Medizinische Einrichtungen:

(Verfasser: Hella Tegeler)

Kreiskrankenhaus "Mariannenstift"

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Mitte des 19. Jahrhunderts planten die beiden Töchter des Grafen Anton von Stolberg-Wernigerode den Bau eines Krankenhauses in Landeshut. Gräfin Marianne, die zweite Tochter und eigentliche Trägerin der Idee, erlebte den Zeitpunkt der Verwirklichung nicht mehr. Sie verstarb im Jahre 1844 im Alter von 29 Jahren. Aber ein Werk ihrer Hände wurde zur Quelle, aus der die ersten Mittel für das Unternehmen flossen. Ein von ihr gezeichneter Teppich, von befreundeter Hand vollendet, bot durch eine Verlosung, wie sie es gewünscht hatte, den ersten Fonds zur Errichtung einer Kranken-anstalt. Zunächst wurde in Landeshut die frühere Badeanstalt gemietet und darin ein Haus für Kranke geschaffen, die von Kaiserswerther Diakonissen gepflegt wurden. Da die Räume den Bedürfnissen aber bald nicht mehr gerecht wurden, wurde das Dorn`sche Landhaus Leppersdorf erworben, das nunmehr zum Krankenhaus umgestaltet wurde und zum bleibenden Gedächtnis der Gräfin Marianne zu Stolberg den Namen "Mariannenstift" erhielt.

Unterdessen war eine andere Tochter des Grafen Anton in das Mutterhaus "Bethanien" in Berlin eingetreten. Der Gedanke, dass sie selbst vielleicht in späterer Zeit die Leitung des "Mariannen-stiftes" übernehmen würde, führte zu einer Auflösung des Vertrages mit Kaiserswerth. Am 6. August 1851 wurden die neuen Verbindungen mit dem "Mutterhaus Bethanien" geschlossen, als dessen erstes Tochterhaus das "Mariannenstift" in Leppersdorf hervortrat. Zwei Schwestern wurden zur Pflege von dem Mutterhaus entsandt, während die ärztliche Leitung dem damaligen Kreisphysikus, Sanitätsrat Dr. Strauch übertragen wurde.

Trotz mehrfacher Umbauten und Erweiterungen genügte das Krankenhaus aber Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr den Erfordernissen einer gut funktionierenden Krankenanstalt, so dass ein Neubau erforderlich wurde. Die Einweihung des neuen Krankenhauses fand am 16. August 1893 statt.

Nach dem Krieg wurde an der Stelle des früheren "Mariannenstiftes" ein Neubau errichtet.

Quellen:

  1. Chronik von Landeshut
  2. Schlesischer Gebirgsbote

Das "Mariannenstift"

Kreiskrankenhaus "Mariannenstift"

Deutsch-Französischer Krieg 1870/1871


Mitteilung aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 106/1870.

Neben den beiden Schulen diente auch das Mariannenstift während des 1. Weltkrieges als Reservelazarett.

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

Das heutige Krankenhaus in Landeshut

Städtisches Hospital

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Ein Hospital hat nach alten Urkunden in Landeshut bereits im 14. Jahrhundert bestanden. Dieses erste Gebäude stand dicht unter dem Burgberg. Im Jahre 1768 wurde ein Neubau errichtet. Es handelte sich um ein einstöckiges Haus mit 2 kleinen Stuben. Im Laufe der Jahre verfiel dieser Bau immer mehr, so dass 1801 am Ende der Niedervorstadt ein neues Hospital für 3.261 Rthl. errichtet wurde. Der damalige Kaufmanns-Oberälteste Mattern hatte diesen Neubau veranlasst. Die Kaufmannschaft beteiligte sich mit 1.700 Rthl. an den Kosten, andere Bürger stifteten 263 Rthl. Der Rest wurde aus dem Verkauf des alten Hauses und einem Darlehen finanziert. Das Haus war massiv erbaut worden und erstreckte sich über 2 Etagen. Das Erdgeschoss bestand aus 3 geräumigen Zimmern, Küche und Gewölbe. Im zweiten Stock befanden sich 2 Wohnzimmer, 2 saalartige Zimmer für Kranken und für die Pflege der "Gottesverehrung", außerdem mehrere Kammern.

