Landeshuter Straßennamen:

Quelle:
- Schlesischer Gebirgsbote Nr. 4/1956

Der bekannte Landeshuter Lehrer und Heimatkundler Ernst Kunick hat in dem o. g. Schlesischen Gebirgsboten folgenden sehr interessanten Aufsatz veröffentlicht, der hier wiedergegeben werden soll:
"Besonders in älterer Zeit richteten sich die Straßennamen nach örtlichen Gegebenheiten. so auch in Landeshut. Die Straße, die am Wallgraben entlang ging, hieß eben die Wallstraße, der Weg am Mühlgraben der Stadtmühle, unter Bäumen hin - es waren zuletzt riesige Pappeln - die Mühlgrabenpromenade. Die Gräben wurden zugeschüttet, die Namen blieben. Die am Fuße des Burgberges langsam ansteigende schmale Straße war die Oberstraße oder Obergasse. Am Zieder hin führte die Ziederstraße, zur Ziegelei der Ziegeleiweg. Ich nenne noch weiter in der inneren Stadt: Ev. Kirchplatz, Kirchstraße, Kirchgasse, Pfortengasse, Brauhausstraße und Brauplatz, im Stadtteil Leppersdorf: An der Boberbrücke, Schulweg, Schloßweg, Kreppelhofstraße und Feldweg.

Die Straßen, die aus der Stadt hinaus nach anderen Orten führten, wurden nach dem Orte benannt, in den sie führten: Vom Obertor kam man durch die Schmiedeberger Straße und Bahnhofstraße in die Hirschberger Straße. Von dieser zweigten ab die Schreibendorfer-, Reußendorfer- und Johnsdorfer Straße. Durch die Liebauer Straße gelangte man in die Trautenauer Straße. Die Schömberger Straße und die Ziederstraße wiesen den Weg nach Süden zu den Orten des Ziedertals. Vom Niedertor aus kam man in die Waldenburger Straße und von dieser in die Bolkenhainer Straße und die Alte Vogelsdorfer Straße.

In einer Anzahl Straßennamen ehrte Landeshut berühmte Deutsche oder bedeutende Landeshuter. An die drei großen Paladine Wilhelm I., die 1870/71 das Reich schufen, erinnern Bismarck-, Moltke- und Roonstraße. Friedrichstraße und Wilhelmstraße tragen die Namen preußischer Könige. Ein Teil der Wallstraße und die Verlängerte Wallstraße wurden in General-Fouqué-Straße umbenannt. Eine Straße in der Ziederneustadt hieß Goethestraße und die Siedlung am Sportplatz Friedrich-Ludwig-Jahn-Siedlung. Warum man, als unsere Kolonien schon verloren waren, in der seefernen Stadt Landeshut die Schießhausstraße nach dem Kolonialpionier Lüderitz in Lüderitzstraße umbezeichnete, ist mir nicht bekannt. 

Nun noch Straßen, in deren Namen bedeutender Landeshuter gedacht wird: Der Landeshuter Leinenherr Elias von Beuchel war ein eifriger Förderer des Baues unserer Gnadenkirche. Seinen Namen finden wir im Ortsteil Niederzieder wieder in Beuchelstraße und Beuchelplatz. Dem "königlichen" Kaufmann Peter Hasenclever, der sich zur Zeit des großen Königs wesentliche Verdienste um die schlesische Weberei erwarb, wurde im Hasencleverwege eine wenig ansehnliche Straße zugewiesen. Sein Geschäftsnachfolger und Neffe kam mit Flügelstraße besser weg. Zur 200. Wiederkehr des Geburtstages von Carl Gotthard Langhans, des in Landeshut geborenen großen Baumeisters, taufte man die Böhmische Straße in Langhansstraße um, wie man auch der Oberschule den Namen "Langhansschule" gab. Die Schulwiese erinnert in ihrem amtlichen Namen "Methnerplatz" an den Fabrikbesitzer und langjährigen Stadtverordnetenvorsteher Kommerzienrat Paul Methner. Nach dem Mitbesitzer der Fabrik bezeichnete man eine neue Straße in Niederzieder als Frahnestraße.

Bedeutenden Landeshuter Bürgermeistern wurden ähnliche Ehrungen zuteil: daher Perschkestraße, Pfuhlstraße und Burkhardtplatz. Letzterer ist ein Platz in den Kirchberganlagen, die während seiner Amtszeit angelegt wurden. Der Steg, der in der Nähe der Speditionsfirma Exner über den Bober führte, hieß der Exnersteg. Er wurde 1897 vom Hochwasser weggerissen und konnte erst nach 1918 als feste Betonbrücke wieder erneuert werden. Zu dieser Zeit hatte gerade die sozialdemokratische Partei mit einer Stimme die Mehrheit im Stadtparlament. Sie gab der Brücke nach dem Arbeitersekretär und 2. Bürgermeister Proll den Namen "Prollbrücke". Den Namen Prollbrücke konnte das Hitlerregime natürlich nicht vertragen. Er wurde herausgemeißelt und durch den Namen Horst-Wessel-Brücke ersetzt. Zugleich bezeichnete man, da das Schützenhaus nach der Waldenburger Straße verlegt worden war, den bisherigen Schießhausplatz als Herbert-Norkus-Platz. 

Die neuen Straßen im Ortsteil Niederzieder wurden fast sämtlich auf Grund und Boden des von der Stadt erworbenen Lademanngutes angelegt. Der Name der Vorbesitzer erhielt sich in Lademannstraße, Lademannbusch und Lademannbrücke. Ein Leppersdorfer Baumeister errichtete um die Jahrhundertwende an einer Privatstraße mehrere Wohnhäuser, die der Volksmund Richardsglück nannte. Auch als die Straße in Gemeindeeigentum überging, blieb der Name Richardsglück erhalten.

Wie kam es zu der Straßenbezeichnung "Kornstraße"?

Quelle:
-
Schlesischer Gebirgsbote Nr. 8/1956

Zur Zeit als Bolko in den Fürstentümern Schweidnitz und Jauer regierte, drangen die Kriegsleute des Königs Johann von Böhmen bis Landeshut vor und nahmen die Stadt in Besitz. Diese war mit hohen Mauern und einem Wallgraben umgeben. Die zwei Haupteingänge, das Ober- und das Niedertor, waren durch darüber erbaute Türme geschützt, und zwischen beiden befanden sich zwei kleine Ausfallpforten. Bolko II. wollte im Jahre 1345 die Stadt den Feinden wieder entreißen, aber mit Gewalt schien das Unternehmen unmöglich. Deshalb wandte man folgende List an. Bolko ließ auf Leiterwagen große Kästen setzen und diese so mit Heu überdecken, dass sie beladenen Heuwagen täuschend ähnlich sahen. In diesen Kästen verbargen sich bewaffnete Krieger. Als die Wagen in die Nähe der Stadttore gekommen waren, entflohen die Begleiter und die böhmische Torwache glaubte, einige Fuder Heu leicht erbeutet zu haben. Sie öffneten die Stadttore und holten die Wagen in die Stadt herein. Bereits beim ersten Tor sprangen die bewaffneten Krieger Bolkos aus ihrem Versteck heraus, töteten die Wachmannschaften und eroberten so die Stadt zurück.
Nach einer anderen Fassung dieser Sage soll es sich um mit Getreide beladene Wagen gehandelt haben. Zur Erinnerung an die Begebenheit soll die Kornstraße ihren Namen erhalten haben.