Bekannte Landeshuter Firmen:

(Verfasser: Hella Tegeler)

Quelle:

- Schlesischer Gebirgsbote

Textilmaschinenfabrik E. Bauch

Roonstraße 1, 2, 25

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Der Fabrikdirektor Ewald Bauch, geboren am 26.07.1844, absolvierte nach der Schulausbildung ein Studium an der königlichen Gewerbe-Akademie (spätere Technische Hochschule) in Berlin-Charlottenburg. Danach war er mehrere Jahre als Ingenieur in verschiedenen Maschinenfabriken tätig. Zu Beginn des Jahres 1881 gründete er in Landeshut die Maschinenbauanstalt, Eisen- und Metallgießerei Fa. E. Bauch. In Niederleppersdorf kaufte er eine stillgelegte Schuhfabrik und baute die oben genannte Firma. Es wurden zunächst Reparaturen durchgeführt und landwirtschaftliche Maschinen hergestellt. Die Mechanisierung der in Landeshut und Umgebung bestehenden Handwebereien veranlasste Ewald Bauch aber sehr bald, Textilmaschinen zu bauen. Diese wurden bisher fast ausschließlich aus England bezogen. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich das Unternehmen zu einem bedeutenden Betrieb. Der Absatz erstreckte sich nicht allein auf Deutschland, sondern es wurden in starkem Umfang auch Textilfabriken im Ausland mit Bauch`schen Maschinen beliefert. Ewald Bauch war es allerdings nicht vergönnt, diesen Erfolg seiner rastlosen Arbeit zu erleben. Im Alter von 50 Jahren verstarb er. Gemeinsam mit ihrem Schwiegersohn führte seine Witwe die Fabrik weiter. Aber auch dieser starb nach wenigen Jahren im Alter von 40 Jahren.

Nun musste der einzige Sohn, der Ingenieur Friedrich Bauch, mit 26 Jahren das Erbe des Vaters übernehmen. Im Gründungsjahr der Firma geboren, hatte er nach Schul- und Berufsausbildung und praktischer Tätigkeit, die königliche Maschinenbauschule in Breslau absolviert und war in einer Spinnerei und Maschinenfabrik in Sachsen tätig gewesen. Diese Erfahrungen kamen ihm nun zunutze und durch unermüdlichen Fleiß gelang es ihm, nicht nur das begonnene Werk seines Vaters weiterzuführen, sondern auch durch Hinzunahme der Fabrikation von Flachs- und Hanf-Ausarbeitungsmaschinen zu erweitern. Das Unternehmen wurde später in die Familiengesellschaft E. Bauch, K.-G., Textilmaschinenfabrik Landeshut in Schlesien, umgewandelt. Absatzländer waren: Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien, Rußland, Bulgarien, Türkei und Griechenland. Am Kriegsende waren 250 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Nach der Vertreibung lebte Friedrich Bauch in Unterhaching/Obb.

Ewald Bauch (26.07.1844 - 23.12.1894)

Friedrich Bauch (10.06.1881 - 10.05.1959)

Glaserei Blodau

Wilhelmstraße 11

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Die Glaserei Blodau wurde 1859 von Bernhard Blodau in Landeshut gegründet. Am 22. Februar 1857 begab sich der am 15. Dezember 1829 geborene Glasergeselle auf die übliche Wanderschaft. Seine Wege führten ihn über Danzig, Stolp, Cöslin, Stettin, Stralsund, Rostock, Bützow, Güstrow, Schwerin, Lübeck, Hamburg und Celle nach Hannover. Nach der Bescheinigung der Herzoglichen Polizeidirektion Braunschweig kam er am 11. Januar 1858 in Wolfenbüttel an. Hier hielt er sich bis zum 23. Januar 1858 auf und wanderte dann über Leipzig, Grimma, Dresden, Bautzen, Görlitz, Goldberg nach Breslau. Laut Wanderpass ließ er sich am 10. Juli 1858 eine Reise nach Warschau und Tschenstochau bescheinigen. Dabei wurde vermerkt, er sei "politisch unverdächtig". Am 12. März 1859 bescheinigte das Polizeipräsidium Breslau, dass Blodau in vier Tagen Landeshut erreichen solle, "um sich dort zu etablieren".

Diese Weisung hat er wohl auch befolgt. Er gründete in der Wilhelmstraße 11 eine Glaserei und erheilt auch bald schon etliche Aufträge. Mitte 1860 erteilte ihm die Leinen- und Gebildweberei F. V. Grünfeld einen großen Auftrag. Im Haus Kornstraße 2/3 (später Modehaus David - Inhaber Scholz und Finke) sollte er für damalige Verhältnisse riesengroße Schaufensterscheiben von 2,50 m Breite und 3,20 m Höhe einsetzen. Es handelte sich um unbelegtes Spiegelkristallglas, eine Neuheit. Da es noch keine Eisenbahnverbindung nach Landeshut gab, musste die wertvolle Fracht in Kisten verpackt von der Spiegelhütte Altwasser bei Waldenbug mit einem Pferdefuhrwerk transportiert werden.

Sohn Georg wurde ebenfalls Glasermeister und übernahm nach dem Tod des Vaters die Glaserei. Der Enkel Franz Blodau setzte die Familientradition fort und unterstütze seinen Vater im Betrieb. Die Familie Blodau lebte nach 1946 in Rehburg.

Bernhard Blodau

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Leinenversandgeschäft Brodkorb & Drescher

Bismarckstraße 4, 5, 6 und 7

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Der Leinenkaufmann Josef Brodkorb wurde am 17.11.1857 in Langenbrück im Kreise Neustadt/OS. geboren. In eine kinderreiche Familie wurde er hineingeboren. Nach Beendigung der Schulzeit besuchte er in Sorau die Webschule und absolvierte eine Textilfachausbildung in einer Weberei.

Im Jahre 1889 kam Josef Brodkorb nach Landeshut und arbeitete zunächst bei der Leinenfirma Buttermilch. Gemeinsam mit seinem dortigen Kollegen Drescher gründete er 1890 das Leinenversandgeschäft "Brodkorb & Drescher", das seine ersten Geschäftsräume in der Pfortengasse hatte. 1899 erwarb die Firma das Grundstück Bismarckstr. 4/5, um von dort aus das Geschäft in größerem Umfang zu betreiben. Nach dem Tod seines Teilhabers Drescher wurde Josef Brodkorb Alleininhaber der Schlesischen Gebirgsleinen- und Gebild-Handweberei, der Wäschefabrik und des Versandhauses. Die Firma entwickelte sich zu einem über Deutschland hinaus bekannten Unternehmen.

Dieser geschäftliche Erfolg ist ihm keinesfalls in den Schoß gefallen. Dazu gehörten ein starker Wille, Tatkraft und Zielstrebigkeit. Große Barmittel brachte er nicht mit. Von ihm selbst stammte die Äußerung: "Nach Landeshut kam ich mit noch genau 50 Pfennigen in der Tasche". Um 1900 erweiterte Josef Brodkorb seinen Grundbesitz durch Kauf des sehr geschichtsträchtigen Hauses Bismarckstr. 6 und 7. In diesem stattlichen Haus befand sich früher eine Niederlassung der "Preußischen Seehandlung", der Staatsbank Friedrichs des Großen, die auf Initiative Peter Hasenclevers in Landeshut errichtet wurde.

Sein Schwiegersohn Alfred Wagner wurde später Mitinhaber der Firma und unterstützte seinen Schwiegervater tatkräftig.

