Fahrt mit dem Zug von Landeshut nach Albendorf

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:
-
  Denkschrift zur Eröffnung der Ziedertalbahn 1899
-  Heimatbuch des Kreises Landeshut in Schlesien, hrg. von E. Kunick, Landeshut 1929
-  Schlesischer Gebirgsbote
-  Wikipedia

Liebe Leserin. Lieber Leser, heute lade ich Sie zu einer weiteren Reise in die Vergangenheit ein. Unternehmen Sie mit mir eine Reise mit der "Ziedertalbahn" von Landeshut nach Albendorf. Genießen Sie die Schönheiten des hübschen Ziedertales mit seinen verträumten kleinen Dörfern und den Perlen des Ziedertales, Grüssau und Schömberg.

Eigentümer dieser Kleinbahn war die Zentralverwaltung für Secundairbahnen Hermann Bachstein GmbH, deren Sitz in Berlin war. Der Großteil der Verkehrsträger dieses Unternehmens - Privat-bahnen und Omnibusbetriebe - lag in der Provinz Brandenburg und in Thüringen. Dagegen war die Ziedertal-Eisenbahn das einzige Unternehmen dieser Gesellschaft in Schlesien.

Seit 1867 war die Reichsbahnstrecke Görlitz - Hirschberg - Ruhbank - Dittersbach - Freiburg - Breslau im Betrieb. 1869 wurde dann die Eisenbahnlinie Ruhbank - Landeshut - Liebau - Trautenau in Betrieb genommen. Es fehlte aber eine Verbindung nach Grüssau und darüber hinaus.

Längst waren im schlesischen Raum Ende des 19. Jahrhunderts die Bestrebungen, die Handweberei zu industrialisieren, abgeschlossen, so auch in Landeshut. Hier waren es besonders die Betriebe der Firmen Methner & Frahne, sowie Rinkel, die als Industrielle Großbetriebe der Textilindustrie auf das an Arbeitskräften abgabefähige Hinterland bis nach Grüssau und darüber hinaus angewiesen waren. Deshalb förderte der damalige Kommerzienrat Rinkel in Landeshut die Erschließung dieses Gebietes wesentlich und war so eigentlich die stärkste Triebfeder für die Errichtung der Ziedertal-Eisenbahn.

Im August 1898 begann man dann auch mit dem Bau dieser Strecke, deren Verlauf doch mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war. Noch im Landeshuter Stadtgebiet war der Bober zu überqueren, so dass hier ein größerer Brückenbau erforderlich war. Gleich hinter dem Berthelsdorfer Bahnhof wurde eine zweite Brücke gebaut. Große Sorgen bereitete auch der Durchbruch durch die Talenge zwischen den Gemeinden Berthelsdorf und Albendorf. Hier musste besonders steinhaltiges Gelände durchbrochen werden. Nach einer relativ kurzen Bauzeit konnte trotz aller Schwierigkeiten am 2. Oktober 1899 die Ziedertalbahn feierlich in Betrieb genommen werden.

Brückenbau für die Ziedertalbahnbrücke in der Breitenau

Großer Durchbruch bei Berthelsdorf

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Bahnstrecke 1945 verstaatlicht. Der Personen-verkehr wurde am 1. Januar 1954 eingestellt. Am 1. Januar 1959 endete auch der Güterverkehr bis Albendorf. Bis 1987 verkehrten noch Güterzüge bis Schömberg. Am 1. Januar 1992 wurde dann auch die Reststrecke bis Grüssau endgültig aufgegeben. Ein Abbau der Gleisanlagen erfolgte jedoch nur teilweise.

Nun wollen wir aber unsere nostalgische Reise in das ca. 22 km entfernte Albendorf antreten.

Ausgangspunkt ist die Kreisstadt Landeshut. Schöne Kaufmanns- und Bürgerhäuser schmücken den rechteckigen Markt. Der Landeshuter Markt wies in der Glanzzeit der Stadt an allen vier Seiten Lauben auf, später standen solche nur noch an der Nordwestseite. Im Jahre 1844 vernichtete ein großer Brand zahlreiche Häuser am Markt und die Lauben wurden dort nicht wieder aufgebaut. Landeshut gehört zu den Städten Schlesiens, denen nach der Altranstädter Konvention 1709 die Erlaubnis erteilt wurde, eine Gnadenkirche zu errichten. Sie wurde nach dem Vorbild der Stock-holmer Katharinenkirche erbaut.

