Der Landeshuter Markt

(Verfasser: Hella Tegeler)

Schon im 16. Jahrhundert und zunehmend in den späteren Jahren war Landeshut als Handelsstadt und noch mehr als Herstellungsort für Leinwand aus selbstgewonnenem und selbstgesponnenem Flachs bekannt. Mit diesem Aufschwung verbreitete sich der Ruf seiner Kaufleute und Handelsherren. Der fortschreitende Handel vermehrte den Wohlstand vieler Bürger und schon in den ersten Jahrzehnten nach 1600 fand dieser seinen Ausdruck im Bau großer aus Hartsteinen ausgeführter Häuser. Aus dieser Zeit, sowie aus dem Ende des 17. und der Mitte des 18. Jahrhunderts, stehen in Landeshut mehrere dieser jetzt mehrstöckigen Kaufmannshäuser. Ihre künstlerischen Fassaden, ihre mit hohen Statuen oder Vasen geschmückten Giebel, die großen Dielen im Erdgeschoss in Tonnen- oder Kreuzgewölbebau, die breiten eichenen und hellen Treppen lassen auf den Wohlstand der Erbauer schließen. Die gewölbten Räume des Erdgeschosses dienten nur Handelszwecken, die oberen Stockwerke enthielten die großen Wohnräume für die Familie des Besitzers.

Die alten Landeshuter Häuser stammen in ihren Grundmauern größtenteils aus dem Mittelalter, sicher aber aus der Zeit der Renaissance. Die späteren Jahrhunderte haben im Allgemeinen nur Umbauten, unter Verwendung alter Bauteile, sowie Aufstockungen gebracht. Die jetzt vorhandenen Fassaden weisen auf den Anfang oder die Mitte des 18. Jahrhunderts hin. Der Landeshuter Markt wies in der Glanzzeit der Stadt an allen vier Seiten Lauben auf, später standen solche nur noch an der Nordwestseite. Im Jahre 1844 vernichtete ein großer Brand zahlreiche Häuser am Markt und die Lauben wurden dort nicht mehr aufgebaut.

Wie in vielen anderen schlesischen Städten stand auch in Landeshut urspünglich das Rathaus auf dem Ring, dem Marktplatz. Der Überlieferung nach wurde das 1. Rathaus im Jahre 1564 erbaut. Der Turm war ca. 42 Meter hoch. Bereits 1638 brannten sowohl das Gebäude als auch der Turm ab. Der Neubau erfolgte im Jahre 1660. Am 7. September 1831 stürzte der Rathausturm ein. Das Rathaus wurde 42 Jahre später wegen Baufälligkeit abgerissen. Heute erinnert eine Platte an den Standort dieses Rathauses.

Bis zum Neubau des Rathauses diente als Provisorium während der Zeit von 1873 bis Ende 1904 ein Gebäude an der Böhmischen Straße (später Langhansstr.)/Ecke Kirchgasse, welches der Familie Semper gehörte. Im Jahre 1904 erfolgte der Neubau des heutigen Rathauses am Obertor, in der Nähe des Marktes. Am 30.11.1904 konnte es feierlich eingeweiht werden.

Der Markt war der Mittelpunkt der Stadt Landeshut. In der Mitte stand das Stolberg-Denkmal, das die Stadt Landeshut zu Ehren des am 8. August 1872 verstorbenen Grafen Eberhard zu Stolberg-Wernigerode errichten ließ. Am 2. September 1879 wurde es feierlich enthüllt. Kaiser Wilhelm I. hatte am 20. Juni 1879 für dieses Denkmal die stolze Summe von 1000 Mark bewilligt. Graf Eberhard hatte sich zu Lebzeiten große Verdienste erworben. Neben seinem Amt als Landrat des Kreises Landeshut war er Vizepräsident des preußischen Herrenhauses und Oberpräsident der Provinz Schlesien. Darüber hinaus gehörte er gemeinsam mit dem Schweizer Henri Dunant zu den Mitbegründern des internationalen Roten Kreuzes und wurde dessen erster Vizepräsident. Um 1914 wurde das Denkmal abgetragen und für Kriegszwecke eingeschmolen. Danach befand sich an dieser Stelle eine Anlage mit Springbrunnen, Grünanlagen und Ruhebänken. Der rechteckige Platz wurde umrahmt von Bäumen. Es waren Kastanien- und Lindenbäume immer im Wechsel. Zwei große Gaslaternen sorgten für gute Beleuchtung. Bekannt waren die Markttage, der wöchentliche Markttag am Mittwoch, dann die Jahrmärkte: der Tippelmarkt und der Christbaummarkt mit Weihnachtsmarkt. 

Der Landeshuter Marktplatz um 1822 mit Rathaus und Rathausturm

Diese Platte erinnert an den Standort des 1. Rathauses

Das Stolberg-Denkmal

Der Marktplatz mit Springbrunnen, linke Seite von rechts. Haus Nr. 1 - 6, rechte Seite von rechts: Haus Nr. 32 - 33

Haus Nr. 1

Eigentümer dieses Hauses war Ende des 19. Jahrhunderts Familie Ulber. Julius Ulber betrieb hier eine Kolonial- und Gemischtwarenhandlung. Ein Zweiggeschäft befand sich am Obertor 1. Seine Tochter Käthe Ulber führte das väterliche Geschäft nach der Heirat mit August Mainka weiter. August Mainka war wohl einer der ersten Kaufleute, der in Landeshut Reformwaren anbot. Später befand sich in den Geschäftsräumen das Kaisers-Kaffee-Geschäft.

Haus Nr. 2:

Ursprünglich war dieses Haus im Besitz der Familie Stache. Im Jahre 1863 errichtete Rudolf Stache hier ein Konfektionsgeschäft für Herrenmoden, das später von seiner Ehefrau Auguste weiter geführt wurde. Dieses Geschäft wurde am 1. März 1904 von dem Kaufmann Carl Schrom übernommen, der es bis zu seinem Tode im Jahre 1922 unter Mitarbeit seiner Ehefrau führte. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe Margarete Schrom das Geschäft und führte es mit Unterstützung ihrer Tochter, Frau Charlotte Kuboschok und deren Mann sowie ihres Sohnes Werner und dessen Ehefrau weiter. Das Geschäft entwickelte sich in dieser Zeit zu einem angesehenen, bedeutenden Textil- und Modewarenhaus, das einen guten Ruf im Kreise Landeshut hatte. Die Familie Schrom erlitt während des 2. Weltkrieges harte Schicksalsschläge. Im Jahre 1941 starb der Schwiegersohn von Frau Schrom, Herr Kuboschok, und im Oktober 1944 fiel der Sohn Werner in West-Frankreich.

Nach der Vertreibung wagten Margarete Schrom und ihre Tochter Charlotte, verh. Kuboschok, einen bescheidenen Neuanfang. In Olsheim im Kreise Gandersheim eröffneten sie ein kleines Stuben-Textilwarengeschäft. Die Tatkraft wurde bald belohnt, indem sich die Gelegenheit bot, ein Textilwarengeschäft in Bad Gandersheim zu übernehmen, das Frau Schrom mit ihrer Tochter am 1. September 1950 eröffnete. Im Laufe der Jahre entwickelte es sich zu einem sehr florierenden Geschäft.

