Ansorge, Conrad, Prof.

Komponist, Pianist, Musikpädagoge
* 15.10.1862 in Buchwald bei Liebau                     + 13.02.1930 in Berlin

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Der Sohn des aus Arnsdorf stammenden Kaufmanns Paul Ansorge und dessen Ehefrau Anna, geb. Eitrich aus Schömberg sollte ursprünglich Geistlicher werden. Nach Absolvierung der Landeshuter Oberrealschule widmete er sich aber der Musik. Er studierte von 1880 - 1882 an dem Leipziger Konservatorium für Musik. Diese Musikhochschule wurde im Jahr 1843 von dem namhaften Gewandhauskapellmeister, Komponisten und Pianisten Felix Mendelssohn Bartholdy gegründet. Sie galt und gilt als eine der renommiertesten Musikhochschulen Europas. Kein Geringerer als der berühmte Dirigent und Leipziger Gewandhausdirektor Arthur Nickisch war Ansorges Lehrer. Bereits während des Studiums entwickelte er solche Fähigkeiten, dass er bald für würdig befunden wurde, in den Gewandhauskonzerten mitzuwirken.

In der Zeit von 1883 - 1885 lebte Ansorge in Weimar, war dort Schüler von Franz Liszt und begab sich mit ihm auch nach Rom. Anschließend unternahm er mehrere Konzertreisen durch Europa. Nach dem Tod seines geschätzten Lehrers reiste Ansorge nach Nordamerika, wo er sofort große Erfolge als Pianist feiern konnte. Die schöne Studienzeit in Weimar hatte bei ihm aber einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, so dass er sich nach seinen Auslandsreisen 1893 für zwei Jahre in dieser schönen Stadt niederließ. Ab 1895 lebte er dann in Berlin. Er fand dort sehr schnell Zugang zu literarischen Kreisen. Die zeitgenössische Lyrik von Stefan George, Alfred Mombert und Stanislaw Przybyszewski wurde durch ihn erstmalig vertont. In Berlin lernte Ansorge den damals schon berühmten italienischen Pianisten, Komponisten und Musikpädagogen Professor Ferrucio Busoni kennen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft, so dass beide später auch gemeinsame Konzerte gaben. Von Berlin aus unternahm Ansorge immer weitere und häufigere Konzertreisen durch ganz Deutschland, Europa und 1906 auch nach Südamerika.

Von 1898 - 1903 unterrichtete er am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin. Dieses 1893 gegründete Musikinstitut war eine international sehr renommierte Ausbildungsstätte. In den Sommermonaten der Jahre 1910 - 1925 leitete er eine Meisterklasse am Königsberger Konservatorium und seit 1920 auch die Meisterklasse für Klavier an der Deutschen Akademie für Musik in Prag. Im Jahr 1913 erhielt er den Professorentitel. Zu seinen Schülern gehörten u. a. der später weltberühmte Dirigent Wilhelm Furtwängler sowie die Pianisten Eduard Erdmann, Rudolf Müller-Chappuis und Mina Tobler.

Trotz seiner großen beruflichen Erfolge vergaß Conrad Ansorge seine schlesische Heimat nicht. Als im Jahr 1910 das zweihundertjährige Bestehen der Landeshuter Oberrealschule gefeiert wurde, gab er im Rahmen der Festveranstaltung ein Konzert, das für die Zuhörer unvergesslich wurde.

Verheiratet war Prof. Conrad Ansorge seit dem 14.07.1891 mit der Pianistin und renommierten Klavierpädagogin Margarete, geb. Wegelin (1872 - 1944). Sie war die Tochter des Maschinenfabrikanten Albert Wegelin aus Köln und dessen Ehefrau Sophie, geb. Kloss. Während der Ehe wurden zwei Söhne und zwei Töchter geboren. Sohn Joachim Ansorge (1893 - 1947) hatte das musikalische Talent seiner Eltern geerbt. Er war ebenfalls Pianist und Klavierpädagoge in Berlin sowie am Institut für Schul- und Kirchenmusik in Königsberg.

Prof. Conrad Ansorge starb am 13.02.1930. Auf Beschluss des Berliners Senats erhielt er ein Ehrengrab auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Charlottenburg. An seinem früheren Berliner Wohnhaus in der Nussbaumallee 27 wurde eine Gedenktafel angebracht.

Berühmt wurde er durch seine Interpretationen der Werke von Ludwig van Beethoven, Frederic Chopin, Franz Schubert, Robert Schumann und Franz Liszt, seinem Lehrer. Er komponierte selbst auch Orchester- und Kammermusik sowie über 60 Lieder und 2 Streichquartette.

Quellen:

  • Benedict, Carl: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Neue Deutsche Biographie - Band 1, Conrad Ansorge
  • Richter, Gustav: Berühmte Zeitgenossen aus Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia

Das frühere Wohnhaus von Prof. Conrad Ansorge in 

Berlin, Nussbaumallee 27

Das Ehrengrab auf dem Friedhof in Berlin-Charlottenburg

Arndt, Walther, Prof. Dr. Dr.

Mediziner, Zoologe
* 08.01.1891 in Landeshut                                       + 26.06.1944 in Brandenburg

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Die Liebe zur Zoologie und Medizin wurde Prof. Dr. Dr. Walther Arndt praktisch in die Wiege gelegt. Sein Großvater Wilhelm Arndt amtierte als Kreistierarzt in Bolkenhain und sein Vater war der Veterinärrat Fedor Arndt, der von 1890 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1928 in Landeshut den städtischen Schlachthof leitete. Darüber hinaus war Vater Fedor Arndt in der Zeit von 1923 - 1926 Stuhlmeister, d. h. Vorsitzender der Freimaurerloge "Zum innigen Verein im Riesengebirge" in Landeshut. An seinem 14. Geburtstag starb Walthers Arndts geliebte Mutter Klara Arndt, geb. Conrad. Dadurch fühlte er sich noch enger zu seinem Vater und seiner fünf Jahre jüngeren Schwester Ilse hingezogen.

Arndt besuchte das Realgymnasium in Landeshut und schloss seine Schulausbildung Ostern 1909 mit dem Abitur erfolgreich ab. Danach studierte er an der Universität Breslau Medizin und Naturwissenschaften. Bereits während seiner Studienzeit wurde er von verschiedenen Gesellschaften zur Teilnahme an Expeditionen eingeladen, u. a. in die Hohen Tauern, nach Korsika und Norwegen. Am 18.08.1914 bestand er die medizinische Prüfung und erhielt kurz darauf seine Approbation. Als Kriegsfreiwilliger und Feldarzt ging er an die Ostfront. Bereits zwei Monate später geriet er in Ostpreußen in russische Gefangenschaft und kam nach Sibirien. Hier übernahm er die ärztliche Betreuung deutscher Kriegsgefangener beim Bau der Atschinsk-Minussinsker Eisenbahn. Atschinsk liegt im Südwesten der Region Krasnojarsk in Sibirien.

1919 kehrte Arndt nach Deutschland zurück. Er promovierte zum Dr. med. und 1920 zum Dr. phil. Für ein Jahr ging er als Volontär des Zoologischen Instituts und Museums der Universität nach Breslau. Bereits zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte er seine ersten Forschungsergebnisse. Im Jahr 1921 wechselte er als Assistent an das Zoologische Institut nach Berlin. Er folgte damit seinem bekannten Lehrer, dem Zoologen Professor Willy Kükenthal. Hier wurde er 1925 Kustos (wissenschaftlicher Sachbearbeiter) und 1931 Titularprofessor. Von 1938 bis zu seinem Tod war er ständiger Vertreter Deutschlands in der Internationalen Zoologischen Nomenklaturkommission.

Prof. Dr. Dr. Walther Arndt war ein sich ganz seiner Wissenschaft hingebender Forscher und wurde daher auch als "Mönch der Wissenschaft" bezeichnet. Er war ein international bekannter und vielseitiger Naturwissenschaftlicher mit über 200 Publikationen. Aufgrund seiner Fähigkeiten stand ihm eine glänzende berufliche Zukunft bevor.

Wegen kritischer Äußerungen wurde Arndt 1943 von drei Personen aus seinem persönlichen Umfeld denunziert. Es handelte sich um eine Jugendfreundin seiner Schwester und deren Ehemann sowie um einen Kollegen (Zoologe). Trotz mehrerer Gnadengesuche namhafter Persönlichkeiten, u. a. Ferdinand Sauerbruch, wurde er am 11.05.1944 vom Volksgerichtshof zum Tode durch Enthauptung verurteilt und am 26.06.1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Während seiner Haftzeit schrieb er mehrere Briefe an seine Schwester, die später auch veröffentlicht worden sind. Daraus kann man erkennen, dass der große Gelehrte auch eine Neigung zur Dichtkunst hatte. Seinem letzten Brief lag ein kleiner Zettel mit folgenden Zeilen bei:

                         Die Zeit wird Herr, der Greis liegt hier im Sand.
                         Die Uhr steht still. Sie schweigt wie Mitternacht.
                         Der Zeiger fällt. Er fällt, es ist vollbracht.
                         Es ziehen die Wolken, es schwinden die Sterne!
                         Dahinten, dahinten! Von Ferne, von Ferne,
                         da kommt er, der Bruder, da kommt er, der - Tod.
                         Hilf Du mir, Tod, die Angst verkürzen.
                         Was muss geschehen, mag`s gleich geschehen.
                         Mag alles dann zusammenstürzen,
                         und sie mit mir zugrundegeh`n.
                         Es kann die Spur von meinen Erdentagen
                         nicht in Aeonen untergeh`n.

