Wittgendorf (Witków)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Wittgendorf liegt 3 km nördlich von Schwarzwaldau (Czarny Bór), zu dessen Landgemeinde es heute gehört. Der Ort ist im Norden eingeschlossen vom Sattelwald und im Süden vom Ziegenrücken. Von Schwarzwaldau kommend durchfließt der Lässigbach das ganze Tal.

Erstmalig urkundlich erwähnt wird Wittgendorf im Jahre 1282 unter dem Namen "Wethegindorf". Später erfolgte eine Umbenennung in "Wittichendorf". Der Ort gehörte zum Herzogtum Scheidnitz und war im 14. Jahrhundert Heiratsgut der Agnes, die mit Johann von Seydlitz verheiratet war. Er verkaufte "Wittichendorf" 1376 mit Zustimmung seiner Ehefrau an das Kloster Grüssau. Zur Bestreitung der Türkensteuer musste 1547 unter Abt Johannes V. Wittgendorf an Hans von Schaffgotsch verpfändet werden und gelangte erst 1571 wiederum in Klosterbesitz. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Wittgendorf zusammen mit Schlesien an Preußen. 1810 wurde das Klostergut säkularisiert. Nach der Neugliederung Preußens gehörte es seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Seit 1874 war die Landgemeinde Wittgendorf Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks. Im Jahre 1939 wurde die Landgemeinde Wittgendorf in den Amtsbezirk Hartmannsdorf integriert.

Die Bevölkerung war überwiegend katholisch. 1925 zählte der Ort 1.516 Einwohner (davon 345 evangelisch), 1939 = 1.372. Die erste katholische Kirche wurde im Jahre 1667 errichtet, aber durch Blitzeinschlag 1693 total zerstört. Erst am 17.10.1707 wurde der Grundstein zu dem heutigen Gotteshaus gelegt, dessen Fertigstellung 1710 erfolgte. Die Pfarrei Wittgendorf ist untrennbar mit dem Namen des letzten Pfarrers Alfons Kotzur verbunden. Im Juli 1915 übernahm er die Pfarrei, die er bis an sein Lebensende (18. Mai 1945) führte. Zuständig war er auch für die Gemeinden Hartauforst und Schwarzwaldau. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass sowohl in Schwarzwaldau (1926) als auch in Hartauforst (1938) neue Kirchen gebaut wurden. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle das Wittgendorfer Kolpinghaus. Auch an der Schaffung dieses Gebäudes war der Pfarrer, Erzpriester und Geistliche Rat Alfons Kotzur maßgeblich beteiligt. Für den Kolpingverein, dessen Bezirkspräses er war, erwarb er in Wittgendorf das Mühlengebäude, das zum Vereinsheim umgestaltet wurde. Im September 1927 erfolgte unter großer Beteiligung der Bevölkerung die feierliche Einweihung.

Obwohl Wittgendorf überwiegend katholisch war, verfügte der Ort neben 2 katholischen Schulen auch über eine evangelische Schule. Die evangelischen Einwohner des Ortes gehörten zum Kirchspiel Gießmannsdorf.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Schlesischer Gebirgsbote
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Der Bahnhof:

Im Jahre 1867 wurde die Eisenbahnstrecke Ruhbank - Dittersbach städt. in Betrieb genommen. Zu dieser Zeit entstand auch der Bahnhaltepunkt "Wittgendorf im Riesengebirge".

Der Bahnhof

Der Bahnhof (Aufnahme: 2013)

(Bild von Herrn Stefan Müller)

Die katholische Pfarrkirche:

Die erste Wittgendorfer katholische Kirche wurde im Jahre 1693 durch Blitzeinschlag total zerstört. Die Grundsteinlegung zur heutigen Kirche erfolgte erst am 17. Oktober 1707. Das Pfarrhaus wurde im Jahre 1788 errichtet.

Die katholische Pfarrkirche

Die katholische Pfarrkirche - Blick zum Hochaltar

Die katholische Pfarrkirche - Rückseite
(Foto von Frau Agnieszka Dembska)

Das katholische Pfarrhaus
(Foto von Frau Agnieszka Dembska)

Die katholische Pfarrkirche - Blick zum Hochaltar
(Foto von Frau Agnieszka Dembska)

Die katholische Pfarrkirche - Die Kanzel
(Foto von Frau Agnieszka Dembska)

Pfarrer Kotzur mit Kaplan Karl Scholz, später Pfarrer in Schwarzwaldau, links, Kaplan Oskar Franosch, später Pfarrer in Wartha, rechts.

Pfarrer Fiedler, 2. von links, 1903 - 1914 Pfarrer in Wittgendorf

Das Kolpinghaus:

An der Schaffung dieses Gebäudes war der Pfarrer, Erzpriester und Geistliche Rat Alfons Kotzur maßgeblich beteiligt. Für den Kolpingverein, dessen Bezirkspäses er war, erwarb er in Witgendorf das Mühlengebäude, das zum Vereinsheim umgestaltet wurde. Im September 1927 erfolgte unter großer Beteiligung der Bevölkerung die feierliche Einweihung.