Neben seiner verantwortungsvollen beruflichen Tätigkeit wirkte Josef Brodkorb auch aktiv an der Gestaltung des öffentlichen Lebens mit. Er bekleidete viele politische Ehrenämter. Er war Stadtverordneter, Magistratsmitglied, Dezernent des städtischen Gas- und Wasserwerkes, Kreisvorsitzender der Zentrumspartei und Provinziallandtagsabgeordneter. An seinem 70. Geburtstag wurde er wegen seiner besonderen Verdienste zum "Stadtältesten" ernannt. Gleichzeitig erheilt er vom Vatikan den päpstlichen Orden "Pro Ecclesia et Pontifice".

Nach der Vertreibung im Mai 1946 kam er nach Seesen und wurde in einem Altenheim untergebracht. Der Verlust der Heimat und seines unter großen Mühen aufgebauten Unternehmens waren für den hochbetagten Mann zuviel. Bereits vier Wochen später verstarb er am 25. Juni 1946.

Josef Brodkorb (17.11.1857 - 25.06.1946)

Links Josef Brodkorb und rechts Schwiegersohn Alfred Wagner

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Geschäftshaus der Firma Brodkorb & Drescher (rechts)

Fotoatelier Alexander Czechatz (später Foto-Büttner)

Wallstraße 1

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Der Fotograf Alexander Czechatz wurde am 29. September 1872 in Landeshut geboren. Nach Schulzeit und Berufsausbildung eröffnete er ein Fotoatelier in Patschkau, Ring 156. Später zog er wieder in seine Heimatstadt Landeshut zurück und eröffnete in der Wallstraße 1 erneut ein Fotoatelier. Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt. Am 22. Oktober 1913 brannte in Grüssau die Kuppel des Nordturmes der Marienkirche nieder. Als er von dieser Katastrophe erfuhr, eilte er sofort nach Grüssau, um dort zu fotografieren. Dabei zog er sich eine sehr schwere Lungenentzündung zu, an deren Folgen er am 28.05.1915 verstarb. Seine Ehefrau Emma führte das Geschäft bis Mitte der 1920-er Jahre weiter. Danach verkaufte sie es an Hermann Büttner, der das Atelier später zum Obertor 1 verlegte.

Bilder und Daten wurden von Wolfgang Stoephasius (Enkel von Alexander Czechatz) zur Verfügung gestellt.

Von rechts: Emma Czechatz, unbekannt, Alexander Czechatz

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Auf dem folgenden Foto ist Frau Emma Czechatz abgebildet:

Möbelfabrik Walter Fuchs

Hirschberger Straße 35/37

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Der Möbelfabrikant Walter Fuchs wurde am 15. Mai 1878 in Magdeburg geboren. Sein jüngerer Bruder war der bekannte Kunstmaler und Radierer Erich Fuchs. Im Gegensatz zu seinem Bruder trat Walter Fuchs in die Fußstapfen seines Vaters. Er wird wohl bereits als Kind dem Vater in der Tischlerei über die Schulter geschaut haben. Nach der Schulausbildung absolvierte er eine Tischlerlehre und begann nun mit viel Begeisterung und Elan seine Berufstätigkeit. Als ihm in Liebau die Leitung der Hesseschen Möbelfabrik angeboten wurde, nahm er diese Herausforderung freudig an. Verheiratet war er seit dem 18.09.1906 mit Ehefrau Gertrud, geb. Adler. Diese Ehe blieb kinderlos. Die Eheleute Fuchs verbrachten viele Jahre in Liebau. Aber Walter Fuchs wollte ebenso wie sein Vater einen Betrieb nicht nur leiten, sondern auch eine eigen Fabrik führen.

Diesen Wunsch erfüllte er sich in Landeshut. Hier baute er eine Möbelfabrik auf, deren Erzeugnisse weit über den Bereich des Kreises Landeshut ihren Absatz fanden.

Obwohl ihm diese arbeitsreichen Jahre und der Aufbau einer selbständigen Existenz viel Kraft gekostet hatten, sollte ihm eine weitere sehr schwere Zeit bevorstehen. Nachdem der größte Teil der deutschen Bevölkerung 1946/47 aus der Stadt und dem Kreis Landeshut in mehreren Transporten die Heimat verlassen musste, und auch die beiden letzten Pastoren Heino Muther und Fritz Bürgel ausgewiesen worden waren, übernahm Walter Fuchs die Versorgung der zurückgebliebenen etwa 150 evangelischen Gemeindeglieder aus Landeshut und den zur Gnadenkirche gehörenden angrenzenden Landgemeinden. Bis zu seiner Ausreise 1957 übte er fast 10 Jahre unter größten Opfern den Dienst als alleiniger Lektor aus. Mit Genehmigung des Konsistoriums in Görlitz hatte er alle kirchlichen Amtshandlungen wie Gottesdienst, Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen, Heiliges Abendmahl und Seelsorge durchzuführen.

Im Jahre 1957 kam er gemeinsam mit seiner Ehefrau nach Winsen an der Luhe. Für seine besonderen Verdienste um die Betreuung der deutschen Restgemeinde der evangelischen Gnadenkirche in der Zeit von 1948 - 1957 wurde Walter Fuchs mehrfach ausgezeichnet. Der Heimatkreis Landeshut ehrte ihn mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft. Er erhielt das Bundesverdienstkreuz und das Präsidialamt der Evangelischen Landeskirche verlieh ihm die Uhlhorn-Plakette, eine hohe kirchliche Auszeichnung. Am 21. Dezember 1969 starb Walter Fuchs in Winsen an der Luhe. Seine Ehefrau Gertrud Fuchs verstarb am 07. Juni 1975.

Möbelfabrik Walter Fuchs - Stammbetrieb Hirschberger Str. 35/37 - Werk I

Möbelfabrik Walter Fuchs - Werk II Südseite, Hauptbetrieb

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Walter Fuchs als Lektor

Fleischerei Hermann Glaeser

Markt Nr. 12

Leinen- u. Gebild-Weberei F. V. Grünfeld

Liebauer Straße 32

Modehaus Gustav Haacke

Wilhelmstraße 13

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Der Kaufmann Gustav Haacke wurde am 20. April 1862 in Dittmannsdorf, Kreis Waldenburg geboren, als Sohn des dortigen Gasthausbesitzers Benjamin Haacke und dessen Ehefrau Johanne Helene, geb. Hund. Nach 1880 erwarb er von dem Kaufmann Bernhard Prerauer das Modewarengeschäft in Landeshut, Wilhelmstraße 13, welches bis zur Vertreibung im Besitz der Familie Haacke blieb. Verheiratet war er seit 1887 mit der Landeshuter Kaufmannstochter Agnes Brieger. Während der Ehe wurden 6 Kinder geboren, Helene (verh. Kloß), Erna, Frieda, Armin, Günther und Walter (gef. 1916).

Bei der Firma Haacke handelte es sich um eine offene Handels-gesellschaft, die mit Textilwaren handelte und Filterschläuche für die chemische und Mühlenindustrie herstellte. Die Geschwister Erna, Armin und Günther Haacke traten am 1. Januar 1922 als Teilhaber in das Geschäft ihres Vaters ein und übernahmen es nach dessen Tod im Jahre 1941.

