Dittersbach grüss. (Jurkowice)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:

-  Baumert, Doris: Mitteilungen über Wilhelm Patschovsky aus dem Staatsarchiv Jelenia Góra
Die Chronik der Feldmühle 1885 - 1935
-  Patschovsky, Wilhelm: Festschrift zur Feier des 700jährigen Bestehens der Stadt Lähn, Verlag
    Franz Beuchel (Lähn i. Schles.)
-  Patschovsky, Wilhelm: Führer durch das Riesen- und Isergebirge
Schlesischer Gebirgsbote
-  Zeitschrift "Der Wanderer im Riesengebirge" (Feburar 1926)

Im Rahmen einer Verwaltungsreform wurde am 1. Januar 1936 Dittersbach grüss. in die Stadt Liebau eingemeindet.

Der Ort liegt an beiden Seiten der Schwarzbach im anmutigen Liebauer Tal, nordwestlich vom Raben- und Überschargebirge. Erstmalig erwähnt wird der Ort 1292 unter dem Namen "Diterichisdorf". Bis 1810 war Dittersbach grüss. im Besitz des Klosters Grüssau. Die Kirchen beider Konfessionen und auch das Standesamt befanden sich in Liebau. An der örtlichen Schule unterrichtete über 32 Jahre lang Wilhelm Patschovsky, der nicht nur ein hervorragender Pädagoge, sondern auch ein ausgezeichneter Kenner der regionalen Geschichte war. In Dittersbach grüss. befand sich u. a. die bekannte Papierfabrik "Feldmühle", die am 27.08.1885 von Dr. Leo Gottstein gegründet worden war. 1925 zählte der Ort 1.098 Einwohner, davon waren nur 154 evangelisch.

Dittersbach grüss.  bei Liebau

Die Etrich-Taube beim Überlandflug Liebau- Oberaltstadt i. B. am 
24. August 1913 mit Pilot Friedrich und Herrn Igo Etrich als Beobachter.

Haus Nr. 32 - Der Dittersbacher Gerichtskretscham wechselte mehrfach den Besitzer. Um 1907 hieß der Wirt Stanislaus Cichorzewski. Später folgten Josef Gersch und ein Herr Schmidt. Dieser wurde von den Dittersbachern "Kohla-Guste-Wilhelm" genannt. Zwischen den Jahren 1911 und 1925 wurde der Kretscham an die Glashütte in Liebau verkauft, die ihn umbauen und aus den Räumen Wohnungen für die Glasarbeiter gestalten ließ.

Die katholische Volksschule:

An dieser Schule war Wilhelm Patschovsky 32 Jahre lang als Hauptlehrer tätig. Darüber hinaus war er Kantor und Schriftsteller.

Das Schulgebäude

Wilhelm Patschovsky
(23.01.1856 - 14.05.1927)

Bild des Geburtshauses von Wilhelm Patschovsky 
in Lähn

Auf den folgenden Foto ist das Kriegerdenkmal abgebildet.

Kirmesfeier 1919

Kirmesfeier 1921

Das folgende Bild zeigt die Feuerwehr vor dem Spritzenhaus.
Die freiwillige Feuerwehr Dittersbach grüss. wurde im Jahre 1899 gegründet.

Cellulosefabrik "Feldmühle"

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Gründer der Liebauer "Feldmühle" war Dr. Leo Gottstein. Am 26.05.1850 erblickte er in Breslau als Sohn des Kaufmannes Emanuel Gottstein und dessen Ehefrau Rose, geb. Behrend, das Licht der Welt. Nachdem er zuerst vergleichende Anatomie studiert hatte, wechselte er anschließend zum Chemiestudium und promovierte in diesem Fach in Straßburg. Als naher Verwandter des Papier-fabrikanten M. Behrend-Varzin, der den Patentstreit gegen einen der Miterfinder des Sulfitzell-stoffs, Alexander Mitscherlich, gewonnen hatte, beabsichtigte Gottstein die Gründung eines Zellstoffwerkes. Die Sulfitzellstoffherstellung faszinierte ihn, denn es gab damals überhaupt kaum etwas Zeitgemäßeres und Aussichtsreicheres als diesen Halbstoff für die Papierherstellung.

Er begab sich im Sommer 1885 in Schlesien auf die Suche nach Grund und Gründern für ein von ihm geplantes Zellstoffwerk. Den Grund fand er in Liebau. Es war eine uralte Mühle, "Feldmühle" genannt und sie stammte aus dem 13. Jahrhundert. Ursprünglich war sie die Stiftsmühle des Klosters Grüssau, anschließend diente sie lange Zeit als Mangelanlage für das Hauswebergewerbe der Gegend. In dem Gründungsbericht heißt es über die Feldmühle: "Nach vielseitigen, vorsichtig und sachverständig angestellten Erhebungen wurde das Grundstück genannt "Feldmühle", in Dittersbach (Grüssau) bei Liebau als geeignet zur Anlage der Fabrik befunden". Sehr schnell fanden sich auch Gründer in genügender Zahl und am 27. August 1885 wurde die "Schlesische Sulfit-Cellulose-Fabrik Feldmühle" Liebau mit einem Aktienkapital von 360.000 Mark gegründet. Die Gründungsverhandlung fand in Schmidts Hotel in Liebau statt. Dr. Leo Gottstein wurde zum alleinigen Direktor des Unternehmens bestellt und beteiligte sich mit 30.000 Mark an diesem Unternehmen.

