Adami, Ernst Daniel

Musikpädagoge, Theologe, Schriftsteller
* 19.11.1716 in Zduny (Landkreis Krotoschin)       + 29.06.1795 in Pommerswitz (Krs. Leobschütz)
Wirkungsstätte: Landeshut

Created with Sketch.

Ernst Daniel Adami, am 19.11.1716 in Zduny (Landkreis Krotoschin, am Südrand der preußischen Provinz Posen) geboren, war ein deutscher Kapellmeister, Organist, Musikpädagoge, Schriftsteller, Chordirektor, Lehrer und evangelischer Theologe. Dem Willen seines Vaters folgend, sollte er einen Handwerksberuf erlernen. Er fühlte sich jedoch zur Literatur und Musik hingezogen. Zunächst erhielt Adami privaten Musikunterricht, später besuchte er ein Gymnasium in Thorn. Nach dem erfolgreichen Schulabschluss wurde er Erzieher des Sohnes des Grafen von Dohna-Wartenberg-Leistnau. Im Jahr 1738 schrieb er sich als Student der Theologie an der Universität Jena ein, wo er um 1740 den Titel eines Magister artium (Lehrer der Künste) erwarb. Dies ist ein akademischer Grad, den ein Student damals nach dem Studium der folgenden "Sieben Freien Künste" erhielt: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie.

Nach einem kurzen Heimataufenthalt in seinem Geburtsort Zduny wurde Adami am 01.06.1743 Konrektor der evangelischen Lateinschule in Landeshut und Chorleiter. Er behielt diese Stelle bis zu seinem Weggang im Jahr 1757, da er in jenem Jahr eine Pfarrstelle in Sorge annahm. Nach weiteren Pfarrstationen, wechselte er im Jahr 1763 nach Pommerswitz bei Neustadt in Oberschlesien.

Verheiratet war Adami seit dem 18.08.1760 mit Anna Rosina Predel. Ob aus dieser Verbindung Kinder hervorgegangen sind, ist nicht bekannt. Er starb am 29.06.1795 in Pommerswitz, Kreis Leobschütz. Bekannt wurde Adami durch geschichtliche Abhandlungen über seine schlesische Heimat, insbesondere über Landeshut. Folgende Werke brachte er u. a. heraus:

  • Unvorgreifliche Gedancken über die ehmahlige Hut auf dem so genandten Burg-Berge bey Landeshut in Schlesien, und was sonst auf demselben beträchtliches von Alterthümern vorkommt (1751);
  • De Eruditis Landeshutta oriundis: oder das gelehrte Landeshut in Schlesien; das ist umständliche Lebens-Beschreibungen gelehrter Landeshütter, die aus dessen Weichbilde entsprungen und sich durch ihre Verdienste auser und in dem Vaterlande bekannt gemacht, und noch mit ihrem Fleiße hervorthun; aus verschiedenen glaubwürdigen Urkunden als einen Beytrag zur Schlesischen gelehrten Geschichte von Landeshut in Schlesien (1753).

       Nur wenige der in dieser Aufstellung genannten Gelehrten sind 
       tatsächlich berühmt geworden. Trotzdem hat Adamis Abhandlung 
       kulturgeschichtlichen Wert, da sie die geistige Regsamkeit auch der 
       unteren Schichten der Bevölkerung verdeutlicht. Darüber hinaus war 
       es unter den damaligen Lebensbedingungen äußerst schwierig, ohne
       ausreichende Bibliotheken, technische Einrichtungen und finanzielle
       Unterstützung durch die Eltern die Voraussetzungen für ein Studium
       zu erlangen.

  • Versuch einer Religions-Geschichte von Landeshut in Schlesien....bis 1635;
  • Freye Gedanken über das Seltne und Betrachtungswürdige an einem zu Landeshutt 1755 gefällten Buchen-Baum mit welchen die physicalische Mögligkeit deßselben aus sichren Gründen der Natur Wißenschafft darstellt (1756).


Neben seinen geschichtlichen Abhandlungen verfasste Adami auch mehrere musische Werke:

  • Vernünftige Gedanken über den dreifachen Widerschall vom Eingange des Adersbachischen Steinwaldes im Königreich Böhmen (1750);
  • Philosophische - musikalische Abhandlung über das göttlich Schöne der Gesangsweise in geistlichen Liedern bei öffentlichem Gottesdienste (1755);
  • Mehrere Kantaten stammen ebenfalls aus seiner Feder.


