Bauden M - Z

(Verfasser: Hella Tegeler)

Die "Peterbaude" (1.288 m)

Created with Sketch.

Die Peterbaude lag auf der böhmischen Seite des Riesengebirges. Sie befand sich fünf Kilometer nördlich von Spindlermühle in der Mitte des Riesengebirgshauptkammes am Südosthang der Mädelsteine. Wer als Wanderer die Peterbaude erreicht hatte, wurde mit einem wunderbaren und weit reichenden Ausblick belohnt: im Norden über das Hirschberger Tal hinweg bis zum Zobten bei Breslau und im Süden über die von Ziegenrücken und Goldhöhe flankierten Sieben Gründe, dann die Elbe entlang bis in die böhmische Tiefebene.

Ursprünglich stand an dieser Stelle seit 1790 eine Sennerhütte, die der Familie Pittermann gehörte. Nach diesen "Pieterleuten" wurde sie "Pieterbaud" genannt. Im Jahre 1811 ließ Johann Pittermann diese alte Hütte abreißen und an ihrer Stelle eine ganzjährig bewohnbare Bergbaude errichten. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens war die Peterbaude allerdings bei den Gästen nicht sehr beliebt. In seinem "Wegweiser durch das Sudetengebirge" vom Jahre 1828 schreibt Johann Christian Gottlieb Berndt von der Peterbaude: "Eine enge Nebenkammer dient zum Gastzimmer, in ihr wird auch das Heulager gemacht. Kaffee und was die Kuh gibt, ist zu haben, man eilt aber gern aus dieser Wildnis zur gastlichen Wiesenbaude, die man in zwei Stunden erreichen kann." Auch Karl von Holtei kehrte auf seiner Riesengebirgsreise am 25. August 1818 in der Peterbaude ein und bemerkt über diesen Besuch: "Ich hungere noch, wenn ich an das Mittagessen daselbst gedenke."

Nach Johann Pittermanns Tod bewirtschaftete dessen Sohn Ignaz die Baude. Dieser verkaufte sie am 30. Oktober 1844 für 400 Gulden an seinen Neffen Johann Zinecker. Gleichzeitig erhielt er ein lebenslängliches und unentgeltliches Wohnrecht. Von Agnetendorf heimkehrend, wurde Ignaz Pittermann im Jahre 1849 von einem Schneesturm überrascht und am nächsten Morgen erfroren aufgefunden.

Mit Johann Zinecker begann für die Peterbaude eine neue Zeit. Unter seiner geschickten Wirtschaftsführung wurde sie zu einer der beliebtesten Einkehrhäuser im Riesengebirge. Um den ständigen Klagen über die dürftige Schlafgelegenheit abzuhelfen, wurden 1866 die ersten Fremdenzimmer gebaut. Gleichzeitig wurde in diesem Jahr eine Telegraphenagentur auf der Baude eingerichtet. Jahr um Jahr gab es Verbesserungen. Immer zahlreicher kamen die Gäste aus nah und fern, um einen gemütlichen Baudenabend oben am Kamm zu verleben. Bald reichten weder Gaststube noch Fremdenzimmer aus. Sohn Vinzenz Zinecker, der die Peterbaude 1884 erbte, ließ daher zwischen 1886 bis 1888 unterhalb der alten Baude ein neues Haus errichten, das einen großen Gastraum sowie dreißig Fremdenzimmer und Wirtschaftsräume enthielt.

In den 1890er Jahren begann auch der Winterverkehr. Rodel- und vor allem Hörnerschlittenpartien zählten bald zu den beliebten Wintervergnügen. Oft kamen ganze Schlittenkolonnen, von Pferden gezogen, von der schlesischen Seite aus herauf. Die Fahrt zur Peterbaude und zurück kostete 7,50 Mk. Dieser Preis schloss allerdings eine Übernachtung mit ein. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass eine Übernachtung nur ca. 1,5 Mk. kostete, war dieses Wintervergnügen ziemlich teuer.

Bald wurde auch die neue Baude zu klein. Vinzenz Zinecker ließ daher 1901 das ältere Haus abtragen und dafür einen Neubau errichten, in dem im ersten und zweiten Stock Fremdenzimmer mit Ofenheizung untergebracht waren. Beide Häuser wurden durch eine Halle verbunden. In den nächsten Jahren wurde eine eigene Hochquellwasserleitung gelegt, eine Lichtanlage für Gasbeleuchtung eingeführt und in beide Häuser Zentralheizung eingebaut. Als Vinzenz Zinecker 1913 starb, hatte er aus einer kleinen Baude einen großen, bekannten und beliebten Berggasthof gemacht.