Herr Kommerzienrat Methner stiftete im Jahre 1910 ein neues Hospital. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 11. Juli 1910. Ob es sich bei diesem Gebäude tatsächlich um einen Neubau oder um die Renovierung des alten Gebäudes handelt, konnte bisher nicht ermittelt werden.

Nach 1946 befand sich in diesem Haus zunächst ein Altersheim, dann bis zum Jahr 2009 ein "Sozialfürsorgeheim". Im September 2010 wurde das Haus veräußert.

Quellen:

  • Chec, Josef - Kamienna Góra -Landeshut in Schlesien
  • Perschke, W.: Beschreibung und Geschichte der Stadt Landeshut in Schlesien. Ein Beitrag zur Verfassungsgeschichte deutscher Städte, Landeshut 1829.

Links das Städtische Hospital (Aufnahme: ca. 1929)

(Bild aus dem Privatarchiv des verstorbenen Herrn Walter Gläser)

Das Städtische Hospital (Aufnahme: 1920)

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

Die Volksheilstätten

Quellen:

  • Heimatbuch des Kreises Landeshut in Schlesien, hrg. von E. Kunick, Landeshut 1929
  • Heimatkalender des Kreises Landeshut in Schlesien 1927
  • Schlesischer Gebirgsbote


Die Volksheilstätten bestanden aus der Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte und der später gebauten Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte.

Die Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte:

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Am 25. September 1904 wurde im Landeshuter Stadtwald die Kaiserin-Auguste-Viktoria-Volksheilstätte mit 80 Betten eröffnet. Eigentümer war der Schlesische Provinzial-Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Breslau. An der feierlichen Einweihung nahmen der damalige Oberpräsident von Schlesien, Graf Zedlitz, der Landeshauptmann von Schlesien, Freiherr von Richthofen, Graf Stolberg-Kreppelhof mit Familie, Fürst Hatzfeld und zahlreiche andere prominente Persönlichkeiten Schlesiens teil. Im Jahre 1907 wurde noch ein Erweiterungsbau geschaffen, so dass sich die Bettenzahl auf insgesamt 165 erhöhte. Ein innerer Umbau ermöglichte später nochmals Platz zum Aufstellen weiterer Betten. Insgesamt hatte die Heilstätte nunmehr über 200 Betten. Aufnahme fanden ausschließlich weibliche Lungenkranke, die mindestens 14 Jahre alt waren.

Am 20. September 1910 wurde den Ärzten eine Doppelvilla mit 3 Wohnungen zur Verfügung gestellt. Im selben Jahr wurde die Heilstätte um ein eigenes Gärtnerhaus mit Warmhaus bereichert.

An der Volksheilstätte wirkten 4 hauptamtliche Ärzte und 16 Diakonissen der Diakonissenanstalt Bethanien in Breslau. An Personal waren vorhanden: 22 Dienstmädchen, 1 Maschinenmeister, 2 Heizer, 2 Haushälter, 2 Kutscher, 1 Gärtner, 1 Vorarbeiter, 4 Gartenarbeiter und 1 Nachtwächter.

Chefarzt der Volksheilstätte war von ihrer Inbetriebnahme vom 19. September 1904 ab bis zu seinem Tode am 8. Dezember 1916 Dr. med. Richard Libawski, von da ab bis zum 7. Januar 1919 Dr. Wilhelm May, danach der Chefarzt der Tuberkuloseheilstätte Buchwald i. Rsgb. der Landesver-sicherungsanstalt Schlesien. Seit 7. Januar 1919 war Dr. Amandus Wirth der zuständige Chefarzt.

Als Pflegeschwestern wirkten an der Volksheilstätte von ihrer Inbetriebnahme an bis zum 1. Juli 1920 Rote Kreuzschwestern vom Augustahospital zu Breslau und danach Diakonissen von Bethanien zu Breslau.

