Trautliebersdorf (Kochanów)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Trautliebersdorf, das Dorf zwischen Totenkopf und Schanzen, liegt 4 km nordöstlich von Schömberg. Südlich verläuft die Landesgrenze zu Tschechien.

Erstmalig urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahre 1289 unter dem Namen "Trutlibisdorf". Damals schenkte der böhmische König Wenzel II. Trautliebersdorf zusammen mit den Dörfern Königshan, Kindelsdorf, Michelsdorf und der Stadt Schömberg dem Herzog Bolko I. von Schweidnitz-Jauer. Sein Enkel Bolko II. schenkte im Jahre 1365 "Trutlibisdorf" mit allen Rechten und Einkünften sowie dem Kirchenpatronat und der Gerichtsbarkeit dem Kloster Grüssau mit der Bestimmung, die Stiftung solle erst nach seinem Tod wirksam werden. Als Grüssauer Stiftsdorf gelangte es nach dem Tod des Herzogs Bolko II. zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz erbrechtlich an Böhmen, wobei Bolkos II. Witwe Agnes von Habsburg bis zu ihrem Tod 1392 ein Nießbrauch zustand.

Im Jahre 1647 fand ein Gefecht zwischen 500 kaiserlichen und schwedischen Reitern auf den Feldern zwischen Trautliebersdorf und Rosenau statt, wobei der Anführer der Schweden fiel. Über 100 Jahre später, am 9. Juli 1759, fand auf dem gleichen Schlachtfelde ein Gefecht zwischen dem Benkendorfschen Grenadier-Regiment und einem österreichischen Husaren-Regiment mit beiderseitigen Verlusten statt. Aus jenen Tagen stammen auch die Trautliebers-dorfer/Kindelsdorfer Schanzen.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Trautliebersdorf 1742 zusammen mit Schlesien an Preußen. 1810 wurde das Klostergut säkularisiert. Nach der Neugliederung Preußens 1815 gehörte Trautliebersdorf zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Es bildete eine eigene Landgemeinde und war seit 1874 Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks, zu dem auch die Landgemeinde Kindelsdorf gehörte. Von wirtschaftlicher Bedeutung waren mehrere Stein- und Kalksteinbrüche.

Trautliebersdorf besitzt ein einzigartiges Denkmal aus dem Mittelalter, einen Steinernen Gerichtstisch mit acht Sitzplätzen (s. Bild unten). Er befindet sich auf einem kleinen Hügel, etwa 300 m nördlich vom Dorf. Rechtskräftige Urteile wurden an Gerichtsplätzen gefällt. wenn die Verhandlung nicht in dem Gerichtskretscham stattfand, so wurden Gerichtstische errichtet. Zuerst wurden sie aus Holz hergestellt, erst im 16. und 17. Jahrhundert wurden sie durch steinerne Objekte ersetzt.

Die katholische Kirche St. Matthäus wurde 1636 an der Stelle eines früheren Gotteshauses von 1364 errichtet. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie im barocken Stil umgebaut. Für die evangelischen Bewohner Trautliebersdorf war die Kirche in Friedland zuständig. Im Jahre 1925 zählte der Ort 418 Einwohner (davon 49 evangelisch) und 1939 = 401. Heute gehört Trautliebersdorf zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Diesen Abzug einer Karte stellte Frau Margit Kneifel, geb. Gläser, zur Verfügung.

Karte von Herrn Stephan Reuß

Blick auf Trautliebersdorf

Blick auf Trautliebersdorf

Die katholische Pfarrkirche St. Matthäus:

Die katholische Pfarrkirche St. Matthäus wurde im Jahre 1636 erbaut. Sie entstand an der Stelle eines früheren Gotteshauses aus dem Jahre 1364. Für die Bauausführung zuständig war der Zimmermann und Steinmetz Hähndel aus Friedland. Die Errichtung des Turmes und des Glockenstuhles erfolgten im folgenden Jahr. Die vom Glockengießer Schröder in Arnau gegossene Glocke wog ca. 5 Zentner. Eingeweiht wurde die Kirche im Jahre 1637 von Abt Johann Benno in Gegenwart des Prälaten Rieling von Grüssau.
Das neben der Kirche befindliche Pfarrhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Die katholische Pfarrkirche mit dem Pfarrhaus 

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Die katholische Pfarrkirche mit dem Pfarrhaus - heute

Die katholische Pfarrkirche im Mai 2007

(Bild von Frau Brigitta Riedel)

Pfarrer Arnold feierte im Jahre 1927 
sein silbernes Priesterjubiläum.

