Pfaffendorf (Szarocin) - Ortsgeschichte

(Verfasser: Hella Tegeler)

Pfaffendorf liegt 8 km südwestlich von Landeshut. Nachbarorte sind Röhrsdorf im Norden, Reußendorf und Schreibendorf im Nordosten, Reichhennersdorf im Osten, Johnsdorf im Südosten, Michelsdorf und Hermsdorf städt. im Süden, Dittersbach städt. und Haselbach im Westen.

Erwähnt wurde Pfaffendorf erstmals 1292 in der Stiftungsurkunde des Klosters Grüssau als "Sorotindorff". Der Ort gehörte zu den 14 Dörfern, die zusammen mit der Stadt Liebau dem Kloster mit allen Abgaben Rechten und Pflichten übertragen wurden und den Grundstock des Stiftslandes bildeten. Später kam für "Sorotindorff" die Bezeichnung "Pfafindorff" auf, aus der sich die Schreibweise "Pfaffendorf" entwickelte. Um 1350 wurde Pfaffendorf dem herzoglichen Kastellan Conrad von Czirnan in (Bolken)Hayn überlassen und fiel nach dessen Tod wieder an das Kloster zurück. Später gehörte es den Familien von Wallenberg, von Seidlitz und von Leckow. Zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer gelangte es 1392 an die Krone Böhmen.

Nach der Neugliederung Preußens 1815 gehörte es zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Pfaffendorf war seit 1874 Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks, zu dem auch die Landgemeinden Neu Weißbach, Nieder Haselbach (bis 31.12.1907) sowie der Gutsbezirk Pfaffendorf gehörten. Sowohl die zuständige katholische als auch die evangelische Kirche befanden sich im Nachbarort Haselbach. Im Ort befand sich eine evangelische Schule. Auch das zuständige Standesamt war im Ort. Einwohnerzahl: 1925 = 752 (davon 690 evangelisch), 1939 = 715. Heute gehört Pfaffendorf zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

Aufgrund einer Verwaltungsreform wurden am 01.10.1928 die Dörfer Eventhal und Moritzfelde in den Ort Pfaffendorf eingemeindet.
Eventhal
wurde erstmalig 1713 erwähnt. Es handelte sich um ein reines Weberdorf mit 19 Freihäuslern. Man fragt sich, woher kommt der Name "Eventhal" und warum heißen etwa drei Häuser zusammen "Johannesthal"? Hierüber gibt es folgende Sage: "In einem Schreibendorfer Herrenhaus lebte eine Familie, deren einzige Tochter Eva hieß. Diese war in heißer Liebe zu einem Johannes, dem Sohne aus einem der so nahe gelegenen Rittersitze, entbrannt. Alles wäre soweit gut gewesen, aber die Verschiedenheit des Glaubens trennte in jener Zeit, da so heiße Kämpfe zwischen "lutherisch und römisch" ausgefochten wurden, die treuesten Liebenden. So griff Johannes zum ritterlichen Schwerte, um im Kriegsgewühl wohl lieber den Tod zu finden. Eva dagegen zog es in ein stilles, von silbernem Bächlein durchrauschtes, von bewaldeten Bergen umschlossenes Laubthal: dort, wo das Bächlein in den Schweinlich sich ergießt, um dann mit ihm zusammen dem Bober zuzufließen, ließ sich Eva nieder, mancherlei Schützlinge um sich sammelnd und gründete "Eventhal". Johannes, der Eva treu verblieben war, kehrte gesund zur Heimat zurück. Er betrachtete es als eine Gnade, dass er sich den Schützlingen, die sich um Eva versammelt hatten, zuordnen konnte. In Evas Nähe gründete er seinerseits "Johannesthal" und konnte nun wenigstens noch in getreuer Nachbarschaft mit der Unvergessenen leben."