Haus Nr. 3:

Eigentümer dieses Hauses war seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts die jüdische Familie Cohn, die im Jahre 1822 eine Destillation gründete. Sie wurde später von David Cohn (1803 - 22.03.1885) übernommen. Verheiratet war er mit Dorothea Doktor (1809 - 29.08.1854). Während der Ehe wurden in Landeshut 8 Kinder geboren, von denen 3 Kinder bereits im Säuglingsalter verstarben. Die anderen 5 Kinder zogen in andere Städte, bzw. wanderten nach Amerika aus. In den Adressbüchern der Jahre 1911, 1925 und 1938 ist der Name Cohn nicht mehr verzeichnet.

Nachfolger von David Cohn wurde Alfred Dobschützer, geb. am 03.03.1871 in Militsch. Anfangs nannte er sich noch Dobrzycer, daraus wurde später Dobschützer. Wann die Familie Dobschützer nach Landeshut kam, ist nicht bekannt. Verheiratet war er mit Margarete Engel, die am 16.06.1876 in Lüben geboren wurde. Aus dieser Verbindung stammen 2 Töchter:
1. Käthe Wally Dobschützer                           * 09.04.1899 in Landeshut
   Sie heiratete am 26.07.1931 in Landeshut Max Rothmann, der am 04.08.1888 in Bartschin 
   geboren wurde. Während der Ehe wurde Tochter Laura geboren.
2. Frieda Else Dobschützer                            * 04.11.1900 in Landeshut, verheiratete Marcus

Nach der Heirat seiner ältesten Tochter Käthe führte Alfred Dobschützer die Destille gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Max Rothmann weiter.  In der Landeshuter Synagogengemeinde wirkte Alfred Dobschützer sehr aktiv mit. Viele Jahre war er deren Vorsitzender.
Die Eheleute Alfred und Margarete Dobschützer zählen wie auch ihre Tochter Frieda Else zu den Opfern des Holocaust. Das Ehepaar wurde gemeinsam am 27.07.1942 nach Theresienstadt und am 23.09.1942 nach Treblinka deportiert. Tochter Frieda Else wurde am 04.03.1943 nach Auschwitz deportiert. Der Familie ihrer ältesten Tochter Käthe Rothmann gelang die Auswanderung nach Amerika.
Die Geschäftsräume der Familien Dobschützer/Rothmann wurden später von der Firma Runge übernommen - Herrenkonfektion aus Görlitz.

Haus Nr. 4:

Dieses Haus war um 1900 im Besitz der Familie des August Artelt. Weithin sichtbar war der Name des Eigentümers oben am Giebel des Hauses angebracht. 1911 wohnten noch Hedwig und Ida Artelt hier. Sie werden im Adressbuch als Privatiere bezeichnet. Hedwig Artelt wird auch noch in den Adressbüchern von 1925 und 1938 aufgeführt.
Um 1911 war in den Geschäftsräumen des Erdgeschosses noch der Consum-Verein untergebracht. Vermutlich vor dem Jahre 1925 wurde Alfred Vogt der Eigentümer. Die Familie Vogt lebte vorher Schömberger Straße 35 in Landeshut. Alfred Vogt betrieb ein Elektrogeschäft mit Installationswerkstatt. Die 1. Etage des Hauses bewohnte das Ehepaar Vogt mit den Töchtern Edith und Dora. Außerdem wohnten in dem Haus noch einige Mieter.

Haus Nr. 3 - Destillation Alfred Dobschützer

Haus Nr. 4 - Elektrogeschäft Alfred Vogt

Haus Nr. 5:

Laut Adressbuch von 1895 war in diesem Haus im Erdgeschoss das Kolonialwarengeschäft C. F. Hiersemenzel untergebracht. Desweiteren befanden sich hier die Färberei und Appreturanstalt Carl & Georg Hiersemenzel. Auf einer alten Ansichtskarte mit dem Poststempel vom 18. Mai 1905 deutlich zu erkennen (s. unten). Später ging das Haus in das Eigentum der Familie Hollstein über. Wann dies geschah, ließ sich nicht ermitteln. Laut Adressbuch des Jahres 1911 war die Witwe Selma Hollstein aber zu diesem Zeitpunkt Eigentümerin. Wahrscheinlich ließ die Familie Hollstein das Haus auch umbauen und um eine Etage erhöhen. Sie betrieb hier eine Drogeriehandlung. Später gehörte das Haus Fritz Klapper, der die Drogeriehandlung übernahm. Das Ehepaar Klapper hatte 3 Kinder, Sohn Gerhard und die Töchter Ingeborg und Mia.

Haus Nr. 6:

Dieses Haus gehörte der Familie des Schneidermeisters Birke. Von seinem verstorbenen Vater Eduard hatte Herbert Birke das Konfektionsgeschäft für Herren- und Knabenmoden sowie Damenbekleidung übernommen. Die Geschäftsräume befanden sich im Erdgeschoss. Angegliedert war eine Werkstatt für Maß- und Änderungsschneiderei. Bis zur Vertreibung war das Haus im Familienbesitz. Das Ehepaar Birke hatte 3 Kinder: Erna, Gerhard und Käthe. Der Sohn gilt seit dem 2. Weltkrieg als vermisst.
Bis 1928 wohnte als Mieter auch Oskar Schubert mit seiner Mutter in diesem Haus. Danach erwarb er Lademannstr. 10 ein eigenes Haus. Er besaß eine Schürzenfabrik. Auch der Kinobesitzer Oswald Böhle bewohnte mit seiner Ehefrau bis ca. 1925 eine Wohnung in den oberen Etagen.

Haus Nr. 5 - Kolonialwarengeschäft Hiersemenzel, später Drogerie Hollstein, danach Klapper (Ansicht von 1905)

Vor der Drogerie Hollstein/Klapper

Häuser Nr. 5 und 6 - Drogerie Hollstein/Klapper und Konfektionsgeschäft Birke

Häuser Nr. 1 - 6 (von links)

Haus Nr. 7:

Die Geschichte dieses Hauses wurde von dem Eigentümer Kaufmann Hugo Salisch in dem Heimatbuch des Kreises Landeshut aus dem Jahre 1929 wie folgt eindrucksvoll beschrieben:
"Dieses Haus wurde 1616 erbaut und im Jahre 1731 renoviert. In den am Treppenaufgang eingefügten zwei Werkstücken der im Tonnengewölbe erbauten Erdgeschossdiele sind diese Bauzeiten in den verschiedenen Schriftzeichen der beiden Jahrhunderte eingemeißelt. Auch die Treppenaufgänge und die Diele sowie einzelne Räume des ersten Stockwerkes sind in Tonnengewölbebau errichtet. Ein früherer Vorbesitzer, der Kaufherr Carl Gottlob Otto, erhielt beim Kauf des Grundstückes im Jahre 1759 von dem Kauf- und Handelsherrn H. Theodor Katzler in Hirschberg sub Curatore mariti seiner aus Landeshut stammenden Ehefrau als Erbin ihrer Großmutter mehrere alte Kaufbriefe ausgehändigt, unter anderem eine Kaufurkunde vom Jahre 1661. Der Baustil des wohl ältesten Privathauses der Stadt, dessen Giebel mit hohen Vasen und Säulen verziert ist und dessen Fassade der jetzige Besitzer (Anm. Hugo Salisch) im Jahre 1925 in dem früheren Renaissance-Stil wiederherstellen ließ, erfreut jeden Altertumsfreund, ebenso das Tonnengewölbe der Erdgeschossdiele. Während des Bayrischen Erbfolgekrieges 1778 fanden in diesem Hause Einquartierungen statt. Von dem wiederholt genannten ehemaligen Vorbesitzer Carl Gottlob Otto, welcher der Stadt und der evangelischen Kirche und Schule viele Vermächtnisse hinterlassen hat, kam dieses Haus im Erbgange an die Familie Semper, welche wohl die älteste der hier genannten Familien gewesen ist und auf einen 400jährigen Stammbaum in Landeshut zurückblicken kann."

