Vereine:

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:
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Chronik der Stadt Landeshut, Druck und Verlag:  Armin Werners Buchdruckerei Landeshut
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Schlesischer Gebirgsbote

In Landeshut bestand früher ein sehr reges Vereinsleben. Viele Vereine wurden im Laufe der Jahrzehnte gegründet.
Allein drei Schützenvereine konnte die Kreisstadt aufweisen:

  • "Das Vereinigte Bürger-Schützenkorps"
  • "Der Verein ehemaliger Jäger und Schützen"
  • "Der Karnöffel-Bürger-Unterstützungsverein"


Im Jahre 1802 wurde das alte Schießhaus errichtet und feierlich eingeweiht. 1931 erfolgte die Schließung und Umbau in ein HJ-Heim. An der Waldenburger Straße entstand der Neubau des Schützenhauses.

Dieses Haus wurde im Jahre 1931 geschlossen und später zum HJ-Heim umgebaut.

Das alte Schützenhaus, das 1931 zum HJ-Heim umgebaut wurde.

Der Saal im alten Schützenhaus

Das neue Schützenhaus an der Waldenburger Straße

Vor dem neuen Schützenhaus - Mitglieder der Schützengilde

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"Das Vereinigte Bürger-Schützenkorps"

Neu ins Leben gerufen wurde das Vereinigte Bürger-Schützenkorps im Jahre 1840. Das Schützen-Bataillon Landeshut bestand aus den Gilden Landeshut, Liebau, Schömberg und Rothenbach. Das letzte Bataillons-Schießen fand in Schömberg statt. König wurde Georg Trulley, Kornstraße. Früher war auch einmal der Gastwirt und Getreidekaufmann Josef Niepel aus Schömberg Bataillons-König. Der letzte Hauptmann des Bürger-Schützenkorps war der Juwelier Alfred Wehner sen., Kornstraße.

Der Schützenkönig Josef Kirsch (Wirt des Schützenhauses)

Der Schützenkönig wird in Begleitung des Stadtältesten Josef Brodkorb feierlich aus dem Rathaus geleitet.

Die Ehrengarde des "Vereinigten Bürgerschützenkorbs" ist angetreten

 (links: Hauptmann Juwelier Alfred Wehner sen.)

In Begleitung des Stadtältesten Josef Brodkorb wird der Schützenkönig feierlich durch die Stadt geleitet.

Der Karnöffel-Bürger-Unterstützungsverein

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Im Jahre 1846 wurde der "Karnöffel-Bürger-Unterstützungsverein" gegründet. Jedes Jahr in der ersten Woche des Monats Juli feierten die Landeshuter Einwohner mit dem Karnöffelverein ihr Karnöffelfest. Welche Bedeutung hat nun das Wort "Karnöffel"? Laut Duden ist "Karnöffel" oder auch älter "Karnüffel" ein altes Kartenspiel. Ob die erste Silbe "Karn" etwas mit Fleisch zu tun hat, ist nicht mehr festzustellen. Vielleicht war es einmal ein Spiel der Fleischer oder es diente den Landsknechten zur Ablenkung, vielleicht zur Niederschlagung fleischlicher Gelüste. Nach dem Sprach-Brockhaus war es ein beliebtes Kartenspiel der Lutherzeit und soll ein entstelltes lateinisches Lehnwort sein, nämlich von "Kardinalspiel" kommen. Der genaue Ursprung des Wortes ist aber unbekannt.

Der Karnöffelverein war ein Wohltätigkeitsverein. Die Überschüsse aus den Einnahmen des Festes wurden unter den bedürftigen Bürgern Landeshuts verteilt. Vereinsvorsitzender war der lang-jährige Stadtverordnetenvorsteher Kaufmann Hermann Aberle. Das Fest dauerte zwei Tage, Sonntag und Montag. Zu Beginn des Festes versammelten sich die Vereinsmitglieder im Gasthof "Zum Schwarzen Adler" an der Moltkestraße, um von dort aus durch die festlich geschmückten Straßen zum Festlokal "Zur Stadtbrauerei" am Brauhausplatz zu ziehen. Hier begann der eigentliche Trubel. Wer Karnöffelkönig werden wollte, der begab sich hinaus auf die Rinkelwiese und konnte seine Schießkünste beweisen. Mit der Armbrust wurde auf zwei große, hölzerne Adler geschossen, die auf 15 Meter hohen Stangen aufgestellt waren. Karnöffelkönig konnte nur derjenige werden, der die Krone von einem der beiden Adler abgeschossen hatte oder zumindest das Kreuz über der Krone. Die Proklamation des neuen Königs erfolgte jeweils am Montag. Es war ein feierlicher Augenblick, wenn Kaufmann Aberle dem neuen König die schwere Königskette um den Hals legte. Anschließend wurde er, begleitet von einer jubelnden Menge, durch die festlich geschmückten Straßen geleitet. Der Marsch endete vor dem Hotel "Zum Raben" am Markt. Dort beendete ein großer Festball im "Rabensaal" das traditionelle Landeshuter Karnöffelfest.