Seine Urne verscharrte man am Rande des Friedhofs von Marzahn. Nach Kriegsende wurde sie zunächst in Berlin-Wilhelmshagen beigesetzt und später von seiner Schwester nach Bonn überführt und auf dem Südfriedhof bestattet.

Die Denunzianten entgingen ihrer gerechten Strafe nicht. Sie wurden 1949 vom Schwurgericht Moabit zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt.

Zum Andenken an den großen Zoologen des Museums für Naturkunde in Berlin wurde im Dezember 1973 neben dem Haupteingang des Museums in der Invalidenstraße 43 eine Gedenktafel mit folgender Inschrift eingeweiht:
"An diesem Museum wirkte von 1921 - 1944 der international bekannte Zoologe Professor Dr. med. Dr. phil. Walther Arndt. Wegen seiner unbeugsamen humanistischen Gesinnung wurde der Gelehrte von den faschistischen Henkern zum Tode verurteilt und am 26. Juni 1944 im Zuchthaus Brandenburg ermordet."

Neben dieser Gedenktafel gibt es aber auch noch andere Erinnerungsformen, die seine Wertschätzung als Mensch und Wissenschaftler bis heute bekunden. Alle zwei Jahre verleiht die Deutsche Zoologische Gesellschaft den Walther-Arndt-Preis für Habilitationen an Naturwissenschaftler, mit dem an das Leben und Wirken des Namensgebers erinnert werden soll. Er ist mit 5.100 EURO dotiert. Die bekannteste Form der Erinnerung in Berlin ist die Walther-Arndt-Ringvorlesung, die von der 1773 gegründeten Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin und dem Museum für Naturkunde im Jahr 2000 initiiert wurde und seitdem jährlich stattfindet.

Quellen:

  • Festschrift zum 200jährigen Jubiläum des Realgymnasiums zu Landeshut
  • Helmcke, Johann-Gerhard: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Neue Deutsche Biographie - Band 1
  • Richter, Gustav: Berühmte Zeitgenossen aus Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia

Barsch-Muthreich, Marie

Lyrikerin, Erzählerin, Biographin
* 23.04.1884 in Leppersdorf                                  + 21.04.1961 in Frankenberg (Eder)

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In Leppersdorf stand die Wiege der Lyrikerin, Erzählerin und Biographin Marie Barsch-Muthreich. Hier erblickte sie am 23.04.1884 als Tochter des Gymnasialoberlehrers Karl Muthreich und dessen Ehefrau Bertha das Licht der Welt. Drei ältere Geschwister waren bereits verstorben, so dass die kleine Marie gemeinsam mit ihren jüngeren Schwestern Susanne und Bertha im Leppersdorfer Elternhaus eine wohlbehütete Kindheit verlebte.

Den geliebten Vater als Vorbild, wollte auch Marie eines Tages Lehrerin werden. Sie begann ihre Schulausbildung zunächst in Landeshut. Als ihr Vater im Jahr 1899 an das Friedrichgymnasium in Breslau berufen wurde, hieß es für die Familie Abschied zu nehmen, von der beschaulichen Kleinstadt am Bober. Marie besuchte in Breslau die Kunstschule, um anschließend eine Ausbildung zur Erzieherin zu absolvieren. Nach dem erfolgreichen Ausbildungsabschluss wurde sie zunächst anderthalb Jahre an einer privaten Mädchenschule angestellt. Ab 1905 unterrichtete sie fünfzehn Jahre an der städtischen Volksschule.

Bereits während ihrer beruflichen Tätigkeit als Lehrerin hatte sie die Neigung zur Dichtkunst verspürt. Im Herbst 1911 trat sie der Breslauer Dichterschule bei und veröffentlichte erste Novellen in der Vereinszeitschrift "Monatsblätter" sowie im ersten Band der Reihe "Schlesische Bücher". Namhafte Mitglieder der Breslauer Dichterschule waren u. a. die bekannten Schriftsteller Hermann Stehr und Carl Hauptmann, der ältere Bruder Gerhart Hautpmanns. Der Direktor des Breslauer Stadttheaters Theodor Löwe vermittelte Marie Muthreich einen Verleger, der ihren ersten Gedichtband "In die Sonne" herausgab. Dadurch wurde sie auch einem größeren Publikum bekannt.

Im Jahr 1920 begann ein neuer Abschnitt in Maries leben. Sie lernte den verwitweten Schriftsteller und Journalisten Paul Barsch kennen, der seit 1885 für die "Breslauer Zeitung" als Kritiker tätig war. Paul Barsch wurde 1860 in Niederhermsdorf bei Neisse geboren und war ein enger Freund des Schriftstellers Paul Keller. Mit diesem unternahm er 1903 von Genua aus eine Reise in den Nahen Osten, nach Algier und Tunis und wieder zurück nach Italien sowie zu einer Audienz bei Papst Pius X. im Vatikan. Marie Muthreich und Paul Barsch beschlossen nun, gemeinsam durch das Leben zu gehen und heirateten im Dezember 1920. Sie gab ihren Lehrerberuf auf und widmete sich jetzt ganz der Dichtkunst. Der "Breslauer Zeitung" lieferte sie eine Fülle wertvoller Arbeiten. Besondere Anerkennung erwarben sich die Eheleute bei der Förderung junger schlesischer Dichter. Dieses Engagement trug Paul Barsch den Beinamen "Dichtervater" ein.

Das eheliche Glück war aber leider nur von kurzer Dauer. Im Jahr 1931 verstarb Paul Barsch im Sommerhaus der Eheleute in Schieferstein am Zobten im 71. Lebensjahr. Marie Barsch-Muthreich setzte nach dem Tod ihres Ehemannes ihre schriftstellerische Tätigkeit fort. In Zeitungen und Zeitschriften erschienen ihre Arbeiten. Sie verfasste ein umfassendes Werk über Lebenslauf und Schaffen ihres verstorbenen Ehemannes, das zugleich Einblick in die schlesische Zeit- und Kulturgeschichte enthält. Der Titel lautet: "Freund unter Freunden". Da sich jedoch kein geeigneter Verleger fand, erschien dieses Werk 1958 im Selbstverlag.

Auch nach 1933 hielt die engagierte Schriftstellerin Kontakt zu emigrierten sowie noch in Deutschland lebenden jüdischen Mitgliedern der Breslauer Dichterschule. Während der Zeit von 1939 bis Frühjahr 1945 lebte sie in Berlin-Wilmersdorf. Eine vierköpfige jüdische Familie aus der Nachbarschaft, die sich seit dem 27. Februar bis März 1943 illegal in einer Laubenkolonie in Oranienburg versteckt hielt, versorgte sie mit Lebensmitteln.

Hilfreiche Unterstützung fand auch der ehemalige Reichspräsident Paul Löbe. Nachdem seine Wohnung im Januar 1944 in Berlin ausgebombt worden war, fand er mit seiner Ehefrau Unterkunft im Sommerhaus der Schriftstellerin in Schieferstein am Zobten. Nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20.07.1944 wurde er von dort aus verhaftet.

Marie Barsch-Muthreich lebte nach der Vertreibung in Neuenrade. Später wohnte sie zeitweise bei ihrer Schwester Susanne in Werdohl oder bei ihrer verheirateten Schwester Bertha Börner in Frankfurt am Main. Während ihres Aufenthaltes in Werdohl war sie vorübergehend an der Volkshochschule tätig. Ihre zahlreichen Verbindungen zu schlesischen Autoren hielt sie weiterhin aufrecht, insbesondere zum Wangener Kreis, wo alljährlich eine Paul-Barsch-Plakette verliehen wurde.
Marie Barsch-Muthreich verstarb am 21. April 1961 in Frankfurt (Eder).

Quellen:

  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesische Nachrichten - Zeitung für Schlesien
  • Wikipedia


Bauer, Josef

Buchbindereibesitzer
* 09.06.1862 in Liebau
+ 23.03.1952 in Berlin-Wilmersdorf

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Josef Bauer, Sohn eines Försters,  war ein Pionier der industriellen Buchbinderkunst. Nach Beendigung seiner Schulausbildung erlernte er den Beruf des Buchbindermeisters. Seine berufliche Zukunft sah er aber nicht in Liebau, sondern in der deutschen Hauptstadt Berlin.

Sein neuer Arbeitgeber in Berlin war die Contobücher-Fabrik Carl Kühn und Söhne in der Breiten Straße. Hier lernte er den Buchbindergesellen Ernst Lüderitz (1861 - 1927) kennen, den Sohn eines Mühlenwirts und Bäckers aus Werder. In dieser Contobücher-Fabrik lernten die beiden Gesellen ihr Handwerk. Sie pressten Siegel für die königliche Verwaltung, arbeiteten in der Fadenhefterei, erstellten Fahrkarten für die Preußische Eisenbahn und Kontobücher für die rasant anwachsende Zahl der Geschäfte und Betriebe in der Stadt.

Im Jahre 1888 wagten die beiden jungen Männer den Eintritt in die Selbstständigkeit. Sie konnten eine Geschäftsbücherfabrik in der Leipziger Straße übernehmen. Beseelt von jugendlichem Optimismus liehen sie sich Geld von der Verwandtschaft und fuhren nach Leipzig, um die teuersten und modernsten Maschinen in die neue Metropole zu bringen. So wurde die Firma Lüderitz & Bauer als OHG gegründet, die später in eine AG umgewandelt wurde.

