Reuschel, Ildephons

Abt des Klosters Grüssau
* 06.11.1742 in Oberzieder                                    + 05.11.1823 in Grüssau

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Er ging als der letzte Abt vor der Säkularisation im Jahre 1810 in die Grüssauer Klostergeschichte ein. Sein Geburtshaus stand in Oberzieder südlich von Landeshut und wurde später das "Prälatenhäusel" genannt. Hier erblickte er am 06.11.1742 als Sohn der Eheleute Johann Christoph und Anna Maria Reuschel das Licht der Welt. Da seine Eltern nicht vermögend waren, erhielt er einen Freiplatz an der Lateinschule des Grüssauer Klosters. Nach erfolgreichem Schulabschluss trat Reuschel 1764 in das Stift Grüssau ein und legte dort am 19.07.1765 als Pater Ildephons seine Profess ab. Die Priesterweihe empfing er am 10.06.1770. Die ersten Stationen seines seelsorgerischen Wirkens waren Altreichenau, Schömberg und Neuen. Im Herbst 1793 erfolgte seine Ernennung zum Stiftsprior.

Nachdem er bei den Abtswahlen von 1787 und 1797 Mitkandidat war, wählten ihn am 04.03.1800 die 49 anwesenden Mönche einstimmig zu ihrem neuen Abt. Er trat ein sehr schweres Amt in unruhigen Zeiten an. Der Grüssauer Abtskalender berichtet Folgendes über diese Wahl: "1800 d. 4. März wurde einstimmig gewählt Ildephonsus Reuschel, als Administrator der Burggüter und o Gott zu was für unglückliche Zeiten und Zufälle".

Dieser Zusatz stammte vom neuen Abt und sollte auf das Schicksal des letzten Abtes von Grüssau hindeuten. Bereits im ersten Amtsjahr wurde Abt Reuschel von großen Sorgen geplagt. In der Stadt Liebau, die zum Klosterbesitz gehörte, brach am 17.11.1800 ein verheerender Brand aus, dem fast 50 Bürgerhäuser, die Schule und der Kirchturm zum Opfer fielen. Zum Wiederaufbau spendete das Stift als erste Hilfe über tausend Taler.

Der neue Abt war ein wissenschaftlich gebildeter Mann. Die Klosterschule wurde unter seiner Leitung zu einem "Königlichen Stiftsgymnasium" erhoben. Er erteilte genaue Weisungen über die Pflichten der Patres als Mönche im Kloster und als Lehrer am Gymnasium. Jeder hatte etwa 17 bis 18 Wochenstunden zu geben, die Schüler wurden durchschnittlich 26 Stunden unterrichtet, auch an mehreren Nachmittagen.

Im Gegensatz zu einigen Vorgängern konnte sich Abt Reuschel nicht als Bauherr prächtiger Klosterbauten auszeichnen. Für künstlerische Tätigkeiten waren die Zeiten zu traurig. Hungersnot, Missernten, Krankheiten und Arbeitslosigkeit trieben das Volk zur Verzweiflung. Der Abt nahm Hypotheken auf, um der Bevölkerung Getreide zu verschaffen. Den kleinen Landwirten schenkte er die beim Kloster geborgten Summen, um sie vor dem völligen Ruin zu bewahren. Den Gemeinden Albendorf, Berthelsdorf, Neuen, Oppau, Trautliebersdorf und Wittgendorf erließ er die Reste langjähriger Schulden. Das Stift reichte in Grüssau vielen Armen täglich eine Mahlzeit aus Brot, Kartoffeln, Möhren, Kraut, Knoblauch, Zwiebeln usw. In Schömberg und Liebau wurden die hungernden Bürger auf Stiftskosten dreimal wöchentlich mit einer Suppe gespeist.

Zu dieser unsagbaren Not kam der Krieg gegen Napoleon erschwerend hinzu. Das Land wurde durch Franzosen, Bayern und Württemberger geplündert. Darüber hinaus hatte das Kloster hohe Steuern an die Kriegs- und Domänenkasse in Breslau zu entrichten, die nur durch Aufnahme einer Hypothek zu leisten waren. Die finanzielle Not und die politische Lage verschärfte sich immer mehr. Abt Ildephons Reuschel war seinem Kloster ein treuer Helfer bis zur letzten Stunde des Stiftes.

Am 30.10.1810 kam das königliche Aufhebungsdekret, das wie folgt lautet:

Wir Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preussen etc. ziehen in Erwägung dass
a) die Zwecke, wozu geistliche Klöster und Stifter bisher errichtet wurden,
     teils mit den Ansichten und Bedürfnissen der zeit nicht vereinbar sind,
     teils auf veränderte Weise erreicht werden können,
b) dass alle benachbarten Staaten die gleichen Maßregeln ergriffen
     haben,
c) dass die pünktliche Abzahlung der Kontribution an Frankreich nur
     dadurch möglich wird,
d) dass wir dadurch die ohnedies sehr großen Anforderungen an das
     Privatvermögen Unserer getreuen Untertanen ermäßigen, verordnen
     wir wie folgt:
§ 1. Alle Klöster, Dohm- und andere Stifter, Ballayen und Kommenden,
      sie mögen zur katholischen oder protestantischen Relegion gehören,
      werden von jetzt an als Staatsgut betrachtet.
§ 2. Alle Klöster, Dohm- und andere Stifter, Ballayen und Kommenden
       sollen nach und nach eingezogen und für Entschädigung der
       Benützer und Berechtigten voll gesorgt werden.

§ 3. Vom Tage dieses Ediktes an dürfen:
a) keine Anwartschaften erteilt, keine Novizen aufgenommen und
     niemand in den Besitz einer Stelle gesetzt werden.
b) Ohne Unsere Genehmigung keine Veränderung der Substanz
     vorgenommen werden.
c) Keine Capitalien eingezogen, keine Schulden kontrahiert oder die
     Inventarien verändert werden.

§ 4. Wir werden für hinreichende Belohnung der obersten geistlichen
        Behörde und mit dem Rathe derselben für reichliche Dotierung der
        Pfarreien, Schulen, milden Stiftungen oder selbst derjenigen Klöster
        sorgen, welche sich mit der Erziehung der Jugend und der
        Krankenpflege beschäftigen und welche durch obige Vorschriften
        entweder an ihren bisherigen Einnahmen leiden oder deren
        durchaus neue Fundierungen nötig erscheinen dürfte.