Der Landeshuter Markt

Landeshut - Das Rathaus

Landeshut - Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul

Landeshut - Die Gnadenkirche

Die Katholische Pfarrkirche - Blick zum Hochaltar

Die Katholische Pfarrkirche - Blick zur Orgel

Die Gnadenkriche - Blick zum Altar

Die Gnadenkriche - Blick zur Orgel

Nun begeben wir uns zum Landeshuter Bahnhof und besteigen dort den Zug - im Volksmund "Ziederschleiche" genannt - Richtung Albendorf. 4 bis 5 Zugpaare verkehren täglich auf dieser Strecke. Die Züge sind gemischte Züge mit Lok, Packwagen und 2 bis 3 Personenwagen. Die zu befördernden Güterwagen werden, da das Ausrangieren auf den jeweiligen Bahnhöfen innerhalb des Fahrplanes erfolgt, größtenteils hinter der Lok mitgeführt, und nur dann, wenn mehrere Güterwagen auf einem Bahnhof auszusetzen sind, am Schluss des Zuges.

Der Landeshuter Bahnhof

Unser Zug verlässt den Landeshuter Bahnhof

Von Landeshut aus fahren wir zunächst bei der Streckerschen Zementwarenfabrik und dem Gasthof "Zum Lucker" vorbei. In der großen Kurve bis zum Bober bleiben rechts von der Fahrtrichtung die Häuser der Breitenau und links das Fabrikgelände der Schlesischen Textilwerke Methner & Frahne liegen. Nun fahren wir über die 72 m lange Boberbrücke (siehe folgendes Bild) und genießen eine herrliche Aussicht auf den ganzen Schmiedeberger Kamm mit der Schneekoppe einerseits und auf das malerisch gelegene Landeshut andererseits.

Bereits nach 1 1/2 Kilometern erreichen wir den Bahnhof Klein-Zieder, der auch mit einer Restauration verbunden ist. Der Ortsteil Zieder gehört noch zur Stadt Landeshut.

Bahnhof Klein-Zieder

Der Ortsteil Zieder

Beim Bahnhof Klein-Zieder überquert die Bahn die Straße Landeshut - Reichhennersdorf - Liebau. An dieser Straße liegen die Wohnblocks des Landeshuter Bauvereins. In großen Krümmungen windet sich die Bahn dem Ziederfluss folgend dem Dorf Ober Zieder zu, dass wir nach ca. 3 km erreichen. Zu Ober Zieder gehört auch die Kolonie Schönwiese.
Ober Zieder war der Geburtsort des Abtes Ildephons Reuschel, der als letzter Abt vor der Säkularisation im Jahre 1810 in die Grüssauer Klostergeschichte einging. Hier erblickte er am 06.11.1742 das Licht der Welt. Sein Geburtshaus wurde später das "Prälatenhäusel" genannt.
3 Gasthöfe laden zum Verweilen ein: Gasthof "Halbe Meile", Gasthof "Zum deutschen Reich" und "Hönigs Einkehrhaus" im Ortsteil Schönwiese.

Bahnhof Ober Zieder - Edelhard Rock (Bildmitte) mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester

Gasthof "Halbe Meile" 

Gasthof "Zum deutschen Reich" 

"Hönigs Einkehrhaus" im Ortsteil Schönwiese

Wir verlassen Ober Zieder und fahren unserem nächsten Ziel entgegen. Schon von Weitem sichtbar heben sich die hohen Türme der berühmten Stiftskirche in Grüssau und die massiven Gebäude des alten Klosters von den tiefdunklen Wäldern des Ullersdorfer Forstes ab. Der kunstsinnige König Friedrich Wilhelm IV. sagte bei einem Besuche Grüssaus im September 1841: "Ich habe schon viele schöne Kirchen gesehen, aber noch nie hat eine Kirche einen so gewaltigen und hohen Eindruck auf mich gemacht, wie diese hier, schon das Portal ist prächtig".