Quellen:
- Meusel, Johann Georg: Lexikon der vom Jahr 1750 - 1800 verstorbenen
  Teutschen Schriftsteller
- Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage
- Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Der Schulreformer Carl Abraham von
   Zedlitz (Heimatbuch des Krs. landeshut - 1954)
- Wikipedia

Barthel, Paul

Kunstmaler
* 07.09.1900 im Kreis Neiße                                    + 11.04.1969 in Gertenbach
Wirkungsstätte: Grüssau

Created with Sketch.

Im Schatten der Grüssauer Klostertürme war Paul Barthel zu Hause. Als Grüssauer Kunstmaler machte er sich einen Namen. Geboren wurde Paul Barthel am 07.09.1900 im Kreis Neiße. Seine Kindheit verlebte er in Münsterberg, wo er nach seiner Schulentlassung den Beruf eines Malers erlernte. In Strehlen legte er seine Gehilfenprüfung ab. Dem Rat seines ehemaligen Zeichenlehrers folgend, der bereits früh Paul Barthels künstlerisches Talent erkannt hatte, begann er in Münsterberg seine ersten Malversuche. Nach dem 1. Weltkrieg arbeitete er zunächst in Breslau als Dekorationsmaler, um anschließend zwei Jahre in Krummhübel zu wirken. Dort zeigte er großes Interesse an der Bauernmalerei, die ihn später auch in die Lage versetzte, sich als Restaurateur alter Bauernmöbel zu betätigen. In Breslau erwarb er den Meistertitel und begab sich als Freihandmaler in das Waldenburger Industriegebiet. Dort traf er auf den bekannten deutschen Kunstmaler Martin Sternagel, der damals Mitglied der Waldenburger Künstlergilde war. Sternagels Fresken und große Wandbilder waren ein Begriff. Mit dessen Unterstützung wagte sich nun Paul Barthel auch an größere Aufgaben heran.

Nach einiger Zeit verließ Paul Barthel das Waldenburger Bergland und begab sich in das Riesengebirge. In Grüssau fand er eine neue Heimat, erwarb das Hotel Klosterhof und gründete hier auch eine Familie. Obwohl er nun als Hotelier eine neue Aufgabe gefunden hatte, vergaß er das Malen nicht. Mit Leinwand und Staffelei zog er aus, um die Schönheiten der Landeshuter Bergheimat bildlich festzuhalten. Er selbst bezeichnete es als ein großes Glück, dass in dieser Zeit der Breslauer Kunstmaler Joh. Drobek nach Grüssau kam und während der Restaurierungsarbeiten der Willmann`schen Fresken als Gast bei ihm weilte. "Von ihm habe ich viel gelernt", betonte Paul Barthel später immer wieder.

Im Jahre 1939 unternahm Barthel Studienreisen nach Lissabon und Teneriffa und hielt die dortigen Landschaften in seinen Bildern fest. Leider gingen sämtliche seiner Werke nach dem 2. Weltkrieg verloren.

Grüssau und der Kreis Landeshut waren für ihn zur Heimat geworden. Die Landeshuter Landschaft, barocke Türme und Häusergiebel, das ferne Blau der Berge, die blühenden Täler mit ihren Bächlein, der erste Schnee, der die Berge umhüllte und der schöne sonnige Rauhreifmorgen. Paul Barthels Malerauge war immer wieder neu entzückt. Nach der Vertreibung lebte er mit seiner Ehefrau Charlotte, geb. Glump zunächst in der Nähe von Rendsburg, später in Gertenbach bei Witzenhausen (Hessen). Auch hier malte er die Landschaft, die Seen und das Meer. Er starb am 11.04.1969.

Quelle:
-
Schlesischer Gebirgsbote

Paul Barthel in seinem Atelier

Innenansicht des Klosterhofes in Grüssau

Brodkorb, Josef

Leinenkaufmann
* 17.11.1857 in Langenbrück (Kreis Neustadt OS.)      * 25.06.1946 in Seesen
Wirkungsstätte: Landeshut

Created with Sketch.

Der Stadtälteste von Landeshut, Stadtrat Josef Brodkorb, war eine der bekanntesten Landeshuter Persönlichkeiten. Das Licht der Welt erblickte er am 17.11.1857 in Langenbrück im Kreise Neustadt OS. als Sohn des Maurermeisters Johann Georg Brodkorb und dessen Ehefrau Maria, geb. Breier. In eine kinderreiche Familie wurde er hineingeboren. Gemeinsam mit sechs Geschwistern verbrachte er seine Kindheit und Jugendzeit. Nach Beendigung der Schulzeit besuchte er in Sorau die Webschule und absolvierte eine Textilfachausbildung in einer Weberei.