Nach Vinzenz Zineckers Tod lag die Wirtschaftsführung der Baude in den Händen seiner Witwe Anna und ihrer vier Söhne. Diese ließen das Berghotel zwischen 1925 und 1929 um ein drittes Gästehaus erweitern, eine Aussichtsterrasse anlegen und die Gebäude miteinander verbinden. Insgesamt standen jetzt für Gäste 64 Zimmer mit 100 Betten zur Verfügung. Alle in Betracht kommenden technischen Neuerungen wurden eingebaut; es gab eine elektrische Kühlanlage mit Kühlräumen, Kühlschränken und Eismaschine, eine elektrische Großwäscherei mit Bügelmaschine, eine elektrische Geschirrspülmaschine, eine Lautsprecheranlage, um nur das Wichtigste zu nennen. Ein Verkaufsraum für Sportausrüstungen usw. war ebenso vorhanden wie ein Friseursalon. Darüber hinaus besaß die Peterbaude eine eigene Hauskapelle.

Nach dem Krieg wurden tschechische Verwalter eingesetzt und die vier Brüder Zinecker am 19. Juni 1945 nach Deutschland vertrieben. Die verstaatlichte Baude diente ab 1949 als Erholungsheim, und im Jahre 1960 wurde sie in eine Touristenherberge umgewandelt. Die dem fortschreitenden Verfall überlassenen Hauptgebäude wurden 1997 auf Initiative der Nationalparkverwaltung in die Liste nationaler Kulturdenkmale aufgenommen. Der Baudenbetrieb wurde 2007 wegen Auflagen des Bezirkshygieneamtes Trutnow (Trautenau) eingestellt. In den frühen Morgenstunden des 1. August 2011 brannte das ehemalige Berghotel ab, 200 Jahre nach seiner Inbetriebnahme. Als Brandursache wird Brandstiftung vermutet.

Wenn auch diese wunderschöne Baude heute nicht mehr besteht, so ist sie doch untrennbar mit dem Riesengebirgslied "Blaue Berge, grüne Täler" verbunden. Zwei Lehrer haben das Lied im Jahre 1914 geschaffen: Othmar Fiebiger schrieb die Worte und Vinzenz Hampel vertonte das Gedicht. Fiebiger erzählte später gerne, wie er auf einer Kammwanderung in der gemütlichen Peterbaude eingekehrt war, wo die Zither klang und die Gäste manches Lied mitsangen, aber keines vom Riesengebirge dabei war. Er schlich hinaus in die Bergeinsamkeit und schrieb im Anblick der wunderbaren Bergwelt:
                                              Bloe Barche, grüne Täler
                                              mitta drin a Heisla kleen;
                                              herrlich is dos Stückla Erde,
                                              und ich bin ja dort drheem
.

Noch am selben Abend las er seinen Freunden dieses kurze Gedicht in der Baude vor. In seinem Gedächtnis klangen die Zeilen weiter und gingen ihm nicht aus dem Sinn und den wenigen Zeilen fügte er weitere hinzu. Sein Freund Vinzenz Hampel vertonte es später. Ins Hochdeutsche übertragen wurde es zur Hymne der Riesengebirgler.

Quellen:

  • General-Anzeiger f. d. Riesengeb.: Das hundertjährige Bestehen der Peterbaude in: Der Wanderer im Riesengebirge, Heft 3/1911
  • Hampel, Vinzenz: Die Geschichte des Liedes vom Riesengebirge, Hohenelber Heimatbüchlein, jahrg. 1950
  • Lessenthin, Berthold: Das Riesengebirge im Winter, Schottländer 1901, Breslau
  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
  • Spindler, Josef: Die Geschichte der Peterbaude, Heimatblatt für den ehemaligen Kreis Hohenelbe, Jahrg. 1951
  • Staffa, Marek: Das Riesengebirge, Wydawnictwo Dolnoslaskie, Wroclaw 1997

Die Peterbaude um 1811

Die Peterbaude

Die Peterbaude 1935

Blick auf die Peterbaude

Peterbaude - Innenansicht

Peterbaude - Innenansicht

Die "Prinz-Heinrich-Baude (1.420 m)

Created with Sketch.

Die Prinz-Heinrich-Baude lag 180 m oberhalb des Großen Teiches, zwei Stunden Fußweg von Krummhübel entfernt. Von der Aussichtsterrasse bot sich dem Besucher ein weiter Blick in das Tal. Der Große Teich ist 553 m lang und 63 - 180 m breit. Die größte Tiefe beträgt 23 m. Der dunkle Wasserspiegel und hohe vom Ufer auftürmende Felswände sind charakteristische Eigenschaften des Großen Teiches.

Inmitten dieser einzigartigen Landschaft ließ Gustav Elsner 1888 die Prinz-Heinrich-Baude nach den Plänen des Baumeisters Hermann Kahl aus Arnsdorf errichten. Im Jahre 1887 hatte Gustav Elsner ursprünglich geplant, ein Gasthaus am Mittagstein zu bauen. Eine frohe Dinnerstunde ausnützend, hatte er in diesem Jahr vom Grafen Schaffgotsch als Grundherrn die Erlaubnis zum Bau erhalten. Als die Ortsgruppe Breslau des Riesengebirgsvereins von diesen Plänen erfuhr, einigte man sich auf die Errichtung eines größeren Objektes. Zur Finanzierung wurde ein "Verein zur Errichtung eines Gasthauses am Mittagstein" gegründet und Anteilscheine zu fünf Mark herausgegeben, von denen später alljährlich nach der Saison eine bestimmte Summe als Rückzahlung zur Verlosung kam. Aus Anlass der Verlosung fand in Breslau stets eine fröhliche Versammlung des Baudenvereins statt. Auf Anraten des Försters Tietze wurde der Bau jedoch nicht am Mittagstein errichtet, sondern über dem Rand des Großen Teiches, einmal wegen der besseren Fernsicht und weil man dort Sand und Steine zum Bau vorfand.

