Roon, Karin  (Hamburger, Katharina)

Sängerin
* 11.05.1890 in Berlin                                                  + 17.04.1967 in Ulm
Wirkungsstätte: Landeshut

Created with Sketch.

Mit dem Namen Karin Roon (Katharina Hamburger) verbindet sich die Erinnerung an die Ehefrau des Mitinhabers der Leinenfabrik Albert Hamburger AG, Dr. Max Hamburger. Als begnadete Sängerin war sie im In- und Ausland bekannt geworden. Geboren wurde sie am 11.05.1890 in Berlin als Katharina Rosenstock, Tochter des Bankiers und Handels-richters Theodor Rosenstock und dessen Ehefrau Paula.

Schon früh zeigte sich ihr musisches Talent, so dass sie nach Abschluss ihrer Schulausbildung Gesangsunterricht in Berlin und Brüssel erhielt. Sie gab Konzerte im In- und Ausland und gehörte zu den wenigen Sänge-rinnen, die von Albert Schweitzer einmal auf der Orgel begleitet wurden. Mit ihrer ungewöhnlich schönen Mezzosopranstimme begeisterte sie ihr Publikum.

Seit ihrer Eheschließung mit Dr. Max Hamburger, dem Sohn des Gründers der bekannten Leinenweberei Albert Hamburger AG, war Landeshut, die Stadt am Bober, ihre neue Heimat geworden. Hier bewohnte sie mit ihrer Familie ein großes Haus auf der Bahnhofstraße und den nach ihr benannten Katharinenhof in Neuen.

In Landeshut und Umgebung wurde sie nicht nur durch ihre Konzerte bekannt. Ähnlich wie Else Hamburger, die Ehefrau des Stadtrates Max Hamburger, engagierte auch sie sich auf sozialem Gebiet. Besonders die Betreuung der Arbeiterinnen der Fa. Hamburger war ihr eine Herzens-angelegenheit. Hier kam ihr die Gesangsausbildung zugute. Mit Hilfe eines besonderen Übungssystems verschaffte sie den Arbeiterinnen neue Lebenskraft im Sinne einer Muskel- und Kräfteregeneration. Dieses System entwickelte sie später konsequent weiter, so dass sie im Jahr 1949 das Lehrbuch "Neue Wege der Lebenserhaltung" herausgab, welches in sieben Sprachen übersetzt wurde. Auch körperlich behinderte Kinder und Schauspieler profitierten davon. Seit Anfang 1950 reiste sie Jahr für Jahr durch Europa, um durch Vorträge im Rundfunk mit Hilfe ihrer Methoden alternden Menschen, überbeschäftigten Managern und körperbehinderten Kranken neuen Lebensmut und damit verbunden auch neue Kräfte zu vermitteln. Im April 1967 sollte in Ulm ein Film gestaltet werden, der den Zweck hatte, den Bewohnern von Alters-heimen durch das Vorführen von Übungen zu zeigen, wie man seinen Körperzustand erhalten und die Beschwerden des Alterns ausgleichen könne. Aus diesem Grund hielt sie sich in Ulm auf und verstarb während dieser Arbeiten völlig unerwartet.

Die politischen Umstände hatten die Familie Hamburger im Jahre 1938 zur Emigration in die Verenigten Staaten von Amerika gezwungen. Katharina Hamburger nannte sich seit dieser Zeit Karin Roon und lebte in New York. Aus ihrer Ehe mit Dr. Max Hamburger stammen drei Töchter, Eleonore, Gabriele und Alberta.

Quellen:

  • Kraus, Hans Christof: Neue Deutsche Biographie 22 (2005)
  • Schlesischer Gebirgsbote

Rosa, Bernardus

Abt des Klosters Grüssau
* 24.06.1624 in Glogau                                                + 01.11.1696 in Grüssau
Wirkungsstätte: Grüssau

Created with Sketch.

Abt Bernardus Rosa ging als der große Reformer in die Geschichte des  Klosters Grüssau ein. Geboren wurde er am 24.06.1624 in Glogau als ältestes Kind des dortigen Notars Johann Peter Rosa und dessen Ehefrau Sabina, geb. Groß. Sein Taufname war Johannes Christoph. Zur Familie, die tief religiös war, gehörten Bürgermeister, Ratsherren, Kaufleute und Juristen. Viele Verwandte übten einen geistlichen Beruf aus. Die Tante Ursula Groß war Äbtissin von Liebenthal, seine beiden Schwestern wurden Benediktinerinnen in Liebenthal bzw. Liegnitz. Sein Bruder gründete eine große Familie, aus der sich drei Kinder ebenfalls dem geistlichen Stand zuwandten.

Im Alter von 13 Jahren musste der junge Johannes den Tod des Vaters verkraften. Zu dieser Zeit besuchte er die Glogauer Lateinschule. Während des Dreißigjährigen Krieges sah sich die Familie Rosa gezwungen, 1639 vor den Schweden nach Polen zu flüchten, so dass die Ausbildung einige Zeit unterbrochen wurde. Auch das anschließende Rhetorikstudium in Breslau musste kriegsbedingt unterbrochen werden. Da seine Mutter in Mähren Verwandte hatte, sollte er sich dort dem weiteren Studium widmen. Er entschied sich aber für ein Philosophie-studium an der Universität Köln, wo er 1646 zum Magister der Philo-sophie promovierte. In der Domstadt am Rhein reifte in ihm der Wunsch, zur Vertiefung des theologischen Studiums nach Rom zu reisen. Sein Weg nach Rom führte über München, wo er lebensgefährlich erkrankte. Nach der Genesung gab er sein Vorhaben auf und setzte sein Studium in München fort. 1647 kehrte Johannes Rosa aus München nach Schlesien zurück und beendete seine theologischen Studien in Neisse.

Im Jahre 1649 trat er 25jährig in das Zisterzienserkloster Heinrichau ein, dessen Abt Georg Welzel er in Neisse kennengelernt hatte. Unter dem Namen Frater Bernardus legte er am 28.10.1650 die Mönchsprofess ab und wurde am 03.06.1651 zur Priester geweiht. Wie sehr der Abt den jungen Priester schätzte, beweist die Tatsache, dass er ihn während einer lebensbedrohlichen Erkrankung zu seinem Beichtvater wählte. Bereits 1653 wurde ihm das wichtige Amt des Priors und Novizenmeisters übertragen. In wenigen Jahren bildete er zwölf junge Mönche aus. Große Verdienste erwarb er sich auch um das während des Krieges völlig verwüstete Kloster und um die Neuorganisation der Seelsorge in den zum Kloster gehörenden Ortschaften.

Am 22.07.1660 starb in Grüssau der sehr geachtete Abt Andreas Michaelis, an dessen Beisetzung auch die Äbte von Leubus und Heinrichau teilnahmen. Unter ihrem Vorsitz wurde am 25.07.der neue Abt gewählt. Die Wahl fiel auf P. Bernardus Rosa. Leider konnte seine geliebte Mutter diesen Glückstag des Sohnes nicht mehr miterleben. Sie war im Mai 1658 in Glogau verstorben.