Die Familie Semper hat viele bekannte Persönlichkeiten hervorgebracht, u. a. den bekannten Architekt Dr. Gottfried Semper, Erbauer der nach ihm benannten Semperoper in Dresden, oder auch den Forscher Carl Gottfried Semper, Professor der Zoologie.

Später gelangte das Haus Nr. 7 in das Eigentum des Leinenfabrikanten Hugo Salisch (1856 - 1934). Er war der jüngere Bruder des Likörfabrikanten Jacob Salisch, Wilhelmstraße 15. Hugo Salisch besaß in Landeshut eine Mechanische Leinenweberei, die nach seinem Tod nicht von der Familie weitergeführt wurde. Das Haus erwarb der Fleischermeister Rottke.
Im Erdgeschoss befand sich das Geschäft des Leo Stanietz, Vater des überaus bekannten Schriftstellers Walter Stanietz. Walter Stanietz wurde am 31.08.1907 in Kattowitz geboren. Während Walters Schulzeit zog die Familie Stanietz von Kattowitz nach Landeshut, wo Leo Stanietz in diesem Hause sein Geschäft für Damen-Kleiderstoffe, Leinen- und Baumwollwaren, Gardinen, Trikotagen und Strümpfe eröffnete. Nach 1938 verlegte Leo Stanietz sein Geschäft in das Haus Markt Nr. 14. Die frei gewordenen Geschäftsräume übernahm der Gemüsehändler Glatzel.

Haus Nr. 7

Haus Nr. 8:

Dieses Haus wurde im Jahre 1734 von dem damaligen Bäckermeister Ernst Ehrenfried Siegmund erbaut. Es zeichnete sich durch eine künstlerisch reiche Fassade aus und war über zweihundert Jahre in Familienbesitz. Anfang 1900 waren die Erben des Bäckermeisters Junghans Eigentümer dieses Hauses. Nach dem Adressbuch des Jahres 1911 wohnte seine Witwe Pauline zu diesem Zeitpunkt noch in diesem Haus. Später gehörte das Haus Frau Hesse.
Im Erdgeschoss des Hauses befand sich die Bäckerei des Bäckermeisters Julius Müller. Der älteste Sohn Karl Müller führte nach dem Ausscheiden seines Vaters den Betrieb gemeinsam mit seiner Ehefrau Kläre weiter. Die Wohnung in der zweiten Etage des Hauses bewohnte der Holzhändler Adolf Hasl mit seiner Familie.

Haus Nr. 8 mit Bäckerei Julius Müller
(Chec, Jozef: Landeshut in Schlesien mit der Umgebung auf den Ansichtskarten vom 19. und 20. Jahrhundert)

Haus Nr. 9:

Dieses Haus war bereits Ende des 19. Jahrhunderts Eigentum des Fahrradhändlers Paul Reiß. Nach seinem Tod führte seine Witwe Anna das Geschäft gemeinsam mit ihren Söhnen weiter. Neben Fahrrädern konnten man hier auch Nähmaschinen erwerben. Angeschlossen war ein Reparatur-werkstatt. 
Um 1900 betrieb Louis Sittenfeld im Erdgeschoss ein Mode- und Konfektionsgeschäft. Er war der Gründer des Modegeschäftes Sittenfeld-Seiler, das später am Markt 33 angesiedelt war. Louis Sittenfeld wurde am 05.06.1857 geboren und war mit Clara Engel verheiratet. Er verstarb am 23.03.1922 in Landeshut.

Haus Nr. 10:

Auch dieses Haus war Eigentum der Familie Reiß. Die beiden Häuser 9 und 10 konnte man auch als Doppelhaus bezeichnen.
Nach dem Adressbuch von 1911 war im Erdgeschoss die Zigarren- und Tabakwarenhandlung A. Raschke Nachf. Inhaber Reinhold Haacke untergebracht. Später erwarb Reinhold Haacke das Haus Markt Nr. 31 und eröffnete dort das Zigarren- und Tabakwarengeschäft. In der 1. Etage des Hauses betrieb der Blattbuchbindermeister Julius Panke sein seltenes Handwerk.

In der Mitte des Bildes - Ladengeschäft von Louis Sittenfeld

Doppelhaus Nr. 9 und 10

Doppelhaus Nr. 9 und 10

Links: Paul Reiss um 1910

Haus Nr. 11:

Dieses Haus gehörte um 1900 dem Klempnermeister Otto Fuhrmann und blieb auch nach seinem Tod - nach 1925 - bis zur Vertreibung Eigentum der Familie. Im Erdgeschoss befand sich um 1911 das Wäschegeschäft des Gustav Knüppel. Später eröffnete in diesen Geschäftsräumen der Kaufmann Otto Hübner ein Lebensmittelgeschäft. Er war der Schwiegersohn der Hausbesitzer Fuhrmann, Sohn des Kaufmanns Hübner (Kirchstr.) und Schwager des Juweliers Wehner jun. (Kornstr.). Ein Teil des Ladens wurde noch als Geschäft für Eisenwaren genutzt.
Dieses Haus ist heute nicht mehr vorhanden.

Nach der Vertreibung kam die Familie Hübner nach Marschacht/Elbe. Otto Hübner erwarb im Jahre 1953 ein Haus in Marschacht und eröffnete dort 1954 einen "Edeka-Laden". Er bot seinem Schwager Alfred Wehner jun. an, in diesem Haus neben seinem Laden ein Juweliergeschäft zu eröffnen. So konnten nun beide Familien wieder einen Neuanfang starten.

Haus Nr. 11

Das Geschäftshaus in Marschacht/Elbe: rechts das Schaufenster des Juweliergeschäftes Wehner - Personen 1. Reihe von rechts: Kaufmann Otto Hübner, ein Nachbar, Schwiegermutter Frau Fuhrmann, Herr Trulley (fr. Geschäft Kornstr.), Margarete Wehner, 2. Reihe von rechts: Alfred Wehner, 3. Person Frau Trulley, links Frau Heilmann, ganz hinten Ernst Heilmann (fr. Kirchstr.)
(Dieses Bild wurde mir persönlich zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz Wehner)

Haus Nr. 12:

Der Fleischermeister Friedrich Glaeser eröffnete am 1. Oktober 1860 in seinem Elternhaus, Markt Nr. 12, ein Fleischerfachgeschäft. Bereits seit 1713 befand sich dieses Haus in Glaeser`schem Eigentum. Über der Haustür stand die Inschrift "Anno Domini 1713". Dreißig Jahre später übergab er den Betrieb seinem Sohn, dem Fleischermeister Hermann Glaeser, der mit Pauline Reich verheiratet war. Dieser war am 5. Januar 1860 im väterlichen Haus geboren worden. Nach der Volksschule und einem dreijährigen Besuch der städtischen Oberrealschule erlernte er bei seinem Vater das Fleischerhandwerk und schloss die Ausbildung mit der Meisterprüfung erfolgreich ab. Auf der Schule sagte er einmal zu seinem neben ihm sitzenden Schulkameraden Bernhard Nocht: "Bernhard`l, werd` Du Professor, ich werd` Meester". Tatsächlich wurde Bernhard Nocht später Professor und Gründer sowie Leiter des in der ganzen Welt bekannten Hamburger Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten. Hermann Glaesers Schwester Clara war mit Franz Iwan verheiratet, Eltern des bekannten Landeshuter Malers und Grafikers Friedrich Iwan.

Aus gesundheitlichen Gründen musste sich Hermann Glaeser am 1. August 1933 aus dem Betrieb zurückziehen und die Fleischerei seinem Sohn Karl übergeben. Hermann Glaeser starb bereits ein Jahr später, am 10. Dezember 1934. Karl Glaeser war am 24. März 1899 im väterlichen Haus geboren worden. Nach der Schulausbildung hatte er zunächst bei dem Konditormeister Teichmann in Liebau das Handwerk eines Konditors erlernt, um jedoch später auch noch das Fleischerhandwerk zu erlernen. Von 1935 bis 1939 war er stellvertretender Obermeister der Landeshuter Fleischerinnung. Gemeinsam mit seiner verwitweten Schwester Klara Hrabowsky führte Karl Glaeser die Fleischerei ganz im Sinne des verstorbenen Vaters weiter.

Aber auch die Familie Glaeser musste Landeshut verlassen. Karl Glaeser kam in russische Gefangenschaft und wurde 1948 zu seiner inzwischen in einem kleinen Dorf in Bayern lebenden Familie entlassen. Hier bot sich jedoch keine Möglichkeit zu einer Existenzgründung. Die Familie Glaeser entschloss sich daher, nach Amerika auszuwandern. Karl Glaeser hatte bereits Mitte der zwanziger Jahre einige Jahre in den Staaten gelebt. Portland im Staate Oregon wurde die neue Heimat der Familie. Karl Glaeser fand eine Anstellung als Werkmeister in einer Wurstfabrik. Er verstarb am 5. November 1977.
Ebenso wie das Haus Nr. 11 ist auch das Haus Nr. 12 heute nicht mehr vorhanden.

Haus Nr. 12 - Fleischerei Glaeser

Familie Glaeser in Portland

Haus Nr. 13:

Nach einer alten Ansichtskarte aus dem Jahr 1879 nannte sich das Hotel zu diesem Zeitpunkt "Rössler`s Hotel zum Raben". Es ist daher anzunehmen, dass der damalige Eigentümer Rössler hieß. Laut Adressbuch des Jahres 1911 gehörte das Hotel "Zum Raben" zu diesem Zeitpunkt Paul Reibetanz. 
Der spätere Eigentümer war Kurt Kaufmann, der dieses Hotel ca. 1920 käuflich erwarb. Die Familie Kaufmann lebte bis zu diesem Zeitpunkt in Warthelager, Provinz Posen. Nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920 wurde der größte Teil der Provinz Posen an den neu gegrün-deten polnischen Staat abgegeben. Die Familie zog daher nach Landeshut und erwarb hier das Hotel "Zum Raben". In diesem Hotel fanden oft die Vergnügungen der Landeshuter Vereine statt. Im großen Saal des Hotels, der sich in der 1. Etage befand, bot der Tanzlehrer Geyer aus Walden-burg Tanzstunden an. Zum Hotel gehörte auch im Hof die "Kutscherstube", die vom Wirt Julius Pestinger betrieben wurde.
Das Ehepaar Kaufmann hatte 1 Tochter und 2 Söhne. Der jüngere Sohn Hans starb bereits im Jahr 1945. Der ältere Sohn heiratete eine Grimmig-Tochter aus der Stadtbrauerei und betrieb dann den Ratskeller. Nach Kurt Kaufmanns Tod wurde das Hotel ca. 1943 verkauft. Frau Kaufmann behielt aber ein lebenslängliches Wohnrecht. Sie verstarb noch in Landeshut.

Paul Reibetanz mit Tochter Lotte vor dem Hoteleingang

Haus Nr. 13 - Hotel "Zum Raben"

Haus Nr. 14:

Um 1890 gehörte das Hotel "Drei Berge" der Familie Seidemann (Gertrud und Marg. Seidemann). Später erwarb Paul Reichstein das Hotel, ihm folgte die Familie Schulz. Neben dem Hoteleingang befand sich die "Altdeutsche Bierhalle", die spätere Kutscherstube des Gustav Schenke.
Um 1938 wurde das Hotel geschlossen und zu Geschäftsräumen ausgebaut. Leo Stanietz und Frau verlegten ihr Ladenlokal von Markt Nr. 7 hierher. Außerdem war im gleichen Haus auch noch der Damen- und Herren-Frisier-Salon des Paul Jäckel.

Haus Nr. 14 - Hotel "Drei Berge"

Frisiersalon Jäckel in den Räumen der früheren "Kutscherstube" im früheren "Hotel Drei Berge"

Haus Nr. 15:

Die Familie Oskar und Hedwig Lindau mit den Söhnen Paul und Arthur lebte bis ca. 1909 in Hirschberg. In der Stricker- od. Weißgerberlaube Nr. 43 betrieb der Konditormeister Oskar Lindau eine Konditorei. Um 1909 zog die Familie nach Landeshut. Am Markt Nr. 15 eröffnete Oskar Lindau die über die Stadtgrenze hinaus bekannte Konditorei mit einem Cafe. Sohn Paul war ebenfalls Konditormeister und führte den Betrieb nach dem Ausscheiden des Vaters weiter. Sohn Arthur eröffnete im Jahr 1934 das Modehaus Lindau, Wilhelmstraße 5. Die Eheleute Paul Lindau und Frieda, geb. Gaffke, hatten zwei Söhne, Heinz und Werner. Heinz führte die Familientradition fort und erlernte ebenfalls das Bäcker- und Konditorhandwerk. Im Jahr 1944 ist er in Stalingrad gefallen. Werner Lindau lebte später in Hamburg und starb 1958.

Haus Nr. 15 - Konditorei Lindau

Haus Nr. 16:

Laut Adressbuch des Jahres 1911 gehörte dieses Haus zu diesem Zeitpunkt dem Glasermeister Gustav Kühnel. Nach seinem Tod wurde es wohl an den Dentist Georg Dormann verkauft, da er 1925 bereits als Eigentümer geführt wird. Die Witwe Berta Kühnel lebte aber weiter in diesem Haus. Die Praxisräume und die Wohnung des Herrn Dormann befanden sich in der 1. Etage des Hauses. Im Erdgeschoss war der Frisiersalon der Familie Willi Hoffmann.

Haus Nr. 17:

Eigentümer dieses Hauses war 1911 der Kaufmann Uhlig aus Radeberg in Sachsen. Später erwarb es die Familie Rose, die im Erdgeschoss ein Obst- und Gemüsegeschäft betrieb. Der letzte Eigentümer vor der Vertreibung war, soweit bekannt, die Familie Tansinne. Der Obst-und Gemüsehandel wurde auch von der Familie Tansinne weiter geführt, danach von der Familie Glatzel.

Haus Nr. 18:

Dieses Haus gehörte der Familie Gaffke. Franz Gaffke betrieb in den Geschäftsräumen des Erdgeschosses eine große Eisenhandlung. Neben den üblichen Artikeln wurden auch Haus- und Küchengeräte angeboten. Nach dem Adressbuch von 1911 befand sich zu diesem Zeitpunkt auch die Lederhandlung Paul Krinke in diesem Haus, die ihren Sitz später in das Haus Nr. 24 verlegte. Sohn Oskar Gaffke übernahm später das elterliche Geschäft.
Neben der Familie Gaffke wohnten auch Mieter in dem Haus.