Im Jahre 1889 kam Josef Brodkorb nach Landeshut und arbeitete zunächst bei der Leinenfirma Buttermilch. Gemeinsam mit seinem dortigen Kollegen Drescher gründete er 1890 das Leinenversandgeschäft "Brodkorb & Drescher", das seine ersten Geschäftsräume in der Pfortengasse hatte. 1899 erwarb die Firma das Grundstück Bismarckstr. 4/5, um von dort aus das Geschäft in größerem Umfang zu betreiben. Nach dem Tod seines Teilhabers Drescher wurde Josef Brodkorb Alleininhaber der Schlesischen Gebirgsleinen- und Gebild-Handweberei, der Wäschefabrik und des Versandhauses. Die Firma entwickelte sich zu einem über Deutschland hinaus bekannten Unternehmen. Dieser geschäftliche Erfolg ist ihm keinesfalls in den Schoß gefallen. Dazu gehörten ein starker Wille, Tatkraft und Zielstrebigkeit. Große Barmittel brachte er nicht mit. Von ihm selbst stammte die Äußerung: "Nach Landeshut kam ich mit noch genau 50 Pfennigen in der Tasche". Um 1900 erweiterte Josef Brodkorb seinen Grundbesitz durch Kauf des sehr geschichtsträchtigen Hauses Bismarckstr. 6 und 7. In diesem stattlichen Haus befand sich früher eine Niederlassung der "Preußischen Seehandlung", der Staatsbank Friedrichs des Großen, die auf Initiative Peter Hasenclevers in Landeshut errichtet wurde.

Neben seiner verantwortungsvollen beruflichen Tätigkeit wirkte Josef Brodkorb auch aktiv an der Gestaltung des öffentlichen Lebens mit. Er bekleidete viele politische Ehrenämter. Er war Stadtverordneter, Magistratsmitglied, Dezernent des städtischen Gas- und Wasserwerkes, Kreisvorsitzender der Zentrumspartei und Provinziallandtagsab-geordneter. Gerade in der damaligen Zeit war die Ausübung eines politischen Ehrenamtes mit sehr großem Idealismus verbunden. Josef Brodkorb berichtete manchmal, dass er als Redner von Landeshut nach Albendorf zu Fuß gegangen sei. Dies bedeutete einen Marsch von ca.
4 - 5 Stunden für eine Tour, dann die Versammlungsrede halten und anschließend den gleichen Weg wieder zurück nach Landeshut gehen.

An seinem 70. Geburtstag wurde er wegen seiner besonderen Verdienste zum "Stadtältesten" ernannt. Gleichzeitig erhielt er vom Vatikan den päpstlichen Orden "Pro Ecclesia et Pontifice" (lat.: Für Kirche und Papst). Dies ist ein päpstlicher Ehrenorden für besondere Verdienste um die Anliegen der Kirche und des Papstes. Gestiftet wurde dieser Orden von Papst Leo XIII. am 17.07.1888 anlässlich seines goldenen Priester-jubiläums. Er kann sowohl an Mitglieder des Klerus als auch an Laien verliehen werden.

Seit 1891 war Josef Brodkorb in 1. Ehe mit Maria, geb. Reiß verheiratet. Sie erblickte 1869 in Gießmannsdorf das Licht der Welt. Aus dieser Ehe sind drei Kinder hervorgegangen, Anna (geb. 1892), Elisabeth (geb. 1894) und Georg (geb. 1896). Anna vermählte sich mit dem Kaufmann Alfred Wagner, der nach dem 1. Weltkrieg in die Firma seines Schwiegervaters eintrat. Tochter Elisabeth heiratete den Feinkostkaufmann Josef Filke. Sohn Georg, geb. 1896, der hoffnungsvolle Sohn fiel kurz vor Ende des
1. Weltkrieges 1918. Schweres Leid traf die Familie Brodkorb, als die Ehefrau und Mutter im Jahre 1900 verstarb. Mit drei kleinen Kindern war Josef Brodkorb nun auf sich allein gestellt. Aber auch das private Glück sollte sich im Hause Brodkorb wieder einstellen. 1902 heiratete er Sophie Peterka, geboren 1874 in Landeshut. Während dieser Ehe wurden zwei Kinder geboren, Gerhard (1905 - 1943) und Maria (geb. 1907), die im Mai 1931 den Kantor und Lehrer Johannes Riedel heiratete, Sohn des Lehrers und Chorrektors Johannes Riedel. Am 4. Dezember 1944 musste Josef Brodkorb auch seine zweite Ehefrau zu Grabe tragen.