Das Josef-Stift:

Die Errichtung des Josef-Stiftes erfolgte im Jahre 1910. Geleitet wurde es von den Grauen Schwestern. Auch die umliegenden Gemeinden profitierten von dieser Schwesternstation.

Das Josef-Stift vor dem Krieg

Das Josef-Stift heute

Die Schule:

Nach den Adressbüchern der Jahre 1911, 1925 und 1938 waren in Trautliebersdorf in diesen Zeiträumen folgende Lehrer tätig:

  • 1911                         =                  Kantor Karl Schöbel
  • 1925                        =                  Kantor Max Otto

                                                           Clemens Hoffbauer

  • 1938                        =                  Kantor Willibald Hellwig      

                                                           Erich Pellhorn

Eine katholische Schule wird im 5. Band von Zimmermanns Beyträgen zur Beschreibung von Schlesien im Jahre 1785 erwähnt. Das alte Schulgebäude befand sich in der Nähe der Kirche im Oberdorf, später wurde ein neues Schulhaus errichtet. Das alte Schulgebäude wurde zu Wohnzwecken umfunktioniert.

Das alte Schulgebäude (Aufnahme: Mitte 1970)

(Bild von Frau Roswitha Reinhold, geb. Puschmann)

Das neue Schulhaus und das Lehrerheim (Aufnahme: 1965)

Schulklasse im Jahre 1924

Hedwig Puschmann - Haus Nr. 57 - als Schülerin

(Bild von Herrn Bernhard Puschmann)

Haus Nr. 8 - Kolonialwarenhandlung Paul Körner

Haus Nr. 64 - Bäckerei und Warenhandlung August Rösner

Die Scholtisei:

Vorbemerkung:
Quelle:

  • Von Lutterotti, Nikolaus: Die Scholtiseien der Grüssauer Stiftsdörfer im Kreise Landeshut um 1400 - in: Heimatkalender des Kreises Landeshut/Schl. 1927, herausgegeben von Kreisausschuß-Sekretär Hornig Landeshut 1. Jahrgang - Druck: Schlesierverlag L. Heege, Schweidnitz


Zu den kostbarsten Stücken des Grüssauer Klosterarchivs gehört ein auf Pergament geschriebenes Zinsregister des Klosters, das um das Jahr 1400 entstanden ist. Dieses Zinsregister enthält u. a. auch wertvolle Angaben über die Geschichte der Scholtiseien des Kreises Landeshut. In der Kolonisationszeit warben Unternehmer, auch Lokatoren genannt, im Auftrag des Grundherren Kolonisten aus dem deutschen Westen an und siedelten dieselben in bereits bestehenden slawischen Dörfern oder auf Neurodungen an. Als Entgelt für ihre Bemühungen erhielten diese Lokatoren in der neuen Siedlung ein Stück Land, das frei war von jeder Abgabe an den Grundherren. Nur im Kriegsfalle waren manche von ihnen zur Heeresfolge mit einem Roß verpflichtet. Dieser herzoglich Roßdienst wurde später vom Landesfürsten öfters dem Kloster geschenkt, so dass er in Kriegszeiten dem Abt geleistet wurde. Das Ansehen, dass der Lokator durch seine Steuerfreiheit und seinen größeren Besitz besaß, sicherte ihm und seinen Nachkommen eine hervorgehobene Rolle im Dorfe zu. Als "Scholze" wurde er das Dorfoberhaupt und die berufene Mittlerperson im Verkehr mit dem Grundherren. Oft erweiterte er seinen Grundbesitz durch Erbschaft und Käufe. Für diesen Zuwachs musste er aber Zins und Dienste leisten wie die anderen Dorfbewohner. Nur das Stammgut blieb steuerfrei. Es wurde als eine Art Lehen angesehen. Ohne Genehmigung des Abtes konnte es nicht veräußert werden. Bei Besitzwechsel zog der Abt für die Weitergewährung der Privilegien eine Abgabe von 10 Proz., das "Laudeminium" ein. Um die Oberhoheit des Abtes anzuerkennen, mussten die Scholzen auch von ihrem steuerfreien Stammgut einen kleinen, sinnbildlichen Anerkennungszins entrichten. Meist waren sie verpflichtet, sich zweimal im Jahr dem Abt mit einem kleinen Geschenk vorzustellen, das bald näher bestimmt, bald ihrem Belieben überlassen war. Man nannte das "den Herrn Abt ehren = honorare Dominum Abbatem".

Die Scholzen hatten auch die Niedergerichtsbarkeit (judicium) und die Niedervogtei (advocatia) in ihrem Dorfe. Zur niederen Gerichtsbarkeit gehörten die Fälle, die heute der Schiedsmann schlichtet. Vor der niederen Vogtei wurden Käufe und Verträge abgeschlossen. Manche Scholzen besaßen das Jagdrecht auf Hasen und Federwild. Sie waren dann zu Wildbrettlieferungen an das Stift verpflichtet.

Nach dem Zinsregister aus dem Jahr 1400 wurden von der Trautliebersdorfer Scholtisei folgende Leistungen an den Abt geleistet:
Für ein später dazu erworbenes Grundstück zinste der Scholze zu Walpurgis ein Schock Groschen. Als Anerkennungszins für seine Scholtisei und das damit verbundene Recht der Niederjagd überreichte er dem Abte zu Weihnachten einen Hasen. Für die Niedergerichtsbarkeit gab er zu Michaelis 3 Bierdung; die Niedervogtei scheint er nicht ausgeübt zu haben.

Namentliche Aufstellung der Scholzen:

Quelle:

  • Taube, Tilmann: Die bäuerliche Führungsschicht im Grüssauer Klosterland von ca. 1550 bis 1750, Selbstverlag 2003


Der Standort der Scholtisei wurde laut Taube bisher noch nicht eindeutig lokalisiert, aber es ist anzunehmen, dass es sich bei dem Gerichtskretscham um das ehemalige Scholzengut handelt.
Die Besitzerfolge stellt sich ab ca. 1550 wie folgt dar:
I.     Generation:      Barthel (Berthold) Berger     Erb- und Gerichtsscholz (EuGS), Bestätigung
                                                                                  durch das Stift Grüssau 1545
II.    Generation:      Daniel Berger                         1595 genannt als EuGS   (* grob 1550)
III.   Generation:  (Zweig A):   Adam Berger         im Urbar von ca. 1620 genannt als EuGS
                             Anmerkung: Nach einer Urkunde des Klosters Grüssau wurde Paul Jachmann im
                              Jahre 1621 mit der Scholtisei belehnt. Diese Urkunde ist seit dem Krieg verloren.
                              Die (erhalten gebliebene) Inhaltsangabe nennt ein Erbe von 6 Ruthen, welches
                              Adam Berger von Adam Menzel zur Scholtisei erkauft hat. Nimmt man für das
                              "Urbar von ca. 1620" das Stichjahr 1620 oder früher an, so wäre das hiermit
                              bestätigt und Paul Jachmann der Nachfolger von Adam Berger oder vielleicht
                              noch eher der zweite Ehemann seiner Witwe.
                           
                              (Zweig B):  Caspar Friese            Bestätigung als EuGS 1630
                              Anmerkung: Caspar Friese hat die Scholtisei zwar 1630 übernommen, aber
                              offensichtlich bis zu seinem Abgang, seinem Tod oder bis 1645 nicht mehr voll 
                              bewirtschaften können, denn das Urbar von 1676 erwähnt, die Scholtisei habe 
                              zwischen 1630 und der Übernahme durch Georg Rieger 1645 "wüst" gelegen.

IV.   Generation:    Georg Rieger                     bis ca. 1645 wohnhaft in Kindelsdorf,
                                                                            ab ca. 1645 EuGS, Verkauf an Heinrich Wietmann 
                                                                            ca. 1676 und Erwerb einer Häuslerstelle als 
                                                                            Altersruhesitz  (* err. 1607,  + 04.06.1681)
V.     Generation:    Heinrich Wiedtmann        zuerst wohnhaft in Kindelsdorf, ab ca. 1676 EuGS,
                                                                            um 1692 Verkauf der Scholtisei an das Stift Grüssau.
                                                                            Danach geht das Richteramt an den jeweiligen Besitzer
                                                                            des Vorwerks/Lehngutes in Trautliebersdorf über.