                          Gegeben, Berlin den 30. Oktober 1810

        gez. Friedrich Wilhelm                              gez. Hardenberg

Innerhalb kürzester Zeit musste das Kloster Grüssau von den Geistlichen geräumt werden. Abt Ildephons Reuschel ließ seine Mitbrüder noch einmal zu einem Abschiedsmahl zusammenrufen und segnete sie anschließend mittels Handauflegung. Er blieb in Grüssau und konnte am 19.078.1815 sein goldenes Professjubiläum begehen. Viele Gläubige und 22 seiner ehemaligen Mitbrüder nahmen an dieser Feier teil. Am 13.06.1820 war es ihm auch vergönnt, sein goldenes Priesterjubiläum festlich zu feiern. Es sollte der letzte Freudentag im Leben des sehr beliebten Abtes sein. Er starb am 05.11.1823 an Altersschwäche und wurde am 07.11. in der Grüssauer Pfarrkirche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Quellen:

  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Kloster Grüssau in den Zeitaltern des Barock, Rokoko und Klassizismus, Heimatbuch des Krs. Landeshut (1929)
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Schwierigkeiten des Klosters unter preußischer Herrschaft und die Auflösung des Klosters, Heimatbuch des Krs. Landeshut (1954)
  • Rose Dr., Ambrosius OSB: Kloster Grüssau
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage

Rock, Edelhard

Buchdrucker, Verleger, Politiker
* 07.01.1908 in Landeshut                                    + 07.03.1985 in Wolfenbüttel

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Edelhard Rock gilt als der "Vater der Landeshuter". Am 07.01.1908 wurde er in Landeshut als Sohn der Eheleute Heinrich Rock und dessen Ehefrau Louise, geb. Schmidt geboren. Die ersten Jahre seiner Kindheit verlebte er mit seinen Schwestern Magda, Erna und Irma auf dem Oberzieder Bahnhof, wo sein Vater als Stationsarbeiter tätig war. Bereits im Alter von fünf Jahren verlor der kleine Edelhard den geliebten Vater. Die folgenden Kinder- und Jugendjahre verbrachte er auf der Böhmischen- (später Langhansstraße) und der Bleichstraße.

Um die Mutter finanziell zu unterstützen war er gezwungen, sehr schnell einen Beruf zu ergreifen. Aus diesem Grund verzichtete er, sehr zum Bedauern seiner Lehrer, auf eine höhere Schulausbildung und absolvierte nach dem Besuch der Volksschule von 1922 - 1925 eine Lehre zum Textilfacharbeiter bei der Firma Methner & Frahne. Dass dieser aber nicht sein Lebensberuf werden sollte, war ihm bald bewusst geworden. Schon früh begeisterte er sich für das Druckerei- und Zeitungswesen, wobei er in engem Kontakt zu dem Redakteur Gustav Richter stand. Rock war zunächst ehrenamtlicher Schriftleiter von katholischen Jugendzeitschriften und während der Zeit von 1928 - 1930 Redakteur in Landeshut ("Volksblatt für Landeshut, Liebau und Schömberg"), Waldenburg ("Volksblatt für das Waldenburger Industriegebiet") und Schömberg ("Schömberger Wochenblatt"). In Schömberg war er nicht nur für die Leitung der Zeitung, sondern auch der Druckerei zuständig.

Edelhard Rock hatte nun seinen Lebensberuf gefunden. Ende 1930 übernahm er den Schömberger Betrieb, wurde selbständiger Buchdruckereibesitzer und Verleger. Seine erste Druckerei befand sich in dem Elternhaus des späteren Pfarrers Johannes Bischof. Es war in Schömberg ein historisches Haus, in dem einst Kaiser Alexander von Russland auf seiner Reise zum Wiener Kongress Station gemacht hatte, um dort eine Erfrischung und ein Essen zu sich zu nehmen. Die "Grenzland-Druckerei Rock & Co." entwickelte sich so erfolgreich, dass 1938 der Umzug in neue und größere Betriebsräume am Marktplatz erfolgen konnte.

Für Edelhard Rock wirkte sich die Verlegung des Wohnsitzes nach Schömberg aber nicht nur beruflich sehr positiv aus. Hier fand er auch sein privates Glück. Er lernte Amalie (genannt Malla) Nowara aus Ullersdorf kennen, Tochter des Ingenieurs und dortigen Logierhausbesitzers Caspar Nowara. Das junge Paar heiratete am 21.11.1933. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, Tochter Ute-Maria (1943 - 1969) sowie zwei Söhne, Dietmar (1935 - 2005) und Klaus-Jürgen.

Der 2. Weltkrieg unterbrach Edelhard Rocks erfolgreiches berufliches Schaffen. Er wurde zur Wehrmacht eingezogen und geriet Ende des Krieges in russische Gefangenschaft, aus der er erst 1947 entlassen wurde.

Nach der Vertreibung begann auch für die Familie Rock der mühevolle Aufbau einer neuen Existenz. In Groß Denkte bei Wolfenbüttel, in einem ausgebombten Gasthauspferdestall, gründete Edelhard Rock unter schwierigen Bedingungen einen neuen Betrieb unter altem Namen, aus dem schließlich das beachtliche Druckhaus "Grenzland-Druckerei Rock & Co." geworden ist. Im Jahre 1965 wechselte der Betrieb nach Wolfenbüttel an den Neuen Weg. Der Leitspruch der "Grenzland-Druckerei Rock & Co." lautete: "Nicht zu verzagen im Unglück - sondern doppelte Arbeit geziemt dem, der sein Vaterland liebt". Dieser Ausspruch stammte von dem berühmten Schömberger Sohn Prof. Dr. Felix Rachfahl. Am Tag seines 65. Geburtstages übergab Edelhard Rock sein Lebenswerk an seine Söhne Dietmar und Klaus-Jürgen Rock.

Neben seinen umfangreichen unternehmerischen Aufgaben bemühte er sich intensiv um die Vertriebenen des Kreises Landeshut, deren "Sprecher in der Bundesrepublik" er wurde. Er schuf eine Heimat-kreiskartei und gab die Heimatzeitung "Schlesischer Gebirgsbote" heraus. Gemeinsam mit Karl Vogt setzte er sich Ende der 40jähriger Jahre erfolgreich dafür ein, dass Stadt und Kreis Wolfenbüttel die Patenschaft für die Vertriebenen aus Stadt und Kreis Landeshut übernehmen sollten. Innerhalb kürzester Zeit wurde dieses Ziel bereits 1951 für die Stadt und 1952 für den Landkreis erreicht. Seit dieser Zeit findet in Wolfenbüttel das Kreisheimattreffen von Stadt und Kreis Landeshut statt.