Nach der Vertreibung aus seiner geleibten Heimatstadt Landeshut im Mai 1946 kam er nach Seesen und wurde in einem Altenheim untergebracht. Der Verlust der Heimat und seines unter großen Mühen aufgebauten Unternehmens waren für den hochbetagten Mann zuviel. Bereits vier Wochen später verstarb er am 25. Juni 1946.

Quellen:
-
Riedel, Brigitta: Persönliche Angaben über ihren Großvater
- Schlesischer Gebirgsbote

Geschäftshaus der Firma Brodkorb & Drescher (rechts)

Firmenwerbung

Dorazil, Anton

Bildhauer
* um 1695 in Prag                                                  + 05.05.1759 in Grüssau
Wirkungsstätte: Grüssau

Created with Sketch.

Er hat sich mit seinen Werken als "Meister von Grüssau" unsterblich gemacht. Geboren wurde Anton Dorazil um 1695 vermutlich in Prag. Den Bildhauerberuf erlernte er in der Prager Werkstatt des Ferdinand Maximilian Brokoff (auch Prokop). Abt Innozenz Fritsch erteilte im Jahre 1729 Brokoff den Auftrag, die Ausschmückung der sich im Bau befindlichen Klosterkirche durchzuführen. Seinen Meisterschüler Dorazil nahm Brokoff mit nach Grüssau. An den Modellen arbeitete Brokoff bis 1730. Nach seinem frühen Tod im Jahr 1731 übernahm Anton Dorazil mit einer Bildhauerwerkstatt aus Prag die Leitung und Vollendung der Arbeiten. Das begonnene Werk seines verstorbenen Lehrers führte er meisterhaft fort. Der wunderbare Hochaltar im Grüssauer Münster, an dem Dorazil über 10 Jahre arbeitete, sowie das schöne Chorgestühl finden als seine Hauptwerke nach wie vor besondere Beachtung. Von Dorazil stammen auch die bildhauerischen Dekor- und Stuckarbeiten im Mausoleum der Herzöge von Schweidnitz-Jauer, das sich östlich der Chorachse befindet, mit dem Chor durch zwei beidseitig verzierte Portale verbunden. Im Gegensatz zu seinem Lehrer Brokoff, der als Steinbildhauer berühmt wurde, machte sich Dorazil als hervorragender Holzbildhauer einen Namen. Über 25 Jahre leitete er die Grüssauer "fürstliche Hofschreinerei", die dem Münster in Grüssau und manch anderem schlesischen Gotteshaus barocke Kunstwerke bescherte. So schuf Dorazil u. a. 1749 und 1750 einen Großteil der plastischen Innenausstattung der katholischen Stadtpfarrkirche in Schmiedeberg. Für seine Arbeit am Hauptaltar erhielt er laut Lutterotti ein Honorar in Höhe von 600 Reichstaler und für die Kanzel 150 Reichstaler. Des weiteren war Dorazil maßgeblich an der Innenausstattung des evangelischen Bethauses in Gießmannsdorf, Kreis Bolkenhain beteiligt.

Im Jahre 1733 heiratete er Anna Katharina Puschmann, die Tochter des Grüssauer Handelsmannes und Oberkretschmers Melchior Puschmann. Durch diese Eheschließung war ihm Grüssau nun auch zur Heimat geworden. Hier fühlte er sich zu Hause. Sein ältester Sohn, der am 09.08.1737 in Grüssau geborene Roman Laurentius, hatte das künstlerische Talent des Vaters geerbt. Auch er wurde später als Bildhauer des Spätbarocks bekannt.

Anton Dorazil starb am 05.05.1759 in Grüssau an den Folgen des Flecktyphus. Da sein Sohn zum Zeitpunkt des Todes wahrscheinlich noch zu jung war, übernahm die Werkstattleitung der ebenfalls aus Böhmen stammende Joseph Anton Lachel, der 1762 Dorazils Tochter heiratete.

Quellen: 

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen - Schlesien
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Kloster Grüssau in den Zeitaltern des Barock, Rokoko und Klassizismus, Heimatbuch des Krs. Landeshut (1929)
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Vom unbekannten Grüssau
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Abhandlung über Anton Dorazil in "Der Wanderer im Riesengebirge" 11/1933
  • Wikipedia



Eichborn, Johann Ludwig

Bankier
* 27.05.1699 in Landau (Pfalz)                                + 27.07.1772 in Breslau
Wirkungsstätten: Landeshut und Liebau

Created with Sketch.

