahre war Liebau Sitz eines Fliegerwerkes, und zwar des Etrich-Fliegerwerkes. Gründer war Dr. Ignaz "Igo" Etrich, der am 25. Dezember 1879 in dem ostböhmischen Ort Oberaltstadt bei Trautenau als Sohn des Textilfabrikanten ignaz Etrich (1839 - 1927) und dessen 2. Ehefrau Marie, geb. Regnier (1856 - 1948) geboren wurde.

Die Familie Etrich war weit über die Grenzen Trautenaus hinaus bekannt. Sie besaß Flachsspinnerein in Österreich, Deutschland und Rußland. Den Grundstock zu diesem Wohlstand hatte der Großvater Josef Etrich gemeinsam mit seinem Schwager Johann Kluge gelegt. Vater Ignaz Etrich führte das Unternehmen sehr erfolgreich weiter. Im Laufe seines Lebens baute er für sich und seine Brüder neun Fabriken. Als in den 1890er Jahren die Jute dem Leinen Konkurrenz zu machen begann, errichtete er in Jungbuch im Jahre 1903 eine Jutespinnerei und Weberei. Etwa 700 Menschen in Oberaltstadt und Jungbuch fanden Arbeit und Brot. Nach dem Krieg fiel alles in tschechischen Besitz. Die Fabrik wurde bis zum Konkurs im Jahre 2007 weitergeführt. Im August 2013 wurden die Gebäude der ehemaligen Etrich-Werke abgerissen.

Nachdem der junge Ignaz "Igo" an der Oberrealschule in Trautenau 1898 die Matura erfolgreich bestanden hatte, studierte er drei Semester an der Handelshochschule in Leipzig. Danach trat er in das Textilunternehmen seines Vaters ein. Allerdings interessierten Igo mehr die Flugfähigkeiten der Vögel. So baute er mit seinem Vater ein Versuchslabor. Er unter-stützte diesen aber auch beim Aufbau einer Flachspinnerei in Rußland. Die teils mehrmonatigen Aufenthalte in Rußland bremsten die Entwicklung der Flugapparate von Igo Etrich.

Nach dem Tod Otto von Lilienthals hatten Vater und Sohn Etrich aus Lilienthals Nachlass den "Sturmflügelapparat" und den "Flügelschlag-apparat" zu Studienzwecken erworben und nach Trautenau geholt. Nach eigenen Ideen bauten sie einen Rampenstartgleiter, der jedoch nicht funktionierte. Auf Vermittlung des österreichischen Flugpioniers und Konstrukteurs Wilhelm Kress wurde 1903 der Ingenieur Franz Xaver Wels von Etrich angestellt. Er entwickelte 1903 den ersten bionischen Nurflügler und bekam 1905 das Patent darauf.

Im Jahre 1906 startete der erste Gleitapparat im Riesengebirge. Ab 1908 in Wien lebend, stellte ihn der verständnisvolle Vater für seine Versuche frei und gab ihm die erforderlichen Mittel. Ein weiterer Versuch mit einem französischen 40-PS-Clerget-Motor brachte nur unzureichende Ergeb-nisse. Im Winter 1910 schuf er schließlich den als "Etrich-Taube" bekannt gewordenen Eindecker. Der erste Flugversuch endete mit einem Absturz und schweren Verletzungen Etrichs. Die verbesserte "Taube" startete dann am 17. Mai 1910 zum ersten Überlandflug von Steinfeld/Wiener Neustadt aus.

Von der Stadt Wien wurde 1910 ein "Großer Preis" (20.000 Kronen) ausgeschrieben. Dieser verlangte den Start auf der Simmeringer Haide und die Landung auf einem bestimmten Feld bei der Stadt Horn im Waldviertel (Niederösterreich) sowie die Rückkehr nach Wien innerhalb von 24 Stunden. Am 10. Oktober erfüllte Etrich die Bedingungen und bekam den Preis zugesprochen. Die "Etrich-Taube" wurde in Österreich patentiert. Dagegen sah sich das deutsche Patentamt außerstande, ein Patent auf die "Etrich-Taube" zu erteilen.