Moritzfelde wurde 1784 errichtet und nach dem Erbauer, dem Besitzer der Grundherrschaft des benachbarten Schreibendorf, Hans Moritz Crauss von Crausendorf genannt. Es bestand nur aus 19 Stellen. Zwischenzeitlich kamen weitere hinzu. Jeder Moritzfelder Weber konnte eine Kuh auf die gutsherrschaftliche Weide treiben lassen. Über die Gründung der Ortschaft Moritzfelde gibt es folgende Sage: 1783 war Hans Moritz Crauss von Crausendorf Erbherr auf Schreibendorf. Als durch die Schuld eines Hirtenjungen, der seine Herde nicht ordentlich betreute, ein wertvolles Tier zu Schaden kam, rief der erzürnte Gutsherr dem Gutsvogt zu: "Werft den Lumpen ins Gefängnis!" Ruhig nahm der Übeltäter die Strafe auf sich; doch kaum war die Tür zum Gefängnis verriegelt, so durchdrang die gellende Stimme des Gefangenen den Gutshof. "Herr, wir müssen dem Jungen helfen, eine Kreuzotter hat ihn gebissen", rief der Vogt dem Gutsherrn zu. "Unsinn, lasst ihn!" erwiderte der in seinem Zorn. Eine Stunde später war der Junge tot. Das Gericht verurteilte den Gutsherrn zum Tode aber der König begnadigte ihn. Doch die seidene Schnur sollte er tragen, vierzig Wirtschaften erbauen lassen und diese mit Leuten von der Landstraße besetzen. Neben der 1713 vom Schreibendorfer Gute abgezweigten Kolonie Eventhal, entlang an der Pfaffendorfer Grenze, entstanden zwanzig Häuschen. Etwa drei Morgen, Acker oder Wiese wurden jedem beigegeben. von der Landstraße und von den Zäunen lud Hans Moritz Crauss von Crausendorf die ein, die ein widriges Geschick hinaus gestoßen hatte in Elend, Sünde und Schande. Am Morgen Enterbte, waren so am Abend im Besitz von Haus, Heim und Scholle, bereit, in ernster Arbeit Schuld und Schmach zu sühnen und Kindern und Enkeln eine bessere Zukunft zu schaffen. Königliche Gnade erließ dem Gutsherrn den Bau der letzten zwanzig Hufe.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Jubelbuch der ev. Kirchgemeinde Ober Haselbach - April 1842
- Jubelbuch der ev. Kirchgemeinde Ober Haselbach - April 1892
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Moritz, Hella (heute Tegeler, Hella): Orts- und Familienchronik über Alt Weißbach, Haselbach,
   Pfaffendorf und Reußendorf, Drensteinfurt 2006, 1. Auflage
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785


Bericht aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 26/1839.

Bericht aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 26/1839.

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Der Bahnhof:

Als mit den Planungen der Bahnstrecke Landeshut - Schmiedeberg - Hirschberg begonnen wurde, sollten die Orte Pfaffendorf und Haselbach ursprünglich einen gemeinsamen Bahnhof erhalten, Dies entsprach aber nicht den Vorstellungen der Gutsbesitzerin Frau von Heinen, da sie den Bahnhof unbedingt in der Nähe ihres Gutes haben wollte. Aus diesem Grunde stiftete sie das Gelände, auf dem dann später der Bahnhof errichtet wurde.

Der Pfaffendorfer Bahnhof - früher

Das Wohnhaus für den Bahnhofsvorsteher (Aufnahme: 1980)

Eine Fußgängerbrücke führt über die Bahnstrecke Landeshut - Schmiedeberg,
 im Hintergrund das Hotel Graf Moltke.

Die Gastronomie:

Wegen seiner vorzüglichen Lage herrschte in diesem kleinen Riesengebirgsort zu jeder Jahreszeit ein lebhafter Fremdenverkehr. Pfaffendorf war Haltestation der Landeshut-Schmiedeberger Bahn. Ferner führte die Hauptstraße von Landeshut Richtung Schmiedeberg durch Pfaffendorf, so dass der Ort auch verkehrsgünstig sehr gut gelegen war. Im Sommer kamen die Feriengäste aus den größeren Städten, z. B. aus Breslau, "ei die Summerfrische uff`s Dorf". Auch Berliner Urlauber weilten in Pfaffendorf. Manche, die bereits jahrelang kamen, hatten schon ihre festen Quartiere in privaten Häusern reserviert und auch in den Gast- und Logierhäusern, teils mit, teils ohne Verpflegung.
Im Ort gab es vier Gasthäuser bzw. Logierhäuser:
1. Im Oberdorf:                                            "Der Gerichtskretscham"
2. Im Mitteldorf:                                          " Das Hotel "Graf Moltke"
3. In Eventhal:                                             " Der Gasthof "Zur Linde"
4. Gutsbezirk Pfaffendorf:                         " Die Brauerei"