(Diese Karte stellte Frau Roswitha Rueschkamp zur Verfügung)

Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte

Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte

Das Ärztehaus in der Mitte des Bildes

Das Ärztehaus

Das Ärztehaus - heute

Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte mit Gartenanlagen

Der Tagesraum

Der Speisesaal

Der Speisesaal

Vor der Kaiserin-Auguste-Viktoria Heilstätte (Aufnahme: nach 1920)

Vor der Kaiserin-Auguste-Viktoria-Heilstätte (Aufnahme: nach 1920)

Die Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte:

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Vor dem Beginn des 1. Weltkrieges wurde durch den Kauf städtischen Geländes mit den Bauarbeiten für die Kinderheilstätte begonnen, die jedoch erst nach 1920 beendet werden konnten. Nach der Fertigstellung standen für die Kinder 450 Betten zur Verfügung.

Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte

Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte

Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte - Die Lichthalle

Kaiser-Wilhelm-Kinderheilstätte

Das Viktoriabad von Heinrich Deisenroth, Bolkenhainer Str. 17

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Im Jahre 1920 kam der in Bochum-Hofstede in Westfalen geborene Heinrich Deisenroth mit seiner aus Breslau stammenden Ehefrau Margarethe nach Landeshut und gründete hier das bekannte Viktoriabad.

Nach seiner Schulausbildung ließ er sich zum Krankenpfleger ausbilden. Anschließend erfolgte eine Ausbildung zum Bademeister und Masseur. Berufliche Erfahrungen sammelte er in mehreren großen Sanatorien in der Schweiz und in Frankreich. Bevor Heinrich Deisenroth nach Landeshut kam, war er im Sanatorium Ziegelroth in Krummhübel tätig.

Das Landeshuter Viktoriabad war weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Mit Licht- und Dampfbädern wurden u. a. Rheumaerkrankungen, Nerven- und Herzkrankheiten behandelt.

Im Jahre 1932 erhielt Heinrich Deisenroth seine Zulassung als Heilpraktiker in Biochemie und Homöopathie und war im selben Jahr Mitbegründer des biochemischen Vereins Landeshut. Die biochemischen Vereine Liebau, Schömberg, Schmiedeberg und Hirschberg wurden von ihm gegründet und betreut.

An den Spätfolgen seiner im 1. Weltkrieg erlittenen Verletzung verstarb er bereits im Jahr 1941. Seine Ehefrau Margarethe kam 1946 nach Hilden/Rheinland. Später wanderte sie zu ihrem bereits seit 1954 lebenden Sohn Hans nach Amerika aus. Dort verstarb sie am 2. Mai 1986.

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote

Das Viktoriabad

(Die Karte stammt aus der Sammlung von Ursula und Josef Chec)

Das frühere Viktoriabad (Aufnahme: 1958)

Heinrich Deisenroth als Karnöffelkönig im Jahre 1934

Kreischirurg Dr. med. Strauch

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Im August 1819 erhielt der Wundarzt Dr. med. Strauch nach bestandener Prüfung und höherer Bestätigung eine Anstellung als Kreischirurg in Landeshut. Er praktizierte bis mindestens 1850 in der Stadt. Nach einer Zeitungsanzeige bot er sein Haus, Markt Nr. 57, am 1. Februar 1850 veränderungshalber zum Verkauf an. 

Am 26. Februar 1827 heiratete Dr. Strauch Louise Marie Friederike Heinze, Tochter des Stadt-kämmerers. Während der Ehe wurden, soweit bekannt, drei Kinder geboren:

  • am 27. Dezember 1827    =    ein Sohn
  • am 27. März 1829             =    Tochter Mar. Luise Fried.       + 07.01.1832
  • am 10. Mai 1830               =    Tochter Aug. Elis. Amanda    + 10.09.1831

(Quelle: Schlesische Provinzialblätter)


Louise Marie Friederike Strauch verstarb bereits am 24. April 1835 im Alter von nur 30 Jahren, 
1 Monat und 27 Tagen (Quelle: Zeitung "Schlesischer Gebirgsfreund", Heft Nr. 18/1835).