Dr. Etrich begab sich nach Liebau und gründete im Jahre 1912 das Etrich-Fliegerwerk zur serienmäßigen Erzeugung seiner Maschinen. Später gründete er die Brandenburgischen Flugzeugwerke und nahm aus Liebau seinen sehr talentierten Konstrukteur mit, Ernst Heinrich Henkel. Nach dem 1. Weltkrieg ging Etrich nach Trautenau zurück und entwarf ein weiteres Flugzeug, seine Sport-Taube, ein 40 PS starkes Sportflugzeug. Bei den ersten Testflügen stellte sich heraus, dass dieses Flugzeug schneller flog als die damaligen Militärflugzeuge der Tschechoslowakei. Die tschechischen Behörden unterstellten Etrich, sein Flugzeug für 'Schmuggelaktivitäten gebaut zu haben und beschlagnahmten es.

Daraufhin beendete er weitere Luftfahrtbemühungen und widmete sich nun ganz seinem Textilmaschinenbetrieb. Im Jahre 1944 erhielt er den Ehrendoktortitel der Technischen Hochschule. Nach seiner Ausweisung aus der Tschechoslowakei im Jahre 1945 ließ er sich mit seiner Ehefrau zunächst in Freilassing und später in Salzburg nieder. Seine beiden Flugzeuge, mit denen er berühmt wurde, befinden sich heute in Museen und können dort von der Nachwelt bestaunt werden. Die "Etrich II" ist im Technischen Museum in Wien ausgestellt und die "Sport-Taube" hat ihren Platz im Technischen Museum Prag erhalten. Dr. Ignaz Etrich starb am 4. Februar 1967 in Salzburg.

Quellen:

  • Etrich, Igo: "Die Taube" - Memoiren des Flugpioniers
  • Popovic, Michael: in Zeitschrift "Sudetendeutsche Familienforschung" - Familiär vernetzte Nordböhmen - Motoren - technologischer Innovation
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia

Der Geburtsort Oberaltstadt bei Trautenau

Der Rampenstartgleiter

Die Etrich-Taube

Etrich-Werk in Liebau

Links: Dr. Ignaz Etrich

Kaiser Franz Joseph II. bei der Flugschau 1910

Die "Etrich II" im Technischen Museum in Wien

Die "Sport-Taube" im Technischen Museum in Prag

Glaswerk AG Liebau

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Im Jahre 1873 entstand in Liebau eine Fabrik für Tafelglas. Da der Absatz in den ersten Jahren sehr schwierig war, kam der Betrieb vorübergehend zum Stillstand. 1878 wurde der Betrieb wieder aufgenommen, nachdem er den Namen "Liebauer Glashütte" erhalten und seine Produktion auf Zylinder, Lampen, Glocken und verschiedene Lampenarten umgestellt hatte. Im Jahre 1881 wurden 63 männliche und 18 weibliche Personen beschäftigt. Die Erzeugnisse fanden in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Böhmen Absatz. Teilweise wurde auch in den Orient und nach China exportiert.

Seit 1890 führte das Unternehmen den Namen "Glashütte Berthold & Hofer" und erweiterte sich so stark, dass 1898 schon ein Umsatz von 170.000 Mark erzielt werden konnte.  Im Jahre 1922 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und erhielt den Namen "Glaswerk AG Liebau in Schlesien".Die Belegschaft umfasste ca. 200 Arbeitnehmer. Produziert wurden Wirtschaftsartikel aller Art wie z. B. maschinell hergestellte Verpackungsgläser, Preßglas, Becher, Zylinder, gezogene Handtuchhalterstangen und Badeartikel aller Art. Da einerseits die Rohmaterialien zum größten Teil aus entfernten Gegenden Deutschlands kamen, andererseits das ausländische Absatzgebiet (Amerika, England, Indien) ebenfalls sehr entfernt lag, machte sich bei den billigen Massenartikeln eine starke Frachtbelastung nachteilig bemerkbar. Unter diesen Bedingungen war besonders in den wirtschaftlich ungünstigen Nachkriegsjahren eine gute Rentabilität nicht zu erzielen. Nach fast 3/4-jährigem Stillstand wurde das Werk im Frühjahr 1928 auf andere Artikel umgestellt. Eine Erholung zeichnete sich aber nicht ab. Daher wurde die Glashütte Ende 1928 endgültig stillgelegt und die Fabrikgebäude z. T. niedergerissen. Der große Fabrikschornstein der Glashütte wurde gesprengt.

