Medizinische Einrichtungen:

(Verfasser: Hella Tegeler)

Kreiskrankenhaus "Mariannenstift"

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Mitte des 19. Jahrhunderts planten die beiden Töchter des Grafen Anton von Stolberg-Wernigerode den Bau eines Krankenhauses in Landeshut. Gräfin Marianne, die zweite Tochter und eigentliche Trägerin der Idee, erlebte den Zeitpunkt der Verwirklichung nicht mehr. Sie verstarb im Jahre 1844 im Alter von 29 Jahren. Aber ein Werk ihrer Hände wurde zur Quelle, aus der die ersten Mittel für das Unternehmen flossen. Ein von ihr gezeichneter Teppich, von befreundeter Hand vollendet, bot durch eine Verlosung, wie sie es gewünscht hatte, den ersten Fonds zur Errichtung einer Kranken-anstalt. Zunächst wurde in Landeshut die frühere Badeanstalt gemietet und darin ein Haus für Kranke geschaffen, die von Kaiserswerther Diakonissen gepflegt wurden. Da die Räume den Bedürfnissen aber bald nicht mehr gerecht wurden, wurde das Dorn`sche Landhaus Leppersdorf erworben, das nunmehr zum Krankenhaus umgestaltet wurde und zum bleibenden Gedächtnis der Gräfin Marianne zu Stolberg den Namen "Mariannenstift" erhielt.

Unterdessen war eine andere Tochter des Grafen Anton in das Mutterhaus "Bethanien" in Berlin eingetreten. Der Gedanke, dass sie selbst vielleicht in späterer Zeit die Leitung des "Mariannen-stiftes" übernehmen würde, führte zu einer Auflösung des Vertrages mit Kaiserswerth. Am 6. August 1851 wurden die neuen Verbindungen mit dem "Mutterhaus Bethanien" geschlossen, als dessen erstes Tochterhaus das "Mariannenstift" in Leppersdorf hervortrat. Zwei Schwestern wurden zur Pflege von dem Mutterhaus entsandt, während die ärztliche Leitung dem damaligen Kreisphysikus, Sanitätsrat Dr. Strauch übertragen wurde.

Trotz mehrfacher Umbauten und Erweiterungen genügte das Krankenhaus aber Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr den Erfordernissen einer gut funktionierenden Krankenanstalt, so dass ein Neubau erforderlich wurde. Die Einweihung des neuen Krankenhauses fand am 16. August 1893 statt.

Nach dem Krieg wurde an der Stelle des früheren "Mariannenstiftes" ein Neubau errichtet.

Quellen:

  1. Chronik von Landeshut
  2. Schlesischer Gebirgsbote

Das "Mariannenstift"

Kreiskrankenhaus "Mariannenstift"

Das heutige Krankenhaus in Landeshut

Die Volksheilstätten

Quellen:

  1. Heimatbuch des Kreises Landeshut in Schlesien, hrg. von E. Kunick, Landeshut 1929
  2. Schlesischer Gebirgsbote


Die Volksheilstätten bestanden aus der Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte und der später gebauten Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte.

Die Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte:

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Am 15. September 1904 wurde im Landeshuter Stadtwald die Kaiserin-Auguste-Viktoria-Volksheilstätte mit 80 Betten eröffnet. Eigentümer war der Schlesische Provinzial-Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Breslau. Im Jahre 1907 wurde noch ein Erweiterungsbau geschaffen, so dass sich die Bettenzahl auf insgesamt 165 erhöhte. Ein innerer Umbau ermöglichte später nochmals Platz zum Aufstellen weiterer Betten. Insgesamt hatte die Heilstätte nunmehr über 200 Betten. Für Ärzte stand eine Doppelvilla mit 3 Wohnungen zur Verfügung. Aufnahme fanden ausschließlich weibliche Lungenkranke, die mindestens 14 Jahre alt waren.

Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte

Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte

Das Ärztehaus in der Mitte des Bildes

Das Ärztehaus

Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte mit Gartenanlagen

Der Tagesraum

Der Speisesaal

Der Speisesaal

Die Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte:

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Vor dem Beginn des 1. Weltkrieges wurde durch den Kauf städtischen Geländes mit den Bauarbeiten für die Kinderheilstätte begonnen, die jedoch erst nach 1920 beendet werden konnten. Nach der Fertigstellung standen für die Kinder 450 Betten zur Verfügung.

Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte

Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte

Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte - Die Lichthalle

Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte

Das Viktoriabad von Heinrich Deisenroth, Bolkenhainer Str. 17

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Im Jahre 1920 kam der in Bochum-Hofstede in Westfalen geborene Heinrich Deisenroth mit seiner aus Breslau stammenden Ehefrau Margarethe nach Landeshut und gründete hier das bekannte Viktoriabad.

Nach seiner Schulausbildung ließ er sich zum Krankenpfleger ausbilden. Anschließend erfolgte eine Ausbildung zum Bademeister und Masseur. Berufliche Erfahrungen sammelte er in mehreren großen Sanatorien in der Schweiz und in Frankreich. Bevor Heinrich Deisenroth nach Landeshut kam, war er im Sanatorium Ziegelroth in Krummhübel tätig.