Bereits im Jahre 1896 konnten die Firmengründer auf der Weltausstellung in Berlin eine industrielle Großbuchbinderei in vollem Betrieb vorführen. Schon vor dem 1. Weltkrieg beschäftigte das Unternehmen zwischen 400 und 450 Belegschaftsangehörige und galt als der modernste eingerichtete Betrieb der Branche. Im Jahre 1900 gründeten die Firmenbesitzer den Verband Deutscher Buchbindereibesitzer. Im Jahre 1911 zog die Firma in das für sie erbaute Buch-gewerbehaus in der Wilhelmstraße um. Dieses Gebäude entstand nach den Plänen von Arnold Kuthe und galt damals als eines der ersten Stahlbetonskelettbauten Berlins und erhielt eine Jugenstilfassade.

Bis zum Ersten Weltkrieg konnte der Betrieb Jahr für Jahr ständig wachsende Umsätze erzielen. Dann kam jedoch der Einbruch. Statt teurer Bücher wurden nun einfache Kladden für die Soldaten an der Front gedruckt. Die folgende Inflation kostete das Unternehmen beinahe das gesamte Kapital, und so kam es nach 35 erfolgreichen Jahren doch noch zum Streit der alten Freunde. Die Firma wurde an Guido Hackebeil verkauft, doch Bauer war so schlau, mit dem neuen Eigentümer eine sichere Anstellung auszuhandeln. Nach sieben Jahren kaufte der schlaue Josef Bauer die Firma wieder zurück. Doch viel Glück hatte er zunächst nicht damit. Die Nazis übten zunehmend Druck auf Josef Bauer aus. Dann begann der 2. Weltkrieg. Im Keller, wo sich die Lager befanden, wurden Luftschutzräume eingerichtet, Leder durfte nicht mehr verarbeitet werden und die Angestellten wurden nach und nach an die Front abkommandiert. Beim großen Luftangriff am 3. Februar 1945 wurde die Hälfte des stattlichen Gebäudes an der Wilhelmstraße zerstört, auch die eindrucksvolle Jugendstilfassade fiel dem Krieg zum Opfer.

Nach Ende des 2. Weltkrieges gelang Josef Bauer trotz seines bereits hohen Alters der Wieder-aufbau des Unternehmens. Aus den letzten noch aufzufindenden Maschinenteilen wurde mit viel Liebe und Geduld eine neue Buchbindemaschine gefertigt. Und da Bücher in der Nachkriegszeit Mangelware waren, konnte sich das bald siebzig Jahre alte Unternehmen noch einmal aus den Trümmern befreien und besteht auch heute noch.

Verheiratet war Josef Bauer mit Mathilde, geb. Heidelstädt. Josef Bauer verstarb am 23. März 1952 in Berlin-Wilmersdorf. Seine Ehefrau überlebte ihn um fünf Jahre.

Quellen:

  • Fouquet-Plümacher, Doris: Großbuchbinderei Lüderitz & Bauer in: Gutenberg-Jahrbuch 2010
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • von Westhafen, Werner: Kreuzberger Chronik - Februar 2013


Das folgende Bild zeigt das Buchgewerbehaus in der Wilhelmstraße.  Dieses Haus entstand 1911 und erhielt eine Jugendstilfassade. Hinter dem Hauptgebäude wurden drei Höhe angelegt. Nach der Zerstörung von großen Teilen des Buchgewerbehauses im Zweiten Weltkrieg wurde das Vorderhaus nicht wieder aufgebaut. Heute zeigt ein Wandbild an einer Brandmauer den früheren Eingang. 

Beier, Gotthard

Bildhauermeister
* 05.08.1878 in Vogelsdorf                                    + 24.03.1921 in Landeshut 

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Gotthard Beier, geboren am 05.08.1878 in Vogelsdorf, war ein im ganzen Kreis Landeshut und darüber hinaus sehr bekannter Bildhauermeister. Nach Beendigung seiner Schulzeit erlernte er seinen Beruf von der "Pike auf". Seine schönen und kunstvollen Grabdenkmäler befanden sich auf allen Friedhöfen der Stadt und des Landkreises. Sein letztes Werk, dessen Einweihung er nicht mehr miterlebte, war das Marine-Denkmal der Landeshuter Marine-Vereinigung "Vineta" auf dem Kirchberg. Es stellte einen zersplitterten Mastbaum dar und hatte seinen Platz inmitten eines Haines junger Fichten. An seinem Fuße lag ein schwerer eiserner Anker. Nach dem Krieg wurde dieses Denkmal zerstört.

Im öffentlichen und geselligen Leben wurde Gotthard Beier als humorvoller und geachteter Bürger geschätzt. Er war Mitglied zahlreicher Landeshuter Vereine, wie z. B. Karnöffelverein, Jäger- und Schützenverein, Männer- und Jünglingsverein usw.

Mit seiner Ehefrau und den Kindern wohnte er auf der Bahnhofstraße. Gotthard Beier verstarb am 24.03.1921.

Quelle:

  • Schlesischer Gebirgsbote

Das Marinedenkmal in Landeshut

(Werk von Gotthard Beier)

Das Kriegerdenkmal in Reichhennersdorf

(Werk von Gotthard Beier)
(Bild von Frau Weihrauch aus Bad Gandersheim)

von Beuchel, Elias

Gutsbesitzer, Kaufmann
* 24.03.1660 in Landeshut                                    + 20.06.1723 in Landeshut

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Elias von Beuchel ging als der größte Wohltäter der Gnadenkirche in die Geschichte der Stadt Landeshut ein. Die Familie von Beuchel gehörte zu den ältesten Kaufmannsfamilien der Stadt Landeshut. Das Stadthaus der Familie, errichtet von Martin Frantz dem Baumeister der Gnadenkirche, befand sich am Markt Nr. 20, in dem später die Landeshuter Eisenhandlung ihren Sitz hatte. Als Gutsherr mehrerer Güter besaß Elias von Beuchel ein beträchtliches Vermögen. Er war nicht nur ein sehr erfolgreicher Kaufmann in seiner Heimatstadt, sondern auch Erbherr auf Ober- und Nieder-Seiffersdorf und Ober-Kauffung. Ober- und Nieder-Seiffersdorf hatte er im Jahre 1708 von Karl Christoph von Zedlitz erworben. Mit dem Diplom vom 03.08.1708 war Elias von Beuchel in den böhmischen Adelstand erhoben worden. Bei ihm trafen mehrere gute Eigenschaften zusammen: vornehme Gesinnung, Frömmigkeit, Menschenliebe und Opferbereitschaft. Aufgrund dieser Eigenschaften und seinem Vermögen wurde er zum unvergessenen großen Förderer für Kirche, Schule und Stadt. Er spendete große Beträge für den Bau der Gnadenkirche sowie für die Errichtung einer evangelischen Lateinschule. Die erste Glocke mit der Jahreszahl 1709 trägt seinen Namen und wird dadurch als seine Stiftung ausgewiesen.

Nachdem die Stadt Landeshut vom Kaiserhof in Wien den Zuschlag zum Bau einer Gnadenkirche erhalten hatte, reisten 1708 zwei Landeshuter Abgeordnete, der Kaufherr und kaiserliche Kommerzienrat Johann Liebenwald und der Goldarbeiter Christian Schrödter, mit einer Bittschrift nach Wien, um die Baugenehmigung zu erhalten. Trotz mehrerer Versuche wurden sie aber nicht zum Kaiser vorgelassen. Erst als sie ihm ein Darlehen von 80.000 Gulden anboten, wurden sie vom Kaiser empfangen. Als äußeres Zeichen der Erlaubnis des Kaisers zum Kirchenbau erhielten sie im Oktober 1708 einen etwa 2 m hohen hölzernen Stab, der in den Habsburger Farben schwarz-gelb gestrichen war. Er trug den österreichischen Doppeladler und die Aufschrift: "Gloriosa Caesaris Josephi Liebertas", d. h.: "Die herrliche Gnade des Kaisers Joseph". Diese frohe Kunde drang nun auch bis nach Landeshut vor. Als die beiden Abgeordneten von Wien über Breslau zurückkehrten, ließ es sich Elias von Beuchel gemeinsam mit Christian Kluge sen. nicht nehmen, ihnen am 03. Februar 1709 entgegenzureisen und sie nach Landeshut zu begleiten. Ihre Ankunft glich einem Triumpheinzug.

Elias von Beuchel wurde am 17.02.1709 zum Vorsteher der evangelischen Gemeinde mit dem Titel "Director" gewählt, ein Zeichen des großen Vertrauens, das er in der Gemeinde besaß. Die Einweihung der Gnadenkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit vor Landeshut am 08.10.1720 konnte er noch mitfeiern, allerdings als schwer kranker Mann. Er war bereits seit einigen Jahren gelähmt und konnte sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Gepflegt wurde er von seiner Ehefrau und dem Dienstpersonal. Er verstarb am 20.06.1723.

Keiner anderen Person der evangelischen Gemeinde Landeshut sind jemals solche Ehrungen zuteil geworden wie Elias von Beuchel. Er erhielt eine eigene Loge, an deren Rückseite später sein Epitaph eingefügt wurde. Sein Name wurde am Turmportal der Kirche angebracht, eine Ehrung, die wohl selten einem Gemeindemitglied widerfährt. Er wurde im Mittelgang der Kirche begraben, nicht weit vom Altar. Seine Initialen "EvB", aus Messing gefertigt und in den Stein eingefügt, bezeichnen die Stelle, an der sein Leichnam ruht. Auch die Stadt Landeshut ehrte später ihren berühmten Einwohner. Nach ihm wurde ein Platz benannt, der Beuchelplatz, den man auf dem Wege über den Friedhof an der Gnadenkirche vorbei erreichte. Des Weiteren gab es im Ortsteil Niederzieder auch die Beuchelstraße.

Das Ehepaar von Beuchel hatte 5 Kinder. Der älteste Sohn Elias Gottlieb (1685 - 1756) übernahm im Jahre 1710 von seinem Vater die Herrschaft Ober- und Nieder-Seiffersdorf. Die beiden anderen Söhne Johann Christoph und Hans Gottfried waren ebenfalls ausgebildete Kaufherren. Der ein Jahr jüngere Hans Gottfried hatte seinen Vater zunächst in der Geschäftsführung unterstützt und war ab 1718 selbst als Handelsmann in Landeshut tätig. Besondere Verdienste hatte er sich um die Wissenschaft und Kunst erworben und auf seinen Reisen Münzen, Bücher und Kuriositäten gesammelt. Es war sehr tragisch, dass er seinen Vater nur um vier Jahre überlebte. Er starb am 26.08.1727 in Landeshut. Anlässlich seines Todes entstanden zahlreiche Gedächtnispredigten, Abdankungen und Trauerkantaten, die die engen gesellschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen von Beuchels in Landeshut und über die Grenzen der Stadt hinaus eindrucksvoll bezeugen. Sein Porträt, das im Landeshuter Webereimuseum zu besichtigen ist, schmücken folgende Worte:
             "So paart die Anmuth sich mit Gütt und Redlichkeit.
              Und last, was Edel heisst hier im Bilde finden.
              Die Musen wollten ihm die schönsten Lorbern winden.
              doch das Original erstarb uns vor der Zeit."

Elias von Beuchels Tochter Anna Rosina war mit Christian von Kluge, dem Kaiserlichen Kommerzienrat über das Landeshutische Weichbild, vermählt. Sie lebte mit ihrer Familie im Nachbarhaus Nr. 19. Am 17.12.1732 wurde sie Patin des später berühmten Baumeisters Carl Gotthard Langhans. Von Beuchels Söhne und auch seine Tochter Anna Rosina waren im Jahre 1727 in den böhmischen Ritterstand erhoben worden. Der Mannesstamm des Geschlechtes von Beuchel erlosch um 1826 mit dem pensionierten Schönauer Bürgermeister von Beuchel.

Eng befreundet war die Familie mit dem bedeutendsten deutschen Lyriker des frühen 18. Jahrhunderts Johann Christian Günther, der in der Zeit von Herbst 1718 bis Januar 1719 Gast im Hause von Beuchel war. Zur Erinnerung an diese Zeit ließ der Magistrat der Stadt Landeshut am 13.04.1929 eine Gedenktafel am Haus Nr. 20 anbringen, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie von Beuchel.

Quellen:

  • Bettermann, Alfred: Unvergessenes Schlesien - Chronik Seiffersdorf
  • Brügmann, Martin: Die Gnadenkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit vor Landeshut
  • Geschichte der ev. Gemeinde zu Landeshut vor und seit Erbauung der jetzigen Kirche und Schule, ein Denkmal am ersten hundertjährigen Jubelfeste, Landeshut, 1809, neu herausgegeben, Kamienna Góra, 2007
  • Hellbach von, Johann Christian: Adels-Lexikon, 1. Band A - K
  • Kersten Sandra: Die Freundschaftsgedichte und Briefe Johann Christian Günthers
  • Muzeum Tkactwa Dolnoslaskiego w Kamiennej Górze, Kamienna Góra 2005: Aus der Geschichte Landeshuts
  • Salisch, Hugo: Alte Kaufmannshäuser und alte Kaufmannsfamilien in Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage
  • Schlesischer Gebirgsbote

2. Haus von rechts: Markt Nr. 20 - Stammhaus der Familie von Beuchel

Inschrift am Turmportal der Gnadenkirche

Breiter, Herbert

Kunstmaler
* 21.02.1927 in Landeshut                                      + 09.10.1999 in Salzburg

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Der sowohl im Inland aus auch im Ausland bekannte Kunstmaler Herbert Breiter wurde am 21.02.1927 als Sohn der Eheleute Richard Breiter und Anna, geb. Buchberger geboren. Gemeinsam mit seinem vier Jahre älteren Bruder Heinz verlebte er in der Trautenauer Straße eine behütete Kindheit. Vater Richard Breiter, ein gebürtiger Schreibendorfer, arbeitete in der Schlosserei der Firma Rinkel. Der kleine Herbert besuchte in Landeshut zunächst die Volksschule. Später erinnerte er sich gerne an diese Landeshuter Schuljahre, insbesondere an der Rektor Überschär und seinen Lehrer Lemke. Während dieser Zeit wurde auch sein zeichnerisches Talent entdeckt. Um seine Begabung zu fördern, wurde er Schüler des Internates Ballenstedt im Harz.

Im Jahr 1944 meldete er sich zur Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie in Dresden an. Der Krieg machte aber diesen Plan zunichte. Im Alter von 17 Jahren wurde Herbert Breiter zu den Gebirgsjägern nach Garmisch-Partenkirchen eingezogen. Nach Beendigung des Krieges meldete er sich zur Aufnahmeprüfung an der Kunstgewerbeschule in Salzburg an. Da er beabsichtigte, in Österreich Fuß zu fassen, war diese Anmeldung zwingende Voraussetzung für die Beantragung der österreichischen Aufenthaltsgenehmigung. Die Schule besuchte er nie. Er begann zu malen und verdiente Geld mit Kunstgewerbearbeiten und als Skilehrer. 1947 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft.

Die Liebe zur Malerei ergriff immer mehr von ihm Besitz. Als Autodidakt bildete er sich weiter. Er fand verständnisvolle Freunde und Lehrer, die ihm gute Ratschläge und Anweisungen gaben. Unter ihnen befand sich der damals schon sehr renommierte Künstler Max Peiffer Watenphul. Dieser kam erst über einige Umwege zur Malerei. Er hatte zunächst Medizin, dann Jura studiert und promovierte 1918 als Jurist über Kirchenrecht. Erst ein Zusammentreffen mit dem Maler Paul Klee und Gropius (Begründer des Bauhauses) führte Peiffer Watenphul zur Malerei. Dieser Max Peiffer Watenphul wurde somit einer der wegweisenden Persönlichkeiten für den jungen Herbert Breiter. Durch ihn lernte er auch andere Maler und Bildhauer kennen.

Es begann eine Karriere mit weltweiter Ausstellungstätigkeit, u. a. in Österreich, Deutschland, Japan, USA, Brasilien, usw. Bereits 1947 waren im Wiener Konzerthaus zum ersten Male seine Werke zu sehen. Zahlreiche Studienreisen in die Toskana, nach Griechenland, wo er zeitweise auch lebte, nach Dalmatien, Ischia, Skandinavien, Spanien oder die Steiermark bildeten seine Malvorlagen. Herbert Breiter war Mitglied des Artclubs und des Salzburger Kunstvereines, der Künstlergilde Esslingen und Gründungsmitglied der "Salzburger Gruppe". Zudem wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Preis beim österreichischen Grafikwettbewerb in Innsbruck, der Theodor Körner Preis, der Preis der Stadt Salzburg und andere. Zu seinem engeren Freundeskreis gehörten die Komponisten Gottfried von Einem und Carl Orff sowie der Bühnenbilder Caspar Nehrer. Mit seinem Jugendfreund aus Landeshuter Tagen, dem Nervenarzt Dr. Peter Hoheisel, stand er in ständigem Kontakt.

Während eines Interviews sprach Herbert Breiter einmal über seinen Großvater Heinrich Breiter, der in Landeshut ein begeisterter Eisenbahner gewesen sei. Dieser habe seinem Enkel immer nahelegen wollen, ebenfalls den Beruf eines Eisenbahners zu wählen. "Malen kannst du am Sonntag", habe sein Großvater stets zu ihm gesagt, weil er wusste, mit wie viel Liebe sich der Enkel der Malerei hingab. Allerdings konnte der gute Großvater damals auch nicht wissen, wozu der Enkel wirklich befähigt war und welche glänzende Karriere ihm bevorstehen sollte. Seit 1966 war Herbert Breiter mit Notburga (genannt Burgi) Lobisser aus Klagenfurt verheiratet. Ihr Vater Switbert Lobisser war ein namhafter Kunstmaler, Holzschnitzer und Holzbildhauer. Von ihm stammen viele Wand- und Altarbilder sowie Fresken. Er galt als einer der bekanntesten und berühmtesten Freskenmaler seiner Zeit. Von dem kunstschaffenden Vater geprägt, brachte Burgi Breiter somit auch für Herbert Breiters Arbeit sehr viel Verständnis auf.

Herbert Breiter starb am 9.Oktober 1999 in Salzburg. Seine letzten Lebensjahre waren von schwerer Krankheit überschattet. Beigesetzt wurde er auf dem Salzburger Kommunalfriedhof, der im Stadtteil Gneis liegt.

Quellen:

  • Breiter, Herbert: Momente der Dauer
  • eArt.de: Künstler von A bis Z - www.eart.de
  • Galerie Magnet: www.galeriemagnet.com
  • Schlesischer Gebirgsbote

Bürgel, Constantin

Musiker
* 24.06.1837 in Liebau                                             + 1909 in Liebau

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Dem Wunsch seiner Eltern folgend, begann Constantin Bürgel nach der Schulzeit das Theologiestudium in Breslau. Bald aber widmete er sich der Musik und begann ein Studium an dem Akademischen Institut für Kirchenmusik der Universität Breslau. Dort zählte der Domorganist und Domkapellmeister Prof. Dr. Moritz Brosig zu seinen Lehrern. 1860 wechselte er nach Berlin und studierte bei Friedrich Keil, einem der bedeutendsten Kompositionslehrer der damaligen Zeit. Während der Jahre 1869 und 1870 war Bürgel als Lehrer an der Kullakschen Neuen Akademie der Tonkunst in Berlin tätig. Danach war er Privatmusiklehrer und galt als namhafter Klavierlehrer Berlins. Zu seinen Bekannten zählte der Musikschriftsteller und Organist Carl Fuchs (1838 - 1922), der ein enger Freund des Philosophen Friedrich Wilhelm Nietzsche war.