Das St. Josef-Stift:

Das St. Josef-Stift war eine Niederlassung der Grauen Schwestern und wurde im Jahre 1903 in Wittgendorf gegründet.
Diese Ordensgemeinschaft wurde 1842 in Neisse (Schlesien) von vier Frauen gegründet. Aufgabe der Gemeinschaft war die ambulante Krankenpflege, später kamen auch die stationäre Pflege in Krankenhäusern und andere sozial-karitative Dienste hinzu. Das Mutterhaus befand sich zunächst in Neisse, wurde aber 1890 nach Breslau verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es durch die Vertreibung der deutschen Schwestern nach Reinbek bei Hamburg. 1974 nahm die Generalleitung ihren Sitz in Rom. Die anfangs volkstümliche Bezeichnung "Graue Schwestern", die auf die Farbe der von den ersten Schwestern getragenen Kleidung zurückgeht, war bis 1968 der offizielle Name der Gemeinschaft. Danach wurde der Name geändert in Kongregation der Schwestern von der heiligen Elisabeth.

Die Schulen:

In Wittgendorf gab es früher zwei katholische Schulen. 

Die evangelische Schule wurde im Jahre 1903 eröffnet. Es handelte sich um eine einklassige Schule mit 1 Lehrkraft. Viele Jahre unterrichtete an dieser Schule der Lehrer Gustav Nagel täglich über 50 Kinder. Gleichzeitig übte er auch noch das Amt des Standesbeamten aus.

Die evangelische Schule

Schülerinnen und Schüler der evangelischen Schule der Jahrgänge

1908 - 1916 mit Lehrer Gustav Nagel.

Auch das folgende Bild zeigt Schülerinnen und Schüler der evangelischen Schule mit ihrem Lehrer Gustav Nagel während eines Schulausfluges zur Kynsburg im Jahre 1930.

Die alte katholische Schule

Die neue katholische Schule

Schülerinnen und Schüler der katholischen Schule mit Frl. Gräser

 im Jahre 1935

Schülerinnen und Schüler des 8. Schuljahres mit Kantor Stiller


In Wittgendorf gab es früher bereits ein Schulküche. Auf dem folgenden Foto sind davor abgebildet (von links nach rechts): Kassenrendant Josef Schöbel, Amtsvorsteher Josef Kühn, Kantor Stiller und Kaplan Pfitzner.

Die Gastronomie:

In Wittgendorf gab es früher drei Gasthöfe:
1. Haus Nr. 25                                            Der Gerichtskretscham
2. Haus Nr. 95                                           Gasthof: "Schwarzer Adler"
3. Haus Nr. 106                                         Gasthof "Zur Goldenen Krone"

Auf dem folgenden Foto ist der "Gerichtskretscham" abgebildet. Besitzer: Paul Rösler, danach Walter Hein, später Wilhelm Huckauf.

Haus Nr. 95 - Gasthof "Schwarzer Adler"

(Besitzer: August Siegel, später Theodor Tschuschke,
 danach Paul Tschuschke

Gasthof "Schwarzer Adler" - Innenansicht

Haus Nr. 106 - Gasthof "Zur Goldenen Krone"

(Besitzer: Paul Hoffmann, später Paul Rösler)

Gasthof "Zur Goldenen Krone" - Innenansicht

Das folgende Bild wurde vor dem Gasthof "Zur Goldenen Krone" um 1900 aufgenommen.

Das folgende Bild zeigt die Dorfstraße von Wittgendorf:

Die Lässigbrücke, links der Konsum und rechts die Schmiede

Der Lässigbach

Haus Nr. 87 - Frau Ursula Breuer
(Aufnahme 1973)

Haus Nr. 92 (rechts) - Schneidermeister und Postagent Alfons Knittel
(Aufnahme 1978)

Haus Nr. 96 - Kaufhaus Demuth
(Aufnahme 1978)

Haus Nr. 98 - Familie Paul Reuschel
(Aufnahme 1973)

Haus Nr. 105 - Familie Strecker (Aufnahme: September 1966)

Haus Nr. 112 - Die Breuer-Schmiede

Am 30. April 1939 beging die Familie Hugo Breuer das 100jährige Jubiläum. Die Schmiede war zu diesem Zeitpunkt bereits in der vierten Generation in der Familie Breuer.

Haus Nr. 128 - Familie Martin Finke
(Aufnahme: 1973)

Das Haus des Friseurmeisters Scharf vor dem Krieg. Dieses Haus wurde von der Familie Scharf im Jahre 1942 erworben.

Haus Nr. 150 - Der Heppner-Bauernhof:

Der Heppner-Bauer in Wittgendorf wurde auch Oberbauer genannt. Wenn man von Schwarz-waldau kommend in den Ort ging, lag der Bauernhof rechtsseitig auf einer Anhöhe.
Um 1880 übernahmen die Heppners den Scheid`schen Hof, zu dem eine gutgehende Ziegelei in der Nähe des Sattelwaldes gehörte. Ein reichlicher Bestand an Pferden, Rindern und Schweinen war immer der Stolz des Heinrich Heppner, der im Jahre 1906 den Bauernhof an den ältesten Sohn Paul übergab, der aber bereits während des 1. Weltkrieges im Jahre 1915 gefallen ist. Seine Witwe Franziska bewirtschaftete den Hof weiter und heiratete 1919 den jüngeren Schwager Hugo Heppner. Bis zur Vertreibung blieb der Hof in Familienbesitz.

Haus Nr. 150 - Der Heppner-Bauernhof

Hugo Heppner

Die Sattelwaldbaude:

Ein lohnendes Ausflugsziel war die in 780 m Höhe gelegene Sattelwaldbaude. Vom Aussichtsturm aus konnte der Besucher einen wunderbaren Ausblick genießen.

Die Sattelwaldbaude um 1890

Die Sattelwaldbaude um 1925 (Besitzer: Ehepaar Hoffmann)