Die Glashütte

Firmenwerbung

Möbelfabrik Hesse, später Laske

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Die Möbelfabrik Waldemar Hesse wurde im Jahre 1877 gegründet. Zuerst entstand das Sägewerk, das mit zwei Vollgattern arbeitete. Nach kurzer Zeit wurde zur Verwertung des eigenen Rohholzes ein Hobelwerk und eine Kistenfabrik angegliedert, die in den Jahren 1900 bis 1906 zu einer Möbelfabrik ausgebaut wurden. Im Jahre 1924/25 hatte die Firma ihre höchste Produktionsmenge erreicht und bei einer Belegschaft von 500 Arbeitern sogar 5000 Schlafzimmer pro Jahr erzeugt. Wegen der starken Konkurrenz, besonders aus Süddeutschland, konnte die hohe Produktion jedoch im Laufe der folgenden Jahre nicht beibehalten werden und der Betrieb musste erheblich eingeschränkt werden.
Den schleichenden Untergang seiner Möbelfabrik hatte Waldemar Hesse aber nicht mehr miterlebt. Er war bereits am 21. Oktober 1916 verstorben.

Die Möbelfabrik wurde später von Kurt Laske erworben, der bis zur Vertreibung Eigentümer der Fabrik war.

Möbelfabrik (Eigentümer: Waldemar Hesse, später Kurt Laske)

Villa Hesse, später Villa Stiebler

Trinkzimmer in der Villa Hesse

Trinkzimmer in der Villa Hesse

Familienausflug der Freiwilligen Feuerwehr der Möbelfabrik Hesse im Jahre 1909

Freiwillige Fabrikfeuerwehr der Möbelfabrik Hesse anlässlich des 25. Jubelfestes im Jahre 1913.

Spedition August Lonzer          Grunauer Str. 16

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Etwa um 1850 machte sich der Fuhrmann Heinrich Lonzer mit seinen Pferden auf den Weg um Waren des täglichen Bedarfs von Herstellern an Händler und Verbraucher zu liefern. Dabei legte er Wege zurück, die ihn bis nach Triest an der Adria führten. Quer durch Böhmen und Österreich hindurch.

Sein Sohn August führte das Geschäft dann weiter, welches im Jahre 1872 unter diesem Namen in das Handelsregister eingetragen wurde und seitdem stets unter "August Lonzer, Spedition" firmierte. Unter diesem Namen gedieh das Unternehmen ständig und wurde über die Grenzen Liebaus hinaus bekannt.

Als weiterer Arbeitszweig kamen dann noch Möbeltransporte hinzu, die von einer speziellen Kolonne durchgeführt wurden. Sie dienten vor allem den Umzügen der Beamten der Zoll-verwaltung.

Mit Wilhelm Lonzer zog dann die moderne Zeit ins Haus. Eine Kohlenhandlung wurde eröffnet, ca. 100 Morgen eigenes Land dienten dem Getreideanbau zur Versorgung der Pferde und eine Landwirtschaft mit Kühen, Hühnern und Tauben gehörte auch dazu. Untergebracht war alles in einem 1906 völlig neu errichteten großen Haus. Mitte der 1930er Jahre kam dann der erste Lastwagen.