Johann Ludwig Eichborn wurde als "der" Bankier des weltbekannten schlesischen Leinwandhandels bekannt. Eine Zweigniederlassung bestand seit dem 30.03.1906 in Landeshut an der Wallstraße, eine weitere in Liebau. Seine Wiege stand im pfälzischen Landau. Hier erblickte er am 27.05.1699 als Sohn des Sattlermeisters Joh. Jakob Eichborn und dessen Ehefrau Maria Katharina, geb. Kempf das Licht der Welt. Es handelte sich um eine alteingesessene Pfälzer Familie, deren Familienmitglieder hauptsächlich in Zweibrücken und Landau lebten. Weinbauern und Handwerker, Gastwirte und Kaufleute, Landwirte und Verwaltungsbeamte, Gelehrte und Soldaten, Ärzte und Juristen sind aus ihr hervorgegangen.

Über Eichborns Schulausbildung sowie über seinen kaufmännischen Bildungsgang ist nichts bekannt. 1722 verließ er seine pfälzische Heimat, ging in das damals österreichische Breslau und gründete dort am 19. November 1728 unter seinem Namen ein Speditions-, Kommissions- und Wechselgeschäft. Die ersten großen Privatbankhäuser sind in Deutschland aus dem Speditionsgeschäft und den Großhandelshäusern in stufenweiser Entwicklung hervorgegangen. Hierbei erfolgte nach und nach eine Trennung des Warengeschäftes vom eigentlichen Geldgeschäft.

Im Jahr 1736 wurde Eichborn als mercator (Großkaufmann) an der Breslauer Börse aufgenommen. Im gleichen Jahr trat sein jüngerer Bruder Matheus als Kompagnon in die Firma eine, die dann "Johann Ludwig und Matheus Eichborn" und von 1766 bis 1945 "Eichborn & Co." hieß. Am 12.09.1737 erwarben die Brüder am großen Ring in Breslau das Familienhaus der Freiherren von Mudrach auf Rathen. Damit hatten sie bereits neun Jahre nach der Gründung ihrer Firma einen Platz unter den alten Patriziergeschlechtern Breslaus eingenommen.

Die wachsenden Wechselumsätze veränderten im Laufe der Jahre den Charakter des Unternehmens, das, auch infolge des Drucks der Kriege auf den Handel, mehr und mehr zur Bank wurde. Eichborn gewährte schlesischen und ausländischen Im- und Exporteuren warengedeckte Kredite, übernahm gleichzeitig die Verfrachtung nach Hamburg, Bremen oder Amsterdam und regelte den Geldverkehr mit den Empfängern. Den Handel auf eigene Rechnung (besonders in Garnen) gab Eichborn aber nie auf. Er wirkte bei der Errichtung von Garn- und Leinwandmärkten im Riesengebirge mit und galt als "der" Bankier des damals weltbekannten schlesischen Leinwandhandels. Er wurde der erste Bankier Schlesiens. Friedrich der Große verlieh ihm 1765 die Bezeichnung "Hofbankier".

Aus gesundheitlichen Gründen schied Johann Ludwig Eichborn am 1. November 1766 aus der Firma aus und übergab sie dem einzigen Sohn seines bereits 1754 verstorbenen Bruders Matheus, Johann Friedrich Eichborn sowie seinen Neffen Georg Ludwig Rummel und Johann Daniel Daumüller, Söhne seiner Schwestern. Gemeinsam mit seinem Bruder hatte Johann Ludwig Eichborn die Firma Eichborn seit ihrer Gründung nicht nur zu einem der reichsten und angesehensten Handelshäuser, sondern durch die frühzeitige Aufnahme des Bankgeschäftes auch zu dem ältesten Bankhaus Breslaus gemacht.

Verheiratet war Johann Ludwig Eichborn seit 1731 mit Joh. Christine, geb. Funck, der Tochter des Kaufmannes Cornelius Funck aus Berlin. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor, die aber bereits sehr jung verstarb. Johann Ludwig Eichborn starb am 27. Juli 1772 in Breslau.

Quellen:

  • Chronik der Stadt Landeshut
  • Eichborn von, Eckart und Wolfgang: 225 Jahre Bankhaus Eichborn 

       & Co.

  • Zabel, Hans-Henning: Neue Deutsche Biographie 4 (1959)
  • Wikipedia


Etrich, Ignaz, Dr. h. c.

Flugpionier
* 25.12.1879 in Oberaltstadt bei Trautenau                  + 04.02.1967 in Salzburg
Wirkungsstätte: Liebau

Falk, Adalbert, Dr.