Am 14. Mai 1888, dem Hochzeitstag von Gustav Elsner und seiner Ehefrau Rosalie, geb. Mönnich, wurde mit dem Bau begonnen. Zehn Tage später war der Hochzeitstag des Prinzen Heinrich von Preußen (jüngerer Bruder des späteren Kaisers Wilhelm II.) mit der Prinzessin Irene von Hessen, die ihre Flitterwochen im Erdmannsdorfer Schloss verbrachten. Auf dem Rückweg von einer Koppenwanderung kam das Paar an der Baustelle vorbei und begegnete dort dem Ehepaar Elsner. Dieses Zusammentreffen führte zur späteren Namensgebung der Baude.

Am 8. September 1888 wurde Richtfest gefeiert. Aus diesem Anlass schuf der aus Lüben bei Liegnitz stammende Geheimrat Dr. Baer ein mehrere Strophen umfassendes Gedicht. Nachfolgend ein paar Auszüge:
                                                 "Fest gemauert ob dem Teiche
                                                 an der steilen Felsenwand,
                                                 von der Grenze zweier Reiche
                                                 leuchtend weit in`s deutsche Land
                                                 steht das Baudenhaus
                                                 stark im Sturmgebraus;
                                                 mögen alle Wetter toben,
                                                 unerschüttert bleibt es droben.

                                                 Herein, Herein!
                                                 Genossen alle, schließt die Reih`n,
                                                 daß wir die Baude tausend weih`n:
                                                 "Prinz-Heinrich-Baude" sei ihr Name!
                                                 Ein Kaisersohn wars, der ihn gab,
                                                 ein Zoller, der mit seiner Dame
                                                 hier anhielt seinen Wanderstab.
                                                 Sein Liebesglück und diese Mauern
                                                 erstanden just zur selben Zeit, -
                                                 in Segen sollen beide dauern
                                                 bis in die ferne Ewigkeit!"

Die Einweihung der Baude erfolgte am 8. Juni 1889. Prinz Heinrich übersandte ein großes Foto in breitem Goldrahmen mit handschriftlicher Widmung, das an einem bevorzugten Platz im Speisesaal aufgehängt wurde. An der Vorderseite der Baude wurde eine Büste des Prinzen Heinrich aufgestellt. Die Baude verfügte über 30 Zimmer. Im Jahre 1906 wurde bereits eine Zentralheizung eingebaut.

Um eine Zunahme des Winterverkehrs zu ermöglichen, veranlasste Elsner den Bau einer doppelgleisigen Rodelbahn. Dieser sog. "Hoserweg" wurde im Herbst 1903 fertiggestellt und war damit die erste zweigleisige Rodelbahn des Riesengebirges.

Als im Jahre 1919 die 30jährige Erbpacht ablief, bewarb sich Elsner nicht mehr um eine neue Pachtung und übergab den Betrieb an Rudolf Korseck aus Krummhübel, der diesen bis zur Vertreibung führte.

Der Baude war ein trauriges Schicksal beschieden. Im Herbst 1946 brannte sie ab, ein Wiederaufbau erfolgte nicht. Heute sind nur noch die Fundamente erhalten.

Im Jahre 2002 wurde eine Expedition zu wissenschaftlichen Untersuchungen und Spurensuche nach historischen Gegenständen des Kleinen und Großen Teiches von einer tschechischen Tauchschule unternommen. Dabei entdeckte man als interessantesten Fund neben Scherben mit dem Emblem "Prinz-Heinrich-Baude" den Torso einer Bronzebüste in Lebensgröße von der Prinz-Heinrich-Baude. 2004 wurde am einstigen Standort der Baude eine Messingtafel mit Abbild und Text in polnischer Sprache aufgestellt.

Quellen:

  • Dr. Baer: Das Lied von der Baude in: Der Wanderer im Riesengebirge, Heft 10/1888
  • Haase, Gustav: Geschichte der Prinz Heinrich Baude, Heemteglöckla, Jahrg. 1951
  • Meyers Reisebücher: Riesengebirge und Isergebirge, Bibliographisches Institut Leipzig (1930)
  • Morgner/Baumann. Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
  • Patschovsky, Wilhelm: Führer durch das Riesen- u. Isergebirge, Verlag Georg Brieger, Schweidnitz (1908)

    
                                     

Die Prinz-Heinrich-Baude

Die Prinz-Heinrich-Baude

Prinz-Heinrich-Baude - Innenansicht

Die "Reifträgerbaude" (1.365 m)

Created with Sketch.

