Mittelkonradswaldau (Grzedy)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Mittelkonradswaldau liegt fast an der Ostgrenze des Kreises am Konradswaldauer Wasser, einem Zufluss des Lässigbaches. Die im Ort entlang gehende Straße führt in südlicher Richtung über Trautliebersdorf nach Friedland und nördlich über Schwarzwaldau nach Hartmannsdorf.

Konradswaldau wurde urkundlich erstmals 1305 erwähnt. Die Feste Konradswaldau, die auch als Burg Vogelgesang bezeichnet wurde, ist für das Jahr 1324 nachgewiesen. Ort und Burg entstanden vermutlich während der Regierungszeit von Herzog Bolko I. und dienten der Sicherung der schlesisch-böhmischen Grenze. Vom ostböhmischen Politz führte ein Weg über Friedland oder Schömberg durch den Grenzwald und weiter durch das Tal der Lässig in die schlesische Ebene. Durch die Heirat der Prinzessin Anna von Schweidnitz 1353 mit dem böhmischen König und späteren Kaiser Karl IV. verlor Konradswaldau die strategische Bedeutung. Erster bekannter Besitzer war der Ritter Hendricus von Predil. Nachdem auf der Burg Raubritter hausten, wurde sie 1355 von Herzog Bolko II. gestürmt. Nach dessen Tod 1368 fiel es 1368 zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz erbrechtlich an Böhmen. 1379 waren Burg und Burgbezirk im Besitz des Hermann von Czettritz, dem Hofmeister der Prinzessin Anna von Schweidnitz. 1428 wurde die Burg und vermutlich auch Konradswaldau von den Hussiten zerstört. Konradswaldau blieb weiterhin im Besitz des Hermann von Czettritz, der seinen Sitz auf der Burg Neuhaus nahm. 1437 erwarb er die Herrschaft Schwarzwaldau, mit der er Konradswaldau vereinte.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Konradswaldau zusammen mit Schlesien an Preußen und gehörte weiterhin zur Herrschaft Schwarzwaldau, die bis 1830 im Besitz der Herren von Czettritz blieb. In diesem Jahr wurde Konradswaldau zusammen mit Schwarzwaldau von Otto Freiherr von Zedlitz-Neukirch erworben. 1851 gelangte Konradswaldau an dessen Schwiegersohn Bernhard von Portatius, bei dessen Nachkommen es bis 1945 verblieb. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Konradswaldau seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Seit 1874 war die Landgemeinde Schwarzwaldau Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks, zu dem auch die Landgemeinden Mittel Conradswaldau, Ober Conradswaldau und Vogelgesang sowie die Gutsbezirke Conradswaldau und Schwarzwaldau gehörten. Im Jahre 1925 lebten in Mittelkonradswaldau 1.141 Einwohner (davon 990 evangelisch), 1939 waren es 1.020. Heute gehört der Ort zur Landgemeinde Czarny Bór (Schwarzwaldau).

Mit Wirkung vom 1. Oktober 1928 wurde die Landgemeinde Vogelgesang in den Ort Mittelkonradswaldau eingemeindet. Gegründet wurde Vogelgesang um 1656. Der Ort zieht sich von Mittelkonradswaldau rechtwinklig in einer Talschlucht zur Kreisgrenze hin. Ein gut bewaldeter Berg führte den namen "Vogelberg", über den ein steiler Waldweg durch Felsengebilde nach Alt-Lässig und Gottesberg führte. Dieser Waldweg über den Vogelberg war allgemein als "Pechsack" bekannt. 1925 hatte Vogelgesang 97 Einwohner, davon waren nur 4 katholisch.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Treblin, Martin: Beiträge zur Siedlungskunde im ehemaligen Fürstentum Schweidnitz, Breslau 
   E. Wohlfahrt 1908, hrg. vom Verein für Geschichte Schlesiens (6. Band)
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Blick auf Mittelkonradswaldau

Blick auf Mittelkonradswaldau mit den Kirchen,
links: katholische Kirche, rechts: evangelische Kirche

Die katholische Kirche (erbaut im Jahre 1528)

Die evangelische Kirche (erbaut 1858/59)
(Foto von Herrn Oskar Tilch, Wolfenbüttel)
Diese Kirche wurde ca. 1970 abgerissen.