Die mit zwei mächtigen Türmen geschmückte ehemalige Stiftskirche, 1727 - 1735 erbaut, ist eine Sehenswürdigkeit nicht nur wegen ihrer gewaltigen Größe, sondern vor allem wegen der reichen künstlerischen Ausstattung. Prachtvolle Freskomalereien und Gemälde von berühmten Meistern, wie Neunhertz, Scheffler, Brandl, Köber und Willmann, den man den schlesischen Raphael nennt, sind zu bewundern. Besondere Beachtung findet auch die berühmte Engler-Orgel und die angebaute Fürstengruft, in der Familienmitglieder der Herzöge von Schweidnitz und Jauer ruhen. 
Ebenfalls sehenswert ist die ältere Josephskirche in unmittelbarer Nachbarschaft, die 61 Willmannsche Freskogemälde aufweist.

Bevor wir Grüssau wieder verlassen, gönnen wir uns noch eine Erholungspause in einem der fünf Gasthöfe, die dieser kunsthistorisch bedeutsame Ort zu bieten hat. Auf Feriengäste eingestellt sind: der Gasthof "Niederkretscham", der Gasthof "Zum Oberkretscham", der Gasthof "Zum deutschen Reich", der "Klosterhof" und die Gaststätte "Zur Klosterbrauerei'".

Der Zug auf dem Weg nach Grüssau

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim)

Bahnhof Grüssau

Blick auf den Ort und die Klosteranlage

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Die Stiftskirche
(Aufnahme: vor dem Krieg)

Blick zum Hochaltar

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Blick zur Orgel

(Aufnahme: vor dem Krieg)

In der früheren Stiftskirche - Blick zum Hochaltar

(Bild von Herrn Jürgen Paul, Puchheim,

 Aufnahme: September 2019)

In der früheren Stiftskirche
(Bild von Herrn Jürgen Paul, Puchheim,
(aufnahme: September 2019)

In der früheren Stiftskirche

(Bild von Herrn Jürgen Paul, Puchheim,

(Aufnahme: September 2019)

Der Hochaltar - Werk von Peter Johann Brandl

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim,

Aufnahme: 2010)

Blick auf den Altar

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim, Aufnahme: 2010)

Der Tabernakel

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim, 

Aufnahme: 2010)

In der früheren Stiftskirche

(Bild von Herrn Jürgen Paul, Puchheim,

Aufnahme: September 2019)

In der früheren Stiftskirche

(Bild von Herrn Jürgen Paul, Puchheim,

Aufnahme: September 2019)

Die berühmte Engler-Orgel

(Bild von Herrn Jürgen Paul, Puchheim,

Aufnahme: September 2019)

Blick auf die angebaute Fürstengruft rechts

Die Fürstengruft - Innenansicht

Die St. Josephs-Kirche

St. Josephs-Kirche - Blick zum Hochaltar

St. Josephs-Kirche - Die Kanzel

St. Josephs-Kirche - Die Orgel

Der Gasthof "Niederkretscham"

Der Gasthof "Oberkretscham"

Gasthof "Zum deutschen Reich"

Die Gaststätte "Klosterhof"

Die Gaststätte "Klosterbrauerei"
Sie befindet sich direkt am Eingang zur Klosteranlage.

Die Gaststätte "Klosterbrauerei"

Gut gestärkt und mit vielen neuen Eindrücken versehen begeben wir uns nun wieder zum Grüssauer Bahnhof und verlassen diesen wunderbaren Ort, eine Perle des Ziedertales.

Die Fahrt in das ca. 4 km entfernte Klein-Hennersdorf treten wir diesmal im Winter an. Hoffentlich kommen wir ohne Verzögerungen durch. Es war bereits oft vorgekommen, dass die Lok große Mengen Schnee vor sich herschob und im Schnee stecken blieb. Besonders dann, wenn der Wind große Schneewehen über den Schienen zusammengetragen hatte. Dann musste der Schienen-strang wieder freigeschaufelt werden.