Haus Nr. 18 - Eisenhandlung Gaffke

Haus Nr. 19:

Die genaue Bauzeit dieses Hauses ist nicht bekannt. Nach urkundlichen Quellen ging es im Jahre 1743 im Erbgang auf Ernst Siegmund von Kluge über, Mitinhaber der damaligen Leinenfirma Christian von Kluge Witwe u. Sohn. Der folgende Eigentümer war ab 1767 Ernst Gottfried Otto und 1816 erbte dessen Verwandter Gustav Ferdinand Ludwig Dorn aus Mühlheim im Breisgau das Haus. Dieser war im Jahre 1800 nach Landeshut gezogen. Im Besitz dieser Familie blieb es bis 1919. Beim Umbau dieses alten Kaufmannshauses durch den neuen Eigentümer Kaufmann Paul Tschirner in ein Geschäftshaus ging der Tonnengewölbebau der schönen großen Erdgeschossdiele sowie der bemerkenswerte Fassadenschmuck leider verloren.

In diesem Hause wohnte am 16. September 1841 die Königin Elisabeth von Preußen und am 20. September 1833, am 5. Oktober 1835 und am 26. Oktober 1835 übernachteten dort Zar Nikolaus I. von Rußland und die Kaiserin Charlotte, geb. Prinzessin von Preußen.

Paul Tschirner, der bis zum Erwerb dieses Hauses ein Geschäft im Haus Nr. 22 besaß, eröffnete nun hier eine Likörfabrikation sowie Fruchtsaftpresserei und eine Kolonial- und Gemischtwaren-handlung. Es handelte sich um eine größere Firma mit mehreren Angestellten. Das Ehepaar Tschirner hatte 2 Kinder, Tochter Erna und Sohn Georg.
Im Haus wohnten auch einige Mieter.

Haus Nr. 19 - Likörfabrikation, Kolonial- und Gemischtwarenhandlung Tschirner

Festumzug vor dem Haus Nr. 19
(Bild von Herrn Hans-Joachim Rauer)

Festumzug anlässlich der 600-Jahrfeier der Stadt Landeshut im Juli 1934

Gärtnereibesitzer Rauer als "Alter Fritz" 
(Bild von Herrn Hans-Joachim Rauer)

Festumzug an der Spitze Gärtnereibesitzer Rauer als "Alter Fritz"

Haus Nr. 20: 

Auch hier ist die genaue Bauzeit des Hauses nicht bekannt. Es war früher das Stammhaus der Familie von Beuchel, eine der ältesten Kaufmannsfamilien Landeshuts. Das ursprünglich im reinsten Renaissance-Stil mit überreicher Ornamentik errichtete Haus wurde durch wiederholte Umbauten vollständig verändert. Im Jahre 1723 verstarb hier Elias von Beuchel "Kaufherr in Landeshut, Erbherr auf Ober- und Nieder-Seiffersdorf und Ober-Kauffung, Evangelischer Kirchen- und des Kirchen-Collegii Ober-Vorsteher und der Schule vor Landeshut". Elias von Beuchel war der Erste, der für die vom österreichischen Kaiser erst zu erkaufende Bewilligung zum Bau einer evangelischen Kirche und für den Bau der Gnadenkirche sowie für die Errichtung einer evangelischen Lateinschule größere Beträge spendete, desgleichen erhebliche Legate. Zu seinem Gedenken wurde im Altarraum der Gnadenkirche ein Epitaphium errichtet. Am Turmportal ist auch heute noch die Inschrift zu lesen: "Elias von Beuchel, Anno 1720".

Später wechselten oft die Eigentümer dieses Hauses. Urkundlich belegt ist 1744 der Eigentümer Carl Gottfried Otto. Im Jahre 1832 befand sich in diesem Haus die Post und später bis 1858 die zweite Apotheke der Stadt Landeshut. Im Jahre 1911 gehörte das Haus dem Holzbildhauer Eduard Kallinich. Der letzte Eigentümer vor der Vertreibung war die Landeshuter Eisenhandlung GmbH.

1723, im Todesjahr des Elias von Beuchel, starb der von Herbst 1718 bis Januar 1719 bei der Familie von Beuchel zu Gast gewesene jugendliche deutsche Dichter Johann Christian Günther im Alter von 28 Jahren. Er war trotz seiner Jugend bereits sehr bekannt. In einem seiner Briefe an sein "Lehnchen" im Januar 1719 berichtet er von seinem kürzlichen Besuch in Landeshut und seiner dichterischen Ehrung "der Frau Anna Rosina Klugin (von Kluge) gebohrenen von Beuchel". Diese Anna Rosine Klugin war die Tochter des Elias von Beuchel und wohnte im Nachbarhaus, Markt 19. Zur Erinnerung an den Dichter wurde am 13. April 1929 eine Gedenktafel an dem Haus angebracht, die sich auch heute noch dort befindet.

Im Jahre 1790 hat auch Goethe dreimal in Landeshut geweilt, und zwar am 1. August, am 31. August und in der Nacht vom 20. zum 21. September. Ob er in diesem Haus oder im Haus Nr. 23 gewohnt hat, ist aber nicht mehr feststellbar.

Haus Nr. 20 - das zweite Haus von rechts

Gedenktafel für Johann Christian Günther

Die Geschäftsräume der Landeshuter Eisenhandlung befanden sich im Erdgeschoss, während die oberen Etagen von mehreren Mietern bewohnt wurden. Nach 1911 kam Arno Schreckenbach nach Landeshut und war zunächst als Prokurist in der Eisenhandlung tätig. Eine Zweigstelle der Eisenhandlung befand sich noch an der Niedertor-Ecke gegenüber dem Teichmann`schen Spielwarengeschäft. Später erwarb Arno Schreckenbach das Haus in der Wallstraße Nr. 24 und errichtete in einem ganz modernen Neubau die neue Eisenhandlung.
Nach der Vertreibung kam die Familie Schreckenbach zunächst nach Holtorf, Kreis Nienburg/Weser. Hier stand der Familie ein einziges Zimmer zur Verfügung. In diesem Zimmer begann der Neubeginn. Es wurde neben Wohnraum, Schlafraum, Keller und Abstellraum nun auch noch Büro und Eisenwarenhandlung. Damit hatte das Zimmer häufig mehr Bestimmungen als Ecken vorhanden waren, und es war in der drangvollen Enge nicht immer ganz einfach, sich durchzufinden. Mit Hilfe der Gemeinde konnte Arno Schreckenbach aber bald ein nicht vollendetes Eigenheim ausbauen und damit neben einer vernünftigen Wohnung nun auch die Geschäftsbasis erweitern. Walzwerkprodukte, Baueisen, Öfen, Herde, Waschkessel und Badeeinrichtungen wurde in das Verkaufsprogramm aufgenommen. Schon bald aber waren der Platz und das Haus wieder zu klein. Im Jahre 1953 wurde in Nienburg/Weser ein größerer Neubau errichtet und bezogen.