Auf dem Geschäftsgrundstück Wilhelmstraße 13 befanden sich zwei Gebäude. Im Vorderhaus war das Ladengeschäft für Bekleidung, Stoffe, Gardinen etc. untergebracht. Im Hinterhaus befanden sich in der 1. Etage ein Verkaufsraum und in der 2. Etage die Schneiderei.

Das Modegeschäft Haacke war weit über die Stadtgrenze Landeshuts hinaus bekannt. Die Firma entwickelte sich so gut, dass die Brüder Armin und Günther Haacke im Jahre 1924 ihren Grundbesitz durch die an der Mühlgrabenpromenade 5 und Mühlstraße 2 gelegenen Häuser erweitern konnten. Außer dem Kontor der Firma waren im Erdgeschoss des Hauses Mühlgrabenpromenade 5 auch der Zuschneideraum und ein Teil des Lagers (Webwarenlager) untergebracht. In der 2. Etage dieses Hauses wohnte Armin Haacke mit seiner aus Hirschberg stammenden Ehefrau Lydia und den Söhnen Wolfgang, Ekkehart und Harald. Wolfgang Haacke (geb. 1925) war im Jahre 1927 von dem Ehepaar Armin und Lydia Haacke adoptiert worden. Er wurde unmittelbar nach seinem Notabitur eingezogen und ist am 3. März 1945 als junger Leutnant bei Hanau/Main gefallen. Die Todesnachricht erhielt die Familie Ende April 1945. Die Wohnung in der 1. Etage war vermietet. Ende der 1930-er Jahre bis zur Vertreibung lebte in dieser Wohnung der Rektor Bruno Rauhut mit seiner Familie. Dessen Ehefrau Martha wurde im Jahre 1951 als Initiatorin des Landrat-Dr.-Fiebrantz-Hilfswerkes bekannt.

Im Haus Mühlstraße 2 war neben 2 kleinen Wohnungen auch das Lager für technische Textilien untergebracht.

Vier Monate nach dem Tod des ältesten Sohnes Wolfgang erlitt die Familie Haacke erneut einen schweren Schicksalsschlag, als Armin Haacke im Juli 1945 von den Polen verschleppt wurde. Seitdem galt er als vermisst und wurde am 30.03.1951 mit Wirkung vom 15.07.1945 für tot erklärt.

Im September 1946 kam das Ende und auch die Familie Haacke musste Landeshut verlassen und das mit viel Fleiß, Mühen und energie aufgebaute Lebenswerk zurücklassen. Wie so viele andere Landeshuter kam auch die Familie Haacke nach Niedersachsen. Günther Haacke starb am 23.03.1964 in Eschershausen.

Bilder und Daten wurden von Ekkehart Haacke zur Verfügung gestellt. Dieser lebt mit seiner aus Ostpreußen stammenden Ehefrau Ursula seit einigen Jahrzehnten im Rheinland. Er blickt inzwischen auf sechs Generationen Haacke zurück.

Geschwister Haacke - hintere Reihe von links: Armin, 

Helene (verh. Kloß) und Walter, 

vordere Reihe von links: Frieda, Günther und Erna

Armin Haacke (25.02.1893 - 15.07.1945)

Geschäftshaus Wilhelmstraße 13

Wohnhaus der Familie Armin Haacke - Mühlgrabenpromenade 5

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Briefverschlussmarke der Firma Gustav Haacke

Das folgende Bild zeigt Mitglieder der Firma Haacke im Jahre 1940.

Firma Albert Hamburger AG

Bahnhofstraße 23

Natureiskellerei Fritz Hampel

Trautenauer Str. 16

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In Landeshut gab es früher einmal eine Natureiskellerei. Im Jahre 1932 übernahm Fritz Hampel pachtweise die Natureiskellerei von dem Bauern Schickor.

Da es damals noch keine elektrische Kühlung gab, belieferte Fritz Hampel im Sommer Fleischereien, Gaststätten und Brauereien mit Eis. In der Zeit , in der das Eis "gezogen" wurde, beschäftigte er bis zu 12 Mitarbeiter.

Natureiskellerei Hampel - Im Hintergrund das Wohnhaus

Natureiskellerei Hampel

Mitarbeiter bei der Arbeit

Mitarbeiter bei der Arbeit

Landeshuter Seidenweberei, Dir. Gustav Hansing

Schreibendorfer Straße 9

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Die Wiener Firma S. Eisenberger besaß in Neu-Rettendorf (Böhmen), etwa 15 km von Trautenau entfernt, eine Seidenweberei mit 650 mech. Webstühlen. Der Leiter dieses Betriebes war Direktor Friedrich Klaus. Als im Jahre 1898 eine erhebliche Zollerhöhung für Seidenware aus dem Ausland für Deutschland beschlossen wurde, fassten die Inhaber der Firma, Max und Alfred Eisenberger, den Entschluss, auf deutschem Boden, nahe der Landesgrenze, eine Zweigfabrik zu gründen. Als geeigneter Standort wurde Landeshut gewählt. Zum Leiter dieses neuen Werkes wurde der Schwiegersohn von Direktor Klaus, Herr Gustav Hansing ausersehen.

Gustav Hansing wurde am 17.05.1874 in Elberfeld als Sohn eines Reichsbahnbeamten geboren. Nach seiner Schulausbildung lernte er "Patronieren", d. h. das Übertragen von Zeichnungen in maschinen-lesbare Symbole, aus denen in der Kartenschlägerei die "Jacquardkarten" geschlagen wurden, die später die Kettfäden mit den Schußfäden zu dem vom Zeichner entworfenen Gewebemuster verbanden. Um 1895 wurde er nach Rettendorf berufen und anschließend damit beauftragt, das Zweigwerk in Landeshut zu errichten, wo genügend Textilarbeiter zur Verfügung standen.

Im Frühjahr 1899 wurde ein Grundstück im Ortsteil Oberleppersdorf erworben und mit dem Bau der Weberei begonnen. Der Plan umfasste den Arbeitsraum für 100 Webstühle nebst Vorbereitungsmaschinen, Kesselhaus, Dampfmaschinen und Büroräume. Am 15. Mai 1900 konnte der Betrieb aufgenommen werden. Für die Arbeiter und deren Familien wurde das erste Familienhaus errichtet, das am 1. Juli 1900 bezugsfertig war.

Am 9. Juni 1903 starb mit nur 39 Jahren Alfred Eisenberger (Mitbesitzer der Firma). Im Frühjahr 1904 wurde der zweite Dampfkessel eingebaut und bereits im Jahre 1906 konnte die Firma um das Doppelte vergrößert werden. Gleichzeitig wurde das zweite Familienhaus errichtet.

Im November 1908 erwarb Geheimrat Paul Methner von Max Eisenberger die Seidenweberei, die ab 1. Januar 1909 unter der Firmenbezeichnung "Landeshuter Seidenweberei Paul Methner" geführt wurde. Der Kauf erfolgte, um dem Sohn des Geheimrates, Fritz Methner, eine Existenz zu verschaffen. Direktor blieb aber Gustav Hansing, für den im Jahre 1910 ein Wohnhaus gebaut wurde. Ende 1918 trat Fritz Methner aus dem Betrieb aus und die Seidenweberei wurde am 1. Januar 1919 in die Firma "Schlesische Textilwerke Methner & Frahne A. G." integriert.

Nach 1924 begann die wirtschaftliche Notzeit. Gustav Hansing verlor seine Stellung im Betrieb, musste seine Wohnung verlassen und zog mit seiner Familie in den zweiten Stock des Geschäftshauses Mosler. Trotz dieses Rückschlages gab er aber nicht auf. Mit Hilfe eines Bankkredites kaufte er 30 Webstühle und richtete eine kleine Seidenweberei im Betrieb von "Albert Hamburger" ein. Viele seiner früheren Mitarbeiter folgten ihm und halfen in dem neuen Betrieb. 1933 konnte er diese 30 Webstühle wieder in das alte Werk, diesmal unter "Kramsta, Methner & Frahne AG" einbringen. Am 1. Juli 1933 wurde die Seidenweberei von den Textilwerken Methner & Frahne abgetrennt und als selbständige "Landeshuter Seidenweberei GmbH" weiter geführt. Später ging die Firma in den Besitz der Familie Hansing über.

Sohn Erich Hansing kehrte nach dem Abschluss seiner Studien in Krefeld und Köln sowie nach fünfjähriger tätigkeit bei den "Vereinigten Seidenwebereien AG" in Krefeld Ende 1935 nach Landeshut zurück und trat in den Betrieb ein.

Am 6. Januar 1947 kam das Ende und die Familie Hansing musste Landeshut verlassen und das Lebenswerk zurücklassen.

Das folgende Bild zeigt die Seidenweberei mit den Familienhäusern im Hintergrund.

Gustav Hansing (17.05.1874 - 17.09.1959)

Goldene Hochzeit im Hause Hansing im Jahre 1954,
Direktor Gustav Hansing mit Ehefrau und Urenkelin.

Schreibendorfer Str. 9 - Wohnhaus der Familie Hansing

Erich Hansing (27.06.1905 - 01.04.1984)

Firma Auto-Jäkel

Waldenburger Straße 19/20

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Im Jahre 1919 gründete Hermann Jäkel in Landeshut, Friedrichstr. 1/2 (Haus Hotel Wallisch), einen Fahrrad- und Nähmaschinenhandel. Bereits nach wenigen Jahren wurden sowohl der Laden als auch die Werkstatt viel zu klein. Er suchte dringend größere Räumlichkeiten und fand sie in der Waldenburger Straße. 1922 erwarb er hier ein Haus, an das er einen Laden und eine Werkstatt anbaute. Der Betrieb entwickelte sich so gut, dass dieser in den nächsten Jahren ständig vergrößert wurde. 1926 hatte Hermann Jäkel die Meisterprüfung für das Mechaniker- und Kraftfahrzeughandwerk erfolgreich abgelegt. Bereits 1929, zehn Jahre nach Gründung seines Betriebes beschäftigte er 25 Mitarbeiter. Durch die starke Motorisierung in den dreißiger Jahren vergrößerte sich sein Betrieb immer weiter und bad war die Firma Jäkel ein "Opel-Betrieb".

Aufgrund der guten Verkaufserfolge wurde Jäkel Opelgroßhändler für fünf Kreise. Im Jahre 1936 erwarb er das Nachbargrundstück Nr. 20 und konnte somit eine größere Werkstatt mit neuzeitlichen Räumen für die Betriebsangehörigen schaffen. 1937 wurde in Waldenburg ein modernes Reparaturwerk mit Ausstellungsräumen, unterirdischen Garagen, Lackierereien und einer Stellmacherei errichtet.

Im Jahre 1948 musste Hermann Jäkel mit seiner Familie Landeshut verlassen. Sein Lebenswerk, das er mit viel Fleiß, Mühen und Energie aufgebaut hatte, blieb zurück. Der Neuanfang war sehr schwer. In einer alten Scheune in Hannover wurde 1949 eine kleine Reparatur-Werkstatt errichtet. Aber schon bald konnte er sich wieder als Opel-Händler betätigen und nach guten Verkaufserfolgen erhielt er 1951 in Verden/Aller ein eigenes Verkaufsgebiet. Sein Sohn legte 1952 die Meisterprüfung für das Kraftfahrzeughandwerk ab. Die Firma Hermann Jäkel & Sohn wurde gegründet und mit neuem Mut und unermüdlichem Fleiß begann der Aufbau. Im März 1956 wurde ein moderner Neubau in Verden/Aller bezogen.

Auch die Firma Auto-Jäkel nahm an der 600-Jahrfeier der Stadt Landeshut teil - siehe folgendes Bild:

Auto-Jäkel in Landeshut

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Auto-Jäkel in Verden/Aller

Firma Felix Kirsten, Schlosserei

Schömberger Straße 2

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Der Schlossermeister Felix Kirsten wurde am 18. März 1891 in Zittau geboren und verlebte seine Jugend in Seidenberg in der Oberlausitz. Das Schlosserhandwerk erlernte er ebenfalls in Seidenberg. Nach Abschluss der Lehre zog er nach Dresden und ging im Auftrag seiner dortigen Firma auf Montage. So gelangte er eines Tages nach Landeshut. Hier lernte er seine spätere Ehefrau kennen, eine Tochter der Hebamme Helene Ruppelt. Im Hause seiner Schwiegermutter, Schömberger Str. 2, mietete er einige Räume, um die Maschinen- und Bauschlosserei Felix Kirsten am 19.04.1919 zu eröffnen.

Durch seine fachlichen Qualitäten konnte er den Betrieb recht bald ausbauen und nicht nur den damaligen Bedarf an Kunst- und Bauschlosserarbeiten decken, sondern wurde mit den neuen Techniken der damaligen Zeit gezwungen, das Installations- und Heizungsfach mit aufzunehmen. Noch vor Ausbruch des Krieges konnte er sich mit Erweiterungsplänen beschäftigen, so dass er die ehemalige Reithalle, Schömberger Str. 7, als Lagerhalle hinzukaufen konnte. Wenige Jahre später erwarb er das Grundstück Schömberger Str. 9, wo er mit seiner Familie bis zur Vertreibung wohnte. In Landeshut war er Obermeister der Schlosserinnung.

Nach der Vertreibung kam er mit seiner Familie 1946 nach Nienburg/Weser. Es folgte eine schwere Zeit des Neubeginns. Er schmiedete Pläne und wollte wieder einen eigenen Betrieb gründen. Noch vor der Währungsreform wurde der Traum Wirklichkeit. Mit 2 Gesellen und 1 Lehrjungen wurden in einer kleinen Werkstatt unter schwierigsten Bedingungen Reparaturen ausgeführt.

Im Jahre 1953 erfolgte der Umzug der Firma an den heutigen Standort, Ziegelkampstr. 18. Zwischenzeitlich war sein Schwiegersohn Bruno Bürgel (ein ehemaliger Lehrling aus Landeshuter Zeiten) in die Firma eingetreten. Zunächst wurde eine Familiengesellschaft gegründet, später eine OHG. Im Jahre 1972 erfolgte durch Bruno Bürgel die Umwandlung des Unternehmens in die Bürgel + Kirsten GmbH.

Als Vertreter der 3. Familiengeneration trat 1982 Eberhard Bürgel nach Abitur, Lehre und Studium der Versorgungstechnik in den Betrieb ein und übernahm 1987 als Geschäftsführer auch die Mehrheit der Gesellschaftsanteile. Nach einer Zusatzausbildung zum Schweißfachingenieur erweiterte er den Tätigkeitsbereich 1987 gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kälteanlagenbauermeister Wolfgang Bürgel, um den Betriebsteil Kältetechnik. Durch die Unterstützung eines Neffen des Gründers gelang es Eberhard Bürgel bereits 1990 mit einer Filiale in Görlitz neue Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen und den Grundstein für einen Zweigbetrieb zu legen.

Das Werk von Felix Kirsten wird somit durch seine Nachkommen erfolgreich weiter geführt.

Geschäftshaus Schömberger Str. 2

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Neuanfang in Nienburg/Weser - Familie Kirsten - Bürgel

Bruno Bürgel 

Firma Kramsta - Methner & Frahne AG

Schömberger Straße

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Neben anderen Firmen hat das Unternehmen Methner & Frahne großen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung Landeshuts. Die Brüder Carl (1821 - 1875) und Robert Methner (1829 - 1868) gründeten am 1. Oktober 1852 in Landeshut auf der Wallstraße die Firma Gebr. Methner. Im Wohnhaus des älteren Bruders Carl wurde das Geschäftshaus mit den Kontorräumen eingerichtet. Ihre Kenntnisse hatten beide bei der Firma Christian Gottlieb Kramsta und Söhne in Freiburg erworben und waren bis zu ihrem Ausscheiden dort in leitender Stellung tätig gewesen. Außer ihrer geschäftlichen Erfahrung standen ihnen in Landeshut nur ihre verhältnismäßig bescheidenen Ersparnisse zur Verfügung. Aber mit großem Wagemut und eiserner Tatkraft ausgestattet, führten sie die Firma in den nächsten Jahren zu einem immer größer werdenden Unternehmen.

Im Jahre 1860 wurde in Ober-Leppersdorf ein größeres Grundstück erworben und auf diesem eine Bleich- und Appreturanstalt nach den neuesten Erfahrungen angelegt.

Der Wahlspruch der Firma Gebr. Methner lautete: "An Gottes Segen ist alles gelegen".

Am 24. Mai 1868 starb der Mitbegründer der Firma, Robert Methner. Das Unternehmen wurde danach von dem damaligen Alleininhaber, dem späteren Kommerzienrat Carl Methner, und seinem seit 1867 als Prokurist tätigen jüngeren Halbbruder Paul (1844 - 1919) mit stetig wachsendem Erfolg weitergeführt.

Dieser Paul Methner lebte seit dem Jahre 1856 im Hause seines Halbbruders Robert Methner und war von dessen Ehefrau Marie erzogen worden. Nach seiner Schulausbildung absolvierte er eine kaufmännische Lehre, trat 1860 in die Firma seiner Halbbrüder ein und war, wie oben erwähnt, seit 1867 als Prokurist tätig. Verheiratet war er seit dem 1. Juli 1873 mit Marie Weber, Tochter des Kaufmanns und Landeshuter Stadtverordnetenvorstehers und späteren Ehrenbürgers Karl Weber.

Um 1867 trat auch Heinrich Frahne seine Tätigkeit bei der Firma Gebr. Methner an. Geboren wurde er am 10. August 1847 im westfälischen Brechten bei Dortmund als Pastorensohn. Nach dem Besuch des Dortmunder Gymnasiums absolvierte er eine Ausbildung an der Höheren Webschule in Mülheim und begann eine Kaufmannslehre. Zunächst war er als Vertreter und Reisender für die Firma Methner tätig. Nachdem er 1872 der Schwiegersohn des Kommerzienrates Carl Methner geworden war, ging er als Vertreter der Firma nach Köln. Nach dem Tode Carl Methners übernahmen Heinrich Frahne und Paul Methner am 1. April 1875 gemeinsam die Leitung der Firma. Für ihre Verdienste um das Unternehmen erhielten beide später den Titel "Geheimer Kommerzienrat".

Ein wichtiges Jahr für die Firma war das Jahr 1878, in welchem infolge des immer mehr zunehmenden Absatzes auf dem der Firma gehörenden Grundstück in Ober-Leppersdorf eine mechanische Leinenweberei errichtet wurde. Um die erforderliche Garnbelieferung für die Weberei sicher zu stellen, wurde im Jahre 1883 die älteste deutsche Flachsgarnspinnerei der Gebr. Alberti in Waldenburg erworben. 1891 wurde dem Unternehmen die nahezu gleich große Spinnerei und Weberei nebst Appretur, Mangel, Färberei und mechanischer Näherei der Konkurrenzfirma 
C. Epner sen. in Landeshut angeschlossen und als Abteilung unter dem alten Firmennahmen weiter geführt.

Die immer weitere Ausdehnung des Geschäftes führte im Februar 1907 zur Gründung einer Aktiengesellschaft mit Rückwirkung auf den 1. Juli 1906. Seitdem lautete die Firma: Schlesische Textilwerke Methner u. Frahne AG. Den Vorsitz der neu gegründeten Aktiengesellschaft übernahm der Senior der Firma, Geheimrat Paul Methner, sein Stellvertreter wurde Dr. Curt Frahne (Sohn von Heinrich Frahne) und als drittes Mitglied trat Direktor Carl Michalowsky von der Deutschen Bank hinzu.

Als geschäftsführende Vorstandsmitglieder wurden zwei Söhne der bisherigen Firmeninhaber, Paul Methner jun., der 1917 durch einen Unglücksfall im Alter von 41 Jahren verstarb, und Dr. Hans-Heinrich Frahne bestellt.

Auch in seiner veränderten Wirtschaftsform hielt der fortschrittliche Ausbau des Unternehmens weiter an. 1912 wurde eine neue mechanische Weberei in Schömberg den Werken hinzugefügt sowie 1919 - 1933 die Landeshuter Seidenweberei. Am 1. April 1928 wurde die Flachsfabrik Hermann Meyerowitz in Friedland (Kreis Waldenburg) unter Vorkaufs- und Optionsrechten gepachtet. Ferner gehörten zum Unternehmen die Spinnerei in Christianstadt am Bober, die Leinengarnspinnerei und Bleicherei vorm Renner u. Co. in Röhrsdorf bei Friedeberg a. Queis und die Mechanische Weberei Eduard Knoll in Markausch, Bezirk Trautenau.

Anfang der 1930-Jahre kam es zu einer wirtschaftlichen Krise. Auch andere schlesische Textilindustrien waren davon betroffen. Am 25. Juni 1931 kam es zum Zusammenschluss der AG Schlesische Leinen-Industrie (vorm. C. G. Kramsta & Söhne) mit den Schlesischen Textilwerken Methner & Frahne AG zur Ostdeutschen Textilindustrie AG. Generaldirektor blieb Dr. Hans-Heinrich Frahne. Im Jahre 1933 erfolgte die Liquidation. Zur Fortführung des Unternehmens wurde Kramsta-Methner & Frahne GmbH gegründet, die 1935 erneut in eine AG umgewandelt wurde. Werke bestanden in Merzdorf/Riesengebirge (Flachsfabrik und Grünflachsspinnerei), Waldenburg (Leinenspinnerei), Landeshut (Leinen-, Halbleinen- und Schwerweberei) und Bolkenhain (Roh- und Gebildweberei). Im Jahre 1948 wurde der Sitz des Unternehmens nach Bielefeld verlegt. Die Auflösung der Gesellschaft erfolgte 1963.

Robert Methner (08.11.1829 - 24.05.1868)

Carl Methner (05.02.1821 - 04.03.1875)

Paul Methner (21.11.1844 - 25.05.1919)

Paul Methner jun. (29.09.1876 - 18.09.1917)

Heinrich Frahne (10.08.1847 - 07.07.1907)

Dr. Hans-Heinrich Frahne (05.08.1877 - 1933)

Verwaltungsgebäude an der Schömberger Straße

Hauptkontor im Verwaltungsgebäude

Bronzeplakette mit dem Wahlspruch der Firma

Firmenbriefkopf

Die Firma Kramsta-Methner & Frahne AG feierte im Oktober 1927 ihr 75jähriges Firmenjubiläum.

Modehaus Arthur Lindau

Wilhelmstraße 5

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Der Textilkaufmann Arthur Lindau wurde am 21.02.1885 in Hirschberg geboren, als Sohn des dortigen Konditormeisters Oskar Lindau und dessen Ehefrau Hedwig. Nach 1909 zog die Familie Lindau nach Landeshut und eröffnete im Haus Markt Nr. 15 die bekannte Konditorei und das Café Lindau, welches später Arthur Lindaus Bruder Paul führte. Neben seiner kaufmännischen Lehre in Hirschberg war Arthur Lindau in vielen deutschen Großstädten in maßgebenden Häusern der Textilbranche tätig. Zur weiteren Ausbildung nahm er vor dem ersten Weltkrieg einige Auslandsstellungen an, die ihn in führende Modehäuser in Mailand und Lausanne brachte. Während des ersten Weltkrieges wurde er schwer verwundet. Nach weiterer 15jähriger Tätigkeit bei der Berliner Firma Seidenhaus Michels kam er im Juli 1934 nach Landeshut zurück, um sich in dem Textilwarengeschäft an der Wilhelmstraße 5 selbständig zu machen. Dies führte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Lotte bis zur Vertreibung.

Im Jahre 1946 kam Arthur Lindau mit seiner Ehefrau und den Kindern Manfred und Brigitte nach Oberstdorf. Hier begann ein schwerer Neuanfang. Sein Wunsch war die Wiedereröffnung eines eigenen Geschäftes. In Ladengemeinschaft mit einem Friseur bot er auch bald wieder Modewaren zum Verkauf an. Am 5. Mai 1948 konnte er in Sonthofen wieder ein eigenes Geschäft eröffnen, dem im Januar 1954 die Gründung eines Zweiggeschäftes in Oberstdorf folgte.

Arthur Lindau war nunmehr auch im Allgäu wieder ein Begriff für modische Damen- und Herrenartikel. Das Hauptgeschäft in Sonthofen wurde bis zum Jahre 1962 geführt und die Filiale in Oberstdorf bis zum Jahre 1964. Er starb am 28.08.1963.

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Geschäft in Oberstdorf

Kurz-, Weiß- u. Wollwarengeschäft Hermann Pursch

Langhansstraße 11

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Hermann Pursch aus Glogau kam im Jahre 1885 mit seiner Ehefrau Christiane und den Söhnen Oscar und Bruno nach Landeshut, um hier ein Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäft zu eröffnen. Es war zunächst ein ganz bescheidener Beginn. Er pachtete ein Ladenlokal in einem Eckhaus, welches sich an der Stelle befand, an der 1905 das neue Rathaus errichtet wurde. Zur Eröffnung des Geschäftes erhielt er von seinem früheren Chef in Glogau einen Kredit in Höhe von 3000 Mark. Die ersten Tageseinnahmen waren sehr bescheiden und lagen bei drei Mark. Doch unermüdlicher Fleiß und die Lieferung von guter und preiswerter Ware ließen den Start gelingen, so dass nach fünf Jahren in dem späteren Moslerschen Haus an der Schmiedeberger Straße, gegenüber der Löwen-Apotheke, ein wesentlich größerer Laden gemietet werden konnte. Darüber hinaus besaß Hermann Pursch in den Jahren 1900 bis 1905 auch eine Filiale in Liebau. Sie befand sich am Markt neben dem Hotel Kyffhäuser.

Als der Pachtvertrag im späteren Moslerschen Haus im Jahre 1905 endete, erwarb er das Haus an der Böhmischen Straße 11 (später Langhansstraße). In diesem Haus befand sich vorher eine Fleischerei mit nur zwei kleinen Schaufenstern. Hermann Pursch baute das gesamte Erdgeschoss um, so dass fünf große Schaufenster mit elf Schaukästen entstanden. Später kam noch die gesamte erste Etage dazu. Im Jahre 1906 übergaben Hermann und Christiane Pursch den Söhnen Oscar und Bruno das Geschäft und setzten sich in Hermsdorf/Kynast zur Ruhe.

Oscar Pursch wurde am 23. Juli 1879 in Glogau geboren. Nach der Schulzeit absolvierte er in Breslau eine mehrjährige Lehrzeit. Anschließend arbeitete er gemeinsam mit den Eltern und seinem jüngeren Bruder Bruno im Geschäft. An den Werktagen war das Geschäft bis 21 Uhr geöffnet, sonntags bis 19 Uhr. Am Sonntagvormittag mussten die Schaufenster allerdings mit schwarzen Tüchern verhängt sein, damit die Kirchgänger auf dem Wege zur Kirche nicht in ihrer Andacht abgelenkt wurden. Im Jahre 1924 heiratete er Johanna Hoffmann. Aus dieser Ehe gingen 1 Sohn und 2 Töchter hervor. Nach der Vertreibung lebte die Familie Oscar Pursch in Langelsheim am Harz. Hier führte Oscar Pursch einige Jahre ein kleines Textilgeschäft. Er starb am 15. Juni 1982 in Bergfeld, Landkreis Gifhorn.

Bruno Pursch wurde am 17. Januar 1882 in Glogau geboren. Er besuchte in Landeshut das Realgymnasium bis zum Einjährigen und trat danach in das Geschäft seiner Eltern ein. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Oscar führte er dieses Geschäft bis zur Vertreibung. Im Jahre 1946 kam er nach Abbenfleth an der Unterelbe und starb am 14. März 1964 in Holenwisch bei Wischhafen, Kreis Stade.

Oscar Pursch (23.07.1879 - 15.06.1982)

Bruno Pursch (17.01.1882 - 14.03.1964)

Geschäftshaus Pursch

Geschäft Pursch

Firma Carl Renner Nachf., Inhaber Ernst Brinkop

Mühlgrabenpromenade

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Der Fabrikbesitzer Ernst Brinkop wurde am 18.07.1886 in Dörnten, Kreis Goslar, geboren. Seine Vorfahren waren über vier Generationen hinweg Bäckermeister. Sein Vater, Wilhelm Brinkop, riet seinem Sohn dringend, keinesfalls einmal die Bäckerei zu übernehmen, sondern ein Handwerk mit dem Ziel zu erlernen, sich selbständig zu machen.

Ernst Brinkop erlernte in Goslar das Schlosserhandwerk und bestand seine Gesellenprüfung mit "sehr gut". Im Anschluss an seine Militärdienstzeit besuchte er in Roßwein/Sa. die Schlosser- und Maschinenbauschule und wurde zum Techniker ausgebildet. Nach seinem Studium trat Ernst Brinkop in Landsberg an der Warthe eine Stellung an. Von hier aus nahm er erstmals Kontakt zu Herrn Renner in Landeshut auf. Dieser war kinderlos und suchte einen versierten Techniker, der dann später - zusammen mit seinem Neffen - die Firma übernehmen sollte. Im Jahre 1911 trat Ernst Brinkop bei Herrn Renner ein und bearbeitete den ganzen technischen Bereich, wie Kalkulation, Angebotsbearbeitung, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung und Fertigungsüberwachung. Aufgrund eines Zerwürfnisses zwischen Herrn Renner und seinem Neffen musste dieser aus der Firma ausscheiden. Ernst Brinkop konnte am 1. April 1912 die Firma Carl Renner Nachfolger Ernst Brinkop gründen.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Fabrik wesentlich ausgebaut und die Herstellung von Stahltüren und Stahltoren aufgenommen. Im Laufe der Jahre vergrößerte Ernst Brinkop noch mehrmals den Betrieb durch Neubauten. Während des 2. Weltkrieges wurde ein Gelände auf der anderen Seite des Bobers käuflich erworben und durch eine Brücke mit dem alten Werksgelände verbunden. Seit der Gründung war es ihm gelungen, seine Fabrik zur zweitgrößten Firma auf dem Sektor des Stahltürenbaus auszubauen. Die gefertigten Tore und Türen gingen sowohl ins Inland, als auch ins europäische und überseeische Ausland.

Auch Ernst Brinkop blieb die Vertreibung nicht erspart. Mit einem Rucksack auf dem Rücken verließ er Landeshut. Sein Lebenswerk blieb in Landeshut zurück. Am Ende des Krieges waren insgesamt 520 Personen beschäftigt. Die Produktionsfläche umfasste 8.000 qm. Seine Grundstücke einschließlich des Grundstückes auf der nördlichen Boberseite mit den dazugehörigen Wiesen waren insgesamt 40.000 qm groß.

Der Neuanfang nach 1946 war auch für die Familie Brinkop sehr schwer. Im März kam Sohn Werner aus der Gefangenschaft zurück. Ernst Brinkop großer Wunsch war die Wiedergründung seiner Firma in West-deutschland. Bis zur Realisierung dieses Vorhabens war es aber noch ein weiter Weg. Er arbeitete u. a. als Dreschmaschinenführer bei der Gemeinde in Göttingen und als Treuhänder bei einer Stahlbaufirma in Hannover. Nach der Währungsreform wurde er arbeitslos und hatte nun die Möglichkeit, durch viel mehr Zeit ganz intensiv an der Wieder-gründung seiner Firma zu arbeiten. Am 1. November 1951 war es endlich soweit. Die Firma wurde unter dem neuen Namen Ernst Brinkop, vorm. Carl Renner Nachfolger in Hannover - Vahrenwald gegründet. Sohn Werner Brinkop trat in die väterliche Firma ein und übernahm sie nach dem Ausscheiden seines Vaters im Jahre 1954. Durch sein geschäftliches Geschick konnte die Firma ständig vergrößert werden. Im Jahre 1978 wurde die Firma in eine GmbH & Co. umgewandelt und firmiert mit dem Namen Brinkop Stahltore GmbH & Co.

Am 1. April 1982 trat der zweitälteste Sohn Heinz als späterer Nachfolger in die Firma Brinkop Stahltore ein. Ende des Jahres 1985 konnten Werner und Heinz Brinkop einen weiteren geschäftlichen Erfolg verbuchen. Sie gründeten eine neue Gesellschaft, die Brinkop GbR. Am 1. April 1987 wurde zusätzlich noch eine 3. Firma, die "Brinkop EDV-Systemlösungen GmbH", gegründet. Heinz Brinkop hatte sich so gut in die Computertechnik eingearbeitet, dass er ein zusätzliches Betätigungsfeld übernehmen konnte.

Das Lebenswerk von Ernst Brinkop wird somit erfolgreich weiter geführt.

Werner Brinkop (1928 - 02.04.1992)

Heinz Brinkop

Das Stammwerk in Landeshut

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Firma J. Rinkel AG

Flügelstraße und Schmiedeberger Straße 22

Konfektionsgeschäft Hermann Schlums

Markt Nr. 29

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Um 1850 wurde in Landeshut das Konfektionsgeschäft Hermann Schlums gegründet. Es entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem über die Stadtgrenze hinaus sehr bekannten Modehaus.

Das über mehrere Etagen betriebene Konfektionsgeschäft mit großer Schaufensterfront befand sich in einem sehr geschichtsträchtigen Haus. Errichtet wurde es im 17. Jahrh. von dem aus Reval gebürtigen Liegnitzer Baumeister Martin Frantz, dem Erbauer der Gnadenkirchen in Hirschberg und Landeshut. In diesem Haus verweilte am 10. August 1743 und am 1. März 1749 König Friedrich der Große. Ein weiterer berühmter Besucher aus dem Hause Preußen war König Friedrich Wilhelm II. am 8. Juli 1790. Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich an der Hausfassade eine Gedenktafel, die an die Besuche erinnerte. Heute wird diese Tafel im Niederschlesischen Webereimuseum in Landeshut aufbewahrt.

Das Haus gehörte früher und auch heute wieder zu den schönsten Bürgerhäusern am Markt. Der frühere Landeshuter Bürgermeister Günther Ries ließ anlässlich des 200. Geburtstages von Carl Gotthard Langhans 1933 einen Wettbewerb für das künstlerisch wertvollste Bürgerhaus ausrichten. Den ersten Platz belegte das Haus der Kaufmannsfamilie Schlums.

Zwischen 1925 und 1938 verstarb Hermann Schlums. Emmi Schlums vermählte sich mit Otto Hanetzki und führte das Modehaus gemeinsam mit ihrem Ehemann unter dem bisherigen Firmennamen "Hermann Schlums" weiter. Nach 1946 kam das Ehepaar nach Lüdenscheid und gründete auch hier wieder ein Konfektionsgeschäft. Emmi Hanetzki-Schlums verstarb am 9. September 1964 in Lüdenscheid.

Schneiderwerkstatt Hermann Schlums (Aufnahme: 1904)

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Markt Nr. 29 - Konfektionsgeschäft Schlums

Gedenktafel (aus der Sammlung von Ursula und Josef Chec)

Schürzenfabrik Oskar Schubert

Lademannstr. 7

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Am 02. Januar 1935 konnte Oskar Schubert im Kreise seiner Mitarbeiter das 25jährige Geschäftsjubiläum feiern.

Zementwarenfabrik Paul Strecker

Hirschberger Straße 19

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Paul Strecker, geboren am 5. Januar 1876 in Neuen (Kreis Landeshut), gründete am 2. November 1903 in Ober-Leppersdorf Nr. 5 (später Hirschberger Str. 19) die weit über die Stadtgrenze hinaus bekannte Zement- und Betonwarenfabrik. Es wurden Zementwaren aller Art, Terrazzo, Steinholz-Silos für Gärfutter, Brunnenanlagen und Betonteile für Brückenbauten hergestellt.

Seit dem 22. Februar 1903 war er mit der am 22. Februar 1883 in Bolkenhain geborenen Pauline Mentner verheiratet. Auch das Ehepaar Strecker musste 1946 Landeshut verlassen und das mit viel Mühen und Fleiß aufgebaute Lebenswerk zurücklassen. Sie kamen mit ihrer Familie nach Barver, Kreis Diepholz. Dort starb Paul Strecker am 22. März 1955.

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Hirschberger Str. 19 - Wohnhaus der Familie Strecker

Juwelierfamilie Wehner

Kornstraße 4

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Der Goldschmied Gustav Wehner wurde am 11.11.1832 in Oberlangenöls, Kreis Lauban geboren. Im Jahre 1866 gründete er in Landeshut, Kornstraße 4, das Juweliergeschäft, welches bis zur Vertreibung im Besitz der Familie Wehner blieb. Bereits sein Vater und auch sein Großvater werden in den Urkunden als Goldarbeiter geführt. Gustav Wehner war zweimal verheiratet. Der Sohn aus der 1. Ehe setzte die Familientradition fort. Er wurde ebenfalls Goldarbeiter und ging nach Jauer.

Nach dem Tod seiner 1. Ehefrau heiratete Gustav Wehner Bertha Bachmann, die nach seinem Tod (01.02.1896) das Geschäft ihres verstorbenen Ehemannes übernahm. Der gemeinsame Sohn Alfred Wehner sen. (geb. 26.11.1869 in Landeshut) trat in das elterliche Geschäft ein und übernahm es später. Neben dem Beruf als Goldschmied war er auch Zahntechniker. Er verstarb am 18.03.1947 in Elberfeld.

In der 3. Generation führte Alfred Wehner jun. (geb. 08.08.1898 in Landeshut) das Geschäft seiner Vorfahren weiter. Zunächst erlernte er (aus gesundheitlichen Gründen) den Beruf des Gärtners. Nach dem Tod seines Bruders Carl trat er aber 1918 in das Geschäft des Vaters ein und machte eine externe Ausbildung zum Goldarbeiter und Graveur. 1930 erfolgte die Übernahme des Geschäftes vom Vater und danach Firmierung unter "Wehner u. Co., Inhaber Alfred Wehner jun".

Nach 1946 begann ein schwerer Neuanfang in Marschacht/Elbe. Familie Wehner wohnte gemeinsam mit vielen Familien und der Pfarrfamilie im Pfarrhaus. 1947 erhielt Alfred Wehner jun. die Genehmigung zum Ausbau der Pfarrhausveranda für ein Ladengeschäft. Sein Schwager Otto Hübner (früher Markt Nr. 11) erwarb 1953 ein Haus in Marschacht und eröffnete dort 1954 einen "Edeka-Laden". Er bot Alfred Wehner jun. an, in diesem Haus neben seinem Laden ein Juweliergeschäft zu eröffnen. Hier konnten Margarete und Alfred Wehner jun. im Oktober 1966 mit der Familie und Freunden das 100jährige Geschäftsjubiläum begehen. Im Herbst 1968 erfolgte dann aus Altersgründen die Aufgabe des Geschäftes. Damit endete die über 100jährige Firmengeschichte der Juwelierfamilie Wehner.

Quelle:

  • Bilder und Daten wurden von Karl-Heinz Wehner (Sohn von Alfred Wehner jun.) zur Verfügung gestellt.

Alfred Wehner sen. (26.11.1869 - 18.03.1947) mit der Kette des Schützenkönigs des Karnöffelvereins im Jahre 1939

Alfred Wehner jun. (08.08.1898 - 29.01.1986)

Von rechts nach links: Alfred Wehner jun., Bertha Wehner, 
Alfred Wehner sen., seine ledige Schwester Margarete 
(Aufnahme: ca. 1901)

Schaufenster des Juweliergeschäftes Wehner, Kornstr. 4, Landeshut

Schaufenster des Juweliergeschäftes Wehner, Kornstr. 4, Landeshut

Schatulle mit Silberlöffeln - Juweliergeschäft Gustav Wehner

Schmuckkästchen - Juweliergeschäft Alfred Wehner vor 1914

Rechts das Schaufenster des Juweliergeschäftes Wehner in Marschacht

Personen 1. Reihe rechts: Kaufmann Otto Hübner (fr. Markt Nr. 11), ein Nachbar, Schwiegermutter Frau Fuhrmann (fr. Markt Nr. 11), Herr Trulley (fr. Geschäft Kornstr.), Margarete Wehner, 2. Reihe von rechts: Alfred Wehner, 3. Person Frau Trulley, links Frau Heilmann, ganz hinten Ernst Heilmann (fr. Kirchstr.)

Karl-Heinz Wehner vor seinem Elternhaus, Kornstr. 4 (Aufnahme: 1994)

Kornstraße im Jahre 1994 - von hinten die Geschäfte Papier - Trulley, Zigarren - Leyser, Blumen - Grunert, Juwelier Wehner

Buchdruckerei Armin Werner

Wallstraße 38

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Der Buchdruckereibesitzer Armin Werner wurde am 6. Februar 1848 als Sohn eines Schieferdeckermeisters in Armenruh, Kreis Goldberg geboren. nach Beendigung seiner Schulzeit sollte er dem Willen seines Vaters folgend Geistlicher werden. Der junge Armin hatte jedoch einen ganz anderen Berufswunsch, ihn interessierte Gutenbergs schwarze Kunst. Er setzte sich durch und absolvierte eine Druckerlehre. Da er ein fleißiger und eifriger Lehrling war, wurde er bereits mit 18 Jahren freigesprochen. Als Wanderbursche zog er dann hinaus, um Land und Leute kennen zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Sein Weg führte ihn bis nach Paris. In mehreren deutschen und österreichischen Orten hielt er sich auf. Meistens war er aber in Berlin und Leipzig und arbeitete dort vielfach als Fremdsprachensetzer.

Nach etlichen Jahren der Wanderschaft wollte Armin Werner sesshaft werden und eine selbständige Tätigkeit ausüben. Er liebte seine schlesische Heimat und die Berge. So gelangte er nach Landeshut. Am 1. Juli 1874 gründete er an der Gartenstraße seine eigene Druckerei und gab das "Landeshuter Stadtblatt" heraus. Die Anfänge waren recht bescheiden. Das Einlagekapital bestand aus 110 Thalern, einige Setzkästen und eine Handpresse bildeten das Inventar. Mut zum Risiko, viel Fleiß und Einsatzbereitschaft brachten aber Erfolg. Bereits nach einem Jahr waren die Räumlichkeiten zu klein. Mit der finanziellen Unterstützung seines Vaters erwarb er das gegenüber der Wallstraße gelegene Ertelt`sche Haus. Im Herbst erfolgte der Umzug. Aber nicht nur berufliche Erfolge konnte er erzielen, auch privat stand das Glück an seiner Seite. Er heiratete 1877 und im Laufe der Jahre wurde er Vater von sechs Kindern.

Armin Werners Druckereibetrieb wurde weit über die Stadtgrenze Landeshuts hinaus bekannt und er bekam immer größere Aufträge. Im Jahre 1888 verkaufte er das bisher genutzte Haus und verlegte seinen Betrieb in das vom Kaufmann Schlesinger erworbene Haus an der Pfortengasse/Ecke Wallstraße, das später im ganzen Kreis als das "Tageblatthaus" bezeichnet wurde.

Obwohl die Wernersche Druckerei am 12. September 1896 weitere Konkurrenz durch die Buchhandlung und Buchdruckerei des Paul Schultze und 1906 durch die Gründung der Buchdruckerei Richter & Goebel in der Kurzen Gasse erhielt, nahmen die Aufträge nicht ab und der Betrieb konnte weiterhin Erfolge erzielen.

Das 25jährige Geschäftsjubiläum überlebte Armin Werner nur um wenige Monate. Er verstarb bereits am 27. November 1899. Sein Sohn Rudolf Werner führte den Betrieb fort, in den dann später sein Schwager Georg John als Teilhaber eintrat. Rudolf Werner verstarb allerdings noch vor 1945 in Landeshut. Bis zur Vertreibung blieb die Druckerei im Besitz der Familie Werner/John.

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Das folgende Bild zeigt das "Tageblatthaus" Werner - Pfortengasse/Ecke Wallstraße.