Auf der linken Seite des Bildes: "Der Gerichtskretscham" 

(Besitzer: Familie Leder)

Hotel "Graf Moltke" (Besitzer: August Beck, später Richard Wagner)

Eventhal: Der Gasthof "Zur Linde" 
(Besitzer: Hermann und Martha Leder) 
 Pächter: Ehepaar Karl und Gertrud Kretschmer

Das Gastwirtsehepaar Karl Kretschmer und Gertrud, geb. Rummler mit Mutter bzw. Schwiegermutter, 
der Kretschambesitzerin Pauline Rummler aus Haselbach

Die "Brauerei" im Gutsbezirk Pfaffendorf
Die Rittergutsbesitzerin Frau Kammerherr von Heinen ließ an Stelle der früheren "Herrschaftlichen Brauerei", deren Lokalitäten und Bauzustand der Neuzeit nicht mehr entsprachen, im Jahre 1908 einen Neubau errichten. Die Bearbeitung des Entwurfs (s. Bild unten) wurde dem Maurermeister August Welz aus Landeshut übertragen, welchem dann auch die gesamte Bauausführung übergeben wurde. Am 1. März 1908 wurde mit dem Abbruch des alten Gebäudes begonnen und am 1. Oktober 1908 wurde das neue Gebäude fertiggestellt. Im Kellergeschoss waren die Wirtschafts- und Lagerkeller sowie eine Badestube und eine Waschküche untergebracht. Im Erdgeschoss befanden sich zwei Gastzimmer, Küche und ein großer Saal mit Bühne. Im Ober- und Dachgeschoss lagen die Wohnung des Wirtes sowie Fremdenzimmer. Inhaber der Brauerei waren Friedrich Pohl und später Erich Tschiche.

In der Mitte der Karte das alte Gebäude der Brauerei

Gast- und Logierhaus "Brauerei" (Bauzeichnung)

Gast- und Logierhaus "Brauerei" (Neubau)

Die Brauerei (Aufnahme: 2004)

Die evangelischen Schulen:

Das erste Schulgebäude wurde mit großzügiger Unterstützung des damaligen Grundherren von Seylitz Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Im Laufe der Jahre erfolgten mehrfache Renovierungen und Umbauten, z. B. in den Jahren 1823 und 1882. Die Lehrerwohnung wurde 1882 massiv umgebaut und vergrößert; sie erhielt einen Keller und eine Küche. Die Kosten betrugen damals 2.102 Mark. 1889 wurde für 1.000 Mark das Schulgebäude mit Schiefer gedeckt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde aber über einen Neubau nachgedacht, da die Schulstube viel zu klein war und ein ordnungsgemäßer Unterricht nicht mehr gewährleistet werden konnte. Eine Schulklasse umfasste ca. 70 - 80 Kinder.

Rechts oben das alte Schulgebäude

Das alte Schulgebäude im Jahre 1977

Es sollten aber noch 24 Jahre vergehen, bis im Jahr 1913 ein neues Schulhaus gebaut wurde. Dieser Schulbau war aber mit ganz erheblichem Ärger im Vorfeld verbunden. Frau von Heinen, Besitzerin des Pfaffendorfer Dominiums, wollte einen Bauplatz an der Hauptstraße im Unterdorf zur Verfügung stellen. Dieser Plan stieß aber auf großen Widerstand bei den Bauern von Ober-Pfaffendorf. Sie waren dagegen, dass ihre Kinder im Unterdorf zur Schule gehen sollten. Um das Vorhaben rückgängig zu machen, wurden sie bei dem Regierungspräsidenten in Liegnitz vorstellig, allerdings ohne Erfolg. Daraufhin trugen sie ihre Bedenken Frau von Heinen vor, diesmal mit Erfolg. Es wurde ein neuer Bauplatz gesucht, und die Schule konnte endlich gebaut werden, allerdings nur für eine Schulklasse. Den Bau einer Zweiklassen-Schule genehmigte der Regierungspräsident in Liegnitz zum damaligen Zeitpunkt noch nicht. Nach Fertigstellung der neuen Schule wurden die Räume im bisherigen Schulgebäude als Wohnungen vermietet.
Im Jahre 1937 wurde ein neues Schulgebäude für zwei Schulklassen errichtet. Zur besseren Unterscheidung erhielt das bisherige Schulhaus nunmehr den Namen "Die Buchert-Schule", benannt nach dem damals als Lehrer tätigen Alfred Buchert. Auf dieses neue Schulgebäude war die Bevölkerung sehr stolz. In dem Neubau befanden sich das Konferenzzimmer, eine modern eingerichtete Lehrküche sowie eine Badeeinrichtung.