Haus Nr. 21:

Dieses Haus war 1911 zunächst Eigentum des Fleischermeisters Eduard Seifert aus Jannowitz, der das Geschäftslokal an den Fleischermeister Josef Grammel vermietet hatte. Der spätere Eigentümer war der Fleischermeister Arthur Putzki, dessen Familie bisher Schömberger Str. 23 gewohnt hatte. Das Ehepaar Putzki hatte 4 Kinder, 2 Söhne und 2 Töchter. 1 Sohn erlernte ebenfalls das Fleischerhandwerk und sollte wohl später das elterliche Geschäft übernehmen. Die jüngste Tochter Erna arbeitete im elterlichen Geschäft.

Haus Nr. 22:

Im Erdgeschoss dieses Hauses befand sich eine Gaststätte. Die Eigentümer wechselten mehrfach und auch der Name der Gaststätte. Im Jahre 1911 befand sich hier das Zentral-Restaurant des Adolf Ruttke. Bis zum Erwerb seines Hauses Markt Nr. 19 im Jahre 1919 hatte Paul Tschirner hier auch eine Destillation sowie einen Kolonial- und Gemischtwarenladen.
1925 wurde der Gastwirt Gustav Thiel neuer Eigentümer und aus dem Zentral-Restaurant wurde die "Gorkauer Bierhalle". Gemeinsam mit seiner Ehefrau Martha betrieb er viele Jahre diese Gaststätte. 
Zwischen 1925 und 1938 fand wieder ein Wechsel statt. Die Gaststätte hieß nun "Zur Namslauer", die von Paul Schubert geführt wurde. Später übernahm der Gastwirt Adalbert Gans diese Gaststätte.
Die Wohnung in der 1. Etage des Hauses wurde von der Familie Kutzner bewohnt, während der Taxiunternehmer Alfred Wolf mit seiner Ehefrau in der 2. Etage wohnte.

Haus Nr. 22 - Gaststätte "Zur Gorkauer"

Haus Nr. 22 - Gaststätte "Zur Namslauer"

Haus Nr. 23:

Vermutlich wurde das Haus 1735 erbaut, da das Sandsteinportal am Hauseingang mit dem Oberlichtfenster aus alter Schmiedearbeit die eingemeißelte Jahreszahl "Anno 1735" trägt. Es handelt sich um ein architektonisch besonders schönes Haus, dessen Giebel sechs überlebensgroße mythologische Statuen zeigt. Diese sind auch heute noch vorhanden. nach urkundlichen Quellen ging es im Jahre 1749 im Erbgang an Frau Anna Rosina Fischer. Im Familienbesitz blieb das Haus bis 1817, danach ging es an den Kaufmann Heinrich Adamy. Später kam es in Erbfolge an die Familie Biemelt. Ein Vorfahr der Besitzer war der gegen 1743 in Landeshut amtierende Magister Ernst Daniel Adamy, welcher über die Geschichte der Stadt Landeshut viele Schriften veröffentlicht hat.
Das Preisrichterkollegium hatte dieses Haus bei dem anlässlich der Landeshuter 200-Jahrfeier für Carl Gotthard Langhans veranstalteten Preisausschreiben als das zweitschönste alte Bauwerk der Stadt Landeshut bezeichnet.
Bis zur Vertreibung führte in diesem Haus Georg Biemelt eine Eisenwarenhandlung. Im gleichen Haus befand sich, mit Eingang von der Seite, noch die Weinstube der Anna Jaehn.

Von links nach rechts. Haus Nr. 23 (Eisenhandlung Georg Biemelt), Nr. 22 (Gaststätte "Gorkauer", später "Namslauer"), Nr. 21 (Fleischer Arthur Putzki), Nr. 20 (Landeshuter Eisenhandlung, Nr. 19 (Likörfabrik Paul Tschirner)

Giebel des Hauses Nr. 23 - heute - mit den mythologischen Statuen

Haus Nr. 24:

Vermutlich wurde das Haus zwischen 1650 und 1700 erbaut bzw. später aufgestockt. 1280 soll an dieser Stelle ein Kloster der Tempelherren gestanden haben. Umgebaut wurde es laut angebrachter Jahreszahl im Jahre 1800. Im Jahre 1774 kaufte die Leinenfirma Johann David Fischer Witwe u. Söhne dieses Haus, deren Hauptinhaber Johann David Fischer von König Friedrich II. zum "Wirklichen Preußischen Kommerzienrat und Conferenzrat" ernannt worden war. Auch diese Firma ging später infolge großer Verluste ein, und das Haus kam 1816 an den Kaufmann Daniel Kauffmann aus Reutlingen, einen Verwandten der Familie Fischer. In dessen Familie blieb es bis 1917. Der 1874 verstorbene Richard Kauffmann bekleidete seit 1852 als Stadtverordneter, dann Ratsherr und Beigeordneter, als langjähriges Mitglied des evangelischen Kirchenvorstandes, als Mitglied der Handelskammer usw. viele Ehrenämter. Seine Witwe Anna verkaufte das Haus im Jahre 1917 an die Freimauerer-Loge "Zum innigen Verein am Riesengebirge", die es bis 1939 besaß. Im Jahre 1939 wurde hier das Heimatmuseum eingerichtet. Auch heute befindet sich in diesem Haus das Niederschlesische Webereimuseum.

Früher befanden sich in dem Haus auch Geschäfte und Werkstätten. 1911 waren im Erdgeschoss das Geschäft des Dekorateurs Robert Schubert und im Hinterhaus die Werkstatt des Glaser-meisters Blasius untergebracht. Später befand sich neben der Glaserei Blasius auch das Lederwarengeschäft Krinke-Schmidt in diesem Haus. Paul Krinke führte die Lederwarenhandlung gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Willy Schmidt.

Das Haus Nr. 24 im heutigen Zustand

Der schöne Innenhof des Museums 
(Aufnahme entstand anlässlich der Übergabe der Heimatstube am
 4. Oktober 2013)

Der schöne Innenhof des Museums
(Aufnahme entstand anlässlich der Übergabe der Heimatstube am 
4. Oktober 2013)

Werbung des Dekorateurs Robert Schubert

Das folgende Bild zeigt den Laubengang bei dem Haus Nr. 24 mit Blick zu dem Lederwarengeschäft Krinke.

Haus Nr. 25:

1911 gehörte dieses Haus dem Pfefferküchler Josef Drößler. Dieser verkaufte es an den Lehrer Josef Pautsch. Hermann Grundmann betrieb hier 1911 eine Kolonial- und Gemischtwarenhandlung. Später richtete Kurt Keil im Erdgeschoss das Speiserestaurant "Unter den Lauben" ein.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der o. g. Pfefferküchler Josef Drößler ein Nachfahr des Pfeffer-küchlermeisters Conrad ist, der um 1800 im Giebelhaus am Markt lebte. Heinz Kulke hat die Geschichte der Tochter dieses Pfefferküchlers sehr anschaulich geschildert. Der Leser taucht ein in das Alltagsleben rund um den Landeshuter Markt um 1800. Hier nun einige Auszüge:
"...Ich sitze am Schreibsekretär der Frau Mutter und kann durch die dünnen Vorhänge auf den Landeshuter Marktplatz blicken, auf das lebhafte Treiben, welches sich da draußen abspielt. Heute ist zwar kein Markttag, und da ist es wohl etwas stiller als sonst, aber die Kinder der Handwerker und Kaufleute spielen im Lichte der Frühlingssonne ihren Ringelreihen. Ab und zu knarrt ein schwerfälliges Bauerngefährt über den Marktplatz. Eine Kindermagd, die das Kind ihrer Brotgeber auf den Armen trägt, ein Schusterjunge, der ein Paar reparierte und blankgewichste Stiefel in das Haus ihres Eigentümers trägt, und der alte Weber Ansorge gehen über den Platz."....