Bürgel komponierte vorwiegend Kammermusikstücke, Ouvertüren und Klavierstücke. Nach kurzem Krankenlager starb er 1909 in Liebau und wurde dort auf dem katholischen Friedhof beigesetzt.

Quellen:

  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)

Bürgel, Fritz

Pastor, Superintendent
* 01.12.1900 in Landeshut                                      + 24.08.1988 in Bad Vilbel

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Der letzte Superintendent des Kirchenkreises Landeshut war der am 01.12.1900 in Landeshut geborene Fritz Bürgel. Seine Kindheit und Jugend verlebte er in der Schießhausstraße. Bereits im Alter von acht Jahren verlor er seinen Vater, den Gerichtssekretär Max Bürgel. Dieser schwere Verlust mag mit dazu beigetragen haben, dass er schon früh die Berufung zum Seelsorger in sich verspürte. Er besuchte zunächst das Realgymnasium seiner Heimatstadt und ging dann nach Breslau, um dort Theologie zu studieren. Am 27.10.1927 legte er in der Breslauer Magdalenenkirche das Ordinationsgelübde ab.

Seine erste Pfarrstelle trat er in Rützen, Kreis Guhrau an. Hier schloss er auch die Ehe mit einer Pastorentochter. Während dieser Ehe wurden 1 Tochter und 3 Söhne geboren. Nach drei Jahren übernahm er die vakante Pfarrstelle in Gottesberg, der "höchstgelegenen Stadt Preußens". 15 Jahre wirkte er hier sehr zum Wohle seiner Gemeinde. Als der Landeshuter Superintendent Martin Wahn am 01.05.1946 als Kirchenrat zur Kirchenleitung nach Breslau ging, wurde Pastor Bürgel sein Nachfolger.

Sein seelsorgerisches Wirken in der Heimatstadt war zwar nur von kurzer Dauer, dafür aber umso schwerer, weil nun die Aussiedlungen begannen. Vom 09. bis zum 23. Mai 1946 fuhren 16 Züge, jeder mit 1500 bis 1600 Personen besetzt, in Landeshut ab. Unter ihnen befanden sich alle evangelischen Pfarrer in Stadt und Kreis Landeshut, bis auf die Pastoren Bürgel in Landeshut und Schmidt in Haselbach. Am 26.08.1946 begann die zweite Aussiedlungswelle, von der nun auch Pastor Schmidt betroffen war. Als letzter verbliebener evangelischer Geistlicher musste nun Pastor Bürgel jeden Sonntag nicht nur den Gottesdienst in der Gnadenkirche (später in der Sakristei) halten, sondern auch das Predigeramt in einem der Kirchspiele des Kreises wahrnehmen.

Im August 1946 erfolgte die feierliche Einführung des neuen Superintendenten Bürgel durch Kirchenrat Martin Wahn. Zu diesem denkwürdigen Ereignis kamen aus dem ganzen Landkreis ca. 500 Personen in die Landeshuter Gnadenkirche. Unmittelbar nach dem Beginn des neuen Jahres, am 05.01.1947, fanden erneute Teilaussiedlungen statt. Am 30. August 1947 ereilte auch Superintendent Bürgel das Schicksal und er musste mit seiner Familie die geliebte Heimat verlassen. Nach der Vertreibung wirkte er noch 16 Jahre als Gemeindepfarrer der 1947 ins Leben gerufenen Bethaniengemeinde in Frankfurt a. Main. Am 24.08.1988 verstarb er in Bad Vilbel.

Quellen:

  • Arbeitskreis Landeshut: Geschichte der ev. Gnadenkirche Landeshut/Schlesien - Festschrift zum 300jährigen Jubiläum der Grundsteinlegung 1709 - 2009
  • Brügmann, Martin: Die Gnadenkirche Landeshut
  • Schlesischer Gebirgsbote

von Chappuis, Hermann Wilhelm

Verwaltungsjurist
* 11.05.1855 in Landeshut                                      + 18.12.1925 in Berlin

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Hermann Wilhelm von Chappuis wurde am 11. Mai 1855 in Landeshut als Sohn des Justizrates Karl Friedrich von Chappuis und dessen Ehefrau Bertha, geb. Bail geboren.

Das Geschlecht derer von Chappuis stammt aus der französisch-sprachigen Schweiz und war zunächst bürgerlicher Herkunft. Die deutsche Linie beginnt mit dem 1782 nach Preußen gekommenen Francois Louis von Chappuis (1751 - 1830), der in preußische Militärdienste trat und am 08.01.1794 im Range eines Majors stehend in den preußischen erblichen Adelsstand erhoben wurde.

Nach der Schulausbildung begann Hermann Wilhelm von Chappuis an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn das Studium der Rechtswissenschaften und wurde 1873 im Corps Palatia Bonn aktiv. Später wechselte er an die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität in Breslau und schloss sich 1874 dem Corps Borussia Breslau an.

Am 1. Oktober 1876 trat er als Freiwilliger in das 1. Schlesische Dragoner-Regiment Nr. 4 der Preußischen Armee ein und stieg nach seiner Entlassung zum Rittmeister der Reserve der Landwehrkavallerie auf. Nach dem erfolgreichen Referendarexamen wurde er am 13.10.1876 als Appellationsgerichts-Referendar vereidigt. Nach seiner am 12.06.1882 erfolgten Ernennung zum Gerichtsassessor wechselte er zur inneren Verwaltung. Vom Oberpräsidium der Provinz Schlesien kam er am 02.05.1883 als kommissarischer Landrat zum Kreis Schubin und wurde am 17.12.1883 endgültig bestätigt. Im Jahre 1888 erfolgte die Versetzung zum Landkreis Bersenbrück.

Nachdem er 1888 Regierungsrat geworden war, kam er 1891 als Geheimer Regierungsrat und Vortragender Rat in das Preußische Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten. Dort wurde er 1895 Geheimer Oberregierungsrat, 1903 Medizinaldirektor und 1911 Unterstaatssekretär. Am 01.01.1919 trat er in den Ruhestand.

Von Chappuis wurde mehrfach ausgezeichnet. Während des Ersten Weltkrieges erhielt er das Eiserne Kreuz am weißen Bande sowie den Stern zum Roten Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub und den Kronenorden I. Klasse. Er war seit 1911 Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Universität Breslau.

Verheiratet war er seit dem 07.06.1885 mit Lucie, geb. Kiehn. Während der Ehe wurden 3 Kinder geboren, 2 Söhne und 1 Tochter.

Hermann von Chappuis starb  am 18. Dezember 1925 in Berlin und wurde auf dem Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof in Westend beigesetzt. Sein Grab ist nicht mehr erhalten.

Quellen:

  • Handbuch des preußischen Adels
  • Wikipedia

Fries, Wilhelm, Prof. Dr.

Philologe, Pädagoge
* 23.10.1845 in Landeshut                                        + 18.09.1928 in Halle an der Saale

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Wilhelm Fries, ein deutscher Philologe und Pädagoge, wurde am 23.10.1845 in Landeshut geboren. Seine Eltern, der königlich preußische Wege- und Wasserbauinspektor Eduard Fries aus Elbing (Westpreußen) und dessen Ehefrau Carolina, geb. Hanel aus Altreichenau, ermöglichten ihm eine sehr gute Ausbildung. Wilhelm Fries verlebte seine Kindheit sowohl in Schlesien als auch in Westpreußen. In Graudenz besuchte er die höhere Bürgerschule. Als sein Vater 1856 starb, zog die Familie nach Schweidnitz. Nach Abschluss seiner Schulausbildung studierte er Geschichte und klassische Philologie an der Universität Breslau, wo er auch 1870 promovierte. Die pädagogische Ausbildung erhielt er in Schweidnitz und Breslau.

Seine erfolgreiche berufliche Laufbahn begann 1871 als Gymnasiallehrer in Bielefeld. Hier lernte er Luzie Delius kennen, Tochter des bekannten Tuchfabrikanten Hermann Delius. Im Jahre 1876 erfolgte die Eheschließung in Bielefeld. Weitere Stationen seines Berufsweges waren ein Gymnasium in Barmen (Wuppertal) und ab 1880 Eutin, wo er zum Direktor des Großherzoglichen Oldenburgischen Gymnasiums ernannt wurde.

1881 begann ein neuer Abschnitt in seinem Berufsleben. Die Familie zog nach Halle an der Saale. Hier wurde er Direktor der lateinischen Hauptschule der Franckeschen Stiftungen. Ab 1892 übernahm Fries die Leitung der gesamten Franckeschen Stiftungen, zu denen auch die Cansteinsche Bibelanstalt und die ostindische Missionsanstalt gehörten. Diese Franckeschen Stiftungen wurden 1698 durch den Theologen und Pädagogen August Hermann Francke gegründet. Es handelte sich um eine pädagogische und soziale Anstalt für alle sozialen Schichten. Das Herzstück des 50 Gebäude umfassenden Komplexes war das Waisenhaus, in dem Schlaf- und Unterrichtssäle, die Buchhandlung, die Druckerei und die Apotheke untergebracht waren. Der gesamte Gebäudekomplex steht heute auf der deutschen Vorschlagsliste für das UNESCO Weltkulturerbe.

