Der Landeshuter Galgen

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quellen:

  • Dr. Wojtucki, Daniel: Dissertation - Der Scharfrichter und seine Arbeit in Schlesien, Oberlausitz und Grafschaft Glatz vom frühen 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts
  • Duma/Dr. Wojtucki: Die Abdeckerei und die Hinrichtungsstätte u. a. in Kamienna Góra (Landeshut)
  • Hayn, Carl Friedrich Wilhelm: Denkwürdigkeiten Landeshuts und einiger benachbarter Orte (1821)
  • Schwanitz, Jürgen: Galgenberg/Kamienna Góra entdeckt (Schlesischer Gebirgsbote 12/2012)


In den Jahren ab 2012 forschte Herr Dr. Daniel Wojtucki (Universität Breslau) mit Archäologen und Historikern von der Gesellschaft für den Schutz und die Erforschung von juristischen Denkmälern (SOIBZP) nach Überresten von Hinrichtungsstätten u. a. auch in Landeshut, und sie wurden fündig.

Anhand von Karten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und einer Abbildung - Stich von Friedrich Bernhard Werner, 1738 - war man auf die mutmaßliche Lage des Galgens auf dem Galgenberg gestoßen. Die exakte Bestimmung der Lage war jedoch nicht so einfach, weil sich bei Grabungen herausstellte, dass der frühere Galgen nicht auf dem Berggipfel stand, sondern an seinem nördlichen Rand auf einer kleinen unscheinbaren Anhöhe inmitten von Wiesen.

Der Galgen stammt vermutlich aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert. Der Landeshuter Chronist Carl Friedrich Wilhelm Hayn erwähnt in seinem Buch "Denkwürdigkeiten Landeshuts und einiger benachbarter Orte" eine Renovierung im Jahr 1731, nachdem das Bauwerk inzwischen wohl einige Schäden durch Witterungseinflüsse genommen hatte. Die Fertigstellung der Sanierung wurde damals mit einem eindrucksvollen Fest durch die Bevölkerung begangen. Laut Hayn gestaltete sich dieses Fest wie folgt: "In demselben Jahre den 28. Mai wurde das hohe Gericht aufs neue bestätiget und renovirt. Die Bürgerschaft zog in einem großen Aufzuge (mein Tagebuch sagt in einem pompösen) bis zum Galgen, in dessen Nähe 7 bis 8 Buden errichtet waren, wo man Erfrischungen aller Art zu kaufen bekam. Wie ganz anders wird jetzt gedacht. Verschwunden ist 1820 das Schaudern erregende, die Menschheit entehrende dreisäulige Gemäuer, dem man ehedem zu Ehren Aufzüge widmete."

Der Galgen war massiv aus Steinen in runder Form mit einem Durchmesser von 6 m und einem Zugang mit einer massiven Holztür ins Innere gemauert. Er hatte drei aus dem Ring aufstrebende Steinsäulen, die im Dreieck durch Holzbalken miteinander verbunden waren, an denen man auch mehrere Delinquenten gleichzeitig bzw. auch zu unterschiedlichen Zeiten (längerfristig) aufhängen konnte. Dieser Galgen diente im Jahr 1593 auch als Vorbild für den Bau des Schömberger Galgens (siehe bei Schömberg).

Im Jahr 1820 wurde aufgrund eines Stadtverordnetenbeschlusses entschieden, den Galgen abzureißen. Er wurde jedoch nicht vollständig abgebaut, sondern lediglich die Säulen entfernt und die Konstruktion des zylindrischen Brunnens zwei Fuß, also etwa 60 cm, abgesenkt. Darauf wurde eine hölzerne Plattform gesetzt, auf der die Urteile ausgeführt werden sollten. Nach diesem Umbau wurde ein gemauerter Rabenstein errichtet. Ab jetzt sollte man hier die Enthauptungen mit dem Beil ausführen. Rechtsgrundlage dafür war eine Verordnung aus dem Jahr 1811, nach der fortan alle Enthauptungen mit diesem Werkzeug erfolgen sollten.

Die übrigen restlichen Steine aus dem Mauerwerk und das steinerne Portal mit der Jahreszahl 1731 wurden auftragsgemäß für ein neues Gebäude für den Strafvollzug verwendet.

Laut Dr. Wojtucki sind aus Landeshut folgende Scharfrichter namentlich bekannt:

  1. Gottfriedt Altvatter                                               (1649)
  2. Georg Ansorge                                                      (ab 31. Oktober 1678, 1680)
  3. Johann George Hänisch                                       (1683,  + März 1692)
  4. Gottfriedt Altvatter                                               (1694)
  5. George Heinrich Lampert                                    (1702, 1719)
  6. Georg Lux                                                              (1726)
  7. George Heinrich Lampert                                    (wahrscheinlich ab 1726, 1741)
  8. Frantz Joseph Kretschmer                                   (1754,  + 13. Februar 1760)
  9. Johann Franz Dittrich                                            (1761, 1765)
  10. Johann Gnaden                                                      (1765, 1769)
  11. Johann Ernst Kühn                                                (1770)
  12. Johann Pitsch                                                         (1804)
  13. Franz Schwarz                                                        (1807)
  14. Carl Kaspar Schwarz                                              (1818, 1829)


Die Scharfrichter waren früher gefürchtet, aber sie wurden auch respektiert. Das jeweilige Stadtgericht war zuständig für die Einstellung, Besoldung oder Entlassung des Scharfrichters. Neben einer kostenlosen Dienstwohnung stand ihm jedes Vierteljahr, Halbjahr oder Jahr ein festgelegtes Honorar zur Verfügung. Der Scharfrichter und seine Familie waren von gewissen bürgerlichen Pflichten ausgenommen, wie z. B. die Zahlung von Zinsen und Steuern. Die Scharfrichter erhielten Brennholz und Heu entweder direkt von der Stadt geliefert oder es wurde ihnen befohlen, es selbst an bestimmten Orten zu holen. Manchmal bekamen sie auch Weizen oder Kleidung oder ein "Trinkgeld" anlässlich von Jahrmärkten oder anderen Festen. Zur Ausstattung des Scharfrichters gehörte regelmäßig auch ein von der Stadt angeschaffter Wagen (Schinderwagen).

In die Hände des Scharfrichters wurden - nach vorheriger Bestätigung durch das Appellationsgericht des jeweiligen Landesherrn - als Delinquenten vor allem Mörder, Räuber, Brandstifter, Diebe und eine nicht unerhebliche Anzahl von Frauen übergeben, die sich zuvor aus Furcht vor sozialer Schande ihrer unehelichen Kinder entledigt hatten.

In Landeshut wurden viele Todesurteile vollstreckt. Die ersten bestätigten Hinrichtungen erfolgten erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Im Jahr 1655 wurde ein unbekannter Mann durch Erhängen hingerichtet. Ein Jahr zuvor wurde hier ein Selbstmörder begraben. Die meisten Informationen über die ausgeführten Urteile an dieser Hinrichtungsstätte stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie ergeben sich sowohl aus den Chroniken über Landeshut als auch aus den Akten des Appellationsgerichts zu Prag. Laut Hayn wurden folgende Urteile vollstreckt: "In demselben Jahre (1708) wurde einem Weibe (Stricker Rosine genannt) welche ihrem Mann mit Gift vergeben, bei dem Galgen auf einem Klotz mit dem Beil die rechte Hand und dann der Kopf abgehauen und unweit dem Galgen vergraben. Im October desselben 1708. Jahres wurde ebenfalls eine Jungfer (ihr Name steht nicht dabei) von Hartmannsdorf, welche angezündet, durchs Schwerdt vom Leben zum Tode gebracht und ihr Körper hernach auf einem Holzstoß zu Pulver verbrannt. 1709 den 6. April wurde Anna Maria Franzin von Hartmannsdorf, welche ihr unehelich erzeugtes Kind bald nach der Geburt auf das Steinpflaster fallen gelassen und hinter die Ställe (welche es in der Stadt gewesen sind, ist nicht angegeben) in den Schnee verscharret hatte, welches jedoch bald entdeckt wurde, in Landeshut bei dem Galgen durchs Schwerdt gerichtet und nachher ohne Sarg neben der Richtstätte begraben. Diese Verbrecherin wurde laut der evangelisch lutherischen Freiheit und Altranstädtischen Convention von evangel. Geistlichen, dem Herrn M. Benjamin Schmolke und Herrn M. Scharf, beide von Schweidnitz, bis zur Richtstätte begleitet, um sie zu trösten. Auch die evangelische Schuljugend mußte, christliche Gesänge singend, vor ihr hergehen, welches bereits seit 103 Jahren nicht mehr geschehen war."

Der Galgenberg auf einem Stich von Friedrich Bernhard Werner, 1738

(Standort des Galgens siehe roter Kreis)

Skizze des Galgens

Die folgenden Bilder zeigen die Grabungsstelle in Landeshut und die Mauerreste des früheren Galgens.
Alle Bilder wurden mir von Herrn Dr. Daniel Wojtucki (Universität Breslau) zur Verfügung gestellt.