An anderer Stelle wird der Betrieb in der Pfefferküchlerwerkstatt in der Vorweihnachtszeit geschildert:
"......Du lieber Himmel, was herrscht in unserem Hause für ein Betrieb. Die Lebkuchenbäckerei für das Weihnachtsfest ist in vollem Gange, Mandelplätzchen und Zimtnüßlein, Anisküchlein, Fenchelküchlein, Mandelkränzlein, Pflastersteine, Bauernbissen, Lebkuchenherzen und -kringel - so viele kostbare und wohlschmeckende Küchlein werden in unserem Hause gebacken. Überall im Hause duftet es, bis hinauf unters Dach, bis hinunter in den Obstkeller. Und die Ladenklingel schellt den ganzen Tag, denn da kommen die vielen Bauern aus Ober- und Nieder-Zieder, aus Vogelsdorf und Krausendorf, aus Leppersdorf und Schreibendorf, aus Reichhennersdorf und Blasdorf, und sogar aus den Städten Liebau und Schömberg kommen die Handwerkerfrauen eigens deshalb nach Landeshut, um bei Meister Conrad am Markte Lebkuchen für das bevorstehende Fest einzukaufen. Die Gesellen und Lehrburschen sind fleißig bei der Arbeit. Weihnachten ist es. Draußen liegt der Schnee auf den Dächern der Häuser. Verschneit ist unser Rathaus auf dem Marktplatz verschneit sind auch die Linden, die rings um den Marktplatz stehen. Was für ein Bild voller Lieblichkeit. Unsere Heimatstadt im Schneekleid. Auf den 
Bergen, die sich rings um die Stadt erheben, ist auch eine weiße Schneedecke ausgebreitet."........

Haus Nr. 26:

Im Erdgeschoss dieses Hauses stellte der Tischlermeister Hermann Krause Särge aus, führte nach heutigem Sprachgebrauch ein Beerdigungsinstitut. Nachfolger wurde der Tischlermeister Gustav Bruchmann. in  späteren Jahren nutzte die benachbarte Buch- und Papierhandlung Schultze die große Front auch als Schaufenster.

Haus Nr. 27:

In diesem Haus befand sich die Buch-, Kunst- und Papierhandlung Paul Schultze. Es handelte sich um ein großes Geschäft für sämtliche Schreibwaren, Schul- und Bürobedarf. Anhand der folgenden Anzeige lässt sich ermessen, wie groß das Angebot war. 
Eigentümer des Hauses war nach Adressbüchern der Kaufmann Gustav Renner.

Von links nach rechts: Häuser Nr. 26 - 19 (dahinter Blick in die Wilhelmstraße)

Unter den Lauben, im Vordergrund Haus Nr. 27 (Schultze), dahinter Nr. 26 (Sarg-Magazin Krause/Bruchmann)

Haus Nr. 28:

Dieses Haus gehörte der Familie Hoffmann. Im Laden des Erdgeschosses verkaufte Frau Marie Hoffmann, laut Adressbuch von 1911 bereits verwitwet, Besen, Korbwaren und ähnliche Sachen. Nach ihrem Tod führte ihre Tochter Selma Preuß das Geschäft weiter.
In diesem Haus befand sich auch das Malergeschäft des Hugo Leyser. Der Sohn Willi übernahm es nach dem Tod des Vaters. Darüber hinaus bewohnte auch die Hebamme Gertrud Lösche gemeinsam mit ihrem Ehemann eine Wohnung.

Haus Nr. 29:

Dieses Haus wurde im 17. Jahrhundert von dem aus Reval gebürtigen Liegnitzer Baumeister Martin Frantz errichtet, dem Erbauer der Gnadenkirchen in Hirschberg und Landeshut. Die urkundlich bekannte erste Besitzerin, Frau Maria Elisabeth Klämbt, erbte das haus 1758 von ihrem Mann. Im Jahre 1759 wechselte der Eigentümer. 1772 wurde das Haus von der damals sehr bedeutenden Leinenfirma Kaller & Kramer, später Friedrich August Kramer, erworben. Deren letzter Inhaber Robert Merker besaß das Haus bis 1875. Der spätere Besitzer Kaufmann Hermann Schlums kaufte es 1899 und baute es zu einem Geschäftshaus um, unter sorgsamer Erhaltung der herrlichen Fassade. Diese ist mit antiken Emblemen und mit einer großen allegorischen Figur verziert, die Krönung der Giebelspitze mit einem fast 1,50 Meter breiten, hohen Wappen, umgeben von Vasen und Büsten.

In diesem Haus verweilte am 10. August 1743 und am 1. März 1749 König Friedrich der Große. Ein weiterer berühmter Besucher aus dem Hause Preußen war König Friedrich Wilhelm II. am 8. Juli 1790. Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich an der Hausfassade eine Gedenktafel, die an die Besuche erinnerte. Heute wird diese Tafel im Niederschlesischen Webereimuseum in Landeshut aufbewahrt.

Das Haus gehörte früher und auch heute wieder zu den schönsten Bürgerhäusern am Markt. Der frühere Landeshuter Bürgermeister Günther Ries ließ anlässlich des 200. Geburtstages von Carl Gotthard Langhans 1933 einen Wettbewerb für das künstlerisch wertvollste Bürgerhaus ausrichten. Den ersten Platz belegte das Haus der Kaufmannsfamilie Schlums.
Zwischen 1925 und 1938 verstarb Hermann Schlums. Emmi Schlums vermählte sich mit Otto Hanetzki und führte das Modehaus gemeinsam mit ihrem Ehemann unter dem bisherigen Firmennamen "Hermann Schlums" weiter. Nach 1946 kam das Ehepaar nach Lüdenscheid und gründete auch hier wieder ein Konfektionsgeschäft. Emmi Hanetzki-Schlums verstarb am 9. September 1964 in Lüdenscheid.

In diesem Haus befand sich auch das Optiker- und Uhrmachergeschäft des Peter Bednarek.

Haus Nr. 29 - vor 1945

Gedenktafel zur Erinnerung an die königlichen Besuche, die heute im Niederschlesischen Webereimuseum in Landeshut aufbewahrt wird. (Chec, Jozef: Landeshut in Schlesien mit der Umgebung auf den Ansichtskarten vom 19. und 20. jahrhundert)

Das Haus Nr. 29 im heutigen Zustand

Haus Nr. 30:

In diesem Haus befand sich die Landeshuter Stadtapotheke. Eigentümer des Hauses war nach dem Adressbuch von 1895 der Apotheker Eugen Schäffer. Am 2. Dezember 1904 erwarb es der Apotheker Rudolf Drischel zum Preis von 350.000 Goldmark, in dessen Familienbesitz das Haus bis zur Vertreibung blieb.