Wilhelm Fries wurde 1895 Vorsitzender der wissenschaftlichen Prüfungskommission und nahm maßgeblichen Einfluss auf die Schulreform von 1900. Ab Juli 1897 lehrte er zugleich als ordentlicher Honorarprofessor Pädagogik an der Universität Halle. Am 06.09.1903 besuchten Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria die Stiftungen, dabei hielt Fries die Begrüßungsrede.

Als er 1917 an Typhus erkrankte, bat er die Universität Halle, ihn von seiner Lehrtätigkeit zu entbinden. Im Jahre 1921 ging er in den verdienten Ruhestand. Für seine Verdienste wurde er mit hohen Orden ausgezeichnet, u. a. erhielt er den Roten Adler-Orden 3. Klasse, den Kronenorden 3. Klasse und wurde Ritter des hohenzollernschen Hausordens. Zahlreiche angehende Theologen besuchten seine Seminare, viele hielten persönlichen Kontakt zu ihm und seiner Familie. Von seinen Söhnen war Eduard Missionar in Niederl. Indien und Wilhelm Superintendent.
Wilhelm Fries starb am 18.09.1928 in Halle an der Saale.

Quellen:

  • Fries. Hans Hermann: Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon - Band XXIV (2005)
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. landeshut - 1929)
  • Wikipedia

Geisler, Friedrich, Prof. Dr.

Jurist
* 25.10.1636 in Reußendorf                                      + 21.04.1679 in Leipzig

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Sein Heimatort Reußendorf, 5 km nordwestlich der Kreistadt Landeshut, war ein kleines und beschauliches Riesengebirgsdorf. In dieser Umgebung wuchs Geisler auf. Über seine Familie, speziell Eltern und ggfl. Geschwister ist nichts Wesentliches bekannt. Laut Adami waren die Eltern zwar von geringem Stand, aber ehrlich. Diese Aussage soll wohl bedeuten, dass Geislers Eltern nicht vermögend waren. Nach Abschluss seiner Schulausbildung am Elisabethgymnasium in Breslau begann er ein Studium an der Universität Leipzig. Dort erwarb er 1661 den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie. Anschließend studierte er Jura und wurde 1665 Lizentiat der Rechte, d. h. er hatte die Erlaubnis zur Lehre erhalten. Im Jahr 1667 promovierte er zum Doktor der Rechte. Seine Karriere ging aber weiter steil bergauf. 1670 wurde Friedrich Geisler der fünfte Professor an der Leipziger juristischen Fakultät und fünf Jahre später Professor der Institute.

Geisler hatte sich zudem auch an den organisatorischen Aufgaben der Leipziger Hochschule beteiligt, so dass er im Wintersemester 1674/75 Rektor der Universität wurde. Die Rektoren der Universität Leipzig wurden im Regelfall für jeweils 1 Semester gewählt.

Verheiratet war Geisler mit Christina Magdalena Franckenstein (28.03.1659 - 06.11.1726), der Tochter des Pädagogen, Philologen und Historikers Professor Christian Friedrich Franckenstein.

Prof. Dr. Friedrich Geisler starb am 21.04.1769 in Leipzig. Am 25. April wurde er in der Klosterkirche St. Pauli des Leipziger Dominikanerklosters, kurz Paulinerkirche, beigesetzt. Seit der Gründung der Universität Leipzig im Jahr 1409 ist die Geschichte der Paulinerkirche eng mit der Universität verbunden. Die Klosterkirche war jahrhundertelang ein bevorzugter Begräbnisort für Universitätsangehörige. Obwohl während des 2. Weltkrieges nur leicht beschädigt, wurde die Kirche am 30.05.1968 gesprengt.

Ernst Daniel Adami (1716 - 1795), Herausgeber mehrerer geschichtlicher Abhandlungen über seine schlesische Heimat, insbesondere über Landeshut, erwähnt Friedrich Geisler in seiner Aufstellung der Gelehrten aus dem kreis Landeshut.

Quellen:

  • Adami, Ernst Daniel: Das gelehrte Landeshut in Schlesien, Umständliche Lebensbeschreibungen gelehrter Landeshuter
  • Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia


Gläser, Enoch, Prof. Dr.

Jurist, Dichter
* 02.03.1628 in Landeshut                                      + 12.09.1668 in Helmstedt

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Prof. Dr. Enoch Gläser, am 02.03.1628 in Landeshut geboren, war Jurist und ein sehr bekannter Dichter des Barocks. Er stammte aus einem gut situierten Elternhaus. Sein Vater Caspar Gläser war ein vornehmer Handelsmann, der 1665 verstarb. Seine Mutter Rosina Gläser, geb. Keil, eine sehr religiöse Frau, verstarb bereits in jungen Jahren. Enoch Gläsers Kinder- und Jugendjahre waren geprägt von den damals bestehenden schlimmen Verhältnissen. Der 30-jährige Krieg tobte und das Leben in den Städten und Dörfern war sehr unsicher. Seine Eltern machten sich große Sorgen um die Zukunft ihres Sohnes. Aus diesem Grunde musste er bereits als Kind seine Heimatstadt verlassen und besuchte in Breslau das berühmte Maria-Magdalenen-Gymnasium. Dieses Gymnasium gehörte zu den traditionsreichsten deutschsprachigen Gymnasien. Es war weit über die Grenzen Schlesiens hinaus bekannt und hatte über viele Generationen hinweg bedeutende Lehrer und Schüler.

Nach Beendigung seiner Schulzeit ging Enoch Gläser im Jahre 1646 nach Wittenberg, um dort Rechtswissenschaften zu studieren. Hier lernte er den bekannten Professor der Poetik August Buchner kennen, zu dessen beliebtestem Schüler er bald gehörte und daher auch "Amicus Buchnerianus" (Freund Buchners) genannt wurde. Seine Hingabe zur Poesie nahm immer größere Formen an, wodurch er sich sehr schnell auch großes Ansehen bei den damals bekanntesten Dichtern erwarb. Das erste Werk Gläsers, das er herausgab, hieß: "Friederlangendes Deutschland".

1649 setzte er sein Jurastudium in Helmstedt fort, zuvor hatte er sich in Halle mit den freien Künsten beschäftigt. Auch in Helmstedt ließ es sich Gläser nicht nehmen, an seinem Hobby der Poesie weiter zu arbeiten. Zwei weitere Werke erschienen. Für seine anerkannten poetischen Leistungen wurden ihm 1650 vom gothaischen Kanzler und Kaiserlichen Hofpfalzgraf Georg Franke die Insignien eines "Poeta Laureatus" verliehen. Ein poeta laureatus (lorbeergekrönter Dichter) ist ein mit einem immergrünen Lorbeerkranz bekränzter Dichter. Es war die höchste Auszeichnung, die einem Dichter verliehen werden konnte.

Trotz aller beruflichen Erfolge erhielt er aber keine Anstellung. Aus diesem Grund begab er sich auf eine lange Studienreise, die ihn nach Altorf, Nürnberg, Tübingen, Regensburg und Basel führte. Nach seiner Rückkehr nach Helmstedt im Jahr 1656 begann er, Privatvorlesungen zu halten. Im Jahr 1659 promovierte er zum Doktor der Rechte, erhielt zunächst eine außerordentliche Professur an der juristischen Fakultät in Helmstedt und wurde 1661 Ordinarius. Die Universität Helmstedt gehörte in den knapp 250 Jahren ihres Bestehens (1576 - 1810) zu den anerkanntesten Hochschulen und war zeitweise die drittgrößte Universität des deutschen Sprachraumes.

Verheiratet war Enoch Gläser seit 1659 mit Anna Susanna, geb. Rinck, Tochter des verstorbenen Professors Dr. Balthasar Rinck und dessen Ehefrau Margaretha, geb. Stuhe sowie Adoptivtochter des Helmstedter Professors Heinrich Binnius. Drei Töchter gingen aus dieser Ehe hervor. Nach nur neunjähriger Ehe starb Prof. Dr. Enoch Gläser am 12.09.1668 in Helmstedt an den Folgen von Typhus. Er wurde am 27. September in der St. Stephanikirche beigesetzt.

Aus seiner Feder stammen zahlreiche juristische Schriften und auch poetische Werke. Aber berühmt geworden ist er durch seine Schäferdichtungen. Die Schäferdichtung war eine sehr beliebte Literaturgattung der europäischen Renaissance und des Barock. Sie entwickelte sich aus der Schäferei (daher der Name), einer höfischen Rollendichtung, die durch die Verschmelzung von lyrisch-musikalischen Elementen, Prosa, Dialogen und kunstvollen Versen gekennzeichnet war und das Hirtenleben idealisierte.

Auch Enoch Gläser wird von Adami in seiner Aufstellung der Gelehrten aus dem Kreis Landeshut namentlich erwähnt.