Die Reifträgerbaude war und ist das Gasthaus des "Schreiberhauer" Berges, dem Reifträger. Nach dem Verlust der Wosseckerbaude ließ Franz Endler nach den Plänen der Gebrüder Albert in den Jahren 1921/22 auf dem Gipfelgrat des Reifträgers eine Baude errichten, die den Namen "Deutsch-Böhmer-Haus" erhielt, aber im Volksmund Reifträgerbaude genannt wurde. Am 11. Sepember 1921 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Anwesend war u. a. auch Graf Schaffgotsch, der Besitzer des Grund und Bodens. In der Gründungsurkunde, die Oberbürgermeister Hartung aus Hirschberg verlas, wurden u. a. auch Zeitumstände und Ursachen geschildert, durch die die Gründung der Reifträgerbaude als ein Ersatz für die von den tschechischen Behörden geschlossene Wosseckerbaude anzusehen ist. Das Richtfest war bereits wenige Wochen später, am 24. Oktober. Die ersten Gäste bewirtete die Familie Endler in ihrer neuen Baude am 19. Dezember 1922. In der Folgezeit wurden immer wieder Modernisierungen vorgenommen. Eine Stromleitung von Schreiberhau brachte eine erhebliche Erleichterung. Der unzuverlässige Generator wurde überflüssig.

Den großen Aufstieg seiner Baude erlebte Franz Endler aber nicht mehr. Am 29. November 1930 verstarb er. Er hatte die Vertreibung aus der Wosseckerbaude nie überwunden. Seine Familie bewirtschaftete die Baude bis zur Vertreibung.

Nach 1946 verfiel die Baude immer mehr und wurde schließlich 1966 geschlossen. Anfang der 1970er Jahre sollte die Baude saniert werden. In der ersten Woche des Jahres 1972 begannen die Bauarbeiten, doch am 25. Januar brannte die Reifträgerbaude nieder. Ein schadhafter Schornstein wurde als Brandursache ermittelt. Die aus Schreiberhau kommende Feuerwehr konnte, nachdem der Löschwasservorrat aufgebraucht war, nichts mehr tun, die Feuerwehr aus Hirschberg blieb im Schnee stecken. 1991 begann man mit einem Neubau auf dem Reifträger, die feierliche Eröffnung erfolgte am 19. Dezember 1992, genau 70 Jahre nach der ersten Einweihung.

Quellen:

  • Dr. Baer: Die Grundsteinlegung der Reifträgerbaude in: Der Wanderer im Riesengebirge, Heft 11/1921
  • Schreiberhau im Riesengebirge: Herausgeber Kurverwaltung Schreiberhau 1928

Die Reifträgerbaude

Werbung

Das folgende Bild zeigt die Veranda in der Reifträgerbaude.

Das "Schlesierhaus" (1.400 m)

Created with Sketch.

Das Schlesierhaus befindet sich auf dem Koppenplan. Dieses Hochplateau zwischen dem Kamm des Brunnberges im Westen und dem Kegel der Schneekoppe im Osten liegt auf einer Höhe von 1.400 - 1.450 m auf dem Hauptkamm des Riesengebirges und ist 7,5 km lang und 3 km breit. Das Schlesierhaus ist auch heute noch die letzte Einkehrmöglichkeit für Wanderer vor dem Aufstieg zur Koppe.

Historiker vermuten, dass an dieser Stelle bereits im 17. Jahrhundert eine Baude stand, die den zur Schneekoppe Wandernden Schutz gewährte.

Bauherr des Schlesierhauses war Hugo Teichmann, der am 22. Juni 1883 in Zillerthal als 7. Kind der Eheleute Emil und Selma Teichmann geboren wurde. Verheiratet war er in 1. Ehe mit einer Tochter aus der gegenüberliegenden Riesenbaude. Seine Familie besaß bereits die Schnurrbartbaude und das weit über die Grenzen von Schlesien hinaus bekannte Berghotel "Teichmannbaude". 1921/22 pachtete er das Grundstück für das Schlesierhaus von Graf Schaffgotsch in Bad Warmbrunn, das er aber 1928 käuflich erwarb und bis zum Melzergrund erweiterte. Die feierliche Einweihung fand im Jahre 1924 statt. Es handelte sich um einen modernen Bau mit allen technischen Neuerungen. Den Gästen standen 40 Ein- und Zweibettzimmer zur Verfügung. Hervorgehoben wird im Grieben-Reiseführer ein behaglicher Speise- und Tanzsaal, Gesellschaftszimmer und Wandersaal für 200 Personen, eigene Konditorei und Eismaschine. Vorhanden waren Bäder, Zentralheizung und Telefon. Als Besonderheit gab es eine Heißluft-Kleidertrockenanlage. Nasse Kleidung wurde beim Betreten der Baude abgegeben und beim Verlassen erhielt man die getrockneten Kleider zurück.

