Das "Tal der Liebe" und wie es zu 

seinem Namen kam


(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:
-
Heimatbuch des Kreises Landeshut (1929)
- Patschovsky, Wilhelm: Führer durch das Riesen- und Isergebirge
- Reiseführer: Liebau im Riesengebirge, herausgegeben von der Stadt Liebau vor 1945


Liebe Leserin, lieber Leser,
kennen Sie das "Tal der Liebe"? Nein? Dann will ich es Ihnen heute vorstellen. Allein die Bezeichnung dieses Tales lässt sehr viel Romantik vermuten, und tatsächlich ist es auch so.

"Das Tal der Liebe" liegt im Liebauer Ortsteil Ullersdorf. Diese schöne Grenzstadt Liebau am Schwarzbach und Bober befindet sich in einer malerischen Umgebung. Wie eine Perle liegt sie eingebettet im Überschar- und Rabengebirge. Von den Höhen und Bergkämmen dieses Gebirges genießt der Wanderer herrliche Rund- und Fernsichten. Er schaut zum Riesengebirge, dem Hochwald und Glatzer Gebirge und blickt ins Liebauer- und Ziedertal. Auf vielen Wanderwegen kann er die Umgebung Liebaus kennenlernen, so auch das "Tal der Liebe".

Ein alter Reiseführer, herausgegeben von der Stadt Liebau, beschreibt den Wanderweg wie folgt: "Bei der Fabrik Drahtbundkistenwerke den Feldweg ins Rabental. Bei der Bank "Zum grünen Tal" rechts den Fußsteig bis auf den aus dem Walde ragenden schroffen Felsen. Herrliches Waldidyll. Gegenüber dem Rabenstein den Weg ins Tal der Liebe. Bequemer Spaziergang, angenehmer Ruheplatz im Walde, Hinweg: 3/4 Stunde".

Wie kam nun dieses Tal zu seinem Namen? Darüber berichtet folgende Sage, sie stammt aus dem Sagenbüchlein des Hauptlehrers Wilhelm Patschovsky aus Dittersbach bei Liebau: Der Sohn eines Liebauer Bürgermeisters liebte die schöne, aber arme Tochter eines braven Handwerksmeisters. Die Eltern der beiden Liebenden wollten dieses Liebesverhältnis durchaus nicht gestatten, und alles Bitten des jungen Paares war vergeblich. Da beschloss der Jüngling, die Felsen des Rabensteins zu ersteigen und sich von da in den jähen Abgrund zu stürzen. Als der Jüngling sein Vorhaben ausführte, flogen alle auf den Ruinen nistenden Raben herbei und trugen den Hinabstürzenden in den gegenüberliegenden Wald. Als der Jüngling erwachte, befand er sich in einer schönen Talschlucht auf einem grünen Moospolster neben einer klaren Quelle, und neben ihm saß seine schöne Braut. Glücklich über ihre Wiedervereinigung gelobten die beiden, sich nicht zu verlassen und sich an diesem heimlichen Platze zu bestimmten Zeiten zu treffen. Nach Jahren gelang es dem ehrwürdigen, auf dem Einsiedelberge wohnenden Eremiten, den Widerstand der Eltern zu brechen und das glückliche Paar für ihr Leben zu vereinen. Den Platz, wo die Liebenden sich trafen, nennt man noch heute "das Liebesplätzchen" und die Quelle daneben den "Liebesbrunn". Der aus der Quelle entstehende Bach heißt die "Liebe", und das Tal, das er druchfließt, ist das "Tal der Liebe".

Heute gehört das "Tal der Liebe", dieser romantische Bachgrund, zum Naturschutzgebiet Kruczy Kamien, das im Jahre 1954 ins Leben gerufen wurde. Es liegt 1,5 km von Liebau entfernt am Hang des 681 m hohen Rabensteins und umfasst eine Fläche von 10,21 ha. Sehenswert sind hier vulkanische Felswände mit Höhen von bis zu 30 Metern, Felsformationen und seltene unter Naturschutz stehende Pflanzenarten.


Das "Tal der Liebe"

Das "Tal der Liebe"