Auf der Fahrt von Grüssau nach Klein-Hennersdorf erblicken wir rechts das Bergbauerndorf Lindenau. Unmittelbar am Ortsende erheben sich die ersten Höhen des Rabengebirges mit der sogenannten "Hölle", dem Pass der Straße von Lindenau nach Liebau. Auf der linken Seite der Fahrtrichtung sieht man unterhalb des Grüssauer St. Annaberges das kleinste Kirchdorf des Kreises Landeshut liegen, Neuen. Die St. Laurentiuskirche ragt dort in die schöne Berglandschaft.
Nach kurzer Fahrtdauer haben wir den Bahnhof Klein-Hennersdorf bei strahlendem Sonnenschein erreicht.

Klein-Hennersdorf besitzt eine Scholtisei, die neben denen in Albendorf, Görtelsdorf und Oppau eine der reichsten und prestigeträchtigsten im ganzen Grüssauer Klostergebiet ist. Sowohl die Scholtisei als auch der Gerichtskretscham befinden sich bereits seit ca. 1840 im Besitz der Familie Teichmann.
Daneben gibt es noch den Gasthof "Zum Deutschen Kaiser" und das Gasthaus "Deutsches Haus", die zum Verweilen einladen.

Blick auf Klein-Hennersdorf

Scholtisei und Gerichtskretscham

Gasthof "Zum Deutschen Kaiser"

(Bild von Herrn Dr. Bernhard Stocker)

Gasthaus "Deutsches Haus"

Vier Kilometer hinter dem Bahnhof Klein-Hennersdorf liegt bereits der Bahnhof der schönen Bergstadt Schömberg, einer weiteren Perle des Ziedertales. Aufgrund all ihrer Sehenswürdigkeiten bezeichnet man sie auch als "Perle des Barocks" und "Denkmal des schlesischen Handwebers". Im Bahnhofsgebäude hat die Bahnverwaltung ihren Dienstsitz.

Der Schömberger Bahnhof

Belegschaft der Ziedertaleisenbahn im Jahr 1942

Mitarbeiter der Ziedertaleisenbahn 
(Bild von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim)

Mitarbeiter der Ziedertaleisenbahn
(Bild von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim)

Die Ziedertaleisenbahn in Schömberg

Aufnahme vom Sportplatz Schömberg aus

Schöne historische Wohnhäuser aus dem 17. - 19. Jahrhundert schmücken den Schömberger Markt. Die interessantesten Wohnhäuser mit den charakteristischen Bogengängen sind die sogenannten "Unterlauben". Auf der gegenüberliegenden Marktseite befinden sich die "Oberlauben".

Die folgende Karte mit dem Blick auf die "Unterlauben" stellte Herr Alois Wiener zur Verfügung.

Die "Unterlauben"

Blick von den "Unterlauben" auf die "Oberlauben"

Bekannte profane Sehenswürdigkeiten sind in Schömberg die " 4 Evangelisten", die
"12 Apostel-Häuser" in der Braunauer Straße und die "7 Brüder" in der Landeshuter Straße.

Der Grüssauer Abt Dominicus Beyer ließ im Jahre 1707 für böhmische Leinenweber 12 identische Holzhäuser errichten, die sogenannten "12 Apostel-Häuser". Typisch für diese Häuser sind die Holzbauweise mit vorspringenden Giebeln, Lauben und Holzschindeldächern.
Das erste Haus der sog. "12 Apostel" - das Haus des Judas - steht ganz vorne, dann folgt ein Haus ohne Laubengang, danach kommen die vier Häuser der "Evangelisten", denen sich schließlich die weiteren elf Häuser der "Apostel" anschließen.

Die "4 Evangelisten", dahinter die "12 Apostel-Häuser"
(Bild von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim)

Schaubild mit den "4 Evangelisten"
(Bild von Herrn Jürgen Paul aus Puchheim
(Aufnahme: September 2019)

Die "12 Apostel-Häuser"

Die "12 Apostel-Häuser"

Der Laubengang

Der Laubengang

Im Jahre 1763 entstand für Damastweber eine weitere Siedlung mit Holzhäusern, die sogenannten "7 Brüder", die wir auf unserem Stadtrundgang selbstverständlich auch besuchen wollen.