Markt Nr. 30 - Die Stadtapotheke

Die frühere Stadtapotheke heute

Haus Nr. 31:

Lauf Adressbuch des Jahres 1911 befand sich im Erdgeschoss des Hauses die Waldenburger Porzellanhandlung Wilhelm Jüptner, die später in die frei gewordenen Geschäftsräume des Nachbarhauses Nr. 32 umzog.
Nachdem Reinhold Haacke die Zigarren- und Tabakhandlung von A. Raschke in den Geschäftsräumen des Hauses Markt Nr. 9 übernommen und dort auch etliche Jahre geführt hatte, erwarb er vor 1925 dieses Haus Nr. 31. Hier eröffnete er nun in den neuen Geschäftsräumen sein Geschäft für Tabakwaren und führte dieses gemeinsam mit seiner Ehefrau Martha. Nach dem Tod der Eltern übernahm Tochter Marianne gemeinsam mit ihrem Ehemann Heinz Volkmann das elterliche Geschäft.

Haus Nr. 32:

In diesem Haus befanden sich stets zwei Geschäfte, um 1900 Wiener und Geisler und später Jüptner und Geisler.

Im Jahre 1851 wurde in Landeshut die Schürzen-, Wäsche-, Strumpf- und Wollwarenfabrik Wiener gegründet. Das Geschäft befand sich in diesem Hause. Im Adressbuch des Jahres 1895 ist die Firma noch verzeichnet, dagegen erscheint sie im Jahre 1911 nicht mehr. Auch der Name Wiener erscheint ab 1911 nicht mehr in den Adressbüchern. Nach dem Tod des Fabrikbesitzers Julius Wiener im Jahre 1907 wird die Firma daher wohl aufgelöst worden sein.
Julius Wiener wurde am 17.02.1824 in Lissa geboren und starb am 08.10.1907 in Breslau. Er war Ehrenmitglied der Stadt Landeshut.

Neben dem Geschäft des Julius Wiener befand sich in diesem Haus auch die Drogeriehandlung des R. Geisler, die von Alfred Geisler, Sohn des Firmengründers, betrieben wurde. Spätestens ab 1938 wurde sie von Hans Pingel weiter geführt.

Nach der Auflösung der Firma Wiener zog nach 1911 das Glas- und Porzellangeschäft Wilhelm Jüptner, Inh. Anna Jüptner Wwe. ein, welches vorher im Nachbarhaus 31 ansässig war.

Links Geschäft des Julius Wiener, rechts Drogerie Geisler

Drogerie Geisler

Haus Nr. 33:

Dieses Haus war um 1900 im Besitz des jüdischen Kaufmanns Benno Wolfsohn (15.01.1829 - 12.12.1898). Verheiratet war er seit dem 08.09.1860 mit der am 08.05.1840 geborenen Rosalie Buky, die am 28.09.1916 in Landeshut verstarb.
Der Sohn Arno Wolfsohn erbte die von seinem Onkel Moses Buttermilch im Jahre 1840 in Landeshut, Bismarckstr. 12, gegründete Leinenfabrik, die bald über die Stadtgrenze hinaus bekannt wurde. Der jüngere Sohn Harry war als Textilkaufmann weit über die Grenzen Landeshuts hinaus bekannt. Die letzten Lebensjahre verbrachte er bei seiner verheirateten Tochter Dr. Gerda Zondek, geb. Wolfsohn in Jerusalem. Dort verstarb er im Jahre 1955.

Nach dem Tod der Rosalie Wolfsohn wurde Klara Sittenfeld Eigentümerin des Hauses. Sie war die Witwe des Louis Sittenfeld, der laut Adressbuch des Jahres 1895 ein Mode- und Konfektions-geschäft im Hause Markt Nr. 9 besaß. Später verlegte er das Geschäft zum Obertor 1 und danach zum Markt Nr. 33. Louis Sittenfeld wurde am 05.06.1857 geboren und war mit Clara Engel verheiratet. Er verstarb am 23.03.1922 in Landeshut. 
Die Tochter Ilse Sittenfeld heiratete Karl Seiler und führte gemeinsam mit ihrem Ehemann das elterliche Geschäft erfolgreich weiter. Das Ladenlokal wurde zum Nachbarhaus Markt/Ecke Langhansstr. 1 erweitert. Es entstand so ein großes Mode- und Geschäftshaus, das weit über die Grenzen Landeshuts hinaus bekannt war. Gemeinsam mit ihrer Tochter Gaby gelang dem Ehepaar Seiler die Emigration nach Melbourne in Australien. Nach großen Anfangsschwierigkeiten konnte Karl Seiler wieder ein eigenes kleines Geschäft eröffnen.

Von rechts nach links: Haus Nr. 29 (Kaufhaus Schlums), Nr. 30 (Stadtapotheke Drischel), Nr. 31 (Zigarrengeschäft Haacke), Nr. 32 (Drogerie Geisler, Porzellanhandlung Jüptner), Nr. 33 (Wolfsohn/Sittenfeld-Seiler) und Ecke Markt/Langhansstr. 1 (Geschäft Sittenfeld/Seiler, später Schuh-Gebauer)

Modegeschäft Sittenfeld-Seiler

Markt/Ecke Langhansstr. 1

Obwohl dieses Haus Teil der Langhansstraße ist, soll es der Vollständigkeit halber aber aufgeführt werden, da der Giebel zur Marktseite liegt und das Ladenlokal von dem Modehaus Sittenfeld-Seiler benutzt wurde.

Es handelt sich um ein sehr geschichtsträchtiges Haus, über dessen genaue Bauzeit aber nichts zu ermitteln ist. Ein Wahrzeichen dieses alten Kaufmannshauses ist ein auf der Marktseite zwischen dem 1. und 2. Stock angebrachtes vergoldetes Medaillon mit dem Buchstaben P und einem durch diesen Buchstaben geführten Anker. Dieses P ist der Anfangsbuchstabe des Namens eines früheren Besitzers Franz Xaverius Primavesi, dessen Familie aus Italien stammte und Leinenwaren Richtung Süden ausführte. Dieses Haus hatte er 1775 erworben und 1820 an die Firma Flandorfer verkauft, welche im Jahre 1839 aufgeben musste. Am Eingangstorbogen war eingemeißelt F. X. P. 1789 (Franz Xaveruis Primavesi), welcher 1789 das Haus wahrscheinlich umgebaut hat. Die alten Leinenfirmen hatten bereits zu dieser Zeit bestimmte Warenzeichen. Es ist anzunehmen, dass das "P mit dem Anker" das Waren- oder Handelszeichen der nach Übersee exportierenden Firma Primavesi gewesen ist. In den späteren Jahren wechselten die Besitzer dieses Hauses sehr oft. Nach dem Adressbuch von 1911 war die Witwe Marie Schubert Eigentümerin, danach der Arzt Dr. Franz Hartmann und zuletzt der Schuh-Kaufmann Martin Gebauer.

Die Mieter des Ladengeschäftes im Erdgeschoss des Hauses wechselten seit Anfang 1900 ebenfalls recht häufig. 1911 war hier ein Kaisers-Kaffee-Geschäft untergebracht. Später eröffnete Otto Hilse ein Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäft. Wie schon erwähnt, erweiterte das Modegeschäft Sittenfeld-Seiler im Laufe der Jahre seine Geschäftsräume und nahm das Ladengeschäft dieses Hauses dazu, so dass sich eine große Schaufensterfront ergab.

Das zwischen dem 1. und 2. Stock des Hauses angebrachte Medaillon

Blick auf das Haus Markt/Ecke Böhmische Straße 1 (später Langhansstraße) - Geschäft des Otto Hilse

Quellen:
-
Heimatbuch des Kreises Landeshut i. Schl., hrg. von E. Kunick, Landeshut 1929
- Schlesischer Gebirgsbote