Kirchen:

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:

  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia


In diesem Kapitel soll über drei Kirchen berichtet werden, die zu den bedeutendsten Sehens-würdigkeiten Schlesiens gehören. Es sind dies die Friedenskirchen in Jauer und Schweidnitz sowie die Kirche Wang in Krummhübel.


Die Friedenskirchen:

Im Westfälischen Frieden von 1648 musste Kaiser Ferdinand III. auf Drängen Schwedens seinen schlesischen protestantischen Untertanen nach der Zeit der Unterdrückung drei sogenannte Friedenskirchen zugestehen. Die Wahl der Standorte fiel auf die Städte Glogau ("Zur Krippen Christi" - 1652), Jauer ("Zum heiligen Geist" - 1655) und Schweidnitz ("Zur heiligen Dreifaltigkeit" - 1657). Von hier aus war die gottesdienstliche Versorgung eines flächenmäßig großen, überwiegend von Protestanten bewohnten Gebiets zu gewährleisten. 

Die kaiserliche Regierung stellte erschwerende Bedingungen beim Bau der Kirchen: nur Holz und Lehm durfte verwendet werden und die Bauzeit sollte ein Jahr nicht überschreiten. Man hoffte damit, dass sie nicht lange stehen würden. Auch waren Turm und Glocken verboten. Die Kosten musste die Gemeinde tragen. Die Altranstädter Konvention von 1707 brachte neben der Erlaubnis zum Bau von Gnadenkirchen auch die Erlaubnis, den drei Friedenskirchen Türme und Glocken hinzuzufügen.

Während die Friedenskirche in Glogau bereits nach 100 Jahren abbrannte, fiel der barocke Neubau des 18. Jahrhunderts "Zum Schifflein Christi" 1945 der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges zum Opfer.

Die beiden Friedenskirchen in Jauer und Schweidnitz sind zum Glück erhalten geblieben und stehen seit dem Jahre 2001 in der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.

Die Friedenskirche in Jauer:

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Am 26. September 1652 wurde der Erlass zur Errichtung der Kirche öffentlich verlesen und am gleichen Tag der Bauplatz vor dem Goldberger Tor gemäß der Weisung "Vor den Toren der Stadt" abgesteckt, auf dem am nächsten Tag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ein Dankgottesdienst abgehalten wurde. Am 24. April 1654 wurde der Grundstein gelegt, und es entstand in der vorgegebenen Zeit eine Fachwerkbasilika mit zwei Emporen in den Seitenschiffen und flacher Kassettendecke. Die Länge des Bauwerks beträgt 43,5 m, die Breite 14,1 m und die Höhe 16 m. Das Dach wurde mit Holzschindeln eingedeckt. Nach dem späteren Einbau von zwei weiteren Emporen fasste die Kirche 6.500 Besucher. Baumeister waren der Breslauer Festungsarchitekt Albrecht von Saebisch und der Jauersche Zimmermann Andreas Gamper. Am 30. September 1655 wurde die Kirche vollendet und am 4. Advent feierlich eingeweiht. Sie bekam den Namen "Zum heiligen Geist".

In den ersten und dritten Emporen befinden sich insgesamt etwa 26 Logen schlesischer Familien. Einige von ihnen wurden mit den Ansichten der Schlösser und Familiengüter verziert. Die Loge der Eheleute Schweinichen/Gersdorff zeigt z. B. die Schlösser Schweinhausburg und Sichow. Neben den Adligen besaßen auch die Ältesten der bedeutendsten Zünfte wie die der Schneider und Schuster eigene Logen. Die zwei mächtigsten Familien hatten eigene Logen auf beiden Seiten des Altars, links die Loge der von Schweinitz, rechts die der Grafen von Hochberg auf Schloss Fürstenstein.

Der Hauptaltar ist 9,2 m hoch und 5 m breit. Er wurde im Jahr 1672 von den Hochbergs gestiftet. Er ist das Werk des Schreinermeisters Michael Schneider aus Landeshut. Besonders schön ist auch die Barockkanzel von 1670. Es handelt sich um ein Werk des Bildhauers Mathias Knote aus Liegnitz. An der Nordseite des Hauptschiffs befindet sich eine Tür, die zur Sakristei führt. Dieser Raum wurde 1704 ausgebaut. ein Teil ist mit einem Holzgitter abgetrennt und wird als Taufkapelle benutzt. Hier befindet sich ein kleiner Altar, der 1715 von der Gräfin von Hochberg gestiftet wurde. Das Taufbecken stiftete die Familie von Schweinitz. Drei Beichtstühle aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und einer von 1708 stehen jetzt unter den Logen derer von Scheinitz und von Hochberg auf beiden Seiten des Hauptaltars.