Nun warteten große Aufgaben auf den neuen Abt, die seine ganze Kraft forderten. Auch dieses Kloster hatte während des unseligen Krieges schwere Schäden erlitten. Er reformierte den Konvent und die Verwal-tung der Güter. Eisern griff er durch, ungetreue Beamte wurden entfernt. Obwohl jeder Versuch einer Auflehnung von ihm unterdrückt wurde, war er nicht verhasst. Neben all seiner Härte, besonders in religiöser Hinsicht, war er auch mildtätig. In den Pfarreien richtete er eine Armenpflege ein. Er erbaute drei Hospitäler und stattete den Kranken selber Besuche ab. 1669 gründete er eine Lateinschule in Grüssau, die später zum Voll-gymnasium ausgebaut wurde. 50 Freiplätze wurden für die Söhne armer Untertanen vergeben. Begabte Klosterschüler wurden auf Stiftskosten zum Studium nach Prag geschickt, von denen viele nach ihrer Rückkehr als Ärzte und Juristen Klosterland tätig waren.

Darüber hinaus war Abt Rosa ein Förderer von Kunst und Wissenschaft. Die von ihm in Grüssau errichtete Stiftsbauhütte gab einer großen Zahl von Stiftsbewohnern Arbeit und Brot. Neben Künstlern von Rang und Namen gab es viele Kunsthandwerker, Gehilfen und Arbeitsleute, die bei den Bauten tätig waren. Abt Rosa gehörte zu den Wegbereitern der schlesischen Barockkunst. Ihm gelang es, den bedeutendsten deutschen Barockmaler der damaligen Zeit, Michael Willmann, für Arbeiten nach Grüssau zu holen. Neben vielen anderen bedeutenden Werken Will-manns ist der Freskenzyklus für die St. Josephskirche in Grüssau wohl sein monumentalstes Werk. Während Abt Rosas Amtszeit wurden im Stiftsland mehr als zwanzig kirchliche und auch profane Bauwerke geschaffen u. a. die Pfarrkirchen in Oppau, Schömberg und Reichenau, die St. Josephskirche in Grüssau, die Kreuzwegkapellen in Grüssau, die Bethlehemkapelle und die Liebauer Kreuzkirche, die Kirchen in Albendorf, Reichhennersdorf und Ullersdorf, das Probsteibad und der Probsteihof in Warmbrunn, der Neubau des Konventsgebäudes in Grüssau usw.

Im Jahre 1669 gründete der Abt die Grüssauer Josephsbruderschaft, von deren Mitgliedern u. a. auch Werke der praktischen Nächstenliebe erwartet wurden. 1673 wurde er zum Vicarius generalis und Visitator für Schlesien ernannt und 1674 übernahm er das Amt des außerordentlichen Visitators und Schiedsrichters der Konvente im Königreich Polen. Seine letzte Reise führte ihn im Juli 1696 nach Leubus, um dort an der Wahl des neuen Abtes teilzunehmen.

Abt Bernardus Rosa starb am 1. November 1699, dem Fest der Allerheiligen. Die feierliche Beisetzung fand am 7. November 1699 statt.

Quellen:

  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Kloster Grüssau in den Zeitaltern des Barock, Rokoko und Klassizismus (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Die drei großen Äbte und die große zeit des Klosters (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Vom unbekannten Grüssau
  • Rose Dr., Ambrosius OSB: Abt Bernardus Rosa von Grüssau
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia

Schlöffel, Friedrich Wilhelm

Fabrikant und demokratischer Politiker im Vormärz und Abgeordneter
der Paulskirche 1848/49
* 24.07.1800 in Brieg                                                   + 23.01.1870 in Goldberg
Wirkungsstätte: Landeshut

Created with Sketch.

Friedrich Wilhelm Schlöffel stammte aus Brieg, wo sein Vater Johann Heinrich Schlöffel Hutmachermeister war. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst das Gymnasium und absolvierte im Anschluss eine Apothekerlehre in Falkenberg. Nachdem er den einjährigen Militärdienst abgeleistet hatte, studierte er als Gasthörer an der Universität Berlin Naturwissenschaften und schloss sich in dieser Zeit einer Burschen-schaft an. Deswegen wurde gegen ihn ein Untersuchungsverfahren eingeleitet, das aber im Sande verlief. Schließlich absolvierte er das Staatsexamen und erwarb die Approbation als Apotheker.

Zwischen 1823 und 1831 betrieb er eine Apotheke in Landeshut. In dieser Zeit gründete er eine Familie, 1824 heiratete er Franziska Peschke (1801 - 1890), die Tochter eines Tuchhändlers in Frankenstein. Das Ehepaar hatte einen Sohn und zwei Töchter. Der Sohn Gustav Adolph (1828 - 1849) kämpfte als Revolutionär während der Märzrevolution 1848/49 und starb bei einem Gefecht mit preußischen Soldaten durch eine Kanonenkugel. Eine der Töchter, Auguste Frederike Marie (1824 - 1883) heiratete Eduard Jacob von Diezielsky, einen Offizier im 10. Preußischen Infanterieregiment. Während seiner Zeit in Landeshut betätigte sich Schlöffel weiterhin politisch und stieg zum Stadt-verordnetenvorsteher auf.

Nach dem Verkauf der Apotheke in Landeshut wurde er 1831 zusammen mit einem Teilhaber Besitzer einer Patent-Maschinen-Papierfabrik in Eichberg bei Hirschberg. Von 1837 - 1846 war er alleiniger Leiter der Fabrik. Später nach deren Verkauf war er Hüttenwerks- und Gutsbesitzer in Halbendorf. In diesen Jahren arbeitete Schlöffel aktiv politisch mit im Hirschberger Bürgerverein. So richtete er im Jahre 1845 eine Petition an den schlesischen Provinzial-Landtag, die sich u. a. gegen die Zensur wandte. In einer ausführlichen Denkschrift untermauerte er seine Kritik an der preußischen Justiz. Die Petition wurde vom Landtag abgewiesen, die Verbreitung der Denkschrift wurde von der Obrigkeit verboten.

Wenige Wochen nachdem der Landtag mit großer Mehrheit seine Petition abgelehnt hatte, wurde Schlöffel als Opfer einer Denunziation selbst inhaftiert und erfuhr am eigenen Leibe die ganze Bandbreite preußischer Polizeiwillkür, die er in seiner Denkschrift kurz zuvor angeprangert hatte. Während einer Geschäftsreise wurde er in Breslau verhaftet und verbrachte vier Monate in Untersuchungshaft. Am Berliner Kammergericht wurde eine Untersuchung wegen Hochverrats eingeleitet. Von vermeintlich radikalen Briefen seines jugendlichen Sohnes Gustav Adolph Schlöffel hatte er sich längst distanziert. Da sich keine konkreten Beweise gegen ihn fanden, musste er schließlich wieder aus der Haft entlassen werden ("Affäre Schlöffel").

Ebenso engagierte er sich für die verarmten schlesischen Weber. In dieser Angelegenheit korrespondierte er mit der Schriftstellerin Bettina von Arnim und suchte den Kontakt zu anderen bedeutenden Oppositionellen wie August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Er nahm Anteil am Elend der Landarbeiter und er versuchte, die materielle Lage der von ihm beschäftigten Arbeiter zu verbessern. Durch sein stark sozial geprägtes Denken unterschied er sich deutlich von der Mehrheit der Liberalen im Vormärz.

In den 1840er Jahren war Schlöffel Stadtverordneter in Hirschberg. Am Vorabend der Revolution war er einer der führenden Köpfe des demokratischen Flügels der bürgerlichen Oppositionsbewegung in Schlesien und er wurde im 6. schlesischen Wahlkreis für Hirschberg ins Frankfurter Paulskirchenparlament gewählt, dem er vom 19. Mai 1848 bis zum 30. Mai 1849 angehörte. Er war Mitglied verschiedener demokra-tischer Fraktionen, die sich erst nach und nach herausbildeten und die meist nach dem jeweiligen Versammlungsort in und um Frankfurt benannt wurden wie z. B. "Deutscher Hof", "Casino" oder "Württemberger Hof".