Das im Jahre 1913 eingeweihte Schulgebäude (die sog. "Buchert-Schule)

Einweihung des neuen Schulhauses (die spätere "Buchert-Schule)

Das neue Schulgebäude (Aufnahme: ca. 1937)

Die Pfaffendorfer Schulen (links: das neue Schulgebäude, 

rechts: die sog. "Buchert-Schule)

Zum Schulbezirk der Eventhaler Schule gehörten die beiden Gemeinden Eventhal und Moritzfelde. Bis zum Jahre 1749 besuchten die Kinder dieser beiden Orte die Schule im Nachbardorf Schreibendorf. Da der Schulweg jedoch sehr weit war, durften die Eventhaler und Moritzfelder Kinder ab diesem Zeitpunkt bis zum Jahre 1772 die wesentlich näher liegende Schule in Pfaffendorf besuchen. Danach wurde in Eventhal eine Stube gemietet, die als Schulzimmer diente. Erst im Jahre 1785 konnte die Gemeinde Eventhal ein eigenes Schulgebäude erwerben. Aber auch dieses Haus entsprach im Laufe der Jahre nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen, die an eine moderne Schule gestellt wurden. Die Gemeinde sah sich daher gezwungen, 1878 ein neues Schulgebäude zu errichten, welches direkt neben dem alten Haus gebaut wurde. Die Baukosten übernahm zum größten Teil die Königliche Regierung, welche 6.300 Mark zur Unterstützung der armen Gemeinde bewilligte. 945 Mark wurden durch den Verkauf des alten Schulhauses erzielt. Nach der Errichtung des neuen Zweiklassen-Schulgebäudes in Pfaffendorf erfolgte 1938 die Auflösung der Eventhaler Schule.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 75/1871.

Das Eventhaler Schulgebäude

Schülerinnen und Schüler der Eventhaler Schule mit ihrem Lehrer Helmut Stark (Aufname: 1930)

Vereine:

Auch in Pfaffendorf gab es mehrere Vereine, allen voran die Freiwillige Feuerwehr:

Das Spritzenhaus und die Feuerwehrspritze aus dem Jahre 1788.

(Federzeichnung von Alfred Matzker, Hirschberg)

Das Feuerwehrhaus (Aufnahme: 1989)

Gesangverein "Rautendelein"

Dieser gemischte Chor wurde im Jahre 1925 gegründet. Vorsitzender dieses Chores war Hugo Feifar, Chorleiter der Eventhaler Lehrer Helmut Stark. Dieser Chor bestand bis zur Vertreibung.
Die folgende Aufnahme ist im Jahre 1934 entstanden.

Das RAD - Lager:

Das RAD - Lager befand sich auf dem Areal des Hauses Nr. 63. Als Namenspatron diente Georg Ritter von Schönerer (1842 - 1921). Dieser war österreichischer Politiker und Mitglied des Abgeordnetenhauses.

Das RAD - Lager

Das RAD - Lager mit Nebengebäuden

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",
Heft Nr. 66/1866.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 49/1871



Dem Ehepaar Güttler wurde anlässlich seiner goldenen Hochzeit am 28. November 1870 von König Wilhelm von Preußen ein silbernes Medaillon verliehen.

Friedensfest am 18. Juni 1871


Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 88/1871.