Preußischer Kultusminister, Oberlandesgerichtspräsident
* 10.08.1827 in Metschkau (Kreis Striegau)
+ 07.07.1900 in Hamm (Westfalen)
Kindheit und Jugend: Landeshut

Created with Sketch.

Der preußische Kultusminister Dr. Adalbert Falk, in Metschkau bei Striegau geboren, verbrachte seine Kindheit und Jugend in Landeshut. Durch seinen Großvater Johann Gottfried Ludwig Falk und seinen Vater Eduard Wilhelm Ludwig Falk, beide Superintendenten der Landeshuter Gnadenkirche, war er mit dieser Stadt im Riesengebirge auf das Engste verbunden. Schon als Säugling konnte er etwas Besonderes aufweisen. In seiner Biografie wird berichtet, dass er bereits mit zwei Vorderzähnen im Unterkiefer geboren wurde.

Im Alter von fünf Jahren wurde der kleine Adalbert eingeschult. Als er sieben Jahre alt war, begann der Lateinunterricht. Sein Lieblingsfach jedoch war Geschichte, aber auch für die naturwissenschaftlichen Fächer zeigte er großes Interesse. Der Umzug nach Breslau zog auch für Adalbert einen Schulwechsel nach sich. Er wurde Schüler des Friedrichgymnasiums, dessen Kurator sein Vater war. Nach dem Abitur begann er an der Breslauer Universität das Jurastudium, das er 1847 mit der Auskultatorprüfung und der Promotion abschloss. Im 19. Jahrhundert wurde in Preußen ein Universitätsstudium mit der Auskultatorprüfung abgeschlossen. Diese Prüfung erfolgte ausschließlich mündlich. Die schriftliche Prüfung wurde in Preußen erst im Jahr 1908 eingeführt.

Er hatte seine juristischen Studien so intensiv betrieben, dass er bereits mit 19 Jahren ein glänzendes Doktorexamen mit magna cum laude bestand. Die üblichen weiteren juristischen Examen folgten umgehend und im Jahr 1850 wurde er Gerichtsassessor. Aufgrund seiner hervorragenden Ausbildung hätte er durchaus die akademische Laufbahn wählen können. Dass seine Entscheidung aber auf die Verwaltungslaufbahn fiel, hing mit einer jungen Dame namens Rose Passow zusammen. Mit ihr hatte er sich kurz zuvor verlobt. Sie kannten sich bereits aus der Jugendzeit und waren zusammen in der Breslauer Hofkirche von Vater Falk konfirmiert worden. Rose Passow, geboren am 23.08.1827, war die Tochter des 1833 bereits verstorbenen Professors der klassischen Philologie an der Breslauer Universität Franz Passow und dessen Ehefrau Christiane, geb. Wachler. Da die beiden jungen Leute heiraten wollten, musste Falk also so schnell wie möglich, eine Anstellung suchen, die ihm die Gründung eines eigenen Hausstandes ermöglichte. Er bekam eine Stelle als Assistent bei der Staatsanwalt-schaft Breslau und wurde 1853 zum Staatsanwalt befördert. Am 01.02.1851 traten Adalbert Falk und seine geliebte Rose in der Breslauer Hofkirche vor den Traualtar und wurden von dem überglücklichen Vater des Bräutigams getraut. Die Hochzeitsreise führte sie nach Dresden, Prag und Wien. Während der Ehe wurden drei Töchter und drei Söhne geboren, darunter der spätere preußische General Adalbert von Falk.

Nach einer kurzen Beschäftigungszeit bei der Breslauer Staatsanwaltschaft wurde Falk 1853 nach Lyck in Ostpreußen versetzt. Nun hieß es Abschied nehmen aus der schlesischen Heimat, denn weitere berufliche Stationen in der Fremde folgten. Im Jahr 1861 wurde er als Staatsanwalt an das Kammergericht in Berlin berufen und anschließend übte er eine Tätigkeit im Justizministerium aus. In den Jahren 1858 bis 1861 gehörte Falk dem Abgeordnetenhaus an und vertrat dabei den Bezirk Lyck. 1862 wurde er zum Appellationsgerichtsrat in Glogau ernannt, aber vom Justizminister Adolf Leonhardt in das Ministerium zurückberufen und zum Vortragenden Rat befördert. 1867 wählte man ihn in den sich konstituierenden Reichstag des nord-deutschen Bundes. Im Jahr 1871 wirkte Falk als Bevollmächtigter der Regierung im Bundesrat und wurde Mitglied der Kommission für die deutsche Zivilprozessordnung.