Im September 1848 war Schlöffel beteiligt am Frankfurter Aufstand, in dessen Folge zwei angesehene nationalliberale Abgeordnete zu Tode kamen. Das Frankfurter Appellationsgericht verlangte u. a. die Auf-hebung der Immunität des Abgeordneten Schlöffel, um ein Unter-suchungsverfahren gegen ihn einzuleiten. Dieses Ansinnen wurde aber von der Nationalversammlung abgelehnt.

Als im Mai 1849 das Scheitern des Frankfurter Paulskirchenparlaments immer deutlicher wurde und die gemäßigten Abgeordneten sich zurückzogen oder von ihren jeweiligen Einzelstaaten zurückberufen wurden, versuchten radikalere Gruppierungen im Großherzogtum Baden in einem Militäraufstand die demokratischen Ziele gegen die Obrigkeiten zu verteidigen. Schlöffel beteiligte sich an diesem Vorhaben und nahm an der Volksversammlung in Neustadt a. d. Haardt und an einigen weiteren Großversammlungen teil. In der badischen Revolutionsarmee wurde er Oberkriegskommissar im Unterrheinkreis und war u. a. für die Verproviantierung der Festung Rastatt zuständig.

Die Revolution scheiterte bekanntlich und besonders die preußische Gerichtsbarkeit zeigte sich erbarmungslos gegenüber gefangen-genommenen Revolutionären. Sie wurden meist von Standgerichten zu langen Haftstrafen oder zum Tode verurteilt. Viele von ihren konnten aber fliehen. Auch Schlöffel gelang die Flucht in die Schweiz, wo er bis 1850 in Aarau lebte. Dann wurde er wegen angeblich "politischer Gefährlichkeit" ausgewiesen, doch gelang ihm die Emigration in die USA. Dort arbeitete er in Philadelphia als Gastwirt. 1851 verurteilte ihn ein Schwurgericht in Zweibrücken in Abwesenheit zum Tode und erst 1866 wurde er amnestiert. Daraufhin kehrte er nach Deutschland zurück, wo er bis zu seinem Tode in Goldberg lebte. Zeitlebens blieb er seinen politischen Idealen treu.

(Verfasser: Wolfgang Kraus)

Quellen:

  • Die Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, Datenbank BIORAB_FRANKFURT
  • Gehrke, Roland: Landtag und Öffentlichkeit. Provinzialständischer Parlamentarismus in Schlesien 1825-1845, Köln u. a. 2009, S. 375ff.
  • Neue Deutsche Biographie
  • Wikipedia

Schmitt, Albert

Abt des Klosters Grüssau
* 05.01.1894 in Mannheim                                           + 16.09.1970 in Neckarsulm
Wirkungsstätte: Grüssau

Created with Sketch.

Das Schicksal des Abtes Albert Schmitt ist mit dem des Abtes Ildephons Reuschel vergleichbar. Abt Reuschel war der letzte Abt vor der Säkula-risation im Jahre 1810 und Abt Schmitt der letzte in Grüssau amtierende Abt vor der Vertreibung.

In Mannheim erblickte er am 05.01.1894 das Licht der Welt und erhielt den Taufnamen Friedrich Albert. Hier besuchte er das Karl-Friedrich-Gymnasium und trat nach dem Abitur als Beneditinernovize in die Erzabtei Beuron ein. In seinen Erinnerungen schildert er, dass besondere Umstände ihn 1913 in das zum Beuroner Benediktinerverband gehörige Kloster Erdington bei Birmingham in England führten. Hier legte er am 21.05.1914 die Profess ab. Ende November 1918 wurden die deutschen Angehörigen des Klosters ausgewiesen und Albert Schmitt fand mit dem Konvent vorübergehende Zuflucht in der westfälischen Abtei Gerleve bei Coesfeld. In dieser Benediktinerabtei wurde er am 12.06.1920 von dem Bischof von Münster, Johannes Poggenburg, zum Priester geweiht.

Im Herbst des Jahres 1920 betrat der spätere Abt das erste Mal schlesischen Boden. Sein Orden entsandte ihn zur weiteren Ausbildung und auch Mithilfe nach Grüssau. In den früheren Klostergebäuden hatten sich 1919 Benediktiner aus der Prager Abtei Emmaus niedergelassen, die von den Tschechen ausgewiesen worden waren. In Grüssau wurde er in der Jugendseelsorge eingesetzt und erteilte darüber hinaus auch Unterricht. Nach eigenem Bekunden fühlte er sich hier sehr schnell heimisch. Besonders angetan war er aber von der landschaftlichen Schönheit des Riesengebirges und des Waldenburger Berglandes.

Albert Schmitts erster Aufenthalt in Grüssau endete aber bereits mit Ablauf des Jahres 1921. Den aus dem englischen Erdington ausge-wiesenen Benediktinern, die sich vorübergehend in der westfälischen Abtei Gerleve aufgehalten hatten, war Anfang 1922 die Abtei Weingarten in Oberschwaben zur Verfügung gestellt worden. Da Schmitt zu diesem Klosterverband gehörte, rief ihn sein Orden Ende 1921 nach Weingarten zurück. Wie in Grüssau, wurde ihm auch hier die Jugendseelsorge anver-traut. Albert Schmitt lebte sich in Weingarten schnell ein und sein Leben verlief in geregelten Bahnen. Wie sollte er auch ahnen, welche großen Aufgaben auf ihn warten.

Nach langwierigen Verhandlungen wurde am 19.07.1924 das Kloster Grüssau wieder zur Abtei erhoben. Erster Abt des neuen Klosters und gleichzeitig der 50. in der langen Geschichte des Klosters Grüssau wurde der erst 30jährige Albert Schmitt. Die Weihe erfolgte am 10.08.1924 durch Kardinal Bertram aus Breslau. Viele Gäste wohnten diesem feierlichen Akt bei. Die Eltern und Geschwister des neuen Abtes waren aus Mannheim angereist. Neben kirchlichen Würdenträgern und Politikern war auch der schlesische Adel vertreten. Abt Schmitt wurde mit dieser Zeremonie der jüngste Abt Deutschlands.

Nach Abschluss der Feierlichkeiten kehrte der Alltag ein und schwere Aufgaben warteten auf den jungen Abt. Die alten Klostergebäude und auch die Abteikirche bedurften dringender Reparaturen, jedoch fehlten die notwendigen finanziellen Mittel. Hier half der katholische schlesische 'Adel, der sich mit den Benediktinern eng verbunden fühlte. Für die während des Brandes der Klosterkirche am 22.10.1913 zerstörte Emanuelglocke stifteten 15 katholische Mitglieder des Vereins der schlesischen Malteserritter eine neue, die fast 108 Zentner wog. Eine rege Bautätigkeit setzte ein, Bildhauer, Steinmetze, Maler und übrige Handwerker gaben ihr Bestes, damit Grüssau wieder in neuem Glanz erstrahlen konnte.

Mit dem Jahr 1940 begann für die Benediktiner in Grüssau eine schwere Zeit und das Ende nahte. Das Kloster wurde Internierungslager, den Mönchen blieben außer den Kirchen nur drei Räume. Gegen Ende des Krieges konnten sie zwar noch einmal für kurze Zeit in die Kloster-gebäude zurück, aber am 12.05.1946 mussten auch sie Grüssau für immer verlassen. Nicht von der Ausweisung betroffen waren lediglich zwei ausländische Patres. Zu ihnen gehörte Pater Nikolaus von Lutterotti. Wieder waren die Benediktiner heimatlos geworden und auf der Suche nach einem neuen Ort für ihr Kloster. Sie fanden ihn in dem ehemaligen Ritterstift St. Peter zu Wimpfen im Tal am Neckar.