Für Wintertouristen gab es eine eigene Rodelbahn über 8 km, die bis nach Krummhübel führte. Für eine unabhängige Stromversorgung wollte Hugo Teichmann die meist starken Winde am Fuße der Koppe nutzen. Zu diesem Zweck beabsichtigte er, eine Windturbinenanlage bauen zu lassen, mit der einerseits unmittelbar vom laufenden Windrad der im Maschinenhaus erzeugte Strom verwendet, andererseits in einer großen Batterieanlage für windstille Zeiten gespeichert werden konnte. Eine Firma aus der Schweiz erhielt den Auftrag und errichtete die Anlage Mitte 1924 etwa 15 Meter vom Schlesierhaus entfernt. Die Gesamthöhe betrug 23 Meter. die gesamte Anlage funktionierte hervorragend bis zum 23. Dezember 1924. Ein eisiger Nordwestwind in Orkanstärke fegte über den Koppenplan. Die Temperatur sank auf -12 Grad Celsius, so dass die Rollenlager des Windrades in ihrer Führungsschiene vereisten und das Windrad unbeweglich gegen den Sturm stand. Die Zerstörung der Windturbinenanlage war die Folge. Damit war Hugo Teichmanns Traum, das Schlesierhaus mittels Windkraft als Stromselbstversorger auszurichten, zunichte gemacht worden.

Die Vertreibung blieb auch Hugo Teichmann nicht erspart, verkraftet hat er sie nie. Bereits am 17. Februar 1949 verstarb er in Wahle bei Braunschweig.

Das Schlesierhaus wurde im Jahre 1947 wieder für Touristen eröffnet. Ebenso wie früher ist die Baude auch heute wieder ein willkommener Rastplatz vor dem letzten Aufstieg zur Schneekoppe.

Quellen:

  • Drescher, Karl-Heinz: Bergbauden des Riesen- und Isergebirges
  • Griebens-Reiseführer: Schreiberhau und Umgebung, Grieben-Verlag - Albert Goldschmidt (Berlin 1928)
  • Herrmann, Wolfgang: Eine Familie im Riesengebirge
  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung Begegnung e. V. (2013)
  • www.domslaski.pl

Das Schlesierhaus - früher

Das Schlesierhaus - heute

Das folgende Bild zeigt den Saal des Schlesierhauses.

Die "Schneegrubenbaude" (1.490 m)

Created with Sketch.

Die Schneegrubenbaude befindet sich am Rand der Schneegruben unter dem "Hohen Rad". Die Schneegruben in der Nordflanke des Riesengebirgs-Hauptkamms sind eines der faszinierendsten Wanderziele im Riesengebirge. Neben fantastischer Aussicht und einzigartigen Felsformationen gibt es auch eine überaus reiche Pflanzenwelt zu bewundern. Der Schnee, der sich hier bis weit in den kalendarischen Sommer hinein hält, hat den Schneegruben den Namen gegeben. Ausgangs-punkt der Wanderung zur Schneegrubenbaude ist Schreiberhau.

An die Wanderer dachte der Graf von Schaffgotsch auch, als er im Jahre 1837 ein Haus errichten ließ, welches ihnen Schutz und Rast bieten konnte. Es war ursprünglich ein einfaches, einstöckiges, an die Rübezahlkanzel gelehntes Holzgebäude mit zwei Stuben, einer kleinen Veranda und einem Dachboden. Der Standort dieses Holzhauses erwies sich als sehr attraktiv, so dass 1861 ein neues steinernes Haus mit 21 Quartierplätzen gebaut wurde. Die berühmte Spezialität des Hauses war der sog. "Richterschnaps".

Mehrere Blitzeinschläge in den Jahren 1890 und 1892 machten einen Neubau zwingend erforderlich. Mit einem Kostenaufwand von weit über 100.000 Mark ließ die Reichsgräflich Schaffgotsche Verwaltung von dem Baumeister Daubach 1895/96 ein großes Hotelgebäude errichten, welches 1897 feierlich eröffnet wurde. Richard Greulich, der Pächter der alten Schneegrubenbaude, übernahm nun auch die Regie in dem Neubau. Die einzelnen Stockwerke enthielten 44 Fremdenzimmer, zum Teil mit herrlichster Aussicht. Auch die verglaste Terrasse war bei den Hotelgästen überaus beliebt. 120 Stufen führten zur Höhe des mächtigen siebenstöckigen Steinturmes. Von dort bot sich dem Besucher eine atemberaubende Aussicht, die Wilhelm Patschovsky, Schriftsteller und Lehrer in Dittersbach bei Liebau, in seinem Reiseführer wie folgt schildert:
"Die Aussicht vom Turme des neuen Hotels ist eine der schönsten und umfassendsten des ganzen Gebirges. Über dunkles Waldgebiet der Vorberge blicken wir hinweg auf die lachende Landschaft des Hirschberger Tales. Gegen NNW. sieht man den Hochstein, vor welchem sich Schreiberhau ausbreitet; rechts davon liegt Petersdorf. Links hinter dem Hochstein hebt sich die bewaldete Koppe der Tafelfichte ab und im Hintergrunde kommt die Landeskrone bei Görlitz zum Vorschein. Über Petersdorf hinweg fällt der Blick auf die Bibersteine, hinter welchen am Horizont der Greiffenstein, die Ruine Lehnhaus der Probsthainer Spitzberg und Gröditzberg bemerkbar sind. Im O. tritt der Koppenkegel über den Riesenkamm hervor. Links davon der Landeshuter Kamm mit den Friesensteinen und dem Ochsenkopf sowie die Falkenberge. Über den Landeshuter Kamm erblickt man den Sattelwald, den Hochwald, das Waldenburger Bergland und dahinter den Zobten. Fischbach und Buchwald sind ebenfalls von hier aus zu sehen. Nach S. und SW. schweift der Blick in die 7 Gründe und über den Krkonosch hinweg nach den Bergen von Teplitz, dem Jeschken; nach W. zur Lausche und anderen Bergen des Lausitzer Gebirges und der sächsisch-böhmischen Schweiz."