Das ehemalige Scholtiseigebäude bleibt als Gerichtskretscham bestehen. Am 16.05.1717 brannte er ab. Ein Nachfolgebäude steht noch heute.

Die Gastronomie:

In Trautliebersdorf gab es früher 2 Gasthöfe:
1. Haus Nr. 65                                                   Der Gerichtskretscham
                                                                           (Besitzer: August Pohl, später Marie Stojek)
2. Haus Nr. 93                                                   Gastwirtschaft von Karl Schlake

Haus Nr. 65 - Der Gerichtskretscham (Besitzer: August Pohl, später Marie Stojek)


(Kartenausschnitt von Herrn Stephan Reuß)

Futtermittelbestellung der Familie Stojek vom 15.02.1930.

Neben der Gastwirtschaft wurde auch Landwirtschaft betrieben.

Der frühere Gerichtskretscham (Aufnahme: 2005)

(Bild von Herrn Stephan Reuß)

Der frühere Gerichtskretscham (Aufnahme: 2005)

(Bild von Herrn Stephan Reuß)

Das Vorwerk - Lehngut:

Quelle:

  • Taube, Tilmann: Die bäuerliche Führungsschicht im Grüssauer Klosterland von ca. 1550 bis 1750, Selbstverlag 2003, ergänzt 2008


Die Besitzerfolge stellt sich wie folgt dar:
I.      Generation:        Christoph Schel            1595 als Vorwerksbesitzer genannt
II.     Generation:        Balzer Friedrich            ca. 1620 als Vorwerksbesitzer genannt
III.    Generation:        Carl Keller                     aus Bielitz, erwirbt das Vorwerk am 07.08.1619 für 
                                                                            2.100 Taler    (+ vor 30.03.1620
                                     Am 30.03.1620 erfolgt die Rückgabe des Vorwerkes  an das Stift Grüssau.
IV.    Generation:        Caspar Schier (= Schürer von Waldheim)     im Urbar von ca. 1620 als 
                                                                             Vorwerksbesitzer nachgetragen.
V.      Generation:        Georg v. Bürckhain       röm Kaiserl. Capitain Leutnant
                                                                             Ab ca. 1650 Vorwerksbesitzer   (+ 03.05.1702)
VI.      Generation:       Carl Mohaupt                Vorwerksmann bis 1711. Am 18.04.1711 in Liebau 
                                                                              hingerichtet.
                                    Das Kloster will nicht, dass der Besitz des Vorwerks an die Nachkommen geht.
VII.     Generation:        Christoph (Anton) Elsner    er kauft am 02.05.1714 das Vorwerk in der Größe 
                                                                                      von 2 Hufen mit einem Beigut von einer Hufe.
                                                     Vorher war Elsner ab ca. 1695 bis ca. 1706 EuGS in Reichhennersdorf.
VIII.    Generation:        Christian "Gottlieb" Elsner     Vorwerksmann um 1750/80

Im Januar 1891 erwarb Friedrich Karl Kolbe das Gut für 92.000 Mark von der Familie Grallert. Bis zur Vertreibung blieb es im Besitz der Familie Kolbe.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 38/1838.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 14/1842.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 34/1866.

Das Gutshaus Kolbe (Aufnahme: 1924)

(Bild von Frau Roswitha Reinhold, geb. Puschmann)

Der heutige Zustand des ehemaligen Gutes.

Das sog. Verwalterhaus des Gutshofes (Aufnahme: 2017)

(Bild von Frau Roswitha Reinhold, geb. Puschmann)

Das sog. Verwalterhaus des Gutshofes (Aufnahme: 2017)

(Bild von Frau Roswitha Reinhold, geb. Puschmann)

                Haus Nr. 20 - Familie Richard Puschmann

(Das Bild stellte Herr Jürgen Paul aus Puchheim zur Verfügung,
Aufnahme: 2010)

Haus Nr. 23  (Familie Paul Puschmann):

Dieses Anwesen war im Besitz der Eheleute Paul und Maria Puschmann. Maria Puschmann war die Tochter von Heinrich Puschmann und Anna Pauline, geb. Maiwald. Der Stammvater der Familie war der Bauergutsbesitzer Ferdinand Puschmann aus dem Niederdorf in der Nähe des Gutsbezirkes. Sein Grabstein ist erhalten geblieben und befindet sich noch heute an der Kirchenaußenmauer.
(Die Daten stellte Frau Roswitha Reinhold, geb. Puschmann, zur Verfügung.)

Haus Nr. 23 - Familie Paul und Maria Puschmann

(Bild von Herrn Jürgen Paul aus Puchheim - Aufnahme: 2010)

Grabstein des Bauergutsbesitzers Ferdinand Puschmann

(Bild von Frau Roswitha Reinhold, geb. Puschmann)

Haus Nr. 47 - Familie Oswald Meiwald

Familie Meiwald bei der Feldarbeit

Haus Nr. 48  (Familie Hermann Puschmann, später Max Puschmann):


Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 50/1838.




Nach der vorstehenden Zeitungsanzeige war im Jahre 1838 Emanuel Siegert Besitzer des Bauerngutes Nr. 48. Wer dieses Anwesen erwarb, ließ sich bisher nicht ermitteln.
Nachweisbar und belegt ist die Zeit ab 1870. Zu der Zeit siedelten die Eheleute Cölestin und Theresia Geisler aus Ruppersdorf in Böhmen nach Trautliebersdorf und kauften die Bauernstelle Nr. 48, die sich zu der Zeit schon Resthof nannte. Am 08.02.1886 heiratete die Tochter von Cölestin und Theresia Geisler, Maria Geisler, Hermann Puschmann, den Sohn des Bauerngutsbesitzers Ferdinand Puschmann, dessen Grabstein heute noch an der Kirche zu sehen ist. 
Maria und Hermann Puschmann übernahmen 1903 die Hofstelle Nr. 48. Sie hatten 8 Kinder. Am 04.07.1927 heiratete der jüngste Sohn Max, Agnes Siegert aus Leuttmannsdorf und übernahm das Anwesen von seinen Eltern. Max und Agnes hatten 8 Kinder: Maria, Paul, Hermann, Franz, Josef, Theresia, Anna und Alois.  Die Familie bewirtschaftete den Hof bis Frühjahr 1946 und kam dann nach Burgdorf, Kreis Wolfenbüttel in Niedersachsen. Von dort verteilten sich die 8 Kinder aus beruflichen und familiären Gründen über Niedersachsen, NRW und Baden-Württemberg.

Die Daten und die beiden folgenden Bilder stellte Herr Reinhard Puschmann zur Verfügung.

Haus Nr. 57  (Familie Robert Puschmann):

Dieses landwirtschaftliche Anwesen war seit vielen Generationen Eigentum der Familie Puschmann. Der Bauernhof hatte eine Größe von 23 Hektar, was zur damaligen Zeit ein großer Hof war. Der Stammbaum der Familie lässt sich bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Namentlich bekannter Spitzenahn ist Johann Puschmann, verheiratet mit Theresia, geb. Stierand. Aus dieser Ehe ging Sohn Wilhelm Johann Puschmann (1837 - 1914) hervor, der mit Berta Langer verheiratet war. Letzter Eigentümer vor der Vertreibung war Robert Puschmann (1882 - 1957). Er hatte Anna Becker (1890 - 1974) geheiratet. Ihr Großvater Reinhold Becker war Eigentümer des großen Vorwerks in Trautliebersdorf.
Die Familie Robert Puschmann hatte insgesamt fünf Kinder, Reinhold, Ida, Adolph, Robert und Hedwig. Sohn Reinhold Puschmann erwarb vor dem Krieg einen Bauernhof in Kindelsdorf (Nr. 31), Tochter Ida lebte mit ihrem Ehemann Max Reuschel in einem eigenen Haus in Friedland und Tochter Hedwig heiratete Gerhard Puschmann aus Schömberg (s. dort Markt Nr. 27). Sohn Adolph sollte den elterlichen Bauernhof in Trautliebersdorf übernehmen und der Erwerb eines Hofes für Sohn Robert hatte bereits vor dem Krieg konkrete Gestalt angenommen. Alle Pläne wurden aber durch den Krieg mit anschließender Vertreibung zunichte gemacht.
Das Ehepaar Robert und Anna Puschmann kam 1946 mit den Familien ihrer Kinder zunächst nach Gustedt in Niedersachsen. Später bezogen sie eine Baracke in Salzgitter-Gebhardshagen, in der dann alle Familien wohnten. Anfang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts suchten und fanden alle Familien ihr Glück im Kreis Südtondern (Schleswig-Holstein) in Achtrup, Bramstedtlund und Lütjenhorn.