Nach dem Rücktritt des Kultusministers Heinrich von Mühler wurde Falk am 22.01.1872 dessen Nachfolger. Seine genaue Dienstbezeichnung lautete: Minister der Geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegen-heiten. Mit viel Energie und Tatkraft begann er seine Amtsgeschäfte. Noch im Jahr seiner Ernennung brachte er das Schulaufsichtsgesetz durch und die Allgemeinen Bestimmungen über das Volksschul-Präparanden- und Seminarwesen. Er errichtete Simultanschulen und sorgte für eine Umformung des Lehrplans und eine Besserstellung des Lehrerstandes. Den Universitäten genehmigte er mehr Mittel und erhöhte die Ausgaben für die Pflege der Kunst. Ein Unterrichtsgesetz, welches das Schulwesen in Zukunft gegen die Verwaltungswillkür absichern sollte, scheiterte aber am Widerspruch des Finanzministers.

Falks gesamte Amtszeit als Kultusminister war durch den Kulturkampf zwischen der katholischen Kirche unter Papst Pius IX. und dem Königreich Preußen geprägt. Er unterstützte Bismarcks Kampf gegen den Einfluss der katholischen Kirche und entmachtete die katholische Abteilung im Ministerium. Den Höhepunkt des Kulturkampfes stellte die Verabschiedung der so genannten Maigesetze 1873 dar. Der Kontrolle des Staates unterlagen damit wichtige Aufgaben der katholischen Kirche, z. B. die Ausbildung und Einstellung der Geistlichen. Durch das Schulaufsichtsgesetz endete der Einfluss der Kirche auf die Volksschule.

Nach dem Tod des Papstes, am 02.02.1878, unternahm sein Nachfolger Leo XIII. Wiederannäherungsversuche, die bei Bismarck auf Entgegenkommen stießen. Die Zeit heilte die Wunden und am 23.05.1887 erklärte Leo XIII. den Kampf für beendet. Der große Verlierer war jedoch Kultusminister Falk. Im Rahmen der schrittweisen Beilegung des Kampfes war seine Stellung als Minister nicht mehr zu halten. Er trat am 19.07.1879 zurück. Das ihm angebotene Justizministerium lehnte er ab, den erblichen Adel nahm er nur für seinen Sohn an.

Nachdem er fast drei Jahre in Berlin still und zurückgezogen gelebt hatte, übernahm er im Mai 1882 das Amt des Oberlandesgerichtspräsidenten im westfälischen Hamm mit dem Vorsatz: "Ein neues Leben habe ich zu beginnen. Ich will hier dauernd zur Ruhe kommen". Am 30.03.1897 konnte er sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum feiern. Mit dem Tod seiner treuen Lebensgefährtin am 13.03.1898 traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag, von dem er sich nicht mehr erholte. Ende Juni 1900 erlitt er einen Schlaganfall und verstarb am 07.07.1900. An der Seite seiner Ehefrau fand er auf dem evangelischen Friedhof in Hamm seine letzte Ruhe. Am 10.06.1905 wurde in Hamm das von dem preußischen Lehrerverein gestiftete Denkmal für Adalbert Falk enthüllt.

Quellen:

  • Förster, Erich: Adalbert Falk
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Skalweit, Stefan: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Neue Deutsche Biographie - Band 5
  • Verchau, Ekkard: Ostdeutsche Biographie - Persönlichkeiten des historischen Ostens
  • Wikipedia


Das folgende Bild zeigt das Falkdenkmal an der Ostenallee in Hamm (Westfalen).

Falk, Johann Gottfried Ludwig

Pastor, Superintendent
* 16.02.1770 in Greiffenberg
+ 30.07.1831 in Landeshut
Wirkungsstätte: Landeshut

Created with Sketch.

Fast 30 Jahre seines Lebens stellte er in den Dienst der Landeshuter Gnadenkirchengemeinde. Geboren wurde er am 16.02.1770 in Greiffenberg als Sohn des Brauers Michael Falck und dessen Ehefrau Anna Regina, geb. Henning. Die Familie, anfangs Falck (seit 1802 = Falk) geschrieben, entstammt einem alten hinterpommerschen Bauerngeschlecht, das urkundlich bis in das 16. Jahrhundert nachgewiesen ist.

