Die Apotheken:

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quelle:
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Schlesischer Gebirgsbote

In Landeshut gab es vor dem Krieg drei Apotheken.

  • Die Stadtapotheke                Am Markt Nr. 30
  • Die Löwenapotheke             Obertor Nr. 2
  • Die Kronenapotheke            Bahnhofstr. Nr. 3


Die Stadtapotheke   (Am Markt Nr. 30)

Älteste der drei Apotheken ist die Stadtapotheke. Sie soll bereits während des dreißigjährigen Krieges bestanden haben und unter der Herzogin Agnes, der Witwe Bolkos II., angelegt worden sein. Ursprünglich befand sich die Stadtapotheke im Gebäude des ersten Rathauses direkt auf dem Markt. Nach dem Abriss des Rathauses wurde die Apotheke in dem Haus Nr. 30 eröffnet.

Urkundlich nachweisbar ist die Stadtapotheke seit 1660. Die Familie Drischel (letzte Eigentümerin vor der Vertreibung) besaß drei auf großes Pergamentpapier geschriebene Urkundentexte, die sie 1946 in die Obhut der Wallenbergschen Bibliothek gab. Eine dieser Urkunden mit österreichischem Siegel enthielt die Erlaubnis zur Inbetriebnahme durch den Apotheker Christian Fleischmann Anno 1660. Fleischmann musste eine hohe Summe an den Rat der Stadt zahlen, um die verschiedenen Artikel und Gewürze vertreiben zu dürfen. Nach der Eroberung Schlesiens durch Friedrich den Großen wurde das Privileg, welches auch das Verbot zur Eröffnung einer weiteren Apotheke in Landeshut einschloss, königlich-preußisch erneuert, wie eine der Urkunden auswies, wobei wieder eine bedeutende Summe zu zahlen war. Eigentumer der Apotheke im Jahre 1687 war Gottfried Neumann. 1758 gehörte sie dem Apotheker Fimler und von ca. 1801 bis mindestens 1814 stand sie im Besitz von Gottlieb Erler.

Im Jahre 1836 erwarb der Apotheker Oberländer das Privileg der seit 1756 bestehenden zweiten Apotheke hinzu und ließ diese jedoch eingehen. Seit 1841 gehörte er dem 6. schlesischen Landtag an. Sein Nachfolger wurde um 1863 R. H. Bitt, von ihm bzw. seinen Erben erwarb am 1. Oktober 1887 August Miersch, bisher Besitzer einer Apotheke in Löwenberg, die Stadtapotheke zum Preis von 255.000 Mark. 1890 übernahm C. Grothe die Apotheke, 1898 gab er sie an Dr. Danziger weiter. Im Jahre 1900 wurde Eugen Schäffer Besitzer. 1904 wanderte dieser über die Schweiz nach Chicago aus und gründete dort ein größeres pharmazeutisches Unternehmen.

Am 2. Dezember 1904 erwarb der 1939 verstorbene Apotheker Rudolf Drischel die Apotheke zum Preis von 350.000 Goldmark, in dessen Familienbesitz sie bis zur Vertreibung blieb. Er widmete sich auch der Verbesserung alter Rezepte aus der Volksmedizin. Einige sollen, von Kräuter-
sammlern aus dem Hirschberger Tal stammend, ihren Weg in die Landeshuter Stadtapotheke gefunden haben. So wurden u. a. der "Landeshuter Gebirgskräuterbalsam" und eine wirksame Pasta septica, der man sogar den Namen "Landeshuter Wundsalbe" zugestand, eine Nervensalbe und auch ein Magenmittel als besondere Spezialitäten herausgebracht. Zum Rezeptschatz der Apotheke gehörten nicht zuletzt die Herstellungsvorschriften für einen feinen "Benediktiner" und einen vorzüglichen Punsch, der - nicht frei erhältlich - um die Weihnachtszeit das Haus verließ, um guten Freunden eine Festtagsfreude zu bereiten.

Das Ehepaar Drischel hatte 3 Kinder, 1 Tochter und 2 Söhne. Der älteste Sohn Wolfgang trat in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters und wurde ebenfalls Apotheker. Er eröffnete nach der Vertreibung eine Apotheke in München.

Auch heute befindet sich in den Geschäftsräumen wieder eine Apotheke.

Markt Nr. 30 - Die Stadtapotheke vor dem Krieg

Markt Nr. 30 - Die frühere Stadtapotheke heute

Die Löwenapotheke   (Obertor Nr. 2)

Das Privileg für eine zweite Apotheke wurde 1756 George Jänichen aus Dresden erteilt, 1800 hieß der Besitzer Gottlieb Pfeiffer, um 1812 erwarb Herr Reich die Apotheke, bisher Eigentümer einer Apotheke in Reichenstein.

Als aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Industrie in der Stadt und ihrer Umgebung merklich zurückging, waren zwei Apotheken für Landeshut nicht mehr lebensfähig. Der Besitzer der Stadtapotheke am Markt, Oberländer, erwarb 1836 das Privileg für die zweite Apotheke, die jedoch geschlossen wurde. 1893 verkaufte dann der Stadtapotheker Grothe auf Empfehlung der Regierung das Privileg an Leopold Außner für 90.000 Mark, und dieser eröffnete den Betrieb im gleichen Jahr unter dem Namen Löwenapotheke. Vorher war er Besitzer der Stadtapotheke in Löwen. Wegen eines Augenleidens, das schließlich zur Erblindung führte, gab Außner zum 1. Juli 1906 die Apotheke an Dr. Max Claass aus Bromberg ab. Im Jahre 1909 veräußerte dieser das Geschäft an Fritz Czesch, bisher Besitzer der Apotheke in Raudten, und wirkte später als Dozent an der Technischen Hochschule in Danzig. Er erzielte einen Verkaufspreis in Höhe von 375.000.

1913 wurde eine neue Apotheke (Kronenapotheke) in Landeshut eröffnet, von der sich Czech in seiner Existenz bedroht fühlte, er erlitt einen Nervenzusammenbruch, dem er noch im gleichen Jahr erlag. Seine Witwe Else, geb. Dabisch, übertrug am 1. Oktober 1913 die Verwaltung der Apotheke Paul Michalik und zum 1. April 1915 Walter Dietrich, der sie noch im Jahre 1933 leitete. Sein Nachfolger wurde Hans-Joachim Schwarzer, der sie ab 1. April 1936 pachtete. Schwarzer war ein Sohn des Münsterberger Stadtapothekers. Im Jahre 1939 pachtete er die Schlossapotheke in Bad Warmbrunn. Die Pacht der Löwenapotheke trat am 1. März 1939 Otto Kubisch an.

Auch in diesen Geschäftsräumen befindet sich heute wieder eine Apotheke.

Obertor Nr. 2 - Links die Löwenapotheke mit Blick

 zur katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul

Obertor Nr. 2 - Links die Löwenapotheke mit Blick auf das Rathaus

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Die frühere Löwenapotheke heute

Die Kronenapotheke   (Bahnhofstraße Nr. 3)

Die am 4. Januar 1912 ausgeschriebene Konzession wurde Viktor Herrmann aus Jauer verliehen und die Apotheke von ihm am 8. März 1913 eröffnet. Die Besitzer der beiden anderen Apotheken hatten alles Erdenkliche versucht, um die Errichtung zu verhindern. Apothekerkammer, Handelskammer, Stadt- und Kreisbehörde hatten die Notwendigkeit des Bestehens einer dritten Apotheke verneint. Trotzdem wurden sogar zwei an den Kaiser gerichtete Gesuche der beiden Apothenbesitzer abschlägig beschieden und es blieb bei der Konzessionierung. Im Jahre 1939 übernahm Heinz Zademak die Pacht der Apotheke.

Ebenso wie bei der Stadt- und Löwenapotheke befindet sich auch hier heute wieder eine Apotheke.

Die frühere Kronenapotheke heute

Die frühere Kronenapotheke