Nach der Vertreibung lebten die Eheleute Wilhelm und Hedwig Lonzer in Delmenhorst.

Quelle:

  • Lonzer, Georg: Schlesischer Gebirgsbote Nr. 5/2002

Kaufhaus Walter                          Landeshuter Straße 3/5

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Der Firmengründer Joseph Walter wurde am 17. März 1843 in Liebau als Sohn einer alteingesessenen Stellmacher- und Wagenbauerfamilie geboren. Das Wagnerhandwerk hatte in früheren Zeiten in Liebau eine ganz besondere Bedeutung, da eine alte Heer- und Handelsstraße von Schlesien nach Böhmen durch die Stadt führte. Davon zeugten auch die vielen Gasthäuser mit Ausspannung.

Entgegen der Familientradition erlernte Joseph Walter jedoch in Waldenburg den Kaufmannsberuf. Nach der abgeschlossenen Berufsausbildung kehrte er in seine Heimatstadt Liebau zurück.

In der Landeshuter Straße Nr. 5 erwarb er ein Grundstück und ließ ein großes Geschäftshaus mit Kaffeerösterei und zahlreichen Lagerräumen errichten. Hier gründete er am 1. Juli 1868 die Firma Joseph Walter, ein Einzel- und Großhandelsunternehmen, das dank seiner kaufmännischen Fähigkeiten bald im ganzen Kreise und jenseits der Grenzen bekannt wurde. Joseph Walter besuchte seine Großhandelskunden in Schömberg und den Dörfern in Liebaus Umgebung auf einem dreirädigen Hochrad. So etwas war in der damaligen Zeit, besonders in der Kleinstadt, eine Sensation. Mit diesem Rad ist er auch einmal bis nach Breslau und wieder zurück gefahren.

Verheiratet war Joseph Walter mit Anna Matzker, einer Schwester des bekannten Landeshuter Kantors Joseph Matzker.

Sein Sohn Wilhelm Walter schuf in der Zeit von 1912 bis 1913 durch Ankauf des Nachbargrundstückes Nr. 3 und einem großzügigen Ausbau der Geschäftsräume in modernes Kaufhaus.

Nach 1946 lebte die Familie Walter in Delmenhorst.

Landeshuter Str. 5 - Kaufhaus Walter

Landeshuter Str. 3/5 - Kaufhaus Walter

Firmenwerbung

Landeshuter Straße - Rechts: Kaufhaus Walter

Firma H. & F. Wihard                   Landeshuter Straße 34

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Ein großer Leinen- und Garnfabrikant in Liebau war der Kommerzienrat Hugo Dionysius Wihard, der Gründer der Weberei und Spinnerei H. und F. Wihard AG. Geboren wurde er am 09.10.1816 in Liebau als dritter Sohn des dortigen Garn- und Leinenhändlers Franz Anton Wihard (1771 - 1841) und dessen Ehefrau Maria, geb. Linke (1786 - 1853) aus Ullersdorf. Der Stammvater der Wihards, Adam Wihard (1659 - 1744), kam Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Westen nach Schlesien. Sein Weg führte ihn über Grüssau nach Liebau. Hier begann er als Zier- und Orangenwärter. Dessen einziger Sohn studierte Rechtswissenschaften und gründete in Liebau eine Weinhandlung, der sich später eine Leinen- und Garngroßhandlung anschloss. Als Hugo Wihard nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1841 die Firma übernahm, hatte sich diese gerade ganz langsam von den Wirren des napoleonischen Krieges erholt. Trotzdem entschloss er sich zur Gründung eines neuen Leinen- und Garnhandels. Der Anfang war allerdings sehr beschwerlich, da auf dem neuen Unternehmen hohe Hypotheken lasteten. Die Erzeugung einer ganz neuen Rohleinensorte brachte nicht nur ihm, sondern auch den Hausleinewebern bessere Verdienstmöglichkeiten.