Die neue Schneegrubenbaude war damals mit modernster Technik ausgestattet, u. a. elektrische Beleuchtung und Zentralheizung. Die starke Holzverschalung, mit welcher der Steinbau umgeben war, diente als Schutz gegen die Witterungseinflüsse in dieser Höhe. Zu den Attraktionen der Baude gehörte ein Schiffsscheinwerfer, der den Wanderern signalisierte, ob noch freie Betten vorhanden waren.

Nach dem Kriege wurde die Baude weiter bewirtschaftet, allerdings gab es nur Notüber-nachtungen. Weil dringend notwendige Renovierungsarbeiten nicht finanziert werden konnten, wurde im Jahre 1960 das Objekt dem Fernsehen übergeben, welches in dem Haus eine Sendestation installierte. Einige Jahre später wurde ein Umbau vorgenommen, bei dem ein Teil des Turms abgetragen und die Form des Daches verändert wurde. Die frühere Schneegrubenbaude dient heute als Fernseh- und Rundfunksender sowie als meteorologische Station. Für die Öffentlichkeit ist sie leider nicht mehr zugänglich.

Quellen:

  • Lessenthin, Berthold: Das Riesengebirge im Winter, Schottländer 1901, Breslau
  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
  • Patschovsky, Wilhelm: Führer durch das Riesen- u. Isergebirge, Verlag Georg Brieger, Schweidnitz (1908)
  • Staffa, Marek: Das Riesengebirge, Wydawnictwo Dolnoslaskie, Wroclaw 1997

Die Schneegrubenbaude 1837

Die Schneegrubenbaude nach 1861

Die Schneegrubenbaude 1911

Die frühere Schneegrubenbaude - heute

Die "Schnurrbartbaude" (843 m)

Created with Sketch.

Sie ist eine der ältesten Bauden des Riesengebirges, ihre Entstehungsgeschichte liegt aber im Dunkeln. Weder Erbauer noch Bauzeit sind genau bekannt. Der Theologe Johann Friedrich Zöllner unternahm im Jahre 1792 eine Koppenbesteigung von Krummhübel aus über die Seiffenlehne. Die erste Raststätte auf seiner Wanderung war "eine einzelne hölzerne Hütte, dergleichen es auf dieser Höhe des Gebirges mehrere gibt". Man erklärte ihm, dass es sich bei dieser Baude um die Johann-Georgen-Baude handele. Man nenne sie auch Schnurrbartbaude. Was Zöllner dann in sein Reisetagebuch aufgenommen hat und 1793 in den bekannt gewordenen "Briefen über Schlesien" veröffentlicht hat, enthält die erste schriftliche Erwähnung der Baude.

Der eigentliche Name lautete Johann-Georgen-Baude. Die Zusatzbezeichnung Schnurrbartbaude ist in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts aufgekommen. Es heißt, einem der Nachkommen des Erbauers sei von den Viehhirten wegen seines stattlichen Vollbartes der Spitzname "Schnurrliebig" verliehen worden, später zu "Schnurrlich" abgewandelt. Um 1800 hatte sich dieser Name fest eingebürgert. Auch Thedor Hoser erwähnt in seinem 1803 veröffentlichten Buch "Das Riesengebirge" die "sogenannte Johann-Georgen- oder Schnurrbartbaude", die "eine halbe Stunde über Krummhübel hinaus einsam liegt".

Bekannt ist, dass die Eigentümerfamilie Liebig die Baude 1832 an Wenzel Pradler verkaufte, der das Anwesen im Jahre 1862 seinem Sohn Karl übergab. Auf Wenzel Pradler oder dessen Sohn Karl wird übrigens die willkürliche Hinzufügung des Namens Rübezahl zur Schnurrbartbaude zurückgeführt. Mit Christoph Häring erfolgte 1884 wiederum ein Eigentümerwechsel.

