Vereine und Innungen:

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quelle:
-
Schlesischer Gebirgsbote

A)     Vereine:

Die Bürgerliche Schützengilde Liebau

Created with Sketch.

Die Gilde wurde in den unruhigen Zeiten des 30jährigen Krieges als Selbstschutz der Kaufleute und Handwerker gegen umherstreifende Plünderer gegründet. Mit zunehmender Beruhigung der politischen Lage und der Festigung der staatlichen Ordnung verlor dieser Zweck seine Bedeutung. Der Schießsport und die ausgeprägte Pflege der Geselligkeit übten jedoch auch weiterhin ihre Anziehungskraft auf die Männerwelt aus. Die Stärke der Gilde wird im Laufe der Zeiten sehr unterschiedlich gewesen sein, zuletzt betrug die Zahl der aktiven Mitglieder 50 Personen, dazu kam noch etwa die gleiche Anzahl fördernder Mitglieder. Vor dem Zweiten Weltkrieg war noch eine Jungschützen- und eine Damenabteilung angegliedert.

Schieß- und Ausbildungstage waren alle Montage. Der Schießstand befand sich hinter der Bahnlinie in Richtung zum Lindenberg. Die Zusammenkünfte wurden außer in den Schießhäusern (das alte stand vor, das neue hinter der Eisenbahn), in den Gaststätten wie Schmidt`s Hotel oder "Schwarzer Adler" abgehalten.

Langjähriger und allseits bekannter Schützenhauptmann war der Kaufmann Alois Heinzel aus dem Untergraben. Ihm unterstand dank seiner Karriere in der kaiserlichen Armee auch der Militärverein in Liebau.

Das Schützenfest Anfang Juni war das Hauptfest in Liebau. Am ersten Sonntag wurde der alte König verabschiedet. Eine Woche lang schoss man dann um die Königswürde für das kommende Jahr. In der Zwischenzeit herrschte auf dem Schützenplatz mit den Karussels, Schaukeln, Schau- und Naschwerkbuden vergnüglicher Trubel. Der folgende Sonntag brachte den Höhepunkt mit der Einführung des neuen Königs. In aller Frühe schon trieb der musikalische Weckruf die Leute an die Fenster. Der Fackelzug am Abend bei illuminierten Fenstern und bengalischer Beleuchtung war umsäumt von der begeisterten Bevölkerung. Die Liebauer Stadtkapelle unter der Leitung von Kapellmeister Herrmann und später Felix Schmidt spielte unermüdlich flotte Weisen.
Ein besonderes Fest wurde in den 30er Jahren anlässlich der Weihe der neuen Fahne gefeiert.

Das folgende Bild zeigt die Liebauer Majestäten: Schützenkönig ist der Hotelier Josef Hübner aus "Schmidt`s Hotel" vom Marktplatz. Seine Marschälle sind Kohlenhändler Gustav Reimann und Baumeister Paul Werner.

In der Kutsche sitzend rechts der Schützenkönig, Herr Kleinwächter (Gasthof Forelle), neben ihm der 1. Marschall, Schneidermeister Kober und ihnen gegenüber der 2. Marschall, Leinenkaufmann Drescher. Stehend davor als Adjutanten Malermeister Werner links und Lebensmittelhändler Ruschwey. Auf dem Kutschbock sitzt Herr Reimann, Kohlenhandlung. Dieses Bild aus dem Jahre 1935 wurde vor dem Haus Trautenauer Str. Nr. 44 aufgenommen.

Schützenkönig Gustav Reimann mit seinen Marschällen Kaufmann Heinzel und Gartenmeister Paul Metzner (Aufnahme: 1936).

Festumzug der Schützengilde

Festumzug der Schützengilde

Liebauer Trachtengruppe:

Um 1935 wurde die Liebauer Trachtengruppe durch den Bürgermeister Sendler und den damaligen Leiter des städtischen Verkehrsamtes Josef Illner gegründet. Erstmals traten sie am Heiratsmarkt in Liebau am Himmelfahrtstag auf dem Marktplatz öffentlich auf. Zu der Gründungsfeier waren auch mehrere auswärtige Trachtengruppen erschienen, besonders auch die berühmte Trachten-gruppe aus Schreiberhau. Mit dieser Trachtengruppe zusammen beteiligten sich die Liebauer später an zahlreichen auswärtigen Veranstaltungen.

Die Liebauer und Schreiberhauer Trachtengruppe am Heiratsmarkt in Liebau vor dem neuen Schießhaus.

Der Karnevalsverein:

Nicht nur am Rhein, auch in Liebau wurde bereits früher jedes Jahr Karneval gefeiert. 

Karnevalsumzug durch die Stadt

Prinz Karneval mit seinem Gefolge auf einer Werbefahrt vor der Klosterbrauerei in Grüssau.

Der Militärverein:

Der Militärverein wurde im Jahr 1850 gegründet. Vorsitzender war der Kaufmann Alois Heinzel.

Festzug des Militärvereins anlässlich der 75-Jahrfeier im Jahr 1925

Militärvereinsfest mit Militärkapelle

Der Katholische Gesellenverein (KGV) Liebau:

Der Katholische Gesellenverein (KGV) wurde im Jahre 1848 vom Gesellenvater Adolph Kolping gegründet. In Liebau wurde vor 1900 der örtliche KGV Liebau gegründet.

Festteilnehmer des Katholischen Gesellenvereins (KGV) vor dem ersten Weltkrieg.

Der Eisenbahnverein:

Auf dem Marktplatz fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung die Fahnenweihe des Eisenbahnvereines statt.

                       Fahnenweihe des Eisenbahnvereins auf dem Marktplatz.

Der Männergesangverein:

Auch in Liebau gab es früher einen Männergesangverein. 
Das folgende Bild zeigt die Mitglieder während eines gemeinsamen Ausfluges.

Musikkapellen:

Die Liebauer "Konzert-Kapelle" mit dem Direktor Emil Haffke (Aufnahme: 1922)

Die Jazzbandkapelle "Haffke" (Aufnahme: ca. 1923)

Segelflieger-Club:

Created with Sketch.

Ca. Anfang 1930 wurde in Liebau der Segelflieger-Club gegründet. Ins Leben gerufen wurde der Club durch den Postmeister Giller. Dieser hatte bereits früher die Initiative für den Bau der damals schon großen Liebauer 70 m Sprungschanze ergriffen, die nach ihm benannt worden war. Zu den Gründern gehörten u. a. Alois Heinzel, Karl Werner, Erich Breitkopf und Oswald Erben.

Auf der Suche nach einer passenden Werkstatt wurde man in der Papierfabrik Feldmühle, Buchwalder Straße, fündig. Mit einfachsten Mitteln wurde der sogenannte Schulgleiter gebaut. Er bestand aus einer riesigen Kufe, Sitz, Steuerknüppel und Tragflächen. Alles aus leichtem Holz. Die Tragflächen waren mit Leinen bespannt und mit Schellack bestrichen. Da das Geld äußerst knapp war, musste so manches Mangeltuch daran glauben. Nun musste nur noch ein Transportwagen angefertigt werden, man musste ja das Flugzeug zum Hang bringen. In diesem Fall war es der Angenelliberg an der Straße nach Landeshut. Auch der "Lange Berg" bei Landeshut eignete sich als Fliegerberg. Das Flugzeug wurde per Hand mittels Gummiseil in die Luft befördert. Motor-winden gab es noch nicht. Leider landeten die Flieger nicht immer an dem vorgegebenen Ziel, da spielten Wind und Wolken eine Rolle. Dadurch waren sie auch der Schrecken so mancher Bauern, wenn sie in deren Viehweiden oder Feldern landeten. Manchmal ging der stolze Vogel auch zu Bruch, dann ging es zurück in die Werkstatt und es musste tagelang repariert werden. Der zuständige Fluglehrer war Herr Keller. Dieser betrieb an der Trautenauer Straße ein Geschäft für Fahrräder, Kinderwagen usw. Ab und zu kam auch ein Fluglehrer aus Landeshut, sein Name war Herr Flaschel.

Um das Flugzeug auch richtig beherrschen zu können, mussten Prüfungen abgelegt werden. Die A-Prüfung konnte in Liebau abgelegt werden, während man zur B-Prüfung in die Segelflugschule nach Grunau bei Hirschberg musste.

Eines Tages mussten die Vereinsmitglieder ihre Werkstatt an der Buchwalder Straße verlassen und sie zogen in die sogenannte "Perlenbude". Es handelte sich um eine Firma, die Holzperlen herstellte. Weil ein Bauer in dieser Halle feuchten Klee eingelagert hatte, brannte diese eines Tages ab. Die Möbelfirma Laske stellte später Räume zur Verfügung.

Quelle:
 Schlesischer Gebirgsbote 4/2004

Liebauer Segelflieger mit dem "Grunau-Baby" in der 
Segelflugschule Grunau bei Hirschberg

Die Liebauer Segelflieger um 1935

B)  Die Freiwillige Feuerwehr:

Quellen:
Heimatbuch des Kreises Landeshut, Hrg. Ernst Kunick, Landeshut 1929
-  Schlesischer Gebirgsbote

Im Jahre 1867 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Mitbegründer waren damals u. a. Kaufmann Wilhelm Drescher, Prokurist Zeidler und Seilermeister Schramm. Im Jahre 1907 wurde eine Rauchmaske mit Frischluftzuführung angeschafft. Zu dieser Zeit war der Kaufmann Wilhelm Drescher Vorsitzender und 1. Brandmeister, der Glasschleifermeister Müller Stellvertreter und Werkmeister Meier Steigerführer. Am 30. Juli 1927 konnte das 60jährige Gründungsfest feierlich begangen werden.

Die Stadtverwaltung Liebau war in den Folgejahren sehr bemüht, die Feuerwehr weiter auszubauen und mit modernen Geräten zu versorgen. Das vorhandene Gerätehaus wurde vergrößert, zu den zwei vorhandenen Handdruckspritzen und einer Magirusleiter folgte die Beschaffung eines Zugwagens mit Motorspritze. Die ständige Fortbildung der Kameraden fand an der Feuerwehrschule in Waldenburg statt.

Vorführung der Rauchmaske mit Frischluftzuführung im Jahre 1907.

60jähriges Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr am 30.07.1927

Stiftungsfest der Feuerwehr

Freiwillige Fabrikfeuerwehr der Möbelfabrik Hesse, später Laske:

Familienausflug der Freiwilligen Feuerwehr der Möbelfabrik Hesse 
im Jahr 1909.

Freiwillige Fabrikfeuerwehr der Möbelfabrik Hesse anlässlich des 
25. Jubelfestes im Jahre 1913.

C)   Innungen:

Quellen:
-
 Heimatbuch des Kreises Landeshut, Hrg. Ernst Kunick, Landeshut 1929
-  Schlesischer Gebirgsbote Nr. 32 - 34/1959

Wann in Liebau die ersten Innungen entstanden sind, lässt sich nicht genau feststellen. Nur anhand von alten Urkunden lassen sich Rückschlüsse auf ungefähre Gründungsjahre schließen. Danach ist wohl die Fleischerinnung (1581) die älteste Liebauer Innung, gefolgt von der Schneiderinnung (1611) und der Bäckerinnung (1618). Es folgen dann die Tischlerinnung (1656), die Maurer- und Zimmerinnung (1710) und die Schlosser- und Schmiedeinnung (1850).

Folgende Innungen gab es Mitte 1920 in Liebau:

  1. Bäckerinnung
  2. Fleischerinnung
  3. Schlosser- und Schmiedeinnung
  4. Schneider- und Kürschnerinnung
  5. Schuhmacherinnung
  6. Tischler- und Drechslerinnung

Die Bäckerinnung:

Created with Sketch.

Die älteste Urkunde der Bäckerinnung, die sich in der Innungslade befand, datiert aus dem Jahre 1618. Es handelt sich um eine Bestätigung der Innungssatzung. Als Muster nahmen die Liebauer Bäcker eine Abschrift der Breslauer Bäcker-Satzung. Die nächste Urkunde stammt aus dem Jahr 1655, wobei es sich wieder um eine Satzungsbestätigung handelt. U. a. wird den Bäckern auferlegt, die Müller "befördern zu helfen", die Armen zu bedenken, früh genug aufzustehen, aus Mutwillen kein Bier zu vergießen und für eine gute Rüstung zu sorgen.

Weitere urkunden, Geburtsbriefe, Protokoll- und Kaufbücher aus verschiedenen Jahrhunderten waren noch in der Lade enthalten. Einige dieser Bücher enthalten zum Teil sehr interessante Details, so z. B. ein Eintrag aus dem Jahr 1770: "Sollte ein Meister oder sein Weib, Kinder oder Gesinde sich etwa unterstehn, in der einen oder anderen Backwoche kein Mehr zu verkaufen oder Personen mit rauhen Worten anzufahren, den strafe". Überhaupt sparte die Bäckerzunft nicht mit Strafen, wenn es sich um die Erhaltung des Chorgeistes handelte. Sehr oft gab es Geldstrafen "wegen Fehlens im Meister-Schube".

Das sachliche Inventar der Lade soll wohl nicht sehr bedeutend gewesen sein. Der Willkomm-Pokal stammte aus dem Jahr 1849 und nannte an der Vorderseite die Namen Paul Scholz, Geisner, Pohl und Jungnitz.

Die Fleischerinnung:

Created with Sketch.

Auch bei der Liebauer Fleischerinnung ist das Gründungsjahr nicht bekannt. Die älteste Urkunde datiert hier aus dem Jahr 1581. Es handelt sich um einen Lehrbrief, mit dem einem Caspar Heinzel die Befähigung zum Fleischerhandwerk ausgesprochen wird. Die vier von Grüssauer Klosteräbten erstatteten großen Pergament-Privilegien stammen aus den Jahren 1677, 1698, 1728 und 1738. Folgende interessante Details ergeben sich daraus:

  • Neue Meister wurden nur am Schwarzen Sonntag aufgenommen, das war der Sonntag Palmarum.
  • Im Jahr 1738 bestanden 7 Fleischbänke, unter denen ein Vieheinkauf streng geregelt war.
  • Der Rat der Stadt war berechtigt, aus seiner Mitte zu Zunftsitzungen einen Beisitzer zu entsenden, "zur Verhütung allerley Meutereyen und Unrath und soll keiner in der Morgensprach und Versammlung eine mördliche Wehr tragen, bei ihrem gekauften Bier nicht hadern, zanken, noch das Bier ohne Erlaubnis heimlich wegschicken und wegtragen usw.".
  • Fremden Fleischern war es unter gewissen Bedingungen erlaubt, an Wochenmärkten feil zu bieten, doch mussten sie bis 2 Uhr alles Fleisch verkauft haben, sonst wurde es ihnen von den Meistern mit Hilfe des Rates genommen und armen Leuten spendiert.
  • Das Hausschlachten war begrenzt erlaubt, an Kirmestagen, Verlobungen, Hochzeiten und Kindtaufen oder zu Ehren Notdürftigen.


Im Jahre 1729 wurde beschlossen, jährlich am Montag nach Judica eine heilige Messe oder Requiem zu halten. Jedes Mitglied sollte sich früh beim Ältesten mit dem Mantel einfinden, um gesammelt zur Kirche zu gehen und dabei einen Opferzwang zu halten.

Dass die Fleischerzunft auf gute Moral hielt, beweist ein Fall aus dem jahre 1725. Ein Meister wurde bestraft, weil er gegen das sechste Gebot Gottes gesündigt hatte. Die Strafe belief sich auf 12 Taler und außerdem musste er drei Jahre lang bei den Zusammenkünften die letzte Stelle am Tisch einnehmen. 1696 wurde ein Meister mit Gefängnis bestraft, weil er "zum Branntwein gelaufen und die Kauff Leute (Anm.: Käufer) hat stehen lassen".

Im Gegensatz zur Bäckerinnung war das sachliche Inventar in der Lade bei der Fleischerinnung wesentlich bedeutender. Auf dem Deckel des "Willkomm" erhob sich ein Ritter aus der Zeit Friedrich Barbarossas. Dazu gehörten 11 silberne Schildchen, die den Pokal zierten. Sie stammten aus den Jahren 1716 bis 1731 und trugen außer dem Fleischerzeichen sehr viele Verzierungen, Namen und Sprüche. Ferner befanden sich in der Lade 5 große Bierkufen und 12 Becher, sowie ein schwerer Bierkrug aus Zinn.

Die Maurer- und Zimmererinnung:

Created with Sketch.

Nach einem Protokoll wurde diese Innung am 24. Mai 1710 gegründet. Gründungsmitglieder waren damals folgende zwei Maurermeister: Tobias Biergel (Bürgel) und George Wünkler sowie der Steinmetzmeister Anton Hämmerling. Aus diesem Protokoll geht ferner hervor: Pfarrer von Liebau war damals P. Antonius Zange, Kaplan P. Engelbert Kretschmer. Als Konsul oder Bürgermeister amtierte Joh. Jos. Maywaldt, als Stadtvogt Friedrich Heintzel, Ratsverwandte waren Sobeck, Hertel, Friedrich, Hoffmann, Knappe und Rumler. Die erste Quartalssitzung fand am 20. Juli 1710 statt und gestaltete sich dadurch feierlich, dass die neue Lade unter Trompetenschall vom Rathaus abgeholt und in das Haus des Zunftältesten Tobias Bürgel gebracht wurde.

Aus dem Sitzungsbericht vom 3. April 1809 geht hervor, dass die Zimmermeister auch zur Zunft gehörten und dass von diesem Tage an die neuen Meister beider Gewerbe je 6 Taler zur Lade zu zahlen hatten. Unterzeichnet ist dieser Bericht von 14 Meistern. In den Jahren 1812 bis 1826 wurde wohl nichts protokolliert. Der letzte Verhandlungsbericht datiert vom 10. November 1861. Unterzeichnet wurde er von dem Zimmermeister Ernst Hanel und von den Maurermeistern W. Aust und Jos. Herkner. Das Buch endet mit einer Abrechnung über die Anschaffung einer neuen Fahne aus rotem Damast mit Bild vom Maler Franz Thiel.

Im Jahre 1832 besaß die Innung drei Laden mit Schriften, Zinn und Leichengerätschaften. Sie wurden dem Schankpächter Reuß im Gasthof "Zur Sonne" als dem neuen Herbergsvater zur Verwahrung übergeben. Um 1822 zeichnete als Magistrats-Kommissar der Ratsmann Jos. Krenke. Bekannte Namen aus jener Zeit sind noch: Falge, Hilscher, Flegel, Kinner und Klenner.

Zum sachlichen Eigentum gehörten folgenden Gegenstände: der Prunkpokal oder "Willkommen" mit Deckel und mit 9 silbernen Schildchen und seidenen Schleifen reich verziert. Die Unterschrift am Pokal lautete: "Diesen Willkommen haben gestiftet: Tobias Biergel (Anm.: Bürgel) Meuher, Antonius Hemerling Steinmätzer, George Winckler Meuher 1710". Die 9 (früher 10) Zierschildchen trugen sämtlich die üblichen Handwerkszeichen oder betreffenden Gewerbe und einige von ihnen auch Namen, wie Christian Unger, Tobias Hoffmann 1753, Anton Klenner 1777, Franz Weist 1791, Tobias Kleinwächter 1794. Es folgten dann noch zwei tönerne aber schadhafte Bierkrüge, 41 Zinnbecher, ein altertümliches Zollmaß und Leichengeräte, darunter die ortsüblichen kupfernen Schilde mit gemalten Engelsköpfen usw.

Die Schlosser-, Schmiede- und Klempnerinnung:

Created with Sketch.

Die Gründung dieser Innung führt wohl in das Jahr 1694 zurück. Das beweist ein Humpen, der zum sachlichen Inventar der Innung gehörte und mit dieser Jahreszahl versehen war.

Die Innung der Schlosser, Schmiede und Klempner hatte gastweise auch die Töpfer mit aufgenommen, wie aus den Handwerkszeichen an der Lade ersichtlich war. Bei einer Öffnung dieser Lade fanden sich nur ein Protokoll von 1850 und ein Rechnungsbuch von 1858. Aus dem Protokoll ergab sich eine Übergabe des Inventars der Tischlergesellen an die Schlosserinnung. Folgende Meisternamen wurden genannt: Wenzel und Anton Berger, Joh. Flegel, Aug. Lenich, Anton Fischer u. a. Als Kommissar zeichnete Meißner, später Drescher. Am Hauptquartal im Jahre 1856 zählte man 23 Meister, davon 9 aus Liebau, die anderen aus den übrigen Dörfern der Umgebung. Im Jahre 1868 betrug die Zahl der Meister 40.

Das Rechnungsbuch begann mit dem Jahr 1857. Aus einigen Posten geht hervor, dass zu den Prüfungen auch Meister aus Landeshut und Schömberg zugezogen wurden. Dass die alten Meister sehr genügsam waren, beweist folgender Eintrag aus dem Jahr 1859: "Abhaltung des Quartals auf einen Trunk Bier, Butterschnitte, Tabak 3 Tlr. 29 sgr". In demselben Jahr wurde von der Zunft eine Ehrenpforte für den Einzug des Fürstbischofs Heinrich errichtet. Im Jahre 1861 stiftete die Zunft zum Festgeschenk für König Wilhelm I. 10 Sgr. Das Geschenk sollte in einem Kanonenboot bestehen.

Das sachliche Inventar war nicht unbedeutend. Der Ehrenpokal, der Willkomm aus Zinn, zeigte eine edle Form. Auf dem Deckel erhob sich ein Ritter mit Schild (1719) und die Ausbuchtung enthielt die Namen der "Wohl Taedter": Joh. Beorge Buhl und Kasper Hoffmann. Drei gläserne Schildchen und zwei Münzen schmückten den Rand, eine der letzteren war ein Gulden mit dem Bilde des Königs Ludwig I. von Bayern. Daneben gab es noch zwei Humpen, der eine zeigte schöne Ziselierungen und den Namen Hans George Buhl (1710) und der andere von 1694 trug die Zunftzeichen. Acht große und sieben kleine Becher, größtenteils mit Namen, vervollständigten die Trinkausrüstung .

Die Schneiderinnung:

Created with Sketch.

Das genaue Gründungsjahr dieser Innung ist nicht bekannt. Die älteste Urkunde datiert aus dem Jahr 1611 und ist von Abt Gregorius erlassen worden. Die nächste Urkunde, die von Abt Andreas ausgestellt wurde, trägt die Jahreszahl 1656. Als Zeuge wird hier der Liebauer Pfarrer P. Ernestus genannt. Es folgt eine Urkunde aus dem Jahr 1677, die von Abt Bernhard Rosa unterzeichnet wurde und als Pfarrer von Liebau P. Michael nennt. Die nächste Urkunde wurde im Jahre 1698 von Abt Dominikus ausgestellt und führt als Pfarrer P. Paulus an. Darauf folgt eine Urkunde aus dem Jahre 1728 von Abt Innozentius. Als Zeugen wurden hier folgende Personen genannt: P. Adalbert Ansorge aus Liebau, P. Rose aus Schömberg, P. Hanisch aus Reichenau, P. Eckert aus Hermsdorf und Neuen, P. Blümel aus Trautliebersdorf, P. Binck aus Wittgendorf, P. Dreyschuck aus Albendorf, P. Kniehandl aus Oppau und P. Kautz aus Berthelsdorf. Die letzte Urkunde stammt aus dem Jahr 1738.

In einem weiteren Dokument vom 3. Juli 1872 wurden der Schneiderzunft 21 Plätze im Seitengang der Pfarrkirche gegen ein Entgelt von 15 Silbergroschen jährlich zugewiesen. Ein Protokoll aus dem Jahre 1686 ist insofern interessant, als darin mehrere Namen aufgeführt sind. Der Beginn liest sich wie folgt: "Am Tage Walpurgis ist dieses Meister Buch gezeuget worden von einem Loblichen Handwerk der Schneider und es kostet 10 sgl., solches ist geschehen vor Meister Karl Rumler, Zecheltester, Meister Friedrich Illner neben Eltester, Zachus Bruchmann, Caspar Biedermann, Friedrich Heintzel, George Ferbrig, Martin Niepel, Karl Sobek, Jonas Bruchmann, Siegemundt Mohaupt, Ernst Illner, Hans Knappe, Siegemund Rösner, Casper Siegemundt Berger".

Nach den Sitzungsberichten wurden die Quartale der Innung regelmäßig abgehalten und die Becher dabei nicht vergessen. Es wurden aber auch Almosen gespendet. Aus einem zweiten Sitzungsbericht aus dem Jahr 1760 geht hervor, dass auch Strafen verhängt wurden, so z. B. "hat der Meister Gottfried Marofke (Marofsky) seine Strafe erleget zwei Pfund wasch (Anm.: Wachs) weillen er bey offener Lade einen Meister hat Diebstück gehisen und nicht beweisen können", oder "eben diesen dato (1762) hat Meister Anton Maiwaldt straf erlegt ein Führlich bihr, weil er sich ein Jahr nicht verehlichgt", oder "......hat M. Fr. Schubert seine stroffe erlegt, wegen einem stuck Verderbte arbeit ein Pfund Wachs".

Es wurden aber auch gute Feste gefeiert. Das Fest des 50jährigen Meisterjubiläums des Innungsobermeisters Josef Fichtner am 21. Juli 1845 dauerte zwei Tage und kostete 18 Taler.

Wie bei den anderen Innungen war auch bei der Schneiderinnung das sachliche Inventar nicht unbedeutend. Der Deckel des Ehrenpokals war mit einer weiblichen Figur mit einem Füllhorn versehen. Die Inschrift lautete: "Heget Fried und Einigkeit, so gibt ein Gott was Herz erfreut (1765)".
Ferner gab es ein Trinkgefäß - 30 cm hoch - aus Birkenholz , das auf dem Deckel ein Holzmännchen, den sog. "Birkenhansel", zeigt. Daneben noch eine Anzahl größerer und kleinerer Zinnbecher, zwei Leuchter und hölzerne Säbel. Schließlich besaß auch diese Innung ein ausreichendes Inventar an Beerdigungssachen, um ihren scheidenden Mitgliedern ein angemessenes Geleit zu geben. 

Der Schneiderinnung traten im Laufe der Zeit auch die Handschuhmacher und Kürschner bei. Die Kürschner wechselten aber später zur Innung nach Bolkenhain.

Die Tischlerinnung:

Created with Sketch.

Die Tischlerinnung war früher mit den Schlossern, Büttnern, Schmieden, Radmachern und Töpfern vereinigt. Das genauer Gründungsjahr ist auch hier nicht bekannt. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1656 und wurde von Abt Andreas und dem Grüssauer Konvent unterzeichnet. Sie enthält eine Bestätigung der Innungssatzung und eine Aufzählung der Zunftordnung. Als Zeugen tauchen folgende Personen auf: die Pfarrer P. Adamus zu Albendorf, P. Christophorus zu Schömberg, 
P. Jodokus zu Grottau, P. Martin zu Reichenau, P. Nikolaus zu Würben, P. Joachim zu Landeshut,
P. Ernestus zu Liebau, P. Christian zu Bernsdorf, P. Ludovikus zu St. Lorenz, P. Zinek zu Warm-brunn, P. Martin zu Wittgendorf und P. Bernard zu Grüssau. Die nächste Urkunde datiert aus dem Jahre 1698 von Abt Dominikus. Hier werden folgende Pfarrer als Zeugen aufgeführt: Pfarrer Paulus zu Liebau, Thadäus zu Reichenau, Robertus zu Wittgendorf, Hieronymus zu Schömberg, Gregorius zu Albendorf, Chrysostamus zu Trautliebersdorf und Antonius zu Oppau. Es folgt die Urkunde aus dem Jahre 1738, die von Abt Benediktus unterzeichnet wurde. Aus dem Pfarrklerus werden folgende Zeugen aufgeführt: Kosse von Liebau, Blümel von Schömberg, Trautmann von Wittgendorf, Langer von Neuen, Kautz von Berthelsdorf, Holtzhausen von Oppau, Abundus von Reichenau und Jentsch.

Zum sachlichen Inventar der Tischlerinnung gehörten folgende Stücke: der Ehrenpokal, der "Willkommen". Eingraviert war hier das Datum: 2. Oktober 1853. Der Deckel war mit der Figur eines römischen Soldaten versehen, auf dessen Schild die Abzeichen der vereinigten Handwerker eingegraben waren. Neben zwei Bierhumpen aus Zinn gab es noch drei große Biertöpfe aus Ton, ein Vexier-Bierkrug und eine Anzahl Zinnbecher. Bei dieser Anzahl an Trinkgefäßen muss berücksichtigt werden, dass zu den Tischlern auch die Schlosser, Büttner, Schmiede, Radmacher und Töpfer gehörten, die wohl bei der Biervertilgung damals manchen Wettstreit ausgefochten haben.