Neben seinen seelsorgerischen Aufgaben und der Leitung der Abtei war Abt Schmitt auch publizistisch tätig. Der Schwerpunkt lag auf dem kirchenhistorischen Gebiet. Zahlreiche Schriften wurden von ihm verfasst. Von 1957 - 1970 war Abt Schmitt Präses der Salzburger Benediktinerkonförderation. Aus gesundheitlichen Gründen verzichtete er am 21.03.1969 auf diei weitere Leitung der Abteil Er verstarb am 16. September 1970 und wurde auf dem Friedhof bei der Wimpfener Cornelienkirche beigesetzt.

Quellen:

  • Lätzel, Martin: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Band XXII (2003)
  • Rose Dr., Ambrosius OSB: Kloster Grüssau
  • Rose Dr., Ambrosius OSB: Zum zweitenmal Benediktinerkloster Grüssau
  • Schmitt, Albert OSB: Die Söhne St. Benedikts im Ziedertal - Erinnerungen des 50. Abtes der Abtei Grüssau (Schlesischer Gebirgsbote)
  • Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage
  • Wikipedia

Abt Albert Schmitt

Kardinal Bertram am 10. August 1924 auf dem Weg zur Abtweihe
(Bild von Frau Ursula Fröbrich)

Pater Albert Schmitt mit dem Erzabt Raphael Walzer
 auf dem Weg zur Abtweihe
(Bild von Frau Ursula Fröbrich)

Feierliche Weihe des Abtes am 10. August 1924

Scholz, Paul

Erzpriester, Geistlicher Rat
* 22.08.1863 in Breslau                                             + 07.02.1936 in Landeshut
Wirkungsstätte: Landeshut

Created with Sketch.

Als Sohn einer Beamtenfamilie in Breslau am 22.08.1863 geboren und aufgewachsen, hatte  er zunächst Mathematik und Naturwissenschaften studiert. Doch bereits nach wenigen Semestern wandte er sich der Theologie zu. Er wollte unbedingt Priester werden. Nach Abschluss seiner Universitätsausbildung wurde er am 23. Juni 1890 zum Priester geweiht.

Er wirkte zunächst als Kaplan in Hirschberg und wurde am 22. August 1893 Pfarrer in Dittmannsdorf, Kreis Waldenburg. Im Alter von 36 Jahren wurde er als Pfarrer nach Landeshut berufen, wo er 36 Jahre seines Lebens bis zu seinem Tod tätig war.

Zur Pfarrei Landeshut gehörten die Dörfer Ober-Zieder und Reichhennersdorf. Darüber hinaus bestanden vier Filialkirchen in Reußendorf, Rohnau, Schreibendorf und Wernersdorf.

Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit führte er ab 1909 die staatliche Kreisschulaufsicht über die 30 katholischen Schulen mit ihren 70 Lehr-kräften bis zur allgemeinen Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht.
Im Alter von 68 Jahren übernahm er darüber hinaus auch noch das Amt des Erzpriesters im Dekanat Landeshut.

Im Pfarrhaus in Landeshut verstarb er am 07. Februar 1936 und wurde am 11. Februar 1936 beigesetzt.

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote

Schubert, Walter

Lehrer, Kantor, Schriftsteller
* 06.05.1889 in Görlitz                                                 + 31.05.1956 in Altenkirchen
Wirkungsstätte: Wernersdorf

Created with Sketch.

Dass man neben den Berufen als Lehrer und Kantor auch schrift-stellerisch tätig sein kann, bewies in beeindruckender Weise der letzte Wernersdorfer Lehrer Walter Schubert. Als Sohn eines Volksschullehrers wurde er am 06.05.1889 in Görlitz geboren. Nach Schulzeit, Studium und ersten Anstellungen übernahm er im Juni 1919 in dem damaligen Wernersdorf, später Merzdorf, die vakante Kantor- und Lehrerstelle. Mit großer Freude übte er hier seine Tätigkeit aus. Darüber hinaus war er auch Chorleiter und Liedermeister des örtlichen Männergesangvereins "Eintracht" und viele Jahre Vorsitzender des Landeshuter Lehrervereins.  Neben seiner verantwortungsvollen Aufgabe fand er aber noch Zeit und Muße, sich der Schriftstellerei zu widmen. Mehrere Romane, Dramen und Gedichte stammen aus seiner Feder, u. a. "Die Schwertträger" 1925, "Sonnverlöschen" 1926, "Spielmann, spiel weiter" 1927. Auch größere Verlage druckten seine Werke. Darüber hinaus war er noch politisch tätig, so gehörte er zeitweise dem Bolkenhainer Kreistag an.

Im Jahre 1944 wurde Walter Schubert nach Breslau abgeordnet und leitete dort als Rektor eine Umsiedlerheimschule bis zum Zusammen-bruch. Die letzten Monate vor der Vertreibung verbrachte er mit seiner Familie in Merzdorf.

Seine Ehefrau Elfriede, geb. Hauß (geb. 29.06.1887), war ebenfalls von Beruf Lehrerin. Vom 1.10.1908 bis 31.03.1934 war sie an der evangelischen Kantorschule in Merzdorf tätig und vom 1.04.1934 bis zum 30.09.1939 in Greulich, Kreis Bunzlau.

Nach dem Krieg lebte Walter Schubert mit seiner Ehefrau und der jüngsten Tochter zunächst in Helmstedt. Im Jahre 1951 verzog er mit seiner Ehefrau nach Volkerzen, Kreis Altenkirchen. Hier war er ebenso unermüdlich tätig, wie in seiner schlesischen Heimat. Er gründete eine Volkshochschule und gehörte als Mitglied einer politischen Partei mehreren Ausschüssen an. 1954 zog die Familie in die Kreisstadt Altenkirchen. Aber auch in der neuen Heimat entstanden mehrere schriftstellerische Werke.

Trotz aller beruflichen und schriftstellerischen Erfolge blieben ihm persönliche Schicksalsschläge nicht erspart. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau, die ihm zwei Töchter schenkte, heiratete er eine frühere Wernersdorfer Kollegin. Walter Schubert verstarb am 31. Mai 1956 in Altenkirchen und wurde am 03. Juni 1956 beigesetzt.

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote

Schuppert, Martin

Stiftsbaumeister, Stadtbaumeister
*              1633 in Reuth (Böhmen)                             + 28.07.1710 in Landeshut
Wirkungsstätten: Grüssau, Landeshut

Created with Sketch.

Der Stiftsbaumeister Martin Schuppert hat sich sowohl in Grüssau als auch in Landeshut große Verdienste erworben. Seine Wiege stand in Reuth bei Asch in Nordwestböhmen. Hier wurde er im Jahre 1633 als Sohn des Peter Schuppert geboren.

Als Abt Bernardus Rosa 1662 in Grüssau eine Stiftsbauhütte gründete, ernannte er den böhmischen Baumeister Martin Schuppert zu deren Leiter. Mit großem Verantwortungsbewusstsein übte er dieses Amt bis zum Jahre 1684 aus. Unter seiner Leitung wurden viele großartige kirchliche und profane Bauten im Klosterland errichtet, u. a. die Pfarrkirche in Schömberg, der Neubau des Konventsgebäudes in Grüssau usw. Martin Schuppert entwarf auch die Pläne für die Kapelle in Bethlehem und leitete die Bauausführung.