Das Landeshuter Viktoriabad war weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Mit Licht- und Dampfbädern wurden u. a. Rheumaerkrankungen, Nerven- und Herzkrankheiten behandelt.

Im Jahre 1932 erhielt Heinrich Deisenroth seine Zulassung als Heilpraktiker in Biochemie und Homöopathie und war im selben Jahr Mitbegründer des biochemischen Vereins Landeshut. Die biochemischen Vereine Liebau, Schömberg, Schmiedeberg und Hirschberg wurden von ihm gegründet und betreut.

An den Spätfolgen seiner im 1. Weltkrieg erlittenen Verletzung verstarb er bereits im Jahr 1941. Seine Ehefrau Margarethe kam 1946 nach Hilden/Rheinland. Später wanderte sie zu ihrem bereits seit 1954 lebenden Sohn Hans nach Amerika aus. Dort verstarb sie am 2. Mai 1986.

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote

Das Viktoriabad

(Die Karte stammt aus der Sammlung von Ursula und Josef Chec)

Das frühere Viktoriabad (Aufnahme: 1958)

Heinrich Deisenroth als Karnöffelkönig im Jahre 1934

Kreischirurg Dr. med. Strauch

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Von 1828 bis mindestens 1850 praktizierte der königliche Kreischirurg Dr. med. Strauch in Landeshut. Nach einer Zeitungsanzeige bot er sein Haus, Markt Nr. 57, am 1. Februar 1850 veränderungshalber zum Verkauf an. 

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",
Heft Nr. 25/1828.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 23/1829.

Impfbescheinigung vom 8. Juni 1840, ausgestellt von Dr. Strauch

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",
Heft Nr. 11/1850

Die Apotheken

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote


In Landeshut gab es vor dem Krieg drei Apotheken:

  • Die Stadtapotheke                      Am Markt Nr. 30
  • Die Löwenapotheke                    Obertor Nr. 2
  • Die Kronenapotheke                   Bahnhofstr. Nr. 3

Die Stadtapotheke            (Am Markt Nr. 30)

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Älteste der drei Apotheken ist die Stadtapotheke. Sie soll bereits während des dreißigjährigen Krieges bestanden haben und unter der Herzogin Agnes, der Witwe Bolkos II., angelegt worden sein. Ursprünglich befand sich die Stadtapotheke im Gebäude des ersten Rathauses direkt auf dem Markt. Nach dem Abriss des Rathauses wurde die Apotheke in dem Haus Nr. 30 eröffnet.

Urkundlich nachweisbar ist die Stadtapotheke seit 1660. Die Familie Drischel (letzte Eigentümerin vor der Vertreibung) besaß drei auf großes Pergamentpapier geschriebene Urkundentexte, die sie 1946 in die Obhut der Wallenbergschen Bibliothek gab. Eine dieser Urkunden mit österreichischem Siegel enthielt die Erlaubnis zur Inbetriebnahme durch den Apotheker Christian Fleischmann Anno 1660. Fleischmann musste eine hohe Summe an den Rat der Stadt zahlen, um die verschiedenen Artikel und Gewürze vertreiben zu dürfen. Nach der Eroberung Schlesiens durch Friedrich den Großen wurde das Privileg, welches auch das Verbot zur Eröffnung einer weiteren Apotheke in Landeshut einschloss, königlich-preußisch erneuert, wie eine der Urkunden auswies, wobei wieder eine bedeutende Summe zu zahlen war. Eigentümer der Apotheke im Jahre 1687 war Gottfried Neumann. 1758 gehörte sie dem Apotheker Fimler und von ca. 1801 bis mindestens 1814 stand sie im Besitz von Gottlieb Erler. Nachfolger wurde der aus Soldin gebürtige Apotheker Friedrich Wilhelm Bild, der am 13. Mai 1824 verstarb. Am 31. März 1826 kaufte Friedrich August Froböß die Apotheke.

Im Jahre 1836 erwarb der Apotheker Oberländer das Privileg der seit 1756 bestehenden zweiten Apotheke hinzu und ließ diese jedoch eingehen. Seit 1841 gehörte er dem 6. schlesischen Landtag an. Sein Nachfolger wurde um 1863 R. H. Bitt, von ihm bzw. seinen Erben erwarb am 1. Oktober 1887 August Miersch, bisher Besitzer einer Apotheke in Löwenberg, die Stadtapotheke zum Preis von 255.000 Mark. 1890 übernahm C. Grothe die Apotheke, 1898 gab er sie an Dr. Danziger weiter. Im Jahre 1900 wurde Eugen Schäffer Besitzer. 1904 wanderte dieser über die Schweiz nach Chicago aus und gründete dort ein größeres pharmazeutisches Unternehmen.