Die Orgelgeschichte von Jauer geht bis 1664 zurück. Damals baute Johann Hoferichter aus Peterswaldau die erste Orgel für die Friedenskirche. Sie diente der Gemeinde fast 200 Jahre und wurde in dieser Zeit mehrmals repariert. Die heutige Orgel stammt von Adolf Alexander Lummert aus Breslau und wurde 1856 eingeweiht. Sie hatte ursprünglich 27 Register auf zwei Manualen und Pedal. 1899 fügte die Firma Heinrich Schlag aus Schweidnitz ein drittes Manual mit fünf Registern und pneumatischer Traktur hinzu. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen wesentliche Teile der Orgel verloren, und es gab nun in der Kirche keine Orgelmusik mehr. Noch einmal konnte das Hauptwerk der Orgel provisorisch instandgesetzt werden, doch war es schon bald nicht mehr spielbar.

Seit 1992 wurde die Wiederherstellung der Orgel in der ursprünglichen Form von 1856 durch den von Richthofenschen Familienverband betrieben. Mit zahllosen Aktivitäten und einem wachsenden Spenderkreis konnte die Finanzierung des ersten Bauabschnittes und die Startfinanzierung des zweiten gesichert werden. Als erster Bauabschnitt konnte 2002 im Rahmen der Aufnahme der Kirche in das UNESCO-Weltkulturerbe das restaurierte Hauptwerk in einem festlichen Gottesdienst mit der Weihe der Orgel wieder in Gebrauch genommen werden. Die Rekonstruktion und Restaurierung von Oberwerk und Pedal wurde 2005 durchgeführt. Der Abschluss wurde mit dem Fest zum 350. Geburtstag der Kirche gefeiert. Die Betreuung dieses zweiten Bauabschnittes hatte der Verein zur Erhaltung und Erforschung schlesischer Orgeln (VEESO) übernommen, der sich seit Jahren um die Restaurierung wertvoller alter schlesischer Orgeln kümmert. Die Rekonstruktion des II. Manuals wurde durch Mittel der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht.

Anlässlich dieser Gedenkfeier wurde eine dreisprachige Gedenktafel (polnisch-deutsch-englisch) an der Friedenskirche zur Erinnerung an den bis 1972 bestehenden evangelischen Friedhof enthüllt.

Im Jahre 1708 wurde der Glockenturm an der Südseite der Kirche auf massivem Grund im gleichen Fachwerkstil angebaut. Über der Tür des Turmeingangs konnte man auf einer Tafel folgende Inschrift lesen: "Die Erbauung dieser Evangelischen Kirche, eine Folge des Westphälischen Friedens, ward befohlen von Ferdinand IV. 1652, begonnen auf geweihtem Platze 1654, vollendet 1655". Diese Tafel hängt heute im Altarraum der Kirche auf der linken Seite.

Drei Glocken wurden angeschafft: die große Glocke hat ein Gewicht von 24 Zentnern. Auf ihr ist ein Leopoldstaler festgelötet und trägt eine lateinische Inschrift. Die mittlere Glocke wiegt über 10 Zentner, trägt eine Reihe von Namen und die Inschrift "Mich goß Christian Demminger in Liegnitz 1708". Die kleine Glocke von fast 6 1/2 Zentnern führt den kaiserlichen Doppeladler und eine Reihe von Namen. Auch diese Glocke, wie auch die große, stammt aus der Glockengießerei Demminger, Liegnitz.

Anlässlich der 350-Jahrfeier wurden die Glocken in der Spezialwerkstatt Lachenmeyer, Nördlingen, restauriert und im Rahmen eines ökumenischen Jubiläums-Festgottesdienstes am 11. September 2005 feierlich geweiht.

Quellen: 

  • Führer: Die Friedenskirche in Jauer
  • Schlesischer Gebirgsbote Nr. 10/2005
  • Wikipedia 

Die Friedenskirche "Zum heiligen Geist" in Jauer

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Die Friedenskirche "Zum heiligen Geist" - Blick in den Inenraum

(Aufnahme: vor dem Krieg)

250-Jahrfeier im Jahr 1905

 An der Feier nahm Kronprinz Wilhelm teil, der
 hier vor der Kirche von der Geistlichkeit empfangen wird.

350-Jahrfeier im Jahr 2005

Jubiläumsgottesdienst anlässlich der 350-Jahrfeier

Teilnehmer des Gottesdienstes waren u. a. Herr Karl-Heinz Wehner und Herr Hacke (von rechts).

Die Predigt hielt der leitende Bischof 
der evangelischen Kirche Polens, 
Bischof Janusz Jagucki Warschau.

Die Orgel

Die Taufkapelle

Der Beichtstuhl

Die Friedenskirche "Zum heiligen Geist" (Aufnahme: 2016)

(Bild von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim)

Die Friedenskirche - Innenraum (Aufnahme: 2016)

(Bild von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim)

Fortsetzung folgt: