Der Schömberger Markt:

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:
-
Schlesischer Gebirgsbote
- Wikipedia

Die folgende Karte des Schömberger Marktes stellte Herr Alois Wiener zur Verfügung.

Die historischen Wohnhäuser am Markt stammen aus dem 17. - 19. Jahrhundert. Die interessantesten Wohnhäuser mit den charakteristischen Bogengängen sind die sogenannten "Unterlauben". Zum Markt führen drei Straßen:

  1. Die Braunauer Straße - bekannt ist hier die Webersiedlung "12 Apostel".
  2. Die Landeshuter Straße - hier stand früher die Webersiedlung "die 7 Brüder".
  3. Die Trautenauer Straße


An den sogenannten "Oberlauben" führt zwischen zwei Häusern eine kleine Gasse, die Kirchgasse, zur katholischen Pfarrkirche.

Den Mittelpunkt des Marktes bildet ein Brunnen, vor dem das Denkmal des Hl. Nepomuk steht.

Wir beginnen den Rundgang an der rechten Seite des Marktes, gelangen dann zu den "Unterlauben", begeben uns anschließend zur linken Seite und beenden den Rundgang an den "Oberlauben".

Die rechte Seite:

Von links: Haus Nr. 29 - Tischlermeister Heinrich Letzel; 
Nr. 30 - Dentist Herbert Keller; Nr. 1 - das Rathaus; 
Nr. 2 - die Adler-Apotheke; Nr. 3 - die Drogerie 
und Nr. 4 - Grenzland-Druckerei Rock & Co.

Von links: Haus Nr. 29 - Tischlermeister Heinrich Letzel;

Nr. 30 - Dentist Herbert Keller; Nr. 1 - das Rathaus;

Nr. 2 - die Adler-Apotheke; Nr. 3 die Drogerie

und Nr. 4 - Grenzland-Druckerei Rock & Co.
(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim)

Hochzeit von Hildegard Korich und Werner Jahn am 27.12.1941

Das Brautpaar auf dem Weg zur Kirche
Im Hintergrund v. r. n. l.: Gasthof "Zum Schwarzen Roß"; Grenzland-Druckerei Rock & Co.;
Drogerie Wienschir; Adler-Apotheke und das Rathaus
(Bild von Herrn Hubert Jahn aus Datteln)

Häuser Nr. 28 - 30:

  1. Haus Nr. 28 - Dieses Haus war Eigentum des Bauern Oswald Wilke. Heute existiert leider nur noch eine Ruine von diesem Haus.
  2. Haus Nr. 29 - Dieses Haus gehörte dem Tischlermeister Heinrich Letzel.
  3. Haus Nr. 30 - In diesem Haus lebte und arbeitete der Dentist Herbert Keller.


Von links: Haus Nr. 28 - Bauer Oswald Wilke (heute Ruine); 

Haus Nr. 29 - Tischlermeister Heinrich Letzel;

Haus Nr. 30 - Dentist Herbert Keller

Von links: Haus Nr. 28 - das ehemalige Haus des Bauern Oswald Wilke (heute Ruine); Haus Nr. 29 - Tischlermeister Heinrich Letzel

(Bild von Herrn Jürgen Paul, Puchheim - Aufnahme: September 2019)

Haus Nr. 1 - Das Rathaus:

Im Gegensatz zu anderen schlesischen Städten bildet das Rathaus in Schömberg nicht den Mittel-punkt des Marktes, sondern es befindet sich an der rechten Seite. Errichtet wurde es im Jahre 1703 und 1820 erfolgte ein Umbau. Es war Amtssitz des jeweiligen Schömberger Bürgermeisters, der hier auch eine Wohnung hatte. Ferner war in diesem Haus eine Zweigstelle des Amtsgerichtes Landeshut untergebracht.

Bis Anfang 1920 befand sich im Erdgeschoss des Rathauses die Gaststätte "Der Ratskeller". Bekannte Gastwirtsnamen sind Alt und Kaschner.

Haus Nr. 1 - Das Rathaus

Das Treppenhaus im Rathaus

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim - 

Aufnahme: 2014)

Haus Nr. 1 - Das Rathaus heute

Haus Nr. 2 - Die Adler-Apotheke:

Eigentümer dieses Hauses war Alfred Wienschir, bzw. nach seinem Tod seine Erben.
Anfangs war die Apotheke eine Filiale der Stadtapotheke in Liebau. 1850 wurde sie von Gottfried Wilhelm Robert Brun geleitet. Um 1860 wurde sie als Vollapotheke ausgeschrieben und Heinrich Melzig erhielt die Konzession. Dessen Nachfolger war ab 1880 O. Querfurth, und von ihm erwarb sie 1884 Dr. Siegbert Reymann. Im Jahre 1891 verkaufte er die Apotheke an Antonius Jankiewicz. Nach seinem Tod ließ seine Witwe sie kurze Zeit verwalten, bis sie diese 1906 an Karl Pyrkosch verkaufte. Auf ihn folgte 1909 Fritz Meyer. Am 1. Mai 1914 übernahm Alfred Winschir die Meyersche Apotheke. Bereits vor seinem Tod im Jahre 1942 hatte er die Apotheke am 1. Januar 1939 an Alfred Franz verpachtet.

Haus Nr. 3 - Die Drogerie

Auch dieses Haus war im Besitz der Familie Wienschir.
Nach dem Adressbuch von 1925 wurde sie zu diesem Zeitpunkt von Erwin Buhl geführt.

Von links: Haus Nr. 2 - die Apotheke; Haus Nr. 3 - die Drogerie

Die Inneneinrichtung der Apotheke

Haus Nr. 4 - Grenzland-Druckerei Rock & Co.

Dieses wunderschöne Haus wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet. Sehenswert sind das Barockportal und die gotische Figur der Hl. Hedwig.
In diesem ehemaligen Stenzel-Haus befanden sich die Räumlichkeiten der Grenzland-Druckerei Rock & Co.

Haus Nr. 4 - Grenzland-Druckerei Rock & Co.
(Aufnahme: 1938)

Haus Nr. 4 - heute
(Bild von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim)

Im Hof des Hauses Nr. 4.

Die "Unterlauben"

Bis Mitte 1930 hatten die Häuser Nr. 10 - 13 noch flache Dächer, erst danach erhielten auch sie die wunderschönen Giebel. Die "Unterlauben" bildeten nach dem Umbau nun ein geschlossenes Bauensemble.

Von rechts: Haus Nr. 13 - Zigarrenhandlung Radler; 
Haus Nr. 12 - Stoffe und Bettfedern Dörffel; Haus Nr. 11 - Fleischerei Hoffmann; Haus Nr. 10 - Kurzwarengeschäft Thomas; 
Haus Nr. 9 - Gasthof "Stadt Berlin" und Fleischerei Pauer; 
Haus Nr. 8 - Buch- und Schreibwarenhandlung Häring; 
Haus Nr. 7 - Kolonialwarenhandlung Rudolf; Haus Nr. 6 - Schuhgeschäft Schubert; Haus Nr. 5 - Gasthof "Zum Schwarzen Roß" (Josef Niepel).

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Von rechts: Haus Nr. 14 - Hotel "Goldener Löwe" (Fritz Schubert); 
Haus Nr. 13 - Zigarrenhandlung Radler; Haus Nr. 12 - Stoffe und Bettfedern Dörffel; Haus Nr. 11 - Fleischerei Hoffmann; 
Haus Nr. 10 - Kurzwarengeschäft Thomas; Haus Nr. 9 - Gasthof "Stadt Berlin" und Fleischerei Pauer; Haus Nr. 8 - Buch- und Schreibwarenhandlung Häring; Haus Nr. 7 - Kolonialwarenhandlung Rudolf; Haus Nr. 6 - Schuhgeschäft Schubert 
und verdeckt Haus Nr. 5 - Gasthof "Zum Schwarzen Roß" (Josef Niepel).

(Bild von Herrn Arnold Wittwer, Bensheim)

Das folgende Bild zeigt die Rückseite der Unterlauben im Jahre 2014.
Das Foto wurde von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim zur Verfügung gestellt.

Haus Nr. 5 - Gasthof "Zum Schwarzen Roß":

Dieses Bürgerhaus stammt aus der klassizistischen Zeit. Langjähriger Eigentümer und Gastwirt war zunächst Wilhelm Kleinert. Später wurden die Eheleute Hedwig und Josef Niepel Eigentümer. 
Der Gasthof "Zum Schwarzen Roß" war Tagungslokal des katholischen Jugend-, Jungfrauen- und Gesellenvereins, der Feuerwehr, des Turnvereins sowie der Handwerksinnungen. Hier fanden auch die Bälle dieser Vereine statt.

Haus Nr. 5 - Gasthof "Zum Schwarzen Roß"

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Haus Nr. 5 - Eingang
(Bild von Herrn Arnold Wittwer)

Haus Nr. 5  - Gasthof "Zum Schwarzen Roß"

(Ausschnitt eines Bildes von Herrn Arnold Wittwer - Aufnahme: 2014)

Gasthof "Zum Schwarzen Roß"

(Karte von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim)

Gasthof "Zum Schwarzen Roß"

(Bild von Herrn Hubert Jahn aus Datteln)

Häuser Nr. 6 und 7:

  1. Haus Nr. 6 - Dieses Haus war bereits seit vielen Jahrzehnten im Besitz der Familie Schubert. Der Schuhmachermeister Heinrich Schubert führte hier ein Schuhgeschäft. 

       Das Wappen über der Eingangstür weist wohl auf das Baujahr dieses Hauses hin. Danach ist es
       ca. 1750 errichtet worden.

  1. Haus Nr. 7 - Eigentümer dieses Hauses war die Familie Rudolf, die hier eine Kolonial-warenhandlung betrieb.

Von links: Haus Nr. 6 - Schuhgeschäft Schubert; 

Haus Nr. 7 - Kolonialwarenhandlung Rudolf.

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Von links: Haus Nr. 6 - Schuhgeschäft Schubert;

Haus Nr. 7 - Kolonialwarenhandlung Rudolf.

(Ausschnitt eines Bildes von Herrn Arnold Wittwer - Aufnahme: 2014)

Haus Nr. 6 - Der steinerne Türbogen mit Wappen über der Eingangstür.

(Bild von Herrn Arnold Wittwer - Aufnahme: 2014)

Haus Nr. 6 - Eingang

(Bild von Herrn Arnold Wittwer - Aufnahme: 2014)

Haus Nr. 8 - Buch- und Schreibwarengeschäft Häring

Eigentümer dieses Hauses war nach dem Adressbuch von 1911 der Schuhmachermeister Adolf Schuleck. Nach seinem Tod übernahmen es seine Erben. Zwischen 1925 und 1938 wurde es von Hugo Häring erworben. In den Geschäftsräumen des Erdgeschosses eröffnete er ein Buch- und Schreibwarengeschäft.
Vor der Eröffnung dieses Geschäftes hatte Hugo Häring von der Familie Teichmann die Druckerei übernommen und die Zeitung "Das Schömberger Wochenblatt" herausgegeben. Aber trotz allen Handwerkerfleißes und unermüdlicher Tag- und Nacharbeit wurde er mit dieser Druckerei nicht glücklich, so dass er sich nun auf sein Buch- und Schreibwarengeschäft konzentrierte.

Haus Nr. 8 - Buch- und Schreibwarengeschäft Hugo Häring

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Haus Nr. 8 - Buch- und Schreibwarengeschäft Hugo Häring

(Ausschnitt eines Bildes von Herrn Jürgen Paul - 
Aufnahme: September 2019)

Haus Nr. 9 - Gasthof "Stadt Berlin" und Fleischerei Pauer:

Laut Adressbuch des Jahres 1911 gehörten sowohl der Gasthof als auch die Fleischerei der Frau Louise Jungnitsch. Sie hatte Gasthof und Fleischerei nach dem Tod ihres Ehemannes über-nommen. Spätestens im Jahre 1925 war das Haus im Besitz des Gastwirtes Hermann Letzel. Danach ging das Haus in den Besitz des Paul Pauer über.

Haus Nr. 9 - Gasthof "Stadt Berlin"

und Fleischerei Paul Pauer

(Aufnahme: vor dem Krieg)

Unter den Lauben vor dem Gasthof 

und der Fleischerei Paul Pauer

Haus Nr. 9 - Gasthof "Stadt Berlin"

und Fleischerei Paul Pauer

(Ausschnitt eines Bildes von Herrn Arnold Wittwer - Aufnahme: 2014)

Unterlauben - vor dem Gasthof "Stadt Berlin"

Erich Engler sen. an den Unterlauben (Aufnahme: 30.05.1936)

(Bild von Herrn Arnold Wittwer aus Bensheim)

Häuser Nr. 10 und 11:

  1. Haus Nr. 10 - Nach dem Adressbuch des Jahres 1911 betrieb der Eigentümer dieses Hauses, Herr August Vogt, hier eine Kolonial- und Spezereiwarenhandlung. Später erwarb das Haus  der Kolonialwarenhändler Felix Thomas.
  2. Haus Nr. 11 - Dieses Haus war im Besitz der Familie Baumert. Der Fleischermeister Ferdinand Baumert führte bis zu seinem Tod die Fleischerei. Später pachtete sie Josef Müller und danach Reinhold Hoffmann. Dieser erlernte das Fleischerhandwerk bei dem Fleischermeister Heinrich Springer (s. Markt Nr. 16) in den Jahren 1902 bis 1905. Am  11. Januar 1927 legte er die Meister-prüfung ab und machte sich mit der Eröffnung der Fleischerei in diesem Hause selbstständig. Seine Spezialität waren "Schömberger Würstchen". 

       

Haus Nr. 10 - Kolonialwarenhandlung August Vogt

(Aufnahme: um 1911)

Von rechts: Haus Nr. 10 - Kolonialwarenhandlung Felix Thomas, daneben Gasthof "Stadt Berlin"

(Aufnahme: um 1925)

Haus Nr. 11 - Fleischerei Baumert, später Müller und danach Hoffmann

Von links: Häuser Nr. 10 und 11
(Ausschnitt eines Bildes von Herrn Arnold Wittwer- Aufnahme 2014)

Haus Nr. 12:

Im Jahre 1882 erwarb Heinrich Wieland das Haus Nr. 12 von der Witwe des Fleischermeisters Paartsch für 8.100 Mark. Nachdem die baulichen Veränderungen am Grundstück keine Raumerweiterungen mehr zuließen, wurde 1895 das Geschäftshaus bis auf das Erdgeschoss abgebrochen und neu aufgebaut. Während dieser Baumaßnahmen wurde der älteste Sohn Fritz während eines schweren Gewitters vom Blitz getroffen und verunglückte tödlich. Seine Mutter, die diesen Schmerz nicht überwinden konnte, folgte dem Sohn ins Grab. Trotz dieser tragischen Familienereignisse arbeitete Heinrich Wieland aber weiter an der Fortentwicklung seines Unternehmens. Die Räumlichkeiten am Markt reichten bald nicht mehr aus, so dass er ein Grundstück an der Blasdorfer Str. erwarb. Hier wurde nun der große Webereibetrieb errichtet.

Das Haus Nr. 12 wurde zwischen 1925 und 1938 an Johanna Dörffel und Gertrud Hartmann veräußert. Willi Dörffel errichtete hier ein Geschäft für Stoffe und Bettfedern.

Haus Nr. 12 - (Aufnahme: vor dem Krieg)

Haus Nr. 12 - (Ausschnitt eines Bildes von Herrn Arnold Wittwer)

Haus Nr. 13:

Eigentümer dieses Hauses war nach dem Adressbuch des Jahres 1911 der Bürgermeister Emanuel Rieger. Nach seinem Tod erbte das Haus seine Witwe Ottilie Rieger.
In den Geschäftsräumen des Erdgeschosses betrieb zunächst Johannes Schremmer eine Zigarrenhandlung, ihm folgte Klara Radler.