Daten und Bilder wurden von Herrn Bernhard Puschmann, Niebüll, zur Verfügung gestellt.

Haus Nr. 57 - Familie Robert Puschmann (Aufnahme: Ende des Krieges)

Bild des Bauernhofes Puschmann, gemalt nach der Vertreibung
 unter Verwendung eines Fotos.

Haus Nr. 57 (Aufnahme: ca. 1990)

(Bild von Herrn Bernhard Puschmann)

Das Bild stellte Herr Reinhard Puschmann zur Verfügung.

Wilhelm Puschmann (1837 - 1914)

Berta Puschmann, geb. Langer, mit Verwandten

Robert Puschmann (1882 - 1957)

Anna Puschmann, geb. Becker (1890 - 1974)

Familienbild ca. 1910
Von links: Robert Puschmann (halb verdeckt); Anna Puschmann, geb. Becker mit Sohn Reinhold; Berta Puschmann, geb. Langer; Magd; Neffe Willi; Wilhelm Puschmann und Neffe Franz.

Familienbild Robert und Anna Puschmann mit Kindern ca. 1930.
Von links: Robert (1919 - 2008), Adolph (1915 - 1986), Ida (1911 - 1981), Reinhold (1910 - 1993) und Hedwig (1924 - 2014).


Bei der Kartoffelernte (Aufnahme: 1936)

Vor der Scheune des Bauernhofes:
Robert und Anna Puschmann mit Tochter Ida
 und Schwiegersohn Max Reuschel

Das Haus von Max Reuschel und Ehefrau Ida, geb. Puschmann in Friedland. Das Haus wurde im Jahre 1906 gebaut und 1938 von dem Ehepaar Reuschel erworben. 
(Aufnahme: 1990)

Die Baracke der Großfamilie Puschmann in der 5 Familien wohnten: Robert und Anna Puschmann; Reinhold Puschmann; Max Reuschel und Ida, geb. Puschmann; Robert Puschmann jun.; Gerhard Puschmann.
Diese Baracke in Salzgitter-Gebhardshagen wurde im Jahre 1950 von einem Malermeister erworben. Von hier aus zogen die einzelnen Familien nach Schleswig-Holstein.

Der Familienname Puschmann in Trautliebersdorf:

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Es ist bemerkenswert, wie oft der Familienname Puschmann in den Adressbüchern der Jahre 1911, 1925 und 1938 auftaucht. Im Adressbuch des Jahres 1938 ist dieser Name in folgenden 17 verschiedenen Häusern verzeichnet:

  1. Haus Nr.  1                                Heinrich ,                   Zimmermann
  2. Haus Nr.  9                               Hermann,                  Bauer und Auguste, Witwe
  3. Haus Nr. 20                              Richard,                     Landwirt
  4. Haus Nr. 23                               Paul,                          Maurer
  5. Haus Nr. 25                               Gustav,                     Bauer
  6. Haus Nr. 29                               Richard,                    Bauer
  7. Haus Nr. 38                               Gustav,                      Landwirt
  8. Haus Nr. 39                               Bernhard,                  Landwirt
  9. Haus Nr. 48                               Max,                           Bauer
  10. Haus Nr. 51                                Hermann,                  Arbeiter und Auguste, Rentnerin
  11. Haus Nr. 55                               Fritz,                           Maurer
  12. Haus Nr. 56                               Marie,                         Witwe
  13. Haus Nr. 57                               Robert,                       Bauer
  14. Haus Nr. 66                               Friedrich,                   Bauer
  15. Haus Nr. 70                               Alfred und Heinrich, Landwirte
  16. Haus Nr. 82                               Wilhelm,                     Landwirt  
  17. Haus Nr. 84                               Richard,                      Pächter 


Wegen der Häufigkeit dieses Familiennamens ließ sich Fritz Winkler dazu verleiten, im März 1952 im Schlesischen Gebirgsboten folgendes Gedicht zu veröffentlichen:

                                  Der Wegweiser von Trautliebersdorf

Do  koam  a  Moan  im  Dorfe  rei
da  wußte  weder  aus  nooch  ei,
a  troaf  ju  glei  ann  andern  Moan,
und  soat:  kinn  sie  merr  ne  a  Weg  jitzt  soahn,
zu  Puschma  Roberta  wiel  ich  hie,
iß  handelt  sich  im  a  Stücke  Vieh.
"Joa"  soat  da  andere,  tun  se  ock  ascht  a  wing  verschnaufa,
ich  wars  ihn  soan  sie  kinna  sich  nee  verlaufa.
Do  giehn  se  ascht  drei  Häuser  groade  aus,
dann  giehn  se  bei  Linda  Puschmanna  links  naus,
dann  giehn  se  rechts  nimm  und  kumma  bei  Koastoanie-Puschmanna  wieder  rimm.
Nochert  kumma  se  glei  zu  Puschmanna  oa  derr  Ecke,
iß  ies  a  kle  Haus  und  stieht  a  wing  eim  Drecke,
dann  kumma  se  bei  derr  Schule  verbei,
oaber  giehn  se  nee  etwa  schunn  bei  Schul-Puschmanna  nei,
nee,  nee  sie  müssa  wetter  giehn,
und  müssa  ascht  zu  Kinder-Puschmanna  hien,
do  sein  bestimmt  a  poar  sune  Ranga  hausa,
mit  dann  lon  se  sich  ock  nee  ei,
die  sacka  ihn  blos  richtig  ei,
dann  kumma  se  bei  am  klenn  Püschla   verbei,
aober  giehn  se  nee  etwa  schunn  bei  Püschla-Puschmanna  nei,
do  tun  se  sich  bei  a  letzta  Fichta
noch  Püschla-Puschmannas  Zaune  richta,
do  sahn  se  Ziega Puschmannas  Haus  oa  derr  Seite,
ma  richt  doas  schunn  vu  gruser  Weite,
und  wenn  se  dann  noch  drei  Häuser  wetter  giehn,
da  kumma  se  zu  Puschmanna  Roberta  hien,
do  giehn  se  nei  und  dermitt  sies  ock  wissa,
iech  Puschma  Hermoan  lo  a  schien  grissa.

Haus Nr. 61 - Schmiedemeister Wilhelm Krebs mit
 seiner Familie und einem Gesellen

Das Ehepaar Krebs (1. und 2. Person von rechts) zu Besuch bei der Familie Robert Puschmann jun. (Aufnahme: nach dem Krieg).

(Bild von Herrn Bernhard Puschmann, Niebüll)

Das folgende Bild zeigt einen Stein, der sich rechts neben dem Gerichtskretscham befindet.

Die Freiwillige Feuerwehr:

Die Freiwillige Feuerwehr wurde um 1900 gegründet.

Aus dem Alltag:

Trautliebersdorfer Landjugend, Tanz unter dem Maibaum.

Steinbrüche:

Die ergiebigen Kalk- und Sandsteinbrüche waren im gesamten Kreisgebiet bekannt. Zu erwähnen sind insbesondere der Herrnbruch und der Bruch des Lehngutes. Daneben gab es noch einen weiteren Steinbruch in dem zum Lehngut gehörenden Wald in der Nähe der Konradswaldauer Grenze, nebst einer Ziegelei. Fast jeder größere Besitzer hatte einen eigenen Kalkofen. Der Dittersbacher Bahnhof bei Waldenburg wurde zum größten Teil aus Trautliebersdorfer Steinmaterial hergestellt.

Nach Knie`s Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preußieschen Provinz Schlesien gab es im Jahr 1842 in Trautliebersdorf 12 Steinbrüche, in denen 39 Arbeiter beschäftigt waren.

Anzeige aus der Zeitung "Der Bote aus dem Riesengebirge",

Heft Nr. 55/1863.

Der Steinbruch

(Kartenausschnitt von Herrn Stephan Reuß)

Diesen Kartenausschnitt stellte Herr Hubert Jahn zur Verfügung.
Hier sind noch die alten Ortsnamen aufgeführt. Am 28.11.1929 erfolgte der Zusammenschluss der Orte Kratzbach und Leuthmannsdorf zur Gemeinde Erlendorf.
Die Umbenennung des Ortes Blasdorf bei Schömberg in Tannengrund wurde am 15.06.1936 vollzogen.