Am 08.02.1667 heiratete er in der Grüssauer Kirche Maria Rösner, die Tochter des Großgärtners Adam Rösner aus Hermsdorf. Gemeinsam mit seinem Schwager Matthias Mayer aus Landshut in Bayern, der sich 1679 mit Rosina Rösner vermählt hatte, arbeitete er am Bau der wundervollen Schömberger Pfarrkirche und der Bethlehemskapelle. Martin Schuppert leitete die Bauarbeiten und Matthias Mayer war für die Stuckarbeiten zuständig. 1684 verließ die Familie Schuppert Grüssau und zog nach Landeshut. Hier erwarb Martin Schuppert das Bürgerrecht und wurde Stadtbaumeister. Er verstarb am 28.07.1710.

Quellen:

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen - Schlesien
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Kloster Grüssau in den Zeitaltern des Barock, Rokoko und Klassizismus (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Vom unbekannten Grüssau

Schwandt, Ewald

Redakteur
* 04.05.1879 in Hirschberg                                        + 07.12.1952 in Diepholz
Wirkungsstätte: Landeshut

Created with Sketch.

Der bekannte Redakteur und Ehrenbürger der Stadt und des Kreises Landeshut Ewald Schwandt wurde am 4. Mai 1879 in Hirschberg geboren. Wie seine beiden Brüder wandte auch er sich nach dem Besuch der Mittelschule seiner Heimatstadt Hirschberg dem Buchdruck- und Zeitungsfach zu. Er absolvierte eine dreijährige redaktionelle Ausbildung bei dem "Hirschberger Tageblatt" und war anschließend als Journalist in mehreren deutschen Städten tätig: Glogau, Hordhausen (Harz), Freien-walde, Gardelegen (Altmark), Lobenstein, Schmalkalden (Thüringen), Annaberg (Erzgebirge), Ohlau (Schlesien), Striegau, Friedland (Bez. Breslau), Haynau, Marienburg (Westpreußen), Schweidnitz und Sagan. Während dieser Zeit sammelte er reichlich Erfahrung.

Etliche Jahre war er als Hauptschriftsteller der "Thorner Presse" tätig, bevor er am 1. April 1919 als Redakteur der "Landeshuter Zeitung" nach Landeshut kam. Dieser Druckereibetrieb wurde im Jahre 1840 von den Leipziger Brüdern Louis und Karl Lips auf der Liebauer Straße gegründet und gelangte nach dem Tod der Gründer in stetig wechselnde Hände. Auch der Name der Zeitung wechselte im laufe der Zeit, vom "Wochen-blatt für den Landeshuter und Bolkenhainer Kreis" über das "Landes-huter Kreisblatt" bis zur "Landeshuter Zeitung".

Bis zum Eintritt in den Ruhestand am 1. Oktober 1938 war Ewald Schwandt in leitender Stellung bei dem Verlag tätig. Besonderen Wert legte er auf den heimatkundlichen Teil der Zeitung. Besonders bemühte er sich auch um die jungen journalistischen Nachwuchskräfte. Im Ruhestand widmete er sich der Heimatforschung. Er veröffentlichte sehr viele Aufsätze und beabsichtigte, sein reichhaltiges Material als dritten Band des Heimatbuches des Kreises Landeshut herauszugeben. Der Krieg machte dieses Vorhaben leider zunichte. Für seine Verdienste um die Stadt und den Kreis Landeshut wurde er mit dem Ehrenbürgertitel geehrt.

Verheiratet war Ewald Schwandt seit dem 18. September 1909 mit Ehefrau Olga, geb. Stiller. Nach dem Krieg kamen die Eheleute nach Wagenfeld-Förlingen. Im nahen Diepholz verstarb Ewald Schwandt am 7. Dezember 1952. Seine Beisetzung erfolgte am 10. Dezember 1952.

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote

Semper, Ernst Leberecht

Pastor, Barockdichter
* 01.06.1722 in Heidewilxen                                        + 08.03.1758 in Landeshut
Wirkungsstätte: Landeshut

Created with Sketch.

Dass auch ein Pastor die Dichtkunst beherrscht, bewies der Barockdichter Ernst Leberecht Semper. Geboren wurde er am 01.06.1722 in Heidewilxen im Fürstentum Oels als Sohn des Pastors Johann Ernst Semper. Nach dem Besuch des Magdalenengymnasiums in Breslau studierte er von 1741 - 1744 Theologie in Jena. Dort war er Mitglied der "Deutschen Gesellschaft", einer Vereinigung literaturbegeisterter Studenten, der auch viele Adlige angehörten. In diesem Kreis wurde sein Interesse für die Dichtkunst geweckt und er trat bereits mit eigenen Dichtungen hervor.

Bevor Ernst Leberecht Semper am 07.09.1749 einem Ruf als Diakonus an die Gnadenkirche nach Landeshut folgte, war er Prediger in Obernigk im Kreis Trebnitz. Seit dem 28.08.1748 war er mit Johanna Elisabeth Goldammer verheiratet, der Tochter des Breslauer Kauf- und Handelsherren Ferdinand Goldammer. Sein erstgeborener Sohn Ernst Ferdinand, der am 20.07.1749 in Großweigelsdorf im Hause des Großvaters Semper zur Welt gekommen war, sicherte den Fortbestand des Familiennamens. Ein weiterer Sohn verstarb bereits im Säuglingsalter, ebenso zwei Mädchen. Eine dritte Tochter wurde erst nach dem frühen Tod des Vaters geboren.

In Landeshut fand Semper sehr schnell einen guten und zuverlässigen Freund, Christian Samuel Ulber, Archidiakon an der Gnadenkirche. Obwohl Ulber Sempers Vorgesetzter war, tat dies dem engen Freundschaftsverhältnis keinen Abbruch, da auch er ein begeisterter Dichter war. Semper übte sein neues Amt mit sehr großem Eifer aus, konnte aber von seiner geliebten Dichtkunst nicht lassen. Er verfasste viele Gedichte, welche zum größten Teil geistlichen Inhalts sind. Auch die gräfliche Familie von Hochberg auf Schloss Fürstenstein bedachte er mit seinen Gedichten. Aus dem Jahr 1756 stammt ein Büchlein mit dem Titel "Der Christ in Adersbach - Christliche Gedanken über das wunderbare Steingebirge zu Adersbach im Königreich Böhmen". Dieses Buch befindet sich heute in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel.

Als Christian Samuel Ulber 1757 die vakante Stelle des Hauptpastors der St. Jacobikirche in Hamburg übernahm und Landeshut verließ, war dies für seinen Freund Ernst Leberecht Semper ein schwerer Verlust.Er trat zwar dessen Nachfolge im Amt des Archidiakons an, war aber dieser Aufgabe nicht gewachsen. Die größere Arbeitslast und Verantwortung sowie der Schmerz über die Trennung von seinem Freund setzten seinem Leben ein frühzeitiges Ende. Er verstarb am 8. März 1758.

Quellen:

  • Arbeitskreis Landeshut: Geschichte der ev. Gnadenkirche Landeshut/Schlesien, Festschrift zum 300jährigen Jubiläum der Grundsteinlegung 1709 - 2009
  • Autor: I. U.: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891)
  • Brügmann, Martin: Die Gnadenkirche Landeshut
  • Geschichte der ev. Gemeinde zu Landeshut vor und seit Erbauung der jetzigen Kirche und Schule, ein Denkmal am ersten hundertjährigen Jubelfeste, Landeshut, 1809, neu herausgegeben, Kamienna Góra, 2007
  • Grünewald: Aus der Predigergeschichte des Kirchenkreises Landeshut
  • Wikipedia

Semper, Gottfried, Dr. h. c.