Darüber hinaus war Edelhard Rock auch politisch überaus aktiv. Während der Weimarer Republik gehörte er der Zentrumspartei an und war seit 1933 Mitglied im Rat der Stadt Schömberg und dem dortigen Magistrat. Nach der Vertreibung schloss er sich 1947 der CDU an, wurde 1948 zum stellvertretenden Vorsitzenden und 1970 zum Landes-vorsitzenden der CDU Braunschweig gewählt. Er gehörte dem Gemeinderat Groß Denkte, von 1948 - 1972 dem Wolfenbütteler Kreistag und von 1965 - 1972 dem Deutschen Bundestag an.

Für seine besonderen Verdienste ehrte ihn die Bundesrepublik 1968 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse und am 19.06.1973 erhielt er das "Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland". Eine besondere Ehre wurde ihm seitens des Vatikans zuteil. Der Papst ernannte ihn zum "Comtur des Sylvesterordens". Dies ist der fünfhöchste Orden, den der Vatikan zu vergeben hat. Die Landmannschaft Schlesien verlieh ihm 1977 das "Schlesierkreuz", die höchste Auszeichnung dieser Organisation. In Wolfenbüttel wurde im Jahre 2009 im Gewerbegebiet West eine Straße nach Edelhard Rock benannt.

Edelhard Rock verstarb am 7.März 1985 in Wolfenbüttel und wurde am 13. März 1985 beigesetzt. Nur ein Jahr später am 13. März 1986 starb auch seine Ehefrau.

Quellen:

  • Rock, Klaus-Jürgen: Persönliche Angaben über seinen Vater
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia

Bahnhof Ober-Zieder (Edelhard Rock - Mitte - mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester).

Schömberg, Marktplatz - die neuen Betriebsräume ab 1938

Rummel, Peter, Prof. Dr.

Pfarrer, Prälat
* 04.12.1927 in Landeshut                                     + 06.10.2014 in Memmingen

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Peter Rummel wurde am 4. Dezember 1927 in Landeshut geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Karl Rummel und seine Frau Johanna. Sie lebten im Haus Brauplatz 1. Peters Bruder Karl wurde später Japanologe und lebte in Japan. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums wurde Peter Rummel am Ende des Krieges noch als Siebzehnjähriger zum Kriegsdienst eingezogen.

Über viele Stationen gelangte er am Ende des Krieges von Berlin über die Ostsee bis nach Lauingen, wo er arm und mittellos Unterschlupf als Bauernknecht fand. Dort erfuhr er die tragische Nachricht, dass seine Eltern, die er seit 1944 nicht mehr gesehen hatte, verstorben waren.

Durch die Vermittlung des Lauinger Stadtpfarrers konnte er 1949 sein Abitur am Dillinger Knabenseminar ablegen. Nach dem Abitur absolvierte er an der Theologischen Hochschule Dillingen das Studium der Theologie. In diesen Jahren des Studiums lernte er den heraus-ragenden Kirchenhistoriker Prof. Dr. Friedrich Zöpfl kennen, eine Begegnung, die sein Leben und seine Geisteshaltung entscheidend prägten. Nach der Priesterweihe am 22. Mai 1955 in Augsburg feierte er seine Primiz in der Stadtpfarrkirche zu Dinkelsbühl. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit als Pfarrvikar und Pfarrer in Nördlingen und Lamerdingen vertiefte er seine Studien. 1963 erhielt er die Pfarrei Donaualtheim im Stadtbereich von Dillingen. Dort blieb er auf eigenen Wunsch Seelsorger bis zu seiner Emeritierung 2002.

1968 erhielt er einen Lehrauftrag für Bistumsgeschichte an der Dillinger Hochschule und wurde an der Universität München promoviert mit der Dissertation "P. Julius Priscianensis SJ 1542 - 1607. Ein Beitrag zur Geschichte der katholische Restauration der Klöster im Einflußbereich der ehemaligen Universität Dillingen". 1973 wurde Rummel Geistlicher Rat, 1984 zum Monsignore und 1991 zum Päpstlichen Hausprälaten ernannt.

Fast 30 Jahre war Rummel als Bistumshistoriker tätig. Dabei erforschte er intensiv die Geschichte des Bistums Augsburg. Er war Autor zahlreicher Publikationen. Von 1971 bis 2001 war er 1. Vorsitzender des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte. 2002 wurde er dessen Ehrenvorsitzender. Unter seiner Leitung hatte der Verein einen festen Platz unter den historischen Vereinen gefunden.

Nach seiner Emeritierung im Jahr 2002 lebte er in Ronsberg im Allgäu, wo er noch bis 2010 seelsorgerische Aufgaben übernahm. Auch seine wissenschaftliche Tätigkeit setzte er dort im Günzbachtal fort.

Nach schwerer Krankheit starb Prof. Dr. Rummel am 6. Oktober 2014 im Alter von 86 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Bergfriedhof in Ronsberg.

(Verfasser: Wolfgang Kraus)

Quellen:

  • Augsburger Allgemeine
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia

Schilter, Gottfried, Prof. Dr.

Jurist
* 27.09.1643 in Landeshut                                        + 10.04.1679 in Leipzig

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Professor Dr. Gottfried Schilter war ein namhafter Rechtswissenschaftler der damaligen Zeit. Geboren wurde er am 27.09.1643 in Landeshut als Sohn des kaiserlichen Beamten Balthasar Schilter und dessen Ehefrau Susanna, geb. Hoffmann. Balthasar Schilter, ein gebürtiger Hirschberger, war in Landeshut für die Einnahme des "Biergefälles" (Biersteuer) zuständig. Als er 1656 starb, "verwechselte er die Zeit mit der Ewigkeit zu vieler Betrübniß der Seinigen" (laut Leichenpredigt). Die Mutter Susanna Schilter stammte aus Landeshut.

Prof. Dr. Gottfried Schilter wuchs in einem behüteten Elternhaus auf, einem Beamtenhaushalt. Bis zu seinem 13. Lebensjahr besuchte er die Schule in Landeshut und wurde dort auch in Latein und Griechisch unterrichtet. Da Freunde der Familie Schilter in Breslau lebten, kam er zur weiteren Ausbildung auf das damals sehr renommierte und meist "oberen Schichten" vorbehaltene Maria-Magdalenen-Gymnasium. Nach sechsjährigem Besuch dieses Gymnasiums begab sich Schilter zum Studium nach Leipzig. Zunächst studierte er einige Semester Philosophie, bevor er sich endgültig für das Studium der Rechtswissenschaften entschied. Dies entsprach auch ganz dem Wunsch seines Vaters in Landeshut. 1673 promovierte Schilter zum Dr. jur.

Aufgrund seiner hervorragenden Leistungen war man zwischenzeitlich in Leipzig auf den jungen Dr. Schilter aufmerksam geworden, so dass er bereits 1674 als Propst in das Frauenkollegium in Leipzig gewählt wurde. Nur ein Jahr später hatte er sein Ziel erreicht. Im Jahr 1675 wurde er Professor der juristischen Fakultät. Seine Vorlesungen waren sehr gut besucht. Offenbar gab es viele Studenten in Leipzig, die Schilter hören wollten. Söhne namhafter Persönlichkeiten befanden sich unter diesen Studenten. Soweit es ihm die Zeit erlaubte, beschäftigte er sich mit Nieder-schriften rechtswissenschaftlicher Probleme, die er einmal veröffentlichen wollte. Aber sein Lehramt an der Universität nahm ihn so sehr in Anspruch, dass er nicht dazu kam.

Im Jahr 1678 wurde er zum Rektor der Universität gewählt. Diese Ernennung erfolgte während seiner Abwesenheit, da er gerade wegen einer äußerst wichtigen Angelegenheit eine Reise angetreten hatte. In Abwesenheit zum Rektor gewählt zu werden, war in Leipzig seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen. Diese Tatsache verdeutlicht, dass Schilters Leistungen an der Universität Leipzig in hohem Maße gewürdigt wurden.

Verheiratet war Schilter seit 1677 mit Regina Löffler, geb. Koch. Sie war die Witwe des Archidiakons an der St. Thomaskirche und Lizentiaten Simon Löffler. Aus dieser Ehe ging Tochter Susanna Regina Schilter hervor. Allerdings waren ihm nur zwei Jahre eines glücklichen Familienlebens vergönnt. Am 2. April 1679 erkrankte er an einem schweren Fieber und verstarb nur wenige Tage später am 10. April. Wie so viele andere namhafte Leipziger Universitätsangehörige wurde er am 22. April 1679 in der Leipziger Paulinerkirche beigesetzt.

Auch Prof. Dr. Schilter wird von Adami in dessen Aufstellung der Gelehrten aus dem Kreis Landeshut erwähnt.

Quellen:

  • Adami, Ernst Daniel: Das gelehrte Landeshut in Schlesien, Umständliche Lebensbeschreibungen gelehrter Landeshuter
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia
  • Zedler, Johann Heinrich: Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste - Band 34

Schrötter, Georg

Bildhauer
*              1650 in Grüssau                                            +          1717 in Grüssau

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Georg Schrötter war ein sehr bekannter und aus dem Kreis Landeshut stammender Bildhauer. Die Liebe zur Bearbeitung von Holz wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. Sein Elternhaus stand in Grüssau. Hier wurde er 1650 als Sohn des dortigen Schreinermeisters Caspar Schrötter geboren. Der kleine Georg wird wohl bereits in sehr jungen Jahren viel Zeit in der Schreinerei seines Vaters verbracht haben, denn sein Talent wurde frühzeitig erkannt.

Bereits während der Schulausbildung wurde der damalige große Abt des Klosters Grüssau Bernhard Rosa auf den jungen Georg Schrötter aufmerksam. Er hatte von seinem Talent erfahren und ließ ihn in Prag ausbilden. Die Prager Bildhauerwerkstätten galten als die Besten der damaligen Zeit. So bekannte Bildhauer wie Ferdinand Maximilian Brokoff oder auch Anton Dorazil waren dort tätig.

Nach seiner Prager Ausbildungszeit kehrte Georg Schrötter in das heimatliche Grüssau zurück und wurde von Abt Bernhard Rosa zum Leiter der Kunstwerkstätten bestellt. Nun konnte er beweisen, was er in Prag gelernt hatte. Die Dankbarkeit gegenüber seinem Förderer drückte sich in wahren Meisterwerken aus. Durch Jahrzehnte hindurch schmückte er die Kirchen des Klosterlandes mit seinen großartigen Bildhauerarbeiten. Seine Altäre gingen nach Jauer, Schweidnitz, Sprottau und Glogau. Sein Lebenswerk war die üppige Einrichtung der ehemaligen Klosterkirche in Grüssau. Altäre und Statuen von Schrötter befanden sich u. a. auch in den Kirchen von Neuen, Ullersdorf, Trautliebersdorf und Schömberg. Des weiteren schnitzte er die Statuen der sieben Erzengel in der Begräbniskirche zu Albendorf, die bis 1728 die Loretokapelle der früheren Grüssauer Klosterkirche zierten.

Nach einer langen Schaffensperiode verstarb Georg Schrötter im Jahre 1717 in seinem Heimatort Grüssau.

Quellen:

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen - Schlesien
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Kloster Grüssau in den Zeitaltern des Barock, Rokoko und Klassizismus
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Die drei großen Äbte und die große Zeit des Klosters, Heimatbuch des Krs. Landeshut (1954)
  • Lutterotti von, Nikolaus OSB: Vom unbekannten Grüssau
  • Wikipedia

Ulber, Christian Samuel

Theologe, Kirchenliederdichter, geistlicher Schriftsteller
* 26.08.1714 in Landeshut                                         + 28.08.1776 in Hamburg

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Bekannt wurde Christian Samuel Ulber als lutherischer Theologe, Kirchenliederdichter und geistlicher Schriftsteller. Er war einer der bedeutendsten Prediger seiner Zeit. Am 26.08.1714, einem Sonntag, erblickte er als Sohn des Senior Ministerii Heinrich Ulber und dessen Ehefrau Catharina, geb. Bauch in Landeshut das Licht der Welt. Die ersten Lebensjahre verbrachte er im Hause seines mütterlichen Großvaters Johann Christoph Bauch, der Prediger in Kunitz bei Liegnitz war. Anschließend besuchte er die Schule seiner Heimatstadt Landeshut. Einer seiner Lehrer war der Konrektor Gottfried Langhans, Vater des berühmten Baumeisters Carl Gotthard Langhans. Ebenso wie sein jüngerer Bruder Christian Emanuel (1716 - 1785) studierte er in der Zeit von 1732 - 1735 in Jena Theologie. Danach war er zunächst Hofmeister eines Jungen Edelmannes, bevor er 1738 eine Predigerstelle in Hennersdorf bei Liegnitz übernahm. 

Am 22.08.1740 wurde Ulber als Diakonus nach Landeshut berufen. Diese Aufgabe übernahm er mit großer Freude, da er nun gemeinsam mit seinem Vater als Seelsorger in der Heimatgemeinde wirken konnte. Die feierliche Amtseinführung erfolgte am 12.02.1741. Aber bereits fünf Monate später, am 23.07.1741, verstarb sein geliebter Vater an den Folgen eines Schlaganfalles. Nach dessen Tod wurde Christian Samuel Ulber Archidiakonus und nach dem Tod von Melchior Gottlieb Minor auch Senior der Gnadenkirche.

Am 06.10.1752 erlitt er einen schweren Unfall. Als er zu einem Kranken-besuch fuhr, wurde sein Wagen von scheu gewordenen Pferden umgeworfen. Dabei brach er sich nicht nur den Arm, sondern zog sich auch weitere schwere Erkrankungen zu. Während der Kuraufenthalte in den Sommermonaten der Jahre 1753 und 1754 in Karlsbad lernte er Hamburger Kaufleute kennen. Als die Stelle des Hauptpastors der St. Jacobikirche in Hamburg frei wurde, erinnerten sich diese Kaufleute an Ulber und schlugen ihn für die Wahl des neuen Hauptpastors vor. Am 28.10.1757 erfolgte die Amtseinführung. Die St. Jacobikirche gehört zu den fünf Hauptkirchen Hamburgs und liegt im Zentrum der Stadt.

Seit dem 21.11.1750 war Ulber, wie auch sein jüngerer Bruder Christian Emanuel, ordentliches Mitglied der Königlichen deutschen Gesellschaft zu Königsberg in Preußen. 1767 ernannte ihn die Universität in Witten-berg zum poeta laureatus (lorbeergekrönter Dichter). Dies war die höchste Auszeichnung, die einem Dichter verliehen werden konnte. Christian Samuel Ulber war Verfasser etlicher geistlicher Schriften und geistlicher Lieder. Verheiratet war Ulber seit dem 27.11.1742 mit Rosina Beate Liehr, der einzigen Tochter des Kaufmanns, Gemeindeältesten und Vorstehers der Landeshuter Gnadenkirche, Heinrich Liehr. Christian Samuel Ulber starb am 28.08.1776 in Hamburg.

Auch er wird von Adami in dessen Aufstellung der Gelehrten aus dem Kreis Landeshut erwähnt.

Quellen:

  • Adami, Ernst Daniel: Das gelehrte Landeshut in Schlesien, Umständliche Lebensbeschreibungen gelehrter Landeshuter
  • Autor: I. U.: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895)
  • Doering Dr., Heinrich: Die gelehrten Theologen Deutschlands im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert, Bd. Schr. - Z.
  • Hensel, Johann Adam: Protestantische Kirchengeschichte der Gemeinden in Schlesien
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Schwanitz; Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia

Vogtherr, Ewald

Politiker
* 02.11.1859 in Landeshut                                            + 13.02.1923 in Berlin

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Ewald Vogtherr wurde als deutscher sozialdemokratischer Politiker bekannt. Geboren wurde er am 02.11.1859 in Landeshut als Sohn eines freireligösen Predigers. Während der Zeit von 1869 - 1874 besuchte er die Realschule des Königlichen Waisenhauses in Bunzlau. Anschließend absolvierte er eine dreijährige kaufmännische Lehre und war danach als Handlungsgehilfe tätig. Im Jahr 1888 ließ er sich als selbständiger Kaufmann (Eisenwarengeschäft) in Berlin nieder. Wie bereits sein Vater, engagierte auch er sich schon in jungen Jahren für die Freidenker-bewegung. Freidenker sin Personen ohne Bindung an eine etablierte Religion. Sie orientieren sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und bekennen sich zum Humanismus. Zwar bestehen sie auf ihrer Unab-hängigkeit von Glaubensregeln, beziehen sich aber ausdrücklich auf ethische Grundsätze von Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Gewalt-verzicht.

Im Jahr 1888 wurde Ewald Vogtherr Mitglied der SPD und gehörte dem deutschen Reichstag erstmals von 1893 bis 1898 an. Darüber hinaus war er von 1889 bis 1899 Stadtverordneter in Berlin und in dieser Funktion von 1901 bis 1906 auch in Stettin. 1912 wurde er erneut Reichstags-mitglied. Ab 1910 widmete er sich seinem publizistischen Schaffen. Seine literarische Tätigkeit umfasste vorwiegend sozialpolitische, kommunal-politische und freigeistige Gebiete. Er schrieb für verschiedene sozial-demokratische Blätter und war Herausgeber von freidenkerischen Zeitschriften. Während der Novemberrevolution war Vogtherr Unter-staatsekretär im Reichmarineamt und ab 1920 erneut Mitglied des deutschen Reichstages. im November 1922 wurde ihm das Staats-ministeramt für Justiz und Inneres des Freistaates Braunschweig übertragen. Sein politisches Wirken in diesem Ministeramt war jedoch nur von kurzer Dauer, da er bereits am 13. Feburar 1923 in Berlin verstarb.

Quelle:

  • Wikipedia

Wendriner, Karl Georg, Dr.

Schriftsteller
*25.04.1885 in Landeshut                                             +            1943 in New York

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Dr. Karl Georg Wendriner, geboren am 25.04.1885 in Landeshut als Sohn des Kaufmanns Eugen Wendriner und dessen 2. Ehefrau Sophie, geb. Süßbach, wurde als Schriftsteller und Goethe-Spezialist bekannt. Nach dem Besuch des Landeshuter Realgymnasiums studierte er an der Universität von Bern Philologie und beendete die Studienzeit mit der Promotion. Erste Stationen seiner beruflichen Laufbahn waren Hirschberg und Berlin - Charlottenburg. Hier war er als angesehener Cheflektor im Verlag Morawe & Scheffelt tätig. In diesem Verlag gab Dr. Wendriner die "Goethe-Bibliothek" heraus, die auch heute noch von sehr großem Interesse ist.

1933 emigrierte Dr. Wendriner mit seiner Ehefrau Anna zunächst in die Schweiz und später in die USA. Hier lehrte er an der Columbia University in New York. Er verstarb im Jahr 1943 in New York.

Quellen:

  • Burgmann, Guenther: www.wikiweise.de
  • Wendriner, Karl Georg: Goethe-Bibliothek - Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin 1911

Wiese, Erich, Prof. Dr.

Publizist, Kunstgelehrter, Museumsdirektor
* 30.08.1891 in Liebau                                                   + 24.11.1979 in München

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Als Sohn des Lokomotivführers Wilhelm Wiese und dessen Ehefrau Friederike, geb. Politz erblickte Professor Dr. Erich Wiese am 30.08.1891 in Liebau das Licht der Welt. Nach seiner Schulausbildung studierte er an den Universitäten Jena, München, Lausanne, Göttingen und Breslau Philosophie und Kunstgeschichte.

Seine berufliche Laufbahn begann er 1920 in Leipzig als Leiter der dortigen Kunstgesellschaft. Als ihm das Schlesische Museum für bildende Künste in Breslau 1924 die Stelle eines Kurators anbot, nahm er begeistert an. Im Jahre 1928 schied der damalige Direktor des Museums, Heinz Braune, aus privaten Gründen aus und Erich Wiese wurde dessen Nachfolger. Er führte die herausragende Arbeit seines Vorgängers nicht nur fort, sondern setzte auch eigene Akzente. Die Dauerausstellung, die zuvor bis zu den Impressionisten reichte, ergänzte Erich Wiese mit einer umfangreichen Präsentation verschiedener Richtungen der neuesten Kunst, die auf Leihgaben aus Privatsammlungen basierte. Etliche Werke des Kunstmalers und Radierers Erich Fuchs wurden erworben, so u. a. der Aquarell-Zyklus "Bunte schlesische Bauernstuben und Dorfkirchen". Auch die bis dahin erschienenen Teile des Werkes "Schlesisches Berg-volk" waren bereits im Besitz des Museums. Außerdem bemühte sich Wiese, das Schaffen führender Mitglieder der Breslauer Akademie der Künste zu zeigen. Am bedeutendsten war die postume Ausstellung der Werke Otto Muellers im Jahre 1931. Damit wollte er den großen Maler und Lithographen ehren, der aus seiner Geburtsstadt stammte, aus Liebau. Neben all diesen Neuerungen vergaß er aber auch nicht die alte schlesische Kunst. Als das Schlesische Museum für bildende Künste 1930 sein 50jähriges Bestehen feierte, fand eine große Ausstellung mit Werken des Barockmalers Michael Willmann statt, den man auch den "schlesischen Raffael" nannte.

Die neue Galerie der Kunst des 20. Jahrhunderts, die auf Wieses initiative hin entstanden war, überdauerte kaum vier Jahre. Ende Juni 1933 wurde Direktor Erich Wiese von seinem neuen nationalsozialistischen Vorge-setzten abberufen. Die Bilder der künstlerischen Avantgarde wanderten kurz darauf in eine sogenannte spezielle "Schreckenskammer".

Nach dem Krieg kam Prof. Dr. Erich Wiese nach Darmstadt und wurde 1950 Direktor des hessischen Landesmuseums in Darmstadt. Ab 1952 lehrte er als Professor an der Darmstädter Technischen Hochschule. Als erstes Museum in Deutschland führte das Landesmuseum 1958 eine für damalige Verhältnisse sensationelle Neuerung ein. Die Besucher wurden mittels einer drahtlosen Funkführung durch die Ausstellungen geleitet. Die Anregung zu diesem neuartigen System der Museumsführung erhielt Prof. Dr. Wiese von der National Gallery of Art in Washington.

Aus Wieses Feder stammen etliche Kunstbücher: "Die schlesische Holzplastik" 1923, "Deutsche Kunst in der Zips" 1938 (die Zips war das Hauptsiedlungsgebiet der Karpartendeutschen). Am bekanntesten ist aber sein Buch "Biedermeierreise durch Schlesien", das 1966 erschien. Gezeigt werden alte Ansichten von schlesischen Städten und Landschaften mit jeweils begleitendem Text. In Würdigung seiner Verdienste erhielt er 1967 den Georg-Dehio-Preis. Diese Auszeichnung erinnert an den aus Reval gebürtigen deutschen Kunsthistoriker Georg Dehio (1850 - 1932). Damals wurde der Preis noch vom Bundeministerium des Innern vergeben. Erst seit 2003 geschieht dies durch den Beauf-tragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Prof. Dr. Erich Wiese verstarb am 24.11.1979 in München. Verheiratet war er seit 1920 mit Ehefrau Johanna, geb. Köhler.

Quellen:

  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wiese, Erich: Biedermeierreise durch Schlesien
  • www.schlesischesammlungen.eu

Wihard, Hugo Dionysius

Leinen- und Garnfabrikant
* 09.10.1816 in Liebau                         + 28.07.1887 in Liebau

von Zedlitz, Karl Abraham

Preußischer Minister
* 04.01.1731 in Schwarzwaldau                                 + 18.03.1793 in Kapsdorf

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Karl Abraham Freiherr von Zedlitz ging als der große Schulreformer in die Geschichte ein. Geboren wurde er am 04.01.1731 auf dem Schloss Schwarzwaldau als Sohn des preußischen Landrates des Kreises Schweidnitz Karl Sigismund Freiherr von Zedlitz (1703 - 1756) und dessen Ehefrau Eva Eleonore Elisabeth, geb. Freiin von Czettritz und Neuhaus (geb. 1713). Seine Mutter hatte sich zur Niederkunft in ihr Elternhaus Schloss Schwarzwaldau begeben. Dieses Schloss gelangte im Jahre 1850 in den Besitz der Familie von Portatius.

Die Kindheit verbrachte Karl Abraham auf dem väterlichen Rittergut Kapsdorf an der Weistritz, nördlich des Zobtenberges. Kapsdorf war seit 1647 in dritter Generation im Besitz des alten schlesischen Geschlechtes derer von Zedlitz. Karl Abraham besuchte zunächst ein Jahr lang die Ritterakademie in Brandenburg, bevor er zum berühmten "Collegium Carolinum" nach Braunschweig wechselte. Dieses Institut wurde im Jahre 1745 auf Rat des Abtes J. F. W. Jerusalem, eines liberalen Theologen, durch Herzog Carl I. gegründet. Diesem Abt, der nach der Gründung des Institutes auch dessen Leiter wurde, verdankte von Zedlitz, wie er später einmal selbst niedergeschrieben hat, "Liebe zu den Wissenschaften, Kenntnisse in fremden Sprachen und Geschmack und Fertigkeit in Musik und Zeichnen".

Nach Beendigung der Schulzeit studierte er an der Universität Halle Rechts- und Staatswissenschaften sowie Philosophie. Hier kam es zur ersten persönlichen Begegnung mit Friedrich dem Großen, die jedoch rein zufällig stattfand. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass dieser junge Student einmal vom großen preußischen König zum Minister ernannt werden würde.

Von Zedlitz hatte gerade sein Studium beendet und die Referendarzeit beim Kammergericht Berlin begonnen, als er nach Schlesien zurück-gerufen wurde. Sein Vater war verstorben und er musste als dessen Nachfolger das Gut Kapsdorf übernehmen. Dies war für den 25jährigen eine sehr große Verantwortung und doppelte Bürde, da er seine eigent-liche berufliche Zukunft im Staatsdienst sah. Trotz aller Bedenken, die auch von außen an ihn herangetragen wurden, setzte er seinen Willen durch. 1759 war er bereits Regierungsrat in Breslau.

Da er nun auch beruflich abgesichert war, wollte er eine Familie gründen. Am 23. Juli 1761 heiratete er die erst 15jährige Christiane Wilhelmine von Schickfuß und Neudorf (1746 - 1799), Tochter des Ernst Christian von Schickfuß und dessen Ehefrau Amalie Charlotte von Klinkowsky. Die Ehe blieb sehr lange kinderlos, erst auf den Tag genau 20 Jahre nach der Hochzeit wurde der einzige Sohn Heinrich geboren.

Seine berufliche Laufbahn setzte von Zedlitz weiterhin mit sehr großem Erfolg fort. Im Jahre 1764 wurde er Regierungspräsident in Breslau und bereits sechs Jahre später bekleidete er das Amt des Geheimen Staats- und Justizministers in Berlin. Seit 1771 war er gleichzeitig Minister des Geistlichen Departements in Kirchen- und Schulsachen. Hier erwarb er sich besondere Verdienste, in dem er das Schulsystem der Volks- und Bürgerschulen und der Gymnasien ausbaute. In der Bürgerschule, eine Art Mittelschule, sollten zusätzlich zu den Volksschulfächern die Fächer Geschichte, Erdkunde, Messkunst, Zeichnen, Naturkunde, Deutsch und Gewerbekunde angeboten werden. Im gymnasialen Bereich legte von Zedlitz großen Wert auf die alten Sprachen, aber auch auf Deutsch und Literatur. Besonderes Augenmerk legte er auf die Ausbildung qualifi-zierter Lehrer. Mit der Gründung des Oberschulkollegiums im Jahre 1787 wurde ein Aufsichtsgremium für alle Bildungsangelegenheiten geschaffen. Gleichzeitig war er für die Gründung des philologischen Seminars in Halle und des pädagogischen Seminars in Berlin verant-wortlich. Von Zedlitz war es auch, der das Abitur einführte. 1789 wurden durch königliches Gesetz für jede Provinz Prüfungskommissionen ein-gesetzt, die ab Ostern desselben Jahres an allen Gymnasien die von da ab erforderlichen Abiturprüfungen abnahmen.

Während des berühmt gewordenen Prozesses gegen den Müller Arnold im Jahre 1779 zog sich von Zedlitz einige Zeit die Ungnade Friedrichs des Großen zu. Der König verlangte in besonders scharfem Ton die strenge Bestrafung der zwei Kammerrichter, von deren Unschuld der Minister sich aber überzeugt hatte. Als von Zedlitz sich weigerte, diesen Befehl auszuführen, antwortete er dem aufgebrachten König, nachdem dieser ihm bedeutet hatte, dass "sein Kopf wackele" mit folgenden Worten: "Über meinen Kopf können Majestät jederzeit befehlen, nicht aber über meine Ehre". Die Unstimmigkeiten wurden aber rasch wieder beigelegt. Für seine Verdienste verlieh ihm Friedrich der Große sogar den Schwar-zen Adlerorden, die höchste Auszeichnung, die Preußens König zu vergeben hatte.

Nachdem von Zedlitz zwei Jahre nach dem Tod Friedrichs des Großen im Sommer 1788 das Geistliche Departement für Kirchen- und Schulsachen an seinen Nachfolger Wöllner abgegeben hatte, schied er am 03.12.1789 aus dem Staatsdienst aus. Neben der Direktion der Liegnitzer Ritter-akademie kümmerte er sich nun um die Bewirtschaftung seines Besitzes. Im Jahre 1792 erwarb er zusätzlich zu seinem Gut Kapsdorf die Ritter-güter Kammendorf und Sachwitz.

In seinem letzten Lebensjahr erlitt er mehrere Schlaganfälle. Karl Abraham Freiherr von Zedlitz verstarb am 18. März 1793 auf seinem Gut Kapsdorf.

Quellen:

  • Rethwisch, Conrad: Allgemeine Deutsche Biographie 44 (1898)
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Der Schulreformer Carl Abraham von Zedlitz (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesische Heimatblätter
  • Wikipedia
  • Zedlitz Freiherr von, Sigismund: Ostdeutsche Biographie

Zondek, Gerda, Dr. med.

Medizinerin
* 31.08.1907 in Landeshut                                          + 00.082003 in Jerusalem

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In Landeshut stand die Wiege der Medizinerin Dr. Gerda Zondek. Hier erblickte sie am 31. August 1907 als Tochter des Textilkaufmanns Harry Wolfsohn und dessen Ehefrau Else, geb. Samelson, das Licht der Welt. Gemeinsam mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Ruth verlebte sie in ihrer schönen Heimatstadt eine unbeschwerte Kindheit. Ihr Vater Harry Wolfsohn war nicht nur als Textilkaufmann weit über die Grenzen Landeshuts hinaus bekannt, sondern er hatte sich auch auf kulturellem Gebiet Verdienste erworben. Gemeinsam mit Dr. Alfred Henninger gründete er den "Landeshuter Vortragsverband" und holte im Laufe der Jahre namhafte Künstler in die Kreisstadt am Bober.

Nach der Grundschule besuchte die junge Gerda das Realgymnasium in Landeshut und schloss ihre Schulausbildung Ostern 1927 mit dem Abitur ab. Danach studierte sie an den Universitäten in Königsberg, Freiburg, Breslau, Kiel und Berlin Medizin. Ihre Hochschulausbildung beendete sie im Jahr 1933 erfolgreich mit dem medizinischen Staatsexamen. Am 29. Mai 1935 promovierte sie an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin (heute Humboldt-Universität) zur Dr. med. Das Thema ihrer Dissertation lautete: "Ein Fall von Menstruationsbeschwerden auf Grund von Disharmonie im vegetativen Nervensystem."

Trotz einer hervorragenden Ausbildung blieb ihr eine berufliche Zukunft in Deutschland als Jüdin verwehrt. "Jüdische Studierende der Medizin bekamen in den Jahren 1934, 1935 und 1936 ihr Diplom erst in die Hand, nachdem sie schriftlich auf ihre Approbation verzichteten und eine Arbeit im Ausland nachweisen konnten", erinnerte sich Gerda Zondek Jahre später. Sie und 60 weitere Ärzte wurden nach ihrer Promotion zur Emigration gezwungen. Vorher konnte die junge Ärztin ihr praktisches Jahr aber bei Geheimrat Krückmann absolvieren. Als nach sechs Monaten ein bekannter Nationalsozialist Krückmann ablöste, befürchtete sie, ihre Stelle aufgeben zu müssen. Dieser wollte die Entscheidungen seines Vorgängers aber nicht revidieren, so dass sie ihr praktisches Jahr beenden konnte.

Obwohl sie eine Arbeitsstelle im Ausland nachweisen konnte, wurde ihr die Aushändigung der Promotionsurkunde versagt. Es gelang ihr aber nach Paris auszureisen. Über Marseille erreichte sie den Hafen von Jaffa und nach kurzem Aufenthalt bei Verwandten in Tel Aviv reiste sie voller Hoffnungen auf eine bessere Zukunft nach Jerusalem weiter. Doch die Enttäuschung war zunächst groß. Da bereits viele einheimische ältere Ärztinnen Arbeit suchten, wurde ihr die Erlaubnis zum Praktizieren verwehrt. Um die Zeit zu überbrücken, absolvierte sie mit fünf weiteren jungen ausgebildeten Ärztinnen einen Hebammenkurs am Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem. Acht Monate später erhielt sie eine Anstellung als Assistenzärztin in der Inneren Abteilung des Bikur-Cholim-Kranken-hauses. Der Leiter dieser Abteilung war Professor Dr. med. Hermann Zondek, ihr späterer Ehemann.

Prof. Dr. med. Zondek wurde am 4. September 1887 in dem westlich der Stadt Posen gelegenen Ort Wronke geboren. Gemeinsam mit seinen beiden jüngeren Brüdern Bernhard und Samuel Georg, ebenfalls sehr namhafte Mediziner, emigrierte er 1934 nach Palästina. Vor seiner Emigration war er viele Jahre als Ärztlicher Direktor und Leiter der Inneren Abteilung des Städtischen Urban-Krankenhauses in Berlin tätig. Viele bedeutende Personen gehörten zu Prof. Dr. Zondeks Freunden oder Patienten, oft beides: Carl Zuckmayer, Wilhelm Furtwängler, Albert Einstein, Josepf Roth. Er begleitete Gustav Stresemann zu Konferenzen nach Paris, um über das Befinden des schon vom Tode Gezeichneten zu wachen. Er behandelte den Reichskanzler Hermann Müller und den Reichstagspräsidenten Paul Löbe, er war der Arzt von Kurt Schleicher und er wurde zu Untersuchungen und Vorlesungen in die Sowjetunion geholt.

Fünf Jahre nach seiner Emigration traf ihn erneut ein schwerer Schicksalsschlag. Seine erste Frau Elly starb am 16. April 1939 nach 20jähriger Ehe. Im Jahre 1949 wurde Dr. Gerda Wolfsohn seine zweite Ehefrau.

Das Ehepaar Zondek arbeitete sowohl praktisch als auch wissen-schaftlich sehr eng zusammen. Zu Vorträgen reisten sie gemeinsam nach Amerika und Europa. Das Spezialgebiet der Eheleute war die Endokrinologie, die Lehre von den Hormonen.

Neben ihrer Arbeit als Ärztin und Wissenschaftlerin begann Frau Dr. Zondek bereits in frühen Jahre Patienten und Freunde zu porträtieren. Ihre Werke wurden sowohl in Israel als auch in Amerika ausgestellt.

Zu ihrer großen Freude erhielt sie von der Humboldt-Universität zu Berlin im Oktober 2001, 66 Jahre nach ihrer Promotion, die Doktorur-kunde. In einer bisher einmaligen Aktion hatte die Humboldt-Universität nach umfangreichen Recherchen 50 ehemalige Studenten und Absol-venten der früheren Friedrich-Wilhelm-Universität, die während der NS-Zeit von der Universität und aus Deutschland vertrieben wurden, nach Berlin eingeladen, um sie entsprechend zu würdigen.

So sehr sich Frau Dr. Zondek über diese Würdigung auch freute, um so mehr schmerzte es sie, dass ihre nächsten Angehörigen diese späte Genugtuung nicht mehr erleben durften. Ihr Vater Harry Wolfsohn war bereits 1955 verstorben. Er hatte seine letzten Lebensjahre bei seiner Tochter Gerda und seinem Schwiegersohn verlebt. Ihr geliebter Ehemann war am 11. Juli 1979 in Jerusalem verstorben.

Quellen:

  • Humboldt-Universität zu Berlin, 5.10.2001: Spurensuche - Kommilitonen von 1933 (S. 60)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia
  • Zondek, Hermann: Auf festem Fuße - Erinnerungen eines jüdischen Klinikers; Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, 1973

Ehemann Dr. Hermann Zondek (04.09.1887 - 11.07.1979)

Vater Harry Wolfsohn (1865 - 1955)