Am 14.10.1845 heiratete er Maria Dorothea Steffan aus Arnau, die Tochter eines Geschäftsfreundes. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor. Sowohl privat als auch beruflich konnte Hugo Wihard jetzt mit seinem Leben zufrieden sein. Aber dann kam das unselige Jahr 1848. Es begann mit der Deutschen Revolution im März 1848, die auch in Liebau für Aufregung sorgte. Der amtierende Bürgermeister wurde durch eine Revolte zur Abdankung gezwungen und Hugo Wihard übernahm das Bürgermeisteramt. Es sollte jedoch noch schlimmer kommen. Am 17.09.1848 brach der große Stadtbrand aus, dem innerhalb von drei Stunden 136 Häuser, 38 Scheunen und Ställe mit der gesamten Ernte zum Opfer fielen. Auch die Familie Wihard verlor mehrere Häuser.

Nach einigen Jahren der Erholung erkannte Hugo Wihard, dass die Handweberei wohl nur noch kurze Zeit überleben würde und der mechanische Webstuhl die Zukunft bedeute. Im Jahre 1857 gründete er eine mechanische Flachsgarnspinnerei. Das neue Werk kostete damals 500.000 preußische Thaler und bedeutete für die damalige Zeit ein hohes geschäftliches Risiko. Aber diese Investition rentierte sich bald. 1871 trat Sohn Friedrich in die Firma ein und die Firmenbezeichnung wurde in "H. und F. Wihard" geändert. Als der Sohn Friedrich starb, trat an dessen Stelle sein jüngerer Bruder Franz. Die Aufträge nahmen zu und die Firma entwickelte sich zu einem immer größeren Unternehmen. Im Jahre 1874 wurde die Weberei gebaut und 1879 die Flachsgarnspinnerei in Schatzlar erworben. In beiden Spinnereien und der Weberei waren über 1000 Beschäftigte tätig. Auch das 1867 gegründete Konkurrenzunternehmen des Liebauer Bürgermeisters Strecke (die spätere Spinnerei Faltis Erben) konnte den geschäftlichen Erfolg der Firma Wihard nicht schmälern.

Neben seiner verantwortungsvollen beruflichen Tätigkeit bekleidete Hugo Wihard auch politische Ämter. Er war in Liebau Stadtverordneter und Magistratsmitglied, mehrfach Provinzial-Landtagsabgeordneter, bis zu seinem Tod Kreistagsabgeordneter und zehn Jahre Präsident der Handelskammer Landeshut. Kurz vor seinem Tod wurde er 1887 in Anerkennung seiner 40jährigen Tätigkeit als Stadtverordneter und seiner besonderen Verdienste um die Stadt Liebau zum Ehrenbürger ernannt.

Trotz aller Erfolge blieb er aber auch von privaten Schicksalsschlägen nicht verschont. Zwei Kinder starben bereits in jungen Jahren, darunter sein Sohn Friedrich, der 1871 in die väterliche Firma eingetreten war.

Kommerzienrat Hugo Wihard verstarb am 28. Juli 1887 und wurde am 31. Juli 1887 in Liebau beigesetzt. Nachfolger wurden seine Söhne Hugo (1852 - 1915) und Franz (1856 - 1903). Nach dem Tode seines Bruders Franz war Hugo Wihard Alleineigentümer der Firma. Er hinterließ drei Töchter und mit ihm wurde 1915 der letzte männliche Träger des Namens Wihard in der sechsten Generation zu Grabe getragen.

Marie Wihard, die Witwe des Kommerzienrates, lebte nach dem Tode ihres Ehemannes bis zu ihrem Ableben im Jahre 1902 im Haus, Markt Nr. 20. Es wurde auch als "Damenhaus" bezeichnet. Die Erbengemeinschaft Wihard verkaufte dieses Haus 1926.

Das Firmengelände der Firma H. & F. Wihard

Die Firma H. & F. Wihard

Markt Nr. 20 - Das Wihard-Haus

Salon im Wihard-Haus