Architekt
* 29.11.1803 in Hamburg                                              + 15.05.1879 in Rom
Früherer Wohnort des Vaters: Landeshut

Created with Sketch.

Die Wurzeln des weltberühmten Architekten Gottfried Semper, Erbauer der nach ihm benannten Semperoper in Dresden, liegen in Landeshut. Die Familie Semper war eine der ältesten Landeshuter Familien. Sie konnte auf einen 400jährigen Stammbaum in Landeshut zurückblicken. Viele national und international bekannte Persönlichkeiten sind aus dieser Familie hervorgegangen. Sie war früher Eigentümerin des Hauses Markt Nr. 7, das im Jahre 1616 erbaut wurde und wohl das älteste Privathaus der Stadt war. Erworben wurde es im Rahmen einer Erbschaft. Darüber hinaus besaß die Familie das an der Böhmischen Straße (später Langhans-Straße) gelegene Eckhaus, in dem sich das alte Rathaus befand. Dieses Haus hatte die Stadt Landeshut am 05.02.1874 gekauft.

Gottfried Emanuel Semper, der Vater des später so berühmt gewordenen Architekten, war als junger Mann von Landeshut nach Hamburg gezogen, gelangte als Wollfabrikant zu Wohlstand und gründete mit seiner Ehefrau Johanna Marie, geb. Paap eine Familie. In Hamburg erblickte Gottfried Semper am 29.11.1803 als fünftes von acht Kindern das Licht der Welt. Seine Schulausbildung begann er auf der Gemeinde-schule in Barmstedt und besuchte anschließend das Hamburger Gymnasium Johanneum. Nach dem Abitur studierte er an der Universität Göttingen Mathematik und Geschichte. Am 30.03.1825 verließ Semper Göttingen und begab sich nach München um an der Kunstakademie Architektur zu studieren. Dort lehrte Friedrich von Gärtner, einer der bedeutendsten Baumeister im damaligen Königreich Bayern. Sempers Münchener Studienzeit war jedoch nur von kurzer Dauer. Über Heidel-berg, Würzburg und Regensburg kam er 1826 nach Paris und lernte Franz Christian Gau kennen. Dieser war Leiter einer Architekturschule, die hauptsächlich Deutsche ausbildete. Gaus bekanntester Schüler war Gottfried Semper. Mit seinem Lehrer blieb Semper bis zu dessen Tod im Jahre 1853 freundschaftlich verbunden.

Nach zweijährigem Aufenthalt verließ Semper die Seinemetropole und begann 1828 als Volontär am Hafenbau in Bremerhaven zu arbeiten. Aber bereits 1829 reiste er zu seinem erneuten Studienaufenthalt nach Paris zu seinem Lehrer Gau. Von Paris aus begab er sich auf eine mehrjährige Studienreise. Sie führte ihn über Marseille, Genua und Sizilien nach Griechenland. Hier wollte er die Bauten der Antike studieren. Zu diesem Zweck war er 1832 vier Monate lang an archäologischen Forschungen auf der Athener Akropolis beteiligt. Im Jahr 1833 kehrte er über Rom und Mailand nach Deutschland zurück und machte in Berlin die Bekanntschaft mit Karl Friedrich Schinkel, dem Oberbaudirektor des preußischen Königs.

Auf Fürsprache seines Parisers Freundes Franz Christian Gaus berief ihn die Königliche Akademie der bildenden Künste in Dresden am 17.05.1834 als Professor der Architektur an die Hochschule. Die Einführung erfolgte am 30.09.1834. Er leistete dem sächsischen König den Untertaneneid und wurde somit sächsischer Staatsbürger. Hier in Dresden begann nun seine große Schaffensperiode. Es entstanden u. a. das Maternihospital (Frauen-Versorgungshaus), das Hoftheater, welches jedoch 1869 abbrannte, die Villa Rosa, die Synagoge, das Oppenheim-Palais, das Neue Hoftheater (die spätere Semperoper). Auch Grabdenkmäler auf Dresdener Friedhöfen stammen von Semper, für die Familie Oppenheim auf dem Trinitatis-Friedhof, für den Kunstforscher Freiherrn von Rumohr auf dem alten Neustädter Friedhof und für Carl Maria von Weber (1844 von London nach Dresden überführt) auf dem katholischen Friedhof.

Semper konnte während seiner Dresdener Zeit nicht nur berufliche Erfolge vorweisen, auch privat war das Glück auf seiner Seite. Am 1. September 1835 heiratete er Bertha Thimmig, die Tochter eines königlich sächsischen Majors a. D. Aus dieser Ehe gingen bis 1848 sechs Kinder hervor, vier Söhne und zwei Töchter. Der älteste Sohn Manfred wurde ebenfalls Architekt, Emanuel Bildhauer. Der dritte Sohn Hans, Dr. phil, war als Dozent für Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck tätig. Über den Werdegang des vierten Sohnes ist nichts bekannt. Von Sempers beiden Töchtern heiratete eine den Bürgermeister Mölling aus Kiel, die andere den Hofrat Prof. Dr. Sickel aus Wien. Sempers Ehefrau starb bereits am 13. Februar 1859 in Zürich.

Der Dresdener Maiaufstand 1849, an dem er sich gemeinsam mit seinem Freund, dem Komponist Richard Wagner aktiv beteiligte, beendete jäh sein großes Schaffen in der sächsischen Elbmetropole. Da er nach dem Scheitern des Aufstandes von der neuen Regierung steckbrieflich gesucht wurde, floh er unter Zurücklassung seiner Familie über Pirna und Zwickau nach Würzburg. Dresden sah er nie wieder, obwohl der Steck-brief gegen ihn 1863 aufgehoben wurde. Als das von ihm erbaute Hoftheater 1869 abbrannte und er mit dem Bau eines neuen Theaters beauftragt wurde, lieferte er lediglich die Pläne. Den Bau leitete aber sein ältester Sohn Manfred nach seinen väterlichen Anweisungen.

Nach mehreren Zwischenaufenthalten in Hof, Karlsruhe und Straßburg erreichte Semper schließlich Paris. Hier verweilte er bis zum Jahre 1851. Seine Absicht, nach Amerika auszuwandern, zu welchem Zweck er bereits seine Familie von Dresden nach Hamburg beordert hatte, gab er auf, als ihm in England eine Tätigkeit versprochen wurde. Dort erhielt er zwar einige Aufträge, aber keine Festanstellung. Als ihm am 7. Februar 1855 die Professur für Architektur am Polytechnikum in Zürich angeboten wurde, nahm er begeistert an. Nunmehr begann seine ebenso erfolgreiche Züricher Zeit, die bis zum Jahre 1871 dauerte. In diesen Jahren entstanden der Neubau des Polytechnikums, die Sternwarte, das Haus des Nationalrates Fierz und die auf einem Ponton platzierte pompejanisch dekorierte Waschanstalt. In Winterthur baute er das 1866 vollendete Rathaus.

Im September 1871 siedelte Semper nach Wien um. Gemeinsam mit dem Architekten Karl Freiherr von Hasenauer, den er sich selber zum Partner gewählt hatte, leitete er die Bauten des Kunsthistorischen und des Naturhistorischen Museums sowie des Burgtheaters. Zwischenzeitlich war er zum K. K. Oberbaurat ernannt worden. Nach Reibereien mit seinem Partner beendete Semper 1876 die gemeinsame Arbeit.