Nach dem Tod seiner Ehefrau heiratete Dr. Strauch in 2. Ehe am 11. Oktober 1836 Wilh. Flandorffer.
Soweit bekannt, stammen aus dieser Ehe folgende Kinder:

  • am 25.12.1837                  =    ein Sohn
  • am 00.01.1839                =    Sohn Otto Rob. Hein.             + 30.03.1839
  • am 15.01.1841                  =    Sohn Paul                                + 25.05.1842
  • am 03.10.1842                =    ein Sohn
  • am 27.09.1846               =    eine Tochter
  • am 31.01.1849                 =    ein Sohn


Für seine Verdienste wurde Dr. med. Strauch im Jahr 1844 der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen.

Am 19. Oktober 1841 starb in Landeshut die Witwe des Chirurgen Strauch, Frau Strauch, geb. Heinold im Alter von 75 Jahren. Hierbei handelt es sich wohl um die Mutter des 
Dr. Josef Aug. Strauch.
(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 114, 11. Stück, Nov. 1841, S. 487)

Mitteilung über die Anstellung des Wundarztes Strauch
 als Kreischirurg in Landeshut.

(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 70, 8. Stück, Aug. 1819, S. 164)

Dr. med. Strauch erhält die Approbation als prakt. Arzt und Operateur

 in Landeshut.

(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 74, 9. Stück, Sept. 1821, S. 266)

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 25/1828.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 23/1829.

Am 26. Februar 1827 heiratete Dr. Strauch Mar. Friedr. Louise Heinze.

(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 85, 2. Stück, Febr. 1827, S. 184)

Mitteilung über den Tod der Ehefrau des Dr. Strauch am 24. April 1835.

(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd.- 101, 5. Stück, Mai 1835, S. 538)

Am 11. Oktober 1836 heiratete Dr. Strauch Wilh. Flandorffer

(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 104, 4. Stück, 

Okt. 1836, S. 407)

Anzeige aus der Zeitung "Der Schlesische Gebirgsfreund", Heft Nr. 7/1835

Dr. Strauch wurde 1844 der Rote Adler-Orden 4. Klasse verliehen.

(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 119, 6. Stück, Juni 1844, S. 706)

Der Rote Adler-Orden 4. Klasse

Impfbescheinigung vom 8. Juni 1840, ausgestellt von Dr. Strauch

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 11/1850.

Die Apotheken

Quelle:

  • Perschke, Wilhelm: Beschreibung und Geschichte der Stadt Landeshut in Schlesien. Als Beitrag zur Verfassungsgeschichte deutscher Städte, Landeshut 1829
  • Schlesischer Gebirgsbote


In Landeshut gab es vor dem Krieg drei Apotheken:

  • Die Stadtapotheke                      Am Markt Nr. 30
  • Die Löwenapotheke                    Obertor Nr. 2
  • Die Kronenapotheke                   Bahnhofstr. Nr. 3

Die Stadtapotheke            (Am Markt Nr. 30)

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Älteste der drei Apotheken ist die Stadtapotheke. Sie wurde wahrscheinlich von Herzogin Agnes, der Witwe Bolkos II., angelegt.. Ursprünglich befand sich die Stadtapotheke im Gebäude des ersten Rathauses direkt auf dem Markt. Nach dem Abriss des Rathauses wurde die Apotheke in dem Haus Nr. 30 eröffnet.

Bereits während des dreißigjährigen Krieges hatte der Magistrat von Landeshut mit einem Apotheker Krause einen Vertrag zur Betreibung einer Apotheke abgeschlossen. Wegen mehr-facher Plünderungen während des Krieges hatte dieser aber die Apotheke aufgegeben und Landeshut verlassen. Nach Friedensschluss 1648 wollte der Magistrat die Apotheke wieder in Pacht geben und suchte daher nach einem geeigneten Pächter. Am 6. August 1660 wurde dem Apotheker Christian Fleischmann die Apotheke für ein unverzinsliches Darlehen "zu einem Unterpfande" verliehen, also verpfändet. Die Familie Drischel (letzte Eigentümerin vor der Vertreibung) besaß drei auf großes Pergamentpapier geschriebene Urkundentexte, die sie 1946 in die Obhut der Wallenbergschen Bibliothek gab. Eine dieser Urkunden mit österreichischem Siegel enthielt die Erlaubnis zur Inbetriebnahme durch den Apotheker Christian Fleischmann Anno 1660. Fleischmann musste eine hohe Summe an den Rat der Stadt zahlen, um die verschiedenen Artikel und Gewürze vertreiben zu dürfen. Nach der Eroberung Schlesiens durch Friedrich den Großen wurde das Privileg, welches auch das Verbot zur Eröffnung einer weiteren Apotheke in Landeshut einschloss, königlich-preußisch erneuert, wie eine der Urkunden auswies, wobei wieder eine bedeutende Summe zu zahlen war. 

Am 25. Oktober 1687 wurde die Apotheke dem Apotheker Gottfried Neumann für einen jährlichen Zins von 36 Rthl. verpachtet. Verkauft wurde die Apotheke 1758 für 1800 Rthl. an den Apotheker
Fimler und von ca. 1801 bis mindestens 1814 war Gottlieb Erler Eigentümer. Während dieser Zeit wurden dem Ehepaar Erler in Landeshut folgende Kinder geboren (Quelle: Schlesische Provinzialblätter):

  • Emma Christiane Luise Alexandrine        * 14.09.1804
  • Carl Friedr. Rudolph                                    * 17.02.1808
  •  

Nachfolger Erlers wurde der aus Soldin gebürtige Apotheker Friedrich Wilhelm Bild, der am 13. Mai 1824 verstarb. Am 31. März 1826 kaufte Friedrich August Froböß die Apotheke.

Im Jahre 1836 erwarb der Apotheker Oberländer das Privileg der seit 1756 bestehenden zweiten Apotheke hinzu und ließ diese jedoch eingehen. Seit 1841 gehörte er dem 6. schlesischen Landtag an. Seit dem 7. Mai 1833 war er mit Dorothea Fiebing verheiratet. Soweit bekannt, wurden während der Ehe folgende Kinder geboren (Quelle: Schlesische Provinzialblätter):

  • Karl Wilhelm                  28.08.1835 - 08.03.1836
  • Julie                                 09.11.1836  - 03.04.1838
  • 1 Sohn                             23.09.1838 - 6 Tage später verstorben
  • 1 Tochter                        * 24.02.1840
  • 1 Tochter                        * 01.01.1847


Oberländers Nachfolger wurde um 1863 R. H. Bitt, von ihm bzw. seinen Erben erwarb am 1. Oktober 1887 August Miersch, bisher Besitzer einer Apotheke in Löwenberg, die Stadtapotheke zum Preis von 255.000 Mark. Mit seiner Familie verzog Miersch 1890 nach Dresden. Zum Abschied schenkte er der evangelischen Kirche ein Altargedeck im Wert von 300 Mark. Nachfolger wurde C. Grothe, 1898 gab er sie an Dr. Danziger weiter. Im Jahre 1900 wurde Eugen Schäffer Besitzer. 1904 wanderte dieser über die Schweiz nach Chicago aus und gründete dort ein größeres pharmazeutisches Unternehmen.

Am 2. Dezember 1904 erwarb der 1939 verstorbene Apotheker Rudolf Drischel die Apotheke zum Preis von 350.000 Goldmark, in dessen Familienbesitz sie bis zur Vertreibung blieb. Er widmete sich auch der Verbesserung alter Rezepte aus der Volksmedizin. Einige sollen, von Kräutersammlern aus dem Hirschberger Tal stammend, ihren Weg in die Landeshuter Stadtapotheke gefunden haben. So wurden u. a. der "Landeshuter Gebirgskräuterbalsam" und eine wirksame Pasta septica, der man sogar den Namen "Landeshuter Wundsalbe" zugestand, eine Nervensalbe und auch ein Magenmittel als besondere Spezialitäten herausgebracht. Zum Rezeptschatz der Apotheke gehörten nicht zuletzt die Herstellungsvorschriften für einen feinen "Benediktiner" und einen vorzüglichen Punsch, der - nicht frei erhältlich - um die Weihnachtszeit das Haus verließ, um guten Freunden eine Festtagsfreude zu bereiten.

Das Ehepaar Drischel hatte 3 Kinder, 1 Tochter und 2 Söhne. Der älteste Sohn Wolfgang trat in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters und wurde ebenfalls Apotheker. Er eröffnete nach der Vertreibung eine Apotheke in München.

Auch heute befindet sich in den Geschäftsräumen wieder eine Apotheke

Anzeigen aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",
Hefte Nrn. 26 u. 42/1824 sowie Nr. 14/1826. 

Am 2. Mai 1827 heiratet in Erfurt der Apotheker
 Friedrich August Froböß T. Charl. Louise Pabst.

(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 85, 5. Stück, 
Mai 1827, S. 500)

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 11/1837.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 12/1837.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 107/1869.

Der am 21. Juli 1859 geborene Apotheker Carl Grothe war seit dem 24. Juni 1891 Mitglied der Johannis-Loge "Zum Innigen Verein am Riesengebirge im Orient von Landeshut i. Schlesien"

Deckblatt des Mitgliederverzeichnisses

Ausschnitt aus dem Mitgliederverzeichnis

Markt Nr. 30 - Die Stadtapotheke vor dem Krieg

Markt Nr. 30 - Die frühere Stadtapotheke heute

Glasflasche der Apotheke R. Bitt. Diese Flasche stammt aus dem Zeitraum zwischen 1863 und 1887.
R. Bitt erwarb die Apotheke um 1863 und verkaufte sie am 1. Oktober 1887 an August Miersch.

(Herr Bartosz Bebenek stellte dieses Bild zur Verfügung.)

Diese drei Glasflaschen stammen aus unterschiedlichen Zeiträumen der Stadtapotheke.
Links: Apotheker C. Grothe erwarb 1890 die Stadtapotheke und verkaufte sie im Jahre 1898.
Mitte: Apotheker Rudolf Drischel erwarb die Apotheke am
2. Dezember 1904. In dessen Familie blieb sie bis zur Vertreibung.
Rechts: Apotheker August Miersch erwarb die Apotheke am 
1. Oktober 1887 und veräußerte sie 1890 an C. Grothe.

(Herr Bartosz Bebenek stellte dieses Bild zur Verfügung)

Glasflasche der Apotheke August Miersch. Diese Flasche stammt aus 
dem Zeitraum zwischen 1887 und 1890.

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

Glasflasche der Apotheke C. Grothe. Diese Flasche stammt aus 
dem Zeitraum zwischen 1890 und 1898.

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

Glasflasche der Stadtapotheke

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

Verkaufsartikel der Stadtapotheke

(Bild von Herrn Bartosz Bebenek)

Die Löwenapotheke          (Obertor Nr. 2)

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Das Privileg für eine zweite Apotheke wurde 1756 George Jänichen aus Dresden erteilt, 1800 hieß der Besitzer Christian Gottlieb Pfeiffer (verst. am 28.08.1829), um 1812 erwarb Johann Wilhelm Reich die Apotheke, bisher Eigentümer einer Apotheke in Reichenstein. Am 06.06.1812 wurde das Ehepaar Reich Eltern des Sohnes Leopold (Quelle: Schlesische Provinzialblätter).

Nach Wilhelm Reichs Tod am 22.09.1824 übernahm Herr Schlöffel die Apotheke. Seit dem 24. Februar 1824 war er mit Maria Franciska Peschke verheiratet. Soweit bekannt, wurden während der Ehe 3 Kinder geboren:

  • am 14. Dezember 1824        =  eine Tochter
  • am 17. Mai 1826                     =  eine Tochter   
  • am 25. Juli 1828                     =  Sohn Gustav Adolph (s. unter Persönlichkeiten - Im Kreis

                                                           Geborene)  
(Quellen: Schlesische Provinzialblätter)


Nach Herrn Schlöffel übernahm im Juni 1831 F. A. Kopisch die Löwenapotheke. Verheiratet war der Apotheker Kopisch mit einer geborenen Glaß. Soweit bekannt, wurden in Landeshut 2 Kinder geboren (Quelle: Schlesische Provinzialblätter):