Nach dem frühen Tod seines Vaters heiratete seine Mutter in 2. Ehe den wohlhabenden Brauer Knade aus Greiffenberg. Dieser nahm sich des Stiefsohnes in bewundernswerter Weise an und ermöglichte ihm eine gehobene Ausbildung. Mit 17 Jahren ging Falk nach Halle an der Saale und studierte an der dortigen Universität Theologie. Anschließend war er vorübergehend als Hauslehrer tätig, bis ihm im Jahr 1794 eine Konrektorstelle in seiner Geburtsstadt Greiffenberg angeboten wurde. Sein erstes Pfarramt übernahm er Ende 1795 als Feldprediger des Dragoner-Regiments von Brüsewitz in Kosten OS. Hier lernte er auch seine 1. Ehefrau kennen, die Liegnitzer Pastorentochter Helene Matthäi. Eine weitere Station seines seelsorgerischen Wirkens war Tribus in Pommern, der Geburtsort seines ältesten Sohnes Eduard Wilhelm Ludwig.

Die Sehnsucht seiner Ehefrau nach ihrer Familie und ihrer schlesischen Heimat veranlasste ihn, sich um die Diakonusstelle an der Gnadenkirche in Landeshut zu bewerben. So kamen die Eheleute Falk am 10.05.1802 mit ihren 3 Kindern (2 Töchter und Sohn Eduard Wilhelm Ludwig) nach Landeshut. Hier erblickten noch 5 weitere Kinder das Licht der Welt (3 Söhne und 2 Töchter). Am 14.09.1818 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Die Ehefrau und Mutter Helene, geb. Matthäi verstarb. Fast um die gleiche Zeit, am 28.10.1818, verlor in Breslau die aus Greiffenberg stammende Juliane Hoffmann, geb. Gottschalck ihren Ehemann. Juliane Hoffmann und Falk kannten sich aus der gemeinsam verbrachten Kinderzeit im pommerschen Greiffenberg. Die alten Beziehungen erwachten wieder und am 12.10.1819 wurden sie getraut. Aus dieser Ehe stammt ein Sohn. Im Landeshuter Pfarrhaus erklang nun fröhliches Kinderlachen, 5 Hoffmann-Kinder und 7 Falk-Kinder. Zwei Kinder aus Falks 1. Ehe waren bereits früh verstorben.

Nach dem Tod des bisherigen Superintendenten John wurde Johann Gottfried Ludwig Falk 1822 dessen Nachfolger. Bis zu seinem Tod, am 30.07.1831, übte er dieses Amt mit voller Hingabe aus. Seine 2. Ehefrau überlebte ihren Mann lange und starb am 16.05.1847.

Auf vielfachen Wunsch der evangelischen Landeshuter Kirchengemeinde wurde sein ältester Sohn Eduard Wilhelm Ludwig Falk, bisher 2. Diakonus an der Friedenskirche in Schweidnitz, sein Nachfolger im Amt des Superintendenten. Die Landeshuter kannten ihn seit vielen Jahren und auch seine Gastpredigten waren der Gemeinde in guter Erinnerung geblieben. So wurde er bereits im Alter von 31 Jahren erster Pastor und Superintendent der Landeshuter Gnadenkirche.

Quellen:

  • Förster, Erich: Adalbert Falk
  • Grünewald: Aus der Predigergeschichte des Kirchenkreises Landeshut
  • Schlesischer Gebirgsbote



Falkenstein, Philipp

Jüdischer Prediger, Lehrer
* 18.11.1863 in Schermbeck am Niederrhein
+         1941 in Berlin

Feige, Kurt

Jurist, Bürgermeister
*             1884 in Oppeln
+ 07.09.1954 in Wilhelmshaven
Wirkungsstätte: Landeshut

Created with Sketch.

Kurt Feige, ein gebürtiger Schlesier, wurde im Jahr 1919 nach einer kurzen Zwischenregierung des Bürgermeisters Proll Nachfolger des verdienten Bürgermeisters Richard Burkhardt. Er übte dieses Amt bis 1931 aus. Es waren Jahre, die geprägt waren vom politischen Zusammenbruch, der Inflation, der Hungersnot und der Arbeitslosigkeit.

Nach seiner juristischen Ausbildung und Erfüllung der Militärzeit bei den Königsgrenadieren in Liegnitz war er zunächst in der Verwaltung der Stadt Kreuzburg OS. tätig. Danach folgte er einem Ruf nach Landeshut. Er wurde Stadtrat und 2. Bürgermeister. Bereits in diesem Amt, das in die Zeit des 1. Weltkrieges fiel, erwarb er sich große Verdienste. Gemeinsam mit dem 1. Bürgermeister Richard Burkhardt versuchte er der hungernden Landeshuter Bevölkerung zu helfen. Im Herbst 1917 und während des folgenden Winters herrschte