Bereits 1891 wurde ein Zweigwerk in Cosel an der Oder erbaut. 1895 entstanden Papiermühlen in Liebau und in Cosel. Die Hauptverwaltung wurde damals nach Breslau verlegt. 1906 war das Unternehmen Mitbegründer der "Pommerschen Zellstoff-Aktiengesellschaft" bei Stettin und übernahm deren gesamtes Aktienkapital im Jahre 1910. Nunmehr nannte sich die Firma "Feldmühle, Papier- und Zellstoffwerke AG". Weitere Papiermühlen wurden errichtet (Odermünde, Dierfeldgarn GmbH Oberlangenbielau) oder aufgekauft (Pommersche Papierfabrik Hohenkrug).

Aus bescheidenen Anfängen hatte Dr. Leo Gottstein eines der bedeutendsten deutschen Unternehmen der Zellstoff- und Papierfabrikation geschaffen. Die Feldmühle zählte zeitweise zu den zehn größten Unternehmen Deutschlands. Nach dem Krieg befand sich der Firmensitz zunächst in Hillegossen bei Bielefeld, später in Düsseldorf. Im Laufe der Jahre änderten sich sowohl die Namen der Besitzer als auch die Firmennamen. Zum Schluss wurden aus der "Feldmühle Nobel AG", später die "Stora Feldmühle AG" und heute die '"Stora Enso Deutschland GmbH" mit Sitz in Düsseldorf, Feldmühleplatz. Der Straßenname erinnert noch an die Anfänge.

Verheiratet war Dr. Gottstein mit Hedwig Behrend, Tochter des Moritz Behrend, Gründer und Besitzer der Varziner Papierfabrik. Während der Ehe wurden vier Kinder geboren, zwei verstarben bereits sehr früh. Sohn Hans, geboren 1887, wurde 1913 Nachfolger seines Vaters und General-direktor der Feldmühle. Sohn Kurd, geboren 1894, war Vorstandsmitglied der Feldmühle. Dr. Leo Gottstein starb am 31.01.1922 in Weimar.

Zum Andenken an den Firmengründer stiftete die Feldmühle der Stadt Liebau ein Parkgelände, das nach Dr. Gottstein benannt wurde. Der Gottstein-Park lag an der Straße, die nach Buchwald führte.

Die alte Feldmühle in Dittersbach grüss. 1885

Dr. Leo Gottstein (26.05.1850 -31.01.1922)

Das Stammwerk der Cellulosefabrik "Feldmühle" in Dittersbach grüss.

Eine Papiermaschine im Stammwerk

Der Gottsteinpark

Der Gottsteinpark

Mechanische Weberei Franz Schubert "Säckla-Schubert"

Dittersbach grüss. Nr. 94

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Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 1872 durch August Schubert, Firmensitz war zuerst das "Klose-Haus" in Dittersbach grüss. Die Anfänge waren damals sehr schwer. August Schubert musste das zur Versorgung seiner Handweber benötigte Garn noch mit dem Handkarren aus Schweidnitz herbeiholen. Der Firmengründer starb sehr früh an einem unheilbaren Leiden. Seine Witwe führte den Betrieb mit großer Tatkraft weiter bis zum Eintritt ihres Sohnes Franz nach dessen Absolvierung der Webschule in Sorau.

Franz Schubert plante den Fortschritt, wie man es von einem vorausschauenden Unternehmer erwartet. Er führte den Übergang von der Hand- zur mechanischen Weberei durch, indem er einen seiner Webstühle mit einem Motarrad-Motor antrieb. Später wurde dann das Werk an der Liebau-Dittersbacher Grenze gebaut. Während seines Kriegsdienstes führte seine Ehefrau Martha bis zu seiner Rückkehr das Unternehmen weiter. Der Sohn Kurt sollte einmal die Nachfolge antreten. Für dieses Ziel absolvierte er das Textil-Technikum in Reutlingen. Leider führte eine schwere Erkran-kung im Jahre 1942 zu seinem plötzlichen Tode. Zwei Jahre darauf starb auch sein Vater Franz Schubert. Seine Witwe musste nun wiederum den Betrieb allein weiterführen, wurde aber unterstützt durch ein Team von langjährigen Mitarbeitern.

Was wurde nun in diesem Betrieb produziert? Die Firma Schubert durfte sich ja wirklich krisenfester Kunden rühmen. Es waren dies einmal die Deutsche Reichspost, für die sie die Postsäcke herstellte, gebrauchsfertig mit aufgedrucktem Stempel "Deutsche Reichspost", dann die Reichsbank und Münze Berlin, für deren Geldbeutel eine besondere Qualität erforderlich war. Sie wurden nahtlos auf Spezialmaschinen gewebt und in Heimarbeit gesäumt. Wegen dieser Säcke-herstellung wurde die Firma im Volksmund nur "Säckla Schubert" genannt. Mit diesem Produk-tionszweig erschöpfte sich jedoch keineswegs die Tätigkeit des Unternehmens. Große Aufträge wurden unter anderem nach Breslau durchgeführt. Dabei handelte es sich vor allem um Hand- und Geschirrtücher und Wattierstoffe für die Konfektion. Das Geschäft florierte. Noch vor dem Krieg musste angebaut werden. Mit dem Aufbau der Wehrmacht kamen große Staatsaufträge zur Herstellung von Drell und Köper herein. Es wurde zeitweise zwei- und dreischichtig gearbeitet. Die Zahl der Beschäftigten hielt sich bei 40 bis 45 Personen. Dazu kamen noch etwa 10 bis 15 Heimnäher.

Der Krieg brachte Veränderung. Ein Teil des Werkes musste für einen Rüstungsbetrieb frei-gemacht werden, der sich seine eigenen Leute und metallverarbeitenden Maschinen aus Berlin mitbrachte.

Im Jahr 1946 musste auch die Familie Schubert Abschied nehmen von ihrem mit großen Mühen aufgebautem Unternehmen.

Belegschaft der Firma Franz Schubert

Betriebsausflug der Belegschaft der Firma Franz Schubert im Jahre 1936