Postkarte vom Karnöffelfest

Eine Urkunde des Landeshuter Karnöffelvereins

Der Landeshuter Karnöffelverein in der Kirchstraße auf dem Weg zur Gnadenkirche (Aufnahme: 1909)

(Bild von Herrn Karl-Heinz Wehner)

Alfred Wehner sen. (1869 - 1947) als Schützenkönig 1939

(Bild von Herrn Karl-Heinz Wehner)

Der "Verein ehemaliger Jäger und Schützen"

Am 25. Juni 1905 fand die Fahnenweihe des "Vereins ehemaliger Jäger und Schützen" statt (siehe folgendes Bild).

Der Landeshuter Spar- und Bauverein:

Dieser Verein wurde im Mai 1905 gegründet und feierte 1925 sein zwanzigjähriges Bestehen. Dem Vorstand und Aufsichtsrat gehörten folgende Personen an: Heinzel, Wiedlarsch, Buchberger, Hofmann, Reuß, Schreiber, Opitz, Winkler, Mühlisch, Becker, Eckert, Kramer, Hollmann, Rummler, Klemm, Bettermann und Krause.

Der "Kutscher- und Haushälterverein":

Das folgende Bild zeigt den Festzug des Vereins durch die Bolkenhainer Straße im Jahre 1935. Vereinslokal war das "Deutsche Haus" in der Schömberger Straße.

Der Landeshuter Männerchor

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Im November 1914 wurde der Landeshuter Männerchor gegründet. Der Vorsitzende und Gründer war Konrektor Hugo Lamprecht. Zum 2. Vorsitzenden wurde Heinrich Lindner gewählt, der als Buchhalter bei der Fa. Rinkel beschäftigt war. Der Kantor der Gnadenkirche, Friedrich Fichtner, wurde erster Dirigent. Nach dem Tod des 2. Vorsitzenden trat an dessen Stelle der Baumeister Grabsch. Als völlig überraschend auf dem Wege zur Gesangsstunde Kantor Fichtner starb, war diese Stelle lange Zeit unbesetzt. Nachfolger wurde dann der Musiklehrer des Gymnasiums, Herr Dr. Friedrich Paesler.

Der Männerchor war im Laufe der Jahrzehnte für die Stadt, den Kreis, aber auch über den Kreis hinaus ein Begriff. Er war aus dem kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken. Er nahm an allen Kreis- und Deutschen Sängerfesten teil. Im Zuge der Gleichschaltung im Jahre 1933 wurde der Frauenchor dem Männerchor angegliedert und erhielt nun den Namen Landeshuter Männer- und Frauenchor. Als Konrektor Lamprecht aus Landeshut wegzog, wurde Baumeister Grabsch Vorsitzender und an Stelle von Herrn Dr. Paesler trat Herr Studienrat Krusch.

Vorsitzender und Gründer des Männerchores,

 Konrektor Hugo Lamprecht

Dirigent Kantor Friedrich Fichtner

Landeshuter Männerchor - I. Tenor
Hintere Reihe, von links: 1. Landa; 3. Tschirdewan; 4. Gärtner; 
5. Gärtner; 6. Hep(t)ner.
Vordere Reihe, von links: 2. Wehner; 4. Schulz; 5. Lange (Bierverleger).

Landeshuter Männerchor - II. Tenor
Hintere Reihe, von links: 1. Beier; 3. Eckert; 4. Prause; 5. Beier; 6. Büttner; 7. Putzki; 8. Hampshire.
Vordere Reihe, sitzend, von links: 1. Krause (Fleischer); 2. Kirsch; 
3. Lamp(b)recht; 4. Lindner,

Landeshuter Männerchor - I. Bass
Hintere Reihe, von links: 7. Hübner.
Mittlere Reihe, von links: 1. Münch; 2. Muschner; 3. Zahn; 4. Kühn;
 5. Gerber; 6. Kretschmer.
Untere Reihe, von links: 1. Beier; 2. Bergs; 3. Meisel; 4. Güttler; 5. Gerber; 6. Opitz (Gärtner).

Landeshuter Männerchor - II. Bass
Hintere Reihe, von links: 5. Gruner.
Untere Reihe, von links: 2. Riedel; 3. Hesse; 4. Grabsch.