Landeshuter Straße - Die "7 Brüder"

Landeshuter Straße - Die "7 Brüder"

Jetzt wollen wir uns aber zur katholischen Pfarrkirche begeben, einem Kleinod der Barockkunst. An den sogenannten "Oberlauben" führt zwischen zwei Häusern eine kleine Gasse, die Kirchgasse, zur katholischen Pfarrkirche.

Der Grundstein zur heutigen Kirche wurde am 10. August 1670 von dem Grüssauer Abt Bernardus Rosa gelegt Die Einweihung erfolgte am 21.November 1676. Die barocke Innenausstattung stammt von Künstlern der Grüssauer Werkstatt. Der Hauptaltar stammt aus der Werkstatt von Christoph Königer. Er wurde 1712/13 geschaffen. Das Gemälde der Hl. Familie stammt wahrscheinlich  von Felix A. Scheffler.

Die katholische Pfarrkirche (Aufnahme: vor dem Krieg)

Die katholische Pfarrkirche - Innenansicht

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Die katholische Pfarrkirche - heute -

Blick auf den Hochaltar

Die katholische Pfarrkirche - der Hochaltar

(Bild von Herrn Jürgen Paul, Puchheim,

Aufnahme: September 2019)

Teil des Hochaltars - Die heilige Familie

(wahrscheinlich von Felix A. Scheffler)

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim, Aufnahme: 2012)

Die Kanzel

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim,

Aufnahme: 2012)

Die Orgel

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim,

Aufnahme: 2012)

Das Taufbecken

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim,

Aufnahme: 2012)

Das Kirchenschiff mit Emporen und

 Blick zum Hochaltar

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim,

Aufnahme: 2012)

Das Kirchenschiff mit Emporen und Blick zur Orgel

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim,

Aufnahme: 2012)

Die Emporen und Blick zur Orgel

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim,

Aufnahme: 2012)

Bevor wir unsere Zugfahrt fortsetzen, gönnen wir uns aber noch eine Stärkung. Wer kennt nicht die echten Schömberger Spezialitäten, die "Schömberger Würstchen", z. B. vom Fleischer Paul Hoffmann, oder die "Zwölf-Apostel-Bombe" bei der Konditorei Schubert im Hotel "Zum goldenen Löwen" am Markt.

Nach einem sehr interessanten Aufenthalt sagen wir Schömberg "auf Wiedersehen" und fahren unserem nächsten Ziel entgegen.

Die Ziedertalbahn verlässt Schömberg

Ein letzter Blick auf den Bahnhof und den Ort Schömberg

Nach ca. 5 km erreichen wir Berthelsdorf. Hier in Berthelsdorf trägt die Firma H. M. Stahel, der Zweigbetrieb einer Bielefelder Webwaren- und Wäschefabrik, durch ihren Versand mit zur Wirtschaftlichkeit der Ziedertalbahn bei.

Die Ziedertalbahn auf dem Weg nach Berthelsdorf, 
 der große Durchbruch bei Berthelsdorf.

Der Bahnhof in Berthelsdorf

Blick auf Berthelsdorf

Die Leinenweberei Stahel

Die katholische Kirche mit dem Schulgebäude

Die katholische Kirche - Blick auf den Altar

Für das leibliche Wohl der Feriengäste sorgen in Berthelsdorf der Gasthof von Julius Paul und der Gerichtskretscham. Dieser wurde in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet und im 19. Jahrhundert teilweise neu aufgemauert. Es handelt sich um einen eingeschossigen Bau. Im älteren Teil besteht er aus einer Ständerwerk-Schrotholzkonstruktion.