Gesundheitliche Gründe zwangen ihn, den Winter 1876/77 in Venedig zu verbringen. Im Sommer 1877 suchte er Erholung in Bad Reichenhall. Nach kurzen Aufenthalten in Leipzig und Wien reiste er erneut nach Italien. In Gegenwart seines ältesten Sohnes Manfred verstarb er am 15. Mai 1879 in Rom. Beigesetzt wurde er auf dem protestantischen Friedhof an der Cestius-Pyramide in Rom. Für seine Verdienste wurde er mehrfach ausgezeichnet. Die Münchener Akademie der Künste ernannte ihn 1862 zu ihrem Ehrenmitglied, von der Universität Zürich erhielt er 1864 den Titel Dr. phil. h. c., 1865 wurde er Mitglied der Berliner Kunstakademie und im folgenden Jahr Mitglied der Münchener Akademie der Wissen-schaften. An Orden schmückten ihn der Sächsische Zivilverdienstorden, der Komthur des Franz-Josephs-Ordens, der Komthur des Hessischen Hausordens und seit 1874 der Orden Pour le Mérite. Mehrere Denkmäler wurden ihm zu Ehren errichtet, in Dresden, Zürich und in Hamburg. Ferner wurden einige Straßen nach ihm benannt, in Essen, Berlin-Schöneberg, Leipzig, Hamburg-Winterhude und auch in Wien.

Quellen:

  • Autor: S. H.: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891)
  • Lipsius, Constantin: Gottfried Semper in seiner Bedeutung als Architekt
  • Nachrichten des Turmknopfes der ev. Kirche zu Landeshut von 1717 bis 1837
  • Salisch, Hugo: Alte Kaufmannshäuser und alte Kaufmannsfamilien in Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Semper, Hans: Gottfried Semper - Ein Bild seines Lebens und Wirkens 
  • Wikipedia 


Folgendes Bild zeigt die Semperoper in Dresden.

Stanietz, Walter

Schriftsteller, Bühnenautor
* 31.08.1907 in Kattowitz                                             + 13.05.1965 in Kritzenast
Kindheit, Jugend: Landeshut

Created with Sketch.

Wer kennt nicht den großartigen schlesischen Bauernroman "Das tägliche Brot"? Der Autor dieses Werkes Walter Leo Josef Stanietz verbrachte seine Kindheit und Jugend in Landeshut. Geboren wurde er am 31. August 1907 im oberschlesischen Kattowitz als Sohn des Geschäftsmannes Leo Stanietz.

Während Walters Schulzeit zog die Familie Stanietz von Kattowitz nach Landeshut. Hier eröffnete Leo Stanietz im Hause Markt Nr. 7 sein Geschäft für Damen-Kleiderstoffe, Leinen- und Baumwollwaren, Gar-dinen, Trikotagen und Strümpfe. Der junge Walter besuchte hier zwar das Gymnasium, jedoch mit mäßigem Erfolg. Der Schulbesuch behagte ihm ebenso wenig, wie die auf Veranlassung des Vaters aufgenommene kaufmännische Tätigkeit in Glogau. Er wollte einen künstlerischen Beruf ergreifen. Einem Journalisten gegenüber äußerte er sich einmal wie folgt: "Ich bin in Schlesien geboren, um es genau zu sagen, in Oberschlesien, wo ja bekanntlich ein kräftiger Menschenschlag gedeiht. Ich war - nach einer strengen Kindheit - erst Kaufmann, das heißt, ich war es nicht, sonst wäre ich heute nicht Dichter. Seit Kindesbeinen, wie man so sagt, musste ich schreiben, zum Entsetzen meiner Verwandtschaft, die nicht recht begreifen konnte, warum eigentlich. Damals hat sie entschieden recht gehabt, denn ich fiel aus einer guten Bürgerreihe heraus. Nicht mit Absicht - ich schätze den Bürger - sondern aus innerer Notwendigkeit".

Entscheidend für seinen späteren Werdegang und auch für seine beruflichen Erfolge  wurden die Begegnungen mit dem Grüssauer Benediktinerprior Prof. Dr. Justinus, dem Schriftsteller Gerhart Hauptmann sowie Aufführungen einer Wanderbühne. Er suchte den Kontakt zu dem literarischen Kreis um Gerhart Hauptmann und begann, selber zu schreiben. Einige Zeit verbrachte er auch in der Künstlerkolonie auf Hiddensee. Auf dieser Insel verlebte die Familie des großen Schrift-stellers Gerhart Hauptmann seit 1926 die Sommermonate.

Walter Stanietz Erstlingswerk "Die Grunerts" wurde bereits ein Erfolg. Die Uraufführung des Dramas fand 1935 in Bochum statt und wurde an-schließend auf 28 weiteren Bühnen gespielt. Das nächste Bühnenwerk "Der Bauernkanzler", in dem die Ereignisse des Bauernkrieges thema-tisiert wurden, ließ nicht lange auf sich warten. 1936 wurde es zu gleicher Zeit an den Bühnen in Münster, Königsberg und Breslau uraufgeführt.

Nach Aufenthalten in Prerow an der Ostsee und in Berlin bekam Walter Stanietz Heimweh nach Schlesien. Er bezog ein eigenes Haus in Stein-seiffen in der Nähe von Krummhübel. Hier begann nun seine große Schaffensperiode. Er schrieb die Kindertragödie "Das Kind Gustel", das Schauspiel "Der Weg der Marie Tschenscher", welches 1936 im Alten Theater in Leipzig uraufgeführt und anschließend auf weiteren 30 Bühnen gespielt wurde. Das Drama "Die Mutter", 1938 in Mannheim uraufgeführt, wurde auf 90 Bühnen gespielt und kam darüber hinaus in französischer Übersetzung sogar in Paris zur Aufführung.

Im Jahr 1940 veröffentlichte Walter Stanietz den großartigen Bauern-roman "Das tägliche Brot". Hier schilderte er seine Erlebnisse auf dem großmütterlichen Bauernhof. Das Buch erreichte eine Gesamtauflage von einer halben Million und wurde auch in Russische und Holländische übersetzt. Den Höhepunkt seiner Karriere als Dramatiker erlebte er mit der "Ballade am Strom", welche 1943 unter dem Titel "Katrin" am Schiller-Theater in Berlin uraufgeführt wurde. Namhafte Schauspieler wie Heinrich George, dessen Ehefrau Berta Drews sowie Horst Caspar und Ernst Schröder wirkten in dieser Inszenierung mit. Der großartige Erfolg dieses Werkes mag mit dazu beigetragen haben, dass Walter Stanietz der Oberschlesische Kulturpreis verliehen wurde.

Das Kriegsende erlebte Walter Stanietz in Schlesien und wurde kurzzeitig von der polnischen Miliz inhaftiert. Auf Fürsprache Gerhart Hauptmanns kam er wieder frei und gehörte nach dessen Tod im Jahr 1946 zu den Mitfahrern des Gerhart-Hauptmann-Sonderzuges nach Dresden. Sein letzter Wohnort war das kleine Dorf Kritzenast im Bayerischen Wald. Für sein 1943 noch in Steinseiffen geschriebenes Drama "Die Brüder" wurde er 1954 mit dem Adalbert-Stifter-Preis ausgezeichnet. Aufgeführt wurde dieses Werk in Donaueschingen.

In seinen letzten Lebensjahren befasste sich Walter Stanietz mit der Esoterik und hielt Kontakt zu dem indischen Philosophen Yogananda. Sein Spätwerk, das zum Teil posthum veröffentlicht wurde, beschäftigt sich mit den letzten Fragen des Seins.

Walter Stanietz verstarb am 13. Mai 1965 in Kritzenast. Verheiratet war er in 1. Ehe mit Gerda, geb. Tschechne und in 2. Ehe mit Uta Charlotte, geb. Schibura.

Quellen:

  • Richter, Gustav: Berühmte Zeitgenossen aus Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia

Thomas-Gottesberg, Fritz

Bildhauer, Grafiker, Maler
* 08.07.1910 in Gottesberg                                          + 04.06.1997 in Flensburg
Wirkungsstätte: Grüssau, Liebau

Created with Sketch.

Der bekannte Bildhauer und Grafiker wurde am 8. Juli 1910 in Gottesberg im Kreis Waldenburg geboren. Seine Taufe empfing er in der evangelischen Kirche in Gottesberg. Mit seinem Geburtsort fühlte er sich so eng verbunden, dass er seinem Namen den Namen Gottesberg anfügte. Unter dem Namen Fritz Thomas-Gottesberg wurde er weltbekannt.

Nach der Schulausbildung erlernte er das Tischlerhandwerk. Bereits in jungen Jahren zeigte sich aber sein Talent zur Bildhauerei. Was lag daher näher, als die weltbekannte Holzschnitzschule in Bad Warmbrunn zu besuchen. Diese Schule bestand vom 7. November 1902 bis zum 1. März 1946 und gehörte vier Jahrzehnte zum Mittelpunkt des kunstgewerblichen Schaffens im Riesengebirge. Die Schüler erhielten hier theoretischen und praktischen Unterricht. Die bekannteste Klasse war die des Holzbildhauers und Medailleurs Cirillo Dell`Antonio, des vierten Direktors dieser Schule. Dell`Antonio brachte den weichen Südtiroler Stil seiner Heimat mit, andere Lehrer kamen aus Gegenden mit anderen Ausdrucksformen. So verschmolzen verschiedene Kunstrichtungen in den Kunstwerken, die die Schüler und Lehrer der Holzschnitzschule Bad Warmbrunn fertigten. Im Jahre 1937 erteilte das Ministerium der Schule die Bezeichnung "Meisterschule des deutschen Handwerks für Bildhauer und Tischler".

Fritz Thomas-Gottesberg absolvierte 15 Semester an dieser Schule. Während dieser Zeit war er fünf Jahre Meisterschüler bei Prof. Cirillo Dell`Antonio, nahm an vielen Kursen teil und gewann die Wettbewerbe. U. a. schnitzte er das Kruzifix für das Karlshospital in Kassel. Er nahm auch an Vorlesungen des berühmten Prof. Gunther Grundmann teil, der später Provinzialkonservator für Niederschlesien in Breslau war.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Bildhauerschule in Bad Warmbrunn kehrte Fritz Thomas-Gottesberg mit seiner Ehefrau Monika und Sohn Frank nach Gottesberg zurück und bezog eine Wohnung an der Bahnhofstraße. Der Künstler arbeitete in Ateliers in Liebau und Grüssau. Dort entstanden seine schönsten schlesischen Kunstwerke. Meistens waren es Skulpturen religiöser Art. Im Grüssauer Atelier entstand das große Kreuz mit Jesus für die Kirche in Dittersbach/Kreis Waldenburg. Der zweite Weltkrieg und die zweijährige Gefangenschaft unterbrachen sein künstlerisches Schaffen; dennoch schuf er in dieser Zeit über 120 Porträtzeichnungen.

Auch die Familie Thomas-Gottesberg musste nach Kriegsende die Heimat verlassen. Die Werkstatt und seine Arbeiten wurden vernichtet. Die Familie kam nach Munster in Niedersachsen, später zog sie nach Flensburg. Seit 1948 war Thomas-Gottesberg an der Werkkunstschule in Flensburg als Lehrer tätig und konnte hier seine pädagogischen und künstlerischen Fähigkeiten einsetzen. Er wirkte dort bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1975. Einer seiner Meisterschüler war bis 1961 der bekannte Grafiker und Bildhauer Siegbert Amler aus Hirschberg, dessen Arbeiten mehrfach ausgezeichnet wurden. U. a. wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Sein künstlerisches Schaffen setzte er auch in seiner neuen Heimat Niedersachsen unbeirrt fort. Es entstanden Kunstwerke in unterschiedlicher Technik: Skulpturen, aber auch Malerei und Grafiken. Der Künstler experimentierte mit verschiedenem Material. Er schuf viele grafische Zyklen als Holz- und Linolschnitte, wie z. B. die Reihe "Wo die Bäume sind".

Im Jahre 1980 hatte er seine erste Ausstellung in Munster. Es waren über 50 Linolschnitte aus dem Zyklus "Mühlen und Menschen". Dieser Zyklus wurde auch im internationalen Mühlen-Museum in Gifhorn in Niedersachsen ausgestellt. Weitere Ausstellungen in anderen Städten Deutschlands folgten. 

Am 20. Oktober 1989 unterzeichneten der Bildhauer und die Stadt Munster einen Vertrag, der die Überlassung seines Werkes an die Stadt regelte. In dieser Zeit entwarf er für Munster ein Modell für den Heidebrunnen und gab ihm den Titel "Vegetatives". Zur Eröffnung der Ausstellung "Natur im Städtebau" goss er die Bronzestatue "Der Junge mit der Schnecke". Am Mühlenteichpark in Munster kann man die Plastik "Intervall" bewundern.

Zum 80. Geburtstag des Künstlers im Jahre 1990 gab die Stadt Munster einen Katalog heraus, in dem 77 Kunstwerke abgebildet wurden, unter ihnen vier, die er für seine Heimatstadt Gottesberg geschaffen hatte.

Thomas-Gottesberg war nicht nur Bildhauer, Maler und Grafiker, sondern auch Schriftsteller. Es gibt ein bisher noch nicht veröffentlichtes Prosa-Werk von Erzählungen mit dem Titel "Der Sonnenwirbel". Darüber hinaus veröffentlichte er viele Fachaufsätze und schrieb Kunstkritiken.

Fritz Thomas-Gottesberg starb am 4. Juni 1997 kurz vor seinem 87. Geburtstag und wurde in Flensburg beigesetzt. Dort starb am 13. Mai 2010 seine Witwe Monika Thomas. Die Sammlung des Künstlers, die sich im Eigentum der Stadt Munster befand, wurde im Jahre 2008 noch einmal in einer Ausstellung präsentiert und danach an den Sohn Frank Thomas zurückgegeben.

Quellen:

  • Poludniak, Natalia: "Längst in andren Landen" - Lebensbild des schlesischen Künstlers Fritz Thomas-Gottesberg, in Schlesischer Gottesfreund, Heft Nr. 2/2013
  • Wikipedia

Selbstporträt aus dem Zyklus "Mühlen und Menschen"

Die Holzschnitzschule in Bad Warmbrunn

Im Atelier in Liebau

(aus dem Katalog: "Stadt Munster, Sammlungen Fritz Thomas Gottesberg",

zur Verfügung gestellt von Frau Roswitha Rüschkamp)

Atelier in Grüssau, Gemeinschaftsarbeit an einem 3 Meter großen Cruzifix
 für die Kirche in Dittersbach.

(aus dem Katalog: "Stadt Munster, Sammlungen Fritz Thomas Gottesberg", 

zur Verfügung gestellt von Frau Roswitha Rüschkamp)

Lutherkopf für die Kirche in Gottesberg

Bronzestatue "Der Junge mit der Schnecke"

Plastik "Intervall"

von Tiele-Winckler, Eva

Diakonisse
* 31.10.1866 in Miechowitz OS.                                    + 21.06.1930 in Miechowitz OS.
Wirkungsstätte: Michelsdorf

Created with Sketch.