Quellen:

  • Adami, Ernst Daniel: Das gelehrte Landeshut in Schlesien, Umständliche Lebensbeschreibungen gelehrter Landeshuter
  • Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia
  • Zedler, Johann Heinrich: Großes vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste - Band 10

Görlich, Peter

Pfarrer
* 23.12.1930 in Liebau                                               + 10.03.1990 in Friedland

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Als Lagerpfarrer von Friedland wurde Monsignore Peter Görlich über die Grenzen hinaus bekannt. Geboren wurde er am 23.12.1930 in Liebau. In seiner schlesischen Heimat besuchte er zunächst die Volks-, Mittel- und Oberschule. Die chaotischen Zustände kurz vor Beendigung des Krieges und danach hinderten ihn aber zunächst daran, seine Schulausbildung zu beenden. Daher war Peter Görlich in der Zeit von 1944 bis 1946 als Laufbursche, Arbeiter in einer Spinnerei und Druckerei sowie als Zeitungsverkäufer tätig. Gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester musste er die schlesische Heimat verlassen und kam in den Kreis Wolfenbüttel.

In Wolfenbüttel besuchte er von 1947 bis 1952 das Gymnasium und studierte nach dem Abitur Theologie. Ein Vorbild mag für ihn vielleicht sein Vetter Bernhard Görlich (1909 - 1984) gewesen sein, Geistlicher Rat und Stadtpfarrer von Landeshut. Nach Beendigung seines Studiums wurde er am 17.03.1957 von dem Paderborner Weihbischof Hengsbach zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte Peter Görlich an der St. Petrus Pfarrkirche in Wolfenbüttel.

Nunmehr begann seine segensreiche Tätigkeit als Seelsorger in verschiedenen Gemeinden, u. a. in Holzminden, Hannover und Bremerhaven. Besondere Verdienste erwarb er sich beim Aufbau der neuen Pfarrvikarie Meckelfeld/Hittfeld, die im März 1965 gebildet und zu deren Pastor er am 16.03.1965 bestellt wurde. Sie umfasste 27 Ortschaften auf einer Fläche von 176 qkm. Wie schwer bereits der Anfang war, wird in der Chronik der Pfarrgemeinde anschaulich geschildert. Nachstehend einige Auszüge:
"Am 15. März 1965 bekam der Kaplan Peter Görlich in Bremerhaven-Geestemünde die Nachricht, dass er zum 16.03. als Pastor nach Meckelfeld/Harburg berufen sei. Am Freitag, dem 02.04. kam der Möbelwagen und der Pastor nebst Mutter mit einem schrottreifen BU-Auto in Meckelfeld an. Das so genannte Pfarrhaus war ein Endreihenhaus in der Bürgermeister-Heitmann-Straße, die zu der Zeit noch ein besserer Feldweg war. Das Haus war keineswegs fertig. Maler und Klempner gingen noch ein und aus. Der "Garten" bestand aus einem erweiterten Parkplatz und die Nasen der parkenden Wagen standen buchstäblich unter dem Fenster. Lampen gab es auch keine im Hause, doch muss rückblickend gesagt werden, dass der neue Pastor gar nicht böse war, nach Einbruch der Dunkelheit ins Bett gehen zu müssen. Doch bald ertönte die Haustürklingel, das zunächst einzige funktionierende elektrische Gerät. Der Pastor lugte aus dem Fenster und unten stand eine Gruppe junger Leute mit einem großen Blumenstrauß. Am nächsten Tage kaufte er sich in Harburg eine Karte vom Landkreis und begann mühselig, seine 27 in der bischöflichen Umschreibungsurkunde verzeichneten Gemeinden aufzusuchen".

Da die neue Gemeinde noch nicht über eine eigene Kirche verfügte, erfolgte die feierliche Amtseinführung des neuen Pastors Peter Görlich am 4. April 1965 in der evangelischen Kirche zu Meckelfeld. Acht Jahre stellte er seine ganze Kraft in den Dienst dieser neuen Gemeinde.

Am 1. Februar 1973 berief ihn Bischof Heinrich Maria Janssen als Lagerpfarrer in das Grenzdurchgangslager Friedland. 1976 wurde Pfarrer Görlich Diözesanseelsorger für Vertriebene und Aussiedler in der Diözese Hildesheim. Diese schweren und verantwortungsvollen Aufgaben wurden vom Vatikan 1978 entsprechend gewürdigt. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn zum "Monsignore". Mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 1989 würdigte auch die Bundesrepublik Deutschland seine Verdienste.

Monsignore Peter Görlich verstarb am 10. März 1990. An seinem 33. Weihetag, dem 17. März, wurde er in Friedland beigesetzt.

Quellen:

  • Chronik der Katholischen Gemeinde Seevetal (Meckelfeld/Hittfeld)
  • Schlesischer Gebirgsbote

Gottstein, Wolfgang

Pfarrer, Konsistorialrat i. R.
*                    in Landeshut

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Pfarrer und Konsistorialrat Wolfgang Gottstein geht als deutscher Ehrenbürger der Stadt Kamienna Góra/Landeshut in die Stadtgeschichte ein.

Das Licht der Welt erblickte er im Landeshuter Kreiskrankenhaus Mariannenstift als Sohn des hier allseits bekannten Stadtsparkassen-angestellten Bruno Gottstein und dessen Ehefrau Anna, geb. Jaschke, Tochter eines Tischlermeisters. Das Mariannenstift war 1851 von der Familie des Grafen Anton zu Stolberg-Wernigerode zum Gedenken an die früh verstorbene Tochter Marianne gestiftet worden. Mit seinen jüngeren Brüdern Norbert und Werner verlebte Wolfgang Gottstein seine Kindheit und Jugend in der elterlichen Wohnung in der Liebauer Straße 19. In der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde er getauft, empfing dort seine Erstkommunion und wurde dort auch vom Breslauer Hilfsbischof Josef Ferche konfirmiert.

Nach einem erlebnisreichen Kindergartenaufenthalt unter der Ordensfrau Consilia begann er seine Schulzeit im Jahre 1940 und wurde 1944 in die Langhans-Oberschule aufgenommen. Die Kriegsereignisse und die anrückende russische Front unterbrachen die Schulzeit im Frühjahr 1945 für etliche Monate. Mit dem täglichen Zeitungsverkauf leistete der junge Wolfgang seinen Beitrag für die Familienhaushalts-kasse.

Auch die Familie Gottstein musste schweren Herzens 1946 die geliebte schlesische Heimat verlassen. Mangels einer Verkehrsverbindung zur Stadt setzte Wolfgang Gottstein seine Schulausbildung in der evangelischen Grund- und Hauptschule Handorf, Kreis Winsen fort. Um einen Übergang zum Gymnasium zu erhalten, wechselte er 1948 auf das Privatinstitut Weber in Hamburg-Harburg. Anschließend besuchte er bis zum Abitur die Städtische Oberschule in Geesthacht/Elbe. Während dieser Zeit war er Schulsprecher in der jungen Schülermitverantwortung. Für den täglichen, fast 30 km langen Schulweg benutzte er ein Fahrrad. Dies bedeutete für den jungen Mann damals eine große Anstrengung, denn bei stürmischem Wetter, bei Eis, Schnee oder auch Hochwasser war dieser Weg zurückzulegen.

Da in ihm zwischenzeitlich der Berufswunsch des katholischen Priesters herangereift war, bewarb er sich erfolgreich um einen Studienplatz an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Königstein/Taunus. Diese Hochschule für den ostvertriebenen Priesternachwuchs war im Mai 1947 gegründet worden. Zwei Semester seines Theologiestudiums absolvierte er an der Universität München. Sein damaliger Theologieprofessor war kein Geringerer als Professor Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. Nach dem Staatsexamen besuchte er das Priesterseminar in Rottenburg am Neckar. Bei der Auswahl dieser Ausbildungsstätte wurde er von Pfarrer Bernhard Görlich unterstützt, dem letzten deutschen katholischen Pfarrer von Landeshut. Am 1. Juli 1962 empfing Wolfgang Gottstein durch den Diözesanbischof Dr. Carl Josef Leiprecht die heilige Priesterweihe. Sein Berufswunsch war somit in Erfüllung gegangen. Nunmehr begann sein seelsorgerisches Wirken. Dass er überhaupt katholischer Geistlicher werden wollte, verdankte er nach eigenem Bekunden dem überzeugenden Glaubensleben seiner Angehörigen während seiner Kindheit und Jugendzeit.

Während der Zeit von 1962 - 1964 war er als Vikar an der Pfarrkirche St. Maria in Heidenheim an der Brenz tätig. Anschließend wurde er an die katholische Christ-König-Kirche in Stuttgart-Vaihingen mit dem Auftrag berufen, die Voraussetzungen für die Gründung einer Tochtergemeinde St. Maximilian-Kolbe in einem Vaihinger Neubaugebiet zu schaffen. Aber bereits im Jahr 1970 wartete eine neue Aufgabe auf ihn. Der Bischof von Rottenburg berief ihn als Pfarrer in die zu Ehren der Schutzpatronin Schlesiens errichteten Pfarrei St. Hedwig im Nachbarstadtteil Möhringen. Zu diesem Zeitpunkt war Pfarrer Wolfgang Gottstein bereits der Assistent des aus Rabsen bei Glogau stammenden Diözesanvertriebe-nenseelsorgers Monsignore Alfons-Maria Härtel. Dieser war in den Jahren von 1951 bis 1953 für den Aufbau der Hedwigsgemeinde verantwortlich gewesen. Nach dessen Tod wurde er auch Präses der Schlesischen Eichendorffgilde. Im Jahre 1974 ernannte ihn Prälat Hubert Thienel aus Trebnitz in Schlesien, Apostolischer Visitator der Priester und Gläubigen aus dem Erzbistum Breslau, zum Domkapitular mit dem Titel Konsistorialrat.