Der Gerichtskretscham (Aufnahme: vor dem Krieg(

Der frühere Gerichtskretscham (Aufnahme: 2015)

Unsere Zugfahrt durch das schöne Ziedertal nähert sich nun ihrem Ende. Nicht ganz 4 km vom Bahnhof Berthelsdorf entfernt erreichen wir die Endstation der Ziedertal-Eisenbahn, Albendorf. Auf einer Anhöhe liegt hier der Bahnhof. Von hier aus genießen wir noch einmal einen wunderbaren Blick auf die schöne Bergwelt des Riesengebirges. Im Westen erblicken wir die Schneekoppe und im Osten rundet sich der Blick zum Totenstein über die Neuhäuser zum Riegel bei Qualisch, dem Steinernen Wald bei Radowenz, zur Talenge zwischen Albendorf und Petersdorf/Sudetenland bis zu den Bergen um Trautenau.

Auf die Feriengäste freuen sich folgende Gasthäuser:

  1. Die Scholtisei
  2. Der Gasthof "Zum Kronprinz"
  3. Der Gasthof "Zum preußischen Adler"
  4. Das Gasthaus "Zur Landesgrenze"
  5. Die Buchenbergbaude, die außerhalb des Ortes liegt.


Die Scholtisei in Albendorf ist neben denen in Görtelsdorf, Klein-Hennersdorf und Oppau eine der reichsten und prestigeträchtigsten im ganzen Grüssauer Klostergebiet.

Die Scholtisei

Gasthof "Zum Kronprinz"

Gasthof "Zum preußischen Adler"

Die Buchenbergbaude

Liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, Ihnen hat unsere gemeinsame Reise in die Vergangenheit mit der Ziedertalbahn gefallen.

Das Gedicht über die Ziedertalbahn möchte ich Ihnen aber nicht vorenthalten. Lassen Sie beim Lesen der folgenden Zeilen noch einmal die Fahrt Revue passieren.

                                               Die Ziederboahn

                                                            Ihr kinnt se sahn juhraus, juhrei
                                                             eim Ziedertoale raus und rei.
                                                             Vu Zeit zu Zeit, doas muß ma soan,
                                                             do isse schunn ganz schien gefoahrn;
                                                             jedoch mir wissa`s ganz genau,
                                                             die ihs au monchmol siehr, siehr flau.
                                                             Die ganze Schuld, ma koan doch schlissa,
                                                             hot wull der Winter om Gewissa.
                                                             Dar hot die Ziederboahne soat
                                                             und ufte schun zum Norrn gehoat.
                                                             Wenns nämlich stebert und wenns schneit,
                                                             do giehts ne lange und ne weit.
                                                             Ei Olbendruf dort uba druba,
                                                             do kimmt se mühsam oageschuba.
                                                             Doas gieht asu, wie olle wissa,
                                                             bis ei de Stoadt mit hindernissa.
                                                             Der Schnie, dar recht ei Barthelsdruf
                                                             bis zu der Feueresse nuff.
                                                             Die zwee Maschinlan tun sich schinda,
                                                             `s gieht ne noah vurne, ne noah hinda,
                                                             der Heizer flucht, die Schipper schwitza,
                                                             der Zug, der sitzt und bleibt au sitza;
                                                             der Schnie, der tutt a Weg versperrn,
                                                             war mitfoahrn wiel, muß woarta lern.
                                                             Wam groade ne vorm Woarta graut,
                                                             der koan ja sitza blein, bis`s taut.
                                                             Doas eene ihs bluß schien und gutt,
                                                             die Dörfler hoan no ruhig Blutt;
                                                             die loan sich ne die Müh` verdrissa,
                                                             au wenn sie schließlich loafa missa.
                                                             Ihr Leute, mit der Ziederboahn
                                                             do müßt ihr schun Verständnis hoan,
                                                             die fährt ju sust zu jeder Zeit,
                                                             doas heeßt natürlich, wenns ne schneit;
                                                             und kimmt se au`n Stunde später,
                                                             ma macht ne glei a Mordsgezeter,
                                                             ma singt au ne glei Kloagelieder,
                                                             zum Summer fährt se sicher wieder:
                                                             Ich garantier vo Oanfang Mai
                                                             bis weit ei a Oktober nei.
                                                             Die ihs schun gutt, die Ziederboahn,
                                                             mir brauchta bloß kenn Winter hoan.

Das folgende Bild wurde von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim zur Verfügung gestellt.