Am 2. Dezember 1904 erwarb der 1939 verstorbene Apotheker Rudolf Drischel die Apotheke zum Preis von 350.000 Goldmark, in dessen Familienbesitz sie bis zur Vertreibung blieb. Er widmete sich auch der Verbesserung alter Rezepte aus der Volksmedizin. Einige sollen, von Kräutersammlern aus dem Hirschberger Tal stammend, ihren Weg in die Landeshuter Stadtapotheke gefunden haben. So wurden u. a. der "Landeshuter Gebirgskräuterbalsam" und eine wirksame Pasta septica, der man sogar den Namen "Landeshuter Wundsalbe" zugestand, eine Nervensalbe und auch ein Magenmittel als besondere Spezialitäten herausgebracht. Zum Rezeptschatz der Apotheke gehörten nicht zuletzt die Herstellungsvorschriften für einen feinen "Benediktiner" und einen vorzüglichen Punsch, der - nicht frei erhältlich - um die Weihnachtszeit das Haus verließ, um guten Freunden eine Festtagsfreude zu bereiten.

Das Ehepaar Drischel hatte 3 Kinder, 1 Tochter und 2 Söhne. Der älteste Sohn Wolfgang trat in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters und wurde ebenfalls Apotheker. Er eröffnete nach der Vertreibung eine Apotheke in München.

Auch heute befindet sich in den Geschäftsräumen wieder eine Apotheke.

Anzeigen aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",
Hefte Nrn. 26 u. 42/1824 sowie Nr. 14/1826. 

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 11/1837.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 12/1837.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 107/1869.

Markt Nr. 30 - Die Stadtapotheke vor dem Krieg

Markt Nr. 30 - Die frühere Stadtapotheke heute

Die Löwenapotheke          (Obertor Nr. 2)

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Das Privileg für eine zweite Apotheke wurde 1756 George Jänichen aus Dresden erteilt, 1800 hieß der Besitzer Gottlieb Pfeiffer, um 1812 erwarb Johann Wilhelm Reich die Apotheke, bisher Eigentümer einer Apotheke in Reichenstein. Nach seinem Tod am 21.12.1824 übernahm Herr Schlöffel die Apotheke, ihm folgte im Juni 1831 F. A. Kopisch. 

Als aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Industrie in der Stadt und ihrer Umgebung merklich zurückging, waren zwei Apotheken für Landeshut nicht mehr lebensfähig. Der Besitzer der Stadtapotheke am Markt, J. Oberländer, erwarb 1836 das Privileg für die zweite Apotheke, die jedoch geschlossen wurde. 1893 verkaufte dann der Stadtapotheker Grothe auf Empfehlung der Regierung das Privileg an Leopold Außner für 90.000 Mark, und dieser eröffnete den Betrieb im gleichen Jahr unter dem Namen Löwenapotheke. Vorher war er Besitzer der Stadtapotheke in Löwen. Wegen eines Augenleidens, das schließlich zur Erblindung führte, gab Außner zum 1. Juli 1906 die Apotheke an Dr. Max Claass aus Bromberg ab. Im Jahre 1909 veräußerte dieser das Geschäft an Fritz Czesch, bisher Besitzer der Apotheke in Raudten, und wirkte später als Dozent an der Technischen Hochschule in Danzig. Er erzielte einen Verkaufspreis in Höhe von 375.000.

1913 wurde eine neue Apotheke (Kronenapotheke) in Landeshut eröffnet, von der sich Czesch in seiner Existenz bedroht fühlte, er erlitt einen Nervenzusammenbruch, dem er noch im gleichen Jahr erlag. Seine Witwe Else, geb. Dabisch, übertrug am 1. Oktober 1913 die Verwaltung der Apotheke Paul Michalik und zum 1. April 1915 Walter Dietrich, der sie noch im Jahre 1933 leitete. Sein Nachfolger wurde Hans-Joachim Schwarzer, der sie ab 1. April 1936 pachtete. Schwarzer war ein Sohn des Münsterberger Stadtapothekers. Im Jahre 1939 pachtete er die Schlossapotheke in Bad Warmbrunn. Die Pacht der Löwenapotheke trat am 1. März 1939 Otto Kubisch an.

Auch in diesen Geschäftsräumen befindet sich heute wieder eine Apotheke.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 26/1831.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 36/1836.

Obertor Nr. 2 - Links die Löwenapotheke 
mit Blick zur katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul

Obertor Nr. 2 - Links die Löwenapotheke mit Blick zum Rathaus

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Die frühere Löwenapotheke heute

Die Kronenapotheke   (Bahnhofstraße Nr. 3)

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Die am 4. Januar 1912 ausgeschriebene Konzession wurde Viktor Herrmann aus Jauer verliehen und die Apotheke von ihm am 8. März 1913 eröffnet. Die Besitzer der beiden anderen Apotheken hatten alles Erdenkliche versucht, um die Errichtung zu verhindern. Apothekerkammer, Handelskammer, Stadt- und Kreisbehörde hatten die Notwendigkeit des Bestehens einer dritten Apotheke verneint. Trotzdem wurden sogar zwei an den Kaiser gerichtete Gesuche der beiden Apothekenbesitzer abschlägig beschieden und es blieb bei der Konzessionierung. Im Jahre 1939 übernahm Hein Zademak die Pacht der Apotheke.

Ebenso wie bei der Stadt- und Löwenapotheke befindet sich auch hier heute wieder eine Apotheke.

Die frühere Kronenapotheke heute

Die frühere Kronenapotheke heute