  • 1 Kind               * 09.08.1832
  • 1 Sohn              * 12.07.1835


Als aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Industrie in der Stadt und ihrer Umgebung merklich zurückging, waren zwei Apotheken für Landeshut nicht mehr lebensfähig. Der Besitzer der Stadtapotheke am Markt, J. Oberländer, erwarb 1836 das Privileg für die zweite Apotheke, die jedoch geschlossen wurde. 1893 verkaufte dann der Stadtapotheker Grothe auf Empfehlung der Regierung das Privileg an Leopold Außner für 90.000 Mark, und dieser eröffnete den Betrieb im gleichen Jahr unter dem Namen Löwenapotheke. Vorher war er Besitzer der Stadtapotheke in Löwen. Wegen eines Augenleidens, das schließlich zur Erblindung führte, gab Außner zum 1. Juli 1906 die Apotheke an Dr. Max Claass aus Bromberg ab. Im Jahre 1909 veräußerte dieser das Geschäft an Fritz Czesch, bisher Besitzer der Apotheke in Raudten, und wirkte später als Dozent an der Technischen Hochschule in Danzig. Er erzielte einen Verkaufspreis in Höhe von 375.000.

1913 wurde eine neue Apotheke (Kronenapotheke) in Landeshut eröffnet, von der sich Czesch in seiner Existenz bedroht fühlte, er erlitt einen Nervenzusammenbruch, dem er noch im gleichen Jahr erlag. Seine Witwe Else, geb. Dabisch, übertrug am 1. Oktober 1913 die Verwaltung der Apotheke Paul Michalik und zum 1. April 1915 Walter Dietrich, der sie noch im Jahre 1933 leitete. Sein Nachfolger wurde Hans-Joachim Schwarzer, der sie ab 1. April 1936 pachtete. Schwarzer war ein Sohn des Münsterberger Stadtapothekers. Im Jahre 1939 pachtete er die Schlossapotheke in Bad Warmbrunn. Die Pacht der Löwenapotheke trat am 1. März 1939 Otto Kubisch an.

Auch in diesen Geschäftsräumen befindet sich heute wieder eine Apotheke.

Am 28. August 1829 verstarb der frühere Apotheker der Löwenapotheke Herr Christian Gottlieb Pfeiffer in Deutsch-Lauden.
(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 90, 9. Stück, Sept. 1829, S. 300)

In Frankenstein heiratet am 24. Februar 1824 der Apotheker Schlöffel 
(nicht Schöffel) Maria Franciska Peschke.

(Quelle: Schlesische Provinzialblätter, Bd. 79, 2. Stück, Februar 1824, S. 178)

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 26/1831.

Anzeige aus der Zeitung "Schlesischer Gebirgsfreund", Heft Nr. 34/1835.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 36/1836.

Obertor Nr. 2 - Links die Löwenapotheke 
mit Blick zur katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul

Obertor Nr. 2 - Links die Löwenapotheke mit Blick zum Rathaus

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Fieberthermometer der Apotheke
(Bild zur Verfügung gestellt von
 Frau Karin Stober)

Fieberthermometer der Kgl. privil.

 Löwen-Apotheke - Apotheker Otto Kubisch

(Bild zur Verfügung gestellt von
 Frau Karin Stober)

Die frühere Löwen-Apotheke heute

Die Kronenapotheke   (Bahnhofstraße Nr. 3)

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Die am 4. Januar 1912 ausgeschriebene Konzession wurde Viktor Herrmann aus Jauer verliehen und die Apotheke von ihm am 8. März 1913 eröffnet. Die Besitzer der beiden anderen Apotheken hatten alles Erdenkliche versucht, um die Errichtung zu verhindern. Apothekerkammer, Handelskammer, Stadt- und Kreisbehörde hatten die Notwendigkeit des Bestehens einer dritten Apotheke verneint. Trotzdem wurden sogar zwei an den Kaiser gerichtete Gesuche der beiden Apothekenbesitzer abschlägig beschieden und es blieb bei der Konzessionierung. Im Jahre 1939 übernahm Hein Zademak die Pacht der Apotheke.

Ebenso wie bei der Stadt- und Löwenapotheke befindet sich auch hier heute wieder eine Apotheke.

Die frühere Kronenapotheke heute

Die frühere Kronenapotheke heute