Der letzte Abschnitt in der Geschichte der Schnurrbartbaude beginnt mit Emil und Selma Teichmann. Sie erwarben die Baude im Frühjahr 1888. Emil Teichmann war ein Sohn des Krummhübler Laboranten Carl Benjamin Teichmann und Selma Teichmann eine tochter der Damastweberfamilie Reimann aus Seidorf. Bald nach dem Kauf wurde die Baude aufgestockt. Es entstanden 12 Fremdenzimmer und eine große Gaststube. Die erste Werbung nach dem Umbau lautete:
                                                "RÜBEZAHLS  SCHNURRBARTBAUDE
                                            Gast- und Logierhaus, Sommerwohnungen mit
                                            und ohne Pension, jederzeit frische Milch sowie
                                            täglich frische hausbackene Waren.
                                            Die Preise: eine Übernachtung 1 Mark, das
                                            Frühstück 75 Pfennige, Pensionspreis 3 - 4 Mark
                                            täglich."

Nach dem Tode Emil Teichmanns am 17. Juni 1902 führte seine Witwe Selma den Betrieb noch über zwei Jahrzehnte in gewohnter Weise weiter, obwohl diese alte Baude seit den Jahren 1912/13 im Schatten der Teichmannbaude stand, wenngleich sie durch den Plan des bekannten Breslauer Architekten Hans Eras sehr gut in das Allgemeinbild eingeordnet worden war.

Selma Teichmann hat das Ende ihrer Baude nicht mehr miterlebt. Sie starb am 5. März 1922 in Seidorf. In der Nacht vom 15. auf den 16. August 1923 brach ein Feuer aus und innerhalb kurzer Zeit brannte die Baude bis auf die Grundmauern nieder. Zwei Jahre später wurde anstelle des alten ein neues Gebäude errichtet. Doch hatte es kaum mehr Ähnlichkeit mit dem Vorgängerbau, weder im Baustil noch in der Innenausstattung.

Angemerkt sei hier noch, dass Hugo Teichmann, ein Sohn der Eheleute Emil und Selma Teichmann, Eigentümer des bekannten Schlesierhauses war.

Quellen:

  • Herrmann, Wolfgang: Eine Familie im Riesengebirge
  • Reitzig, Hans: Vom Gebirgsbauernhaus zum Gebirgsgasthaus in: Heemteglöckla 108/1966

Die Schnurrbartbaude

Gaststube der Schnurrbartbaude

Teichmannbaude mit der alten Schnurrbartbaude

Teichmannbaude mit der neuen Schnurrbartbaude

Die "Teichmannbaude" (843 m)

Created with Sketch.

Clara Fuhrmann, geb. Teichmann, ältestes Kind der Eheleute Emil und Selma Teichmann (Eigentümer der Schnurrbartbaude) ließ in den Jahren 1912/13 das weit über die Grenzen von Schlesien hinaus bekannte Berghotel "Teichmannbaude" errichten. An finanziellen Mitteln fehlte es nicht und das Suchen eines geeigneten Bauplatzes blieb ihr erspart. Zum Grundbesitz der elterlichen Schnurrbartbaude gehörten einige Morgen Land, auf denen das neue Haus errichtet werden konnte.

Der erste Spatenstich erfolge Ostern 1912 und die Grundsteinlegung am 18. Oktober 1912. Mit einem großen Baudenfest und zahlreichen Gästen wurde das Hotel am 11. Oktober 1913 feierlich eingeweiht. Es handelte sich um einen modernen Bau mit allen technischen Neuerungen. In dem Hotelprospekt ist u. a. zu lesen:
"Das Haus hat 48 vermietbare Zimmer mit Kalt- und Warmwasserversorgung, Wohnung mit Privatbad, Badeeinrichtung in allen Stockwerken, Warmwasserheizung und elektrisches Licht. Auch können, da die meisten Zimmer mit geschützten Balkons versehen sind, auf bequemen Liegestühlen die beliebten Liegekuren in frischer Luft gemacht werden. In dieser ruhigen Zeit kann auch auf die Diät besondere Rücksicht genommen werden. Medizinische Bäder, Luft- und Brausebäder sind vorhanden, auch Massage von geschulten Kräften ist im Hause zu haben".

Mit der Geschäftsführung des Hotels beauftrage Clara Fuhrmann ihre Brüder Alfred und Richard Teichmann. Nach Kriegsausbruch übernahm sie wieder die volle Verantwortung für das Hotel, da sowohl Alfred als auch Richard Teichmann eingezogen wurden.

Im Jahre 1924 wurde die Teichmannbaude an den Hotelier Orsiglowsky vom Grand-Hotel in Spindlermühle verkauft. In späteren Jahren ging das Hotel in das Eigentum des Niederlausitzer Bergwerksbesitzers Ewald Kleffel über.

Auch heute noch ist die ehemalige Teichmannbaude für Gäste geöffnet, der jetzige Name lautet: "Hotel Orlinek".

Quellen:

  • Herrmann, Wolfgang: Eine Familie im Riesengebirge
  • Lessenthin, Berthold: Das Riesengebirge im Winter, Schottländer 1901, Breslau
  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
  • Reitzig, Hans: Vom Gebirgsbauernhaus zum Gebirgsgasthaus in: Heemteglöckla 108/1966

Die Teichmannbaude

Teichmannbaude - Verkehrshalle

Teichmannbaude - Wanderersaal

Einbettzimmer in der Teichmannbaude

Die "Wosseckerbaude" (1.260 m)

Created with Sketch.

Im Quellgebiet der Elbe, unterhalb des Reifträgers gelegen, ist die Baude von Harrachsdorf (Tschechien) in rund 2 Stunden und 30 Minuten zu erreichen.

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts war die spätere Wosseckerbaude eine Almhütte des Witkowitzer Gutsbesitzers Preißler und ging im Jahre 1701 an die Herrschaft Starkenbach über. Der spätere Besitzer Wenzel Krause erhielt im Jahre 1790 die Genehmigung zum Bau einer Sommerbaude, die den Namen "Neue Böhmische Baude" erhielt. Da sich dort längere Zeit ein Franziskanermönch aufgehalten haben soll, wurde sie auch "Franziskanerbaude" genannt. Ihren späteren Namen verdankt die Baude ihrer Lage an einer früher überaus sumpfigen und wässerigen Gegend, welche allgemein die Wasserecke genannt wurde. Aus der an dieser Wasserecke gelegenen Baude wurde dann die Wasserecken- oder kürzer Wosseckerbaude.

Um 1890 war die Wosseckerbaude so baufällig geworden, dass sie einzustürzen drohte. Ludmilla Hollmann, die inzwischen Eigentümerin geworden war, entschloss sich zu einem Neubau. Die feierliche Eröffnung der neuen Gastbaude fand am 20. September 1896 statt. Obwohl es sich um einen Neubau handelte, ging die alte Baudengemütlichkeit wohl nicht verloren, wie Berthold Lessenthin es wie folgt beschreibt:
"Trotz des Neubaues ist die Wosseckerbaude im besten Sinne die "alte" geblieben. Wer noch im Riesengebirge bei allem Comfort die echte Baudengemütlichkeit sucht, der findet sie in der Wosseckerbaude. In der geräumigen, in altem Baudenstil aus Holz gebauten Gaststube ist zwar kein elektrisches Licht, aber eine Petroleum-Blitzlampe neuester Construction erhellt den anheimelnden Raum auf`s Beste. Anstatt einer Centralheizung strahlt der altdeutsche Kachelofen eine Wärme aus, bei der auch an einem kalten Wintertage die Gebirgsbewohner bei 24 Grad Wärme in Hemdsärmeln vergnügt am Tische sitzen. Die Wände sind mit einfachen Bildern geschmückt, deren eines die alte Baude in ihrer ursprünglichen Gestalt darstellt. Die im Sommer reichhaltige Speisekarte ist im Winter einfach, aber die Speisen, Eier, Schinken, Butter, Brot, sind vorzüglich, die Weine vortrefflich."

Bereits zwei Jahre nach der Eröffnung wurde die Baude zwangsversteigert und ging in den Besitz der Herrschaft Starkenbach über. Ludmilla Hollmann hatte zwischenzeitlich den aus einer alten nordböhmischen Tuchmacherfamilie stammenden Franz Endler geheiratet.

Von diesem Zeitpunkt an ist die Geschichte der Wosseckerbaude und später der Reifträgerbaude eng mit dem Namen Franz Endler verbunden. Er bewirtschaftete die Wosseckerbaude nun als Pächter und ließ sie 1900 wesentlich erweitern. Das äußere Bild ging dadurch aber nicht verloren.

25 Jahre bewirtschaftete Franz Endler die Wossecckerbaude bis zu ihrer Verstaatlichung im Jahre 1921. Danach musste er einem tschechischen Pächter weichen. Er ging mit seiner Familie in den schlesischen Teil des Riesengebirges und ließ dort die Reifträgerbaude errichten. Für die Vertreibung von Endler waren politische Gründe maßgebend. Mit dem Zusammenbruch der österreichischen Monarchie bildete sich die Tschechoslowakische Republik. Eine ihrer ersten Entscheidungen war die Durchführung einer Bodenreform, die vor allem den Großgrundbesitz im Grenzgebiet betraf. Da Franz Endler Pächter war und keinen Kaufvertrag hatte, wurde von staatlicher Seite alles unternommen, um ihn letztendlich zu vertreiben und einen Tschechen als Pächter einzusetzen. Es ging vorrangig um die Tschechisierung in dem vorwiegend von Deutschen bewohnten Gebiet.

Die Wosseckerbaude gehört zu den wenigen Bauden des Riesengebirges, die nie von einem Brand betroffen war. Noch heute ist sie nicht an das Stromnetz angeschlossen. Die notwendige Energie wird durch ein Dieselmotoraggregat erzeugt.

Quellen:

  • Finke, Franz. Die Wosseckerbaude und ihr Wirt Franz Endler - Rochlitzer Heimatbuch 1991
  • Lessenthin, Berthold: Das Riesengebirge im Winter, Schottländer 1901, Breslau
  • Morgner/Baumann: Kulturregion Riesengebirge - Die Wiesenbaude -, Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Verein Erinnerung und Begegnung e. V. (2013)
  • Novak/Malerek: Riesengebirge - Böhmischer Teil, Laumann-Verlag, Dülmen (1995)

Die Wosseckerbaude kurz vor dem Abbruch

Die neue Wosseckerbaude