Aufgrund gesundheitlicher Probleme sah sich Konsistorialrat Pfarrer Gottstein in den folgenden Jahren schweren Herzens gezwungen, seine seelsorgerischen Aktivitäten auf ein Minimum zu reduzieren und vor allen Dingen auf größere Verantwortung zu verzichten. Der Bischof versetzte ihn daher in drei Landgemeinden am Rande von Ulm. Begleitet wurde er sowohl von seiner Mutter als auch von seiner Tante. In dieser wunderbaren Umgebung fühlten sie sich sehr wohl und waren sehr glücklich. Das kirchenfreudige Klima dieser Dörfler tat ihnen sehr gut. Doch nach einigen Jahren stellten sich erneut gesundheitliche Probleme ein, so dass er 1991 in den Ruhestand wechselte.

Aber auch seit seinem Eintritt in den Ruhestand war und ist er weiterhin aktiv, soweit es seine Kräfte zulassen. Begleitet von einer tüchtigen Haushälterin war Konsistorialrat Pfarrer Gottstein einige Jahre als Touristenseelsorger in dem beschaulichen Schwarzwalddorf Kniebis bei Freudenstadt tätig. Anschließend zogen sie in die so genannte "Talstadt" Schramberg, etwa 25 km südöstlich von Rottweil. Wichtige Gründe legten einige Jahre später einen weiteren Wohnungswechsel nahe. Heute lebt er in Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart. In einem von Ordensfrauen geleiteten Haus für betreutes Wohnen hält er die tägliche Messfeier, ist sowohl für die 250 Heimbewohner als auch in benachbarten Pfarreien seelsorgerisch tätig, soweit es seine Leistungskraft zulässt.

Neben all seinen Aufgaben vergaß er aber nie seine schlesische Heimat. Seit 1976 fährt er jedes Jahr nach Schlesien. er vermittelte materielle Hilfen, besonders für Landeshut. Er organisierte für polnische und deutschstämmige Kinder Ausflüge nach Deutschland und lieferte Schulbücher und andere Lehrmaterialien für schlesische Schulen, unter anderem für das Landeshuter Lyzeum. 1994 veranlasste er, dass seine Freunde aus Deutschland eine Glocke für die neue Kapelle in Johnsdorf stifteten. Die feierliche Einweihung dieser Glocke erfolgte durch den Bischof von Liegnitz, Tadeusz Rybak. Seine langjährigen Bemühungen für eine Verständigung zwischen Deutschen und Polen, insbesondere in Landeshut/Kamienna Góra, wurden am 17.09.1999 entsprechend gewürdigt. An diesem Tag verlieh ihm der Rat der Stadt Kamienna Góra in einer Feierstunde die Ehrenbürgerwürde. In ihrer Festrede sagte die Landeshuter Vizebürgermeisterin, Frau Marzena Machalek: "Diese Würdigung gilt seinen vielen Verdiensten um die Stadt. Vor allem baute er Brücken zwischen heutigen und früheren Landeshutern und deren Nachkommen".

Aber auch andere Ehrungen wurden Konsistorialrat Pfarrer Wolfgang Gottstein zuteil. Anlässlich des Landestreffens der Schlesier von Baden-Württemberg wurde ihm am 13.07.2008 die höchste schlesische Auszeichnung verliehen, das Schlesierkreuz. Der Bund der Vertriebenen zeichnete ihn mit der goldenen Mitgliedernadel aus. Nach wie vor sehr aktiv arbeitet er seit Jahren im Arbeitskreis Landeshut mit. Hier wirken sich insbesondere seine sehr guten Beziehungen zum Rat der Stadt Kamienna Góra und zu den Geistlichen positiv aus.

Quellen:

  • Gottstein, Wolfgang: Persönliche Angaben
  • Schlesischer Gebirgsbote


Das folgende Bild zeigt Pfarrer Konsistorialrat Wolfgang Gottstein mit seinen jüngeren Brüdern Werner und Norbert, von links: Werner, Norbert und Wolfgang Gottstein.

Iwan, Friedrich

Maler, Grafiker
* 08.08.1889 in Landeshut                                         + 08.01.1967 in Wangen

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Neben vielen anderen Personen zählt auch der Landschaftsmaler Friedrich Iwan zu den über die Grenzen hinaus bekannten Landeshuter Persönlichkeiten. Hier wurde er am 08.08.1889 geboren, als Sohn des bei der Firma Methner & Frahne tätigen Direktors Franz Iwan und dessen Ehefrau Clara, geb. Gläser. Friedrich Iwans Mutter Clara entstammte der in Landeshut bekannten Fleischerei Glaeser am Markt. Sein Vater verstarb 1946 in Landeshut. Gemeinsam mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Gertrud verlebte er eine glückliche Kindheit. Es ist überliefert, dass er bereits als Kind gern malte. Als Vorlagen dienten ihm Postkarten.

Nach der Volksschule besuchte er das Landeshuter Realgymnasium und äußerte den Wunsch, ein Studium an der Königlichen Kunst- und Kunst-gewerbeschule in Breslau zu beginnen. Dieser Entschluss stieß bei seinen Eltern aber auf völliges Unverständnis. "A Moaler will a werd`n, a Hungerleider", hieß es. Mehrere Fürsprachen seiner Landeshuter Lehrer, die sein Talent erkannt hatten, erreichten bei seinem Vater schließlich die Einwilligung.

Kein Geringerer als der bekannte Landschaftsmaler Professor Carl Ernst Morgenstern (1847 - 1928) war in Breslau sein Lehrer. Er unterrichtete ihn in der Landschaftsklasse für Malerei und Radierung. Hier lernte er das künstlerische Erfassen und manuelle Wiedergeben der naturhaften Wirk-lichkeit. Zunächst stark beeinflußt von dessen romantischer Malerei mit deutlichem Einschlag ins Dekorative zeigen die Frühwerke Iwans, die heute noch im Familienbesitz sind, ganz ähnliche Züge. Aber schon bald entwickelte er seinen eigenen Stil. 1910 verließ Iwan Breslau und ging nach Berlin. An der Kunstakademie Berlin-Charlottenburg studierte er bei den Professoren Schlabitz und Hans Meyer Kunstgeschichte, Malerei und Kunsthandwerk. Neben der Öl- und Aquarell-Technik galt sein beson-deres Interesse der Radierung.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges setzte seinem Studium ein Ende. Vom ersten Mobilmachungstag an war er dabei. An allen Kriegsschauplätzen wurde er im Laufe der 4 Jahre eingesetzt: in Ostpreußen, Masuren, in Polen, Janowo, Lomca, in Rußland, Brest-Litowsk, Galizien, in Rumänien, Karpathen, in Frankreich, Cotes Loraines, Metz und Verdun. Und überall hat er gemalt. Nicht das Grauenhafte, die Sterbenden, die Hassenden, sondern das Versöhnende über der blutigen Erde; den gemütlich eingerichteten Unterstand, die windschiefe Kate, die Frühlingsblumen auf den Trümmern, den schlafenden Musketier. 93 Dokumente dieser Art wanderten auf Briefköpfen in die Heimat, mal als Federzeichnung, mal als Bleistiftskizze oder Aquarell. Nach dem Krieg machte er sich mit diesem Bildmaterial in Berlin selbstständig und nahm an mehreren von der Regierung Ebert veranstalteten "Feldgrauen Ausstellungen" teil. Die Öffentlichkeit wurde auf ihn aufmerksam und er knüpfte die ersten Verbindungen zu Galerien.

Nach Jahren in der Fremde zog es Friedrich Iwan aber wieder in sein geliebtes Riesengebirge zurück. 1921 verließ er Berlin und zog nach Hirschberg, wo er ein Haus erwerben konnte. Im gleichen Jahr heiratete er Hedwig Weidler, Tochter eines Lehrers und Kantors aus Blumenau. Aus dieser Ehe stammt der einzige Sohn Klaus.

Friedrich Iwan malte nicht im Atelier, sondern in der freien Natur. Im Atelier erhielten seine Werke nur den letzten Schliff. Das heimatliche Riesengebirge, das Waldenburger Bergland oder das Eulengebirge waren seine bevorzugten Motive. Hier konnte man ihm oft begegnen, wenn er mit Rucksack und seinen Malutensilien auf Motivsuche war. Seine besondere Liebe galt dem Schnee in den unterschiedlichsten Erschei-nungsformen. "Wenn nur bald der liebe Schnee käme", pflegte er stets Anfang Oktober zu sagen. Er war ein Meister der Winterlandschaft. Daher wurde ihm in der Künstlerszene auch der Beiname "Schnee-Iwan" verliehen.

1946 musste auch Friedrich Iwan die Heimat verlassen. In der Stadt Schlitz in Hessen fand er nach Monaten der Trennung seine Frau und seinen Sohn wieder. Ende 1946 zog er gemeinsam mit seiner Ehefrau in die Wohnung des Sohnes am Vogelsberg. Hier entstanden nun neue Werke, oft nur auf Packpapier und mit einfachen Deckfarben. Von der Wohnung aus sah er die Höhenzüge der Rhön wie einst vom Hirsch-berger Haus aus den Riesengebirgskamm. Er schuf aber auch wieder Radierungen von Motiven aus Rhön, Vogelsberg und den Alpen. Seit 1954 lebte er in Wangen im Allgäu als freischaffender Künstler. Hier verstarb er am 8. Januar 1967 nach langer schwerer Krankheit. Auf dem Wangener Friedhof St. Wolfgang fand er seine letzte Ruhestätte.

Quellen:

  • Fritsche, Heinz Rudolf: Ostdeutsche Biographie - Persönlichkeiten des historischen Ostens
  • Haus Schlesien: www.hausschlesien.info/Katalog_Iwan.pdf
  • Richter, Gustav: Berühmte Zeitgenossen aus Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia