Jentsch, Carl. Dr. h. c. 

Theologe, Schriftsteller, Publizist
* 08.02.1833 in Landeshut                                +28.07.1917 Bad Ziegenhals

Created with Sketch.

Ein sehr bedeutender Sohn der Stadt Landeshut war ohne jeden Zweifel auch Dr. Carl Jentsch. Hier wurde er am 08. Februar 1833 als Sohn eines evangelischen Buchbinders und einer katholischen Mutter geboren. Gemeinsam mit seinen jüngeren Geschwistern, zwei Brüdern und einer Schwester, wuchs er in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Bruder Robert (1845 - 1921) wurde später Karmelitermönch in Graz und war zuletzt Hospitalgeistlicher in der Neisser Gegend.

Bis zu seinem 13. Lebensjahr besuchte Carl Jentsch die höhere Bürgerschule in Landeshut. Dann äußerte der junge Carl den Wunsch, zur Konfession der Mutter überzutreten und das katholische Gymnasium in Glatz zu besuchen. In seinen Lebenserinnerungen beschreibt er diesen für ihn so entscheidenen Entschluss wie folgt: "Nicht Schwärmerei führte den Entschluss herbei, im Kopf entsprang diese katholische Über-zeugung, im Gemüte hatte sie keine Wurzeln. Fromm im Sinne der Mystiker bin ich niemals gewesen". Sein Vater fügte sich diesem Wunsch des Sohnes und fuhr im Korbwägelchen mit ihm nach Glatz. Dort wohnte Jentsch in der Pension einer "kreuzbaren Witwe", die auf strenge Ordnung achtete.

Nach Beendigung der Schulausbildung studierte Carl Jentsch Theologie und wurde 1856 in Breslau zum Priester geweiht. Seine erste Kaplanstelle trat er in Rehberg an, danach folgte Schönau. Ab 1864 wirkte er in Liegnitz. In dieser Zeit wurde über das in Vorbereitung befindliche Unfehlbarkeitsdogma heftig diskutiert, woran sich Jentsch lebhaft beteiligte. Seine Meinung legte er auch in schriftlicher Form nieder. Dies war der Beginn einer Reihe von Konflikten mit seinen Vorgesetzten, die letztendlich mit der Suspendierung endeten. Da er sich aber nicht aus der katholischen Kirche drängen lassen wollte, machte er Zugeständnisse und erreichte die Aufhebung der Suspendierung. Er wurde nach Grüssau und wenig später nach Harpersdorf versetzt. Fortgesetzte Glaubensskrupel und weitere heftige Auflehnung gegen Maßnahmen der kirchlichen Verwaltung führten schließlich am 26.02.1875 zu seiner Exkommunikation.

Nunmehr schloss sich Carl Jentsch den Altkatholiken an, wurde altkatholischer Pfarrer in Offenburg und später in Konstanz. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit verspürte er aber auch eine Neigung zur Schriftstellerei. Er schrieb für den "Altkatholischen Boten", das "Theologische Literaturblatt" und trat in die Redaktion des "Deutschen Merkur" ein. 1879 folgte er einem Ruf der altkatholischen Gemeinde in Neisse und trat dort die vakante Stelle des Pfarrers an.

Aufgrund seiner fortschreitenden Schwerhörigkeit und der wachsenden Distanz zum Altkatholizismus bei gleichzeitiger Rückbesinnung zum römischen Katholizismus gab Jentsch 1882 den Priesterberuf auf. Um seine Existenz zu sichern, suchte er nun ein neues Betätigungsfeld und fand es in der Publizistik. Er wurde Redakteur der "Liberalen Neisser Zeitung" und veröffentlichte auch Artikel in anderen Zeitschriften, u. a. im Leipziger "Grenzboten". Damit sicherte er sich ein bescheidenes Einkommen, das es ihm ermöglichte, ab 1875 jährlich eine Reise durchzuführen. So lernte er nicht nur Deutschland kennen, sondern auch die Nachbarländer. Seine Reisen führten ihn über den St. Gotthard nach Lombardovenezien, in die Toskana, die Schweiz, nach Österreich und in die wichtigsten deutschen Städte.

In seinen späteren Lebensjahren wurden auch große Verlage und Zeitungen auf ihn aufmerksam. So lieferte er u. a. Leitartikel und Aufsätze für das "Berliner Tageblatt", das "Schlesische Tageblatt", die "Breslauer Morgenzeitung", die "Frankfurter Zeitung", die "Neue Rundschau" usw. Auch mehrere Bücher stammen aus seiner Feder. Carl Jentsch war vielseitig begabt und auf unterschiedlichen Gebieten tätig, als Kulturgeschichtsschreiber, Philosoph, Psychologe, theologischer Schriftsteller, Publizist und Journalist.

An seinem 80. Geburtstag erschien eine Abordnung von Professoren in seiner Neisser Wohnung und überbrachte ihm die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät der Universität Breslau. Er gehörte schon längst zu den deutschen Schriftstellern mit Rang und Namen.

Im Sommer 1917 suchte er Erholung in Bad Ziegenhals. Dort verstarb er am 28. Juli 1917.

Quellen:

  • Mierau, Heike: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon - Band III (1992)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia

Keil, Friedrich

Maler
* 02.07.1813 in Liebau                                        + 17.01.1875 in Breslau

Created with Sketch.

Über ihn ist in der Literatur sehr wenig zu finden. Da er aber ein Sohn der Stadt Liebau ist, sollte auch über ihn berichtet werden. Am 02. Juli 1813 erblickte er in Liebau das Licht der Welt. Seine Eltern müssen wohl später ihren Wohnsitz nach Schweidnitz verlegt haben, denn Friedrich Keil erlernte zunächst bei seinem Vater in Schweidnitz das Goldarbeiterhandwerk.

Dieser Beruf entsprach aber nicht Friedrichs Vorstellungen, sein Talent lag auf einem anderen Gebiet, der Malerei. Er ging nach Berlin und ließ sich dort ab 1831 an der Akademie ausbilden. Nach langen Jahren in der Fremde verspürte Friedrich Keil 1865 Sehnsucht nach seiner schlesischen Heimat. Er zog nach Breslau und lebte dort bis zu seinem Tod am 17.01.1875.

In den Jahren 1834 - 1865 nahmen seine Bilder oft an Ausstellungen teil, die von der Berliner Akademie durchgeführt wurden, u. a. mit einem Bild des in Liegnitz geborenen Professors Dove. Später stellte Keil auch in Breslau aus. Von ihm gemalte Bilder hingen in der Berliner Galerie und auch im Dresdner Kupferstichkabinett.

Quelle:

  • Schlesischer Heimatkalender

Kretschmar, Georg, Prof. Dr.

Erzbischof
* 31.08.1925 in Landeshut                                  + 19.11.2009 in München

Created with Sketch.

Der prominenteste evangelische Landeshuter Theologe des 20./21. Jahrhundert ist Erzbischof Professor Dr. Georg Kretschmar. Er stammte aus einer schlesischen Pastorenfamilie. Geboren wurde er am 31.08.1925 in Landeshut als Sohn des dortigen Pastors Friedrich Kretschmar und dessen Ehefrau Berta, geb. Wildbrett. Sein Großvater war der Superintendent Georg Kretschmar. Neben Vater, Großvater und Urgroßvater gab es noch einen weiteren Pastor in der Familie. Pastor Arthur Krebs, ebenfalls Seelsorger der Landeshuter Gnadenkirchengemeinde, war mit einer Schwester seines Vaters verheiratet.

In der Zeit von 1934 - 1939 lebte die große Familie Friedrich Kretschmar, zwischenzeitlich waren sieben Kinder geboren worden, in Braunau im Kreis Lüben. Hier war Friedrich Kretschmar als Seelsorger tätig. 1939 übernahm er die Gemeinde Boberröhrsdorf, Kreis Hirschberg. Sohn Georg besuchte das Hirschberger Gymnasium und schloss seine Schulausbildung 1943 mit dem Abitur erfolgreich ab.

Nach dem Krieg, in dem er schwer verwundet wurde, studierte er in Tübingen, Bonn und Heidelberg Theologie. Ein Semester verbrachte er in Oxford und gewann tiefe Einblicke in das Leben der anglikanischen Kirche. Er promovierte 1950 in Heidelberg und habilitierte sich 1953 in Tübingen. Am 03.01.1953 wurde er in Tübingen ordiniert und war zuerst als Privatdozent für Kirchengeschichte in Tübingen tätig. Im Jahr 1955 kam er zunächst als Lehrstuhlvertreter an die neu gegründete Evangelisch-Theologische Fakultät nach Hamburg. 1956 wurde er der jüngste Ordinarius in Deutschland. Seine Fächer waren Neues Testament und Kirchengeschichte.

Zwischenzeitlich hatte Professor Dr. Kretschmar geheiratet. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. nach dem frühen Tod seiner Ehefrau ging er eine zweite Ehe ein. Während dieser Ehe wurden drei Töchter geboren.

1967 folgte er einem Ruf der Universität München. Er wurde Professor für Kirchengeschichte und Neues Testament und gehörte zu den Mitbegründern der neu errichteten Münchener Evangelisch-Theologischen Fakultät. Hier lehrte er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1990.

 Professor Dr. Kretschmar hatte sich von Anfang an für einen Dialog der EKD mit der Russischen Orthodoxen Kirche eingesetzt. Nach seiner Emeritierung verstärkte er nun diese Bemühungen. Bereits von München aus hatte er einen kirchlichen Fernunterricht zur Ausbildung von Pastoren in Riga aufgebaut. Er unterstützte Harald Kalnins, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, Kasachstan und Mittelasien (ELKRAS). 1992 wurde er zu dessen Stellvertreter gewählt und 1994 wurde ihm das Amt des Bischofs übertragen, ab 1999 mit der Bezeichnung "Erzbischof". Aus Altersgründen legte er dieses Amt im Jahr 2005 nieder.

Für seine Verdienste wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt das Bundesverdienstkreuz in mehreren Klassen, 2003 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der Friedrich-Joseph-Haas-Preis des Deutsch-Russischen Forums wurde ihm 2004 verliehen und 2005 der Fürst-Daniel-Orden 2. Klasse der Russisch Orthodoxen Kirche. Mehrere Universitäten zeichneten ihn mit der Ehrendoktorwürde aus (Tübingen, Klausenburg, Katholisches Institut Paris, Trinity Seminary Clumbus/Ohio).

Professor Dr. Georg Kretschmar verstarb am 19.November 2009 in München. Am 26. November 2009 wurde er auf dem Ostfriedhof in München beigesetzt.

Quellen:

  • Knechten, Heinrich Michael: Erzbischof Prof. Dr. Georg Kretschmar
  • Martin-Luther-Bund: Artikel vom 20.11.2009
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Wikipedia

Kuchinke, Norbert Georg

Journalist und Schauspieler
* 05.05.1940 in Schwarzwaldau                          + 03.12.2013 in Berlin

Created with Sketch.

Der aus Schwarzwaldau stammende Norbert Georg Kuchinke war seit 1973 der erste Korrespondent von "Der Spiegel" und "Stern" in Moskau. In der Sowjetunion wurde Kuchinke als Darsteller eines dänischen Slawistikprofessors in dem Film "Marathon im Herbst" von Giorgi Danelia bekannt. Später spielte er in dem Film "Nastja" desselben Regisseurs mit.

Noch während seiner Zeit in Moskau fing Kuchinke an, sich für die Orthodoxe Lehre und Kultur zu interessieren. So schrieb er Reportagen für den spiegel über die Situation von Klöstern in der Sowjetunion. Mehrere Bücher folgten und auch CD`s mit orthodoxen Kirchengesängen.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland setzte er sich dafür ein, auch in Deutschland ein orthodoxes Kloster aufzubauen. Auf seine Initiative hin bekam er ein altes Schloss in Götschendorf in der Uckermark, dass einst Hermann Görings Gästehaus war und später der NVA als Erholungsheim diente. Kuchinke baute das Schloss in ein Männerkloster um und fand dafür die nötigen Kontakte und Sponsoren, auch in Moskau - deshalb ist es vielleicht kein Zufall, dass er das Kloster dem Heiligen Georg, der zugleich auch Schutzpatron von Moskau ist, weihte.

Der erste Gottesdienst konnte im Jahre 2011 gefeiert werden. Auch Mönche leben mittlerweile im Kloster. Kuchinke wollte das Kloster als ein Zentrum der Annäherung verschiedener Kulturen und Religionen sehen. Ein Friedhof war für die Klosteranlage auch vorgesehen. Norbert Kuchinke ist, dies meldet die Agentur ITAR TASS, der einzige Westeuropäer, der mit zwei Orden der Russisch-Orthodoxen Kirche ausgezeichnet wurde.

Nach schwerer Krankheit starb Kuchinke am 3. Dezember 2013 in Berlin und wurde unter großer Anteilnahme in Götschendorf beigesetzt. Selbst der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir M Grinin, war ins 200-Seelendorf Götschendorf gekommen. "Wenn es die russische Seele tatsächlich gibt, dann muss Norbert ein Deutscher mit russischer Seele gewesen sein", sagte er beim Trauergottesdienst, Abschied nehmend von einem "besten Freund!"

(Verfasser: Wolfgang Kraus)

Das folgende Bild zeigt das Kloster St. Georg in Götschendorf.

Kuhn, Georg

General
* 08.12.1848 in Landeshut                                      + 1929 in Berlin-Charlottenburg

Created with Sketch.

Georg Kuhn, als Sohn des Rittergutsbesitzers Friedrich Kuhn am 08.12.1848 in Landeshut geboren, war ein preußischer General. Er besuchte zunächst die Oberrealschule seiner Heimatstadt Landeshut und anschließend das Gymnasium in Hirschberg. Im Jahre 1866 trat er in den Heeresdienst ein und nahm am 18.01.1871 als Leutnant in der 5. Artilleriebrigade an der Kaiserproklamation in Versailles teil. 1879 wurde er Adjutant der 9. Feldartilleriebrigade, 1881 Hauptmann, 1889 Adjutant im Generalkommando des 5. Armeekorps in Posen und 1897 Oberst und Kommandeur des Feldartillerie-Regiments 6. Seine militärische Karriere war aber noch nicht beendet. Im Jahr 1900 wurde Georg Kuhn Kommandeur der 7. Feldartillerie-Brigade und 1904 Generalleutnant und Inspekteur der 1. Fußartillerie-Inspektion. Während des 1. Weltkrieges war er stellvertretender Generalinspekteur der Fußartillerie.

Verheiratet war er seit dem 20. April 1876 mit Luise Johanne Auguste, geb. Scherl. Nach Beendigung seiner aktiven Dienstzeit lebte er mit seiner Familie in Berlin-Charlottenburg. Georg Kuhn starb im Jahr 1929.

Quelle:

  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)

Langhans, Carl Gotthard

Baumeister
* 15.12.1732 in Landeshut                                         + 01.10.1808 in Breslau

Created with Sketch.

Der berühmteste Sohn der Stadt Landeshut ist wohl ohne jeden Zweifel Carl Gotthard Langhans, der Erbauer des Brandenburger Tores in Berlin. Aus einer Lehrerfamilie stammend, war es ihm nicht an der Wiege gesungen worden, dass er einmal der bedeutendste schlesische Baumeister der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden würde.

Bereits sein Urgroßvater Caspar Langhans, geboren 1609 in Sagan, war Lehrer. Er starb als Rektor 1666 in Guben. Sein Vater Gottfried Langhans (1688 - 1763) übte in Landeshut an der Oberrealschule (später bekannt als Carl-Gotthard-Langhans-Schule) die Tätigkeit eines Konrektors aus. Er gilt als der Entdecker der Adersbacher Felsen, die jahrhundertelang in Europa und der übrigen Welt nahezu unbekannt waren. Er malte das Felsenpanorama, ließ davon einen Kupferstich herstellen und fügte ihn als Faltblatt einem Heftchen bei, welches als die erste gedruckte Beschreibung und bildhafte Darstellung der Adersbacher Felsen gilt.

Als Carl Gotthard am 17.12.1732 getauft wurde, standen dem Täufling elf Paten zur Seite, darunter einige sehr bekannte Persönlichkeiten, u. a. Freiherr Abraham von Czettritz-Neuhaus (Großvater des späteren preußischen Ministers Karl Abraham von Zedlitz, der königlich preußische Oberkonsistorialrat Melchior Gottlieb Minor usw. Im Frühjahr 1737 wurde Gottfried Langhans zum Prorektor des evangelischen Gymnasiums in Schweidnitz berufen. Mit den Eltern Gottfried und Christiana Eleonora verließen auch der vierjährige Carl Gotthard und sein zwei Jahre älterer Bruder Christoph Friedrich ihre Geburtsstadt Landeshut. Dieser Bruder starb bereits 1747 während einer Reise im Alter von siebzehn Jahren.

Ab 1741 besuchte der junge Carl Gotthard das Gymnasium seines Vaters. Als die maroden Schweidnitzer Festungsanlagen 1748 auf Veranlassung Friedrichs des Großen erneuert wurden, besichtigte Prorektor Gottfried Langhans mit seinen Schülern zweimal wöchentlich die Baustelle. Sein Sohn zeigte solches Interesse für diese Bauarbeiten, dass der leitende Offizier ihn zum Eintritt in das Ingenieur-Corps überreden wollte. Aber Carl Gotthard wollte nach erfolgreichem Gymnasialabschluss studieren.

In Halle an der Saale begann er am 14. Mai 1753 das Jurastudium und ergänzte es durch Vorlesungen in Mathematik, Geometrie und den Besuch von Zeichenkursen. In den Immatrikulationslisten wird er stets als Student aus Landeshut stammend geführt: "Carolus Gotthardus Langhans, Landeshutta, Siles". Über einen Studienabschluss ist nichts bekannt, ebenso wenig über die Gründe, warum er bereits 1757 nach Schlesien zurückkehrte. Später äußerte er selbst einmal, dass er während seiner Studienzeit fleißig Mathematik und Sprachen studiert habe, er sich aber - aus Liebhaberei - sehr viel mit dem Studium der Architektur beschäftigte und Zeichnungen anfertigte.

Nach seiner Rückkehr nahm er in Breslau eine Stelle als Privatlehrer im Hause des Grafen Matuschka an. Sein Schüler war der 15jährige Graf Franz Matuschka, mit dem er später eng befreundet war. Seine Lieblingsbeschäftigung aber galt nach wie vor der Baukunst. Auf diesem Gebiet erwarb er sich in den folgenden Jahren, die allerdings dokumen-tarisch nicht genau belegt sind, weitere Kenntnisse. im Hause Hatzfeld lernte Langhans den Fürst Franz Philipp Adrian von Hatzfeld kennen, der ihm 1763 den ersten Bauauftrag erteilte. Die Fürstenfamilie von Hatzfeld bewohnte das 50 Kilometer nördlich von Breslau liegende Schloss Trachenberg. Langhans sollte den barocken Südflügel um einen Festsaal mit Nebenräumen erweitern, zugänglich durch ein repräsentatives Hauptportal. Der Fürst muß von dem Bauplan so begeistert gewesen sein, dass er Langhans im Frühjahr 1764 zum "fürstlichen Bauinspektor" ernannte. Er beauftragte ihn auch mit dem Neubau des kriegszerstörten Hatzfeldschen Palais in der Breslauer Albrechtstraße. Dieses nach Langhans eigenen Entwürfen in den Jahren 1766 - 1774 errichtete Palais begründete seinen Ruhm. Die Tätigkeit als Berater, Planer und Organisator der fürstlichen Bauvorhaben bescherte ihm in den folgenden Jahren noch viele weitere Aufträge. In dieser für ihn so überaus erfolgreichen Lebensphase verstarb im Jahr 1763 sein Vater im Alter von 70 Jahren. Für den Sohn war der Tod des Vaters ein großer Verlust.

Mit Unterstützung des Fürsten begab sich Langhans im Jahre 1768/69 auf eine mehrmonatige Studienreise, die ihn nach Süddeutschland, Österreich und Italien führte. Durch die Vermittlung des Fürsten wurde er auch am Berliner Königshof bekannt. Als erstes Werk im Dienste der königlichen Familie entwarf er für den Prinzen Heinrich - Bruder Friedrichs des Großen - 1766 das Treppenhaus und den Muschelsaal im Schloss Rheinsberg.

Der Name Carl Gotthard Langhans war nunmehr ein Begriff geworden. Auf der Stufenleiter des Erfolges kletterte er jetzt steil nach oben. Im März 1775 wurde er mit Zustimmung Friedrichs II. zum Leiter des Oberbaudepartements berufen. Er erhielt damit die bedeutendste Position in der Bauverwaltung der Provinz Schlesiens. In seiner Verant-wortung lag nicht nur die Aufsicht über alle staatlichen Hochbauten, sondern auch über den Straßen-, Brücken- und Wasserbau. Diese Aufgabe erforderte umfangreiche Kenntnisse über den aktuellen Stand des Industriebaus. Zu diesem Zweck bereiste er im Auftrag und auf Kosten des Königs die Länder England, Holland, Belgien und Frankreich. 1788 ernannte ihn Friedrichs Neffe und Nachfolger Friedrich Wilhelm II. zum Direktor des neu gegründeten Oberhofbauamtes in Berlin.

Aber nicht nur beruflich, sondern auch privat stand Carl Gotthard Langhans nunmehr auf der Sonnenseite des Lebens. Er war bereits Mitte vierzig, als Beamter finanziell abgesichert und als Baumeister überaus erfolgreich, somit beste Voraussetzungen, um eine Familie zu gründen. Am 11.08.1777 heiratete er in der Breslauer evangelischen Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena seine Braut Anna Elisabeth Jaeckel. Sie stammte aus einer sehr angesehenen Breslauer Juristenfamilie. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, die Töchter Louise Amalie und Juliane Wilhelmine sowie der 1782 geborene Sohn Carl Friedrich, der in die Fußstapfen seines Vaters trat und als Theaterarchitekt bekannt wurde. Zwei weitere Kinder starben bereits im Kindesalter. Seit 1782 bewohnte Langhans mit seiner Familie das Haus der Schwiegereltern in der vornehmen Albrechtstraße, gegenüber dem Palais Hatzfeld. In Grüneiche, vor den Toren der Stadt Breslau, ließ er für sich und seine Familie ein Sommerhaus errichten. Mit der Übernahme des Oberhofbauamtes in Berlin war im Jahre 1788 für die Familie Langhans zwangsläufig auch ein Umzug in die deutsche Hauptstadt verbunden. Langhans erwarb ein Haus in der Charlotten-burger Straße, musste jedoch für die Finanzierung das Breslauer Haus in der Albrechtstraße verkaufen. Die Villa in Grüneiche ließ er als zweiten Wohnsitz ausbauen.

In dieser Villa verbrachte Langhans auch seine letzten Lebensjahre. Als Baumeister war er noch bei einigen Projekten beratend tätig. Kurz vor der Vollendung seines 76. Lebensjahres verstarb er am 1. Oktober 1808 in seinem Haus.

Die Werke, die dieser geniale Baumeister geschaffen hat, sind so umfangreich, dass hier nur einige genannt werden sollen, u. a. natürlich an erster Stelle das Brandenburger Tor in Berlin, das Theater für das Schloss Charlottenburg, Belvedere im Schlosspark Charlottenburg, Anatomisches Theater der Tierarzneischule in Berlin, Pfeilersaal im Berliner Schloss, Tanzsaal im Schloss Bellevue, Inneneinrichtung des Marmorpalais im Neuen Garten von Potsdam, Theater in Breslau, Speisesaal im Palais des Ministers von Zedlitz in Breslau, evangelische Kirche in Waldenburg, evangelische Kirche in Groß Wartenberg usw.

Anlässlich der 200. Wiederkehr seines Geburtstages ehrte die Stadt Landeshut ihren berühmten Sohn 1932 mit der Umbenennung der Böhmischen Straße in Langhansstraße. Auch die Oberschule erhielt den Namen Carl-Gotthard-Langhansschule.

Die Bundesrepublik Deutschland würdigte Langhans zu seinem 275. Geburtstag durch die Herausgabe einer Sonderbriefmarke. Auch in Polen wurde des großen Baumeisters gedacht. Auf Veranlassung des polnischen Magistrats der Stadt Kamienna Góra/Landeshut wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 750jährigen Stadtjubiläum ein zentraler Platz mit Grünanlage - nahe der früheren Volksschule - zu Ehren Langhans in Carl-Gotthard-Langhans-Platz umbenannt. Die Enthüllung des Namensschildes fand am 05.06.1999 statt. Darüber hinaus fand am Freitag, dem 24. Oktober 2014, eine weitere Ehrung in Kamienna Góra statt. An diesem Tag enthüllte der Bürgermeister der Stadt Krzyszof Swiatek feierlich eine Gedenktafel am Geburtshaus von Carl Gotthard Langhans, dem bedeutendsten Sohn der Stadt, in Anwesenheit von Rainer Sachs, Kulturattaché des deutschen Generalkonsulats in Breslau und dem Initiator dieser Veranstaltung, dem Regionalhistoriker Jósef Chéc.

Quellen:

  • Grundmann, Friedhelm: Carl Gotthard Langhans - Lebensbild und Architekturführer
  • Grundmann Dr., Günther: Landeshut und Carl Gotthard Langhans (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Hayduk, Alfons: Große Schlesier
  • Reuther, Hans: Neue Deutsche Biographie 13 (1982)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Schulz, Wolfgang: Ostdeutsche Biographie - Persönlichkeiten des historischen Ostens
  • Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia
  • Zimmermann, Carola Aglaia u. Museum für schlesische Landeskunde: "Meister des Klassizismus in Deutschland"


Nachfolgend der Auszug aus dem Kirchenbuch der Gnadenkirche mit dem Taufeintrag des Carl Gotthard Langhans:

                                         
   17. (Dezember 1732)
Ist dem H.(errn) Gottfried Langhanß Conrector bey der Luthrischen Schulen von seiner Ehefraue Christina Eleonora ein Söhnl.
gebohren, und vor Landeshuth von H. (errn) Johann Jacob Lieberwald
mit nahmen Carl Gotthard getaufet worden (.) Pathen, der 
Gnädige Freyh.(err) Abraham von Zettritz auf Schwartzwaldau
Titl. H(err) Daniel Gotlib von Riemburg, H(err) Johann Jacob
Liebenwaldt, H(err) Melchior Minor, H(err) Johann Gottlib Kalinsky, 
H(err) Gottfried Raßper Handelsmann, Tit. Frau Cunigunda 
von Schweinitzin auf Rudelsdorf, Tit. Frau Anna Rosina 
von Klugin, Frau Anna Elisabeth Sommerin, Frau Johanna
Charlotta Crantzin, Jungfer Christiana Beata Ullberin

Das Brandenburger Tor, entworfen von Carl Gotthard Langhans

Gedenktafel am Geburtshaus von Carl Gotthard Langhans 

in Kamienna Góra/Landeshut

Liebeneiner, Wolfgang, Prof.

Schauspieler, Regisseur
* 06.10.1905 in Liebau                                               + 28.11.1987 in Wien

Created with Sketch.

Einer der bedeutendsten deutschen Filmregisseure des 20. Jahrhunderts stammte aus Liebau. Hier wurde Prof. Wolfgang Liebeneiner am 06.10.1905 als Sohn eines Offiziers und Leinenfabrikanten geboren. Gemeinsam mit seiner Schwester Ilse verbrachte er seine Kindheit in der Wihardschen Villa, dem Wohnsitz seiner Großmutter Wihard mütter-licherseits. Dem Wunsch seines Vaters folgend, sollte er auch Offizier werden. Nach dem Besuch der Liebauer Volksschule kam er bereits im Alter von 10 Jahren auf die Kadettenanstalt in Wahlstatt bei Liegnitz und später auf die Hauptkadettenanstalt Berlin-Lichterfelde. Seine Eltern waren im Jahre 1920 nach Berlin gezogen. 1923 beendete er seine Schulausbildung mit dem Abitur am Realgymnasium in Berlin-Zehlendorf.

Die Neigung zum Schauspielberuf hatte Liebeneiner bereits während der Kadettenausbildung in Wahlstatt verspürt. Dort erfolgten auch seine ersten öffentlichen Auftritte. Zunächst begann er aber an den Universi-täten Berlin, Innsbruck und München Germanistik und Theaterwissen-schaft zu studieren. In München wurde er Mitglied und später Leiter der "Akademischen Spielschar", einer Gruppe von Studenten. Während einer Aufführung weckte er das Interesse von Heinrich Fischer, dem damaligen Chefdramaturg der Münchner Kammerspiele. Dieser vermittelte ihm ein Vorsprechen bei Otto Falckenberg, dem Direktor und künstlerischen Leiter der Münchner Kammerspiele. Falckenberg war von dem jungen Liebeneiner so begeistert, dass er ihn sofort für sein Ensemble enga-gierte. Vier Wochen später (1928) gab er bereits sein Debüt als Melchior Gabor in Wedekinds "Frühlings Erwachen" und hatte damit sehr großen Erfolg.

Liebeneiner brach nun sein Studium ab, um sich voll und ganz dem Schauspielberuf zu widmen. Nicht die Offizierslaufbahn, keine wissen-schaftliche Laufbahn, die Laufbahn eines erfolgreichen Schauspielers und Regisseurs sollte seine Zukunftsperspektive sein. Schöne und wichtige Schauspielrollen wurden ihm von Falckenberg übertragen, so dass auch andere namhafte Regisseure auf ihn aufmerksam wurden, so der berühmte Leiter des Deutschen Theaters in Berlin, Max Reinhardt. Im Jahr 1932 wechselte er von München nach Berlin und spielte unter Reinhardts Regie die jugendliche Hauptrolle in Edouard Bourdets Stück "Das schwache Geschlecht". Anlässlich des 70. Geburtstages Gerhart Hauptmanns stand er als "Michael Kramer" in dem gleichnamigen Drama auf der Bühne der Kammerspiele des Deutschen Theaters in Berlin.

Leibeneiner interessierte sich aber nicht nur für die Schauspieltätigkeit, sondern ebenso für die Regiearbeit. Darüber hinaus weckte sein schauspielerisches Können auch das Interesse der Filmregisseure an seiner Person. In dem 1933 gedrehten Film "Liebelei" war kein Geringerer als Gustaf Gründgens sein Rollenpartner. Dieser holte ihn 1936 an das Staatstheater in Berlin, dessen Intendant Gründgens damals war. Bis zum Jahre 1944 war Liebeneiner als Schauspieler und Regisseur an diesem Theater tätig. Daneben war er auch als Filmregisseur beschäftigt. Seinen ersten Film als Regisseur drehte er 1937, viele weitere Filme folgten, darunter "Der Mustergatte" mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle.

Im Jahr 1942 wurde Liebeneiner zum Staatsschauspieler ernannt und erhielt 1943 den Professorentitel. Nach dem Kriegsende erteilten ihm die Alliierten kurzzeitig ein Arbeitsverbot, aber bereits 1947 konnte er seine erfolgreiche Karriere fortsetzen. Unter seiner Regie wurde an den Ham-burger Kammerspielen Wolfgang Borcherts Stück "Draußen vor der Tür" erfolgreich inszeniert. Unzählige Filme folgten, in denen viele bekannte Filmschauspieler mitwirkten, u. a. Ruth Leuwerik, Hilde Krahl usw. Auch bei Fernsehproduktionen führte er später Regie.

Mitte der fünfziger Jahre ging er nach Wien und war dort am Theater an der Josefstadt und ab 1965 am weltbekannten Burgtheater beschäftigt.

Verheiratet war Wolfgang Liebeneiner in erster Ehe mit der Schau-spielerin Ruth Hellberg und in zweiter Ehe seit 1944 mit der Film- und Theaterschauspielerin Hilde Krahl. Aus dieser Ehe stammt seine Tochter Johanna Liebeneiner, die ebenfalls eine berühmte Schauspielerin wurde.

Professor Wolfgang Liebeneiner verstarb am 28. November 1987 in Wien und wurde auf dem Sieveringer Friedhof beigesetzt.

Quellen:

  • Film-Zeit: Biografie - www.film-zeit.de
  • Otten, Matthias: Ostdeutsche Biographie - Persönlichkeiten des historischen Ostens
  • Richter, Gustav: Berühmte Zeitgenossen aus Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Wikipedia

Wolfgang Liebeneiners Elternhaus im Park der Wihard`schen Fabrik

Wolfgang Liebeneiner als Chopin in dem Film "Abschiedswalzer" 

im jahre 1934

Ludovici, Christian, Prof. Dr.

Philologe, Theologe
* 06.01.1663 in Landeshut                                     + 15.01.1732 in Leipzig

Created with Sketch.

Als Sohn des Landeshuter Oberbäckermeisters Georg Ludovici und dessen Ehefrau Rosina, geb. Pohl aus Schmiedeberg (verst. 1693) wurde der große deutsche Philologe, Theologe, Orientalist und Universitätsrektor Christian Ludovici am 6. Januar 1663 in Landeshut geboren. Nachdem er zunächst von Hauslehrern unterrichtet wurde. erfolgte die weitere Ausbildung an der römisch-katholischen Schule seiner Heimatstadt. Da die Eltern über die nötigen finanziellen Mittel verfügten, schickten sie ihren Sohn im Alter von 16 Jahren nach Breslau, wo er am Elisabeth-Gymnasium seine Schulausbildung beendete.

Das Studium an der Universität Leipzig begann Ludovici nach dem Tod des Vaters im Jahre 1682. Für den erforderlichen Unterhalt sorgten sowohl seine Mutter als auch sein ältester Bruder, der Kassenhalter in Landeshut war. Er belegte Vorlesungen in Astrologie, Naturlehre, Geschichte und Geographie. Mit besonderem Eifer widmete er sich aber der Philosophie, der Theologie und dem Studium der orientalischen Sprachen. 1687 erwarb er die Magisterwürde und nahm die Stelle eines Erziehers und Hauslehrers einer sehr angesehenen Leipziger Familie an. Aber auch während dieser Zeit widmete er sich dem Studium der orientalischen Sprachen.

Nachdem Ludovici selbst bereits mehrere Vorlesungen gehalten hatte, begann nun sein beruf-licher Aufstieg. 1693 wurde er Assessor der philosophischen Fakultät der Universität Leipzig, 1697 Konrektor der Thomasschule in Leipzig, eine der ältesteten und traditionsreichsten Schulen Deutschlands. 1699 erhielt er die außerordentliche Professur der orientalischen Sprachen und des Talmuds und ein Jahr später wurde er ordentlicher Professor des sogenannten Organum Aristotelicum (Logik nach Aristotelis). Neben diesen Ämtern vergaß er aber auch nicht die theolo-gischen Studien. 1701 wurde er Lizentiat der Theologie und 1724 promovierte er zum Doktor der Theologie, nachdem er kurz zuvor aus gesundheitlichen Gründen das Amt des Konrektors der Thomasschule in Leipzig niedergelegt hatte.

Dass er an der Universität Leipzig sehr geschätzt wurde, beweist allein schon die Tatsache, dass er insgesamt siebenmal das Amt des Dekans bekleidete und in den Jahren 1724 und 1730 Rektor dieser Hochschule war.

Seit dem 16.08.1700 war Ludovici mit Christiane Sophie, geb. Ittig verheiratet, der Tochter des Professors Gottfried Nikolaus Ittig. Sie war die Erbin mehrerer Rittergüter. Aus dieser Ehe gingen 10 Kinder hervor, davon erreichten allerdings nur vier Kinder das Erwachsenenalter:

  1. Gottfried Thomas, Dr. der Rechte und Dr. der Philosophie;
  2. Carl Günther, Prof., er war ein sehr bekannter Philosoph, Lexikograf und Wirtschaftswissenschaftler;
  3. Gertraude Sophie, verh. Reichel (verst. 1726 bei der Geburt ihres Kindes);
  4. Johanna Rosina, verh. Adolph.


Christian Ludovici verstarb am 15.01.1732 in Leipzig an den Folgen eines Schlaganfalles. Ein Jahr zuvor, am 10.01.1731, hatte er seine Ehefrau zu Grabe tragen müssen.

Auch Prof. Dr. Ludovici wird von Adami in dessen Aufstellung der Gelehrten aus dem Kreis Landeshut erwähnt.

Quellen:

  • Adami, Ernst Daniel: Das gelehrte Landeshut in Schlesien, Umständliche Lebensbeschreibungen gelehrter Landeshuter
  • Lechler, Gotthard: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg - 2. Auflage
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia

Modler, Johann

Erfinder, Unternehmer
* 02.01.1875 in Landeshut                                     + 04.03.1964 in Aschaffenburg

Created with Sketch.

Johann Modler wurde als Erfinder und Unternehmer bekannt. Am 02.01.1875 in Landeshut geboren, kam er nach seinem Studium am Polytechnikum in Leipzig im Jahre 1903 als Ingenieur zur Firma Fichtel & Sachs nach Schweinfurt. Dort entwickelte er die Torpedo-Freilaufnabe. Es handelt sich hierbei um eine Hinterradnabe für Fahrräder mit Freilauf und Rücktrittbremse. Diese Erfindung, die auch patentiert wurde, trug wesentlich zum Aufstieg der Firma bei.

1906 wechselte Johann Modler zur Firma FAG Kugelfischer in Schweinfurt und erfand dort 1912 das Tonnenrollenlager. Im Jahre 1921 machte er sich selbständig und erwarb die Aschaffenburger Maschinenfabrik Friedrich Klug. Diese Firma besteht heute noch als Johann Modler GmbH in Aschaffenburg. Johann Modler verstarb am 04.03.1964 in Aschaffenburg.

Quelle:

  • Wikipedia

Mueller, Otto, Prof.

Maler, Lithograph
* 16.10.1874 in Liebau                                                + 24.09.1930 in Obernigk

Created with Sketch.

Liebau ist der Geburtsort des großen Malers und Lithographen Otto Mueller. Hier wurde er am 16.10.1874 als Sohn des Offiziers und späteren Steuerbeamten Julian Mueller und dessen Ehefrau Marie, geb. Maywald geboren. Seine Mutter war im Hause der Schwester Robert Hauptmanns, des Vaters von Carl und Gerhart Hauptmann, aufgewachsen. Otto Mueller pflegte später sehr engen Kontakt zu den beiden Dichtern. Es wird sogar vermutet, dass Carl Hauptmann in seinem Roman "Einhard der Lächler" in Otto Mueller ein Vorbild gefunden hatte.

Dem Wunsch seines Vaters folgend, sollte Otto Mueller Offizier werden. Aber alles wäre Otto geworden, das Soldatenleben behagte ihm jedoch nicht. Inder Liebauer Volksschule hielt sich sein Lerneifer in Grenzen. Am liebsten zeichnete er die Lehrer und seine fünf Schwestern, besonders Emmy, seine Lieblingsschwester.

Im Jahr 1882 zog die Familie Mueller nach Görlitz. Dort besuchte Otto das Gymnasium. Aber auch hier entwickelte er keinen großen Ehrgeiz. Nur mühsam bewältigte er das Schulpensum. Seine Lehrer erkannten aber die künstlerische Begabung des Jungen und empfahlen dem Vater, ihn von der Schule zu nehmen und ein Kunsthandwerk erlernen zu lassen. Seine Schwester Emmy berichtete später einmal über diese für ihren Bruder so entscheidende Begebenheit folgendes: "Diesem wohl-gemeinten Rat verschloss sich mein Vater nicht mehr. Keiner war glücklicher darüber als Otto. So kam er im 18. Lebensjahr in eine Litho-graphenschule in Görlitz. Der Meister behandelte ihn aber nicht, wie vorher abgemacht, als Volontär, sondern als Lehrling. Otto musste sich mit einer Schürze bekleidet im Haushalt nützlich machen. Das empörte ihn. Kurz entschlossen verließ er die Werkstatt und klärte den Vater über die dort herrschenden Zustände auf". Um dem Sohn eine gute Berufs-ausbildung zu ermöglichen, nahm der Vater Verbindung zu einem anderen lithographischen Institut in Breslau auf. Otto wurde angenom-men und der dortige Lehrer war von der besonderen zeichnerischen Fähigkeit des jungen Mueller begeistert. Er empfahl dem Vater, den Sohn an der Kunstakademie in Dresden ausbilden zu lassen. Dieser Empfehlung konnte und wollte der Vater sich nicht verschließen.

Mit einer Sondergenehmigung studierte Otto Mueller in der Zeit von 1894 bis 1897 an der Dresdener Kunstakademie. Ab 1898 setzte er seine Studien gemeinsam mit seinem Freund Paul Kother an der Akademie der Bildenden Künste in München fort. Trotz der Intervention Gerhart Haupt-manns konnte er sein Studium 1899 jedoch nicht fortsetzen, da ihm der Leiter der Akademie, Franz von Stuck die Genehmigung versagte. Daraufhin verließ er die bayerische Hauptstadt und begab sich im Herbst 1899 mit dem Fahrrad nach Dresden. Hier lebte und arbeitete er bis 1908.

In Dresden lernte Otto Mueller Maschka Meyerhofer kennen und heiratete sie im Jahr 1905. Sie stand ihm oft Modell und blieb seine Vertraute auch nach der Scheidung und zwei weiteren von Mueller geschlossenen Ehen mit Elsbeth Lübke und Elfriede Timm. 1908 zog das junge Ehepaar nach Berlin. Dort lernte er sehr bekannte Maler und Grafiker kennen, u. a. Erich Heckel und Wilhelm Lehmbruck. Muellers Vorbild wurden die Plastiken von Lehmbruck. Seit 1908 malte er die schlanken Mädchengestalten, die für ihn charakteristisch sind, wie auch die Leimfarben, die er mit Vorliebe für seine Werke nutzte.

Durch die Freundschaft mit Erich Heckel bekam er Verbindung zur expressionistischen Künstlergruppe "Die Brücke". Diese wurde am 07.06.1905 in Dresden gegründet. Ihr gehörten namhafte Maler und Grafiker an, u. a. Emil Nolde, Max Pechstein, Schmit-Rottluff und Ernst-Ludwig Kirchner. Fast drei Jahre, von 1910 - 1913, arbeitete Mueller in dieser Künstlergruppe mit. Zusammen mit Kirchner und Heckel verbrachte Otto Mueller Aufenthalte an der Ostsee, auf Fehmarn und an den Moritzburger Teichen, wo viele Bilder von badenden Mädchen entstanden.

Nach zweijährigem Kriegsdienst wurde er 1919 völlig unerwartet als Professor für den Aktunterricht an die Breslauer Kunstakademie berufen. Ein Fünfjahresvertrag mit einem Jahresgehalt von 4000 Mark sicherte seine Existenz. Hier lebte und lehrte er nun bis zu seinem Tod. 1927 entstand jene "Zigeuner-Mappe", eine Folge farbiger Lithographien, die den Höhepunkt seines Schaffens bildete.

In seinen letzten Lebensmonaten litt Otto Mueller an den Folgen eines Lungenleidens, das er sich während des Krieges zugezogen hatte. Auch eine Kur im Juli 1930 in Bad Salzbrunn besserte seinen Gesundheits-zustand nicht. Daraufhin begab er sich in ein Sanatorium im waldreichen Kurort Obernigk, 25 km nördlich von Breslau. Aber seine Hoffnung und die seiner Freunde war vergebens. Er starb am 24. September 1930 und wurde auf dem Gräbschener Friedhof beigesetzt.

Die Deutsche Bundespost würdigte das Werk Otto Muellers mit einer Sonderbriefmarke im Wert von 80 Pf. In der Serie "Moderne Gemälde aus Berliner Sammlungen" erschien auf einer Marke die Reproduktion des Gemäldes "Zwei badende Mädchen" von Otto Mueller.

Quellen:

  • Art Directory GmbH: Informationsmaterial für Kunst und Kultur - Otto Mueller
  • Christmann, Günter: Zum Gedenken an den schlesischen Maler und Grafiker Otto Mueller
  • Hayduk, Alfons: Große Schlesier
  • Hupka, Herbert: Ostdeutsche Biographie - Persönlichkeiten des historischen Ostens
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Wikipedia

Naumann, Erich, Dr.

Badischer Bergmeister, Ministerialrat
* 04.07.1875 in Landeshut                                       + 11.1966 in Karlsruhe

Created with Sketch.

Sein Leben galt dem badischen Bergbau. Auf diesem Gebiet erwarb er sich große Verdienste, die von höchster Stelle gewürdigt worden sind. Geboren wurde Dr. Erich Naumann am 04.07.1875 in Landeshut, Großherzog Friedrich II. von Baden berief ihn als badischen Bergmeister nach Karls-ruhe und ernannte ihn zum Ministerialrat. Unter seiner Leitung wurden die Staatssalinen in Bad Dürrheim und Bad Rappenau zu den modernsten Salinen Europas ausgebaut. Der gesamte badische Bergbau erwachte zu neuer Blüte.

Im Mittelpunkt seiner Arbeit stand aber der Kalibergbau. In Buggingen, südlich von Freiburg, wurde bei Bohrungen Kalisalz entdeckt. Dr. Naumann setzte sich mit großer Beharrlichkeit gegen viele Skeptiker im badischen Landtag durch und förderte den Abbau dieser Vorkommen. Aufgrund seiner Initiative wurden am 22.04.1922 drei Bergbau-Gesellschaften gegründet, die Gewerkschaften Baden, Markgräfler und Zähringen. Das Kalisalzbergwerk Buggingen war während seines Betriebes das größte Bergwerk Süddeutschlands. Mit bis zu 1200 Beschäftigten war es ein bedeutender Arbeitgeber in der Region und bis 1973 in Betrieb. Als Dank und Anerkennung für seine Verdienste um den Kalibergbau ließ das Bergwerk Buggingen einen Naumann-Taler in Gold und Silber prägen.

Ämter und Ehrungen wurden Dr. Naumann in reichem Maße zuteil. Die Technische Hochschule verlieh ihm die Würde eines Ehrendoktors. Der Bundespräsident würdigte sein Schaffen durch Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes. Organisationen und Firmen des Bergbaus sicherten sich sein Können und seinen Rat in ihren Vorständen, Aufsichtsräten und Präsidien. Dr. Naumann war nicht nur national, sondern auch international hoch angesehen. Er verstarb im November 1966 in Karlsruhe im Alter von 91 Jahren.

Quellen:

  • Schlesischer Gebirgsbote
  • wikipedia

Nocht, Bernhard, Prof. Dr.

Mediziner
* 04.11.1857 in Landeshut                                        + 05.06.1945 in Wiesbaden

Created with Sketch.

Der Gründer und Leiter des in der ganzen Welt bekannten Hamburger Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten war gebürtiger Landeshuter. Professor Dr. Bernhard Nocht erblickte am 04.11.1857 als Sohn des Realgymnasiallehrers Karl Eduard Nocht und dessen Ehefrau Clara Pauline Auguste, geb. Hoeppe das Licht der Welt. Das Geschlecht der Nochts war ursprünglich im schlesischen Gebiet des Zobten beheimatet gewesen. Es waren vorwiegend Bauern und Bierbrauer.

Nocht besuchte das Landeshuter Realgymnasium und erwarb 1875 das Abitur. Damals mussten zur Erlangung der Hochschulreife noch Ergänzungsprüfungen in Griechisch, Latein und Geschichte abgelegt werden, die er am Gymnasium in Waldenburg erfolgreich absolvierte. Anschließend studierte er von 1876 - 1880 in Berlin am Medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelm-Institut, der sog. Pepiniere. An diesem Institut wurden sämtliche preußischen Militärärzte ausgebildet. Danach arbeite er ein Jahr lang an der Berliner Charité. 1881 promovierte er zum Dr. med. und 1882 erfolgte die Approbation.

Im Jahr 1883 trat Dr. Bernhard Nocht als Assistenzarzt in die Kaiserliche Marine ein. Auslandskommandos führten ihn nach Ostasien und in den Mittelmeerraum. 1887 wurde er an das Hygienische Institut der Universi-tät Berlin versetzt. Er wurde neben Georg Gaffky, dem späteren Direktor des Robert-Koch-Institutes, einer der wichtigsten Schüler und Mitarbeiter von Robert Koch auf dem Gebiet der Bakteriologie.

Als 1892 in Hamburg die Choleraepidemie wütete, welcher 8.605 Menschen zum Opfer fielen, wurden Nocht und später auch Gaffky nach Hamburg als ständige Vertreter Kochs entsandt, um die dortigen Behörden bei ihren Maßnahmen zu beraten. Aufgrund dieser erfolg-reichen Tätigkeit wurde Nocht am 1. April 1893 zum Hafenarzt für Hamburg ernannt. Mit dieser Ernennung verbunden war sein Ausscheiden aus dem aktiven Marinedienst.

Sein eigentliches Lebenswerk war jedoch das Hamburger Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten, das im Jahr 1900 aus ganz bescheidenen Anfängen gegründet wurde und unter Nochts 30jähriger Leitung Welt-ruhm erlangte. Es diente der tropenmedizinischen Forschung und Lehre sowie der Heilung von Tropenkrankheiten. Nach den im Jahr zuvor eröffneten tropenmedizinischen Schulen in London und Liverpool war das Hamburger Tropeninstitut die dritte derartige Einrichtung.

Von 1906 - 1920 war Nocht als Leiter für das gesamte Hamburger Medizinalwesen verantwortlich. 1919 wurde er zum Professor für Tropenmedizin an die medizinische Fakultät der neu gegründeten Universität Hamburg berufen. 1920/21 war er Dekan und 1926/27 Rektor. Professor Dr. Bernhard Nocht arbeitete als einer der ersten Deutschen im Völkerbund mit und wurde bereits 1923 als einziges deutsches Mitglied in dessen Hygienekomitee berufen. 1924 - 1926 leitete er verschiedene Reisen der Malariakommission des Völkerbundes nach Ost-, Südost- und Südeuropa sowie nach Palästina. Von 1927 - 1934 war er Vizepräsident der Hygienekommission des Völkerbundes. Die Beschäftigung mit Leprafragen führte ihn 1931 nach Brasilien und 1934/35 erneut nach Ostasien. 1938 leitete er die deutsche Delegation auf dem III. Internationalen Kongress für Tropenmedizin und Malaria in Amsterdam.

Für seine Verdienste wurde er mehrfach ausgezeichnet: 1910 Mary Kingsley Memorial Medal der Liverpool School of Tropical Medicine, Verleihung der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft anlässlich seines 75. Geburtstages am 04.11.1932 vom Reichspräsidenten, 1932 Mitglied der Kaiserlich-Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher in Halle an der Saale und Mitglied der Akademie der Medizin in Rio de Janeiro, 1935 Ehrendoktor der Medizinischen Fakultät der Tung Chi-Universität Shanghai, 1937 Ehrenmünze der Universität Hamburg in Anerkennung seiner Verdienste bei der Gründung der Universität. Anlässlich seines 85. Geburtstages ehrte ihn die Stadt Hamburg mit der Umbenennung des Tropeninstitutes in "Bernhard-Nocht-Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten" (heute Bernhard- Nocht-Insitut für Tropenmedizin).

Verheiratet war Professor Dr. Bernhard Nocht seit 1897 mit Wilhelmine Maria Luise, geb. Dencker (1871 - 1945). Aus dieser Ehe sind zwei Söhne und eine Tochter hervorgegangen. Kurz nach der Kapitulation nahmen sich die Eheleute Nocht am 05. Juni 1945 das Leben. In einem Abschieds-brief an ihre Kinder schrieben sie, dass sie sich dem Wiederaufbau nicht mehr gewachsen fühlen.

Seit 1925 wird die Bernhard-Nocht-Medaille verliehen. Ausgezeichnet werden von der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit Wissenschaftler oder eine Gruppe von Wissenschaftlern für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Tropenmedizin. Die Auszeichnung besteht aus Tombak (Messing), zeigt auf der Vorderseite das Bild des Namensgebers Bernhard Nocht, hat einen Durchmesser von sechs Zentimetern und ist nicht mit einem Preisgeld verbunden. Der jeweilige Preisträger wird zu einer Feierstunde und einem öffentlichen Fachvortrag nach Hamburg eingeladen. Auch Albert Schweitzer zählte bereits zu den Preisträgern.

Quellen:

  • Brauser Dr., Reinhold: Mein Onkel Bernhard
  • Festschrift zum 200jährigen Jubiläum des Realgymnasiums zu Landeshut
  • Gerabek, Werner E.: Ostdeutsche Biographie - Persönlichkeiten des historischen Ostens
  • Richter, Gustav: Berühmte Zeitgenossen aus Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia
  • Wulf, Stefan: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Neue Deutsche Biographie - Band 19, Bernhard Nocht


Das folgende Bild zeigt das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Oberländer, Heinrich

Schauspieler und Schauspiellehrer
* 22.04.1834 in Landeshut                                      + 30.01.1911 in Berlin

Created with Sketch.

Der Sohn eines Apothekenbesitzers war von seinem Vater ursprünglich für den landwirtschaftlichen Beruf bestimmt. Doch Heinrich verfolgte andere Interessen, und nach dem Tod des Vaters hielt ihn nichts mehr davon ab, zum Theater zu gehen. Ohne jede Vorbildung stand er dann am 21. Februar 1856 am Stadttheater von Bremen als junger Förster Gustav in dem Stück "Der Weiberfeind" erstmals auf der Bühne. In der Folgezeit spielte er in kurzen Abständen an Bühnen in Oldenburg, Görlitz und Liegnitz sowie in Breslau (1857 - 59) und kam über Königsberg (1859 - 60) ans Landestheater nach Prag. Hier spielte er sich nach und nach meist mit humorvollen Charakteren in die Gunst des Prager Publikums. 1863 nahm er ein Engagement am Weimarer Hoftheater an, aber nach knapp einem Jahr kehrte er nach Prag zurück, nachdem er sich mit Mühe seiner Verbindlichkeiten gegenüber der Weimarer Hofbühne entledigt hatte.

1871 schied Oberländer endgültig aus Prag und folgte einem äußerst schmeichelhaften Ruf an das Königliche Hoftheater in Berlin. Er erschien in Berlin erstmals am 12. November 1870 auf der Bühne des Schauspiel-hauses, und zwar in derselben Rolle, in der er sich von den Pragern verabschiedet hatte. Dieser renommierten Bühne des deutschen Kaiserreiches blieb er in den kommenden 40 Jahren - seit 1876 auf Lebenszeit verpflichtet - bis zu seinem Tode treu.

In jungen Jahren machte sich Oberländer einen Namen als Komödiant und spielte später mit großem Erfolg humoristische Charakter-, aber auch ernsthafte Väterrollen. einige seiner bekanntesten Bühnenparts waren der Just in "Minna von Barnhelm", der Polonius in "Hamlet", der "Falstaff", der Malvolio in "Was ihr wollt". Gastspiele führten ihn u. a. nach München (1880) und erneut nach Prag (1900).

Heinrich Oberländer war ein geschätzter Schauspiellehrer. Er verfasste mehrere Schriften für den Unterricht und zum Selbststudium und bildete seit seinem Wechsel nach Berlin 1871 viele renommierte Schauspiele-rinnen und Schauspieler aus dem ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus. Zu den bekanntesten Oberländer-Schülern zählen u. a. Albert Bassermann, Adalbert Matkowsky, Friedrich Basil und Reginald Pasch.

Oberländer war von 1869 - 1884 mit der Opernsängerin Laura Laufer verheiratet, die wie er an den königlichen Schauspielen auftrat.

(Verfasser: Wolfgang Kraus)

Quellen:

  • Eisenberg, Ludwig: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 734 f.
  • Wikipedia

Peschek, Louis

Oderstrombaudirektor
* 09.01.1840 in Landeshut                                     + 01.1899 in Breslau

Created with Sketch.

Louis Peschek, verantwortlich für zahlreiche schlesische Schleusenanlagen und Staustufen, stammte ebenfalls aus Landeshut. Hier wurde er am 09.01.1840 geboren. Nach seiner Schulaus-bildung und dem Studium des Bauingenieurwesens an der Technischen Hochschule ging er als Regierungsbaumeister und Attaché an die deutsche Botschaft in Paris.

In der französischen Hauptstadt wurden die Weichen für seine spätere berufliche Karriere gelegt. Er lernte den bekannten französischen Diplomaten und Unternehmer Ferdinand Marie Vicomte de Lesseps kennen. Dieser gilt als der Erbauer des Suezkanals. Lesseps ermöglichte Louis Peschek die Teilnahme an den dreitägigen Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals im November 1869. Alle Teilnehmer erhielten eine silberne Erinnerungsmedaille mit eingravierten eigenen Namen. Peschek nahm später an den jährlich stattfindenden Tagungen der Suezkanal-Gesellschaft teil und lieferte auch die Berechnungen für die Erweiterung des Kanals.

Beim Bau des Panamakanals im Jahr 1881 gehörte Peschek als Vertreter Deutschlands der Internationalen Kommission der von Lesseps gegründeten Panamakanal-AG an. 1891 wurde er als Regierungsbaurat nach Frankfurt/Oder versetzt und kurze Zeit später als Oderstrombaudirektor nach Breslau berufen. Seine berufliche Karriere war aber noch nicht beendet. Das Berliner Ministerium für öffentliche Arbeiten war auf ihn aufmerksam geworden. Als Vortragender Rat wurde ihm die gesamte bauliche Verwaltung der Oder und Weser übertragen. Während dieser Zeit war er verantwortlich für den Bau zahlreicher Schleusenanlagen und Staustufen in Schlesien. Er war auch maßgeblich an dem 1897 gebauten Umgehungskanal der Oder um Breslau beteiligt.

Anfang Januar 1899 nahm Louis Peschek an einem Kongress in Breslau teil. Dort zog er sich eine schwere Lungenentzündung zu, an deren Folgen er nach wenigen Tagen verstarb. In der Nähe der Gröschelbrücke, am Stadtausgang des von ihm maßgeblich mit erbauten Umgehungskanals, wurde später ein großer Granatfindling mit seinem Bildnisrelief aufgestellt.

Im Laufe seines Berufslebens war Louis Peschek mehrfach ausgezeichnet worden. Er besaß den Orden der Büste Bolivars von Venezuela, den Roten Adlerorden I. und II. Klasse, das Militär-Ehrenzeichen II. Klasse und alle Klassen des Eisernen Kreuzes.

Quelle:

  • Schlesischer Heimatkalender

Prerauer, Curt

Pianist, Dirigent, Musikkritiker
* 01.04.1901 in Landeshut                                       + 29.11.1967 in Sydney

Created with Sketch.

Der älteste Sohn des Landeshuter Schuhfabrikanten Felix Prerauer und dessen Ehefrau Gertrud, geb. Hammerschlag, Tochter des angesehenen Prager Rechtsanwaltes Dr. Moritz Hammerschlag, sollte ursprünglich Jurist werden. Aber seine musische Begabung zeichnete sich bereits in frühester Jugend ab. Dieses Talent hatte er von seiner Mutter geerbt. Frau Gertrud Prerauer war eine begeisterte Kunstfreundin und versierte Pianistin, die in Breslau bei Bronislaw von Pozniak studiert hatte. Bereits als Kind erhielt Curt Prerauer Geigen- und Klavierunterricht, später kam noch Orgelunterricht dazu.

Nach dem Besuch des Landeshuter Realgymnasiums absolvierte er ein Studium an der Musikhochschule in Breslau bei dem bekannten Professor Max Schneider. Auf Drängen seiner Eltern begab er sich jedoch 1921 nach München und studierte dort zunächst Rechtswissenschaften und später erneut Musik. Danach ging er nach Berlin und wurde Schüler des berühmten Professors Hugo Leichtentritt, der am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium lehrte. An diesem interna-tional sehr renommierten Musikinstitut hatte in den Jahren von 1898 - 1903 bereits der Liebauer Komponist, Pianist und Musikpädagoge Professor Conrad Ansorge gelehrt.

Bei diesen hervorragenden Lehrern und seinem großen Talent stand Curt Prerauer eine glänzende berufliche Zukunft bevor. Nach Abschluss seiner Ausbildung war er zunächst als Korrepetitor bei den Opernhäusern in Oldenburg, Essen und bei der Staatsoper in Berlin tätig. Ab 1926 war er persönlicher Assistent des Chefdirigenten Leo Blech. Er arbeitete mit den Dirigenten Wilhelm Furtwängler, Bruno Walter und Erich Kleiber zusammen. Prerauer war auch an Sinfoniekonzerten der Staatsoper beteiligt. Im Jahr 1932 wirkte er als Solist in einer Uraufführung für Orgel und Orchester mit.

Es begann das Jahr 1933 und für Curt Prerauer wurde die Ausübung seines geliebten Berufes aufgrund seiner jüdischen Abstammung immer schwerer. Ein Engagement am Festspielhaus Bayreuth wurde 1933 auf Drängen von Winifred Wagner abgebrochen und auch die Staatsoper Berlin ließ ihm am 01.06.1933 das Entlassungsschreiben zukommen. Seine Kollegen ließen ihn aber nicht im Stich, sie erteilten ihm hervorragende Referenzen.

Curt Prerauer, seine Eltern und auch sein jüngerer Bruder verließen schweren Herzens Deutschland und emigrierten über Großbritannien nach Australien. Sie ließen sich in Sydney nieder. Vater Felix Prerauer fiel 1948 einem Verkehrsunfall zum Opfer und Mutter Gertrud starb 1956.

Um seinen Lebensunterhalt sicherzustellen, nahm Curt Prerauer das Angebot des Theater-Unternehmers Sir Benjamin John Fuller gerne an und arbeitete für die Australian Broadcasting Commission. Als einer von drei Leitern war er für die Organisation von Opernaufführungen verantwortlich. Später wechselte er als Lehrer an die Alfred Hill Academy of Music und wurde im Mai 1938 zum Leiter der Royal Philharmonic Society of Sydney ernannt. Curt Prerauer hatte nunmehr auch beruflich in Australien Fuß gefasst.

Am 07.12.1942 heiratete er die australische Sopranistin Maria Victusya Wolkowsky. Anfang 1950 flog das Ehepaar Prerauer nach Europa und Maria Prerauer feierte glänzende Erfolge als Sopranistin in Spanien, Deutschland und auch im Londoner Covent Garden. Curt Prerauer wurde Manager seiner Ehefrau.

Nach zehnjährigem Aufenthalt kehrten die Prerauers 1960 nach Sydney zurück. Curt Prerauer arbeitete nun als Musikkritiker für australische aber auch für zahlreiche ausländische Zeitschriften. Am 29. November 1967 starb er in einem Krankenhaus in Sydney. Seine Ehefrau überlebte ihn fast 40 Jahre. Sie starb im Alter von 84 Jahren im Mai 2006.

Rachfahl, Felix, Prof. Dr.

Historiker
* 09.04.1867 in Schömberg                                      + 15.03.1925 in Freiburg im Breisgau

Created with Sketch.

Die Vorfahren des bedeutenden Historikers Professor Dr. Felx Rachfahl waren überwiegend Bauern, Lehrer und Priester. Geboren wurde er am 09.04.1867 in der schlesischen Weberstadt Schömberg als Sohn des Volksschullehrers Joseph Rachfahl und dessen Ehefrau Agnes, geb. Deutschmann.

Nach dem Besuch der Gymnasien in Glatz und Breslau studierte er seit 1886 Geschichte, Nationalökonomie und Rechtswissenschaften an den Universitäten Breslau und Berlin. In Breslau wurde er Mitglied der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks. Bekannte Mitglieder dieser Burschenschaft waren u. a. der Journalist Max Friedländer, der Schrift-steller Karl von Holtei oder auch der Balladendichter Moritz Graf von Strachwitz. Im Jahr 1890 promovierte Rachfahl an der Universität Breslau zum Dr. phil. mit der Dissertation "Der Stettiner Erbfolgestreit 1464 - 1472". 1893 habilitierte er sich mit der Schrift "Der Ursprung des Brandenburgisch-Pommerschen Lebensverhältnisses" an der Universität Kiel, wo er zunächst als Privatdozent für Mittlere und Neuere Geschichte tätig war.

Im Jahr 1898 wurde ihm ein besoldetes Extraordinariat für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Halle an der Saale angeboten. 1903 ging er als ordentlicher Professor an die Universität Königsberg, 1907 nach Gießen und 1914 nach Freiburg im Breisgau. Diese Universität wählte ihn 1922/23 auch zum Rektor.

Der bekannte deutsche Verfassungs- und Wirtschaftshistoriker Geh. Hofrat Prof. Dr. Georg von Below bescheinigte Rachfahl umfassende Kenntnisse von bewundernswerter Zuverlässigkeit, Scharfsinn und die Gabe, in kurzer Zeit einen großen Stoff gründlich zu bewältigen. Rachfahl war in seiner Vielseitigkeit mit allen Geschichtsgebieten vertraut. 1894 veröffentlichte er sein verfassungsgeschichtliches Werk "Die Gesamt-staatsverwaltung Schlesiens vor dem dreißigjährigen Krieg", weitere kürzere Arbeiten über die schlesische Landesgeschichte folgten. Sein während der Kieler Zeit gefasstes Vorhaben, die Geschichte der niederländischen Unabhängigkeitskriege niederzuschreiben, konnte er nicht verwirklichen. Nach dem bis 1596 reichenden Fragment "Wilhelm von Oranien und der niederländische Aufstand" (3 Bände) erschienen 1921 noch kritische Untersuchungen über "Don Carlos". Nach 1918 wandte er sich der Geschichte der jüngsten Vergangenheit zu.

Verheiratet war Professor Dr. Rachfahl seit 1898 mit Julie Petrine Conrad (1879 - 1910), Tochter des Flensburger Kaufmannes Heinrich Peter Nicolaus Conrad und dessen Ehefrau Juliane Dorothea Amalie, geb. Deneken. Die Ehe blieb kinderlos. Infolge einer Zuckerkrankheit, die die Amputation eines Beines erforderlich machte, verstarb Professor Dr. Rachfahl am 15. März 1925 in Freiburg im Breisgau.

Seine Heimatstadt Schömberg gedachte des berühmten Sohnes, indem am alten Schulhaus am Markt, seinem Geburtshaus, eine Gedenktafel angebracht wurde.

Quellen:

  • Jordan, Stefan: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Neue Deutsche Biographie - Band 21, Felix Rachfahl
  • Jordan, Stefan: Neue Deutsche Biographie 21 (2003)
  • Richter, Gustav: Berühmte Zeitgenossen aus Landeshut (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1954)
  • Schlesischer Gebirgsbote
  • Schlesischer Heimatkalender
  • Seeliger, Prof. Dr. Hermann: Bedeutende Männer aus dem Landeshuter Kreise (Heimatbuch des Krs. Landeshut - 1929)
  • Wikipedia