Die Johannis-Loge zum innigen Verein am Riesengebirge

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Die Freimaurerloge "Zum innigen Verein am Riesengebirge" - Orient Landeshut - wurde nach der Stiftungsurkunde am 19. April 1820 gegründet. Die Versammlungsräume befanden sich zunächst im Hause Markt Nr. 19 im 1. Stockwerk. Das Haus war damals im Besitz der Kaufmannsfamilie Dorn, später erwarb der Kaufmann Paul Tschirner dieses Haus. Gegen Ende des 1. Weltkrieges kaufte die Freimauererloge das Patrizierhaus Markt Nr. 24. Unterhalb des Giebels befindet sich noch heute das Logen-Embleme "Winkelmaß und Zirkel".

Was bedeutet Freimaurer? Er ist bemüht, durch ernste Arbeit an sich selbst mit Hilfe und im Kreise gleichgesinnter Brüder den eigenen Menschen zu vervollkommnen und ihn zu einem brauchbaren Glied der Gesellschaft zu formen. Die Aufnahme in eine Loge stand allen unbescholtenen Männern nach Anhörung von beizubringenden Bürgern in geheimer Abstimmung offen.

Folgende Personen waren Gründungsmitglieder:

  • Dorn                                                                        verstorben  1825
  • Fiedler                                                                            "             1848
  • Flandorffer                                                                     "            1851
  • Ganser                                                                            "            1824
  • Gärtner                                                                           "            1830
  • Geyer                                                                              "            1840
  • von Happe                                                                     "            1828
  • Heller                                                                              "            1842
  • Herrmann                                                                      "             1851
  • Loge                                                                               "             1846
  • Meyer                                                                             "             1826
  • Pohl                                                                                "             1856
  • Freiherr von Schöning                                                  "             1826
  • Semper                                                                           "             1837
  • Welz                                                                                "             1823
  • Weyrauch                                                                       "             1826


Den Vorsitz führten die jeweiligen "Stuhlmeister"

  • Freiherr von Schöning                                                 1821 - 1822
  • Loge                                                                               1822 - 1842
  • Freiherr von Brandenstein                                          1842 -1852
  • Meister                                                                           1852 - 1862
  • Ottow                                                                             1862 - 1866
  • Meister                                                                           1866 - 1868
  • Ottow                                                                             1868 - 1875
  • Kayser                                                                            1875 - 1876
  • Reymann                                                                       1876 - 1879
  • Koehler, Dr., Geh. Sanitätsrat                                      1879 - 1917
  • Pohl, Rektor                                                                   1917 - 1923
  • Arndt, Fedor, Veterinärrat                                            1923 - 1926
  • Fisch, Stadtbaumeister                                                 1926 - 1929
  • seit 1929 Lehrer Willy Ludwig      


Der Geh. Sanitätsrat Dr. Reinhard Koehler (Stuhlmeister von 1879 - 1917) übte neben seiner großen Stadt- und Landarztpraxis auch noch die Tätigkeit des leitenden Arztes im Kreiskrankenhaus "Mariannenstift" aus. Während des 1. Weltkrieges war er Chefarzt des Landeshuter Reserve-lazaretts.   
Der Veterinärrat Fedor Arndt (Stuhlmeister von 1923 - 1926) war der Vater des bekannten Mediziners und Zoologen Prof. Dr. Dr. Walther Arndt.

Das Mitgliederverzeichnis enthält viele bekannte Namen aus Kreisen der Wirtschaft und der Akademiker - vor allem Ärzte und Apotheker -, von Kaufleuten, Lehrern, Beamten und Angestellten. Stellvertretend für viele aus dieser Liste sollen hier die Namen des Geh. Kommerzienrates Hermann Rinkel und des langjährigen Stadtverordnetenvorstehers Kaufmann Hermann Aberle genannt werden. Auch der Möbelfabrikant Walter Fuchs war Mitglied der Loge. 

Obwohl viele bedeutende Deutsche, Dichter und Denker, Fürsten und Staatsmänner Freimaurer waren und die Logen eine umfassende humanitäre Tätigkeit ausübten, wurden sie von der NSDAP bekämpft. Nach der Machtübernahme mussten sie sich dem Druck beugen und sich auflösen, so auch die Landeshuter Loge. Das Logengebäude wurde der Stadt übereignet und in die schönen Räumlichkeiten im 1. Stockwerk zog das Heimatmuseum ein. 

Heute befindet sich in diesem Haus das Niederschlesische Webereimuseum.       

Das Deckblatt des Mitgliederverzeichnisses

Markt Nr. 19 - Im 1. Stock dieses Hauses waren bis ca. 1918 die Versammlungsräume der Loge.

Markt Nr. 24 - Das Logenhaus

Heute befindet sich hier das Niederschlesische Webereimuseum

Unter dem Giebel befindet sich auch heute noch das Logen-Embleme "Winkelmaß und Zirkel".

Logenraum - Diele

Logenraum - Speisesaal

Das folgende Bild zeigt den früheren Speisesaal der Loge, der heute Teil des Museums ist.