Evangelische Kirche - Blick zum Altar
(Foto von Herrn Oskar Tilch, Wolfenbüttel)

Das Kriegerdenkmal

Das Kriegerdenkmal

Die evangelische Schule

Die evangelische Schule

Schüler der evangelischen Schule (Aufnahme: vor 1914)

Schüler der evangelischen Schule mit Kantor Wulfgramm
(Aufnahme: vor 1914)

Oberkonradswaldau Nr. 50 - Warenhaus Gustav Schäl, 

später Arthur Piske

Mittelkonradswaldau Nr. 106 - Friseurmeister Hermann Rummel

Mittelkonradswaldau Nr. 101 - Bäckerei und Warenhandlung Adolf Rabe

Bäckermeister Adolf Rabe gründete 1897 in Mittelkonradswaldau eine Bäckerei. Im Jahre 1929 erwarb er in Landeshut, Waldenburger Str. 4, eine Bäckerei mit Konditorei und Café.

Mittelkonradswaldau Nr. 101 - Kaufmann Karl Reichelt
Er übernahm die Räume des Bäckermeisters Adolf Rabe.

Das folgende Bild zeigt noch einmal das Haus Nr. 101:
Das Lebensmittelgeschäft des Helmut Bettermann, vormals Karl Reichelt.
Helmut Bettermann, der am 8. November 1898 in Rudelstadt - Ortsteil Adlersruh - geboren wurde, übernahm das Kolonialwarengeschäft im Jahre 1943. Bis zu diesem Zeitpunkt betrieb er in seinem Heimatort die elterliche Landwirtschaft.

Die Gastronomie:

Im Ort gab es 5 Gasthöfe und 1 Fremdenheim:

In Mittelkonradswaldau:
1. Haus Nr. 30                                      Gasthof "Zur Farbenschänke"
2. Haus Nr. 36                                      Gasthof "Glückhilf"
3. Haus Nr. 37                                      Der Mittelkretscham

In Oberkonradswaldau:
1. Haus Nr. 14                                       Der Gerichtskretscham

In Vogelgesang:
1. Haus Nr. 1                                         Der Gerichtskretscham
2. Haus Nr. 11                                       Fremdenheim "Zum Pechsack"

Mittelkonradswaldau:

Mittelkonradswaldau Nr. 30 - Gasthof "Zur Farbenschänke"

(Besitzer: Hugo Kolbe)

Mittelkonradswaldau Nr. 37 - Der Mittelkretscham

(Besitzer: Heinrich Maidorn, später Fritz Maidorn)

Mittelkonradswaldau Nr. 36 - Gasthof "Glückhilf"
(Besitzer: Sanner, danach Wilhelm Krebs, später Paul Werner)

Mittelkonradswaldau Nr. 36 - Gasthof "Glückhilf" - Gesellschaftsgarten

Oberkonradswaldau:

Das folgende Bild zeigt den Gerichtskretscham - Haus Nr. 14 - in Oberkonradswaldau
(Besitzer: Ernst Heinzel, später Heinrich Langer)

Vogelgesang:

Vogelgesang Nr. 1 - Der Gerichtskretscham (Besitzer: Albert Frantz)

Vogelgesang Nr. 1 - Der Gerichtskretscham mit Gartenanlagen

(Besitzer: Albert Frantz)

Vogelgesang Nr. 1 1 - Fremdenheim "Einkehr Zum Pechsack"
(Besitzerin: Alma Kassner)

Vogelgesang Nr. 1 1 - Fremdenheim "Einkehr Zum Pechsack"
(Besitzerin: Alma Kassner)

Das folgende Bild zeigt das  Haus Nr. 4 der Familie Bartsch im Ortsteil Vogelgesang.

Gutsbezirk Konradswaldau: