Rohnau (Riesengebirge) - (Wiesciszowice)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Rohnau liegt an den nordöstlichen Ausläufern des Landeshuter Kammes im Vorland des Riesengebirges. In einem nach Osten offenen Talkessel liegt der Ort unterhalb der beiden Anhöhen Scharlachberg (871 m) und Ochsenkopf (877 m).

Erstmalig erwähnt wird Rohnau im Jahre 1255 unter dem Namen "Ronowe". Grundherr war wohl ein Heinrich von Ronowe (Rohnau). Laut Schwanitz hatte das Rittergeschlecht derer von Rohnau im 14. Jahrhundert seine Hochblüte und ging wohl später im 15. Jahrhundert in anderen dynastischen Zweigen auf oder starb mangels Nachkommen ab. Die Rohnauer Uradligen scheinen jedenfalls bereits im 14. Jahrhundert ihren Sitz im Ort selbst verlassen und eingetauscht zu haben gegen eine klimatisch oder wirtschaftlich günstiger gelegene Wehranlage, wobei sie einen neuen Gebietsnamen zusätzlich annahmen und ihren früheren Grundbesitz an neue Grundherren übereignet haben, die ihr neues Herrschaftszentrum im später so genannten Schloss Kreppelhof einrichteten.

Rohnau bildete eine eigene Landgemeinde und gehörte seit 1874 zum Amtsbezirk Kreppelhof. Am 30.09.1928 erfolgte die Umbenennung in Amtsbezirk Rohnau und zwei Jahre später in Rohnau (Riesengebirge). Die weitaus überwiegende Mehrheit der Bewohner war evangelisch. Im Jahre 1925 hatte der Ort 586 Einwohner, davon waren 552 evangelisch.

Rohnau hatte zwei Kirchen. Im Jahre 1559 wurde an der Stelle des Vorgängerbaues die "alte katholische Kirche" als kleine evangelische Dorfkirche errichtet. Es handelte sich um eine Steinkirche in spätgotischem Stil. Sie war mit einem Schindeldach und einem Zwiebelturm versehen. Im Rahmen der Rekatholisierung wurde sie den Protestanten am 13.02.1654 weggenommen und blieb bis 1945 katholisches Gotteshaus. Sie war eine Filiale der katholischen Stadtpfarrkirche Landeshut., in der zur Sicherung des Besitzstandes nur noch einmal im Jahr ein katholischer Gottesdienst gehalten wurde. Später wurde die Kirche wegen Baufälligkeit für regelmäßige Gottesdienste geschlossen. Die neue evangelische Kirche, wurde 1859 von dem wohlhabenden Rohnauer Bauern Christian Gottlieb Gärtner gestiftet. Von den drei ursprünglichen Glocken hängt heute nur noch die kleinste Glocke "Hoffnung" im Turm., die beiden größeren Glocken "Glaube" und "Liebe" sind während des zweiten Weltkrieges eingeschmolzen worden.

In Rohnau gab es eine evangelische Volksschule mit zwei Klassenräumen und jeweils zwei Klassenabteilungen. Auch die katholischen Kinder wurden damals, bis auf den Religionsunterricht, dort unterrichtet. Im Ort befand sich auch das zuständige Standesamt. Heute gehört Rohnau zur Landgemeinde Marciszów (Merzdorf).

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Schwanitz, Jürgen: Rohnau am Scharlachberg, Metten 2003. 2. Aufl.
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785

Blick auf Rohnau

Blick auf Rohnau

Der Blaue See bei Rohnau, ein schönes Ausflugsziel:

Die Kirchen:

Im Ort gab es eine evangelische und auch eine kleine katholische Kirche.

Die evangelische Kirche (erbaut im Jahre 1859)

Die katholische Kirche (erbaut im Jahre 1559)

Konfirmanden mit Pastor Bild und Kantor Müller im Jahre 1933

Konfirmanden mit Pastor Bild im Jahre 1936


Die evangelische Schule:

Das folgende Bild zeigt die evangelische Schule im Jahre 1992. Es handelte sich um eine Volks-schule mit zwei Klassenräumen und jeweils zwei Klassenabteilungen. Auch die katholischen Kinder wurden damals, mit Ausnahme des Religionsunterrichtes, dort unterrichtet.

Bild links unten: Haus Nr. 42 - Warenhandlung Hedwig Kandale

Haus Nr. 63 - Oswald Pohl

Die Gastronomie:

In Rohnau gab es früher 3 Gastwirtschaften:
1.  Haus Nr. 41                                                     Der "Kirchkretscham"
2.  Haus Nr. 45                                                    Der "Gerichtskretscham"
3.  Haus Nr. 99                                                    Gasthof Hermann Opitz

Das folgende Bild zeigt den "Kirchkretscham" (Besitzer: Familie Klinke)

Haus Nr. 45 - Der "Gerichtskretscham" (Besitzerin: Anna Jung)

Haus Nr. 99 - Gasthof Hermann Opitz

Das Kirchenfest wird im Jahre 1919 im Gasthof Opitz gefeiert.

Der Rohnauer Knappenverein anlässlich der Beerdigung des Direktors Klambt vom Morgensternwerk

Das Kriegerdenkmal:

Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges

(Aufnahme: April 2014)

Kriegerdenkmal (Aufnahme: April 2014)

Die Schwefelkiesgrube:

Der ältesten Rohnauer Schwefelkiesgrube wurde im Jahre 1785 der Name "Hoffnung" verliehen. Sie war bis 1925 in Betrieb.

Auf dem folgenden Foto sind Betriebsangehörige der Schwefelkiesgrube abgebildet.
Obere Reihe von rechts nach links: Richard Rummler, Ernst Ludwig, Heinrich Opitz, Heinrich Springer, Wilhelm Opitz, Hermann Klose, Heinrich Trollst und Lehmer aus Rudelstadt.
2. Reihe von rechts nach links: Heinrich Hoppe, August Buchheim, Krause, Opitz-Schmied, Krause, Robert Heinzel, Heinrich Leder aus Röhrsdorf, Richard Opitz aus Waltersdorf, Heinrich Leder aus Rohnau, August Gärtner, Hermann Ende aus Röhrsdorf und Bruno Schöbel.
3. Reihe von rechts nach links: Julius Wagner, Döring, Paul Reisewitz, Alfred Schröer und Heinrich Sachmann.
Vordere Reihe von links nach rechts: Richard Vielhauer aus Röhrsdorf, Heinrich Kuhnl, Richard Gärtner aus Röhrsdorf und Gustav Gärtner.

Die Schwefelkiesgrube

Die Schwefelkiesgrube

Das folgende Bild entstand in den 30er Jahren. Im Vordergrund ist der Planwagen der Hotze-Mühle zu sehen.

Aus dem Alltag:

Die Kinder feiern im Kindergarten Karneval. (Aufnahme: 1936/37)